Wenn’s rosa Buchstaben lettert: Ein Abend mit Frau Hölle

Manchmal schenkt dir das Leben ganz besondere Momente, die sich wie Überraschungseier offenbaren und ihre bunte Mischung aus Spiel, Spaß und Spanung über dich streuen und dich in Glücksseeligkeit eintauchen. Der letzte Mittwochabend war so einer für mich. Denn zu meiner besonderen Freude, war ich ins Hauptquartier der Online-Community Lovelybooks eingeladen, um dort Tanja Cappell alias Frau Hölle kennenzulernen und den kleinen Zauberwesen namens Buchstaben meine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, nämlich beim Hand Lettering.

Der buchstabenverliebten und letternden Gemeinde wird das Event nicht entgangen sein. Denn der Hashtag #LBLive hat mal wieder sämtliche soziale Netzwerke gesprengt und es allen interessierten Menschen ermöglicht, sich via Livestream und/oder Social Media live dazuzuschalten. Bei der Veranstaltung vor Ort treffen Blogger, Journalisten, Verlagsmitarbeiter und Fans von Autoren und Autorinnen zusammen und so hatte ich das Vergnügen neben einer Reihe an lieben Menschen auch die Herzensmenschen und Bloggerkolleginnen Tina (Revolution, Baby, Revolution!), Marina (Nordbreze und so.), Brösel (Brösels Bücherregal) und Petzi (Die Liebe zu den Büchern) wiederzusehen.

Während Einige das Lettern längst für sich entdeckt haben und sich Bloggerkolleginnen wie z.B. das Bröselchen bereits seit geraumer Zeit an ihrem Bullet Journal kreativ verausgaben, beschränkten sich meine bisherigen Erfahrungswerte auf einige wenige Übungskrakeleien zuhause, die ich anhand des in völliger Euphorie erworbenen Equipments und der zusammengetragenen Bücher über das Handlettering zu Tage gebracht hatte. Wirklich vorzeigetauglich war davon bis dato aber noch nichts. Der Abend mit Frau Hölle kam daher wie gerufen und ich eilte voller Vorfreude zu Lovelybooks.

Ein Raum von rosa Glücksseeligkeit

Ich muss gestehen, in der Regel bin ich weder ein besonderer Fan der Farbe Rosa, noch von kitschiger Dekoration. Das in zartem pastellrosa daherkommende Buchbaby „Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift“ von Frau Hölle, das kürzlich im Verlag Edition Michael Fischer erschienen ist, und das liebevoll dekorierte Lovelybooks-Hauptquartier sorgte dennoch für Entzückung auf meiner Seite.

Denn dem Traum von rosa Glücksseeligkeit konnte auch ich mich nicht verwehren. Neben der prall gefüllten Candybar (für den garantierten Zuckerschock!) wartete auf den von goldenem Konfetti bestreuten Arbeitstischen auch ein Exemplar des Buches, der Übungsbogen für den Abend und eine großzügig mit Arbeitsmaterial bestückte Goodiebox auf mich, was sich ein bisschen wie Weihnachten angefühlt hat (oder noch besser!?).

Frisch ans Werk mit Tipps von Frau Hölle

„Beim Lettering ist es ein bisschen so wie im Fitnessstudio: erstmal aufwärmen. Der Brush Pen ist unsere Hantel.“ – Tanja „Frau Hölle“ Cappell

Auf los geht’s los. Unsere Hantel gezückt (edding 1340 Brushpen) stürzten wir uns auf unser Übungsblatt und lernten an der eigenen Hand, dass Perfektion nur durch eines erzielt werden kann, nämlich durch Übung. Damit meine krakeligen Buchstaben zu geschwungenen Schönheiten werden, ist nicht nur die richtige Stifthaltung, sondern auch der ideale Begleiter (lt. Frau Hölle ist der edding Brushpen für blutige Anfänger besser geeignet als der von Tombow) und Durchhaltevermögen entscheidend.

Frau Hölles Credo: üben, üben, üben.

Und so hangelten wir uns an einer Reihe an Abwärts- und Aufwärtsstrichen, Buchstaben und Schnörkeln entlang um uns am Ende der Session unserem ersten eigenen Schriftzug „Today is the day“ ohne Vordruck zu widmen. Mein Ergebnis ist sicherlich ausbaufähig, erfüllte mich aber dennoch mit Stolz. Schließlich ist es leserlich, oder was meint ihr?

Natürlich habe ich den Fehler gemacht, und das Banner erst zum Schluss gemalt, anstatt auf Frau Hölles Tipp, ihn erst zu malen und dann zu füllen, zu warten. Tja ja, Geduld ist bekanntlich eine Tugend! 😉

Mein erster Schriftzug ohne Vorlage

Wer ist eigentlich Frau Hölle?

Hinter Frau Hölle versteckt sich Tanja Cappell, die schon seit ihrer Kindheit eine besondere  Vorliebe für das Märchen der Frau Holle hat. Aus einer Wortspielerei ist das Pseudonym „Frau Hölle“ und  das „Frau Hölle Studio“ entstanden, mit dem die studierte Diplom-Ingenieurin Anfang 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Nach der anfänglichen Konzentration auf Sketchnotes hat sich später das Lettering dazugesellt.

Neben zahlreichen Online-Tutorials und PDF-Guides hat Frau Höllle seit einer Weile auch Workshops in München im Programm, die in der Regel schwer gefragt und in Windeseile ausgebucht sind (das Abonnieren des Newsletters empfiehlt sich). Ihre kreativen Ideen und jede Menge Inspiration für alle buchstabenverliebte Menschen streut sie neben ihrem Blog auch auf den Social Media Kanälen (vor allem auf Instagram).

Bei stilnest gibt es seit einer Weile übrigens eine reizende Alphabet Schmuckkollektion, die von Tanja gestaltet wurde und sich aus 26 (Groß-)Buchstaben, die per Hand mit einem Pinselstift geschrieben wurden, zusammensetzt. Petzi hatte zwei dieser reizenden Ketten bereits für sich gesichert und uns vor Ort präsentiert. Zum Schwachwerden schön. ❤

Ein berauschender Abend

Mein liebes lovelybooks – Team, liebe Tanja, es war mir ein Fest!

Selten habe ich einen Abend so genossen wie diesen! Ich habe jeden Tipp in mir aufgesaugt, Blut geleckt und die zahlreichen Unterhaltungen mit all den lieben Menschen vor Ort in meiner Erinnerungskapsel verwahrt. An der persönlich gemalten Signatur in meinem Buch werde ich mich wahrscheinlich noch Ewigkeiten erfreuen. ❤

Für die großzügig befüllte Goodiebox möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken. Denn dass der Inhalt SO gigantisch ausfüllt, hätte ich nicht annähernd erwartet. Das hat nicht nur meine Bloggerkolleginnen sondern auch mich im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich geflasht. Eine Schatzkiste von unsagbarem Wert!

Ein Blick in meine Goodiebox:

Aqua Brush Pens und Sign Brush Pens der Marke Pentel; der Edding Brush Pen 1340, mit dem wir schon vor Ort geübt hatten + ein Porcellain Brush Pen; ein rosa Pastellmarker von Stabilo + 2B Bleistift mit Radiergummi, ein Set Faber Castell Pitt Artist Pens, Stärke B zum Brush Lettering, eine Zeichenfeder und Tinte u.v.m.

v.l.n.r.: Tina, Petzi, Bröselchen, ich, Tanja „Frau Hölle“ Cappell

Das Buch „Handlettering Alphabete“

Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift | Autorin: Tanja Cappell | 144 Seiten | Format: Hardcover | 19,99 € | Edition Michael Fischer | ISBN: 978-3-86355-768-3 | Blick ins Buch

Tanjas liebevoll illustriertes Lettering-Lexikon könnt ihr für bescheidene 19,99 € erwerben. Es ist randvoll gefüllt mit hilfreichem Wissen, zahlreichen Anwendungsbeispielen und jeder Menge Inspiration.

Es versorgt dich nicht nur mit der Entstehungsgeschichte des Letterings, sondern vermittelt dir auch die entscheidenden Unterschiede zwischen dem Hand Lettering, Brush Lettering und der Kalligrafie und zeigt dir, wie du deine Kunstwerke erfolgreich digitalisieren kannst. Neben zahlreichen DIY-Ideen für dein Zuhause findest du auch zwei Maxi-Poster mit allen Alphabeten zum Abpausen im Buch.

„Alles ist ein Prozess und fängt irgendwann an und hört irgendwann auf.“ – Tanja „Frau Hölle Cappell“

#3.2: How to explore „Belgium“ as a booklover: Bruges

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Willkommen zum zweiten Teil meiner literarischen Belgien-Reise!

