Heavy guitars

„Vintage“ – Grégoire Hervier

„Für mich ist Prestige Guitars der schönste Gitarrenladen in Paris. Um nicht zu sagen der schönste Laden überhaupt in Paris. Ein Hafen des Friedens mitten in Pigalle, eine Zeitinsel, in der man sich in der goldenen Ära des Rock vergnügen und vielleicht auch verlieren konnte. Die Gitarren an den Wänden waren keine verstaubten, unantastbaren Reliquien, sondern Waffen, an denen noch das Blut einer Revolution klebte.“

Zitat, Seite 12

Als Alain de Chévignés, Besitzer des Gitarrenladens Prestige Guitars in Paris krankheitsbedingt ausfällt, schmeißt Thomas Dupré vorübergehend den Laden. Für den leidenschaftlichen Gitarristen Thomas kommt der Job wie gerufen. Schließlich lässt es sich nirgendwo so herrlich durch die goldenen Zeiten der Rockgeschichte reisen wie in Alain’s Laden. Hier ist er von der Aura hochkarätiger Modelle einzigartiger Vintage-Gitarren umgeben, die er sich nicht im Lebtag leisten könnte.

Eines Tages wird das teuerste Modell des Ladens von einem anonymen Käufer in Schottland erworben. Die limitierte Les Paul von 1954, Alains bestes Stück; die ihren Namen der funkelnden goldlackierten Decke zu verdanken hat; soll in Schottland persönlich dem Käufer übergeben werden. Alain beauftragt Thomas mit der Übergabe, für den der vom Käufer gesponserte Trip nach Schottland eine gelungene Abwechslung darstellt.

Seine Reise führt ihn zu einem Landhaus in der Nähe von Loch Ness. Doch es ist kein gewöhnliches Anwesen, das ihn dort empfängt, sondern das Boleskine House, das sich Rocklegende Jimmy Page in seiner Anfangszeit von Led Zeppelin gekauft hat und mittlerweile im Besitz von Lord Charles Dexter Winsley ist. Thomas traut seinen Augen kaum, als er neben derlei anderem Reichtum auch an die 30 Gitarren-Sammlerstücke in der Villa erblickt; darunter eine weiße Broadcaster, eine Stratocaster in Lake-Placid-Blau und eine Les Paul Standard von 1959 mit geflammter Decke, die alleine um die halbe Million Dollar wert ist.

Doch als Winsley Thomas sein unvollständiges Triptychon von Gibson Gitarren in einem versteckten Hinterzimmer präsentiert, schwant ihm noch nicht, welches Ausmaß sein Besuch im Boleskine House erreichen wird. Denn zwischen den höchst gefragten Unikaten der Flying V und der Explorer klafft eine schmerzhafte Lücke. Das Herzstück der Sammlung fehlt: die legendäre Gibson Moderne. Eine Million Dollar verspricht Winsley ihm, wenn er den für den Lord nötigen Beweis liefert, dass die Moderne tatsächlich gebaut worden ist. Eine Falle oder einfach nur der lukrativste Job seines Lebens?

„Dies ist keine Sammlung wie jede andere (…) Es ist nicht der Friedhof meiner jungen Jahre, ein Mahnmal alter Erinnerungen, an die man nicht rühren durfte. Jede dieser Gitarren hat eine Geschichte, eine ruhmreiche Geschichte (…) Sie wartet nur darauf, von Zeit zu Zeit erzählt zu werden. Erwecken Sie sie zum Leben.“

Zitat, Seite 37

Eine Geschichte wie ein Song

Grégoire Herviers dritter Roman „Vintage“ präsentiert sich nicht nur in überaus ansprechender Optik, sondern auch äußerst facettenreicher Natur. Denn neben dem großflächigen Cover begeistert mich auch der Aufbau von Herviers Roman, der der Struktur eines Musikstücks gleicht und daher in die einzelnen Elemente eines Songs unterteilt ist. Es ist unschwer zu erkennen, dass Hervier eine Schwäche für Rockmusik hat, denn sie prägt sein Werk bis zur letzten Seite und schenkt ihr damit eine noch authentischere Note.

Zugegeben, der Experte in Sachen Rockmusik bin ich nicht. Dennoch hat mich Herviers Roman, der rein optisch bereits aus dem üblichen Diogenes Raster fällt, gleich auf Anhieb angesprochen. Ich bin mit den Rocklegenden meines Papas aufgewachsen, erinnere mich noch gut an die bis zum Anschlag aufgetreten Klänge von Rocksongs, mit denen mein Vater die Wände zum Zittern brachte. „Gute Musik muss man laut hören!“ pflegt er auch noch heute zu sagen. Die zahlreichen von Hervier erwähnten Künstler und Songs waren mir daher weitestgehend bekannt, wenn auch nicht in aller Vollständigkeit vertraut. Sicherlich werden eingefleischte Rockliebhaber hier auf ihre Kosten kommen.

Auf der Suche nach der legendären Gibson Moderne schickt Hervier seinen Protagonisten Thomas auf eine faszinierende Reise quer durch Amerika. Auf seinem Weg begegnet er nicht nur bessenenen Musikliebhabern und leidenschaftlichen Sammlern, sondern auch derlei zwielichtigen Gestalten, die ihm schon bald zum Verhängnis werden. Angestachelt von der lukrativen Belohnung Winsley’s und getrieben von seiner Neugier nach der Wahrheit, stößt Thomas auf einen nahezu unbekannten Künstler namens Li Grand Zombie Robertson, auf dessen einziger Platte von Half Moon Blues / Song to Rest in the Hell aus dem Jahre 1958 die vermeintlichen Klänge einer Moderne zu entnehmen sind.

Der scheppernde hypnotische Stil von Robertsons dunklem schweren Song erfasst schon bald die Seiten des Buchs und breitet sich langsam aber sicher auch auf Thomas und den Leser aus. Ehe man sich versieht, ist man, gelähmt von den düsteren Klängen, in eine rasante Verfolgungsjagd verstrickt, die nicht nur in die abgelegensten Winkel führt, sondern auch um Leben und Tod rennen lässt. Der Fluch der legendären Gibson Moderne sorgt zeitgleich für Faszination wie Besorgnis und lässt Herviers Geschichte Seite für Seite zu einem rasanten Krimi heranreifen, der in uns die Saiten zum Klingen bringt.

Grégoire Herviers Geschichte ist das Ergebnis einer raffinierten Verwebung von wahren Fakten und Fiktion. Sie verankert sich so intensiv in unserem Gedächtnis wie ein hartnäckiger Ohrwurm, der uns auch noch Stunden nach dem Hören durch den Alltag begleitet.

