Ein Fuks appelliert an die Mänschheit

„Fuchs 8“ – George Saunders

Fuchs 8 mag die Menschen. Jeden Abend versteckt er sich in den Büschen vor ihren Häusern und lauscht ihnen beim Vorlesen. Durch die Gute-Nacht-Geschichten lernt er ihre Sprache. Verzaubert von ihren Worten, wächst seine Neugier auf sie. Was müssen das nur für starke Wesen sein, deren Worte so viel Magie und Stärke ausstrahlen!

Doch als die Menschen den Wald für den Bau eines Einkaufszentrums zerstören und die Füchse nicht nur um ihren natürlichen Lebensraum, sondern auch um ihren Zugang zu Nahrung berauben, beschließt Fuchs 8 zur Tat zu schreiten. Im naiven Glauben an ihr Verständnis begibt sich der fuchsige Tagträumer zu den Menschen, die ihm immer so freundlich erschienen und macht eine schreckliche Entdeckung.

„Eine Sache habe ich in meinen Amden an dem Fenster der Mänschen gelernt: ein guter Schreiber sorgt dafür, das der Leser sich so schlecht fült wie der Mänsch in der Geschichte.“

Als mir George Saunders‘ neuester Geniestreich in die Hände gerutscht ist, hab ich ernsthaft gedacht, ihn einfach mal so weginhalieren zu können. So als kleiner Snack zwischendurch. Das sollte an einem Tag, maximal in zwei Tagen drin sein. Füchse ziehen mich in der Regel magisch an und so war es bei dem wunderbaren Cover von „Fuchs 8“ nicht wirklich verwunderlich, dass ich das Buch schon allein wegen des Covermotivs haben musste. Doch die 56 Seiten des schmalen Büchleins haben mich dann doch ganz schön lange beschäftigt. Denn nicht nur der ungewöhnliche Schreibstil, sondern auch die Botschaft, die sich zwischen den Zeilen versteckt, hat es ganz schön in sich!

Was für ein Fuchs ist eigentlich George Saunders!? Das dachte ich mir gleich zu Beginn, als ich mit dem Lesen begonnen habe. Denn Saunders lässt niemand geringeren als einen Fuchs zur Sprache kommen. Genaugenommen handelt es sich hier um Fuks 8, einem ausgesprochen neugierigen, mutigen, aber auch ein bisschen naiven Gesellen, der noch an das Gute im Menschen glaubt. Durch das allabendliche Belauschen der Gute-Nacht-Geschichten hat er Mänschisch [dt. die Sprache der Menschen] gelernt und ist sogar in der Lage, sie niederschreiben. Allerdings schreibt oder buchstabiert er nicht rechtschreibkonform, sondern vielmehr so, wie er es durch das Zuhören gelernt hat. Es ist eine Art phonetische Schrift – füksisch um genau zu sein – durch die er sein Wort an uns richtet.

Vielleicht wird es euch beim Lesen ähnlich ergehen wie mir. Denn beim Anblick der Zeilen geriet ich anfangs ganz schön ins Schwitzen. Durch die völlig neue Konstellation von Wörtern bin ich mehrfach ins Stolpern geraten, musste einige Stellen mehrfach lesen, ihrem nachhallenden Klang in meinem Kopf aufmerksam lauschen, um sie vollends zu erfassen. Doch wenn man sich erstmal warm gelesen hat, kommt man gut voran, und der Schreibstil wird zur Nebensache. Denn der Fokus der Zeilen liegt auf etwas ganz Anderem!

„Und gans erlich, mir wurde ein bisschen schlecht im Härzen. […] Manchma, wenn ich auf meinen blutigen Foten durch eine Mänschengegend […] trabte […] dann ich so: Warum hat der Schöpfer so einen krosen Feler gemacht, das die Kruppe, die so vil kann, so böse is?“

Und so erzählt uns Fuks 8 von den Menschen, die den Wald für ein riesiges Einkaufszentrum platt machen und die Nahrungsquelle der Füchse langsam aber sicher versiegen lassen. Wie er nachts nicht mehr schlafen kann. In den Augen seiner Freunde den Hunger, ihr heruntergekommenes Fell und die Schwere ihres Atems in der Nacht vernimmt. Und sich verantwortlich fühlt. Weil er der einzige Fuchs im Rudel ist, der Mänschisch spricht. Dass er sie retten muss. Und dass die Menschen es sicherlich verstehen werden, wenn er ihnen die Sachlage verklickert. Schließlich:Mänschen sind nett, di sind kul.“

Um der Geschichte nicht vorweg zu greifen, möchte ich an dieser Stelle nicht mehr verraten. Tatsache ist, dass Fuks 8 eine schreckliche Erfahrung machen muss, die ihm auf dramatische Weise klar werden lässt, dass die Menschen längst nicht so wohlwollend sind, wie er es immer vermutet hatte. Dass manchen Menschen Gewalt innewohnt, die so plötzlich und unerwartet ausbrechen kann, dass man gar nicht schnell genug fliehen kann. Und diese Gewalt ihre Opfer fordert, die eine lähmende Traurigkeit über unser Land bringt.

Mit „Fuchs 8“ beweist George Saunders, dass auch Kleines manchmal ganz Großes bewirken kann. Seine Zeilen schockieren, berühren und treffen uns mitten ins Herz. Vielleicht können sie sogar das Unmögliche schaffen und die Welt ein kleines bisschen besser machen. Zumindest schaffen sie ein Bewusstsein für ein respektvolleres und friedlicheres Miteinander. Unserer Welt wäre es zu wünschen.

Ein wunderbares Beiwerk, das nur sehr wenigen belletristischen Werken innewohnt, sind die Illustrationen von Chelsea Cardinal, die den Verlauf der Geschichte in wunderbar schlichte aber ausdrucksstarke Zeichnungen eingefangen hat, die den Leser über die 56 Seiten begleiten.

„Wollt ir Mänschen mal einen guten Rad von ein Fuks, der nur ein Fuks is? […] Wenn ir wollt, das oire Geschichten ein Heppi Ent haben, seit einfach ein bisschen netter.“

 

Blogparade: Ich bin anders als du – Ich bin wie du (mit Verlosung)

„Die Mischung macht’s, die Welt ist bunt. Doch nicht alles was ’ne Schnauze hat, ist auch gleich ein Hund.“

Kikaninchen – Die Welt ist bunt

Eine Welt voller Individuen

Auf unserem Planeten leben derzeit rund 7,7 Milliarden Menschen. Das sind Milliarden von Individuen auf 194 Länder verteilt. Auf den ersten Blick sind alle Menschen anders. Wir unterscheiden uns durch Nationalität, Geschlecht oder Hautfarbe und haben ganz unterschiedliche Eigenschaften, Vorlieben und Interessen. Das macht uns zwar zu unverwechselbaren Persönlichkeiten, bedeutet aber nicht automatisch, dass wir nichts gemeinsam haben können. Denn eine Gemeinsamkeit teilen wir wir uns tatsächlich alle:

Wir sind Menschen

Wenn wir uns von Oberflächlichkeiten frei machen und einen näheren Blick auf unsere Mitmenschen werfen, lassen sich oft noch viel mehr gemeinsame Nenner entdecken, als wir es auf Anhieb vermuten. Plötzlich treten Gemeinsamkeiten zu Tage, die sich fernab von äußerlichen Merkmalen finden lassen. Es sind Dinge wie Charakterzüge, Vorlieben und Hobbys, Berufsfelder, Familienkonstellationen, etc. . Kinder begegnen ihrer Umwelt in der Regel noch viel unvoreingenommener als viele Erwachsene es tun. Sie scheren sich nicht um nicht um die Hautfarbe oder Religion eines Menschen, wenn sie es nicht von ihrem direkten Umfeld vorgelebt bekommen. Anstatt sich gezielt durch bestimmte Merkmalen voneinander abzugrenzen, erfreuen sie sich meist an Gemeinsamkeiten und finden es toll, Teil einer Gruppe zu sein. Diese Unvoreingenommenheit sollten wir ihnen auf keine Fälle nehmen.

Im Gegenzug ist nicht jeder Mensch gleich, nur weil er gleich aussieht. Andersartigkeit ist oft negativ behaftet. Doch anders zu sein, muss nicht automatisch etwas Schlechtes bedeuten. Denn nur durch unterschiedliche Merkmale werden wir zu unverwechselbaren Persönlichkeiten. So unterscheiden sich Menschen mit Behinderung, einer anderen Hautfarbe oder auch durch eine unterschiedliche Größe auf den ersten Blick zwar voneinander, sind aber dennoch Teil eines Ganzen. Diversität ist wichtig. Denn erst die Vielfalt macht unsere Welt bunt. Neben schwarz und weiß gibt es eben auch zahlreiche Grautöne. Die ganze Farbpalette eines Regenbogens erstreckt sich über unseren Planeten.

Ein Kinderbuch, das sich dieser Thematik auf spielerische Weise annimmt, ist „Ich bin anders als du – ich bin wie du“ von Constanze von Kitzing. Die Illustratorin wird sicher dem ein oder anderen von euch schon ein Begriff sein. Sie ist durch ihre quadratische Pappbilderbücher „Ich bin jetzt…“ oder „Ich mag…“ bekannt. Nun hat sie ihre Reihe um ein neues Pappbilderbuch erweitert. Im Rahmen der Blogparade von Jenny vom Kinderchaos Familienblog in Kooperation mit dem Carlsen Verlag möchte ich euch heute das Buch nicht nur vorstellen, sondern auch zwei Exemplare davon unter euch verlosen.

Blogparade Kinderchaos Familienblog

Ein Herzensbuch von Constanze von Kitzing

Das Besondere an diesem Buch möchte ich euch gerne zu Beginn verraten: es ist ein Wende-Buch. Dadurch können die Kinder ihre Reise durch das Buch sowohl mit Unterschieden („Ich bin anders als du“) als auch mit Gemeinsamkeiten („Ich bin wie du“) starten. Und egal auf welcher Seite des Buches sie beginnen, ihre Reise endet in der Mitte. Hier schauen sich zwei unterschiedliche Kinder in die Augen und stellen fest: „Ich bin ich“. Sie begegnen sich auf Augenhöhe, als völlig eigenständige Persönlichkeiten.

Der Titel der jeweiligen Buchseite („Ich bin anders als du“ / „Ich bin wie du“) findet sich auch hinter dem Buchdeckel wieder. Er begleitet die Kinder durch die Seiten, wird zum Leitsatz für die jeweiligen Illustrationen, die die Unterschiede und Gemeinsamkeiten visuell umsetzen. Was mir hier sehr gefällt, ist, dass für Constanze von Kitzing hier nicht die eindeutigen Merkmale wie z.B. Hautfarbe oder Geschlecht, sondern vielmehr die unterschiedlichen Vorlieben und Lebensarten im Vordergrund stehen.

In „Ich bin anders als du“ stehen sich zum Beispiel irgendwann zwei Mädchen gegenüber, deren Haut- und Haarfarbe ganz unterschiedlich ausfällt. Dennoch ist es die Art der Kommunikation, die hier unterschieden wird. Während das linke Mädchen gehörlos ist und ihre

Gedanken mithilfe der Gebärdensprache zum Ausdruck bringt, kann das rechte Mädchen sprechen. Es passt sich dennoch seinem Gegenüber an und stellt mit seinen Händen einen Elefantenrüssel nach.  Es hat verstanden, dass das Mädchen ihm gegenüber nicht hören kann.

Auf dieser Seite des Buches geht die Illustratorin z.B. auch noch auf Lieblingsgerichte, Hobbys, Familienkonstellationen, Händigkeit und altersbedingte Merkmale ein.

In „Ich bin wie du“ stehen sich unter anderem auch zwei Kinder unterschiedlichen Geschlechts gegenüber. Constanze von Kitzing bedient sich hier einem gemeinsamen Hobby, dem Tauchen. Denn auch Mädchen und Jungen können das gleiche

Hobby haben. In einer Welt des aggressiven Gender-Marketings erachte ich diese Gemeinsamkeit als besonders wertvoll. Denn jeden Tag werde ich mit vermeintlich geschlechtsspezifischen Merkmalen konfrontiert, die sich in zugeordnetem Spielzeug, Kleidung und oft sogar Büchern ausdrücken. Wer legt fest, was ein Mädchen oder ein Junge toll finden darf? Ich finde, wir sollten es unseren Kindern überlassen, welche Farben sie mögen, welche Hobbys sie wahrnehmen und welchen Beruf sie einmal anstreben.

Auf dieser Seite des Buches geht die Illustratorin z.B. auch noch auf das Teilen, die Vorliebe für’s Kuscheln, Persönlichkeitsmerkmale, Frisuren und auf Tierliebe ein.

Auf der Website von Constanze von Kitzing findet ihr übrigens ganz wunderbares Material zum Buch, das zum Basteln, Spielen und Singen einlädt. Spitzt doch mal rüber. Auch der nachstehende Film zum Buch ist ganz toll geworden und spiegelt in meinen Augen die Botschaft des Buches auf wunderbare Weise wieder:

„Ein Mensch ist ein Mensch.“

Eckdaten

Hardcover, ab 3 Jahren

82 Seiten
14 x 14 cm
ISBN: 978-3-551-17130-6

Text & Illustration: Constanze von Kitzing

Carlsen Verlag

13,00 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Eine Reise durch die eigenen Reihen

Heute möchte ich euch dazu einladen, euch auf eine kleine Reise durch euer direktes Umfeld zu begeben. Sicher werdet ihr beim näheren Hinsehen auch bei den Menschen in eurer Umgebung jede Menge Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich an euren Entdeckungen teilhaben lasst. Verratet mir bis Mittwoch, den 4. Dezember 2019 um 23:59 Uhr eure persönliche Geschichte in Form eines Kommentars und springt damit in den Lostopf für ein Exemplar des Buchs.

