Das Labyrinth der Lichter

„Das Labyrinth der Lichter“ – Carlos Ruiz Zafón

„Die Welt ist nicht der unmoralische Ort, den du bisher gekannt hast, Alicia. Die Welt ist schlicht ein Spiegel von uns, die wir sie bilden, und sie ist nicht mehr und nicht weniger als das, was wir alle gemeinsam mit ihr anstellen.“

Zitat, Seite 275

Es ist das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls, das Alicia Gris zurück nach Barcelona führt, das sie für immer hinter sich lassen wollte. Doch ein Auftrag der politischen Polizei zwingt sie dazu, hinter das Geheimnis eines geheimnisvollen Buches aus der Serie „Das Labyrinth der Lichter“ zu kommen, das sich in Valls Besitz befand und im Zusammenhang mit seinem Verschwinden stehen könnte.

In den Straßen von Barcelona prasseln die Erinnerungen vergangener Tage auf sie ein wie ein brennender Feuerhagel und rauben ihr nahezu die Luft zum Atmen. Trotz seelischer und körperlicher Schmerzen schleppt sie sich durch das mystische Geflecht der Stadt und nimmt die Spur des Ministers auf, die sie direkt in die Buchhandlung Sempere & Söhne spült. Doch in der Buchhandlung empfängt Alicia nicht nur die magische Atmosphäre, die ihr seit jeher innewohnt, sondern auch eine Wahrheit ungeheuerlichen Ausmaßes, die Alles über sie zum Einstürzen bringen könnte.

„Als sie eintrat, wurde sie vom Glöckchen an der Tür empfangen, dem von Tausenden Seiten ausgehenden Duft von Büchern, die auf ihre Chance warteten, und einer nebligen Helligkeit, die die Szenerie mit einem Traumgewebe überzog. Alles war so, wie sie es in Erinnerung hatte, von der Vielzahl der hellen Holzregale bis zum letzten im Licht des Schaufensters gefangenen Stäubchen. Alles außer ihr. Sie betrat diesen Raum, als kehrte sie in eine wiedergefundene Erinnerung zurück.“

Zitat, Seite 361

Sechs Jahre nach seinem Roman „Der Gefangene des Himmels“ beglückt uns Carlos Ruiz Zafón mit dem vierten und letzten Roman der Barcelona-Reihe um das literarische Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher und präsentiert sich besser den je.

Es ist seine lebendige und von Metaphern getränkte Schreibweise, die mich seit jeher in ihren Bann zieht. Kaum ein anderer Autor vermag es die düstere und mystische Seite Barcelonas mit seinem Netz aus Kriminalität, Intrigen und Gewalt so authentisch heraufzubeschwören wie er. Er erweckt die Gässchen, Straßen und Hinterhöfe Barcelonas nicht nur zum Leben, sondern verleiht der katalonischen Hauptstadt auch eine gewisse Anmut, wenn auch mit zwielichtiger Note.

Und so katapultieren mich Zafóns Zeilen in „Das Labyrinth der Lichter“ ohne langes Vorgeplänkel unmittelbar ins Geschehen. Ich bin zurück, im vom Nebelschwaden durchwaberten und düsteren Barcelona.

Erstmalig begleiten uns Fotografien durch die Geschichte

„Ich zog los, erinnere mich aber, dass die Kleider, die Schuhe und selbst die Haut schwer an mir zogen. Ein Schritt war anstrengender als der andere. Als ich auf die Ramblas gelangte, sah ich, dass die Stadt in einem Augenblick der Unendlichkeit verharrte. Die Menschen waren stehengeblieben, eingefroren wie die Gestalten auf einer alten Fotografie. Der Flügelschlag einer auffliegenden Taube war nur gerade eine verschwommene Skizze. Pollenfäserchen hingen unbeweglich wie pulverisierendes Licht in der Luft. Das Wasser des Canaletas-Brunnens glitzerte im Leeren gleich einem Kollier aus gläsernen Tränen.“

Zitat, Seite 9

Obwohl ich gleich zu Beginn alte Bekannte aus Vorgängerromanen treffe, begegne ich in „Das Labyrinth der Lichter“ einer neuen Protagonistin, Alicia Gris, an deren Seite ich von Zafón durch die Geschichte geführt werde. Die in Barcelona geborene und durch die Folgen eines erbarmungslosen Krieges hartgesottene Alicia wird von Madrid zurück nach Barcelona gespült, wo sie sich nicht nur den Gespenstern ihrer Vergangenheit, sondern auch den schockierenden Wahrheiten stellen muss, die ihre Suche nach dem verschwundenen Minister zu Tage fördert.