Nachdem ich Gent bereits für mehrere Tage unsicher gemacht hatte, stand eine Stadt des belgischen Nachbarlandes ganz oben auf meiner Liste: Brügge.

Der Stadt, die wir Deutschen spätestens seit dem Film „Brügge sehen… und sterben?“ (original Titel „In Bruges“) auf dem Schirm haben, haftet nämlich nicht nur eine besonders märchenhafte Atmosphäre, sondern auch ganz viel Tradition und Moderne an. So präsentierte sich Belgien mir nicht nur überaus kulinarischer sondern auch sehr nostalgischer Natur. Heute möchte ich euch von meinen literarischen Entdeckungen aus Brügge berichten.

Bruges – history meets romance

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Brügge ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Westflandern. Die Stadt, die im niederländischen Teil Belgiens angesiedelt ist, beherbergte im Spätmittelalter jede Menge Herzöge, weshalb sie recht schnell zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wuchs.

Ein Spaziergang durch ihre kopfsteingepflasterten Gässchen und Straßen, die oft am Kanal oder an mittelalterlichen Häuserfassaden vorbeiführen, präsentiert sich daher fast wie eine Reise in die Vergangenheit. Über all die Jahre konnte sich die Altstadt ihren historischen Stadtkern wahren, der der Stadt im Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe und 2002 zum Titel Europäische Kulturhauptstadt verhalf.

Besonders schön anzusehen sind die Brügger Reien (die Kanäle), die sich liebevoll durch die Stadt schlängeln und für zahlreiche Bogenbrücken sorgen, weshalb Brügge vielerorts auch als „Venedig des Nordens“ bekannt ist. Man kann die Stadt daher sowohl per Boot als auch per Fuß erkunden. Die Grachtenfahrt auf den Reien scheint dich zu besonders schönen Ecken von Brügge zu führen, die den Blick auf versteckte Gärten, malerische Brücken und wunderschöne Stillleben freigibt.

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Ich selbst habe mich für eine Erkundungstour zu Fuß entschieden, bei dem mir die Stadt wie ein Gemälde begegnet ist, in das ich gesprungen bin um es Farbschicht für Farbschicht, Nuance für Nuance zu erobern. Eigentlich kann man sich in diese Stadt nur verlieben. Denn dem romantischen Charme, den sie versprüht, kann man sich nur schwer verwehren. Man sollte die Stadt allerdings nicht am Wochenende erobern, denn dann überschwemmt eine Flutwelle an Touristen nahezu die gesamte Innenstadt und macht es dir fast unmöglich, sie in ihrer ganzen Schönheit zu erfassen.

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Handgeklöppelter Stadtplan von Brügge

Brügge als literarischer Schauplatz

Das tote Brügge

IMG_5324-01Der Roman „Das tote Brügge“ des belgischen Schriftstellers Georges Rodenbach ist 1892 zuerst als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Le Figaro, wenig später als Buch erschienen. Ergänzt von Fotografien der Stadt Brügge erzählt die symbolisitsche Novelle die Geschichte eines trauernden Witwers, der sich in Brügge niedergelassen hat und exzessiv für eine Operdarstellerin schwärmt, die seiner verstorbenen Ehefrau gleicht.

Der Roman wurde 1903 von Friedrich von Oppeln-Bronikowski erstmalig ins Deutsche übersetzt. Das Buch ist die berühmteste Beschreibung des in volle Bedeutungslosigkeit erstarrten alten Brügge, das einst als eine der reichsten Handelsstädte Nordeuropas galt.

Rodenbachs Novelle gilt als wichtiges Dokument des französischsprachigen Symbolismus. Diese Kunstströmung des späten 19. Jahrhunderts hatte zum Ziel, darzustellen, ohne zu zeigen. Das Symbol, das der Künstler darstellen will, muss der Rezipient anhand der vielen und häufig eindeutigen Umschreibungen selbst erkennen.

Kriminelles Brügge

Auch die Kriminalromane des belgischen Kriminalschriftstellers Pieter Aspe (mit richtigem Namen Pierre Aspeslag) spielen in Brügge. Er schreibt sie in flämischer Sprache. Mit über 300 000 verkauften Romanen gilt er als meistgelesenster Krimi-Autor Belgiens.

Während Pieter Aspe für seine in Belgien bekannte Van In-/Martens-Reihe in Belgien überaus erfolgreich ist, hat es geschlagene zehn Jahre gebraucht, bis sie auch in der deutschssprachigen Krimi-Landschaft ankam.

Der Fischer Verlag bringt seit Frühjahr 2005 die Krimis des Belgiers auf den Markt.

Brügge und seine literarischen Kinder

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Brügge ist Geburtsort einiger bekannter Romanisten und Schriftsteller.

Zu den in Deutschland bekanntesten Schriftstellern unter ihnen zählt wohl aber Hugo Claus, der u.a. auch als Maler, Dramatiker, Journalist, Lyriker, Drehbuchautor sowie Film- und Fernsehregisseur bekannt war. Er verstarb 2008 in Antwerpen.

Er gilt als der bedeutenste belgische Nachkriegsschriftsteller in niederländischer Sprache. Sein bekanntestes Werk ist der Bildungs- und Familienroman „Het verdriet van België“ (auf deutsch „Der Kummer von Flandern“ bzw. später „Der Kummer von Belgien“), der in der Zeit des 2. Weltkriegs spielt und sich an Claus’ eigene Lebensgeschichte anlehnt.

Buchhandlungen

Brugse Boekhandel

Dijver 2, 8000 Brugge

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img_5371-01.jpegDas rote Backsteingebäude der Brugse Boekhandel an der Dijver erblickt man schon von weitem. Seine historische Häuserfassade mit seinen zwei treppenartigen Giebeln lässt bereits auf eine lange Geschichte schließen. Um genau zu sein, residiert der Brugse Boekhandel schon seit 1934 am Dijver Kanal und beherbergt nicht nur ein umfangreiches Angebot an Kinder- und Jugendbüchern, sondern auch eine riesige Sammlung an historischen Stadtlektüren rund um Brügge. Rodenbachs Roman „Das tote Brügge“ ist hier in nahezu jeder Sprache erhältlich.

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Im Untergeschoss bin ich auf jede Menge deutsche, französische und englische Bücher gestoßen, die sich in vollbepackten Kisten aneinanderkuscheln.

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 12:30 Uhr / 13:30 – 18:30 Uhr

Sonntags: geschlossen

De Raaklijn

Kuipersstraat 1, 8000 Brugge

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Hinter dem Grote Markt, versteckt in einer Seitenstraße, stoße ich auf die Buchhandlung Raaklijn, deren Hausfassade bereits vor dem Eintreten für Entzückung sorgt. Die Reihe davor parkender Fahrräder dominiert den Anblick auf diesen besonders schönen Buchladen.

Nach meinem Eintreten dringt klassische Musik an mein Ohr, die mit dem knarzenden Holzboden, der unter meinem Gewicht ächzt, in Einklang steht. Im hinteren Teil des Ladens entdecke ich eine Reihe an niederländischen Kinderbuchschätzen, durch die ich mit großen Entdeckeraugen blättere und einmal mehr bedaure, dass ich die Landessprache nicht beherrsche.

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Am Tresen begrüßt mich eine äußerst  sympathische Buchhändlerin, deren Lippen von einem einladenden Lächeln umspielt werden und die mir sogar eins der hauseigenen Raaklijn – Lesezeichen mit englischem Zitat aus den Untiefen ihrer Schublade herausfischt, als sie erfährt, dass ich aus Deutschland komme.

Es wundert mich nicht, dass die Buchhandlung, die bereits 1961 ihre Türen geöffnet hat, zu einem Zuhause für zahlreiche Literaturfans geworden ist, denn auch ich fühle mich hier auf Anhieb wohl. Ich stöbere fast eine Stunde im Laden, der ausschließlich Klassiker und zeitgenössische Literatur englischer, französischer und niederländischer Natur beherbergt.

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 18:00 Uhr

De Reyghere Boekhandel, Reisboekhandel & Boekenoutlet

Markt 12, 8000 Brugge

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Die Buchhandlung De Reyghere entdecke ich in Brügge gleich in dreifacher Ausführung. Während am Marktplatz die Stammbuchhandlung De Reyghere und direkt anschließend das Pendat der Reiseliteratur Reisboekhandel De Reyghere zu finden ist, versteckt sich ein paar Seitenstraßen weiter in der Sint-Amandstraat 5 das Boekenoutlet Reyghere mit aussortierten Büchern zum kleinen Preis.