„Harold war die Suche wichtiger als das Ergebnis. Das hat seinen Kunstsinn verfeinert, ihn aber letzlich vielleicht auch limitiert. Er schielte kein bisschen auf den Erfolg seiner Musik. (…) Er holte sich seine Ideen aus der Zukunft und richtete seine Musik auch an sie. Das Hier und Jetzt war für ihn nur ein Durchgangsort. Er war ein Außerirdischer. Man wusste nicht, ob er schwarz oder weiß war, aus dem Norden oder aus dem Süden stammte, ob er noch von dieser Welt oder schon anderswo war. Der Einzige, bei dem ich später dasselbe Gefühl hatte, war Michael Jackson.“

Zitat, Seite 278

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Diogenes hat zur Erscheinung des Romans ein passendes Mixtape mit Klassikern veröffentlicht. Eine Reise von Robert Johnson, Chuck Berry und Elvis über The Kinks bis zu BRMC.

Hör mal rein:

(c)2017 Stayed Up All Night / Diogenes Verlag

Weitere Besprechungen zu diesem Buch findest du hier:

Studierenichtdeinleben

Leseschatz

Feiner reiner Buchstoff

 

The map that leads to you

„Liebe findet uns“ – J.P. Monninger

Den letzten Sommer nach der Uni wollen Heather, Amy und Constance für eine gemeinsame Europa-Reise nutzen. Während sich Amy in die Arme zahlreicher Männer wirft und Constance sich ihrer Leidenschaft für Madonna-Statuen hingibt, ist Heather ganz vertieft in ihren Hemingway und will sich durch die Gassen der Altstädte treiben lassen. Dass sie im Zug nach Amsterdam auf ihre große Liebe trifft, hätte sie nie für möglich gehalten.

Was als flapsiger Schlagabtausch zwischen zwei Reisenden beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer schicksalhaften Begegnung mit Folgen. Denn Heather und Jack können die Augen nicht mehr voneinander lassen, fühlen sich auf magische Weise zueinander hingezogen.

Und so ergänzt Jack fortan das Dreiergespann und entführt Heather zu den Stationen eines alten Reisetagebuchs seines Großvaters, das seine Reise bestimmt. Sie entdecken dabei die Schönheit ungewöhnlichster Orte und teilen die außergewöhnlichsten Momente zusammen. Doch als Heather klar wird, was sie für Jack empfindet, verschwindet er genauso plötzlich wie er kam.

War ihre Liebe nur für einen Sommer bestimmt?

„Wir standen da und verloren uns in den Augen des anderen. Im Vergleich dazu war jeder Blick, den ich je mit einem anderen getauscht hatte, nur eine Vorübung gewesen. Dieser Moment war überwältigend, wunderschön und beängstigend, und wenn mein Leben jetzt zu Ende gewesen wäre, hätte ich immerhin gewusst, wie es sich anfühlt, den Blick eines anderen festzuhalten und ohne jeden Zweifel zu wissen, dass das, was wir Seele nennen, auf die des anderen reagiert hat. Dass wir diesen Blick, diesen Moment, bis in alle Ewigkeit besitzen würden wie einen seltenen Schatz, zusammen mit dem Wissen, dass keiner von uns jemals wieder allein sein musste, niemals so ganz, nie wieder.“

Zitat, Seite 172

Es gibt Bücher, die triefen förmlich nach Liebesroman. Auch dieses hier schien mir so eines zu sein. Ich hatte so lange keine Liebesgeschichte mehr gelesen, dass ich ganz zielsicher nach „Liebe findet uns“ griff und überrascht war, als sich die Geschichte doch ganz anders präsentierte. Nun ja, nicht völlig, aber dennoch anders.

Denn Monningers Roman ist ein Mix aus vielem: Roadtrip, Lebens- und Liebesgeschichte. Während Cover und Titel sich ganz eindeutig in die Richtung Liebesroman bewegen, folgen die Zeilen vorerst einer anderem Ziel: einer Reise durch Europa. Was anfangs als reiner Mädelstrip geplant war, wird schon bald zum Abenteuertrip für alle Beteiligten. Allen voran für Heather, die von Jack in ein altes Reisetagebuch eingeweiht wird und fortan mit ihm die Stationen seines verstorbenen Großvaters bereist. Nach Amsterdam folgt u.a. Polen, Italien und Frankreich.

„Egal was du mit nach Paris bringst, die Stadt nimmt es dir und gibt es erst wieder her, wenn sie es nicht mehr braucht. Dann ist es verändert, manchmal nur geringfügig, manchmal stärker, aber immer behält die Stadt einen kleinen Teil für sich. Paris ist ein Dieb. Ein lächelnder Dieb, der sich mit dir über einen Witz amüsiert und dich gleichzeitig beklaut.“

Zitat, Seite 227

Es sind die Stationen der Reise, in die Monninger auch seinen Roman unterteilt. Während sich die erste Hälfte seiner Geschichte mit dem Trip und der gemeinsamen Zeit von Heather und Jack befasst, erzählt die zweite von der Zeit danach. Von einer verlassenen Heather, die nach dem Verschwinden von Jack mit aller Macht versucht, ins Leben zurückzufinden und die geheimnisvolle Reisebekanntschaft zu vergessen.

Monningers Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Während er seine Leser stellenweise mit der nötigen Prise Romantik versorgt, findet er immer wieder zu einem gereiften und realistischen Ton zurück. Dieser Stilmix nimmt der Geschichte den unnötigen Kitsch, den ich von so vielen Liebesromanen kenne und lässt auch Heather, aus deren Perspektive erzählt wird, authentischer wirken.

Die Verflechtung der Geschichte mit Momentaufnahmen aus dem Reisetagebuch von Jacks Großvater habe ich sehr genossen. Sie hat den Orten, die Jack und Heather besucht haben, eine authentischere Note verliehen und ihnen einen ganz besonderen Wegbegleiter geschenkt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass Monninger auf die Beziehung, die Jack mit seinem Großvater verband, noch etwas näher eingeht. Teilweise erschien mir der Verlauf der Passagen zu abrupt, lies mich verstimmt zurück.

Auch der zweite Teil des Romans präsentiert sich in meinen Augen deutlich schwächer als der erste. Es wirkt fast so, als wären Monninger die Ideen ausgegangen, die er im ersten Teil noch so fein ausgearbeitet hat. Er lässt Heather durch eine Reihe an Belanglosigkeiten wandern, die sicherlich der Realität und ihrer Trauerphase um Jack zuzuschreiben ist, seinen Zeilen aber auch ein bisschen an Besonderheit nimmt.

Das Ende hingegen hat mich wieder ein bisschen friedlich gestimmt. Es ist schlicht und ein angenehmer Kontrast zu den üblichen Happy Ends. Eins, das dem Leben ins Auge blickt und den Lesern Spielraum für ihre eigene Interpretation schenkt. So begegnet mir „Liebe findet uns“ als angenehm überraschende Liason aus Roadtrip, Lebens- und Liebesgeschichte, die mich trotz einiger Schwächen, gut zu unterhalten wusste und einmal mehr unter Beweis stellt, dass die Liebe ihre ganz eigenen Wege geht.