Es ist ein heikles und weitreichend verflechtetes Unterfangen, in das die junge aber vom Leben abgehärtete Hauptfigur sich durch die Suche nach Mauricio Valls manövriert, weshalb sich der Leser schnell mit allerhand blutigen, brutalen und schwer verdaulichen Szenen konfrontiert sieht.

Während man Zafóns Barcelona-Bücher durch ihre in sich geschlossenen Geschichten allesamt auch eigenständig lesen kann, empfiehlt sich in meinen Augen dennoch die vorangegangene Lektüre von „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefange des Himmels“. Nur so setzt sich eine puzzleteilartige Verkettung in Gang, die die Figuren und Handlungsstränge des aktuellen Romans mit den der alten verbindet und dem Ganzen eine zusätzliche Dimension schenkt.

Nachdem mich „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“ aufgrund von zu vielen aufgenommen und zwischendurch fallengelassenen Handlungssträngen etwas enttäuscht zurückgelassen haben, schließt sich nun der Kreis um den Zyklus von Romanen, die sich im literarischen Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher überkreuzen.

Ähnlich wie „Der Schatten des Windes“ übte „Das Labyrinth der Lichter“ eine sogartige Wirkung auf mich aus, die mich unmittelbar auf den ersten Seiten erfasste und mich erst wieder losließ, als ich die über 900 Seiten bewältigt hatte. „Das Labyrinth der Lichter“ ist daher sicherlich nicht die geeigneteste Lektüre für unterwegs, sicherlich aber eine der ausdauernsten und rasantesten aus Zafóns Repertoire.

Carlos Ruiz Zafón at his best!

„Die meisten von uns Sterblichen lernen ihr wirkliches Schicksal nie kennen; wir werden ganz einfach von ihm überrollt. Wenn wir dann den Kopf heben und sehen, wie es sich auf der Landstraße entfernt, ist es schon zu spät, und den Rest des Weges müssen wir im Straßengraben dessen zurücklegen, was die Träumer die Reife nennen. Die Hoffnung ist nichts weiter als der Glaube, dass dieser Moment noch nicht gekommen ist, dass es uns gelingt, unser wirkliches Schicksal zu sehen, wenn es heranrückt, und dass wir an Bord springen können, ehe sich die Chance, wir selbst zu werden, auf ewig verflüchtigt und uns dazu verdammt, leer zu leben und uns nach dem zu sehnen, was hätte sein müssen und nie war.“

Zitat, Seite 360/361

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Kinderfreuden #20: Eine fliegende Maus

„Lindbergh – Torben Kuhlmann“

Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus

Hamburg im Jahre 1912.

Hier lebt eine kleine neugierige Maus, die sich in die düsteren Bibliotheken der Menschen verkriecht, um deren Bücher zu lesen. Doch eines Tages stellt sie fest, dass es ganz still um sie herum geworden ist. Ihre Mäuse-Freunde scheinen verschwunden zu sein. Finstere Zeiten brechen an. Überall liegen umheimliche Apparaturen herum. Selbst im Hafen ist sie nicht mehr sicher. Denn an jeder Ecke lungern hungrige Katzen herum.

Doch wohin sind ihre Freunde geflüchtet? Haben sie es gar nach Amerika geschafft?

Auf der Flucht vor einer fauchenden Katze stößt sie in der Kanalisation auf einen Schwarm Fledermäuse, jenen flatterhaft geisterhaften Kreaturen der Nacht. Es sind ihre faszinierenden Flugkünste, die sie nicht nur vollends in ihren Bann ziehen, sondern auch einen tollkühnen Plan in ihrem Kopf formen: sie muss das Fliegen lernen!

Doch der Weg über den Atlantik ist lange. Wird es ihr gelingen, ein mäusetaugliches Fluggefährt zu entwickeln, das sie durch die Lüfte bis nach Amerika trägt?