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Besonders gefallen hat mir die Boekhandel Reyghere, die ein kunterbuntes Sammelsurium aus Kinder- und Jugendbüchern, Klassikern und Novitäten der Erwachsenenliteratur, Postkarten und kleinen Geschenkartikeln beherbergt. Im hinteren Teil des Ladens trifft man auf ein reizendes Hinterzimmer mit einem kleinen Kamin (der nur noch als Dekoration benutzt wird) nebst einem entzückenden Lesesessel, der zum Stöbern in den zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern einlädt, die sich dort angesiedelt haben.

 

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Doch auch der Hauptraum begeistert mit nostalgischem Flair, das durch die historischen Büsten an der Wand und den alten Holzregalen hervorgerufen wird. Ein besonderer Blickfang war während meiner Anwesendheit eine Deckenlampe, die mit zahlreichen von Zitaten geschmückten Notizzetteln verziert war und geschickt den Blick der Besucher auf sich lenkte.

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Falls man durch das liebevoll dekorierte Schaufenster und die zahlreichen darin eingebetteten Buchempfehlungen noch nicht zum Kauf angeregt worden sein sollte, wird man es spätestens beim Streifzug durch die Regale. Hier habe ich ein niederländisches Exemplar von Helene Hanffs „84, Charing Cross Road“ erstanden (in der Hoffnung, der Landessprache durch das Lesen einer bekannten Geschichte mächtig zu werden).

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Die Buchhandlung De Reyghere scheint es bereits seit 1888 zu geben. Sie kann auf eine jahrelange Unternehmensgeschichte zurückblicken, die seit Generationen in Familienhand ist. Dem Reiher im Namen und Logo haftet etwas Nostalgisches an.

Öffnungszeiten

De Reyghere boekhandel

Montag bis Samstag: 9:00 – 18:00 Uhr

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Reisboekhandel

Montag: 13:30 – 18:00 Uhr

Dienstag bis Samstag: 9:30 – 12:30 Uhr / 13:30 – 18:00 Uhr

Boekenoutlet

Montag bis Samstag: 10:00 – 18:00 Uhr

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In den Eenhoorn (Antiquariat)

Ezelstraat 131, 8000 Brugge

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dsc_0087.jpgDieses Antiquariat ist ein absolutes Wohlfühlparadies. Nach meinem Eintreten weht mir ein papierender Geruch um die Nase, der die Lust zum Stöbern in mir weckt. In den kleinen Lichtkegeln, die nur spärlich in den Laden dringen, sehe ich den Staub mit der Sonne tanzen. Hier stapeln sich meterhoch die Bücher: In bis an die Decke reichenden Regalen, in Kisten und auf gefährlich wackelnden Büchertürmen. Inmitten des buchigen Chaos stoße ich auf einen roten Samtsessel aus Omas Zeiten, der ein Ächzen von sich gibt, als ich mich voller Elan reinplumsen lasse.

Und während ich so in meinen antiquarischen Entdeckungen zu schmökern beginne, gesellen sich westflämische Sprachfetzen aus der Unterhaltung der Ladenbesitzer an mein Ohr, die sich mit Freunden zu Kaffee & Kuchen im hinteren Teil des Ladens zusammenfinden. Herrlich authentisch!

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 12:00 Uhr / 14:00 – 18:30 Uhr

 

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Festivals

Bru – Taal: Internationales Literaturfestival

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dsc_0100-01.jpeg„We are always looking for those who want more than chocolate and beer, who value the atmosphere of the city.“

 Renaat Landuyt

Von 5. – 13. Mai 2017 wurde Brügge erstmalig zur literarischen Hauptstadt der Niederlande. Über 60 Autoren und Autorinnen waren in das westflämische Städtchen eingeladen, um die Menschen eine Woche lang mit Wörtern zu berieseln. Der Titel des Festivals stammt von Bürgermeister Renaat Landuyt. Er verbindet die Anfangsbuchstaben der Stadt (Bruges) mit dem Wort taal, das im Niederländischen ‚Sprache‘ bedeutet. Obwohl es im ersten Moment an das Wort ‚brutal‘ erinnert, steht es vielmehr für Chuzpe und Kühnheit als Gewalt und Härte.

“It says that we are not just going along with the postcard image of Bruges, but we also want to challenge the city by bringing contemporary writers into public spaces.”

Sigrid Bousset

Das Programm des Festivals wurde von dem Brügger Kunstzentrum Kaap und der unabhängigen Kuratorin Sigrid Bousset zusammengestellt. Neben klassischen Lesungen standen wohl auch Lesungen an außergewöhnlichen Plätzen, wie z.B. auf Brücken und Grachten auf dem Programm, weshalb ich untröstlich bin, dass es mir entgangen ist, da es genau nach meiner Abreise begann. Eine Reihe an Flyern haben mich allerdings so neugierig gemacht, dass ich intensive Recherche betreiben musste und es euch daher nur ans Herz legen kann. 2019 soll das Festival in die zweite Runde gehen.

Na, sehen wir uns? Nähere Informationen dazu findet ihr hier.

Kulinarische Hot Spots – wo es sich am besten liest

Books & Brunch

Garenmarkt 30, 8000 Brugge

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img_5110.jpgStellt euch vor, es gibt einen Ort, an dem ihr kulinarische und literarische Köstlichkeiten gleichzeitig verspeisen könnt. Ein Ort, der sich wie eine Komposition aus Café, Bibliothek und Wohnzimmer präsentiert und in dem ihr jede Minute, ach was Sekunde, aufsaugt, weil sie sich so herrlich wohltuend auf eurer Seele ausbreitet.

Willkommen im Books & Brunch!

Der Besuch in diesem literarisch kulinarischen Idyll war eine Empfehlung von meinem Herzensmann, mit dem ich gemeinsam im Books & Brunch gestrandet bin. Es empfiehlt sich vorab Plätze zu reservieren, denn zahlreiche Spontanbesucher mussten während unseres Aufenthaltes aufgrund der starken Nachfrage auf ein nächstes Mal vertröstet werden.

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Wir landeten hier Anfang des Jahres, weswegen uns das Lokal noch mit glitzernder Weihnachtsdekoration empfing. Der Besitzer des Ladens ist ein offener, sympathischer und aufmerksamer Zeitgenosse, der nicht nur zügig für Stärkung kulinarischer Natur sorgte, sondern auch auf uns abgestimmte Buchempfehlungen aus dem Ärmel zauberte. Als hätte er in unser Innerstes geblickt, legte er kurz darauf eine Reihe an antiquarischen Büchern auf unseren Holztisch, die genau unserem Geschmack entsprachen und kurz darauf für wenig Geld von uns erobert wurden. Unsere Erwartungen wurden damit erfüllt: et voilà – books & brunch!

Das Konzept des Ladens hat mich auf Anhieb überzeugt. Bei den Lebensmitteln setzt man auf biologischen Anbau aus der Region und präsentiert diese dann in überaus ansprechender Optik auf schlichtem natürlichem Material. Der Kaffee ist exzellent, der Orangensaft frisch gepresst, die Früchte frisch und das Frühstücksomelett saftig und lecker. So genießt du in herrlich entspannter Atmosphäre, umringt von Büchern, dein Essen und schwebst auf Wolke 7!

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In nahezu jedem Winkel begegnet dir hier das gedruckte Wort. Im vorderen Teil des Ladens reihen sich aufgehängte Magazine an Kleiderbügeln, im Treppengeländer sind Bücher verstrickt, selbst auf der Toilette triffst du auf Tapeten im buchigen Design. Du kruscht in vollgestopften Bücherkisten, wanderst an zahlreichen Bücherregalen entlang und staunst über das beeindruckende Deckendesign. Ausdrückliche Empfehlung!

Na, googelst du bereits nach der Telefonnummer, um dir einen Tisch zu sichern? Die Ladenbesitzer genießen derzeit eine Sommerpause und sind im September wieder da.

 

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Öffnungszeiten:

Montag – Freitag: 9 – 15 Uhr

Samstag und Sonntag: geschlossen

The Gulliver Tree

Cordoeaniersstraat 4, 8000 Brugge

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(c) The Gulliver Tree

dsc_0212.jpgIns The Gulliver Tree habe ich mich auf Anhieb verliebt. Es ist ein familiengeführtes Tee- und Kaffeehaus, das sich wie ein kleines Wohnzimmer mit offenem Kamin präsentiert. Das flackernde Feuer des Kamins hüllt dich während der kalten Jahreszeit mit wohliger Wärme ein, während du dir deine aktuelle Lektüre im kuscheligen Sofa nebst einem ausgezeichneten Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen einverleibst. Wie es dir im Sommer begegnet, kann ich dir nicht sagen, aber vielleicht findest du das einfach selbst heraus!?

Neben dem ansprechenden Interieur überzeugt die Speisekarte mit schlichtem aber originellem Design. Die Auswahl an Tee- und Kaffeespezialitäten und selbstgemachten Kuchen ist bemerkenswert groß. Besonders empfehlen kann ich die saftige Chocolate Tarte, die nahezu direkt nach dem Verzehr an deinen Hüften klebt, aber jede einzelne Kalorie wert ist.

