Kinderfreuden #24: Das Leben ist schön

Leben – Cynthia Rylant & Brendan Wenzel

“It’s the little things that make life big.“

Jedes Leben beginnt klein. Sogar bei den Elefanten. Dann beginnt es zu wachsen und  langsam aber sicher zu etwas Großem heranzureifen. Leben unterliegt der ständigen Veränderung, durchläuft gute wie schlechte Zeiten, Tag und Nacht, Licht und Schatten. Es hält  jede Menge Überraschungen für uns bereit: Abenteuer, die es zu bestreiten und Ängste, die es zu überwinden gilt. Doch trotz aller Widrigkeiten ist es wunderschön.

Die Tierwelt weiß das und genießt das Leben in vollen Zügen. Brendan Wenzel und Cynthia Rylant laden uns daher ein, die Welt aus der Sicht von Tieren zu betrachten und einen Weg zu gehen, der von den Emotionen und Erfahrungen der Tierwelt geprägt ist.

Begleitest du sie, auf ihrer Entdeckungsreise durch das Leben?

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

48 Seiten
22,5 x 29 cm
ISBN: 978-3314104176
Übersetzt von Thomas Bodmer

NordSüd Verlag

16,00 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Es gibt Kinderbücher, da geht einem beim Ansehen das Herz auf. So auch bei „Leben“, das ganz und gar bezaubernde Illustrationen von Brendan Wenzel und begleitende Zeilen von Cynthia Rylant in sich trägt. Es handelt wie der Titel bereits verrät, vom Leben. Und obwohl es uns keine völlig neue oder spektakuläre Geschichte erzählt, gelingt ihm dennoch etwas ganz Besonderes: es schenkt uns Augen für das Wunderbare.

Es ist der Blickwinkel von Tieren, den Rylant und Wenzel die Kleinen einnehmen lässt. Eine Perspektive, die den Kindern fremd ist und ihnen ganz neue Facetten des Lebens aufzeigt. Dass das Leben trotz oder gerade wegen aller Widrigkeiten so lebenswert ist. So liebt der Habicht den Himmel, das Kamel den Sand und die Schlange das Gras. Und obwohl die Schildkröte dem Leben vielleicht nichts Besonderes abgewinnen kann, liebt sie es dennoch. Denn an ihrem Panzer hat sie im Lauf der Jahre viel Wasser abperlen lassen und der Melodie des Regens gelauscht – dem einzigartigen Lied der Natur.

Doch Rylant und Wenzel führen ihren Betrachtern nicht nur die schönen Seiten des Lebens vor Augen, sondern geleiten sie auch durch wilde und wüste Passagen. Mit einem Vogel fliegen sie durch einen von Dunkelheit und Unwetter erfassten Wald und kommen verängstigt, aber unbeschadet wieder heraus. Und so lernen schon die Kleinsten das Leben in seiner Gänze kennen, nicht aber, ohne ihnen dabei Mut und Kraft zu schenken, sich dem Leben zu stellen. Ihnen zu zeigen, dass es stets einen Ausweg gibt.

„Das Leben ist nicht immer leicht. Zuweilen gibt es wilde, wüste Strecken. Doch auf die eine oder andere Art kommt man da auch wieder raus.“

Durch ein wunderbar hamonisches Zusammenspiel ist dem Illustrator und der Autorin ein ganz wunderbares Kinderbuch gelungen, das uns einmal mehr vor Augen hält, wie schön das Leben sein kann. Die Geschichte, die von Wenzels atemberaubenden Illustrationen und Rylants poetischen Zeilen lebt, unterliegt, genau wie das Leben selbst, der stetigen Veränderung. Es sensibilisiert uns, in den kleinsten Dingen das Wunderbare zu sehen und verzaubert kleine wie große Betrachter mit seinen stimmungsvollen Bildern. Und auf einmal wird uns ganz klar, warum es sich lohnt, jeden Morgen aufzuwachen und zu schauen, was passiert. „Denn das Leben fängt klein an. Und es wächst.“

❤ ❤ ❤ ❤ ❤

Blickwinkel aus kleinen Augen

Lenas Urteil:

Lena SteckbriefGefällt dir das Buch? Ja, sehr.

Was hat dir besonders gefallen? Die Tiere

Worum geht die Geschichte? um das Leben

Wo steht das Buch im Regal? neben „Die Flucht“

Lesezeit: bei Tageslicht

Bester Leseplatz: im Bett

Schlüpft in die Rolle von: einer Entdeckerin

Jólabókaflód – die (isländische) Bücherflut zur Weihnachtszeit

Es gibt zahlreiche Weihnachtstraditionen auf dieser Welt, die wahrscheinlich schönste Tradition für Buchliebhaber kommt aber sicherlich aus Island. Denn zum Jólabókaflóđ werden dort die Haushalte mit Buchempfehlungen geflutet. Diese Bücherflut erreicht die Isländer in Form des Bókatiđindi, eines kostenlosen Bücherkatalogs, der sämtliche Neuerscheinungen des Jahres beinhaltet und die Menschen zu ihrer Weihnachtslektüre inspirieren soll. Denn die erste Weihnachtsnacht verbringt man dort in aller Regel lesend.

