Zu Besuch im bibliophilen Schloss

Das ehemalige Jagdschloss Blutenburg im Münchner Stadtteil Obermenzing ist sicher vielen Ortsansässigen ein Begriff. Das malerisch gelegene Schloss, das im Westen von der Würm umflossen wird und in eine idyllische Szenerie eingebettet ist, ist für private Feierlichkeiten und Lesungen sehr beliebt. Doch dass das Schloss auch bibliophile Wesenszüge aufweist, war mir bislang nicht bekannt. Umso schöner war es, dass ich diese Seite des Schlosses im Rahmen eines exklusiven Bloggerrundgangs vergangenen Freitag kennenlernen durfte. Heute möchte ich euch ein paar Impressionen dieses Rundgangs mit auf den Weg geben.

Die Internationale Jugendbibliothek

Seit 1983 hat die Internationale Jugendbibliothek ihren Sitz im Münchner Schloss Blutenburg. Die 1949 von Jella Lepman eröffnete Bibliothek, die anfangs ihren Sitz in der Kaulbachstraße 11a in der Münchner Maxvorstadt hatte, ist weltweit die größte Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie umfasst eine Sammlung von über 650.000 Bücher in etwa 250 Sprachen aus sechs Jahrhunderten.

Gegründet vor dem Hintergrund von Nationalsozialismus und Krieg, nahm sie von Beginn an die Rolle einer weltoffenen Insel für Kinder und Jugendliche ein. Durch die internationalen Kinder- und Jugendbücher sollte eine Brücke in eine lange als fremd und feindlich erachtete Welt geschlagen und Kinder zu Frieden und Toleranz erzogen werden. Dieser Mission geht die Internationale Jugendbibliothek bis heute nach. Jella Jepmans literarisches Vermächtnis trägt deshalb wohl auch den Titel Die Kinderbuchbrücke.

Die Internationale Jugendbibliothek versteht sich heute als ein Zentrum für internationale Kinder- und Jugendliteratur, weshalb sie ihr mit einem Programm von Ausstellungen, Lesungen, Werkstattgesprächen, Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Fortbildungen der internationalen Kinder- und Jugendliteratur ein Forum gibt.

In den unterschiedlichsten Lesemuseen können sich kleine und große Besucher*innen verschiedensten Inhalten annehmen. Auf dem Gelände des Schlosses sind deshalb neben der entzückenden Kinderbibliothek das Michael-Ende-Museum, der James-Krüss-Turm, das Erich-Kästner-Zimmer und das Binette-Schroeder-Kabinett zu finden. Alle zwei Jahre richtet die Internationale Jugendbibliothek das White Ravens Festival aus. Seit 2013 wird der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur vergeben.

Aufgrund der limitierten Zeit unseres exklusiven Bloggerrundgangs hatten wir nicht die Möglichkeit das ganze Schlossgelände zu erkunden. Nachstehend gebe ich euch einen kleinen Einblick in die besuchten Schauplätze unseres Rundgangs.

Eine Bücherempfehlung

„Die Kinderbuchbrücke“ von Jella Lepman

1964 erstmals erschienen, 2020 neu aufgelegt

Verlag: ‎ Verlag Antje Kunstmann

Gebundene Ausgabe: ‎ 280 Seiten

ISBN: ‎ 978-3956143922

303 Seiten

Preis: 25,00 EUR

 

„In den Katakomben“ des Schlosses – das Magazin

Direkt unter der großen Linde des Innenhofs liegt es verborgen, das Magazin der Internationalen Jugendbibliothek. Wir hatten das große Glück an diesem Nachmittag in die unterirdischen Tiefen des Schlosses vordringen zu dürfen, die im Normalfall nur ausgewählten Wissenschaftlern aus dem In-  und Ausland für Studien zugänglich sind.

Mit großen Filzpantoffeln an den Füßen schlurften wir also dem Bücherhimmel entgegen und beim Anblick der vielen Bücherregale verschlug es uns den Atem. Das lag zum einen an der papierenen Luft die uns dort entgegenschlug, zum anderen an dem immensen Bücherbestand, dem wir ins Auge blickten. Fakt ist, jeder Einzelne von uns hätte diesen Raum nicht freiwillig wieder verlassen. Die Bibliothekarin, die uns nicht nur viel Wissenswertes lieferte und einzelne Schätze aus den Regalreihen näher betrachten ließ, wies uns auch auf kleine liebevolle Details hin, wie z.B. die zarten Blattabdrücke einzelner Lindenblätter, die sich von der großen Linde des Innenhofs in die Decke des Magazins verirrt haben.