Eckdaten

Hardcover, ab 5 Jahren

96 Seiten
221mm x 282mm
ISBN: 978-3-314-10210-3

Geschichte & Illustration: Torben Kuhlmann
Text in Zusammenarbeit mit Suzanne Levesque

NordSüd Verlag
18,00 €

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Blickwinkel aus großen Augen

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es ist eine Maus, die über ihren kleinen Mäusetellerrand hinausblickt, um scheinbar Unmögliches zu schaffen. Die Fachbücher wälzt, den Plunder der Menschen sammelt und so lange tüftelt & werkelt, bis sie ihrem Traum vom Fliegen und ihren Mäuse-Freunden in den USA ein Stückchen näher kommt.

Torben Kuhlmann entscheidet sich in seinem Kinderbuch „Lindbergh“ für eine schlichte und nahezu unscheinbare Hauptfigur: eine Maus. Doch genau sie ist es, die für den großen Wow-Effekt dieser Geschichte sorgt. Denn manchmal sind es die Kleinsten, die die vermeintlich größten Abenteuer erleben. Und so gelingt es Kuhlmann mit seinem atemberaubenden Abenteuer nicht nur kleine, sondern auch große Leser ins Staunen zu versetzen. Er verbindet dabei das Genre Kinder- und Sachbuch auf kreativste Weise.

Was Kuhlmann mit wenigen Pinselstrichen aufs Papier zaubert, sind kleine Meisterwerke. Ob Bleistiftskizze oder großformatig bunte Illustration, jedes Bild ist ein Hingucker für sich. Und so führt er uns mithilfe seiner Illustrationen und begleitendem Text durch ein magische Entdeckungsreise rund um die Luftfahrt, die uns vom Boden hoch in die Lüfte schickt und uns den Himmel erobern lässt.

Auch der Schauplatz der Geschichte hat Kuhlmann perfekt gewählt. Denn Hamburg ist prädestiniert für dieses Abenteuer. Jedes Detail scheint zu stimmen: die dampfenden Züge am Hauptbahnhof, der Kirchturm des Michels als Flugschanze, der schweifende Blick über die Landungsbrücken oder die entfernte Silhouette des Hamburger Hafens. Es wirkt fast so, als verhelfe die facettenreiche Szenerie der Weltstadt der Geschichte zu einer zusätzlichen Dimension. Die Maus ganz klein, die Stadt so groß.

Es ist kaum zu glauben, dass diese Geschichte Kuhlmanns Abschlussarbeit während seines Studiums zur Buchillustration war. Hier findet man auch die Parallele zwischen dem Schauplatz und des in Hamburg gelernten Illustrators. Ob er bei seinem Studium in Hamburg von der entzückenden Szenerie der Hansestadt inspiriert wurde?

Während meine Neffe und ich mit der zweiten Mäusegeschichte „Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ gestartet und es bereits auf den Mond geschafft haben, schien es mir fast so, als hätten wir schon alles gesehen. Doch weitgefehlt! Es ist absolut verständlich, dass Kuhlmanns erstes Werk zu einem der schönsten deutschen Bücher des Jahres 2014 ausgezeichnet wurde und es zahlreiche anderen Preise eingeheimst hat.

Torben Kuhlmanns „Lindbergh“ ist ein wahres Kinderbuchjuwel, an dessen wunderschönen Bildern man sich niemals sattsieht. Es weckt gleichwohl den Pioniergeist in Kindern und Erwachsenen und zeigt, dass nichts unmöglich ist, wenn man nur genug an sich selbst glaubt und seine Ziele konsequent verfolgt!

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Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2Gefällt dir das Buch? Ja

Was hat dir besonders gefallen? die Maus

Was hat dir gar nicht gefallen? die Eulen

Worum geht die Geschichte? ums Fliegen

Wo steht das Buch im Regal? neben „Armstrong“

Lesezeit: jederzeit

Bester Leseplatz: im kuscheligen Bett

Schlüpft in die Rolle von: einem Abenteurer, einem Piloten

#warumichlese: Wie ein Blogaufruf zum Buch wurde

Wie Alles ins Rollen kam

Im Mai 2016 berichtete Sandro Abbate auf novelero.de unter dem Titel Warum ich lese zu den Hintergründen seines Lesens. Während seine Liebe zur Literatur stark von seiner kurz zuvor verstorbenen Großmutter geprägt wurde, wurde er neugierig, wie sich das bei anderen Lesern verhielt und rief Literaturblogger spontan dazu auf, sich dieser Frage zu stellen.