„Die schönste aller Weihnachtstraditionen kommt zweifellos aus Island, wo seit gut 75 Jahren (fast) nur zwei Dinge am Weihnachtsabend verschenkt werden: Bücher und Schokolade, sodass die erste Weihnachtsnacht lesend zugebracht wird.“

Nun hat der liebe Torsten („Around the world in 100 bookshops“) in Anlehnung an das isländische Vorbild in Zusammenarbeit mit Sarah Abts (Kataloggestaltung) auch in Deutschland einen Bücherkatalog herausgebracht, der neben den Zeilen des isländischen Botschafters Martin Eyjólfsson, sowie der Bestsellerautorin Yrsa Sigurdardottir, auch die persönlichen Buchempfehlungen von insgesamt 48 großartigen Autorinnen und Autoren, VerlegerInnen und Verlagsmitarbeiter sowie zahlreichen – ebenso großartigen – BuchhändlerInnen und BloggerInnen aus dem deutschsprachigen Raum beinhaltet.

Ich freue mich, dass ich neben einer Reihe an inspirierenden Menschen wie z.B. Nina Sahm (Autorin) und Anne Freytag (Autorin), Bröselchen (Bloggerin @Brösels Bücherregal), Mareike Fallwickl (Texterin und Autorin), Uwe Kalkowski (Blogger @Kaffeehaussitzer), Sarah Reul (Bloggerin @Pinkfisch und Buchhändlerin), Sophie Weigand (Bloggerin @Literaturen) und viele mehr – auch im Katalog vertreten bin. Als leidenschaftliche Zafón-Leserin empfehle ich euch das neueste Werk von Carlos Ruiz Zafón „Das Labyrinth der Lichter“, das die Barcelona-Reihe nach langen Jahren des Wartens in diesem Jahr endlich zu seinem krönenden Abschluss gebracht hat.

Da es Torsten ein persönliches Anliegen ist, dass die Aktion und der dazugehörige Katalog so viele Bücherfreunde wie möglich erreicht, möchte ich euch heute mit meiner Begeisterung für den Jólabókaflóð und die daraus resultierende Bücherflut an Weihnachten anstecken und euch die Veranstaltung bei Facebook ans Herz legen.  Als besonderes Schmankerl verlost Torsten übrigens unter allen, die bis 26.12.2017 in der Facebook-Veranstaltung unter dem Katalog-Beitrag ihren Buchfavoriten aus dem Katalog per Kommentar nennen, 1x das entsprechende Buch! Und: Unter allen Teilnehmern der o.g. Veranstaltung verlost er zudem 1x ein persönliches Bücherabo für das Jahr 2018!

Auf dass es an Weihnachten Bücher regnet! 📚

Hyggeliges arsEdition

Am 17. November 2017 lud der Münchner Verlag arsEdition zahlreiche Literatur-, Lifestyle- & Mamablogger zu einem ganz besonderen Bloggerevent ein. Auch ich war unter den geladenen Gästen. Heute möchte ich euch zur Einstimmung in die Weihnachtszeit ein paar meiner Impressionen mit auf den Weg geben.

Das Presse ABC (Britta, Anna und Caterina) begrüßt die Gäste

„Glückssucher sind Trend“

Unter diesem Motto stand der Vormittag, bei dem auch Verena Roskos, Chefredakteurin der Zeitschrift jolie, und Dr. Sandra Ebert, Dozentin für Wirtschaftspsychologie am Campus M21, anwesend waren. In einer anfänglichen Gesprächsrunde widmeten wir uns dem Thema Trends und stellten große Blogbuster kleinen Trends gegenüber. Auch „Hygge“ kam dabei zur Sprache. Ein skandinavischer Trend, der vielmehr eine Lebenseinstellung und daher auch emotional verwurzelt ist. Auch in deutschen Haushalten trifft man diese Einstellung immer häufiger an. Die hyggelige Lebensphilosophie der Dänen ruft zum Entschleunigen auf, zu gemeinsamen Momenten mit Familie und Freunden. Qualitytime, wie es die Amerikaner nennen würden, wird immer größer geschrieben.

Glückssucher im Gespräch

Die Kunst der schönen Buchstaben

Und so gestaltete sich der Rest des Vormittags auch für die anwesenden Glückssucher wunderbar hyggelig. Bei einem Handlettering – Workshop mit Petra Wöhrmann widmeten wir uns dem Lettering und verzauberten unsere Arbeitsblätter mithilfe von Bleistift und Brushpens mit schönen Buchstaben und Slogans.

Für den Workshop wurden wir mit Blättern von Hahnemühle, Bleistiften von Stabilo und Brushpens von Faber-Castell ausgestattet, die neben zahlreichen anderen Schätzen in unseren funkelnden Goodie – Bags zu finden waren.

Die Künstlermappe aus der Edition deluxe – Reihe von arsEdition hatte ich bereits innerhalb kürzester Zeit in mein Herz geschlossen. Durch den von Petra Wöhrmann personalisierten Schriftzug, wurde sie nicht nur optisch noch einmal aufgewertet, sondern auch zu einer schönen Erinnerung an das bezaubernde Event.

Mein Stück zum Glück: die Arbeitsmappe
Künstlermappen aus der Edition deluxe – Reihe

Und so möchte ich mich heute noch einmal herzlich bei allen Beteiligten, allen voran aber dem wundervollen Presse-Team von arsEdition, Britta, Anna und Caterina, bedanken, die mir einen so wundervollen Vormittag beschert haben und sich rührend um mich und meine kleine Maus gekümmert haben.