Der Großteil der 650.000 Bücher aus dem Präsenzbestand der Internationalen Jugendbibliothek liegt also im unterirdischen Magazin. Unter den 250 Sprachen der Bücher dominiert Deutschland, gefolgt von der USA, Frankreich, England und Spanien. An zehnter Stelle liegt Japan und wartet zu meiner Überraschung mit einigen sehr hübschen Pop-Up-Büchern auf, die von den kitschigen Ausgaben, die mir bislang untergekommen sind, deutlich abweichen. Die Sammlung des Magazins umfasst Bücher aus den Jahren 1949 bis 2018. Aufgrund des limitierten Platzes werden alle Bücher, die ab 2019 erschienen sind, im Außenmagazin in Puchheim gelagert. Alle Bücher stammen ausschließlich aus Spenden und werden vor der Einsortierung von den Lektor*innen der jeweiligen Ländersprache gesichtet. Wer ein Buch näher ansehen möchte, muss es vorbestellen. Im Studiensaal darf man sich den ausgewählten Büchern auch näher widmen, mit nach Hause nehmen darf man sie aber nicht. Einige Bücher mit nationalsozialistischem Hintergrund bleiben dem Publikumsverkehr sogar verwehrt.

Und so konnte ich ganz unverhofft nicht nur ein paar Meter Astrid Lindgren – Werke, sondern auch polnische Werke Michael Endes, amerikanische Eragons und eine alte englische Ausgabe von Elsa Beskows Wichtelkindern („Children of the forest“) bestaunen.

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Ausstellungen

Migrations – Postkarten von Künstlern aus aller Welt

Temporär oder endgültig, freiwillig oder gezwungen: Migration hat viele Facetten. Auf der Suche nach Freiheit, Sicherheit und besseren Lebensbedingungen verlassen viele Menschen ihre vertraute Heimat und wagen eine oft gefährliche Reise ins Ungewisse, um für sich selbst und ihre Familien eine lebenswerte Zukunft zu finden.

Auf Anregung des International Centre for the Picture Book in Society (ICPBS) der University of Worcester in England haben Illustratoren und Illustratorinnen aus aller Welt Postkarten zum Thema Migration entworfen, um Solidarität mit den Hunderttausenden Menschen zu zeigen, die sich in der heutigen Zeit solch gewaltigen Gefahren stellen.

Bisher sind über 300 Postkarten entstanden, die eine breite Palette an Stilen und Stimmungen zeigen. Mal abstrakt, mal realistisch, witzig oder berührend, überraschend oder nachdenklich, und begleitet von kurzen, sehr persönlichen Texten, setzen sich Isol (Argentinien), Marie-Louise Gay (Kanada), Chris Riddell (GB), Stian Hole (Norwegen), Shaun Tan (Australien), Axel Scheffler (Deutschland/GB) und viele weitere Künstler und Künstlerinnen mit dem aktuellen Thema auseinander.

Die Schätze, die dem Team des ICPBS seit 2017 „zugeflogen“ sind, wurden bereits in mehreren Ländern ausgestellt. In der Wehrgang-Galerie der Internationalen Jugendbibliothek werden nicht nur Reproduktionen aller Postkarten gezeigt, es sind auch internationale Bilderbücher, Sachbücher und Graphic Novels aus der eigenen Sammlung zu sehen. Außerdem haben, eigens für die Münchner Ausstellung, zehn Illustratoren und Illustratorinnen kurze Videoclips erstellt, in denen sie ihre Gedanken zum Thema teilen.

Quelle: Internationale Jugendbiliothek

Mich hat die wunderbare Inszenierung dieser Ausstellung sehr beeindruckt und ich war sehr erfreut, dort auch einzelne Illustrationen der Illustratorin Francesca Sanna aus dem Bilderbuch „Die Flucht“ wiedergefunden zu haben, das für mich seit jeher zu den beeindruckendsten Werken zum Thema Flucht und Migration gehört. Leider war die Ausstellung nur bis zum Wochenende in der Wehrgang-Galerie installiert. Gerne hätte ich mich den persönlichen Texten der vielen Postkarten und insbesondere den dazu passenden Kinderbuchempfehlungen der Bibliothek im Nachgang noch einmal persönlich angenommen.