„Die Liebe, die wir suchen, kommt von selbst und geht, wann sie will. Wer behauptet, wir würden Liebe finden, versteht ihr Wesen nicht. Liebe findet uns, durchfließt uns, zieht weiter. Wir können sie ebenso wenig zwingen, wie man Luft oder Wasser zwingen kann; ohne Luft und Wasser können wir genauso wenig leben wie ohne Liebe. Sie ist lebenswichtig und alltäglich wie Brot. Wenn man offen für sie ist, wird man sie überall sehen und nie ohne sie sein.“

Zitat, Seite 378

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Kinderfreuden #22: Eiszeitriesen

„Wondu und die Eiszeitriesen“ von Joe Lillington

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Vor rund 20 000 Jahren beherrschte die Eiszeit unsere Erde. Riesige Tiere zogen übers Land: Eiszeitriesen von beeindruckender Größe und Resistenz gegen die Kälte. Auch Wondu, ein junger Steppenbison, war darunter. Er lebte in der Tundra, einer weiten und kalten Grasebene.

Doch Wondu langweilt sich in seiner Herde. Er lechzt nach Abenteuer und will die Welt außerhalb der Tundra erkunden. Wagemutig stürzt er sich ins Unterholz und entdeckt dabei eine Reihe beeindruckender Urzeitbewohner: wollige Nashörner, riesige Faultiere und furchterregende Säbelzahntiger.

Voller Eindrücke kehrt er zu seiner Familie zurück und ist dabei neugieriger denn je, was die Welt außerhalb seiner Steppe alles zu bieten hat.

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Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

32 Seiten
270mm x 235mm
ISBN: 978-3-7152-0698-1
Übersetzt von Caesar Claude

Atlantis-thema-Buch
14,95 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

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Blickwinkel aus großen Augen

Joe Lillingtons erstes Bilderbuch „Wondu und die Eiszeitriesen“ gehört zu den Themenbüchern aus dem Hause Atlantis. Es ist eine Mischung aus Abenteuergeschichte und kindgerechtem Sachbuch, weshalb es nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern die Kleinen auch mit Wissen zu einem gewissen Sachgebiet versorgt.

So richtet Lillington seinen Fokus auf die Urzeitbewohner und reist mit den Kleinen rund 20 000 Jahre in die Eiszeit zurück. Er gibt uns Wondu, einen kleinen Steppenbison, an die Hand, an dessen Seite wir die weite und kalte Grasebene der Tundra verlassen, um uns auf eine spannende Entdeckungsreise zu begeben.

Wondus Geschichte lebt dabei zum einen von den großflächigen Illustrationen Lillingtons, die mitunter an die ersten Höhlenmalereien unserer Urahnen erinnern, da sie sich mit leichten dynamischen Strichen und überwiegend in erdigen Brauntönen präsentieren. Zum anderen lebt sie von schlichten Sprechblasen, durch deren Inhalt man die scheinbaren Dialoge zwischen Wondu und den jeweiligen Eiszeitriesen entnehmen kann.

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Am äußeren Seitenrand einer jeden Doppelseite sind tabellarisch angeordnete Fakten zu finden, die kurz und prägnant Auskunft über die Größe, das Gewicht, die bevorzugte Nahrung, den Lebensraum und die Lebenszeit des jeweiligen Urzeitbewohners geben. Darunter stoßen wir auf interessante Fakten, die uns verraten, dass z.B. ein Säbelzahntiger sein Maul viel weiter öffnen konnte als ein Löwe oder die Flügelspannweite eines Riesenkondors unsagbare fünf Meter betrug.

Durch die teilweise zweiseitige Abbildung der Tiere, gelingt es Lillington seine riesigen Urzeitbewohner auf beeindruckende Weise zum Leben zu erwecken ohne die Kleinen zu beängstigen. Zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse bettet er im hinteren Teil des Buches noch eine Größentabelle ein, die den Kleinen sehr gut verdeutlicht, in welcher Relation die jeweiligen Eiszeittiere zu ihnen stehen würden, weil er sie zwei kleinen Kindern gegenüberstellt. So wird einem schnell deutlich, dass selbst die Steppenbisons noch zu den Kleinsten unter den Eiszeittieren zählten.

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Aus: „Wondu und die Eiszeitriesen“ von Joe Lillington, © 2016 Atlantis Verlag

Tabelle_Wondu und die Eiszeitriesenimg_7994-01.jpegAuch die eizeitliche Weltkarte im vorderen Teil des Buches ist Lillington sehr gut gelungen. Dank ihr können die Kleinen nicht nur Wondus Entdeckungsreise ganz leicht nachverfolgen, sondern bekommen auch eine Vorstellung davon, wo das jeweilige Urzeittier gelebt hat.

„Wondu und die Eiszeitriesen“ ist ein gelungenes Bilderbuch für Groß und Klein, das sich dank seiner raffinierten Kombination aus erzählender Geschichte und Nachschlagewerk auch noch für Grundschulkinder sehr gut eignet. An Lillingtons natürlichen und überaus beeindruckenden Illustrationen kann man sich kaum sattsehen, sodass sein Bilderbuchschatz auch über längere Zeit nicht an Reiz verliert.

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Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2

Gefällt dir das Buch? Ja

Was hat dir besonders gefallen? Wondu, der kleine Steppenbison

Worum geht die Geschichte? um riesige Urzeitbewohner

Wo steht das Buch im Regal? neben meinem Kinderlexikon

Lesezeit: vor dem Zubettgehen

Bester Leseplatz: im kuscheligen Bett

Schlüpft in die Rolle von: einem Entdecker

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Kinderfreuden #21: Drachenstark

„Ritter und Drachen haben gut lachen“ – Benji Davies & Elli Woollard

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Für die Drachen vom Teufelsberg scheint eines ganz klar: Ritter gehören auf die Speisekarte. Was sonst soll man mit diesen lächerlichen Zweibeinern anstellen, die mit ihren blechernen Rüstungen über das Land stapfen? Es gilt ihnen das Fürchten lehren und sie anschließend zu verspeisen. Auch für den jungen Drachen Theo ist es nun an der Zeit, das zu begreifen und sich eine erste Mahlzeit selbst zu organisieren.

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Doch als sich Theo widerwillig aus der Drachenhöhle raus ins Gewitter stürzt, spielt ihm die Natur einen Streich und sorgt für eine heftige Bruchlandung. Wie gut, dass der kleine Ritter Konrad zur Stelle ist und ihm aus dem Schlamassel hilft! Er ist es, der Theos Arm schient, ihn aufpäppelt und abends ins Bett bringt.

Wer kann schon ahnen, dass die Freundschaft, die sich zwischen den beiden Sprösslingen entwickelt, eine Freundschaft zwischen Erzrivalen ist!? Schließlich schaut weder die merkwürdige Ente wie ein Drache noch der normal gekleidete Junge wie ein Ritter aus. Doch als sich die beiden wenig später bei einem Turnier als Rivalen gegenüberstehen, liegt es an ihnen, mit alten Traditionen zu brechen…

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

32 Seiten
286mm x 230mm
ISBN: 978-3-8458-1799-6
Übersetzt von Maria Höck

Verlag ArsEdition
12,99 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

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Seit jeher sorgen Geschichten über Ritter und Drachen bei Jungs für Faszination. Der stetige Kampf zwischen den beiden Konkurrenten übt einen gewissen Reiz auf sie aus, lässt sie Kampfszenarien nachahmen und zu mutigen Rittern im Kampf mit gefährlichen Drachen werden. Auch Joschua schläft jede Nacht in einem Ritterburg – Stockbett. Er brannte darauf, in seiner imaginären Ritterüstung in die Geschichte zu schlüpfen und sich den gefährlichen Drachen des Teufelbergs zu stellen.