Habt eine besinnliche (Vor)weihnachtszeit ❤

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Ice Ice Baby – Drei Kinderbücher für den Winter

Hallo ihr Lieben,

seit die kleine Räubertochter das Licht der Welt erblickt hat, muss ich mir meine spärlich gesäte Freizeit gut einteilen. Mit dem Lesen klappt es besser denn je, schließlich hat man beim Stillen immer eine Hand frei und kann die Zeit, wo der Nachwuchs wohlig vor sich hin schmatzt, besonders gut nutzen, um sich ein Buch zu schnappen und in die Geschichte einzutauchen.

Was allerdings gerade etwas zu kurz kommt, sind die Rezensionen. Es tümmeln sich nämlich bereits zahlreiche Entwürfe im Ordner, die auf den letzten Feinschliff warten. Doch kaum sitze ich am PC um die Mission endlich zu erfüllen, dringen bereits Geräusche vom Nebenzimmer zu mir. Klagenslaute, die nach mehr Aufmerksamkeit rufen. Denn das kleine Wesen kann es nun so gar nicht verstehen, wie man ihm Bücher vorziehen kann!

Da in den letzten Monaten allerdings ein paar wunderbare Kinderbücher erschienen sind, die perfekt in die Winterzeit passen, möchte ich euch heute bereits einen kleinen Einblick in drei Kinderbücher geben, ehe die detaillierten Rezensionen erscheinen. Holt sie euch und euren Liebsten, entdeckt sie gemeinsam und taucht dabei ein, in die glitzernd bunte Winterwelt. Denn der Schnee lässt nun ja nicht mehr lange auf sich warten.

Der Eisbär – Jenni Desmond

Text & Illustration: Jenni Desmond | Aladin Verlag | Ab 4 Jahren | Seiten: 48 | Hardcover 16.95 € | ISBN: 978-3-8489-0109-8
Zum Buch beim Aladin Verlag

Jenni Desmond ist bereits mit „Der Blauwal“ ein beeindruckendes Sachbilderbuch gelungen. Nun begeistert sie uns erneut mit Text und Bildern zu einem der größten und gefährlichsten Raubtieren der Welt: dem Eisbären.

Kinder können es kaum glauben, wenn sie den kleinen Eisbären lieben, aber Eisbären sind nun mal nicht immer nur süß, sondern auch gefährlich. Denn nicht nur ihre Größe, sondern auch ihr blutverschmiertes Maul kann schon mal beängstigend sein. Nicht aber, wenn Desmond sie zeichnet. Denn ihr einzigartiger Stil, mit dem sie das Raubtier zum Leben erweckt, sorgt eher für Begeisterung als Entsetzen. Schnell wird den Kleinen klar, dass auch der Eisbär selbst gejagt wird.

Desmond nimmt auf ihren Bildern ganz besondere Blickwinkel ein, die ihre kleinen Entdecker ins Staunen versetzt. Denn die eisigen Lebensbedingungen werden ebenso spürbar wie die immensen Größenunterschiede zwischen Tier und Mensch.  Ein Sachbilderbuch, das auf den Winter und Entdeckungsreisen im wohligen Kinderzimmer einstimmt.

Erpel liebt Ente – René Gouichoux & Marc Boutavant

Text & Illustration: René Gouichoux, Marc Boutavant | Magellan Verlag | Ab 4 Jahren | Seiten: 32 | Hardcover 9.95 € | ISBN: 978-3-7348-2041-0
Zum Buch beim Magellan Verlag

Eigentlich ist Erpels Schwärmerei für die Ente ein Geheimnis, aber irgendwie kann er es nicht für sich behalten und steckt es Gans. Und genau wie Erpel, tratscht es auch Gans weiter und Pute … und Hahn. Bis das Geheimnis kein Geheimnis mehr ist und auch die Ente von Erpels Zuneigung erfährt. Wie sie wohl die Botschaft aufnimmt?

In dem kleinen Bilderbuch steckt eine entzückende kleine Geschichte über eine geheime Schwärmerei, die einen selbst in der kalten Winterlandschaft ganz wohlig ums Herz werden lässt.

Das große Buch vom kleinen Eisbären – Hans de Beer

Text & Illustration: Hans De Beer | NordSüd Verlag | Ab 4 Jahren | Seiten: 192 | Hardcover 25.00 € | ISBN: 978-3-314-10414-5
Zum Buch beim NordSüd Verlag

Der kleine Eisbär ist legendär. Auch ich kenne ihn noch aus meiner Kindheit und bin  noch heute in ihn verliebt. Lars, der als kleiner tollpatschiger Steppke angefangen hat, hat sich über die Jahre von lieb und nett, zu mutig und abenteuerlustig gemausert. Seine Abenteuer wurden immer wagemutiger und daher haben auch die  Illustrationen von Hans de Beer eine bestimmte Entwicklung durchlaufen, die man in diesem Sammelband verfolgen kann.  Es beherbergt alle zehn Bände  mit ungekürzten Geschichten und einer Auswahl an begleitenden Illustrationen. Für Eisbärliebhaber und alle die es noch werden wollen. ❤

Glitzernde Lesestunden wünscht euch Steffi

Der beste Zeitpunkt, um aufzubrechen, ist jetzt

„Gehen, um zu bleiben“ – Anika Landsteiner

„Im Endeffekt ist Reisen wie Leben im Schnelldurchlauf. Alles, was man erlebt, ist konzentrierter und intensiver. Ein Schatz an Erfahrungen, der bleibt.“

Zitat aus dem Prolog

Es begann alles mit einem Spontantrip in den USA. Auf dem vielleicht kürzesten Roadtrip der Welt, ließ Anika Landsteiner nicht nur das Ende einer fünfjährigen Beziehung hinter sich, sondern sog auch das Gefühl von unbändiger Freiheit auf, das vieles in ihr veränderte.