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Schurken, Hexen, üble Gestalten. Bösewichte in der internationalen Kinder- und Jugendliteratur

Kein packender Roman, kein spannendes Märchen kommt ohne üble Gegenspieler aus, die die Helden der Geschichten und die Leser das Fürchten lehren. Welche Rolle spielen diese teils schillernden Gestalten in den Geschichten? Was repräsentieren sie? Was macht ihre Faszination, vielleicht sogar ihren Charme aus? Diesen und anderen Fragen geht diese Ausstellung mit zahlreichen Beispielen aus der internationalen Kinder- und Jugendliteratur nach.

Kein packender Roman, kein spannendes Märchen kommt ohne üble Gegenspieler aus, die die Helden der Geschichten und die Leser das Fürchten lehren: Hexen und Zauberer, Räuber, Piraten und Tyrannen, Rumpelstilzchen und der böse Wolf, die eiskalte Schneekönigin, der hartherzige Scrooge oder der haarige Grinch bei H. C. Andersen, Charles Dickens und Dr. Seuss. Nicht zu vergessen schreckenerregende Fantasy-Gestalten wie Sauron im „Herrn der Ringe“ und „der, dessen Name nicht genannt werden darf“ in den „Harry-Potter“-Romanen..

Sie sind niederträchtig, gefährlich, grausam und heimtückisch, sie schaden anderen, stören die gewohnte Ordnung oder zerstören sie sogar. Dennoch sind sie nicht immer ausschließlich „böse“. Häufig handelt es sich um vielschichtige Persönlichkeiten, die wie viele Helden im Verlauf der Geschichte Widersprüche offenbaren. Manche wechseln die Seiten oder wandeln sich sogar zum Guten. Die Leser verfolgen das Handeln solcher Figuren fasziniert und nicht selten mit einem wohligen Schaudern. Manchmal empfinden sie sogar eine gewisse Sympathie für sie und bewundern sie insgeheim.

Welche Rolle spielen diese schillernden Gestalten in den Geschichten? Was repräsentieren sie? Was macht ihre Faszination, vielleicht sogar ihren Charme aus? Diesen und anderen Fragen geht diese Ausstellung mit zahlreichen Beispielen aus der internationalen Kinder- und Jugendliteratur nach.

Quelle: Internationale Jugendbiliothek

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Kinder malen sich selbst

Wie sehen Kinder sich selbst in Corona-Zeiten? Womit beschäftigen sie sich? Welche Ängste und Träume haben sie? Wie hat der Ausnahmezustand das Leben der Kinder und Jugendlichen verändert? In den vergangenen Monaten hat die Internationale Jugendbibliothek Kinder aus aller Welt eingeladen, sich selbst in dieser Zeit zu porträtieren.  Aus insgesamt 42 Ländern, von allen Kontinenten, haben Kinder und Jugendliche ihre Selbstbildnisse geschickt. Insgesamt sind weit über 800 Bilder eingegangen, u.a. aus Frankreich, Italien, Armenien, der Ukraine, dem Iran, Japan, Sri Lanka, Venezuela, der Dominikanischen Republik, den USA, u.v.m.

Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren zeigen ihr Gesicht: einige grau und verängstigt, andere farbenfroh und munter, mal mit Atemmaske, mal ohne – meistens mit wachen Augen.

Quelle: Internationale Jugendbibliothek

Binette-Schroeder-Kabinett

Binette Schroeders Bilderbücher gehören wohl zum großen Kanon internationaler Kinderliteratur. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis zu meinem Besuch im bezaubernden Binette-Schroeder-Kabinett noch nie von der Künstlerin gehört habe, die bereits seit über 50 Jahren zarte magische Bilderbuchwelten schafft und mit ihren Bilderbüchern seit jeher beim Nord Süd Verlag beheimatet ist. Es sind Werke wie „Lupinchen“, „Laura“, „Münchhausen“ oder der „Froschkönig, die man in dieser Ausstellung bestaunen und künstlerisch verwoben betrachten kann.

In ihren traumschönen Bildern voller magisch rätselhafter Landschaften, Figuren und Gegenständen kann mich sich regelrecht verlieren. Das Kabinett lädt einen förmlich dazu ein, in den Bücherkosmos der Künstlerin einzutauchen. Es entzückt große und kleine Besucher*innen mit wunderlichen Möbeln, skurrilen Objekten, spielerisch eingerichteten Vitrinen und einem kleinen mechanischen Theater, das sich hinter einer kleinen Holztüre verbirgt und deren Szenerie ich mir stundenlang hätte anschauen können.