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img_20170104_155257.jpgNeben dem Kamin ist ein hauseigenes Bücherregal mit einer kleinen aber feinen Auswahl an Klassikern zu finden, denen man sich während seines Aufenthaltes widmen kann, falls man kein eigenes Buch dabei hat. Gegenüber vom Tresen entdeckt man ein Regal mit netten Mitbringseln für die Liebsten zuhause oder einfach nur für einen selbst.

Mein Besuch wurde vom mahlenden Sound der Kaffeemühle, dem Stimmengemurmel seiner Besucher und dem Rhythmus von rührenden Kaffeelöffeln in feinem Porzellan begleitet. Ein Traum von einem Laden! Eine wahre Wohlfühloase!

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 9 – 18 Uhr (von April bis September: 9 – 17:00 Uhr)

Sonntag und Montag: geschlossen

Sommerpause: 1. – 31. Juli

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See you in Bruges! Eure Steffi.

LitBlog Convention #lbc17 in Köln: Klappe – die Zweite!

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Hallo ihr Lieben,

am 10. Juni 2017 war es wieder soweit, die Kölner Verlagsräume von Bastei Lübbe luden bereits zum zweiten Mal zur LitBlog Convention  ein. Während die letztjährige Premiere noch ausschließlich mit regional ansässigen Verlagen gefeiert wurde, holten sich die Veranstalter in diesem Jahr Schweizer Verstärkung mit ins Boot.

So erwartete die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Programm der Kölner Buchverlage Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Egmont LYX/INK und darüber hinaus des Schweizer Diogenes Verlag. Auch ich habe mir wieder eins der begehrten Tickets gesichert und bin vorletzten Samstag von München in die Rheinmetropole aufgebrochen.

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Die Begrüßung durch die teilnehmenden Verlage

IMG_6664-01.jpgBloggerevents erfreuen sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit. Neben der noch recht jungen LitBlog Convention sind andere Events in der Literaturszene bereits fest verankert. Allen voran steht da die Konferenz und das Barcamp der Blogst, mit der ich bereits seit Jahren liebäugel oder auch das Literaturcamp Heidelberg, das kommendes Wochenende auf dem Programm steht.

Neben der Weiterbildung in den unterschiedlichsten Fachgebieten steht bei derartigen Veranstaltungen ganz klar das Vernetzen im Vordergrund. Wo sonst, wenn nicht hier trifft man auf eine so geballte Ladung aus  Bloggern, Verlagsmitarbeitern, Journalisten und Autoren. Man trifft alte und neue Gesichter der Blogosphäre, Alt wie Jung. Die bibliophile Gemeinde ist groß. Wie bei einem großen Familientreffen kommen alle zusammen und feiern ihre Liebe zum Buch.

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Obwohl das Vorjahresprogramm um fünf ganze Sessions ergänzt wurde und damit insgesamt 24 Workshops aufwies, füllten sich die Räumlichkeiten wieder derart schnell, dass ich in diesem Jahr mit meiner Vorauswahl kein Glück hatte und mich gleich drei Mal umentscheiden musste. Das war schon irgendwie ein bisschen enttäuschend, wurde letzten Endes aber durch die jeweiligen Alternativen wieder wettgemacht.

Nachfolgend möchte ich euch wieder einen kleinen Einblick in die Workshops geben, die ich besucht habe. Sie schenken euch tatsächlich nur einen klitzekleinen Eindruck, sollen aber Anreiz schaffen, selbst einmal an der LitBlog Convention teilzunehmen. Wirklich nützlich sind die Informationen sicherlich erst, wenn man persönlich anwesend war.

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Das Programm der #lbc17

Meine Workshops

1.Workshop: Basic Handlettering
1.Workshop: Der Buchumschlag – eine Frage des Geschmacks

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Herbstliche Neuerscheinungen @KiWi

Ich muss gestehen, ich lasse mich oft von schönen Covern zu Buchkäufen verführen. In der Regel fahre ich damit recht gut, manchmal falle ich damit aber auch auf die Nase. Denn nicht jedes Cover hält was es verspricht. Oder auch umgekehrt. Das Sprichwort „Don’t judge a book by it’s cover!“  behält nämlich Recht. Manchmal entdecke ich hinter bescheidenen oder nichtssagenden Covern die größten Schätze, weshalb ich euch nahelege nie auf den zweiten Blick hinter den Buchdeckel zu verzichten.

Generell ist das Design eines Buchumschlags aber natürlich Frage des persönlichen Geschmacks. Und der variiert je nach Person. Welchen langen Weg die Verlagsmitarbeiter daher bei der Gestaltung eines Buchumschlags teilweise hinter sich bringen müssen, ehe sich auf ein entgültiges Buchcover festgelegt werden kann, zeigte uns Julia Krumhauer aus der Werbungsabteilung von KiWi. Anspruchsvolle Literatur scheint covertechnisch wohl ungewöhnlichere Wege gehen zu können, als es z.B. ein Sachbuch oder ein Krimi kann, die in der Regel bestimmte Typografien aufweisen.

„Ein Cover ist wie ein kleines Miniplakat.“

Krumhauer nahm uns mithilfe von drei Herbstneuerscheinungen mit auf eine Reise durch den Entwicklungsprozess eines Covers. Gezeigt wurden die finalen Ausgaben von Norman Ohlers „Die Gleichung des Lebens“, Sonja Heiss‘ „Rimini“ und Franziska Seyboldts „Rattatatam, mein Herz“ und deren unveröffentlichte Coverentwürfe. Ein spannende Entdeckungsreise, bei der auch ich feststellte, dass mir manchmal ein anderer Coverentwurf besser gefallen hätte als das Endresultat. That’s life!

2.Workshop: John Irvings Ringen und Schreiben

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Anna von Planta gewährt einen Blick auf Irvings Schreibtisch in Toronto

Den Einblick in John Irvings Universum durfte ich mir nicht entgehen lassen. Ich war daher mehr als erfreut, dass ich einen der begehrten Plätze in diesem Workshop ergattert habe, in dem die Lektorin des Bestsellerautors Anna von Planta Einblick in ihren Arbeitsalltag mit John Irving gewährte. Bereits seit 30 Jahren begleitet sie den Diogenes-Autor durch seine Werke, um die 12.000 Seiten hat sie bereits von ihm gelesen.

Für von Planta, die in England studiert hat und bereits früh mit Irving in Berührung kam, wurde der Wunsch, Lektorin zu werden, von Irving entscheidend geprägt. Von Anfang an hat sie Irvings Talent zutiefst beeindruckt, das bereits zahlreiche Werke wie zum z.B. „Das Hotel New Hampshire“ oder „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ zum Vorschein brachte. Dass von Planta eines Tages zur Lektorin von Irving selbst wird, hätte sie nie zu träumen gewagt.

„Irving rüttelt an den Gitterstäben der Kontingenz.“

Ihre lebendigen und emotional behafteten Beschreibungen von Irvings Schreibstil und seinen Romanen haben mich wirklich mitgerissen. Sie lies den Facettenreichtum dabei nicht unerwähnt, den Irvings Romane aufweisen und die Leser mit einer Bandbreite an Themen konfrontiert, weshalb man sie sowohl als Verwicklungs- als auch als Entwicklungsromane bezeichnen kann.

Der engagierte Irving ist ein Verfechter der Toleranz. Er schreibt über Minderheiten bzw. die Gleichstellung von Minderheiten. Seine Figuren sind meist Suchende, die Irving am Rande der Wahrscheinlichkeit bewegen lässt. Er beginnt seine Romane immer mit dem letzten Satz, von dem aus er sich rückwärts durch die Handlung bewegt und dabei den ganz eigenen Sound der jeweiligen Geschichte findet. Dieser unverwechselbare Irving-Sound haftete auch den Beschreibungen der Lektorin an. Einfach großartig!

3.Workshop: Das Zusammenspiel von Büchern, Hashtags & Social Media
3.Workshop: Ohren auf – über das Vergnügen Hörbuch

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In diesem Workshop gab es allerhand auf die Ohren. Denn Martha Schoknecht aus der Hörbuchabteilung von Diogenes hatte nicht nur allerhand Offenbarungen über ihre liebsten Stimmen, sondern auch eine Reihe an Soundbeispielen für uns parat. Seit acht Jahren versetzt sie gemeinsam mit bekannten Sprechern und Sprecherinnen die Werke des Schweizer Fachverlags zum Leben

„Jedes Buch hat seinen eigenen Charakter, wie jede Stimme seinen eigenen Charakter hat.“

Ähnlich wie beim Soundcheck, bei dem der Diogenes Verlag den passenden Übersetzer für eine Geschichte findet, wird sich auch auf die Suche nach dem passenden Sprecher gemacht. Denn nicht jede Stimme passt zu jeder Geschichte. Der individuelle Sound ist hier entscheidend. Oftmals werden Schauspieler als Sprecher gewählt, weil sie eine abgeschlossene Sprecherausbildung haben und sich dementsprechend geschult ausdrücken können. Die Stimme von Schauspieler Christian Brückner ist hierfür ein gutes Beispiel. Denn die rauchige Whiskeystimme Brückners ist nicht nur unfehlbar der deutschen Synchronstimme Robert De Niros zuzuordnen, sondern auch dem Genre Krimi. Sie untermalt die düstere Atmosphäre eines Krimis perfekt.