Der Grundstein fürs Reisen war gelegt: Der Roadtrip weckte eine Leidenschaft für das Aufbrechen in ihr, der sie sich fortan hingibt. Sie lässt sich treiben, reist von Land zu Land und sammelt Erfahrung um Erfahrung. Denn jeder Ort begegnet ihr anders: Während der eine sie mit offenen Armen empfängt, findet sie zum anderen keinen wirklichen Zugang.

In „Gehen, um zu bleiben“ lässt sie uns an fünfzehn Momentaufnahmen teilhaben, die sie an den unterschiedlichsten Fleckchen der Erde eingefangen hat. Ihr regelmäßiges Gehen füllt nicht nur ihre persönliche Schatzkiste an Erfahrungen, sondern mündet auch in ehrlicher Selbstreflektion.

„Glück bedeutet für mich nicht, einhundert Euro im Lotto zu gewinnen, sondern Verantwortung für mein Leben übernehmen zu dürfen und das absolut Beste daraus zu machen.“

Zitat, Seite 277

Es sind fünfzehn Reisen, auf die mich Anika Landsteiner in diesem Buch entführt. Jede von ihnen ist einzigartig und an ein bestimmtes Gefühl geknüpft, positiver wie negativer Natur. Sie führen mich nicht nur einmal um die Welt, sondern auch in die Tiefen ihrer Gedanken und erzählen von einer nicht enden wollenden Reise: der Reise zu sich selbst.

„Heute verstehe ich diese Reisen als einzelne Puzzleteile, die ineinandergreifen und ausschließlich zusammen meinen Blick auf die Welt geformt haben. Warum ich durch das Reisen zu dem Menschen wurde, der ich heute bin. Und vor allem, warum diese eine Reise nie zu Ende sein wird.“

Zitat aus dem Prolog

Nach einer Ausbildung zu Schauspielerin, wendet sich Anika Landsteiner dem Journalismus zu. Sie schreibt für verschiedene Online- und Printmedien und leitet zwei Jahre lang das renommierte Stadtmagazin MUCBOOK. Später gründet sie den Reiseblog Ani denkt und macht sich als Ani einen Namen.

Es ist das Jahr 2010, in dem sie mit ihrer Freundin auf den wohl kürzesten Roadtrip ihres Lebens aufbricht: zwei gebrochene Herzen auf dem Weg von Los Angeles nach San Francisco. Ein Trip, der mit grenzenloser Freiheit durchströmt und sie von ihrem Kummer befreit. Er wird zum Grundstein aller Reisen, die kommen werden. Ein Schlüsselmoment, der den Wunsch des regelmäßigen Aufbruchs in ihr weckt. Denn nur wer wegfährt, kann auch wieder heimkommen.

Und sie gibt sich ihm hin. Bereist fortan nicht nur Länder wie Spanien, Frankreich oder Griechenland, sondern auch Entwicklungsländer wie Indien, Kolumbien und Malawi. Sie wagt den Schritt aus ihrer Komfortzone; durchschreitet Türen, die ihr Zugang zu unbekannten Abenteuern freigeben Reisen mit ungewissem Ausgang.

„Wenn ich mit meinem Reisepass in der Hand zum Gate laufe, ist das wie auf eine Zaubertür zuzugehen, hinter der ein Abenteuer wartet.“

Zitat, Seite 169

Und so sammelt Ani nicht nur jede Menge Glücksmomente, sondern muss sich auch einer Reihe an Herausforderungen stellen. Momente voller Angst und Selbstzweifel; Situationen, in denen sie auch mal ihr Mut und klarer Verstand verlässt und sie auf die Hilfe anderer angewiesen ist und ihr klar werden lässt, wie sehr sie es schätzt, in Begleitung zu reisen.

Vor Ort taucht sie in fremde Kulturen und Bräuche, lernt nicht nur die schönsten und unberührtesten Fleckchen der Erde, sondern auch die ungeschönten Wahrheiten hinter den glänzenden Fassaden kennen. Sie geht mit Natur und Landesbewohnern auf Tuchfühlung; merkt, wie sehr die Schicksale Einzelner ihr ans Herz gehen und etwas in ihr bewegen.

„Probleme überqueren Ozeane und sind manchmal noch vor einem selbst dort. Sie warten überall auf uns.“

Zitat, Seite 30

Und so reist Ani nicht nur in die Welt hinaus, sondern auch in sich selbst hinein und findet dabei Puzzleteil um Puzzleteil ein Stück ihrer selbst.

„Gehen, um zu bleiben“ ist ein Buch, das gleichwohl inspiriert und nachdenklich stimmt. Es gibt den inneren Entwicklungsprozess einer jungen Frau preis, die lernt, was im Leben wirklich wichtig ist. Und so fragt sich der Leser am Ende, ob er nicht selbst ein bisschen reisen sollte. Der richtige Zeitpunkt um Aufzubrechen? Immer jetzt.