Unter dem Hashtag #warumichlese sind zahlreiche persönliche Texte entstanden, die die Liebe zur Literatur auf unterschiedlichste Weise zum Ausdruck bringen. Auch ich habe mich damals Sandros Frage angenommen und mich zu den Hintergründen meiner Leidenschaft zur Literatur geäußert. Was damals keiner wusste, ist, dass ein Teil dieser persönlichen Liebeserklärungen ein Jahr später zu einem Buch heranwachsen würden.

Denn 40 dieser persönlichen Texte sind im Februar diesen Jahres als Anthologie unter dem Titel Warum ich lese. 40 Liebeserklärungen an die Literatur im homunculus verlag veröffentlicht worden. Auch meiner durfte neben 39 anderen Texten mit ins Buch und schenkte mir dieses Jahr einen ganz besonderen Bücherschatz im Regal.

Die Anthologie

„Wie kam es dazu, dass wir zu Lesern wurden? Wer führte uns zum ersten Mal ans Bücherregal und zeigte uns seine Schätze, welcher Roman bescherte uns durchwachte Nächte, welche Lektüre änderte unsere Sicht auf die Dinge so grundlegend, dass wir nach ihr nicht mehr dieselben waren? Warum ich lese ist das Gemeinschaftswerk 40 deutschsprachiger Buchblogger, die in persönlichen Geschichten erzählen, warum die Literatur zu ihnen und zum Menschsein überhaupt gehört wie die Luft zum Atmen.“

Warum ich lese. 40 Liebeserklärungen an die Literatur

Seiten 208
Erscheinungsdatum März 2017
Ausgabe Broschur
ISBN 978-3-946120-88-9

Preis: 12,90 €

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Wer meine persönlichen Zeilen zu Sandros Aufruf damals gelesen hat, weiß, dass ich zum größten Teil dank meiner überaus bescheidenen Patentante und Buchhändlerin Sigrid zu einer so begeisterten Leserin geworden bin. Denn es war sie, die neben meiner Mutter, Zeit ihres Lebens ihr Geld in Buchgeschenke an ihr Patenkind gesteckt hat und mein Bücherregal stetig mit Lesestoff fütterte. Aus diesem Grund freue ich mich besonders, dass auch sie dieses kleine Büchlein im heimischen Kitzingen erreicht hat.

Die Bookreleaseparty in Berlin

Am 18. März war es dann endlich soweit und Fräulein Schneefeld & Herr Hund luden zur offiziellen Buch-Freilassungs-Feier in ihre gleichnamige Chocolaterie & Buchhandlung in der Prenzlauer Allee in Berlin ein.

Bei Schokoküssen, Musik und Schokoladenbier lasen einige Blogger im gelben Sessel des Lesezimmers ihre Texte vor, genossen das persönliche Kennenlernen mit den anderen Bloggern und interessante Gespräche bei Musik und in entspannter Atmosphäre des entzückenden Ladens, der dir wie eine Wohlfühloase aus Büchern und Schokolade begegnet.

Der auf den gleichen Tag fallende Indiebookday lud außerdem zum persönlichen Stöbern und anschließenden Bücherkauf eines ausgewählten Indiebooks ein. Ich für meinen Teil habe mich in diesem Jahr für Das Buch der Wunder von Stefan Beuse aus dem mairisch Verlag entschieden, das im Anschluss mit nach München zurückreisen durfte.

Alle Impressionen des Abends:

Eine Kampagne mit Stiftung Lesen

Doch das ist noch nicht alles. Denn #warumichlese sorgte in der Literaturbranche für so viel Begeisterung, dass Ende März eine Kampagne zur Bedeutung des Lesens vom homunculus verlag in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen ins Leben gerufen wurde.