Anlässlich des Erscheinens ihres neuen Bilderbuchs „Herr Grau & Frieda Fröhlich“ lädt die Internationale Jugendbibliothek am 12. Oktober 2021 um 19 Uhr zu einem Abend mit Binette Schroeder im Jella-Lepman-Saal ein.  Anmeldungen per Email sind erbeten.

Nähere Informationen findet ihr hier.

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Erich-Kästner-Zimmer

Noch so ein Zimmer, in das wir nur im Rahmen unseres Rundgangs einen kurzen Blick erhaschen konnten, war das Erich-Kästner-Zimmer.

Ein kleines feines Zimmer mit einigen persönlichen Möbelstücken und ca. 500 Büchern aus Kästners Privatbesitz. Aufgrund der engen Freundschaft zwischen Jela Lepman und Erich Kästner kann die Internationale Jugendbibliothek nun persönliches Mobiliar von Kästner verzeichnen, u.a. seinen Original Schreibtisch und einen runden Massivholztisch mitsamt dazugehöriger Sessel, denen noch der schwere Geruch von Zigaretten anhaftet, denen sich Kästner mit Vorliebe hingab. Durch das Porträt Erich Kästners an der Wand könnte man meinen, er wäre noch immer im Raum anwesend.

In den gegenüberliegenden Vitrinen kann man nicht nur einige Erstausgaben von Kästners Werken und seine ganz persönlichen Lektüren, sondern auch die Bücherliste bestaunen, die 1933 im Rahmen der Bücherverbrennung bzw. „Säuberung öffentlicher Volksbüchereien“ Bibliothekaren und Kommissaren, die mit der Säuberung beauftragt waren, an die Hand gegeben wurde.

Auch Kästners Werke sollten in diesem Zuge verbrannt werden. Die einzige Ausnahme war wohl sein Werk Emil und die Detektive.

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Die Kinderbibliothek

Als Kind war die Stadtbücherei quasi mein zweites Zuhause. In den Ferien bin ich fast wöchentlich mit dem Fahrrad in die Bücherei gefahren um stundenlang zwischen den Regalreihen zu verschwinden um nachmittags mit einem Rucksack voller geliehener Bücher im Gepäck den Nachhauseweg anzutreten. An den internationalen Bestand der Kinderbibliothek kam die beheimatete Stadtbücherei aber nicht im Mindesten heran. Allein die Auswahl der englischen Literatur war damals sehr begrenzt. Wäre ich als Kind jemals im Schloss Blutenburg gelandet, hätte sich sicher ein Bücherhimmel für mich aufgetan. Die begeisterten Gesichter der kleinen internationalen Bibliotheksbesucher, die während unseres Rundgangs anwesend waren, sprachen Bände.

Was nicht groß verwunderlich ist, wenn man den frei zugänglichen Regalreihen mit einem beachtlichen Bestand von 30.000 Büchern in 28 Sprachen ins Auge blickt. Hier finden sich die Kinder- und Jugendbücher der jeweiligen Sprache mithilfe eines Flaggensystems ganz schnell und einfach. Neben den zahlreichen internationalen Bücherschätzen, die sich hier tummeln, entdeckt man überall viele liebevolle Arrangements und Sitzecken. Zwischen den Regalreihen sitzt ein liebevoll gefalteter Blätterigel, der Weltatlas nimmt den Ehrenplatz auf einer auf einer Staffelei ein und Lena Andersons Romanheldin Linnea wartet höchstpersönlich auf schmökernde Gesellschaft im kuscheligen Bilderbucheckzimmer.

Selbst wenn die in Obermenzing gelegene Kinderbibliothek für uns nicht wirklich um die Ecke liegt, werde ich mit meiner deutsch-belgischen Räubertochter zukünftig regelmäßige Besuche einplanen. Denn die Liebe zum Buch, die den Räumlichkeiten innewohnt und die Auswahl an niederländischen Kinderbüchern hat mich schwer begeistert.