„Reisen heißt nicht nur, einhundert Likes auf das Palmenfoto zu bekommen und sich gegenseitig mit exotischen Zielen zu übertrumpfen, um immer ein bisschen höher, schneller, weiter zu kommen als die anderen. Reisen heißt vielmehr, Vorurteile abzubauen, in verschiedenen Sprachen Danke sagen zu können, sich fast vergessene Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Menschenkenntnis anzueignen. Die Welt aus einer Höhe von zehntausend Kilometern zu sehen oder den Blick unter die Meeresoberfläche zu wagen. Und Geschichten zu sammeln, die es wert sind, erzählt zu werden.“

Zitat aus dem Prolog

#Buchpassion: Wie sich eine Autorin in mein Herz schrieb

Buchpassion, ©kapri-zioes

Die Literatur ist facettenreich, eine Fundgrube unerschöpflicher Wissensreserven und Inspirationsquellen. Es gibt zahlreiche Bücher, die es zu lesen lohnt. Sie sind es, die unser Denken und Handeln ungemein bereichern können und uns darüber hinaus zu unterhalten verstehen.

Jedes Buch ist das Ergebnis eines leidenschaftlichen Schreiberlings, der viel Zeit und Herzblut investiert hat, um uns mit seinen Zeilen zu erfreuen. Doch nicht jedem Autor und jeder Autorin gelingt es, mich persönlich anzusprechen. Schließlich sind wir alle Individuen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, sprich, unterschiedlichen Geschmäckern, Empfindungen und persönlichen Vorlieben.

Nur ein paar wenige Autoren und Autorinnen haben es in den vergangenen Jahren geschafft, sich mit ihren Zeilen direkt in mein Herz zu schreiben. Während die einen recht schnell aus meinem Bewusstsein verschwinden, sind es die anderen, die sich dauerhaft in meinem Gedächtnis verankern. Die ich als literarische Schätze ansehe, weil ihre Bandbreite an Emotionen, Fantasie und Einfallsreichtum sich mir auf vielfältigste Weise offenbart, ja, oftmals sogar spürbar wird.

Einer Autorin gelingt es bereits seit Jahren, mich zu begeistern. Es sind nicht nur ihre leidenschaftlichen Zeilen, die mich immer wieder mitreißen, sondern auch ihr Mut, ihr Herzblut und ihr Engagement, der/das mich beeindruckt. Und deswegen ist sie ganz klar eine meiner Lieblingsautorinnen. Die Rede ist von Nina George.

Der Beginn einer Leidenschaft

Das Lavendelzimmer – Nina George

Alles begann mit ihrem Roman „Das Lavendelzimmer“. Seit ich denken kann, lasse ich mich von schönen Covern locken. Das Motto „Don’t judge a book by it’s cover“ mag stimmen, dennoch kann ich mich einer buchigen Augenweide nicht verwehren. Hat es sich erstmal meine Aufmerksamkeit gesichert, umgarnt es mich so lange, bis ich zu ihm greife und mich seiner annehme. Stimmt dann auch noch der Klappentext, steht der anschließenden Lektüre nichts im Weg (selbst wenn letzteres uns oftmals täuscht).

Und so war es auch bei besagtem Buch. Ein Traum von Lavendel eroberte meine Augen und als dann auch noch von der Macht der Bücher; der Liebe und der Magie des südlichen Lichts die Rede war, war es bereits um mich geschehen. Wer kann schon einem Buchhändler namens Jean Perdu widerstehen, der Romane wie Medizin fürs Leben verkauft und auf einem Bücherschiff namens „pharmacie littéraire“ arbeitet?

„Wir bewahren alle die Zeit auf. Wir bewahren die alten Ausgaben jener Menschen auf, die uns verlassen haben. Und auch wir sind noch diese alten Ausgaben, unter unserer Haut, unter der Schicht aus Falten und Erfahrung und Lachen. Genau darunter sind noch die Ehemaligen. Das ehemalige Kind, der ehemalige Geliebte, die ehemalige Tochter.“

Zitat aus „Das Lavendelzimmer“ – Nina George

Mit solchen Zeilen hat mich Nina George das erste Mal verzaubert. Wie ein kleines Mäuschen bin ich durch die Geschichte gehuscht und habe Seite um Seite Zimmer und Landschaften erkundet, konnte Gedanken lauschen und liebevolle Gesten der Liebe und Freundschaft erfahren. Ich wurde zum stillen Beobachter. Genoss die liebevollen Zeilen, die sich wie eine sanfte Hand an meine Wange geschmiegt und mich umschmeichelt haben. Noch heute zählt der Roman zu einem meiner liebsten.

Die Mondspielerin – Nina George

Ich hatte Blut geleckt, wollte mehr von diesen zauberhaften Zeilen lesen, die mich so unendlich berührten und in ihren Bann zogen. Ich stellte fest, dass ich den Vorgänger längst im Regal stehen hatte. Ungelesen. Und das seit Jahren. Es war mir fast peinlich, dass ich „Die Mondspielerin“ über all die Jahre ignoriert hatte. Ein Buch, das mit blauen Hortensien geschmückt war und eine traurige, aber auch sehr hoffnungsvolle Geschichte in sich barg. Eine Geschichte, die vom Meer, dem Tod und der Liebe erzählt.