„Das Buch selbst gibt die Stimmung wieder, nicht der Sprecher.“

DIMG_6657er Beruf des Sprechers ist eine wirkliche Herausforderung. Denn neben bestimmten Stimmlagen müssen manchmal auch bewusste Sprechpausen eingelegt werden, die spannungserzeugend oder betonend wirken. Fehlerhaft gelesene Passagen können nicht einfach geschnitten oder wahllos aneinandergesetzt werden. Der individuelle Sound einer Stimme ist oft tages- und gemütsabhängig, weshalb die Aufnahmen verschiedener Tage nicht zueinander passen würden. Maximal einzelne Wörter können angepasst werden, wenn sie sich an eine falsche Stelle geschlichen haben.

Der Diogenes Verlag veröffentlicht pro Halbjahr ca. 4-5 Hörbücher. Da die Vertonung eines Romans in der Regel mit sehr hohen Kosten verbunden ist, wird nicht jeder Roman automatisch zum Hörbuch gemacht. Hierüber entscheiden oft das Budget, die Länge eines Romans und auch der Bekanntheitsgrad des Autors. Wir hören u.a. in den von Ulrich Matthes gelesenen Klassiker „Tschechow“ und in den von Burkhart Klaußner gelesenen Fitzgerald-Roman „Diesseits vom Paradies“ rein.

4.Workshop: Books & Co. Auf Instagram
4.Workshop: Lesen, bewerten, empfehlen – wie funktioniert eigentlich ein Bücherblog?

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Mara Giese hat meinen ganzen Respekt verdient. In den letzten sechs Jahren hat sie eine unwahrscheinliche Entwicklung durchlaufen, der sowohl ihren Blog als auch ihre Person reifen hat lassen. Ihr Literaturblog Buzzaldrins Bücher hat 2011 nur wenige Monate später als Nur Lesen ist schöner das Licht der Welt erblickt und kann bereits eine Reichweite und einen Bekanntheitsgrad aufweisen, von der/dem ich nur träumen kann.

Seit ihren Anfängen verfolge ich Maras Beiträge rund um ihre gelesenen Bücher, besuchten Literaturevents und ihre vierbeinigen Lese- und Lebensbegleiter als begeisterte Leserin und Bloggerkollegin. Ihren kürzlich angetretenen Job als Buchhändlerin werde ich mit neugierigem Blick verfolgen.

Maras Tipp um sich sichtbar zu machen: „Macht einfach mal einen auf dicke Hose.“

Ursprünglich geplant war zwar ein ganz anderer Vortrag, der nach einer erneuten Raumüberfüllung in die Lobby verlegt wurde, bereut habe ich den Besuch bei Mara dennoch nicht. Die zehn Tipps, die Mara den Teilnehmern an die Hand gab, gehören nämlich zum täglich Brot einer Literaturbloggerin. Sie sind in meinem Bloggeralltag zwar bereits fest verankert, haben mir aber gewisse Dinge wieder in Erinnerung gerufen und mich zur Selbstreflektion eingeladen.

Ihre Empfehlungen sind außerdem in Form eines Buches, dem „Literaturbloggerbuch“ bei Edel Elements schriftlich festgehalten. Allen Bloggerneulingen sei die Lektüre  daher persönlich ans Herz gelegt.

5.Workshop: 100 Bookshops around the world

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Eine Headline, die bereits im Vorfeld für großes Herzklopfen sorgte! Wer den Torsten noch nicht kennt, sollte sich seine Facebook Fanpage Around the world in 100 Bookshops noch einmal genauer ansehen. Denn der gelernte Buchhändler Torsten Woywood hat das gemacht, wovon viele Buchliebhaber sicherlich träumen. Er hat Wohnung und Job gekündigt, um sich auf eine ganz besondere Reise zu begeben. Und zwar zu den schönsten Buchhandlungen dieser Welt. Na, bist du nun neugierig? Solltest du auch.

IMG_6680Torsten reiste im Workshop erneut mit uns um die Welt. Wir entdeckten den Buchladen Boekhandel Dominicanen in Maastricht, der sich in einer alten Kirche niedergelassen hat; die Livraria Lello in Porto, wo J.K. Rowling wohl ihre Inspiration für Harry Potter fand und in der man nur selten alleine ist; die größte Outdoor-Buchhandlung in den USA, die wunderschöne Historia Literatura Universal in Buenos Aures, die angeblich „schönste Buchhandlung der Welt“ in Venedig oder eine Bücherstadt in Tokyo mit sage und schreibe 180 Buchhandlungen auf kleinstem Raum.

Wer jetzt noch nicht genug Buchhandelstipps gesammelt hat oder einfach noch Lust auf mehr hat, kann sich Torstens literarische Hotspots als Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa: Meine Reise zu den schönsten Bücherorten unseres Kontinents“ (*klick*) oder auch als bibliophiler Wandkalender „Around the world in 100 Bookshops“ (*klick*) nach Hause holen.

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Zu meiner Begeisterung gab es den wunderschönen Wandkalender aus dem Hause DuMont Kalenderverlag als Goodie für alle Teilnehmer des Workshops mit nach Hause! ❤

Begegnungen im Fotobulli

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Mein Resümee

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IMG_6666-01.jpgDie LitBlog Convention hat sich gelohnt. Ich bin um viele Anregungen und Eindrücke reicher wieder nach Hause gefahren. Meine Lieblingsworkshops waren definitiv die über John Irving und Torsten Buchhandelsweltreise. Etwas neidisch bin ich nach wie vor auf die Teilnehmer des Basic Handlettering – Workshops, an dem ich gerne teilgenommen hätte,  um zu sehen, inwieweit das Handlettering auch zu meinem Hobby werden könnte.

Das Einbauen von 20-minütigen Zeitfenstern zwischen den Workshops hat für etwas Luft zum Raumwechsel gesorgt, auch wenn sich mir Raum Greg im dritten Stock auch beim dritten Anlauf noch zu klein präsentierte. Das DSC_0918-01spontane Ausweichen in die Lobby sollte man sich für nächstes Jahr vielleicht als feste Alternative zu Raum Greg im Hinterkopf behalten, um enttäuschte Teilnehmer zu vermeiden. Die feste Mittagspause mit kuchen- und obsttechnischer Verstärkung und der überpünktliche Aufbau des Abendbüffets  hat das Event perfekt abgerundet und selbst die hungrigsten Bloggermäuler gestopft.

Besonders gefreut hat mich sowohl das Wiedersehen mit bekannten und das Kennenlernen von bisher unbekannten Bloggerkollegen als auch mit einer Reihe an Verlagsmitarbeitern, weshalb der Fotobulli für das Festhalten dieser Begegnungen rege zum Einsatz kam. Ich bin ein großer Fan des Fotobullis geworden, der mir bereits zur #fbm16 begegnet ist!

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In love @FotoBulli

Du möchtest noch mehr Eindrücke zur #lbc17 einfangen? Dann schau mal hier:

Bloggertreffen mit Diogenes und Community Editions – Börsenblatt.net

Mein Vortrag auf der LitBlog Convention 2017 – Buzzaldrins Bücher

Aus dem Leben eines Bloggers: Die LitBlog Convention 2017 – whoiskafka

Warum ich 16 Stunden Zug für die LitBlog Convention 2017 gefahren bin – kapriziös

Die 2. LitBlog Convention in Köln – Bücher, Buchmenschen, Tränen und ganz viel Liebe! – literameer

Das war die LitBlog Convention 2017 – dunkelbunt

Unsere Litblogconvention 2017 – Leckere Kekse

#3.1: How to explore „Belgium“ as a booklover: Ghent

Seid gegrüßt meine literarischen Weltenbummler,

lange Zeit hatte ich unseren belgischen Nachbarn nicht auf dem Schirm. Das Königreich, das rund 11,3 Millionen Einwohner aufweist, wurde erst dann für mich interessant, als mich mein Freund in sein Heimatland entführte, das neben exquisiten Pralinés, 1500 eigenen Biersorten und den weltbesten Pommes Frites auch jede Menge literarische Hot Spots für Bibliophile bereithält.