Mein Fazit zur Internationalen Jugendbibliothek

Unser Rundgang war viel zu schnell vorbei. Doch was ich gesehen habe, hat mich schwer beeindruckt und die Lust entfacht, bald wiederzukommen. Sowohl das Michael-Ende-Museum als auch der James-Krüss-Turm wollen noch entdeckt werden. Außerdem bin ich neugierig, was nach der Ausstellung Migrations in der Wehrgang-Galerie folgt.

Ich weiß, dass meine Räubertochter mindestens genauso begeistert wie ich von der Apparatur im Binette-Schroeder-Kabinett sein wird und ich in der Kinderbibliothek mit ihr ein paar deutsche und niederländische Bücherschätze auftun werde, die wir für 4 Wochen zu uns einziehen lassen können. Selbst für Buchliebhaber wie uns, die im Münchner Vorort angesiedelt sind, ist das bibliophile Schloss ein sehr reizvolles Unterfangen, was sich hervorragend am Wochenende besuchen lässt.

Dieses Schloss lässt die Herzen von Buchliebhaber*innen höher schlagen!

Ein Jahrzehnt „Nur Lesen ist schöner“

„Hier fängt die Geschichte an.“ („Die Stadt der Träumenden Bücher“, Walter Moers)

In einer von wilden Geistesblitzen durchjagden Nacht zwischen dem 23. und 24. Januar 2011 hat „Nur Lesen ist schöner“ das Licht der Welt erblickt. Heute, vor genau zehn Jahren, ging meiner erste Besprechung auf dem Blog online. Es waren erste zaghafte Zeilen zu einem Buch, das mich so unheimlich beeindruckt hat, dass ich plötzlich das Bedürfnis verspürte, meine Gedanken darüber festzuhalten und für andere Buchliebhaber*innen zugänglich zu machen. Und so nahm die Geschichte dieses Bücherblogs ihren Anfang.

Was mir anfangs ausschließlich als virtuelle Gedankenbibliothek dienen sollte, ist in den letzten zehn Jahren zu einer lebendigen Plattform herangewachsen, auf der die Meinung eines jeden Einzelnen willkommen ist. Über 100.000 Buchliebhaber aus aller Welt wurden hier angespült, haben sich nicht nur meinen Zeilen angenommen, sondern sie auch zum Anlass für Gespräche werden lassen. Ein lebendiger Austausch über Bücher begann. Die Liebe zum Buch wurde auf allen Seiten spürbar. Der Blog um Inspiration, Leidenschaft und Leben bereichert. Er ist zu einem teuren Weggefährten herangewachsen, mit dem ich so manch fantastische Abenteuer bestritten habe. Der mir Türen zu Menschen, Verlagen und Herzensprojekten geöffnet hat, die sich mir ohne ihn niemals offenbart hätten.

„Nur Lesen ist schöner“ wird nicht von Klickzahlen und Followern, sondern vielmehr von einer unbändigen Leidenschaft gelenkt: der Liebe zur Literatur.“

Das, auf was ich heute blicke, bin ich verdammt stolz. Ich mag mich nicht mit der Reichweite und dem Bekanntheitsgrad schmücken können, wie es andere tun, kann aber trotzdem ein paar ganz persönliche Erfolge verzeichnen. Ich bin Teil einer Anthologie über das Lesen geworden, durfte mit einem Zitat zu #warumichlese im Rahmen einer Kampagne von Stiftung Lesen ein Plakat auf der Leipziger Buchmesse schmücken, wurde Buchpreisblogger des Bayerischen Buchpreises 2019 und 2020 auf einer Bookstagrammer Map für die Ewigkeit markiert. Ich genieße mittlerweile das Privileg, mich von Verlagen mit Herzensbüchern ausstatten lassen zu können, über die ich mich mit Büchermenschen intensiv austauschen kann. Bücher, die mich zu Tänzen auffordern und mir wie Einladungen zu Reisen begegnen. Und ich weiß das zu schätzen. Und ich tanze. Und reise. Auch die nächsten zehn Jahre. An all die wunderbaren Orte, die man manchmal schwer erreichen kann oder uns nur mithilfe unserer Fantasie zugänglich sind. Mögen diese Bücher auf ewig mit uns sein!

Dieser Blog ist nur durch eure Unterstützung zu dem geworden, was er heute ist. Jedes einzelne Feedback, ob Like, Kommentar oder Email, war mir ein Fest. Und deshalb möchte ich mich heute mit zwei buchigen Giveaways bei euch bedanken. Es sind Bücher, die sich mir und meiner Räubertochter im letzten Jahr als Bücherperlen offenbart haben und mir freundlicherweise von den Verlagen zur Verlosung zur Verfügung gestellt wurden.