Dass es sich beim neuesten Werk von Benji Davies und Elli Woollard aber um eine ganz andere Geschichte handelt, als erwartet, musste auch Joschua erstmal schlucken. Denn anstatt sich der allseits bekannten Rivalität zu bedienen, drehen Davies und Woollard den Spieß einfach rum und erschaffen in harmonischem Einklang eine Geschichte der ganz besonderen Art. Eine, die zeigt, dass Freundschaft nicht nur Berge versetzen, sondern auch Vorurteile überwinden kann.

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In diesem überaus reizenden Kinderbuch steckt nicht nur eine gelungene Botschaft, sondern auch eine geballte Ladung an kunterbunten und großflächigen Illustrationen Davies‘, der sich bereits mit seinen Geschichten um „Nick und der Wal“, „Nick und das Meer“, „Beste Freunde“ und „Opas Insel“ (allesamt erschienen im Aladin Verlag) einen Namen gemacht hat. Seine prägnanten Pinselstriche und daraus entstandenen Kunstwerke werden dabei von humorvollen und eingängigen Zeilen Woollard’s in Reimform begleitet, die der Geschichte ein schelmisches Augenzwinkern anhaftet.

„Ritter und Drachen haben gut lachen“ ist ein rundum gelungenes Kinderbuch, das sich höchst fantasievoller und charmanter Natur präsentiert. Die liebevolle Aufmachung mitsamt fein ausgearbeiteter Schauplatzskizze in Form einer Karte des Königreichs auf der Innenseite des Buchdeckels versetzt kleine wie große Augen ins Staunen.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2

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Filippo, der Burgbettdrache (mehr dazu auf fausba.de)

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Gefällt dir das Buch? Ja

Was hat dir besonders gefallen? Ritter Konrad, Drache Theo

Worum geht die Geschichte? um Freundschaft

Wo steht das Buch im Regal? neben „Beste Freunde“

Lesezeit: jederzeit

Bester Leseplatz: auf der fränkischen Ritterburg

Schlüpft in die Rolle von: einem Freund

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Wo heimliche Bestseller ruhen

Das geheime Leben des Monsieur Pick – David Foenkinos

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„Diese Bibliothek ist gefährlich.“

Vorangestelltes Zitat

Crozon, ein bretonisches Küstendorf im Finistère. Hier, in ihrem bescheidenen Heimatort am Ende der Welt rechnet Delphine am Allerwenigsten mit einer Sensation. Doch während ihr Freund Frédéric sich verzweifelt an einem zweiten Roman versucht, stößt die junge Lektorin in der Gemeindebibliothek auf eine ganz besondere Geschichte: „Die letzten Stunden einer großen Liebe“.

Doch es ist kein Buch wie jedes andere. Seit Jahren schlummert die Liebesgeschichte in der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte, die der frühere Bibliothekar Jean-Pierre Gourvec als Hommage an die Brautigan Library aus den Vereinigten Staaten ins Leben rief, um abgelehnten und verwaisten Manuskripten eine letzte Ruhestätte zu schenken.

Dass es von Henri Pick stammen soll, kann keiner glauben. Denn die Aufmerksamkeit des simpel gestrickten Henri galt zu seinen Lebzeiten nie etwas Anderem als seiner Tätigkeit als Pizzabäcker. Mit seiner Frau Madeleine unterhielt er vierzig Jahre lang die Dorfpizzeria, machte sich neben dem Schreiben des Einkaufszettels weder durch übermäßiges Schreiben noch durch Lesen bemerkbar.

Wie konnte es Madeleine entgehen, dass in ihrem Mann ein Romanautor schlummert? Sind Henris Zeilen, die selbst im fernen Paris für Aufregung sorgen, gar ihr gewidmet? Auf der Suche nach der Inspirationsquelle des rätselhaften Romans, wird nicht nur das bretonische Küstendörfchen Crozon und seine Bewohner, sondern auch die gesamte Literaturwelt auf den Kopf gestellt.

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„Der erste Roman ist immer der eines fleißigen Schülers. Nur Genies sind von Anfang an faul. Es brauchte sicher Zeit, um zu begreifen, wie so ein Text atmet, wie man im Geheimen die Fäden spinnt.“

Zitat, Seite 39

Es mag an meiner zwiespältigen Beziehung zu französischen Romanautoren und ihrer besonderen Schreibweise liegen, dass mich „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ nicht übermäßig begeistern konnte. Bereits zum zweiten Mal habe ich mich auf den französischen Bestsellerautor eingelassen, der mit einem reizend anzuschauenden Roman daherkam, der sich mir präsentierte, wie eine Einladung in die Bretagne.

Leider konnte Foenkinos mich, ähnlich wie bei seinem Werk „Nathalie küsst“, nicht auf seine Seite ziehen, weshalb ich mich nun der schmerzlichen Erkenntnis ins Auge blicken sehe, dass auch ein weiterer seiner Romane das Ruder nicht herumzureißen vermag. Monsieur Foenkinos und ich scheinen einfach nicht füreinander geschaffen zu sein.

Doch alles der Reihe nach. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ kommt als überaus hübsch verpackter Roman daher. Sowohl das Cover als auch die Beschreibung ließen mich auf ein paar unterhaltsame Lesestunden hoffen, die mich gedanklich von der doch recht radikalen Vorgängerlektüre wegtragen sollten. Die mentale Ablenkung gelang Foenkinos zwar, die Entzückung über seine Geschichte blieb dennoch aus. C’est la vie!

Zugegeben, die Geschichte seines Romans ist durchaus originell. Ich begegne einer Bibliothek, die verstoßene Manuskripte beherbergt und einem ganz besonderen Fundstück, das trotz seines Potentials jahrelang keine Wertschätzung erfährt. Auch die bizarren Figuren, an deren Seite mich Foenkinos durch seine Geschichte geleitet und die wohl eher ungewöhnliche Erfolgsgeschichte des Romans sorgen für jede Menge Unterhaltung.

Dennoch, zwischen all den netten Zeilen über die Liebe und das Leben, begegne ich einer Reihe an Belanglosigkeiten. Zeilen, denen eine gewisse Tristesse anhaftet und die in meinen Augen so ganz und gar nicht zu der sonst so spektakulären Geschichte passen. Während seine zahlreichen Fußnoten noch für Belustigung sorgen, langweilen diese Zeilen mich enorm, sorgen für unnötige Längen im Roman und eine gewisse Zähe im Lesefluss.

Trotz seiner heimtückischen Handlungsbremsen begeistert mich Foenkinos aber mit einem ganz und gar schelmischen Blick auf die Verlagswelt, durch die er so manche Entscheidungen fragwürdig erscheinen lässt und sie einmal quer durch den Kakao zieht. Den Erfolg von „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ schreibt er nämlich nicht der Qualität von Picks Zeilen, sondern vielmehr der sensationsträchtigen Entstehungsgeschichte des Werkes zu, der sehr viel mehr Gewichtung zuzufallen scheint, als alles andere.

Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Roman auf den Stapel der aussortierten Werke zu legen, die sich dort, ähnlich wie die verstoßenen Manuskripte der Bibliothek von Crozon, nach Wertschätzung sehnen. Wer sich dem Werk annehmen möchte, der möge es mich in der Kommentarspalte wissen lassen.

„Der Anfang vom Ende einer Liebe ist immer schwer genau zu bestimmen. Die Dinge geschehen langsam, sie schleichen sich ein, mit der hinterhältigen Gewandtheit des Sterbens.“

Zitat, Seite 142

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The Hate U Give

The Hate U Give – Angie Thomas

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„Ein ohrenbetäubter Schrei dringt aus meiner Kehle, explodiert in meinem Mund und nutzt jeden Zentimeter meines Körpers für seine Resonanz. Mein Verstand sagt mir, ich soll mich nicht bewegen, aber alles andere drängt mich, nach Khalil zu sehen. Ich springe aus dem Wagen und renne auf die andere Seite. Khalil starrt in den Himmel, als hoffe er, Gott zu sehen. Sein Mund ist wie zu einem Schrei geöffnet. Ich schreie laut genug für uns beide.“

Zitat, Seite 33

Starr ist 16 Jahre alt, als sie Zeugin von rassistischer Polizeigewalt und ihr bester Freund Khalil vor ihren Augen erschossen wird. Während sie versucht, Khalils starr in den Himmel gerichteten Augen und das grausame Blutbad des Abends zu vergessen, verbreitet sich der Vorfall wie ein Lauffeuer. Starrs schwarzes Viertel kocht vor Wut.

Doch Starr muss die Fassung wahren. Schließlich ist sie in zwei unterschiedlichen Welten zu Hause. Während sie im schwarzen Viertel Garden Heights zu Hause ist, ist sie in ihrer Privatschule Williamson Prep überwiegend von Weißen umgeben. Hier unterdrückt sie sich ihren Ghetto-Slang, achtet auf gepflegte Umgangsformen und genießt alleine schon aufgrund ihrer Hautfarbe einen gewissen Coolnessfaktor.

Doch als den Menschen klar wird, dass es sich bei der Zeugin um Starr handelt, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Starr muss sich entscheiden, ob sie sich weiterhin bedeckt halten soll oder dem toten Khalil eine letzte Stimme schenkt.

„Wozu hat man eigentlich eine Stimme, wenn man in den entscheidenden Momenten schweigt?“

Zitat, Seite 288

Was Angie Thomas uns hier schenkt, ist nicht nur ein beeindruckend mutiges Debüt, sondern auch ein ganz besonderes wichtiges. Das war mir bereits vor dem Lesen klar. Denn Thomas tut das, was sich viele nicht trauen. Sie redet offen über Machtmissbrauch und Rassismus. Mit ihrem schonungslosen Ton trifft sie genau den Nerv der Zeit.

Während die Polizeigewalt in den USA bereits erschreckende Ausmaße angenommen hat, blicken wir in Deutschland noch auf ein einigermaßen geordnetes System. Noch. Doch Rassismus begegnen wir auch in Deutschland. Oftmals sind typisch weiße Denkweisen und Verhaltensmuster zu erkennen, die einem erschreckenden Automatismus unterliegen und Menschen in Schubladen stecken, die ein bestimmtes Klischee erfüllen. Dabei vergessen wir oft, dass es neben Schwarz und Weiß auch noch unendlich viele Grautöne gibt, die Menschen zu Individuen machen.

„Thug Life steht für „The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody“. Hör zu! T-H-U-G L-I-F-E. Das bedeutet, was die Gesellschaft uns als Kinder antut, das kriegt sie später zurück, wenn wir raus ins Leben ziehen. Kapiert?“

Zitat, Seite 25/26

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Die Besonderheit von „The Hate U Give“ ist bereits auf den ersten Blick erkennbar. Denn sowohl auf dem Cover als auch in der Geschichte des Jugendbuches begegnen wir einem schwarzen Mädchen als Protagonistin: Starr. Während die Schwarzen oft eine Randfigur in Geschichten einnehmen, ist es sie, die hier im Mittelpunkt steht. Es sind ihre Augen, aus der wir die Geschichte erleben; ihr Bewusstsein, in dem die Ereignisse Gestalt annehmen.

Und so katapultiert uns Thomas ohne lange Umschweife direkt ins Geschehen. Wir sind Starr; ein verängstigter Teenager, der mitansehen muss, wie der beste Freund von einem Cop erschossen wird. Doch nicht nur das. Die Folgen, die aus dieser Tat resultieren, sind verheerend. Denn während die Polizei versucht, die Dinge in einem anderen Licht darzustellen und die Wahrheit zu verfälschen, ergreift die schwarze Bevölkerung Partei für Khalil. Ein unerbittlicher Kampf gerät ins Rollen, der neben den üblichen Bandenkriegen noch mehr Wut, Hass und Gewalt nach sich zieht und letztendlich nicht nur Starrs Leben, sondern auch das ihrer Familie und ihren Freunden gefährdet.

„Manchmal machst du alles richtig, und es geht trotzdem alles schief. Entscheidend ist, dass du dennoch nie aufhörst, das Richtige zu tun.“

Zitat, Seite 179/180

Thomas‘ Zeilen sind eine Mischung aus jugendlicher Unsicherheit und provozierend schwarz-amerikanischem Slang. Durch diesen kontrastreichen Stilmix gelingt es ihr vortrefflich, Starrs Gefühlsleben und ihre gegensätzliche Welt authentisch darzustellen, die das Mädchen zwischen ihrem schwarzen Viertel und ihrer weißen Privatschule, zwischen Arm und Reich aber auch zwischen ängstlicher Zurückhaltung und gewagter Unerschrockenheit hin- und herwechseln lässt.

Starr begegnet uns dabei als eine toughe, wenn auch selbstzweifelnde Persönlichkeit, die aus Angst um ihr Leben erst langsam aber sicher ihre Stimme finden muss. Ihre Entwicklung ist ein stetig wachsender Prozess, der sich durch das gesamte Buch zieht und seine Zeit braucht. Durch diesen Entwicklungsprozess schenkt Thomas auch ihren Lesern die Möglichkeit, eine Stimme zu finden.

„Da ist dieses Wort wieder. Mut. Mutigen Menschen zittern bestimmt nicht die Knie. Mutige Menschen haben nicht das Gefühl, gleich kotzen zu müssen. Und mutige Menschen müssen sich bestimmt nicht ermahnen, zu atmen, wenn sie zu sehr an jenen Abend denken. Wäre Mut ein medizinischer Zustand, läge bei mir eine klare Fehldiagnose vor.“

Zitat, Seite 322

Auch die Silhouette von Khalils Charakter gewinnt selbst über seinen Tod hinweg an Sichtbarkeit. Es sind die Erzählungen einzelner, die Khalil zurück ins Leben holen. Seine Wesenszüge und Beweggründe sind es, über die man plötzlich urteilt, ohne den wahren Khalil je kennengelernt zu haben. Die weiße Bevölkerung weist ihm schnell die Rolle eines Thug (eines Kriminellen) und Gangmitglieds zu, der es verdient hätte, zu sterben.