Das zweite Exemplar wird auf Instagram verlost. Ihr könnt natürlich auf beiden Kanälen am Gewinnspiel teilnehmen!

Viel Glück!

[Werbung: Die Bücher wurden mir freundlicherweise vom Carlsen Verlag für die Verlosung zur Verfügung gestellt.]

#baybuch: Die Verleihung des Bayerischen Buchpreises 2019

„Wir wissen: wir wissen nichts!“

Donnerstagabend, 20:05 Uhr, die Übertragung eines der wichtigsten Events der Literaturbranche beginnt: die Verleihung des Bayerischen Buchpreises 2019. Es ist knisternde Spannung, von der die Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz in diesem Augenblick erfüllt ist. Alle Augen sind auf die Bühne gerichtet, auf der Judith Heitkamp vom Bayern 2 den Abend anmoderiert und noch einmal davor warnt, dass es nun bevorstünde, jenes Prozedere, das schlimmer sei als der Bachmann-Preis.

Denn an diesem Abend soll kein im Vorfeld erklärter Sieger in der Kategorie „Sachbuch“ und „Belletristik“ gekürt werden, nein, die Jury wird ihn live vor Ort ermitteln. Sechs nominierte Bücher gehen dafür ins Rennen, jeweils 30 Minuten stehen der Jury für die Diskussion pro Kategorie zur Verfügung. Den nominierten AutorInnen im Publikum steht eine kleine Geduldsprobe bevor. Let’s get ready to rumble!

Die Jury, von links: Knut Cordsen, Sandra Kegel, und Svenja Flaßpöhler

Das Format der Verleihung ist ungewöhnlich. Denn natürlich haben alle sechs nominierten Bücher Potential für den mit 10.000 Euro dotierten weißen Porzellanlöwen. Jedes der drei Jurymitglieder hat ein Buch pro Kategorie vorgeschlagen, das es nun im Disput zu verteidigen gilt. Denn natürlich möchte jeder seinem Favoriten zum Sieg verhelfen. Die Autopsie der Werke ist eröffnet. Sie wird nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen zu Tage bringen.  Konflikte sind vorprogrammiert.

Sachbuch-Diskussion: Ein Paukenschlag

Dass es bereits in der ersten Diskussionsrunde zu einem Eklat kommt, liegt nicht an der Jury. Denn das eingebrachte Werk, „Die Gesellschaft des Zorns“ von Cornelia Koppetsch, wird noch vor Diskussionsbeginn von der Nominierung zurückgezogen. Plagiarismus steht im Raum. Bereits im Vorfeld hat man der Autorin, die Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt ist, empfohlen, ihr Werk zurückzuziehen. Sie tut es dennoch nicht. Und so bleibt Juror Knut Cordsen an diesem Abend wohl nichts anderes übrig, als den Vorwurf mit eindeutigen Textstellen aus fremden Publikationen zu untermauern. Er unterstellt Koppetsch sogar einen fehlenden Berufsethos. Die Sache wird sie sicher nicht nur ihre Karriere, sondern auch dem Verlag und der Buchbranche erhebliche Imageeinbußen kosten. Das Buch wird nun einer wissenschaftlich fundierten Prüfung unterzogen.

Jan-Werner Müller bei seiner Dankesrede

Im Rennen bleiben zwei Sachbücher, Jan-Werner Müllers „Furcht und Freiheit. Für einen anderen Liberalismus“ und Dieter Thomäs „Warum Demokratien Helden brauchen“, die man trotz des kleinen verbleibenden Zeitfensters umfangreich seziert. Die Argumentation bleibt nicht immer sachlich. Vor allem im Gespräch um Thomäs Werk, schießt man etwas über das Ziel hinaus, trifft den Autor auf persönlicher Ebene.

„Thomä macht ja einen ganzen Heldenkatalog auf. […] Da bekomme ich förmlich Heldenplatzangst.“

Juror Knut Cordsen

Es ist Jan-Werner Müller, der letzendlich als Sieger aus dieser hitzigen Debatte hervorgeht. Sein Essay, das einen Riesen-Parcour durch das Thema Liberalismus durchläuft, konnte zwei der Juroren für sich gewinnen.

Belletristik-Diskussion: Überfrachtung

Die Nominierten in der Kategorie Belletristik, von links: Steffen Kopetzky, Carmen Buttjer, David Wagner

 

Auch in der Diskussionsrunde um die Nominierten in der Kategorie „Belletristik“ geht es heiß her. Denn gleich bei zwei Werken, sowohl bei Carmen Buttjers Roman „Levi“ als auch bei Steffen Kopetzkys „Propaganda“ ist von Überfrachtung die Rede. Während man  Buttjers „unverbraucht poetischen Ton“ der Überfrachtung von Details und Handlungsfäden gegenüberstellt, wird auf Kopetzkys Werk regelrecht eingedroschen. Der Roman, der auch mir mehr als Männerlektüre begegnet ist, wird von den beiden weiblichen Jurorinnen als überladen, mitunter sogar grausam empfunden.

 

„Wer sich nicht erinnert, verliert sich im Hier und Jetzt.“

Wer als großer Sieger aus diesem Abend  hervorgeht, ist David Wagner. Es ist sein autobiografischer Roman „Der vergessliche Riese“, der sich nicht nur in die Herzen von uns Buchpreisbloggern, sondern auch in die der Juroren schleichen kann. Das stille, aber sehr intensive Werk über Wagners demenzkranken Vater, der sich langsam aber stetig zum vergesslichen Riesen wird, überzeugt die Jury auf ganzer Linie. Plötzlich sind sich alle einig. Die Beschreibungsintensität von Wagners Werk bringt die Jury ins Schwärmen. Für seine Sprache, aus der viel Zärtlichkeit und Stärke hervorgeht, erntet der Autor viel Lob.

„Oft komme ich mir vor, als wäre ich aus einem Buch gefallen und könnte nicht zurück. Ich bin plötzlich in einer ganz anderen Geschichte und weiß nicht, was ich da soll.“

Zitat aus „Der vergessliche Riese“

Der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten: ein fulminanter Auftritt

Joachim Meyerhoff bei seiner Dankesrede

„Die Vorstellung, dass Herr Söder mit seiner Limousine vorfährt und nicht aussteigen kann, weil er nur noch schnell das Kapitel meines Buches fertig lesen muss…“

Es ist Schauspieler, Regisseur und Autor Joachim Meyerhoff, der dem Abend als einzig Wissender entgegentritt. Denn es ist der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, der ihm an diesem Abend verliehen wird. Dass es nicht Ministerpräsident Markus Söder selbst ist, der ihm den Preis überreicht, sorgt für Enttäuschung, die Meyerhoff Anlass zu einer satirischen Dankesrede gibt, die das gesamte Publikum in Lachtränen versetzt. Es wird eine Rede über Hoffnung, Enttäuschung und daraus resultierenden Geschichten. Eine Rede, die sicherlich allen im Gedächtnis bleibt.

Mittendrin statt nur dabei

Buchpreisblogger, von links: ich, Arndt Stroscher, Evelyn Unterfrauner

 

Ich hab mich mit Evelyn Unterfrauner vom Buch- und Lifestyleblog Book Broker und Arndt von der kleinen literarischen Sternwarte Astrolibrium unters Publikum gemischt. Bereits vor dem offiziellen Einlass durften wir die besondere Atmosphäre der Location auf uns wirken lassen.

Es hat mich sehr gefreut, an diesem Abend persönlich dabei sein zu dürfen, mich mit Nominierten, Verlagsmenschen, Autoren und Pressevertretern gleichermaßen austauschen zu können und die Liebe für das Lesen unter den Gästen verspüren zu können.

 

 

Für die Möglichkeit, mich in diesem Jahr als offizielle Buchpreisbloggerin für den Bayerischen Buchpreis engagieren zu können, möchte ich mich an dieser Stelle besonders bei Eva und Luise bedanken.

Informationen rund um den Bayerischen Buchpreis sind auf meiner Projektseite „Bayerischer Buchpreis 2019“ zu finden. Zum Stöbern auf den Social Media Kanälen und den Blogs der Buchpreisblogger seid ihr herzlich eingeladen. Die Verleihung ist als Livestream in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks zu finden.

Es lebe das Lesen!

Das Abschlussfoto: Moderation, Jury und Preisträger des Bayerischen Buchpreises 2019

#baybuch: Tigerschatten

„Levi“ – Carmen Buttjer

„Wenn Menschen traurig waren, dann taten sie ganz unterschiedliche Dinge. Manche heulten. So lange, bis sie nicht einmal mehr bemerkten, dass sie es taten. Andere wurden ganz laut oder leise, wütend für ein oder zwei Jahre, versteckten sich, tranken, aßen, bis sie fett waren, oder zogen in ein anderes Land. Irgendeins, das sie vorher noch nie gesehen hatten. Mein Vater tat nichts davon, und während er das tat, versuchte ich, ihn nicht zu stören.“

Zitat, Seite 12

Levi ist elf Jahre alt als seine Mutter stirbt. Ihren Verlust kann er kaum ertragen. Genauso wenig wie die Anwesenheit seines Vaters an deren Beerdigung, dem nur ein gesittetes Benehmen und der Dresscode wichtig zu sein scheint. Überhaupt scheint sein Vater die Vaterrolle nur im Auferlegen von Regeln zu verstehen. Auch jetzt. Nach ihrem Tod. Dabei war sie das einzige Bindeglied, das Vater und Sohn noch miteinander verband.

Seit dem Tod seiner Mutter ist Levis Kopf voller Fragen. Fragen, die er so gerne in die Freiheit entlassen würde, sich beim Anblick seines Vater aber doch besser verkneift. Auch sich bei der Beerdigung die Urne seiner Mutter zu schnappen, hätte er sich lieber verkneifen sollen. Und tut es dennoch. Mit ihren Überresten verkriecht er sich auf das Dach eines Hochhauses. Hier, nur ein paar Stockwerke über seinem Vater, schlägt er sein Lager auf und versucht mit aller Macht, der Realität zu entfliehen.

Doch auch zwischen den Dächern Berlins fühlt Levi sich weiterhin verfolgt. Ein Tiger scheint zwischen den Dächern herumzustreifen. Er muss es auf ihn und die Urne abgesehen haben. Sicher hat er auch seine Mutter auf dem Gewissen…

„Dass mit dem Tod hatte ich mir immer so vorgestellt, dass man erst starb, sobald man alt genug geworden war. Nach hundert Jahren, ich hielt hundert für eine gute Zahl. Mein Vater war noch weit davon entfernt, genauso wie meine Mutter, und trotzdem war sie vorher gestorben. Das war das Nächste, was ich über den Tod gelernt hatte. Niemand musste alt werden, um zu sterben.“

Zitat, Seite 30

Es ist die kindlich naive Sicht eines Jungen, um genau zu sein die des elfjährigen Protagonisten Levi, die uns Buttjer in ihrer Geschichte einnehmen lässt. Wir begegnen den Dingen damit unvoreingenommen und neugierig und pirschen uns mit allen Sinnen durch den Großstadtdschungel Berlins. Nicht selten passieren wir dicht aneinandergereihte Häuser, die sich so hoch wie Mammutbäume erstrecken, atmen sumpfig-schwüle Luft ein und erhaschen Tierschatten an den Häuserfassaden. Mit Levi driften wir in eine fantastische Zwischenwelt ab. Eine Welt, die uns vor der knallharten Realität ablenken soll.

Denn Levis Mutter ist tot. Wie sie starb wissen wir nicht. Ein Zeitungsausschnitt berichtet von einem Mord an einer Pathologin und einer vermissten Leiche. Levi spinnt sich daraus seine eigene Geschichte zusammen, schwört schon bald darauf, dass es ein Tiger war, der seine Mutter getötet und es nun auf ihre Urne abgesehen hat. Er kann seine Präsenz förmlich spüren. Er sitzt ihm im Nacken, streift an den Häuserfassaden entlang und beobachtet ihn aus einem Hinterhalt. Im Nachbarsjungen Vincent findet Levi einen Verbündeten, der sich mit ihm schon bald auf die Lauer nach dem Tiger legt.

Der Kioskbesitzer Kolja hingegen holt Levi immer wieder in die Realität zurück. Erinnert ihn daran, dass sein Vater nach ihm sucht und dass Erwachsene und Kinder oft eine ganz unterschiedliche Sicht auf die Dinge haben. Dabei nimmt der ehemalige Kriegsfotograf sein Leben selbst nicht richtig wahr. Er lebt in den Tag hinein, versucht die Erinnerungen vergangener Tage mit Whiskey auszulöschen. Doch sie sind hartnäckig, kämpfen sich langsam aber sicher wieder in Koljas Bewusstsein zurück. Und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Doch Kolja gelingt, woran Levis Vater scheitert: er kann sich auf den Jungen einlassen, versteht seine Sorgen, Ängste und vor allem die Trauer um seine Mutter.