Zugegeben, den engen Bezug zur Literatur, wie wir ihn in Deutschland haben, haben die Belgier nicht. Daher liest man dort in der Regel Bücher englischer, amerikanischer oder französischer Autoren. Die Werke heimischer Autoren und Autorinnen sind spärlich gesät. Viele Kinderbücher, die mir in meiner Kindheit lieb und teuer waren, waren meinem Freund lange Zeit nicht mal ein Begriff. Und ich dachte, dass man an den Büchern von Astrid Lindgren, Michael Ende oder Ottfried Preußler gar nicht vorbeikommen kann. Den Facettenreichtum an Geschichten und die liebevoll illustrierten Bücher, die wir in Deutschland genießen, bleiben den Belgiern daher oftmals verwehrt.

Meine Besuche im belgischen Nachbarland haben mich bisher sowohl nach Gent als auch nach Brügge geführt. Die Hauptstadt Brüssel und Antwerpen blieben vorerst unentdeckt, haben sich aber direkt auf meine Bucket List geschlichen. Heute möchte ich euch von meinen literarischen Entdeckungen aus Gent berichten, während Brügge für den zweiten Teil von „How to explore „Belgium“ as a booklover“ vorgesehen ist.

Ghent – History meets culinary

„Ghent is a city which enjoys itself. It is full of these cafés (which serve beer, wine, spirits, food, and warm drinks), and tea- and coffeeshops, full of museums and theaters (…) bookshops and independent boutiques. Its literary scene happens in and around these hubs, contributing to a sense of gezelligheid, or communal coziness.“

Literary Boroughs, Andrea Marucci, Ploughshares

Gent ist nach Antwerpen die zweitgrößte Stadt in Flandern und zugleich die Hauptstadt der belgischen Provinz Ostflandern. Was mich beim Spaziergang durch die zahlreichen Gässchen auf Anhieb entzückte, ist der historische mittelalterliche Charme, der an den zahlreichen, liebevoll aneinandergekuschelten Häuserfassaden der Altstadt haftet.

Der zweite Blick fällt dann auf die schier grenzenlosen Chocolaterien, Restaurants und Bars, weshalb einem irgendwie das Gefühl überkommt, die Belgier geben sich der meisten Zeit ihres Daseins dem Frönen hin. Ob es sich dabei um das Stillen des Hungers oder des Durstes handelt, scheint egal. Ihre Delikatessen (zu dem irgendwie alles gezählt wird, was kalorienbehaftet ist) sind den Belgiern heilig!

 

 

 

Besonders reizvoll ist ein Spaziergang an der Leie entlang, die den Innenstadtkern liebevoll umspült und zahlreiche Boote voller Touristen und Kanufahrern durch die Stadt trägt.

Dabei dringen Sprachfetzen flämischer als auch internationaler Konversationen an dein Ohr und umhüllen dich von lauschigem Wohlbefinden.

 

Gent und seine literarischen Kinder

In der niederländischsprachigen Kultur nimmt Gent einen wichtigen Platz ein. Es gibt eine Reihe an Autoren, Dichtern und Chronisten aus der Stadt, wie z.B. Lucas d’Heere, Carel van Mander und Dathenus. Nach der Reformation verfiel nicht nur die Stadt, sondern geriet auch das literarische Leben Gents jahrhundertelang in Vergessenheit. Erst nach 1830 machte sich Gent auf literarischem Gebiet mithilfe von Autoren wie z.B. Karel Van de Woestijne, Hippoliet Van Peene und Cyriel Bysse wieder einen Namen.

Sehenswürdigkeiten

Leider scheint die Stadt kein wirklicher Drehort für Geschichten, Gedichte oder Filme englischsprachiger Literatur zu sein. Dennoch entdeckt man an einigen Stellen lyrische Bezugspunkte zu Architekten, Dichtern und Autoren der Genter Stadtgeschichte.

So offenbaren sich dem aufmerksamen Beobachter an vielen Häuserfassaden, Giebeln oder Oberflächen Zitate, Gedichte oder Motive unterschiedlichster Art.

Watch out!

 

Buchhandlungen

Mein Freund hat mir schon im Vorfeld angekündigt, dass es für mich nur wenige Buchhandlungen zu entdecken gibt. Nach intensiver Recherche musste ich ihm zustimmen, konnte dafür aber ein paar außergewöhnlich schöne literarische Oasen aufspüren, die durch ihre Besonderheit die geringe Anzahl mehr als wett machen. Qualität statt Quantität scheint hier die Devise!

Boekhandel Paard Van Troje
Kouter 113, 9000 Gent

Diese entzückende Buchhandlung existiert seit 2003 und wurde zu den schönsten Buchhandlungen Europas nominiert. Hier findet man nicht nur liebevoll in Szene gesetzte Bücher (englischer, niederländischer oder französischer Abstammung) und schwer zu ergatternde Sonderausgaben, sondern auch ein süßes Café, in dem man sich dem neu erstandenen Bücherjuwel bei Kaffee & Kuchen vollends widmen kann.

Bei schönem Wetter laden die Tische direkt vor dem Laden dazu ein, sich von der Sonne die Nase kitzeln zu lassen, während man bei kühleren Temperaturen sich in den vorderen Teil des Ladens an einen der rund zehn Tische zurückzieht.

Paard van Troje ist wirklich ein ganz besonderes Buchhandelsjuwel.

Die Liebe zur Literatur ist hier in allen Ecken spürbar. Ein wunderbares Zitat am Fenster lockt selbst die hartnäckigsten Zweifler in dieses herrliche Kleinod, das sie wenig später mit einem neuen Buch ausspuckt.

„Book collecting is an obsession, an occuption, a disease, an addiction, a fascination, a fat. It is not a hobby.“

Im hinteren Teil des Ladens gibt es eine riesige Kinderbuchabteilung, in der ich so manches liebgewonnene Kinderbuch auf niederländisch bestaunte, während direkt gegenüber der Kasse zahlreiche Kochbücher ihren Platz einnehmen und um deine Aufmerksamkeit winseln.

The English Bookshop
Ajuinlei 15, 9000 Gent

Es ist ein kleines, über und über mit alten Büchern versehendes Antiquariat, das direkt neben dem Kanal zu finden ist und dich mit seinem papierenden staubigen Duft empfängt. Der Besitzer ist ein älteres britisches Modell, der sich in seinem bunten Sammelsurium perfekt auszukennen scheint, auch wenn es sich für dich keiner wirklich einleuchtenden Logik unterzieht. Er weiß, wenn er ein ganz bestimmtes Buch da hat und wo es zu finden ist. Seine handschriftlichen Hinweisschilder geben oft nur eine wage Richtung der dahinter angesiedelten Bücher an. Oft sagen sie gar nicht aus, wie lang sich das jeweilige Genre erstreckt. Es lohnt sich daher von seinem Spürsinn Gebrauch zu machen, als stundenlang selbst zu suchen.

 

Boekhandel Limerick
Koningin Elisabethlaan 142, 9000 Gent

Diese Buchhandlung ist direkt neben dem Bahnhof Sint-Pieters zu finden. Sie beherbergt eine Vielzahl an niederländischen, französischen, deutschen und englischen Büchern unterschiedlicher Genres. Sie ist perfekt für Bibliophile auf dem Sprung. Hier kannst du dir auf den letzten Drücker eine Reiselektüre besorgen, bevor du zur Bahn hechtest. Schließlich muss der Lesestoff für unterwegs gesichert sein!

Flohmärkte

GENTSE BOEKENMARKT
Ajuinlei, Gent

Jeden Sonntag findet direkt am Kanal ein Bücherflohmarkt statt, an dem sich zahlreiche Bücher in Kisten und Regalen übereinanderstapeln und bücherhungrige Besucher zu sich locken. Leider sind hier hauptsächlich niederländische Bücher zu finden. Manchmal mischen sich jedoch auch englische Werke unters Volk.

Alternative Ghent – festivals & street art

Gentse Feesten

Dieser Festivaltipp fällt aus der literarischen Klammer, sollte aber im Rahmen eines Sommer-Besuches unbedingt miteingeplant werden. Denn das kostenlose zehntägige Straßen-, Musik- und Kulturfestival, das im Juli die ganze Innenstadt bis in die späte Nacht mit Leben erfüllt, ist absolut sehenswert! Es zählt zu einem der größten Volksfeste Europas und lässt dich von Musik und landestypischem Bier berauscht, durch die Gässchen von Gent torkeln und das Leben feiern! Ich hab mich auf Anhieb verliebt!

Graffiti Street
Werregarenstraat, 9000 Gent

 

Halte deine Kamera bereit!