Doch nicht nur Starr und Khalil, sondern auch den zahlreichen Nebenfiguren schenkt Thomas ihre Aufmerksamkeit. So begegnen wir während der Geschichte einer Reihe liebevoll gezeichneter Figuren, die alle ihre Daseinsberechtigung haben und aktiv zum Geschehen beitragen. Vor allem Starr’s Familie und ihre engsten Freunde finden hierbei regelmäßig Beachtung.

„Mutig sein bedeutet nicht, dass du keine Angst hast, Starr“, sagt sie. „Es bedeutet, dass du was tust, obwohl du Angst hast.“

Zitat, Seite 376

Welche Hautfarbe du hast, spielt beim Lesen von „The Hate U Give“ letztendlich keine Rolle. Was zählt, ist vielmehr deine Stimme, die du während dem Lesen findest und das Denken und Handeln, was daraus resultiert. Diese Botschaft vermittelt Thomas durch viele kleine nahezu unscheinbare Details. Sicher hat Starr deshalb auch einen weißen Boyfriend. Durch diesen Schachzug heimst Thomas nicht nur meine Sympathien ein, sondern genießt auch meine volle Wertschätzung für dieses wirklich beeindruckende Werk. Thomas bzw. Starrs eindringliche Stimme wird noch lange in mir nachhallen.

    Den Balanceakt zwischen deutschen und englischen Begriffen meistert Henriette Zeltner bei der Übersetzung ins Deutsche gekonnt. Durch das Beibehalten von schwarz-amerikanischen Begriffen bewahrt sie der Geschichte ihren unverwechselbaren und authentischen Ton. Wem die Bedeutung mancher Begriffe dennoch unklar sein sollten, wird im an die Geschichte anschließenden Glossar fündig.

„Man sagt, Elend zieht Elend an, aber das gilt wohl ebenso für Wut. Ich bin hier nicht die Einzige, die angepisst ist – alle um mich rum sind es auch. Man muss dafür nicht auf dem Beifahrersitz gesessen sein, als es passierte. Meine Wut ist ihre Wut, und ihre ist meine.“

Zitat, Seite 440

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#3.2: How to explore „Belgium“ as a booklover: Bruges

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Willkommen zum zweiten Teil meiner literarischen Belgien-Reise!

Nachdem ich Gent bereits für mehrere Tage unsicher gemacht hatte, stand eine Stadt des belgischen Nachbarlandes ganz oben auf meiner Liste: Brügge.

Der Stadt, die wir Deutschen spätestens seit dem Film „Brügge sehen… und sterben?“ (original Titel „In Bruges“) auf dem Schirm haben, haftet nämlich nicht nur eine besonders märchenhafte Atmosphäre, sondern auch ganz viel Tradition und Moderne an. So präsentierte sich Belgien mir nicht nur überaus kulinarischer sondern auch sehr nostalgischer Natur. Heute möchte ich euch von meinen literarischen Entdeckungen aus Brügge berichten.

Bruges – history meets romance

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Brügge ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Westflandern. Die Stadt, die im niederländischen Teil Belgiens angesiedelt ist, beherbergte im Spätmittelalter jede Menge Herzöge, weshalb sie recht schnell zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wuchs.

Ein Spaziergang durch ihre kopfsteingepflasterten Gässchen und Straßen, die oft am Kanal oder an mittelalterlichen Häuserfassaden vorbeiführen, präsentiert sich daher fast wie eine Reise in die Vergangenheit. Über all die Jahre konnte sich die Altstadt ihren historischen Stadtkern wahren, der der Stadt im Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe und 2002 zum Titel Europäische Kulturhauptstadt verhalf.

Besonders schön anzusehen sind die Brügger Reien (die Kanäle), die sich liebevoll durch die Stadt schlängeln und für zahlreiche Bogenbrücken sorgen, weshalb Brügge vielerorts auch als „Venedig des Nordens“ bekannt ist. Man kann die Stadt daher sowohl per Boot als auch per Fuß erkunden. Die Grachtenfahrt auf den Reien scheint dich zu besonders schönen Ecken von Brügge zu führen, die den Blick auf versteckte Gärten, malerische Brücken und wunderschöne Stillleben freigibt.

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Ich selbst habe mich für eine Erkundungstour zu Fuß entschieden, bei dem mir die Stadt wie ein Gemälde begegnet ist, in das ich gesprungen bin um es Farbschicht für Farbschicht, Nuance für Nuance zu erobern. Eigentlich kann man sich in diese Stadt nur verlieben. Denn dem romantischen Charme, den sie versprüht, kann man sich nur schwer verwehren. Man sollte die Stadt allerdings nicht am Wochenende erobern, denn dann überschwemmt eine Flutwelle an Touristen nahezu die gesamte Innenstadt und macht es dir fast unmöglich, sie in ihrer ganzen Schönheit zu erfassen.

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Handgeklöppelter Stadtplan von Brügge

Brügge als literarischer Schauplatz

Das tote Brügge

IMG_5324-01Der Roman „Das tote Brügge“ des belgischen Schriftstellers Georges Rodenbach ist 1892 zuerst als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Le Figaro, wenig später als Buch erschienen. Ergänzt von Fotografien der Stadt Brügge erzählt die symbolisitsche Novelle die Geschichte eines trauernden Witwers, der sich in Brügge niedergelassen hat und exzessiv für eine Operdarstellerin schwärmt, die seiner verstorbenen Ehefrau gleicht.

Der Roman wurde 1903 von Friedrich von Oppeln-Bronikowski erstmalig ins Deutsche übersetzt. Das Buch ist die berühmteste Beschreibung des in volle Bedeutungslosigkeit erstarrten alten Brügge, das einst als eine der reichsten Handelsstädte Nordeuropas galt.

Rodenbachs Novelle gilt als wichtiges Dokument des französischsprachigen Symbolismus. Diese Kunstströmung des späten 19. Jahrhunderts hatte zum Ziel, darzustellen, ohne zu zeigen. Das Symbol, das der Künstler darstellen will, muss der Rezipient anhand der vielen und häufig eindeutigen Umschreibungen selbst erkennen.

Kriminelles Brügge

Auch die Kriminalromane des belgischen Kriminalschriftstellers Pieter Aspe (mit richtigem Namen Pierre Aspeslag) spielen in Brügge. Er schreibt sie in flämischer Sprache. Mit über 300 000 verkauften Romanen gilt er als meistgelesenster Krimi-Autor Belgiens.

Während Pieter Aspe für seine in Belgien bekannte Van In-/Martens-Reihe in Belgien überaus erfolgreich ist, hat es geschlagene zehn Jahre gebraucht, bis sie auch in der deutschssprachigen Krimi-Landschaft ankam.

Der Fischer Verlag bringt seit Frühjahr 2005 die Krimis des Belgiers auf den Markt.