„Unsinn ist normal“, erwiderte er. „Die Wirklichkeit macht manchmal einfach keinen Sinn, sie ist ungerecht, sogar grausam, einfach so. Selbst wenn Erwachsene das Gegenteil behaupten.“ „Warum tut ihr dann so, als ob es anders wäre? „Weil Geschichten einfacher sind als die Wirklichkeit.“ […] Sie haben ein Ende, einen Anfang, irgendeine Bedeutung und etwas, das die Wirklichkeit viel seltener hat: ein Happy End. Meistens jedenfalls. Die Wirklichkeit dagegen ist anders: Sie ist nie so schlimm, dass es nicht noch schlimmer werden kann.“

Zitat, Seite 158

„Als hätte ich die Erinnerung daran vor- oder zurückgespult, war da meine Mutter. Mit angewinkelten Armen saß sie hinter dem Steuer des Autos und lächelte. Ihre langen Haare waren nass, sie tropften ihr gleichmäßig auf die Beine und das rote Handtuch, auf dem sie saß. Sie sah mir in die wassergrauen Augen und meine Rippen zogen sich zusammen. Alles, was ich in dieser Sekunde wollte, war in dieser Erinnerung zu bleiben, ich wollte darin weiterleben, doch je mehr ich mich konzentrierte, desto schneller kehre das Zelt zurück, genauso wie die Konturen des Daches. Was blieb, war das Muster ihres Kleides. […] Dass meine Eltern damals kein Wort miteinander geredet hatten, hatte ich fast vergessen.“

Zitat, Seite 66

Mit Levi und David knüpft die Autorin ein Vater-Sohn-Geflecht, das zwar nur lose zusammengebunden ist, sich aber dennoch über die gesamte Geschichte erstreckt. Denn vom Vater, der sich als Anwalt vollständig in der Arbeit verliert, bekommt der Junge nicht viel mit, während die Mutter hingegen ihre Arbeit in der Pathologie mit ihrem Sohn zu vereinen versucht. Die Berührungspunkte als Familie beschränken sich auf zwei Extreme: hitzige Wortgefechte oder Schweigen zwischen den Eltern. Levi und sein Vater scheinen zwischen all dem verloren gegangen zu sein. Sie finden nicht zueinander, stoßen sich bei jeder Gelegenheit voneinander ab. Dabei teilen sie einen ganz ähnlichen Schmerz, den jeder auf seine ganz eigene Weise zu verarbeiten versucht. Levis Vater, der mir anfangs gefühlskalt und arrogant erschien, wurde mir im Verlauf der Geschichte um einiges zugänglicher. Ich vernahm Hilflosigkeit und Verzweiflung. Auf gewisser Weise auch Trauer.

Carmen Buttjers Roman ist atmosphärisch stark. „Levi“ lebt von poetischen und sprachlich raffinierten Zeilen, die stets von einem Hauch Melancholie begleitet sind. Natürlich steht hier ein trauernder Junge im Mittelpunkt. Die Szenerie, durch die Buttjer ihn wandern lässt, ist aber gewaltig. Es ist ein vor Hitze flimmerndes lebendiges Berlin, das so manch Unterwartetes für uns bereit hält: die Prise eines lautlosen Windes, die Begegnung mit Menschen, die in der heißen Luft lehnen und durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden sind und das Ineinanderfließen von orangen Sonnenlicht mit dem Blau des Himmels. Manchmal regnet es auch in unseren Ohren, es rauscht so laut, dass wir gar nichts anderes mehr vernehmen.

An Lebendigkeit fehlt es dem Roman sicherlich nicht. Wer sich aber nach einer Geschichte sehnt, die zu einem Ende findet, wird mit diesem Roman seine Schwierigkeiten haben. Was bleibt, ist die Gelegenheit, sie in unseren Köpfen zu vollenden.

„Geschichten sind, was sie sind, sie bleiben Geschichten. Du kannst dir so viele erzählen lassen, wie du willst, Hunderte, tausend, völlig egal, das Einzige, worum es sich dreht, ist, an welche davon du nicht glaubst.“

Zitat, Seite 159

Ich stieß auf „Levi“ erst im Rahmen meiner Tätigkeit als Buchpreisbloggerin. Für einige Literaturpreise wurde der Roman bereits nominiert, bisher aber noch nie zum Sieger gekürt. Jetzt hat er es auf die Shortlist des Bayerischen Buchpreises geschafft. Ich werde der Verleihung heute Abend in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz selbst beiwohnen und über den Abend auf meinen Social Media Kanälen berichten. Du findest meine Beiträge unter dem Hashtag #baybuch. Mehr zum Bayerischen Buchpreis findest du auf der Projektseite „Bayerischer Buchpreis 2019“.

Der Weg ist das Ziel

„Töchter“ – Lucy Fricke

Martha und Betty, zwei Frauen um die vierzig, brechen zu einer Reise in die Schweiz auf. Im Schlepptau Marthas todkranker Vater Kurt. Es soll seine letzte Reise werden und doch kommt alles ganz anders.

Während Kurt bei einer verloren geglaubten Liebe am Lago Maggiore strandet, reisen die beiden Frauen alleine weiter. Mit Kurts altem Golf kämpfen sie sich durch den italienischen Verkehr, quetschen sich durch beengte Parkhäuser und schleichen durch zwielichtige Gassen. Als sie im italienischen Nirgendwo stranden, lassen sie sich fortan von ihren Gefühlen leiten. Es gilt für beide aufgestaute Emotionen zu verarbeiten, von denen es aufgrund der zerklüfteten Familienverhältnisse beider zuhauf gibt. Während sich Betty in Griechenland ihrer Vergangenheit hingibt, versucht Martha den Abschied von Kurt zu verkraften.

Doch die Frauen haben ihre Rechnung ohne das Schicksal gemacht! Denn in der Einöde einer griechischen Insel treffen alle drei wieder aufeinander.

„Mir war nicht ganz klar, wer hier wen wohin fuhr. Zu wessen Abschieden und Erinnerungen wir auf dem Weg waren. „Was soll das eigentlich werden?“, fragte ich. „Thelma und Louise?“ „Die waren jung, sexy und unterdrückt“, sagte Martha. „Guck uns an, wir sind nicht mal unterdrückt.“ „Tschick?“, probierte ich weiter. „Das waren Jungs. Wir sind Frauen kurz vor den Wechseljahren. Ich hoffe, das willst Du nicht vergleichen.“

Zitat, Seite 87

Manchmal nimmt man Bücher genau zum richtigen Zeitpunkt in die Hand. Und dann inhaliert man sie einfach so weg. Bei diesem hier verhielt es sich genau so. Dabei erzählt Lucy Fricke in „Töchter“ an sich keine heitere Geschichte. Denn es ist die einer letzten Reise, einer verzweifelten und von widersprüchlichen Gefühlen begleiteten Fahrt in die Schweiz. Denn Martha soll Kurt zum Sterben fahren. Dabei hatten Vater und Tochter zu Lebzeiten kaum Kontakt. Martha steht ihrem leiblichen Vater nicht mal sonderlich nahe, fühlt sich ihm aber dennoch verpflichtet, weshalb sie ihre Freundin Betty um Hilfe bittet. Seit einem Autounfall vor ein paar Jahren saß sie nicht mehr am Steuer. Betty sichert ihre Unterstützung zu, nimmt mit Martha und Kurt schon bald Kurs Richtung Schweiz auf.

Doch manchmal kommt alles ganz anders als geplant und so reiht sich Kurts klappriger und nach Öl lechzender Golf schon wenig später in die Spur Richtung Italien ein und spuckt seine Passagiere am Lago Maggiore aus. Hier soll Kurt auf auf eine alte Liebschaft treffen und seinem Schicksal überlassen werden. Da in Italien auch ein Teil von Bettys Vergangenheit begraben liegt, bleiben auch Betty und Martha dem Land vorerst treu und packen die Gelegenheit beim Schopf mit der Vergangenheit reinen Tisch zu machen. Doch der Kurs der Reise ändert sich erneut und schickt sie in die Einöde einer griechischen Insel.

„Ein letztes Mal drehte Martha sich um, schickte einen Abschiedsgruß aus dem geöffneten Fenster. Wir fuhren los, und vor uns lag der Lago Maggiore. Der Nebel hatte sich gelichtet, auf die Berggipfel fiel das klare Sonnenlicht, wir sahen die drei winzigen Inseln im Wasser liegen. Es war ein wirklich schöner Anblick, das Kitschigste, was die Natur zu bieten hatte, und offenbar mehr, als Martha aushalten konnte.“

Zitat, Seite 81

Wenn man alleine den Verlauf der Reise betrachtet, kann man schon erahnen, auf welch schrägen Roadtrip uns Lucy Fricke schickt.  Ihre Geschichte ist durchweg von Wehmut und Trauer begleitet, aber auch mit jeder Menge schwarzem Humor, der sich vor allem in Italien von einer sehr ausgeprägten Seite zeigt. Im Verlauf der Geschichte zeigt sich auch, dass Kurts baldiges Ableben tatsächlich nur ein kleiner Bestandteil des Romans ist und Fricke sich auch den Schicksalen seiner weiblichen Protagonistinnen widmet.

Mit Martha und Betty sind der Autorin zwei wunderbare Charaktere gelungen. Beide Frauen stehen in der Mitte ihres Lebens, sind über die Jahre zu selbständigen Persönlichkeiten herangereift. Eine verkorkste Kindheit und emotionale Tiefschläge haben sie in die Knie gezwungen, aber auch wieder aufstehen und ihren eigenen Weg finden lassen. Wie sehr sich die zerrütteten Familienverhältnisse der beiden Frauen ähneln, wird dem Leser von Seite zu Seite klarer, während die Freundinnen selbst nichts davon ahnen. Denn obwohl Betty und Martha bereits seit über zwei Jahrzehnten eine innige Freundschaft verbindet, haben sie über all die Jahre so wenig  wie möglich von ihrer Vergangenheit preisgegeben. Sie zehrt an ihnen, macht sie nahezu zerbrechlich.

Es ist Kurts letzte Reise, die ihnen die Chance schenkt, sich von ihrem emotionalen Ballast zu befreien. Uwe alias Kaffeehaussitzer bezeichnete das Buch in seiner Rezension als Midlifecrisis-Roadmovie-Roman mit weiblicher Besetzung, und das trifft, wie ich finde, den Nagel auf den Kopf. Auch bei Eliane alias mintundmalve könnt ihr eine wunderbare Rezension über das Buch lesen, die mich das Buch aus einem öffentlichen Bücherregal fischen und geradewegs in die Geschichte versinken hat lassen.

„Martha wollte, nach zahlreichen gescheiterten Fluchtversuchen, nun um jeden Preis eine Familie gründen, um alles besser zu machen, um es überhaupt zu machen, glücklich werden, es durchziehen. Mir hatte die Kindheit und mehr noch die Jugend jede Sehnsucht nach Familie so gründlich aus den Knochen getrieben, dass schon die Aussicht darauf Beklemmung in mir auslöste.“

Zitat, Seite 19/20

#Kinderfreuden: Bücher für kleine Entdecker (0-2 Jahre)

Hallo ihr Lieben,

Vorlesen macht Kinder nicht nur glücklich, sondern auch schlau. Studien von Stiftung Lesen belegen, dass Vorlesen sowohl kognitive Fähigkeiten stärkt als auch emotionale und soziale Kompetenzen fördert. Lesen erweitert den Wortschatz und das Vorstellungsvermögen der Kinder, steigert ihre Konzentrationsfähigkeit und fördert ihre Kreativität. Während das klassische Vorlesealter zwischen 2 und 8 Jahren liegt, kann man die Kinder mithilfe von einfachen Bilderbüchern aber auch schon viel früher für Bücher begeistern. Je früher man damit beginnt, desto besser.

Die Vorlesestudie 2017 (von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung) zeigte leider, dass die Mehrheit der Eltern viel zu spät mit dem Vorlesen beginnt. 55 Prozent aller Eltern lesen ihren Kindern nämlich in den ersten zwölf Monaten gar nicht vor. In 28 Prozent der Familien ist das sogar innerhalb der ersten drei Jahre nicht der Fall. Eine erschreckende Tatsache, die mich sehr traurig stimmt. Denn ich selbst bin mit Büchern groß geworden und hatte bereits von klein an Bücher um mich.

Auch meiner Räubertochter sollte es in ihren ersten Lebensmonaten nicht an Büchern mangeln. Deshalb habe ich relativ viel Zeit dafür investiert, ansprechende Bücher für sie ausfindig zu machen. Leider musste ich bei meiner Recherche feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Denn die Auswahl an Büchern für die ganz Kleinen ist in den Buchhandlungen oft begrenzt, vielerorts stößt man auf Einheitsbrei bzw. eine gängige Auswahl von 08/15 – Stoff-, Knister- oder Knabberbücher, die sich nur durch Verlag, Preis oder Bilder unterscheiden, im Großen und Ganzen aber oft gar nicht ansprechend sind. Wenn man überhaupt Bücher für Kinder unter 2 Jahren findet! Sicherlich müssen die Inhalte von Büchern auf das Alter und die Aufnahmefähigkeit der Kinder abgestimmt sein, schön und individuell geht aber manchmal trotzdem anders! Wer eine Buchhandlung mit einem gut sortierten Kinderbuch-Sortiment in der Nähe hat, kann sich glücklich schätzen.

Nachstehend habe ich euch ein paar Lieblinge aus Emmas Bibliothek zusammengetragen. Es sind ein paar mehr Bücher geworden als geplant, aber die Liebe zum Buch ist hier so allgegenwärtig, dass ich die Auswahl nur schwer reduzieren konnte. Die folgenden Bücher möchte ich an dieser Stelle sowohl all den frischgebackenen bzw. zukünftigen Eltern, Patentanten bzw. -onkeln und Großeltern als auch den Buchhändler*innen für ihr eigenes Kinderbuch-Sortiment ans Herz legen. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann, dass die Auswahl an Kinderbüchern der Auswahl an Erwachsenenliteratur in nichts nachsteht. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Emma konnte von Anfang an durch ein kunterbuntes Sammelsurium an Büchern reisen, das sich aus unterschiedlichen Sprachen (da halb flämisches, halb deutsches Räuberkind), Größen und Farben als auch mit unterschiedlichen Altersempfehlungen zusammensetzt. Da Emma sich recht schnell entwickelt(e), habe ich ihr nach und nach auch Bücher präsentiert, die schon weit über ihrem Alter lagen, ich sie aber dennoch für geeignet hielt. Auch diese Bücher werde ich euch nachstehend verraten. Bitte entscheidet selbst, ob sie auch etwas für eure Kleinen sind. Denn jedes Kind entwickelt sich anders, weshalb ich von Emma nicht auf andere Kinder schließen kann.