Neben einer Plakation, die zu meiner Begeisterung ein Zitat aus meinem Text trägt, werden zahlreiche Beiträge und Veranstaltungen on- und offline entstehen. Alle Informationen dazu findet ihr hier. Auf der Verlagsseite könnt ihr euch auch über alle Informationen rund um #warumichlese auf dem Laufenden halten. Denn für dieses Jahr ist noch einiges geplant.

Genau wie alle anderen Beteiligten bin ich wahnsinnig stolz auf dieses wunderschöne Gemeinschaftsprojekt, das wir allen voran Sandro und natürlich dem homunculus verlag zu verdanken haben. Deshalb möchte ich an dieser Stelle mich nochmal herzlich dafür bedanken, Teil dieser besonderen Aktion sein zu dürfen.

Und jetzt ab in den Lesesessel!

Herzlichst, eure Steffi.

Kinderfreuden #19: Wiedersehen mit dem Sturmwal

„Nick und das Meer“ – Benji Davies

Jeden Tag fährt Nicks Papa mit seinem Fischerboot aufs Meer hinaus und kommt bei Sonnenuntergang wieder nach Hause. Doch eines Wintertags wartet Nick vergebens auf seine Rückkehr. Denn es bleibt still. Kein Fischerboot weit und breit.

Nick beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. In der dunklen und gefährlichen Nacht macht er sich auf die Suche nach seinem Papa, dessen Fischerboot von der Kälte des Winters übermannt wurde.

Zum Glück eilt ihm ein alter Freund zur Hilfe, auf dessen tatkräftige Hilfe Nick angewiesen ist: es ist der Sturmwal höchstpersönlich!

Eckdaten

Hardcover, ab 3 Jahren

32 Seiten
284mm x 251mm
ISBN: 978-3-8489-0125-8
Übersetzt von Johanna Hohnhold

Aladin Verlag
14,95 €

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Blickwinkel aus großen Augen

Dass Benji Davies magische Hände hat, bewies der Illustrator bereits mit seinen drei Vorgängerwerken „Nick und der Wal“, „Beste Freunde“ und „Opas Insel“, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise verzaubern. Im März erschien nun endlich die langersehnte Fortsetzung des Kinderbuchlieblings „Nick und der Wal“ auf Deutsch, das ich zwischenzeitig schon im Original in den Händen hatte.

„Nick und das Meer“ ist eine Wintergeschichte, die, wenn ich so an das morgendliche münchnerische Schneegestöber denke, auch noch ganz wunderbar in den eigenwilligen April passt.

Nick, der mit seinem Papa am Meer wohnt, kann die Wal-Begegnung aus dem letzten Sommer nicht vergessen. Er vermisst den Sturmwal, dem er damals das Leben gerettet und in seiner Badewanne aufgepäppelt hat, ehe er ihn wieder in die Freiheit entließ. Ständig meint er ihn in herangespültem Strandgut zu erkennen, das sich dann doch nur als bemooster Anker offenbart. Der Winter kommt und ergreift Besitz vom Meer, das sich langsam aber sicher mit Eisschollen füllt und Nicks Papa zu einer letzten Fahrt mit dem Fischerboot hinausschickt. Doch als die Dämmerung einsetzt und der Papa immer noch nicht zurück ist, wagt sich Nick in die dunkle Nacht hinaus, um nach ihm zu suchen. Das inzwischen zugefrorene Meer ist nur noch als eisige Decke zu erkennen und ermöglicht Nick ein waghalsiges Manöver über das starre und knirschende Meer bis hin zum Fischerboot seines Papas, das vom Eis eingeschlossen ist. Völlig erschöpft schläft er in der Jacke seines Vaters ein, die das Einzige ist, was er an Bord von seinem Papa findet.

Es ist ein mächtiger Rumms, der Nick aus dem Schlaf reißt und ihn die Rückkehr seines Walfreunds ankündigt. Endlich kann der Sturmwal sich für das Rettungsmanöver aus dem letzten Sommer revanchieren und Nick mitsamt dem Fischerboot wohlbehalten wieder an Land bringen, an dem ihn sein Papa voller Verwunderung in die Arme schließt.

Mit „Nick und das Meer“ erzählt Davies nicht nur eine einfühlsame Vater-Sohn-Geschichte, sondern auch die Geschichte einer besonderen Freundschaft zu den sanften Riesen des Meeres.