Giveaways: Zwei Bücherperlen für Groß und Klein

„Offene See“ – Benjamin Myers 

Dumont Verlag, erschienen am 20. März 2020, Preis 20,00€ [D], hier geht’s zum Buch

Myers‘ Zeilen begegnen einem wie Offenbarungen. Seine Beschreibungen sind melodisch. Poetisch. Nachhallend. Er scheint für alles die richtigen Worte zu finden. Verleiht seinem Roman damit eine ungeheure Kraft und Lebendigkeit. Man wiegt sich nahezu in den atmosphärischen Zeilen, die die Umgebung erwachen und zu ihrer vollen Schönheit entfalten lassen. Und so umgibt dich während dem Lesen eine unglaubliche Unbeschwertheit und Ruhe. Sie lassen uns die Natur und die Landschaft Englands vollends in uns aufnehmen, ihre Schönheit mit allen Sinnen erfassen. Die Willkürlichkeit des Moments wird unser Navigator, lässt es zu, dass wir in in diesem Kleinod stranden.

Für die Verlosung im Rahmen meines 10. Bloggeburtstags wurde mir freundlicherweise eine vom Autor persönlich signierte Ausgabe (!!!) vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt.

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung.

„Lieber Besucher aus dem All“ von Sophie Blackall

NordSüd Verlag, ab 5 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Es ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaya hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht, ein Buch für ALLE zu schaffen. Und das ist ihr mit Bravour gelungen!

Für die Verlosung im Rahmen meines 10. Bloggeburtstags wurde mir freundlicherweise eine Ausgabe vom NordSüd Verlag zur Verfügung gestellt.

Du kannst bereits in meinem Jahresrückblick einen kurzen Blick in dieses bezaubernde Bilderbuch werfen. Am Dienstag folgt eine ausführliche Besprechung auf dem Blog.

Dein Weg zum Glück

Da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir bis 30. Januar 2021, 23:59 Uhr zu verraten, welches der Bücher ihr gerne bei euch einziehen lassen möchtet und warum.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird.

Der/Die Gewinner/in wird unter diesem Beitrag bzw. bei Instagram erwähnt und per Mail benachrichtigt. Eine Barauszahlung und der Rechtsweg sind ausgeschlossen.

Viel Glück!

Eure Steffi

9 Jahre „Nur Lesen ist schöner“: Ein Herzensprojekt

Happy birthday, Blogperle!

Und da ist er, der 9. Jahrestag meines Blogs. Fast unmerklich hat er sich an mir vorbeigestohlen, sich zwischen den vielen Zeilen versteckt, die noch im Entwurfordner schlummern und sich im allerletzten Moment doch noch bemerkbar gemacht – im Getöse des eigentümlichen Januars. Ich bin also kurz in mich gegangen, hab überlegt, was ich dir sagen möchte und es einfach von der Seele geschrieben.

9 Jahre – irgendwie ist das schon ein kleiner Meilenstein! Weder die DSGVO noch mein Hang zum Perfektionismus haben mich klein gekriegt. „Nur Lesen ist schöner“ ist und bleibt ein Herzensprojekt, das mich auch weiterhin durch mein Leben begleiten wird. Ich habe es lieben und schätzen gelernt. Zu so vielen Dingen hat es mir verholfen. Dennoch wird es auch weiterhin in der Form und mit der Frequenz daherkommen, die mir gut tut und mit meinem Leben als Mama und Berufstätige harmoniert. Kein Druck soll hinter den Zeilen stehen, keine Zeitnot die Beiträge verschlanken, keine Menschen mir vorschreiben, wie und was ich hier schreibe.

Hello – is it me you’re looking for?

Zugegeben, die Beiträge auf dem Blog sind seltener geworden. Doch wenn sie erscheinen, präsentieren sie sich meist in weitaus umfangreicherem, wohl formulierterem und reiflich überlegterem Gewand als in meiner Anfangszeit. Ich bin älter geworden, konnte auf meinem Weg als Blogger einige Erfahrungen sammeln, die ich an mancher Stelle einfließen lasse. Dennoch bin ich nicht perfekt. Und werde es nie sein. Ich bin euch daher über eure Tipps, Anregungen und Einwände dankbar, solange sie in einem freundlichen respektvollen Ton daherkommen.