[Werbung, da Verlinkung, folgende Empfehlungen erfolgen aus reiner Liebe zum Buch]

Ein Potpourri von Lieblingsbüchern

Baby Pixi – Carlsen Verlag

Pixi-Bücher gibt’s bereits seit 1954. Sie zählen mittlerweile zu den beliebtesten deutschsprachigen Vorlesebüchern. In der Regel  haben sie ein Format von 10 cm x 10 cm. Die quadratischen Büchlein gibt’s mittlerweile aber auch als Baby-Pixis für die ganz Kleinen in einem etwas größeren Format von 14 cm x 14 cm, die darüber hinaus auch eine Reihe an baby- und kleinkindgerechten Merkmalen aufweisen, die auch mich überzeugen konnten.

Der Praxistest hat bewiesen, dass die Bücher tatsächlich unkaputtbar sind. Das Material der Bücher ist nicht nur reißfest, sondern auch wasser- (und spuck)abweisend und frei von Schadstoffen.

Emma hat ihre Pixis unzählige Male geknickt, zerdrückt und mit Spucke übersät. Außer einem leicht welligen und verknitterten Eindruck halten sie jeglichen Angriff stand. Sie passen in jede Handtasche und begleiten uns noch heute zum Arzt, Einkaufen oder beim Wochenendtrip in die Berge. Ein klarer Vorteil gegenüber Pappbüchern: sie wiegen nichts und machen sich kaum im Handgepäck bemerkbar. Die Baby-Pixis werden für Babys und Kleinkinder von 9-36 Monaten empfohlen. Unsere waren schon weitaus früher im Einsatz.

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Mini Steps – Ravensburger Verlag

Die Bücher aus der ministeps-Reihe von Ravensburger sind auf die Bedürfnisse der Kleinsten abgestimmt. Sie regen auf unterschiedlichste Weise die verschiedenen Sinne der Kinder an, fördern das Erkennen von Farben, Formen und Bildern und laden zum Greifen und Spielen ein. Hier gibt es eine riesige Auswahl an Büchern, in der jeder fündig werden sollte. Ich möchte euch nur eins von den Büchern zeigen, mit dem Emma in ihren ersten Monaten unheimlich viel Spaß hatte, und zwar das Pappbuch „Kullernasen-Kinder“ mit integrierter Kullernase. Empfohlen wird es ab 6 Monaten, aber bei uns ist die Kullernase schon gerollt als Emma knapp 3 Monate war.

Alle Kinder in diesem Buch schauen unterschiedlich aus und haben doch eine Gemeinsamkeit: Sie tragen eine rosarote Kullernase, die sich dreht und dabei rasselt. Neben den Bildern findet man kurze Reime und kleinere Bilder, die die Kleinen zum Drehen der Nase animieren und damit auf spielerische Weise ihre Feinmotorik fördern. Leider hält dieses Buch nur bedingt Sabberattacken stand. Die Pappe an den Buchecken und an der Kullernase schwemmt durch Spuckfäden schnell auf und wird unansehnlich. Wenn man nicht schnell genug ist, kleben die Seiten aneinander und dann geht schnell ein Teil des Bildes verloren. Das Pappbuch sollte man daher am besten gemeinsam ansehen!

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Mein erstes Fühlregister-Buch: Wer ist denn da? – Coppenrath Verlag

Das Fühlregister-Buch aus dem Coppenrath Verlag gehörte zu Emmas ersten Lieblingsbüchern. Es ist die kleine Biene Hermine, die die Kinder durch das Buch führt und ihnen die unterschiedlichsten Tiere zeigt. Das Fühlregister am Buch rechts oben lädt mit unterschiedlichen Elementen zum Greifen, Nuckeln und Umblättern ein. So können die kleinen Entdecker mit allen Sinnen die Welt begreifen. Das Greifen der Elemente schult Denkmuster, die später beim Verstehen abstrakter Ideen und Zusammenhänge helfen soll.

Was mir besonders gefallen hat, war, dass die Fühlelemente auch Bestandteil der begleitenden Wortreime sind, wie z.B. das Schweineschwänzchen, das sich einrollt, die Zunge, die der Frosch rausstreckt oder der Schmetterlingsflügel, der freudig flattert. Außerdem gehen die Reime gut in den Kopf und sorgen für hohen Wiederkennungswert!

Das Fühlregister-Buch ist für Kinder ab 12 Monaten empfohlen, aber wir hatten es schon ab einem halben Jahr im Einsatz. Wir hatten noch ein anderes Fühlregister-Buch hier, das im Vergleich zu diesem hier in meinen Augen deutlich schlechter abgeschnitten hat.

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Der Regenbogenfisch – ein Stoffbuch mit interaktiven Elementen – NordSüd

Wer wie ich mit der Geschichte um den Regenbogenfisch nicht bis zum Kleinkindalter abwarten möchte, sollte sich dieses Stoffbuch holen. Es ist herzallerliebst, besticht mit tollen Farben, hat Zieh-, Tast- und Knistereffekte und fördert damit das Erkennen, die Motorik und Koordination des Kindes. Es wird für Kinder ab 6 Monaten empfohlen, aber auch hier gilt, sich der individuellen Entwicklung eures Kindes anzupassen. Die Geschichte ist leicht abgewandelt und nicht 1:1 das Original. In vielen Onlineshops ist es bereits ausverkauft und nicht mehr zu bestellen, allerdings habe ich euch den Titel mit einem Onlineshop verlinkt, wo es noch lieferbar ist. Es gibt auch ein Regenbogenfisch-Pappbuch, aber das Stoffbuch ist in meinen Augen für sabbernde Kinder etwas besser geeignet (weil es waschbar ist) und aufgrund der interaktiven Elemente länger interessant bleibt.

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Der kleine Siebenschläfer, Das ist doch nicht gemütlich! – Thienemann Esslinger

Emma liebt die Geschichte um den kleinen Siebenschläfer. Das Pappbilderbuch wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, wir hatten es aber schon weitaus früher im Einsatz. Das Buch wurde Abend um Abend aus dem Regal gezogen und ist irgendwann zur Lieblings – Gute-Nacht-Geschichte avanciert, weil es darin ja auch ums Einschlafen geht. Wir haben sogar Emmas Kreativ-Tonie mit der Geschichte um den kleinen Siebenschläfer besprochen, damit die Räubertochter sich die Geschichte immer von Papa und Mama gemeinsam vorlesen lassen kann, selbst wenn einer mal nicht da ist.

Der kleine Siebenschläfer kann einfach nicht einschlafen. Sein Nest ist einfach noch nicht gemütlich genug und so zerrt er jede Menge Sachen herbei, um das Nest weicher und komfortabler zu machen. Aber an das Einschlafen im Kreis der Familie kommt einfach nichts ran und so kuschelt es sich am besten im Siebenschläfer-Haufen.

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Schiebebücher in Groß und Klein

Auch Schiebebücher erfreu(t)en sich bei Emma großer Beliebtheit. Den Einstieg haben wir mit einem klitzekleinen Schiebebuch aus dem Coppenrath Verlag gemacht. „Kuckuck! Wer ist da?“ ist nur eines von vielen Schiebebüchern von Coppenrath, das im Miniformat daherkommt und durch das Versetzen von Schiebeelementen versteckte Tiere zum Vorschein bringt. Emma hat dieses Buch ab einem halb- bzw. dreiviertel Jahr heiß und innig geliebt, mittlerweile findet es nur noch den Weg in ihre Hände, wenn ich es ihr bewusst gebe, auch wenn es für Kinder ab 18 Monaten empfohlen wird.

Die Schiebebücher „Tiere im Meer“ und „Tiere im Schnee“ aus dem Carlsen Verlag hingegen finden auch noch heute regelmäßig den Weg in Emmas Hände. Sie sind weitaus anspruchsvoller als die Mini-Ausgabe von Coppenrath und wird ebenfalls für Kinder ab 18 Monaten empfohlen. Emma hat sich recht schnell an den Schiebern ausgetobt, weshalb sie teilweise etwas verknickt daherkommen. Aber es war so schön mitanzusehen, wie sie sich jedes Mal wie ein Keks gefreut hat, als sie einen Schieber ohne Hilfe versetzen konnte.

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Löwe, Hase, Schwein – ein Tier passt nicht rein! – Magellan Verlag

Dieses wimmelartige Suchbilderbuch wird eigentlich erst für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, weil es auf jeder Doppelseite ein Tier zu finden gilt, dass sich dazu geschummelt hat. Wie ihr an den Bilder seht, hat es meine Tochter aber bereits mit 3 Monaten angesehen. Das großformatige Pappbuch eignet sich wunderbar zum Betrachten und ersten Kennenlernen von Tieren, sobald die Kleinen im Liegen ihr Köpfchen halten können. Die Bilder haben in dieser Position die ideale Größe und wirken nicht überladen. Sie laden zum Entdecken und Staunen ein.

Mit dem Buch hat Emma die Tierwelt kennengelernt, bevor sie groß genug war, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen.  Wir haben es ihr immer in Begleitung der Tierlaute vorgelesen und sind auf das falsche Tier auf der jeweiligen Doppeseite anfangs gar nicht eingegangen. Heute kann sie fast alle Tiere im Buch namentlich benennen und ihre Tierlaute imitieren.  Wer noch mehr zum Buch erfahren möchte, sollte mal zur ausführlichen Rezension rüberschauen.

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Die kleine Raupe Nimmersatt für die ganz Kleinen – Gerstenberg Verlag

Ist es zu glauben, die kleine Raupe Nimmersatt feiert in diesem Jahr schon ihren 50. Geburtstag?! Die Geschichte ist ein Klassiker, auf den ich nicht lange warten wollte. Wir hatten daher schon früh ein Stoffbuch im Einsatz, was Emma bereits im Babyalter entdeckt hat. Später haben wir es um ein Pappbuch ergänzt. Da unsere Räubertochter eine halbe Belgierin ist, hatte sie allerdings ein niederländisches Exemplar hier, dass es im Deutschen so leider nicht gibt. Allerdings gibt es ein ganz ähnliches Stoffbuch auf Deutsch.

In unserem niederländischen Stoffbuch mit dem Titel „Rupsje Nooitgenoeg – Tel je mee?“ futtert sich die kleine Raupe Nimmersatt durch ein bis fünf Stücke Obst. Es hat eine gummierte Ecke zum Beißen, ist spuckresistent (da abwaschbar) und durch einen Ring am Kinderwagen bzw. Buggy zu befestigen oder von einer kleinen Babyhand wunderbar zu greifen. Die Seiten knistern und an einer Stelle ist ein Quietschelement integriert.

Das Pappbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ hingegen beinhaltet 1:1 die Original Geschichte und ist an die etwas größeren Kinder gerichtet. Empfohlen wird es ab 2 Jahren, wir hatten es ungefähr ab 1,5 Jahren hier. Wir haben ein wunderbares Geschenkset aus Pappbuch und Holzraupe zur Verfügung gestellt bekommen, von dem ich euch noch genauer berichten werde. Der Beitrag ist schon eine ganze Weile geplant, leider hat mich der Raupenbefall unseres Buchsbaumes etwas ausgebremst und mir vorübergehend die Freude daran genommen. Doch wer die Geschichte aus seiner Kindheit kennt, weiß, dass die kleine Raupe sich nur dem Lauf der Natur hingibt, um sich anschließend in einen wunderschönen Schmetterling zu verwandeln. Bei uns hat sich die Raupe des Buchsbaumzünslers eingenistet, die sich anschließend in einen hässlichen Falter verwandelt!

Die Geschichte hilft wunderbar beim ersten Zählen und animiert die Kleinen sich gemeinsam mit der gefräßigen Raupe durch die Seiten und durch die Speisen zu wühlen.  Dazu passend können die Kinder die Holzraupe hinter sich herziehen, die sich bei Bewegung wie eine echte Raupe windet.

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Pappbücher von Chris Haughton – Walker Books (engl.) bzw. Sauerländer Verlag (dt.)

Ich bin damals durch Zufall über die Pappbücher von Chris Haughton gestolpert und habe sie Emma bewusst auf englisch gekauft (weil mich u.a. der Klang der Originalsprache mehr überzeugt hat). Die Bücher von Chris Haughton kommen alle in einem bestimmten Farbschema daher. Wir haben drei von ihnen: „Shh! We have a plan“ in blau, „A bit lost“ in grün und „Oh no, George!“ in orange. Die Pappbücher kommen recht natürlich daher (Naturkarton ohne Beschichtung), weshalb unsere Ausgaben bereits etwas abgelebt aussehen und zigfach geklebt sind, das tut dem Charme der Geschichten aber keinen Abbruch und zeigt nur, wie heiß und innig Emma diese Bücher liebt.

Mein persönlicher Favorit ist „Shh, we have a plan!“ (dt. „Pssst, wir haben einen Vogel!“), das die Geschichte von vier Räubern erzählt, die versuchen einen Vogel zu fangen. Der kleinste im Bunde weiß es eigentlich besser als die Großen, darf aber nichts sagen und so beobachtet er das erfolglose Unterfangen mit Schadenfreude. Er  kann die Vögel auf Anhieb zu sich locken, aber nicht um sie zu fangen, sondern um sie zu füttern. Emma weiß bereits eine Seite vorher, was als nächstes kommt. Ein Lieblingsbuch!