Denn die Werrengarenstraat ist bunt, frech und abwechslungsreich. Ihr Look ist einem ständigen Veränderungsprozess unterlegen. Denn hier sind Straßenkünstler nicht nur willkommen, sondern werden ausdrücklich dazu aufgefordert, die Hauswände mit ihrem künstlerischen Stempel zu versehen. Ein Spaziergang durch das schmale lange Gässchen ist daher sehr empfehlenswert!

 

 

Liest du noch oder planst du schon? Ab nach Gent mit dir!

#2: How to explore „England“ as a booklover: London


London, Baby!

Wer bereits in Englands Hauptstadt war, wird nachvollziehen können, warum ich von unseren Zwischenaufenthalt im letzten Sommer so begeistert war. Man kann die Stadt einfach nur lieben. Sie ist kunterbunt, quirlig & modern. Zahlreiche Parks und satte Wiesn laden zum Verweilen ein, die bunten Schaufenster locken mit entzückender Ware und die britische Teatime lädt zur traditionellen Ruhepause mit Tee, Scones und einem guten Buch ein.

Bereits zum zweiten Mal bin ich hier schon gestrandet, in der wunderschönen Stadt an der Themse, und habe mich auf Anhieb wohlgefühlt. Auch das Lesen wird hier großgeschrieben. Das merkt man spätestens, wenn man die zahlreichen Leser in London Underground, die liebevoll arrangierten Schaufenster der Buchläden oder die zahlreichen Bibliotheken und Museen mit literarischem Bezug entdeckt.

London opens to you like a novel itself. […] It is divided into chapters, the chapters into scenes, the scenes into sentences; it opens to you like a series of rooms, door, passage, door. Mayfair to Piccadilly to Soho to the Strand.

Anna Quindlen, “Imagined London”

Daher haben sich zahlreiche Eindrücke angesammelt, die es erstmal zu sortieren galt und die ich euch heute präsentiere. Es ist nur ein Bruchteil dessen, was die Weltstadt zu bieten hat und dennoch schon eine Reise nach Großbritannien wert!

Have fun, folks!

Entspannte Lesezeit im Hyde Park

Sehenswürdigkeiten

Bahnhof King’s Cross

In Sachen Harry Potter ist die King’s Cross Station ein Muss. Schließlich ist die Haupthalle des Bahnhofs in J.K. Rowlings Romanreihe Harry Potter Ausgangspunkt des Hogwarts-Express, der am für Muggel verborgenen Gleis 9¾ startet. In der Realität liegen die Gleise 9 und 10 in einem Nebengebäude des Bahnhofs und es gibt gar keine Wand zwischen ihnen.

Für Harry Potter – Fans wurde dennoch eine Beschriftung namens „Platform 9¾“ an der Mauer zwischen Gleis 4 und 5 angebracht. Links neben ihr ist auch ein Harry Potter Merchandise Shop zu finden, der zu meinem Bedauern nur sehr klein ist und zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes maßlos überfüllt war. Alleine für einen Schnappschuss mit dem halb in der Mauer verschwundenen Kofferwagen musste man sich in die schier endlose Schlange an wartenden Fans einreihen.

Wir haben uns deshalb nur kurz durch den Laden gedrängelt und uns den persönlichen Schnappschuss mit dem halben Kofferwagen verkniffen. So what?

Charing Cross Road

©Bart‘s Bookshelf

Am Cambridge Circus, besser gesagt an der 84, Charing Cross Road gründeten Benjamin Marks und Mark Cohen 1920 ein Antiquariat namens Marks & Co, das weltweiten Bekanntheitsgrad erlangte. Grund dafür war der als Buch veröffentlichte Briefwechsel zwischen der amerikanischen Schriftstellerin Helene Hanff und dem Londoner Buchhändler Frank Doel, der auch in meinem Bücherregal zu finden ist.

Meine Zeilen über eine besondere Freundschaft in Briefen

Helene Hanff – 84, Charing Cross Road

Das Antiquariat diente nicht nur Hanffs Buch 84, Charing Cross Road sondern auch der späteren Verfilmung mit dem Titel Zwischen den Zeilen mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins in der Hauptrolle als Inspiration. Heute erinnert leider nur noch eine Gedenktafel an der Außenfassade an Marks & Co., das bereits 1970 nach dem Tod von Buchhändler Doel schloss. Als Hanff 1971 die Charing Cross Road besuchte, kam sie bereits zu spät, um ihren Brieffreund persönlich kennenzulernen. Sie fand leider nur noch ein leerstehendes Gebäude vor. Ihre Gedanken während ihrer Reise hielt sie in ihrem Roman The Duchess of Bloomsbury Street fest.

Nachdem die Charing Cross Road mehrere Veränderungen durchlief, sind heute wieder zahlreiche Buchläden dort angesiedelt. Unter anderem findet ihr dort Borders, Blackwell’s und Foyles. Foyles zählt schon seit Jahren zu den literarischen Must Sees. Schließlich erstreckt sich der Verkaufsraum der Traditionsbuchhandlung über fünf riesige Stockwerke und ein unglaubliches Sortiment.

Palace Theatre

Schräg gegenüber des ursprünglichen Antiquariats Marks & Co. trifft man auf ein beeindruckendes rotes Backsteingebäude, das nichts Geringeres als das Palace Theatre beherbergt. Es hat sich mir schon mit unterschiedlichen Theaterstücken präsentiert (u.a. Monty Python`s Spamalot).

Zum Zeitpunkt unseres Sommer-Aufenthaltes wurde bereits J.K. Rowlings Harry Potter & The Cursed Child groß angekündigt, dessen Start unmittelbar bevor stand. Die Tickets waren bereits Monate im Voraus ausverkauft. Ich bin mir aber sicher, dass ich es noch in diesem Leben schaffe, zwei der 1400 begehrten Sitzplätze des Theaters zu ergattern!

Museen

Charles Dickens Museum

48 Doughty Street, WC1N 2LX

Es ist ein entzückendes georgisches Reihenhaus im Herzen von Bloomsbury, in dem Schriftsteller Charles Dickens mit seiner Familie von 1837-1839 gewohnt hat. Die türkise Eingangstür nebst gleichfarbigem Museumsschild zieht schon von weitem neugierige Blicke auf sich. Hier sind Oliver Twist, Pickwick Papers und Nicholas Nickleby entstanden und haben Dickens zur internationalen Anerkennung als einer der weltweit bedeutendsten Schriftsteller verholfen.

Charles Dickens Museum Garden Café ©Charles Dickens Museum

Ein Besuch im Garden Cafe des Museums eignet sich besonders gut, um die British Teatime stilvoll zu zelebrieren. Es ist eine kleine Wohlfühloase.

Charles Dickens Museum & Garden Café

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr

British Library

96 Euston Rd, Kings Cross, NW1 2DB

Die British Library ist eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt. Sie beherbergt über 170 Millionen Werke und besitzt damit den weltweit größten Medienbestand aller Bibliotheken. Sie sammelt Bücher aus allen Zeiten, Ländern und Sprachen und verwahrt neben ihnen auch ein kunterbuntes Sammelsurium an Zeitungen, Broschüren, Karten, Briefmarken etc.

1973 wurde sie mit der British Museum Library und einiger weiterer Bibliotheken zusammengelegt und muss jeweils ein Pflichtexemplar aller in Großbritannien, Nordirland und der Republik Irland gedruckten Bücher enthalten. Sie beherbergt nicht nur einen facettenreichen Bestand, sondern auch haushohe Bücherregale und den beeindruckenden British Museum Reading Room. Allein das Eingangstor ist ein Blickfang!

British Library

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag 9:30 – 20 uhr

Freitag 9:30 – 18 Uhr

Samstag 9:30 – 17 Uhr

Sonntag 11 – 17 Uhr

Buchläden

London beherbergt zahlreiche Buchläden, die es sich aufzusuchen lohnt, die man bei einem einzigen Aufenthalt aber niemals unter einen Hut bringen kann! Auch ich hab nur einen Bruchteil dessen gesehen, was London buchhandelstechnisch so drauf hat. Dennoch möchte ich euch heute ein paar erste Empfehlungen mit auf den Weg geben.

Es wird sicherlich nicht bei meinen zwei London-Aufenthalten bleiben und für Tipps & Empfehlungen von euch bin ich natürlich sehr dankbar! Ansonsten solltet ihr die nachfolgenden Buchläden bei eurem nächsten City Trip nach London unbedingt einplanen. Manche von ihnen beherbergen ungeahnte Überraschungen.

Waterstones

39-41 Notting Hill Gate, W11 3JQ

Es ist der Art Buchladen, den man sich in der eigenen Nachbarschaft wünscht. Ein Waterstones wie man ihn kennt und liebt, inklusive liebevoller Schaufensterdekoration und freundlichem Personal. Neben der Filiale in Notting Hill findet man noch vier weitere in London, zwei in Piccadilly, einen in Kensington und einen in Chelsea.