Mithilfe von großflächigen Illustrationen werden große und kleine Entdecker durch die Geschichte geleitet, die sich durch die lebendigen und in facettenreichen Blau- und Grautönen gehaltenen Bildern entfaltet. Der begleitende Text präsentiert sich dabei zurückhaltend und schlicht, dient lediglich als Hilfswerk.

Davies schenkt seinem Nick und den Kleinen ein Wiedersehen mit dem Sturmwal inmitten einer faszinierenden Winter-Szenerie. Die Magie ihrer Freundschaft ist selbst durch das stürmische Schneegestöber und die Tristesse des ewigen Eises zu erkennen, die dem Kinderbuch als Schauplatz dient.

Ein gelungenes Wiedersehen mit dem Sturmwal.

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Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2Gefällt dir das Buch? Ja

Was hat dir besonders gefallen? die Wale

Worum geht die Geschichte? um die Rückkehr des Sturmwals

Wo steht das Buch im Regal? neben „Nick und der Wal“

Lesezeit: wenn es draußen dämmert

Bester Leseplatz: im kuscheligen Bett

Schlüpft in die Rolle von: einem Freund

Ein erhellender Abend

Es war, als schienen das Licht und die Geräusche ganz klar, als Arndt von AstroLibrium und ich uns vergangenen Dienstagabend mit Filmregisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller Jan Schomburg in der gedimmten Bar des Cortiina Hotels in München trafen, ehe es ins Literaturhaus München ging. Schomburg, dessen Romandebüt „Das Licht und die Geräusche“ erst kürzlich in der dtv Verlagsgesellschaft erschien, begegnete uns dabei ganz locker: mit wilder Mähne, einem charmanten Lächeln auf den Lippen und allerhand Neugier im Gepäck nahm er uns gegenüber Platz; zweier seiner Leser, zu denen er als Autor doch ein viel intimeres Verhältnis hätte, als der Regisseur zu seinen Zuschauern.

Eine kleine Europareise lag hinter ihm – er trudelte aus Rom ein, das nach Köln, Leipzig und einigen anderen Zwischenstopps auf seiner Reiseroute lag. Irgendwie vernähme er Orte nur vage, an denen er nicht mehrere Tage verweile.

„Ich kann keine Dinge entwickeln, die ich nicht sehen oder fühlen kann.“(J.S.)

Anders als bei seiner Tätigkeit als Filmregisseur, die bereits ganz früh am Morgen seine Aufmerksamkeit verlangt, liebt er es zu schreiben. Er schläft so lange, bis ihm der Gedanke an das Bett mit Ekel erfüllt und macht sich dann vollkommen ausgeschlafen ans Werk. Was dabei neben Filmen wie „Über uns das All“, „Vergiss mein Ich“ oder „Vor der Morgenröte“ entstehen kann, gilt es nun in seinem Romandebüt „Das Licht und die Geräusche“ zu entdecken. Eine Geschichte, die als Kurzgeschichte angedacht war und erst nach einer ausgedehnten Ruhephase (in der Schublade verweilend) sich doch noch zu einem Roman entwickelte. Es war wohl seine Mutter, Andrea Schomburg, die Zeit ihres Lebens Lehrerin war und erst spät zur Kinderbuchautorin fand („Der halbste Held der ganzen Welt“), die ihn zu dem Entschluss kommen ließ, er könne auch einen Roman schreiben.

Es sind Momentaufnahmen aus dem Leben dreier Jugendlicher: Johanna, Boris und Ana-Clara, die uns nicht nur beim Lesen des Romans, sondern auch bei der Lesung im Literaturhaus München begegnen. Eine Geschichte, die dem Leser aus den Augen von Johanna berichtet wird und weitaus komplexer ist, als dass die Bezeichnung einfühlsamer „Coming of Age“ Roman ausreiche. Denn wann ist die Phase vorbei, die man gemeinhin als Jugend bezeichnet? Schomburg selbst hätte sie erst kürzlich hinter sich gelassen.

„Mir ist das Wort „Jugend“ erst klar geworden, als sie aufgehört hat.“(J.S.)