In „A bit lost“ (dt. „Kleine Eule ganz allein“) geht es um eine kleine Eule, die aus ihrem Nest fällt. Und während die Eulenmama ihr Kind verzweifelt sucht, hilft ein Eichhörnchen und später auch ein Frosch der kleinen Eule dabei, die Mama ausfindig zu machen. Sie stehen erst vor drei völlig anderen Tieren ehe die Eulenmama vor ihnen steht.  Zur Freude aller Beteiligten lädt Mama Eule anschließend zu Tee und Keksen ins Nest ein, wo die kleine Eule einschläft und dem Abgrund schon wieder gefährlich nahe kommt.

In „Oh no, George!“ (dt. „Oh nein, Paul“) geht es um einen Hund namens George, der trotz des Versprechens brav zu sein, jede Menge Unsinn anstellt. Er kann einfach nicht dem Drang widerstehen, den Kuchen in der Küche zu verschlingen, der Katze hinterherzujagen oder das Blumenbeet aufzuwühlen. Als das Herrchen enttäuscht auf das Geschehen blickt, gelobt er Besserung und schafft es tatsächlich doch noch, den Versuchungen zu widerstehen und ein braver Hund zu sein.

Der Illustrationsstil von Chris Haughton ist etwas speziell. Er geht mehr in die abstrakte Richtung, ist damit aber auch sehr einprägsam. Die knalligen Farben kommen bei den Kleinen richtig gut an. Und der einprägsame Text sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Emma fährt voll auf die Bücher ab. Darüber hinaus ist jeder Geschichte ein Zitat nachgestellt, das die Botschaft der Geschichte perfekt widerspiegelt. Bei unseren drei Büchern geht es um Frieden, Gegensätze und Freiheit.

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Pappbücher aus dem Usborne Verlag

Während die meisten Pappbücher recht anfällig im Einsatz während der ersten Lebensmonate sind und dadurch schnell Gebrauchsspuren aufweisen, war ich sehr glücklich, als ich die Bücher des Usborne Verlags für uns entdeckt habe. Die Bücher sind unglaublich stabil, haben einen festeren Buchdeckel und abgerundete Ecken. Die Seiten sind meist aus einer dünneren aber stabilen Pappe und daher ideal für die kleinen Kinderhände. Bei uns schaut fast jedes Buch noch genauso aus, wie am Anfang.

Lediglich das allererste Fühlbuch „Mein allererstes Fühlbuch Tiere“ ist einer Sabberattacke erlegen und trägt daher einen leicht aufgeschwemmten Eisbär in sich. Während dieses erste Fühlbuch noch mit etwas dickeren Pappseiten daherkommt, stößt man bei den restlichen Büchern von Usborne meist auf etwas dünnere Pappseiten mit abgerundeten Ecken, durch die die Ecken wunderbar erhalten bleiben und auch durch reges Blättern nicht ausfranzen. Das Fühlbuch ist wirklich für die ganz Kleinen und war eins von Emmas allerersten Büchern. Auf jeder Seite ist ein Tier abgebildet, das die Kleinen durch die integrierten Fühlelemente ertasten können. Und ja, Fühlbücher gibt es ja wie Sand am Meer, aber im Gegensatz zu anderen Fühlbüchern erschien mir dies deutlich moderner!

Auch die Gucklochbücher „Bist du das, kleiner Elefant?“ und „Bist du das, kleines Häschen?“ fand ich fürs Babyalter unglaublich toll. Als Emma stabil sitzen konnte, haben sie die Bücher zu spannenden Entdeckungsreisen eingeladen, weil sie neben zahlreichen Gucklöchern auch Fingerspuren in sich tragen, denen sie mit ihren Händen folgen und dadurch einzelne Tiere auf ihrem Weg begleiten können. Leider habe ich zu spät entdeckt, dass es auch ein „Bist du das, kleiner Fuchs?“ gibt, denn hier herrscht eine große Fuchsliebe. Die kleinformatigen Bücher entpuppen sich als ideale Reisebegleiter!

Ebenfalls sehr für die Anfangszeit zu empfehlen sind „Babys allererstes Fühlbuch Tiere“ und „Babys erstes Bildwörterbuch Tiere“. Beide Pappbücher kommen in einem etwas größeren Format daher, tragen zahlreiche Fingerspuren und Gucklöcher in sich. Während man in dem Bildwörterbuch auf die Tiere in ihrem jeweiligen Lebensraum stößt und mithilfe der Bezeichnung ihre jeweligen Namen kennenlernen kann, hat man in dem Fühlbuch noch die Gelegenheit die Tiere mithilfe der Fühlelemente zu ertasten. Beide Bücher sind wirklich gelungen, farbenfroh und facettenreich. Emma schaut sie sich auch heute noch gerne an und folgt mit Vorliebe den Fingerspuren oder kratzt über das stachelige Fell des Igels, der sich über die Zeit als Lieblingsfühlelement entpuppt hat.

Und ja, wir haben hier noch viel mehr Bücher aus dem Usborne Verlag bei uns liegen, aber ich kann euch nicht alle zeigen. Außerdem werdet ihr in dem riesengroßen Programm des Verlags sicher eure ganzen eigenen Lieblinge ausfindig machen. Unter anderem sind dort auch Sound-, Klappen- und Wimmelbücher zu finden.

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Pappbücher von Benji Davies – Aladin Verlag

Wer meinem Blog schon länger folgt, weiß um meine Liebe zu den Illustrationen von Benji Davies. Er hat nicht nur den Sturmwal zum Leben erweckt, sondern uns auch jede Menge weitere Geschichten geschenkt (ein besonderer Liebling von mir ist „Opas Insel“). Mein Neffe Joschua und ich sind schnell große Fans von den Büchern geworden, allerdings sind die Kinderbücher aufgrund ihrer dünnen Seiten erst für Kinder ab 4 Jahren geeignet.

Irgendwann wurden zwei von Benji Davies‘ Geschichten auch in Pappe herausgebracht, nämlich „Nick und der Wal“ und „Beste Freunde“. Klar, dass ich für Emma nicht erst bis zum Kinderbuchalter abwarten wollte, sondern sie ihr bereits in Pappe organisiert habe. Dass die Altersempfehlung beider Bücher bei 3 Jahren liegt, hat mich nicht weiter abgeschreckt. Denn ich wusste bereits um die großformatigen Bilder, die nur von wenig Text begleitet werden und daher durchaus schon für Kinder ab ca. 1,5 Jahren geeignet sind.

Während es in „Nick und der Wal“ um einen gestrandeten Wal geht, den der Junge Nick nach einem Sturm am Strand entdeckt und ihn der Badewanne wieder aufpeppt, erzählt „Beste Freunde“ von Ben und Eddy, einem scheinbar unzertrennbaren Zweiergespann, das durch einen neuen Jungen namens Sam auf eine harte Probe gestellt wird und sich letztendlich aber zum Dreiergespann ergänzt.

In Originalsprache gibt es die Geschichte um „The Storm Whale“ in einem niedlichen Set mit einem kleinen Stoff-Sturmwal (den ihr auch auf den Fotos seht) oder auch in Begleitung eines Holzpuzzles. Diese Bücher solltet ihr euch und euren kleinen Entdeckern in keinem Fall entgehen lassen!

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Schlaf recht schön! – Moritz Verlag

Auf dieses Pappbuch wäre ich sicher nicht von alleine gestoßen, denn die Bücher des Moritz Verlag sind nur in gut sortierten Buchhandlungen zu finden. Wir hatten das Glück, dass meine Patentante (alias beste Buchhändlerin der Welt) es Emma zum ersten Geburtstag geschenkt hat. Es wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, ist aber aufgrund seiner Schlichtheit schon um einiges früher einsetzbar.

Das japanische Original ist 2016 in Tokio erschienen und seit 2018 ist es nun auch auf Deutsch erhältlich. Vom Illustrator Tomoko Ohmura ist auch noch das Buch „Bitte anstellen!“ bekannt, das schon auf aktuellem Emmas Wunschzettel steht.

Die Gestaltung des Buches ist schlicht, aber ganz wunderbar anzusehen. Die Bilder beschränken sich aufs Wesentliche und schicken der Reihe nach die Marienkäfer, Frösche, Eichhörnchen, Igel und Bären in den Winterschlaf. Doch bevor sich die Tiere einen ganzen Winter lang verkriechen, heißt es Vorräte sammeln und kuschelige Schlafstätten einrichten. Und so herrscht reger Betrieb bei den Tieren, ehe es bis zum Frühling ganz still um sie wird.

Die Geschichte erzählt eine klassische Gute-Nacht-Geschichte, lädt aber auch am Tag zum Entdecken ein. Vor allem Natur- und Tierfreunde werden sich an ihr erfreuen!

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„Hund, Katze, Maus… Haus“ – Carlsen Verlag

Das Pappbuch von Dunja Schnabel begleitet uns schon seit Emmas Anfängen. Es wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, ist aber durchaus schon früher einsetzbar. Es kommt im Gegensatz zu anderen Pappbüchern recht umfangreich daher (es umfasst sage und schreibe 98 Seiten), weshalb die Kinder schon selbständig sitzen können (um es vor sich liegend zu entdecken) oder genügend Kraft in ihren Händen haben sollten, um das Buch schon alleine zu halten. Allerdings ermöglicht ihnen die Dicke des Buches auch ein längeres Lesevergnügen.

Wir hangeln uns seit jeher mit großer Begeisterung durch die Reime, die sich mithilfe der Bilder vollenden lassen. Die ersten drei Komponenten des Reims kommen dabei immer in Text und Bild daher, während die letzte Komponente nur bildhaft dargestellt wird und erraten werden muss. Emma hatte den Dreh recht schnell raus und kann mittlerweile die meisten Komponenten namentlich benennen. Ich denke, das frühe Vorlesen hat sie bereits mit dem Klang der Wörter vertraut gemacht, weshalb ihr die Wörter nun leichter fallen.

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Pippi Langstrumpf für die ganz Kleinen – Oetinger Verlag

Ich bin mit den Büchern von Astrid Lindgren groß geworden, daher konnte es mir gar nicht schnell genug gehen, Emma mit Pippi & Co. bekannt zu machen. Denn die Figuren wurden für mich zu Kindheitshelden, begegnen mir noch heute wie gute alte Freunde. Leider gibt es nur sehr wenige von Lindgrens Kinderbuchfiguren in Pappe und einige Pappbücher kommen im sehr modernen und mir viel zu abstrakten Design daher.

„Guck mal, Pippi Langstrumpf“ und „Hurra, Pippi Langstrumpf“  tragen allerdings noch die schönen Illustrationen von Katrin Engelking in sich, weshalb ich sie recht schnell für Emma gekauft habe. Und während „Guck mal Pippi Langstrumpf“ sich an die Kleinen im Bunde (ab 1 Jahr) richtet, wird „Hurra, Pippi Langstrumpf“ für Kinder ab 2 Jahren empfohlen. Ersteres trägt daher nur vertraute Figuren in sich und kommt ohne jeglichen Text aus, während das zweite schon eine kleine Geschichte erzählt.  Aber Achtung, es ist keine Geschichte, die wir aus den Jugendbüchern kennen, sondern nur eine abgespeckte Geschichte mit vertrauten Komponenten.

Emma hat die Pippi-Bücher natürlich trotzdem recht schnell ins Herz geschlossen. Sie mag den frechen Rotschopf, der mit übergroßen Schuhen verkehrt herum im Bett schläft, ein Pferd auf der Veranda stehen hat und Pfannkuchen durch die Küche wirft! Und von meinen damaligen Schweden Urlauben mit der Familie ist mir noch ein kleiner Plüsch – Herr Nilsson erhalten geblieben, der direkt in Emmas Kuscheltierfamilie einziehen durfte.

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Pappbücher von Joëlle Tourlonias

Mit Joëlle Tourlonias verhält es sich ähnlich wie mit Benji Davies – ich kann an keinem ihrer Bücher vorbeigehen! Ich liebe ihre Illustrationen, mit denen ich erstmals in „Die kleine Hummel Bommel“ Bekanntschaft gemacht habe. Es war mein Patenkind Lena, das damals eine regelrechte Hummel Bommel – Liebe entwickelt, die Bücher der Reihe zu ihren Lieblingsbüchern auserkoren und sie sogar ihren Klassenkameraden vorgestellt hat. Als die beliebte Reihe um die Baby Hummel Bommel für die Kleinen erweitert wurde, lag es quasi schon auf der Hand, dass ich sie für Emma haben möchte.

„Die Baby Hummel Bommel – Gute Nacht“ hat sich hier recht schnell zu den Lieblings-Gute-Nacht-Geschichten gesellt. Sie ist noch heute eine von Emmas Lieblingen. Wer mehr zum Buch erfahren möchte, darf gerne meine Rezension lesen. In Kürze erscheint ein weiteres Pappbuch aus der Reihe, „Die Baby Hummel Bommel – Alles wird gut“ (ET 23.08.), und obwohl die Bücher für Kinder ab 1 Jahr empfohlen werden, werde ich sie hier ebenfalls einziehen lassen. Denn die Bücher haben ein ideales Format und sind daher ideale Reisebegleiter.