„Nur das Glucksen der Küsse von Flut und Fluss war zu hören, das unregelmäßige Klappern der Stahlseile an den Masten der Schiffe und das leise Weinen einer Frau. Die Frau war Marianne, und sie weinte, ohne den Blick von alldem abzuwenden – so unerträglich schön war Kerdruc. Jeder Ort, an dem sie vorher in sechzig Jahren gewesen war, wurde hässlich. Das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein, verdichtete sich. Sie roch Salz und frisches Wasser, die Luft war klar wie Glas, auf dem Fluss ein Glanzteppich aus goldblauer Seide.“

Zitat aus „Die Mondspielerin“ – Nina George

Auch wenn meine Reise nach Kerdruc etwas holprig begann, konnte ich der lehrreichen Geschichte schon bald viel abgewinnen. Sie verdeutlicht sehr anschaulich, dass das Leben kein Märchen ist und so manche Hindernisse für uns bereithält, die es zu umschippern gilt. Es ist eine Geschichte vom Leben: voller Erfahrungen, positiver wie negativer Natur. Lebensecht, authentisch und mitreißend.

Eine hanseatische Seele

Wer mich persönlich kennt oder meinen Blog schon länger liest, weiß, dass ich neben einer besonderen Vorliebe für die Berge, auch eine besondere Verbindung zur See habe (der Anker im Logo ist ein Indiz). Bevor ich mich im bayrischen München niedergelassen habe, bin ich fünf Jahre in hanseatischem Gewässer geschwommen. Hamburg wurde meine zweite Heimat und zählt bis heute als meine Herzensstadt, in die ich mich regelmäßig spülen lasse, um mein Bedürfnis nach zerzausten Haaren, ofenfrischen Franzbrötchen, vorbeituckernden Schiffen und dem sehnsuchtsvollen Tuten von Signalhörnern zu stillen.

Auch Nina George hat hier gelebt. Ihre Liebe zur Stadt hat sie einige Zeit in einer Kolumne des Hamburger Abendblatts zum Ausdruck gebracht, die später als Buch, als sogenannter Stadtverführer, veröffentlicht wurde. Es ist eine Liebeserklärung an die Stadt, die sie als Quiddje (Hamburgerin aus Überzeugung) mit allen Sinnen aufgenommen hat. Nach meinem Wegzug stand fest, dass ich mir „Verliebt in Hamburg“ sichern musste. Ihre Zeilen stillen noch heute meine immer wiederkehrende Sehnsucht nach der Hansestadt, wenn der geplante Besuch mal wieder länger auf sich warten muss.

In ihrem Stadtverführer nimmt sie uns auf lange Spaziergänge mit. Auf Fußmärsche und Cabriolet-Fahrten, auf Bus- und Bootstouren. Jene, die dir nicht nur die touristischen Highlights der Stadt zeigen, sondern sich auch in der Pampa, fernab von Touri-Grüppchen, abspielen. Sie konfrontiert dich mit Klischees und hanseatischen Wahrheiten, belächelt das extrovertierte Verhalten mancher Großstädter, definiert die Ruhe der Pendler am Morgen oder versucht uns ein bisschen mehr Toleranz für die Exoten der Stadt nahezubringen. Es sind Zeilen, die nach Hamburg riechen und schmecken.

„Ganz Hamburg ist ein Parfum. Würde man es auf Flaschen ziehen und in die Welt verkaufen, würden sich Menschen in diese Stadt verlieben, ohne sie je gesehen zu haben. (…) Fernweh und Zuhause, Wasser und Lebenssüße. Geborgenheit und Freiheit, Verlässlichkeit und Liberalität, ein bisschen Grandseigneur, ein bisschen sexy Deern. Balkonblume und Grillabend, Kirschblüten und Zeitungspapier, Kaffee, Kinderlachen, Franzbrötchen und vom Morgenregen geklärte Luft über den Alsterwiesen. Ja. So riecht Hamburg.

Zitat aus „Verliebt in Hamburg. Ein Stadtverführer“ – Nina George

Das Traumbuch – Nina George

Besonders beeindruckt hat mich aber „Das Traumbuch“. Eine Geschichte, die es faustdick hinter den Ohren hat, auch wenn das nahezu verträumte Cover uns etwas ganz anderes vorgaukelt. Es ist ein Roman, dem sich George nach einem gescheiterten Buchprojekt widmet und ihre Nahtoderfahrung nach einer Lebensmittelvergiftung und die Aspekte einer Synästhetikerin miteinspielen lässt. Denn nicht nur sie nimmt Zahlen und Klänge als Farben, und Menschen, Orte oder Stimmungen intensiver wahr als andere, sondern auch der 13-jährige Sam, um den es mitunter in der Geschichte geht.

Es ist eine Reise zwischen Traum und Realität, zwischen Leben und Tod und zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Zugegeben, es ist sicherlich keine Geschichte für jedermann. Die Thematik wirkt im ersten Moment abschreckend, sollte sie aber keineswegs. Denn Georges Zeilen sind poetisch, tiefgründig und unglaublich berührend. Sie gewähren uns einen tiefen Einblick in die Seele der Menschen und machen uns bewusst, dass es neben Glücksgefühlen manchmal auch Tränen beim Lesen bedarf.

„Ich sitze auf dem Boden und lege mir den Mut auf wie Make-up. Ich trenne all meine miteinander ringenden, hadernden, sich gegenseitig im Weg stehenden Regungen säuberlich voneinander, bis nur noch die entscheidenden drei übrig bleiben. Ich konzentriere mich, um sie zu halten, und verbiete allen anderen Emotionen ihnen zu nahe zu kommen. (…) Ich atme ein und denke: Zärtlichkeit. Ich atme tiefer ein und beschwöre: Mut. Ich atme ein und erbitte: Lass mich wie Sam sein.“

Zitat aus „Das Traumbuch“ – Nina George

Zu den ausführlichen Besprechungen der Bücher kommt ihr, wenn ihr auf den jeweiligen Titel klickt. Es würde mich sehr freuen, wenn eure Neugier für die Werke nun geweckt ist und ihr euch dem ein oder anderen Buch annehmt. Es sind meine heutigen Empfehlungen für wahre Herzensmenschen: Mann wie Frau, Alt wie Jung.