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 9 – 19:30 Uhr

Samstag 9:30 -19:00 Uhr

Sonntag 12 – 18 Uhr

London Review Book & Cake Shop

14 Bury Place, WC1A 2JL

Es gibt Orte, da fühlt man sich auf Anhieb wohl. Der London Review Book & Cake Shop ist einer davon. Es gibt dort Bücher & Kuchen. Muss ich noch mehr sagen?

Spätestens wenn man die entzückende Außenfassade des London Review Book & Cake Shop im Stadtteil Bloomsbury erblickt, muss man einen Blick in das Innere wagen. Die Buchhandlung mit anschließendem Café hatte ich bereits lange im Voraus auf meiner Bucketlist stehen. Ich glaube spätestens nach dem dritten Instagram-Foto hatte ich das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich nicht mindestens einmal hier war. Gesagt, getan. Ich denke, die Bilder sprechen für sich.

Übrigens, einen Tipp für den besten Kuchen kann ich leider nicht abgeben, da die Sitzplätze im Café bei unserem Aufenthalt leider restlos besetzt waren und ich mich damit begnügen musste, im Buchladen zu stöbern. Was ich aber habe, ist eine Buchempfehlung. Denn beim Stöbern habe ich ein sehr interessantes Buch in die Finger bekommen, dass ich bibliophilen London-Liebhabern unbedingt ans Herz legen möchte. Denn es beherbergt weitaus mehr literarische Plätze in London, als man sie bei zwei London-Trips entdecken kann.

Book Lovers‘ London, Salmon and Moth

London Review Bookshop

Öffnungszeiten

Montag bis Samstag 10 — 18:30 Uhr

Sonntag 12 — 18:00 Uhr

Books for cooks – the cookbook shop

4 Blenheim Cres, Notting Hill, W11 1NN

„WALK into Books For Cooks. It smells good. You look around. You see shelves crammed with books reaching from floor to ceiling, central tables piled high with yet more books, and you marvel – are all these books really cookbooks? Then, at the back of the shop, you spot the kitchen from which those appetising aromas exude. There is cookery in the air as well as on the shelves of this bookshop. Once discovered, food lovers wonder how they ever survived before Books For Cooks!“

Books for Cooks

Mal ganz ehrlich, kann man solchen Zeilen widerstehen? Meines Erachtens ja nicht. Erst recht nicht, wenn man eine Vorliebe für Kochbücher hat und leidenschaftlich gerne kocht. Daher sollte man sich einen Besuch in dem wohlriechenden Buchladen nicht entgehen lassen. Sagt Bescheid, welche Duftnote ihr bei eurem Besuch vernommen habt.

Neben den Büchern findet ihr hier übrigens eine kleine Testküche, die sich zwischen die Bücherregale gequetscht hat. In ihr werden jeden Tag Gerichte mit den Rezepten aus den Kochbüchern im Regal und frischen Zutaten vom Portobello Road Market zubereitet, die man im Laden verzehren kann.

Books for Cooks

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag 10 – 18 Uhr

Notting Hill Bookshop

13 Blenheim Crescent, W11 2EE

Ja, zugegeben, es ist ein touristischer Hot Spot und gefühlt jeder Buchliebhaber, der 2011 Notting Hill (mit Hugh Grant und Julia Roberts in der Hauptrolle) gesehen hat, hat diesen Buchladen bereits besucht. Trotz des touristischen Booms lohnt sich der Besuch in diesem entzückenden Buchladen im Stadtteil Notting Hill aber immer wieder, nicht nur wegen des großen Sortiments an Reiselektüre und reizenden Kinderbüchern.

Irgendwie meint man die Prise Hollywood, die ihm anhaftet, noch immer zu spüren.  Und mal ganz ehrlich, haben diese kleinen Buchläden mit abgenutztem Holzfußboden nicht irgendwie auch ihren ganz besonderen Charme? Zahlreiche Füße sind bereits darüber geschlendert. Und wer weiß, wem man bei seinem Besuch begegnet.

©Notting Hill Bookshop

The Notting Hill Bookshop

Öffnungszeiten

Montag bis Samstag 9 – 19 Uhr

Sonntag 10 – 18 Uhr

Ihr vermisst einen Buchladen oder literarischen Insidertipp, den ihr mir unbedingt ans Herz legen wollt? Na dann nichts wie ab damit in die Kommentarspalte.

Mein bibliophiles Herz freut sich über jedes hilfreiche Feedback, um euch die literarischen Reiseberichte noch lebendiger zu gestalten! Tausend Dank!

6 Jahre „Nur Lesen ist schöner“ + Gewinnspiel

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In der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2011 hat “Nur Lesen ist schöner” das Licht der Welt erblickt. Was als virtuelle Gedankenbibliothek entstand, ist mittlerweile zu einer lebendigen Kommunikationsplattform gewachsen, auf die begeisterte Leser aus der ganzen Welt gespült werden.

Sicher zählt mein Blog aufgrund seiner Reichweite nicht zu den populärsten Literaturblogs in Deutschland, auf die über 40.000 Aufrufe bin ich dennoch stolz. „Nur Lesen ist schöner“ ist zu einem leidenschaftlichen Hobby von mir geworden, dem ich auch weiterhin voller Begeisterung nachgehen werde.

Während sich einige Bloggerkollegen aufgrund der immensen Beanspruchung von Zeit und Energie, des wachsenden Drucks und möglicherweise entstandenen Lese- und Schreibflauten, für eine krafttankende Bloggerauszeit entscheiden, wird „Nur Lesen ist schöner“ auch weiterhin verfügbar sein.

Die Häufigkeit meiner Beiträge wird sich nach der Anzahl der gelesenen Bücher und der verfügbaren Zeit richten, allerdings möchte ich 2017 „Nur Lesen ist schöner“ ein professionelleres Gewand schenken. Ich werde mich auf einigen Veranstaltungen, wie z.B. dem Literaturcamp Heidelberg umschauen und mir Tipps und Tricks einholen, wie sich mein Vorsatz in die Tat umsetzen lässt. Wer hier hilfreiche Anregungen auf Lager hat, ist herzlich dazu eingeladen, sie loszuwerden.

Die letzten sechs Blogjahre haben mir eine Reihe an Begegnungen geschenkt. Viele Bloggerkollegen, Verlagsmitarbeiter, AutorINNen und treue Leser kenne ich mittlerweile persönlich und sind zu persönlichen Herzensmenschen geworden. Euch allen habe ich die Fülle an persönlichen Lieblingsmomenten in meinem Leben zu verdanken!

Neben der Kategorie #kinderfreuden, in der ich Kinderbücher aus großen und kleinen Augen vorstelle, hat sich im letzten Jahr „How to explore xxx as a booklover“ dazugesellt. Hier werde ich fortan von meinen literarischen Roadtrips erzählen und die schönsten Entdeckungen mit euch teilen. Der von Sandro Abbate  initiierte Aufruf #warumichlese, an dem ich mich neben zahlreichen Bloggerkollegen zu den Ursprüngen meines Lesens geäußert habe, wird im März 2017 in einer Anthologie im homunculus verlag münden. Die Anthologie wird 40 Liebeserklärungen an die Literatur beherbergen und meine wird eine davon sein.

Heute möchte ich euch allen DANKE sagen. Danke für die zahlreichen Fußspuren, die ihr auf meinem Blog hinterlasst, für jedes Like, jeden Kommentar und jede Email, das/den/die ihr auf den Weg sendet. Für euren Zuspruch, eure zahlreichen Tipps und all den Rest. Ihr alle habt „Nur Lesen ist schöner“ zu dem gemacht, was es heute ist!

Gewinnspiel

Als Dank für eure Treue, möchte ich euch heute eine Freude machen. Mich haben letztes Jahr zwei Exemplare von „Das Buch vom Meer“ (Morten A. Strøksnes) aus dem DVA Verlag erreicht. Die Geschichte katapultierte mich direkt in das Schlauchboot zweier Freunde, die im Nordatlantik einen Eishai fangen wollen. Es ist ein Sehnsuchtsbuch, eines das dich Naturgewalten spüren lässt und sich dir wie eine lebendige Enzyklopädie des Meeres begegnen wird. Und genau deshalb möchte ich heute eines der Bücher unter euch verlosen.

das-buch-vom-meer

Hinterlasst bis zum 24. Februar 2017 einen Kommentar unter diesem Beitrag und lasst mich an euren kreativen Beiträgen zum Meer teilhaben. Reimt, singt und schreibt was das Zeug hält.

Den Gewinner bzw. die Gewinnerin werde ich in einem separaten Beitrag bekannt geben.

Danke, dass es euch gibt.