Brügge und seine literarischen Kinder

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Brügge ist Geburtsort einiger bekannter Romanisten und Schriftsteller.

Zu den in Deutschland bekanntesten Schriftstellern unter ihnen zählt wohl aber Hugo Claus, der u.a. auch als Maler, Dramatiker, Journalist, Lyriker, Drehbuchautor sowie Film- und Fernsehregisseur bekannt war. Er verstarb 2008 in Antwerpen.

Er gilt als der bedeutenste belgische Nachkriegsschriftsteller in niederländischer Sprache. Sein bekanntestes Werk ist der Bildungs- und Familienroman „Het verdriet van België“ (auf deutsch „Der Kummer von Flandern“ bzw. später „Der Kummer von Belgien“), der in der Zeit des 2. Weltkriegs spielt und sich an Claus’ eigene Lebensgeschichte anlehnt.

Buchhandlungen

Brugse Boekhandel

Dijver 2, 8000 Brugge

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img_5371-01.jpegDas rote Backsteingebäude der Brugse Boekhandel an der Dijver erblickt man schon von weitem. Seine historische Häuserfassade mit seinen zwei treppenartigen Giebeln lässt bereits auf eine lange Geschichte schließen. Um genau zu sein, residiert der Brugse Boekhandel schon seit 1934 am Dijver Kanal und beherbergt nicht nur ein umfangreiches Angebot an Kinder- und Jugendbüchern, sondern auch eine riesige Sammlung an historischen Stadtlektüren rund um Brügge. Rodenbachs Roman „Das tote Brügge“ ist hier in nahezu jeder Sprache erhältlich.

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Im Untergeschoss bin ich auf jede Menge deutsche, französische und englische Bücher gestoßen, die sich in vollbepackten Kisten aneinanderkuscheln.

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 12:30 Uhr / 13:30 – 18:30 Uhr

Sonntags: geschlossen

De Raaklijn

Kuipersstraat 1, 8000 Brugge

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Hinter dem Grote Markt, versteckt in einer Seitenstraße, stoße ich auf die Buchhandlung Raaklijn, deren Hausfassade bereits vor dem Eintreten für Entzückung sorgt. Die Reihe davor parkender Fahrräder dominiert den Anblick auf diesen besonders schönen Buchladen.

Nach meinem Eintreten dringt klassische Musik an mein Ohr, die mit dem knarzenden Holzboden, der unter meinem Gewicht ächzt, in Einklang steht. Im hinteren Teil des Ladens entdecke ich eine Reihe an niederländischen Kinderbuchschätzen, durch die ich mit großen Entdeckeraugen blättere und einmal mehr bedaure, dass ich die Landessprache nicht beherrsche.

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Am Tresen begrüßt mich eine äußerst  sympathische Buchhändlerin, deren Lippen von einem einladenden Lächeln umspielt werden und die mir sogar eins der hauseigenen Raaklijn – Lesezeichen mit englischem Zitat aus den Untiefen ihrer Schublade herausfischt, als sie erfährt, dass ich aus Deutschland komme.

Es wundert mich nicht, dass die Buchhandlung, die bereits 1961 ihre Türen geöffnet hat, zu einem Zuhause für zahlreiche Literaturfans geworden ist, denn auch ich fühle mich hier auf Anhieb wohl. Ich stöbere fast eine Stunde im Laden, der ausschließlich Klassiker und zeitgenössische Literatur englischer, französischer und niederländischer Natur beherbergt.

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 18:00 Uhr

De Reyghere Boekhandel, Reisboekhandel & Boekenoutlet

Markt 12, 8000 Brugge

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Die Buchhandlung De Reyghere entdecke ich in Brügge gleich in dreifacher Ausführung. Während am Marktplatz die Stammbuchhandlung De Reyghere und direkt anschließend das Pendat der Reiseliteratur Reisboekhandel De Reyghere zu finden ist, versteckt sich ein paar Seitenstraßen weiter in der Sint-Amandstraat 5 das Boekenoutlet Reyghere mit aussortierten Büchern zum kleinen Preis.

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Besonders gefallen hat mir die Boekhandel Reyghere, die ein kunterbuntes Sammelsurium aus Kinder- und Jugendbüchern, Klassikern und Novitäten der Erwachsenenliteratur, Postkarten und kleinen Geschenkartikeln beherbergt. Im hinteren Teil des Ladens trifft man auf ein reizendes Hinterzimmer mit einem kleinen Kamin (der nur noch als Dekoration benutzt wird) nebst einem entzückenden Lesesessel, der zum Stöbern in den zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern einlädt, die sich dort angesiedelt haben.

 

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Doch auch der Hauptraum begeistert mit nostalgischem Flair, das durch die historischen Büsten an der Wand und den alten Holzregalen hervorgerufen wird. Ein besonderer Blickfang war während meiner Anwesendheit eine Deckenlampe, die mit zahlreichen von Zitaten geschmückten Notizzetteln verziert war und geschickt den Blick der Besucher auf sich lenkte.

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Falls man durch das liebevoll dekorierte Schaufenster und die zahlreichen darin eingebetteten Buchempfehlungen noch nicht zum Kauf angeregt worden sein sollte, wird man es spätestens beim Streifzug durch die Regale. Hier habe ich ein niederländisches Exemplar von Helene Hanffs „84, Charing Cross Road“ erstanden (in der Hoffnung, der Landessprache durch das Lesen einer bekannten Geschichte mächtig zu werden).

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Die Buchhandlung De Reyghere scheint es bereits seit 1888 zu geben. Sie kann auf eine jahrelange Unternehmensgeschichte zurückblicken, die seit Generationen in Familienhand ist. Dem Reiher im Namen und Logo haftet etwas Nostalgisches an.

Öffnungszeiten

De Reyghere boekhandel

Montag bis Samstag: 9:00 – 18:00 Uhr

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Reisboekhandel

Montag: 13:30 – 18:00 Uhr

Dienstag bis Samstag: 9:30 – 12:30 Uhr / 13:30 – 18:00 Uhr

Boekenoutlet

Montag bis Samstag: 10:00 – 18:00 Uhr

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In den Eenhoorn (Antiquariat)

Ezelstraat 131, 8000 Brugge

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dsc_0087.jpgDieses Antiquariat ist ein absolutes Wohlfühlparadies. Nach meinem Eintreten weht mir ein papierender Geruch um die Nase, der die Lust zum Stöbern in mir weckt. In den kleinen Lichtkegeln, die nur spärlich in den Laden dringen, sehe ich den Staub mit der Sonne tanzen. Hier stapeln sich meterhoch die Bücher: In bis an die Decke reichenden Regalen, in Kisten und auf gefährlich wackelnden Büchertürmen. Inmitten des buchigen Chaos stoße ich auf einen roten Samtsessel aus Omas Zeiten, der ein Ächzen von sich gibt, als ich mich voller Elan reinplumsen lasse.