Nina George – Autorin mit Herz

Eine Herzensbegegnung auf der #lbm16

Die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin Nina George, geboren 1973 schreibt seit 1992 Romane, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten und Kolumnen. Ihr Roman „Das Lavendelzimmer“ stand weit über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in 34 Sprachen übersetzt und eroberte auch international die Bestsellerlisten, so die New York Times Bestsellerliste in den USA, die Bestsellerlisten in England, Australien, Polen, Israel und Italien.

Mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens Jo Kramer, schreibt Nina George unter dem Doppel-Pseudonym Jean Bagnol Provencethriller. Sie lebt in Berlin und der Bretagne.

Quellenangabe: Droemer Knaur

Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e. V. hat die Schriftstellerin und Journalistin Nina George zur Bücherfrau des Jahres 2017 gewählt. Die Ehrung findet im Oktober auf der Buchmesse Frankfurt statt.

Die Autorin kämpfe für die Rechte von Autorinnen, die Stellung der Frau im Literaturbetrieb, für den Schutz des Urheberrechtes in digitalen Zeiten und für verfolgte Autorinnen und Autoren, heißt es in der Begründung. „Wir schätzen ihre Solidarität mit allen Frauen der Branche, für die sie sich an vielen Fronten einsetzt“, so BücherFrauen-Vorsitzende Stephanie Hanel.

Nina George ist Beirätin des PEN-Präsidiums und Beauftragte des Womens Writers Commitee des PEN-Zentrum Deutschland, Beisitzerin des VS-Bundesvorstandes und Mitglied des Verwaltungsrats der VG WORT. 2011 gründete sie die Initiative JA zum Urheberrecht, 2014 die Informationsplattform Fairer Buchmarkt. 2016 schlossen sich auf ihre Initiative hin neun Autorenverbände zum Netzwerk Autorenrechte (NAR) zusammen.

Über ihre Ehrenämter schreibt sie: „2016 summierte sich der Job ohne Gehalt im politischen Bereich auf konstante 50 % meiner Arbeitszeit, in Hochzeiten pro Tag 80 %. Ich sponsere mich selbst, danke an das Lavendelzimmer.“*

Die BücherFrauen sind ein berufliches Netzwerk mit rund 1000 Frauen aus Buchhandel, Verlagen, Agenturen und allen anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch.

* www.fairerbuchmarkt.de/blog/nina_george_03.html

Quellenangabe: Autorenwelt

Was ist #Buchpassion?

#Buchpassion wurde wurde letztes Jahr von Janine vom Blog Kapri-zioes ins Leben gerufen. Es ist eine gemeinsame Onlineaktion von Autoren, Bloggern, Lesern und Unternehmen des Buchmarktes.

Es soll vor allem Nicht- oder Wenigleser auf Bücher aufmerksam machen und für das ein oder andere Buch oder den ein oder anderen Autoren begeistern, sprich, die Lust am Lesen entflammen.

Jeder kann mitmachen und das auf unterschiedlichste Art und Weise! Neben den Beiträgen auf diversen Blogs, die ab heute online gehen, gab es in den letzten Tagen bereits eine Instagram-Challenge und eine Bücherparty auf Twitter. Nähere Infos zur #Buchpassion findest du hier.

Da ich es letztes Jahr versäumt habe, rechtzeitig an Bord zu springen, war es mir ein persönliches Anliegen, mich in diesem Jahr daran zu beteiligen. Alleine wegen des Themas, das mir eine gute Gelegenheit gab, mich bei Nina George zu bedanken.

Liebe Nina George, vielen Dank für ihren Mut, ihr Herzblut und ihr außerordentliches Engagement für den Buchmarkt. Und natürlich für all die bezaubernden Geschichten.

Seelenfeuer

„Wilde Reise durch die Nacht“ – Walter Moers

Als Gustave und die Mannschaft der Aventure von einem Siamesischem Zwillingstornado heimgesucht werden, scheint eines unausweichlich: der Tod. Doch dass ihm Gevatter Tod höchstpersönlich begegnet und ihm vor seinem Ableben noch einen Deal anbietet, damit hätte Gustave nicht gerechnet.

Um seine Seele vor dem Einsargen zu bewahren, soll Gustave in einer einzigen Nacht sechs schier unlösbare Aufgaben bewältigen: Er soll eine Jungfrau vor den Klauen eines Drachen befreien, durch einen Wald voller bösartiger Gespenster reiten, sich Rätselhaften Riesen und dem Schrecklichsten aller Ungeheuer stellen, der Zeit den Zahn ziehen und sich letztendlich selbst begegnen, ehe der Tod ihm die sechste und letzte Aufgabe stellt.

Die Aventure (Xylographie von Gustave Doré, aus „The Rime of the Ancient Mariner“ von Samuel Taylor Coleridge)

Gustave lässt sich auf den Pakt mit dem Tod ein und begibt sich fortan auf eine wilde Reise durch die Nacht, bei der er von der Erde zum Mond, einmal quer durch das ganze Universum und wieder zurückreist und das verrückteste Abenteuer seines Lebens bestreitet.

„Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.“ Gevatter Tod

“Das Leben, mein Junge, ist nicht nur eine wilde, schöne Reise. Leben, das heißt auch: dem Tod bei der Arbeit zuzusehen. Das ist das Härteste überhaupt! Das muss man aushalten können. Bist du bereit, das auszuhalten, mein Junge?”

Zitat, Seite 163

Während ich Moers‘ Zamonien-Romane bereits allesamt verschlungen habe, blieb das vorliegende Werk bis dato immer unentdeckt. Irgendwie hatte ich den Roman, der bereits 2001 im Anschluss an „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ und „Ensel und Krete“ erschienen ist und nicht in Zamonien spielt, all die Jahre übergangen. Welch ein Fauxpas!

Nachdem ich sein neuestes Werk „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ innerhalb kürzester Zeit gelesen hatte, beschloss ich, bis zur Erscheinung der ersten Graphic Novel im Herbst meine moers’sche Lektüren-Lücke zu füllen, und mir eine der alten Hardcover-Ausgaben von „Wilde Reise durch die Nacht“ zu sichern. Wie ich herausfand, ist es neben seinem neuesten Werk ebenfalls mit Illustrationen aus fremder Hand ausgestattet.

Was sich mir in diesem Buch offenbarte, war eindeutig mehr, als ich erwartet hatte. Denn die Geschichte, die Moers um einundzwanzig Holzstiche des scheinbar erfolgreichsten Illustrators des neunzehnten Jahrhunderts entspinnt, ist grandios. Es sind die Bilder von Gustave Doré (1832 – 1883), auf dessen Grundlage die Geschichte basiert. Moers kreiert damit nicht nur ein wahnwitziges Abenteuer, das sich an Dorés Holzstiche entlanghangelt, sondern erschafft damit auch eine Hommage an den Illustrator selbst, der insgesamt 221 Werke, darunter auch Cervantes Don Quichote, Dantes Inferno, Poes The Raven, Ariostos Orlando Furioso (Rasender Roland) und die Bibel, mit seinen Zeichnungen und Holzschnitten ausgestattet hat. Demnach ist der 12-jährige Protagonist Gustave, den Moers hier auf eine phantastische Reise schickt, niemand geringeres als Gustave Doré selbst.

Gevatter Tod (Xylographie von Gustave Doré, aus „Die Bibel“)

„Das war der Tod in seiner Sturm-und-Drang-Phase! Vor ein paar hundert Jahren. Wahrscheinlich mal wieder unterwegs, um irgendeine Pest über die Menschheit zu bringen! (…) Damals hatte er noch wesentlich mehr Anhänger, wie du gesehen hast. Und sieh ihn dir heute an! Ein Schatten seiner selbst! Bis aufs Skelett abgemagert. Schiebt Dienst nach Vorschrift und hat sich in seinem Ruhesitz auf dem Mond verkrochen. Der erschreckt höchstens noch kleine Jungs. Mittlerweile hat er nur noch seine bekloppte Schwester. Der Tod ist Rentner geworden.“

Zitat, Seite 149/150

Und so finde ich mich in einem nächtlichen Unterfangen voller Anspielungen, schwarzem Humor, Einfallsreichtum und dramatischen Wendungen wieder. Das wahnwitzige Abenteuer, das mit der Begegnung mit Gevatter Tod und seiner bekloppten Schwester Dementia beginnt, führt mich nicht nur an zickigen Amazonen, dämlichen Riesen, weinerlichen Monstern und zahlreichen Fantasiewesen vorbei, sondern schleudert mich auch durch einen Galaktischen Gully mitten hinein in die Verwaltungsabteilung des Universums, wo ich einen Blick auf Futuristische Eventualitätswaben mit Raumzeitkontinuierlichen Möglichkeitsprojektionen werfen darf.

Eine nackte Amazone (Xylographie von Gustave Doré, aus „Orlando Furioso“ von Lodovico Ariosto)

Was soll ich sagen: Moers‘ überschäumende Fantasie kannte schon damals keine Grenzen. Er jonglierte bereits 2001 mit zahlreichen Fantasiewesen; die mir mitunter vertraut, aber auch gänzlich unbekannt waren; bastelte fleißig Anagramme und dehnte Wörter bis ins Unermessliche. Die begleitenden Holzstiche Dorés sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern machen die „Wilde Reise durch die Nacht“ auch zu einem überaus harmonischen Gesamtwerk, das sich nun perfekt an die restlichen Zamonienromane schmiegt und die klaffende Lücke in der Moers-Regalreihe schließt.

Wer sich auf eine nächtliche Reise fernab von Zamonien einlassen möchte, dem ist dieses Werk schwer ans Herz gelegt. Auch 16 Jahre nach seinem Erscheinen hat es für mich nicht an Reiz verloren. Sicherlich ist in den nachfolgenden Werken eine gewisse literarische Entwicklung von Moers festzustellen. Dem Lesevergnügen des vorliegenden Werkes steht das aber keinesfalls im Weg.

„Je weniger qualvoll die Todesart, desto weniger attraktiv die Tiere. Wenn du friedlich an Altersschwäche stirbst, siehst du nur ein Huhn. Das letzte Huhn. Es gackert, und du bist hinüber.”

Zitat, Seite 154

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