Doch neben der Hummel Bommel gibt es noch zahlreiche andere Figuren, die Joëlle Tourlonias mit ihren Hand zum Leben erweckt hat. Bei arsEdition sind noch einige andere Bücher erschienen, u.a. haben wir „Ella geht raus“, „Ben liebt Bär … und Bär liebt Ben“ und „Alle kommen mit ins Bett“ hier. Doch die Illustratorin ist ziemlich produktiv und hat daher auch bei diversen anderen Verlagen wunderbare Pappbücher herausgebracht, die wir alle ins Herz geschlossen haben. Und so kann ich euch noch „Wir zwei gehören zusammen“ aus dem Baumhaus Verlag, „Schlaf ein, träum fein“ von Haba und „Mittagsschlaf“ aus dem Adrian Verlag ans Herz legen. Zu letzerem wurde sogar ein Mittagsschlaf-Lied komponiert, das ihr hier anhören könnt. Alle erwähnten Bücher sind in der Diashow zu sehen.

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Der kleine Fuchs hört einen Mucks – Oetinger Verlag

Und zu guter Letzt, möchte ich euch ein Buch ans Herz legen, das wir besonders in Herz geschlossen haben. Denn „Der kleine Fuchs hört einen Mucks“ zog hier gleich in Begleitung eines niedlichen Kuschelfuchses ein. Emma war zu dem Zeitpunkt knapp über ein Jahr alt und hat die Geschichte von Anfang an ohne Probleme angenommen. Sie lag damit wieder weit unter der Altersempfehlung von 2 Jahren, aber wenn man immer von den Altersempfehlungen auf den Büchern ausgehen würde, wären 50 % der oben genannten Bücher für Kinder unter 2 Jahren noch nicht geeignet.

Seit seinem Einzug zu Weihnachten ist der Fuchs Emmas treuester Begleiter und die Geschichte um den kleinen Fuchs, der sich auf die Suche nach dem Mucks begibt, den er eben noch gehört hat. Und ehe er am Ende auf seine Mama und den vertrauten Mucks trifft, begegnet er noch jede Menge Tieren. Das Buch gibt es als normale Pappe und auch als Soundbuch. Wir haben das Soundbuch hier und können es wirklich empfehlen, auch wenn die Tiergeräusche eher niedlich als authentisch daherkommen, aber das tut dem Lesevergüngen keinen Abbruch. Denn der Mucks hat es Emma besonders angetan und die Illustrationen im Buch sind einfach zuckersüß.

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Ich hoffe, ihr habt unter den oben genannten Büchern auch ein paar Lieblinge für euch und eure Lieben entdeckt. Lasst mich gerne wissen, welches davon euch besonders überzeugt hat. Welches Bücher haben sich bei euch in den ersten zwei Jahren zu Lieblingsbüchern entpuppt?

Viel Spaß beim Lesen wünschen Steffi und Emma

 

Unboxing: Schmökerbox Mai – Sommerfrische (Spoiler)

Hello sunny folks!

Pünktlich zum Sommeranfang möchte ich euch noch die Mai Schmökerbox zum Thema „Sommerfrische“ vorstellen, die mich Anfang Juni erreichte und thematisch wunderbar zum Wetter passt. Nachdem meine Erfahrungen mit Bücherboxen sich bisher auf ausländische Anbieter beschränkten, durfte die Schmökerbox als erste deutsche Bücherbox bei mir einziehen. Dementsprechend neugierig auf den Inhalt war ich dann auch, als ich die Box über einen kleinen Umweg endlich in Empfang nehmen konnte.

Über die Schmökerbox

Hinter der Idee der Schmökerbox stehen Chris und Kiara. Chris ist hauptberuflich Qualitätsmanager, Kiara ist Literaturwissenschaftlerin. Eines schönen Tages haben die beiden festgestellt, dass es bereits unglaublich viele Box-Abos gibt, darunter allerdings noch keine deutsche Buchbox für den Belletristik-Bereich zu finden ist. Also haben sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und nach 2-jähriger Tüftelphase im April 2018 ihre erste Schmökerbox herausgebracht.

In jeder Box ist ein aktuelles Buch (Hardcover oder Klappenbroschur) und eine Auswahl von 3-5 kleinen buchigen Goodies bzw. eine Prise Lesezucker (in Form eines individuellen Lesezucker-Produktes) zu finden. Während die meisten Goodies sich bereits beim Auspacken offenbaren, ist ein Goodie verpackt und für einen bestimmte Stelle im Buch bestimmt. Dieses Goodie hängt unmittelbar mit dem Inhalt des Buches zusammen und man darfst es erst öffnen, wenn die darauf markierte Seitenzahl erreicht ist.

In der Regel wird die Schmökerbox gegen Ende des jeweiligen Monats versendet. Leider hat sich meine Schmökerbox erst einmal verirrt und lag dann knapp fünf Tage bei der hiesigen Poststation, bis mich eine verknitterte Sendungsbenachrichtigung über ihren Verbleib informierte und ich voller Vorfreude zur Post geeilt bin.

Eine normale Monatsbox kostet 39,95 € (inkl. Versand). Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Schmökerbox im 3- oder 6-Monatsabo zu abonnieren oder sich auch ältere Ausgaben oder individuelle Lesezucker-Produkte zu sichern.

Alle Informationen hierzu findet ihr auf der Schmökerbox Website.

Das Buch im Mai

Der Roman, der in der Mai Ausgabe der Schmökerbox zu finden war, ist im Eisele Verlag erschienen. Er heißt „Ein Sommer in Brandham Hill“. Die Schmökerbox macht ihn mir mithilfe folgender Zeilen schmackhaft:

„Stell dir vor, du findest dein altes Tagebuch und erinnerst dich an einen unvergleichlichen Sommer in deiner Kindheit. Einen Sommer, der magisch war, heiß, voller Abenteuer zwischen Strohhaufen und verlassenen Kräutergärten. 

Im Mai versetzen wir uns zurück in einen Sommer zu Beginn des 20. Jahrhunderts, einen Sommer in Großbritannien, in dem nicht nur die Trägheit von ungewöhnlicher Hitze herrscht, sondern auch Geheimnisse, Intrigen und ein Junge, der zunächst nichts Böses ahnt. In dem Roman aus dem Eisele Verlag bröckeln die Fassaden der zunächst so perfekt wirkenden Oberschicht und enthüllen vielschichtige Geheimnisse.“

Das unter braunem Backpapier verborgene Goodie verweist seine Enthüllung auf Seite 366. Demnach werde ich mich noch eine Weile gedulden müssen und diesen Beitrag nach Beenden des Romans um das Unpacking des verpackten Goodies ergänzen. Die Rezension zum Buch werde ich wie gehabt als eigenständige Besprechung  veröffentlichen.

Die Goodies

Die entscheidende Farbe des Romans ist Grün. Damit ich meine Gedanken, genau wie Protagonist Leo Colston, in einem Tagebuch festhalten kann, lag dieses wunderschöne Bullet Notizbuch von monbijou (dem Papeterie und Kreativ-Label vom LINGEN Verlag) im „Jungle Leaves“ – Design bei. Ihr könnt euch sicher sein, dass ich mich in diesen Traum von Notizbuch sofort verliebt habe und es dementsprechend auch zum Einsatz kommt. Allerdings werde ich es aufgrund seiner über 180 Seiten wohl nicht nur mit den Gedanken zu „Ein Sommer in Brandham Hill“, sondern auch mit denen zahlreicher anderer Romane füllen.

Darüber hinaus habe ich in der Box zwei Lesezucker-Postkarten entdeckt, die mich in die Zeit zurückversetzen sollen, die vom Jugendstil und gleichzeitig den Karikaturen aus der Zeitschrift Punch lebte. Wie mir das Team der Schmökerbox verrät, ist Protagonist Leo zwiegespalten zwischen der scheinbar heilen Weilt der Aristokratie und den klaren Ansichten des Landes, weshalb ich die Postkarten unglaublich gelungen finde. Die Karikatur auf der einen Postkarte vermittelt mir bereits einen Hauch britischen Flair und das Zitat auf der anderen Postkarte stammt aus der Geschichte.

Dass einfache Dinge dennoch raffiniert sein können, zeigen mir die beigelegten KORE everlasting wild flowers aus Papier von der Holländerin Jurianne Matter, die ich sicher eines Tages zur Dekoration nutzen werde. Allein für diesen Beitrag empfand ich es zu schade, die Blumen bereits zusammenzusetzen. Und ich bin bekanntlich eher der Grobmotoriker, wenn ich mir nicht ausreichend Zeit zum Basteln nehme.

Die beigelegten Papier-Fähnchen von Bloomingville kamen bereits auf einem Foto zum Einsatz. Ich liebäugel gerade damit, mir die Tage ein paar Muffins als Appetithäppchen während dem Lesen zu machen und sie mit den Fähnchen zu verzieren. Was meint ihr?

Fazit

Ich finde den Inhalt der Schmökerbox unglaublich gelungen. Ich bin von der liebevollen Zusammenstellung von Buch und dazu passenden Goodies wirklich ausgesprochen angetan, weshalb ich die Bücherbox mir sicher zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal sichern werde. Die deutsche Bücherbox ist im Vergleich zu den ausländischen Bücherboxen natürlich um einiges schneller bei dir (es sei denn, sie macht wieder einen Boxenstopp bei der Deutschen Post).

Die Juni- und Juli-Box sind im Shop ebenfalls bereits zu bestellen. Die Juni-Box trägt den Titel „Very british“ und die Juli-Box „Die Einsamkeit von Vorurteilen“.

Na, hab ich euch neugierig gemacht? Dann spitzt doch gleich mal rüber in den Shop von  Schmökerbox und bestellt euch eure ganz eigene Box.

[Werbung, da Verlinkung, Rezensionsexemplar]

Für die Mai-Ausgabe der Schmökerbox möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich beim Schmökerbox-Team bedanken. Sie wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

Guten Tag, Leben!

„Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ – Tabea Hertzog

„Oft sitze ich jetzt einfach nur in meiner Küche. Der Frühling ist da und die Vögel und das Licht und die hellgrünen Knospen. Manchmal komme ich mir so lächerlich vor. Jeder Augenblick erscheint lächerlich. Als wäre der Sinn verloren gegangen.“

Zitat, Seite 17

Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag erhält Tabea die lebensverändernde Diagnose „Chronische Niereninsuffizienz“. Plötzlich steht alles in den Sternen, nicht nur ihre geplante Reise in den Iran, sondern auch ihr weiterer Weg durchs Leben. Kurz darauf verschlechtert sich ihr Zustand, zwingt sie zur regelmäßigen Dialyse und schon bald ist klar, dass auch kein Weg an einem Spenderorgan vorbeiführt.

Auf der Suche nach einer neuen Niere irrt sie auch durch ihr zerklüftetes Familienkonstrukt, das sich aus einem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und einem relativ neuen Kontakt zum Vater, der über Jahre nicht Teil ihres Lebens war, zusammensetzt. Während die Mutter anfangs noch sporadisch an ihrer Seite steht, dann aber völlig von der Bildfläche verschwindet, ist es der Vater, der plötzlich wieder eine entscheidende Rolle in ihrem Leben spielt: Er fungiert als lebensrettender Organspender.

Dass es ausgerechnet die Niere ihres Vaters sein wird, die ihr das Weiterleben ermöglicht, versetzt Tabea in Aufruhr. Seine Art, ihr plötzlich alles recht machen zu wollen, macht sie wütend. Ihre Wut ist von Abwehr begleitet, von dem Wunsch weiterhin eigenständig agieren zu können und nicht von ihrem Vater abhängig zu sein. Wo er doch ihr halbes Leben nicht für sie da war. Seine Niere mag ihr ein neues Leben schenken, nicht aber die verloren gegangene Bindung zu ihm zurückbringen.

„Manchmal ist es besser, dass alles neu ist, als umgekehrt. (…) Manche Erfahrungen noch nicht gemacht zu haben bedeutet auch, dass der Umgang damit noch nicht von Gefühlen vorbelastet ist.“

Zitat, Seite 20

Es sind leise und behutsame, aber sehr berührende Zeilen, mit denen Tabea Hertzog uns ihre Geschichte erzählt. Denn „Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ ist ein autobiografischer Roman, er spiegelt Hertzogs persönlichen Weg als Organempfängerin wieder. Und so begegne ich in diesem Roman einer jungen Frau, die uns auf sehr offene, ehrliche und zugleich kühle und humorvolle Art ihre Geschichte erzählt, die uns ihre Gedanken und Gefühle anvertraut, die sie während all der Zeit durchfluteten.

„Mir wurde nicht beigebracht zu fühlen. Mir wurde beigebracht, stark zu sein. Vielleicht stammt daher mein Wille. Das Fühlen versuche ich zu lernen . Den Willen würde ich niemals aufgeben.“

Zitat, Seite 93

Die Diagnose an sich, so unerwartet und plötzlich sie für Hertzog kam, schien die Autorin ganz gut wegzustecken. Sie reagierte souverän, bewahrte über all die Zeit eine unglaubliche Ruhe und arrangierte sich mit den Veränderungen, die die Krankheit mit sich brachte. Die Dialyse, die Umstellung von Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, die Veränderungen im Privatleben, die sich in einem stetigen wachsenden Rückzug von ihren Freunden und einer wachsenden Verbundenheit zu anderen Dialysepatienten bemerkbar machte. Doch was Hertzog auf ihrem ohnehin schon beschwerlichen Weg wirklich zusetzte, war der familiäre Ballast. Ballast, der schwer auf ihr wog, ihr die Luft zum Atmen nahm und sie in ihrer Freiheit einschränkte. Während die eigene Mutter sich bereits bei der Suche nach einem geeigneten Organ klammheimlich aus der Affäre zieht und ihrer Tochter damit jegliche Unterstützung verwehrt, ist es Hertzogs Vater, der sich bereiterklärt, seine Niere zu spenden.