„Als Jugendlicher hat man so viele unterschiedliche Ichs. Man kann so viele Dinge auf einmal sein, die sich eigentlich widersprechen.“(J.S.)

Zu meinem Bedauern, begegnete mir der Roman bei der Vorstellung durch Moderator Norbert Joa („Eins zu Eins“, BR) im Literaturhaus München völlig anders, als beim Lesen. Die Leichtigkeit, mit der Schomburg seine Romanfiguren durch schwere Momente führt, ist nur noch vage zu erkennen. Aus dem ehrlichen Blick auf sich selbst und das Leben, wird plötzlich ein emotional schwerwiegendes Unterfangen  mit melodramatischen Zügen.

Doch es ist die Stimme von Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader, die mich an diesem Abend nicht nur völlig in ihren Bann zieht, sondern auch Protagonistin Johanna zum Leben erweckt. Der melodische Klang ihrer Stimme begleitet mich noch eine Weile und verleiht dem Roman beim anschließenden Beenden eine zusätzliche Dimension. Sie ist es auch, die uns durch das Hörbuch (DAV) zum Roman begleitet.

Es sei euch deshalb ans Herz gelegt, sich auf das licht- und geräuschvolle Debüt von Schomburg ganz unvoreingenommen einzulassen. Mehr zum Roman möchte ich euch gerne in separaten Zeilen verraten, deren Töne sich derzeit noch finden müssen, weil die Geschichte noch nachhallt.

Bis dahin seid ihr herzlich eingeladen, euch den Momentaufnahmen des Interviews zu widmen, denen es ab heute im Literaturradio Bayern zu lauschen gilt. Dieser Beitrag ist das Ergebnis eines Bloggerdoppels mit Arndt von der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium. Zu seinen Eindrücken zu Schomburgs Debüt gelangt ihr hier.

„Man muss nicht alles verstehen und es mit dem Messer des Verstandes sezieren. (…) Man weiß als Autor oft auch nicht mehr, als man geschrieben hat.“(J.S.)

Ich bin ein Königskind

Die Geschichte einer wachsenden Leidenschaft

Direkt bei der Gründung im Oktober 2013 hatte mich der Königskinder Verlag bereits im Netz. Ich war dem Hamburger Imprint des Carlsen Verlag von Anfang an verfallen und schloss das königliche Logo, den Namen und das Konzept des Verlags schnell ins Herz.

Denn was in den Programmen des Verlags ganz klar zu erkennen ist, ist die Liebe zum Buch. Und zwar durch und durch. Diese Leidenschaft, die jeder Mitarbeiter des Verlags zu leben scheint, allen voran Verlagsgründerin Barbara König, zeigt sich auf vielfältige Weise. Jedes Programm trägt ein gestalterisches Motto, die individuelle Farbgebung und das Leitmotiv spiegelt sich in jedem Buch wieder.

Die Programmvorschauen präsentieren sich einladend, glänzen mit gut gewählten Zitaten und gut formulierten Kurzbeschreibungen. Beim Durchblättern fühle ich mich abgeholt, freue mich bereits vor dem Erscheinen der Bücher darauf, in die Geschichten abzutauchen.

Die ästhetische Klammer der Programme

Das erste Programm des Königskinder Verlags erschien 2014 unter dem Motto „Ouvertüre“ und präsentierte sich in den Farben Schwarz, Weiß und Gold. Mich sprach damals auf Anhieb „Anders“ an, dessen Geschichte sich ähnlich wie der Titel ganz andersartig präsentierte und mich wirklich überraschte.

Andreas Steinhöfels Schreibstil war so erschreckend ehrlich, lebendig und tiefgründig, dass ich sofort bemerkte, dass das Jugendbuch ganz anders ausfällt, als die Jugendbücher die ich bis dato kannte. Die Gefühle von Steinhöfels Protagonisten begegneten mir lebendiger denn je (mehr dazu hier).

Auch das zweite Programm mit dem Motto „Alles blüht“ begeisterte mich optisch wirklich sehr. „Das Schloss aus Wolken“ und „Die wahre Geschichte von Regen und Sturm“ landeten auf Anhieb auf meiner Wunschliste. Leider verweilen sie da bis heute. Aber manche Dinge benötigen einfach etwas Zeit.