Und während ich so in meinen antiquarischen Entdeckungen zu schmökern beginne, gesellen sich westflämische Sprachfetzen aus der Unterhaltung der Ladenbesitzer an mein Ohr, die sich mit Freunden zu Kaffee & Kuchen im hinteren Teil des Ladens zusammenfinden. Herrlich authentisch!

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 12:00 Uhr / 14:00 – 18:30 Uhr

 

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Festivals

Bru – Taal: Internationales Literaturfestival

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dsc_0100-01.jpeg„We are always looking for those who want more than chocolate and beer, who value the atmosphere of the city.“

 Renaat Landuyt

Von 5. – 13. Mai 2017 wurde Brügge erstmalig zur literarischen Hauptstadt der Niederlande. Über 60 Autoren und Autorinnen waren in das westflämische Städtchen eingeladen, um die Menschen eine Woche lang mit Wörtern zu berieseln. Der Titel des Festivals stammt von Bürgermeister Renaat Landuyt. Er verbindet die Anfangsbuchstaben der Stadt (Bruges) mit dem Wort taal, das im Niederländischen ‚Sprache‘ bedeutet. Obwohl es im ersten Moment an das Wort ‚brutal‘ erinnert, steht es vielmehr für Chuzpe und Kühnheit als Gewalt und Härte.

“It says that we are not just going along with the postcard image of Bruges, but we also want to challenge the city by bringing contemporary writers into public spaces.”

Sigrid Bousset

Das Programm des Festivals wurde von dem Brügger Kunstzentrum Kaap und der unabhängigen Kuratorin Sigrid Bousset zusammengestellt. Neben klassischen Lesungen standen wohl auch Lesungen an außergewöhnlichen Plätzen, wie z.B. auf Brücken und Grachten auf dem Programm, weshalb ich untröstlich bin, dass es mir entgangen ist, da es genau nach meiner Abreise begann. Eine Reihe an Flyern haben mich allerdings so neugierig gemacht, dass ich intensive Recherche betreiben musste und es euch daher nur ans Herz legen kann. 2019 soll das Festival in die zweite Runde gehen.

Na, sehen wir uns? Nähere Informationen dazu findet ihr hier.

Kulinarische Hot Spots – wo es sich am besten liest

Books & Brunch

Garenmarkt 30, 8000 Brugge

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img_5110.jpgStellt euch vor, es gibt einen Ort, an dem ihr kulinarische und literarische Köstlichkeiten gleichzeitig verspeisen könnt. Ein Ort, der sich wie eine Komposition aus Café, Bibliothek und Wohnzimmer präsentiert und in dem ihr jede Minute, ach was Sekunde, aufsaugt, weil sie sich so herrlich wohltuend auf eurer Seele ausbreitet.

Willkommen im Books & Brunch!

Der Besuch in diesem literarisch kulinarischen Idyll war eine Empfehlung von meinem Herzensmann, mit dem ich gemeinsam im Books & Brunch gestrandet bin. Es empfiehlt sich vorab Plätze zu reservieren, denn zahlreiche Spontanbesucher mussten während unseres Aufenthaltes aufgrund der starken Nachfrage auf ein nächstes Mal vertröstet werden.

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Wir landeten hier Anfang des Jahres, weswegen uns das Lokal noch mit glitzernder Weihnachtsdekoration empfing. Der Besitzer des Ladens ist ein offener, sympathischer und aufmerksamer Zeitgenosse, der nicht nur zügig für Stärkung kulinarischer Natur sorgte, sondern auch auf uns abgestimmte Buchempfehlungen aus dem Ärmel zauberte. Als hätte er in unser Innerstes geblickt, legte er kurz darauf eine Reihe an antiquarischen Büchern auf unseren Holztisch, die genau unserem Geschmack entsprachen und kurz darauf für wenig Geld von uns erobert wurden. Unsere Erwartungen wurden damit erfüllt: et voilà – books & brunch!

Das Konzept des Ladens hat mich auf Anhieb überzeugt. Bei den Lebensmitteln setzt man auf biologischen Anbau aus der Region und präsentiert diese dann in überaus ansprechender Optik auf schlichtem natürlichem Material. Der Kaffee ist exzellent, der Orangensaft frisch gepresst, die Früchte frisch und das Frühstücksomelett saftig und lecker. So genießt du in herrlich entspannter Atmosphäre, umringt von Büchern, dein Essen und schwebst auf Wolke 7!

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In nahezu jedem Winkel begegnet dir hier das gedruckte Wort. Im vorderen Teil des Ladens reihen sich aufgehängte Magazine an Kleiderbügeln, im Treppengeländer sind Bücher verstrickt, selbst auf der Toilette triffst du auf Tapeten im buchigen Design. Du kruscht in vollgestopften Bücherkisten, wanderst an zahlreichen Bücherregalen entlang und staunst über das beeindruckende Deckendesign. Ausdrückliche Empfehlung!

Na, googelst du bereits nach der Telefonnummer, um dir einen Tisch zu sichern? Die Ladenbesitzer genießen derzeit eine Sommerpause und sind im September wieder da.

 

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Öffnungszeiten:

Montag – Freitag: 9 – 15 Uhr

Samstag und Sonntag: geschlossen

The Gulliver Tree

Cordoeaniersstraat 4, 8000 Brugge

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(c) The Gulliver Tree

dsc_0212.jpgIns The Gulliver Tree habe ich mich auf Anhieb verliebt. Es ist ein familiengeführtes Tee- und Kaffeehaus, das sich wie ein kleines Wohnzimmer mit offenem Kamin präsentiert. Das flackernde Feuer des Kamins hüllt dich während der kalten Jahreszeit mit wohliger Wärme ein, während du dir deine aktuelle Lektüre im kuscheligen Sofa nebst einem ausgezeichneten Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen einverleibst. Wie es dir im Sommer begegnet, kann ich dir nicht sagen, aber vielleicht findest du das einfach selbst heraus!?

Neben dem ansprechenden Interieur überzeugt die Speisekarte mit schlichtem aber originellem Design. Die Auswahl an Tee- und Kaffeespezialitäten und selbstgemachten Kuchen ist bemerkenswert groß. Besonders empfehlen kann ich die saftige Chocolate Tarte, die nahezu direkt nach dem Verzehr an deinen Hüften klebt, aber jede einzelne Kalorie wert ist.

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img_20170104_155257.jpgNeben dem Kamin ist ein hauseigenes Bücherregal mit einer kleinen aber feinen Auswahl an Klassikern zu finden, denen man sich während seines Aufenthaltes widmen kann, falls man kein eigenes Buch dabei hat. Gegenüber vom Tresen entdeckt man ein Regal mit netten Mitbringseln für die Liebsten zuhause oder einfach nur für einen selbst.

Mein Besuch wurde vom mahlenden Sound der Kaffeemühle, dem Stimmengemurmel seiner Besucher und dem Rhythmus von rührenden Kaffeelöffeln in feinem Porzellan begleitet. Ein Traum von einem Laden! Eine wahre Wohlfühloase!

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 9 – 18 Uhr (von April bis September: 9 – 17:00 Uhr)

Sonntag und Montag: geschlossen

Sommerpause: 1. – 31. Juli

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See you in Bruges! Eure Steffi.