Doch wie steht man zu einem Menschen, der das halbe Leben nicht da war, zu dem man keinerlei väterliche Bindung hat, der wie ein Fremder ist? Wie schwierig es war, mit ihrem Vater plötzlich so vieles teilen zu müssen, sich auf ihn einzuspielen, seinem ständigen Bedürfnis nach Konversation gerecht zu werden, bringt Hertzog wunderbar zum Ausdruck. Überhaupt sorgt sie dafür, dass man ihr während des Lesens sehr nahe kommt, sich gut in ihre Haut hineinversetzen, ihre Enttäuschung, ihre gelegentlich aufkommende Wut und ihre Furcht um schwindende Eigenständigkeit absolut verstehen kann.

„Ich vermisse die uneingeschränkte Freiheit. Manchmal glaubt man, unbedingt einen Liter Cola trinken zu müssen. Es geht dabei nicht um den ganzen Liter, weit weniger würde reichen. Doch will man die Möglichkeit haben. Bedingungslos. Das Gefühl, keine Grenzen zu haben. Phosphat ist Gift für meinen Körper. Cola hat viel zu viel Phosphat. Das erste, was ich nach der Operation tun werde (…) ? Mir am Automaten eine Cola kaufen.

Zitat, Seite 149/150

Doch trotz des an sich traurigen Themas gelingt Hertzog die Geschichte mit einer wunderbaren Leichtigkeit zu versehen. Nahezu leichtfüßig bewegt sie sich durch ihren Roman, zeigt, dass sie über all die Zeit ihren Humor und ihren Lebenswillen beibehalten hat und ihre Krankheit manchmal sogar auf die Schippe nahm. Hertzogs Art und Weise auf die Welt zu blicken, uns zu verdeutlichen, wie selbstverständlich wir Dinge oft nehmen, die alles andere als selbstverständlich sind, dass es die kleinen und nicht die großen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen – all das hat mich wirklich unglaublich berührt.

Es ist schon faszinierend, wie anders einem das Leben plötzlich begegnet, obwohl es eigentlich immer noch das gleich ist. Und doch irgendwie nicht.

„Wir neigen dazu, Dinge aufheben zu wollen für eine Zeit, die möglicherweise niemals kommt. Die Vorstellungskraft ist am größten, wenn ein Schritt noch nicht getan wurde. Denn genau dann ist noch alles möglich.“ 

Zitat, Seite 121

#diesertageinleben 2: Das stärkste Mädchen der Welt

Wie alles begann

„Pippi ist ein Einfall, keine von Anfang an durchdachte Figur. Freilich war sie von Anfang an bereits ein kleiner Superman – stark, reich und unabhängig.“

Astrid Lindgren in einem Interview des Svenska Dagbladet, 24. Dezember 1967

Ich möchte heute, in der Woche ihres 75. Geburtstags, mit Lindgren’s Figur „Pippi Langstrumpf“ beginnen. Denn wenn man es genau nimmt, haben wir Pippi all die vielen Geschichten von Astrid Lindgren zu verdanken, die es nach ihr zur Veröffentlichung schafften. Sie hat quasi den Grundstein für Lindgrens Karriere als Kinderbuchautorin gelegt. Vielleicht war es es aber auch der Verdienst von Bibliothekarin Elsa Olenius, die sich damals dafür eingesetzt hat, dass es das stärkste Mädchen der Welt überhaupt in den Buchhandel geschafft hat. Denn die Geschichte, die Lindgren im Frühjahr 1941 für ihre an Lungenentzündung erkrankte Tochter Karin erfand und 1944 niederschrieb, als sie wegen eines verstauchten Knöchels bettlägerig war, musste erst einige Hürden überwinden, bevor sie endlich die Kinderzimmer außerhalb der Lindgren-Familie stürmen konnte.

Wusstest du es?

Der Name Pippi Langstrumpf war ein spontaner Einfall von Lindgrens Tochter Astrid

Elsa Olenius, die 1944 in der Jury eines Schreibwettbewerbs von Rabén & Sjögren saß, an dem Lindgren mit ihrer Geschichte „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“ teilgenommen und den zweiten Preis gewonnen hatte, und zudem als Lektorin beim Verlag arbeitete, war sicher die Erste, die das Potential der Pippi-Geschichten erkannte. Deshalb sorgte sie auch dafür, dass Lindgren im darauffolgenden Jahr mit ihrem überarbeiteten Pippi-Manuskript den ersten Preis beim Schreibwettbewerb desselben Verlages einheimste. Dass die Geschichte der frechen Seemannstochter dann aber auch gedruckt wurde, haben wir sicherlich Olenius‘ unermüdlichen Einsatz zu verdanken. Ein Jahr zuvor hatte Lindgren ihr Manuskript noch hoffnungsvoll an den großen Bonnier Verlag geschickt und nach langer Wartezeit eine Ablehnung erhalten. Es hieß, der Verlag habe sein Kinderbuchprogramm für die nächsten zwei Jahre bereits finalisiert, in Wahrheit empfand der Verleger Gerard Bonnier, selbst Vater von kleinen Kindern, die Geschichte der selbstbewussten Pippi einfach zu anspruchsvoll.

1945 durfte Pippi dann endlich unter dem Dach von Rabén & Sjögren die Welt erobern und schaffte es 1949 auch nach Deutschland. Die Geschichte, die wir unter dem Titel „Pippi Langstrumpf“ kennen, weicht allerdings von den elf Kapiteln der Ur-Pippi, die Lindgren ihrer Tochter zum zehnten Geburtstag schenkte, ab. Im Original war Pippi noch viel frecher und verrückter als wir sie heute kennen. Hättest du das für möglich gehalten? Das Original-Manuskript von Pippi Langstrumpf erschien 2007 anlässlich des 100. Geburtstages von Astrid Lindgren unter dem Titel „Ur-Pippi“.

Wusstest du es?

Da Lindgren die Geschichte als Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter Karin niederschrieb, hat Pippi Langstrumpf am exakt gleichen Tag wie Karin Geburtstag, am 21. Mai.

Das Pippi-Fieber bricht aus

Zur Veröffentlichung von „Pippi Langstrumpf“ ist in Schweden ein regelrechtes Pippi-Fieber ausgebrochen, das seinen Höhepunkt 1949 im Park Humlegården zum „Tag des Kindes“ fand. Zehntausende von Eltern und Kindern stürmten an diesem Tag den Park, in dem eine Art Pippi-Themenpark aufgebaut war. Alle wollten Pippi, ihren kleinen Affen Herrn Nilsson und ihr Pferd vor der Villa Kunterbunt sehen. Es kam dabei zu tumultartigen Szenen:

„Kinder und Eltern drängten sich um die große Villa-Kunterbunt-Bühne in der Mitte des Parks, um eine Runde auf Pippis Pferd zu reiten, am Wettbewerb um die beste Pippi-Verkleidung teilzunehmen oder um einige der glitzernden Goldmünzen zu erwischen, die laut Programm zwei Mal am Tag vom Himmel „regnen“ sollten. Die Schlange zum Miniaturzug „Pippi-Express“, der durch Humlegården tuckerte, war kilometerlang, und die Bahn hatte so prominente Passagiere wie Carl Gustaf, den „Kleinen Prinzen“ von Schweden, und seine ältere Schwester Christina an Bord.“

Auszug aus Jens Andersens Biografie „Astrid Lindgren – Ihr Leben“

Die Einflüsse des Krieges

Als ich die Geschichte von Pippi Langstrumpf als Jugendliche kennen und lieben gelernt hatte, spielte die Zeit ihres Entstehens natürlich keine wirkliche Rolle für mich. Der kecke Rotschopf gefiel mir auf Anhieb, diente mir bei meiner persönlichen Entwicklung als großes Vorbild. Ich wollte genauso frech, mutig und selbstbewusst sein wie sie und trieb mitunter zu Fasching als Pippi mein Unwesen.

Heute bin ich um einige Informationen reicher, weiß, dass Pippi in einer der schlimmsten Phasen des Zweiten Weltkriegs und damit in einer sehr menschenverachtenden und emotional abgestumpften Zeit entstanden ist. Der Krieg hinterließ bei vielen seine Spuren, auch bei Lindgren. Ihre Abscheu vor Gewalt und Totalitarismus ist im Wesen ihrer Pippi gut zu erkennen. In Astrid Lindgrens Kriegstagebüchern von 1939 – 1945, die unter dem Titel „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ sind, wird außerdem deutlich, dass nicht nur der Krieg selbst, sondern auch einzelne Personen (wie z.B. Hitler, Stalin und Mussolini) für manche Pippi-Geschichten von Bedeutung waren.

Lindgrens Haltung zu Hitler, die eine Mischung aus Abscheu und Faszination war, mündete sogar in einer Art Hitler-Satire. Im Kapitel „Pippi im Zirkus“ wird Hitler zu einem cholerischen Zirkusdirektor in schwarzem Frack und Peitsche, der sich einigen Kraftproben mit dem frechen Rotschopf stellen musste. Pippi, die anfangs noch im Publikum sitzt, und später auf den Rücken eines der Pferde in der Manage springt, tanzt dem energischen Zirkusdirektor derart auf der Nase herum, dass seine diktatorische Ordnung in der Manege irgendwann völlig im Chaos versinkt.

Wenn es im wahren Leben doch auch so eine mutige Pippi gegeben hätte!

Die Rechte der Kinder

Entgegen vieler Vermutungen zielte Astrid Lindgren mit ihrem starken Mädchen wohl nicht in eine spezielle pädagogische Richtung ab, sondern erweckte Pippi vielmehr als Antwort auf die Brutalität und Bosheit des Krieges zum Leben. Sie versah ihr Heldin mit all den Charaktereigenschaften, die zu der Zeit sehr rar waren. Sie ließ sie stets gut gelaunt, gütig, großzügig, furcht- und vorbehaltslos werden. Aber eben auch verrückt, laut und ungezogen. Pippis Kraft war und ist ungeheuerlich! Das wurde nicht nur anhand ihrer Stärke (mit der sie mal eben ihr Pferd hochhebt), sondern auch ihres Charakters deutlich. Darum lieben sie Kinder wohl auch damals wie heute. Sie macht sich die Welt einfach „widde widde wie sie ihr gefällt“; schert sich nicht, was die Erwachsenen von ihr denken, und fordert vehement ihre Rechte als Kind ein. Auch stellvertretend für die anderen Kinder.

Wusstest du es?

Astrid Lindgren hat sich zeitlebens für die Rechte der Kinder eingesetzt und wurde 1978 als erste Kinderbuchautorin für ihr Engagement mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Mancherorts behauptete man ja, dass die unkonventionelle Pippi nur so legendär geworden wäre, weil sie während der Zeit der Kindererziehungsdebatten in Schweden zu ihrer Veröffentlichung fand. Überall ist Lindgren mit ihrem starken Mädchen angeeckt und hat für mächtig Schlagzeilen gesorgt. „Pippi Langstrumpf“ hat eine heftige Lawine an Diskussionen über Kindererziehung in Gang gesetzt. Denn Pippis Verhalten duldete man bei den eigenen Kindern nicht. Viele Erwachsene befürchteten, dass der freche Rotschopf, der seinen ganz eigenen Regeln folgte, ein schlechtes Beispiel für die Kinder sei. Auf lange Sicht haben sich diese Befürchtungen aber nicht bewahrheitet. Die Geschichten von Pippi dienten und dienen noch heute den Kindern als Zufluchtsort; ein Ort, an dem alles möglich ist. Astrid Lindgren gab den Kindern Pippi zur Freundin.

„Freie und unautoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selber überlässt, dass sie tun und lassen dürfen, was sie wollen. Es bedeutet nicht, dass sie ohne Normen aufwachsen sollen, was sie selber übrigens gar nicht wünschen. Verhaltensnormen brauchen wir alle, Kinder und Erwachsene, und durch das Beispiel ihrer Eltern lernen die Kinder mehr als durch irgendwelche anderen Methoden.“

Astrid Lindgren in ihrer Dankesrede 1978, die unter dem Titel „Niemals Gewalt“ erschienen ist 

Vom Buch zum Film

1969 wurde Pippi Langstrumpf erstmals mit Inger Nilsson in der Hauptrolle verfilmt. Insgesamt sind vier Spielfilme und eine 21-teilige Fernseh-Serie entstanden. Allerdings unterscheiden sich die Filme von den Büchern, selbst wenn Astrid Lindgren dafür die Drehbücher geschrieben hat. Denn natürlich kam es zu einigen Anpassungen für die Filme.

So trägt Pippi ihren 4.Vornamen „Schokominza“ beispielsweise nur nur in den Filmen, während im Buch an dieser Stelle „Pfefferminz“ steht. In den Büchern stellt sich Pippi das erste Mal im Kapitel „Pippi geht in die Schule“ mit ihrem vollständigen Namen vor, als sie von der netten Lehrerin danach gefragt wird.

„Ich heiße Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, Tochter von Kapitän Efraim Langstrumpf, früher Schrecken der Meere, jetzt Negerkönig. Pippi  ist eigentlich nur mein Kosename, denn Papa meinte. Pippilotta wäre zu lang.“

Was wir von Pippi lernen können

Im Internet stößt man auf eine ganze Reihe an scheinbaren Pippi-Zitaten, die über die Jahre einen gewissen Bekanntheitsgrad erfahren haben. Oft handelt es sich jedoch um Zitate, die ich weder den Pippi-Büchern noch den -Filmen zuordnen kann. Nachfolgend möchte ich euch ein paar meiner ganz persönlichen Lieblings-Pippi-Zitate verraten, die in der Pippi-Gesamtausgabe  von 1978 zu finden sind.