Dass das dritte Programm „Die blaue Stunde“ mich auf Anhieb ansprach, ist eindeutig. Blau ist meine Lieblingsfarbe. Wer mich persönlich kennt, weiß das. Darüber hinaus bin ich mit einer ansprechenden Optik sehr leicht zu kriegen, Titel und Story sind zugegeben, oft gar nicht so entscheidend beim Bücherkauf. Ich fuhr damit bisher aber ganz gut, irgendwie isst doch immer das Auge mit!

Als kleiner Berg- und Wanderfan fand „Die wirkliche Wahrheit“ bereits nach wenigen Minuten den Weg in meine Hände und anschließend zur Kasse. Covergestaltung und Story gehen nicht bei jedem Buch Hand in Hand, in diesem Fall entfaltete sich allerdings das erhoffte Bergabenteuer eines kleinen Jungen.

Das vierte Programm „Augenblicke“ ist alleine optisch ein Hingucker. Die Mädchengesichter strahlen so viel Ausdruck und Freude aus, dass die Bücher bereits mit ihrem lebendigen Gewand das heimische Regal aufwerten. Beim Carlsen Bloggertreffen letztes Jahr griff ich daher gezielt zu „Jane & Miss Tennyson“ und habe es bis heute nicht bereut.

Das fünfte Programm mit dem Motto „Kaleidoskop“ fiel im Gegensatz zum Vorprogramm etwas männlicher und gruseliger aus. Dem vielseits besprochenen Werk „Salz für die See“ möchte auch ich mich noch widmen. Besonders neugierig gemacht haben mich die begeisterten Zeilen von Daniela alias Bröselchen.

© Königskinder Verlag
© Königskinder Verlag

​​​Das sechste Programm das am 23.03.17 offiziell erscheinen wird, trägt das Motto „Zweisamkeit“. Ich wurde vom Verlag mit königlicher Post überrascht, weswegen ich bereits durch das neue Programm schmökern konnte. Gut, dass dabei für die begleitende Verpflegung gesorgt wurde, denn fast in alle Geschichten musste ich bereits reinlesen. Sowohl „Der Himmel über Appleton House“ als auch „Der Koffer“ sprechen mich auf Anhieb an.

#ichbineinKönigskind – was verbirgt sich hinter meiner Bekenntnis

Mein Bücherregal kann tatsächlich nicht alle Bücher des Verlags vorweisen, beherbergt aber dennoch eine kleine aber feine Auswahl von erlesenen Königs-Geschichten, die mir mit ihren sensiblen Betrachtungsweisen und liebevollen Charakteren wahre Lesemomente geschenkt haben.

Die großartigen Geschichten des Königskinder Verlags transportieren eine ungeheure Bandbreite an Emotionen und umschmeicheln meine Herzensbuchseele damit immer wieder aufs Neue. Deshalb kann und will ich auf die Geschichten dieses großartigen Herzensbuchverlages nicht mehr verzichten.

All jenen unter euch, die noch keine Erfahrung mit den Büchern dieses Verlags gemacht haben, sei er daher dringend ans Herz gelegt.

Aktionen rund um den Königskinder Verlag

Dieses Jahr schenken zwei Aktionen den Büchern des Verlags ihre besondere Aufmerksamkeit. Allen voran hat Dani („Brösels Bücherregal“) 2017 zum „#JdKöKi : Jahr der Königskinder“ ernannt. Jeden Monat wird zwischen sieben Titeln aus dem Königskinder Verlag ein Favorit ermittelt, dem sich im Anschluss gewidmet wird.

​Passend dazu hat Kathrin („Kathrineverdeen“) vergangenen Montag die Blogparade #ichbineinKoenigskind ins Leben gerufen, die bloggende Liebhaber des Königskinder Verlags dazu einlädt, ihre Liebe zum Verlag mit der Welt zu teilen. Die Aktion läuft vom 13.3. bis 13.4.2017. Ziel der Blogparade ist es, dass möglichst viele leidenschaftliche Beiträge zur Aktion entstehen, die unter dem Hashtag #ichbineinKönigskind durch die sozialen Netzwerke gestreut werden.

​Bist du auch ein Königskind? Na dann schieß los…