In vielen Aussagen von Pippi steckt sehr viel Wahrheit, auch wenn die Formulierung natürlich die eines Kindes ist. Sie verdeutlichen wunderbar Pippis starken Charakter. Denn Pippi ist nicht nur frech, ungezogen und mutig, sondern auch sehr schlau und gewitzt. Sie spricht oft das aus, was andere denken. Und deshalb dient Pippi nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen gewissermaßen als Vorbild. Man muss die Botschaft der Aussagen nur richtig verstehen.

„Warum bist du rückwärts gegangen?“ „Warum ich rückwärts gegangen bin?“ sagte Pippi. „Leben wir etwa nicht in einem freien Land? Darf man nicht gehen, wie man möchte?“

Pippi zieht in die Villa Kunterbunt ein, Seite 15

„Am besten, ihr geht jetzt nach Hause“, sagte Pippi, „damit ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade.“

Pippi zieht in die Villa Kunterbunt ein, Seite 20

„Ich hab schon einen Platz im Kinderheim“, sagte Pippi. (…) „Ich bin ein Kind. Und das ist mein Heim, also ist es ein Kinderheim.“

Pippi spielt Fangen mit Polizisten, Seite 36

„Liebe Kinder, ihr sollt ja auch eure Geburtstagsgeschenke haben“, sagte sie. „Ja, aber – wir haben doch gar nicht Geburtstag“, sagten Thomas und Annika. Pippi sah sie erstaunt an. „Nein, aber ich hab Geburtstag, und da kann ich euch ja wohl auch Geschenke machen! Oder steht irgendwo in den Schulbüchern, dass man das nicht kann?“

Pippi feiert Geburtstag, Seite 135

„Annika“, rief Pippi streng, „was machst du da? Merk dir, dass Eine-Wirklich-Feine-Dame sich nur in der Nase bohrt, wenn sie allein ist!“

Pippi macht einen Schulausflug mit, Seite 197

„Annika fragte: „Dürfen wir mit den Fingern essen?“ „Meinetwegen gern“, sagte Pippi. „Aber ich halt mich an den alten Trick, mit dem Mund zu essen.“

Pippi erleidet Schiffbruch, Seite 236/237

„Ach was“, sagte Pippi. „Wenn das Herz nur warm ist und schlägt, wie es schlagen soll, dann friert man nicht.“

Pippi verlässt die Taka-Tuka-Insel, Seite 379

„Erbsen!“ sagte Thomas erstaunt. „Glaubst du, was?“ sagte Pippi. „Das sind keine Erbsen. Das sind Krummeluspillen. Ich hab sie vor langer Zeit in Rio von einem alten Indianerhäuptling gekriegt, als ich gerade mal sagte, dass mir nicht so viel daran läge, groß zu werden. (…) Man muss sie im Dunkeln nehmen, und dazu muss man sagen: „Liebe kleine Krummelus, niemals will ich werden gruß.“

Pippi Langstrumpf will nicht groß werden, Seite 386

„Was in aller Welt ist mit euch los?“, fragte Pippi gereizt. „Ich will euch nur sagen, dass es gefährlich ist, zu lange zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht.“

Pippi geht an Bord

Quellen

„Astrid Lindgren – Ihr Leben“ – Jens Andersen (DVA, 2014)

„Die Menschheit hat den Verstand verloren – Astrid Lindgren“ (Tagebücher 1939-1945, Ullstein, 2015)

Pippi Langstrumpf – Astrid Lindgren (Gesamtwerk, Oetinger, 1978)

„Niemals Gewalt“(Astrid Lindgrens Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, 1978)

efraimstochter.de (Pippi Langstrumpf Fanseite)

Aus dem Leben einer Mutter + Giveaway

Gedanken und Impressionen zu

„Mama“ von Quentin Gréban & Hélène Delforge

Mama

Substantiv, [die]

Eine Frau, die immer das Beste in ihren Kindern sieht, selbst wenn diese sie ihn den Wahnsinn treiben

Synonym: Alltagsheldin, beste Freundin, Mami

Mama: Wenn ein Wort für Leben steht

Heute ist Muttertag. Der perfekte Zeitpunkt, um unseren Müttern zu danken. Für all die Zuwendung, die sie uns im Laufe unseres Lebens geschenkt; für all die schlaflosen Nächte, die sie für uns auf sich genommen; für all den Kummer, den sie für uns ertragen und für all den Glauben, den sie in uns gesetzt haben. Dafür, dass sie immer für uns da waren und es bis heute sind.

Zugegeben, seit ich selbst Mama bin, rückt mir die Komplexität und Bedeutung einer Mutter für ihr Kind immer mehr ins Bewusstsein. Ich bin lange Zeit davon ausgegangen, eine geborene Mama zu sein. Bis ich zu einer Mutter wurde und mir eingestehen musste, dass die Rolle weitaus anspruchsvoller ist, als ich gedacht hätte. Dass ich nicht als Mama geboren wurde, sondern vielmehr hineinwachsen muss; mich erst auf dem Weg dorthin befinde, eine zu werden. Eine, wie ich sie für meine Tochter sein möchte. Eine, die ihr Kind völlig übermüdet und schlaftrunken in die Arme schließt, den zehnten Tobanfall am Tag milde über sich ergehen und alle Fünfe mal grade sein lässt. Eine, die den schmalen Grat zwischen Mutter und Frau meistert; sich selbst nicht so wichtig nimmt, neben der Mama aber auch noch weiterhin existiert. Als Frau. Als Partnerin. Als eigenständige Person.

Ich habe Kinder schon immer geliebt, mich in ihrer Nähe stets wohlgefühlt. Doch zwischen der Funktion als Patentante bzw. Babysitterin und der als Mama besteht ein großer Unterschied. Das muss nun auch ich einsehen. Die Mutterschaft ist nicht zeitlich begrenzt. Sie beginnt mit der Geburt des Kindes und begleitet uns von da an täglich bis zu unserem Tod. Sie ist ein Fulltime-Job. Bedingungslose Liebe 24/7. Und so musste auch ich in den ersten eineinhalb Jahren meine ersten Schritte als Mama gehen; an persönliche Grenzen stoßen, Eingeständnisse machen, Erfahrungen sammeln und Dinge erlernen; um zukünftig als Mutter zu funktionieren. Die Entwicklung steckt noch immer in den Kinderschuhen, ist quasi ein Lebensprojekt.

Wie wir an Kindern wachsen

Sicher war mir bewusst, dass Babys weinen. Dass es am Anfang überhaupt ihre einzige Möglichkeit ist, um auf sich aufmerksam zu machen. Weinen ist ihr Weg ihre Bedürfnisse auszudrücken, ihren Kummer für uns spürbar werden zu lassen. Nie hätte ich gedacht, wie sehr mich so ein anhaltendes Weinen, das in Schreien übergehen kann, mitnimmt. Wie es mir in Mark und Bein übergeht. Wie es mich fordert. Es hat mich in der Anfangszeit schier in den Wahnsinn getrieben, ständig abrufbar sein und meine Bedürfnisse komplett zurückstecken zu müssen. Oft war ich verzweifelt, nahezu hilflos und brach in Tränen aus, manchmal wurde ich auch richtig wütend. Auf mich selbst, auf die Situation, auf meine Tochter. Macht mich das zu einer schlechten Mama? Oft ist mein Scheitern in dieser Frage gemündet.

Emma ist nun eineinhalb Jahre alt. Sie läuft mittlerweile recht zügig, spricht ihre ersten Wörter und macht mir immer mehr verständlich was sie möchte. Sie ist ein Sonnenschein und im nächsten Moment ein Teufelchen. Sie wächst in einem rasenden Tempo, entwickelt sich von Tag zu Tag mehr zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Die erste Bewährungsprobe als Mama liegt hinter mir, die nächste steht unmittelbar bevor. Ich bin nicht perfekt, übe mich aber jeden Tag ein bisschen mehr in Geduld, in Ruhe und Gelassenheit. Tugenden, die mir sicher nicht in die Wiege gelegt wurden. Oft gelingt es mir nicht, meine eigenen Erwartungen zu erfüllen. Dann frage ich mich, ob ich sie zu hoch gesteckt habe, ob es nur mir so geht oder irgendwie jede Mama eine derartige Entwicklung durchmacht. Manchmal aber werde ich meinen Erwartungen gerecht. Und dann gehe ich völlig als Mutter auf. Dann ist es die große Liebe!

Kinder bringen Seiten in uns zum Vorschein, die wir bis dato nicht an uns kannten. Sie erfordern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bringen uns damit oft an persönliche Grenzen, lassen uns aber zeitgleich an den Herausforderungen wachsen. Sie schenken uns die Möglichkeit, die Welt aus ihren Augen zu betrachten und in klitzekleinen Dingen das Schöne zu sehen. Uns an der Welt zu erfreuen. Sie lassen uns mit gutem Beispiel vorangehen, ihnen ein Vorbild sein, gleichzeitig aber selbst wieder zum Kind werden. Albern sein. Unsinnige Dinge machen. All die Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe, die wir in unsere Kinder säen, werden irgendwann in einer Persönlichkeit fruchten, der wir mit Stolz in die Augen blicken und sagen können: „Du bist mein Kind.“

„Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.“

Astrid Lindgren

Emma – Ein Potpourri aus Momentaufnahmen

Momente des Glücks:

  • dein erstes richtiges Lächeln (das nicht aus Reflex entsteht)
  • wie du das erste Mal „Mama“ zu mir sagst
  • deine ersten holprigen Schritte, barfuss über unseren Rasen
  • wie du dich in meine Arme wirfst
  • dein engelsgleicher Gesichtsausdruck beim Schlafen
  • deine Hand in meiner
  • wie du voller Herzen lachst

Momente des Haderns:

  • wie ich nachts zum Bett tapse, um zu schauen, ob du noch atmest
  • wie ich ins Nebenzimmer flüchte, weil ich dein Schreien nicht mehr ertrage
  • der schmale Grat zwischen Entzückung und Bedrängnis, als du mit deinen Händen auf meinem Dekolletee herumknetest
  • als meine Hände durch das viele Tragen eingeschlafen sind
  • wie dein Einschlafritual sich in Blutergüssen und Kratzspuren bemerkbar macht
  • wie du dich zu Boden wirfst, so schwer wirst, dass ich dich nicht mehr halten kann

 

Momente des Stolzes:

  • wie du dich das erste Mal vom Rücken auf den Bauch rollst
  • wie du dein Knusper mit anderen Kindern teilst
  • wie du das erste Mal alleine schaukelst
  • wie du deine Umgebung aufmerksam studierst
  • wie du für eine halbe Stunde in deine Bücher versinkst
  • als du genau weißt, wovon ich spreche

Wenn ein Buch das Leben einfängt

„Kleine Momentaufnahmen, überbelichtet, unscharf, verwackelt. Echt. Unendlich kostbar. Hier, hier versteckst du dich, hier finde ich dich wieder, mein Sohn.“

Zitat aus dem Buch

Ob es ein Buch gibt, dass all meine Gedanken widerspiegelt und für das Leben einer Mutter steht. Ja, das gibt es. Es heißt „Mama“.

Es gibt sie, Bilder, die dich so sehr berühren, dass du dich nicht von ihnen abwenden kannst. Sie fesseln dich, versetzen dich in Aufruhr, bringen dich zum Lachen oder auch zum Weinen. Sie lassen dich gedanklich zurückreisen. Zu Momenten aus deinem eigenen Leben und plötzlich schäumen sie wieder hoch, die Gefühle vergangener Tage. Sie sind wieder so präsent, als hättest du sie erst gestern verspürt. In „Mama“ gibt es Bilder dieser Art reichlich. Es sind Momentaufnahmen aus dem Leben einer Mutter. Gleichzeitig wohnen dem Buch aber auch Zeilen inne, die für Verzweiflung, Hilflosigkeit aber auch ganz viel Liebe und im perfekten Einklang zu den Bildern stehen. Durch das harmonische Zusammenspiel von Quentin Grébans zauberhaften Bildern und Hélène Delforges berührenden Zeilen wurden in diesem Buch die unterschiedlichsten Momentaufnahmen aus dem Leben einer Mutter eingefangen. Während ich einige dieser Momente bereits selbst erleben durfte, liegen einige noch vor mir. Manche wiederum sind nur für gewisse Menschen, gewissen Lebensumständen bestimmt. Jeder wird hier seine ganz eigenen persönlichen Momentaufnahmen wiederfinden.

„Mama“ ist kein Bilderbuch im klassischen Sinne. Es ist genaugenommen ein Buch für alle Mütter dieser Erde. Für Mütter unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe. Es ist eine Hommage an das Muttersein. Und so authentisch und ungeschönt, dass es dich mitten ins Herz trifft.

Ein Penny für deine Gedanken – Ein Giveaway für deine Momentaufnahme

Wenn ich in den ersten eineinhalb Jahren als Mama etwas gelernt habe, dann dass man seinen ganz individuellen Weg gehen und seine eigenen Entscheidungen treffen muss. Dass es kein richtig und kein falsch gibt, wenn man zum Wohle des Kindes handelt. Egal was die anderen denken. Egal, welche Ratschläge dich von vielen Seiten erreichen. Die Ernte aus deiner Saat wird eines Tages erfolgen.

Dennoch dienen mir die Erfahrungen anderer oft als Inspirationsquelle, können zu einem Wegweiser auf meinem Weg durch das Leben werden. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn du mir eine Momentaufnahme aus deinem Leben als Mama mit auf den Weg gibst. Ganz gleich ob positiver oder negativer Natur. Verrate mir bis Sonntag, den 19. Mai 2019 um 23:59 Uhr deine persönliche Geschichte in Form eines Kommentars und springe damit in den Lostopf für ein Exemplar des Buchs.

Viel Glück!

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von arsEdition für die Verlosung zur Verfügung gestellt. Mein eigenes Exemplar ist selbst gekauft.]