Der Blog ist kein Trugbild, sondern ein Spiegelbild meiner Selbst und meines Lesens. Wenn du mich hinter den Zeilen suchst, wirst du mich finden. Du kannst mir dort als vorlesende Mama, als Astrid Lindgren – Liebhaberin und als Bibliophilin begegnen. Und wenn dir gefällt, was du hier liest, kann ich mich wirklich glücklich schätzen und dir für deine Treue, dein Verständnis und deinen Austausch auf diesem Blog und den dazugehörigen Kanälen von Herzen danken. Danke, dass du mir dieses Herzensprojekt ermöglichst und es mit Leben füllst.

Make a wish

Bücher gibt es wie Sand am Meer. Welches Buch aber schon seit langem deine Wunschliste anführt, solltest du mir verraten. Die Idee ist, einem von euch einen buchigen Herzenswunsch zu erfüllen (das Buch sollte dabei 20 € nicht übersteigen) und gleichzeitig etwas Leseinspiration für mich selbst einzufangen. Da die Aktion in den letzten zwei Jahren so gut ankam, habe ich mich dazu entschlossen, sie auch in diesem Jahr wieder stattfinden zu lassen und ein wenig Bücherglück unters Volk zu werfen!

Klick, klick, Glück

– Hinterlasse einen Kommentar mit deinem Wunschbuch bis zu 20 € und einer Begründung, warum das Buch unbedingt in dein Bücherregal einziehen muss.

– Eine zusätzliche Teilnahme über Instagram(@lesenslust) ist möglich, hierfür solltest du aber ebenfalls die entsprechenden Teilnahmebedingungen beachten.

Teilnahmebedingungen

– Das Gewinnspiel läuft bis 04. Februar 2020, 23:59 Uhr und wird unter allen Teilnehmern (Blog & Instagram) ausgelost.

– Der/Die Gewinner/in wird unter diesem Beitrag bzw. bei Instagram erwähnt und per Mail benachrichtigt.

– Sollte der/die Gewinner/in sich nicht innerhalb von 3 Werktagen bei mir melden, wird neu ausgelost.

– Eine Barauszahlung und der Rechtsweg sind ausgeschlossen.

Viel Glück!

Wir lesen uns, Steffi

#baybuch: Die Verleihung des Bayerischen Buchpreises 2019

„Wir wissen: wir wissen nichts!“

Donnerstagabend, 20:05 Uhr, die Übertragung eines der wichtigsten Events der Literaturbranche beginnt: die Verleihung des Bayerischen Buchpreises 2019. Es ist knisternde Spannung, von der die Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz in diesem Augenblick erfüllt ist. Alle Augen sind auf die Bühne gerichtet, auf der Judith Heitkamp vom Bayern 2 den Abend anmoderiert und noch einmal davor warnt, dass es nun bevorstünde, jenes Prozedere, das schlimmer sei als der Bachmann-Preis.

Denn an diesem Abend soll kein im Vorfeld erklärter Sieger in der Kategorie „Sachbuch“ und „Belletristik“ gekürt werden, nein, die Jury wird ihn live vor Ort ermitteln. Sechs nominierte Bücher gehen dafür ins Rennen, jeweils 30 Minuten stehen der Jury für die Diskussion pro Kategorie zur Verfügung. Den nominierten AutorInnen im Publikum steht eine kleine Geduldsprobe bevor. Let’s get ready to rumble!

Die Jury, von links: Knut Cordsen, Sandra Kegel, und Svenja Flaßpöhler

Das Format der Verleihung ist ungewöhnlich. Denn natürlich haben alle sechs nominierten Bücher Potential für den mit 10.000 Euro dotierten weißen Porzellanlöwen. Jedes der drei Jurymitglieder hat ein Buch pro Kategorie vorgeschlagen, das es nun im Disput zu verteidigen gilt. Denn natürlich möchte jeder seinem Favoriten zum Sieg verhelfen. Die Autopsie der Werke ist eröffnet. Sie wird nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen zu Tage bringen.  Konflikte sind vorprogrammiert.

Sachbuch-Diskussion: Ein Paukenschlag

Dass es bereits in der ersten Diskussionsrunde zu einem Eklat kommt, liegt nicht an der Jury. Denn das eingebrachte Werk, „Die Gesellschaft des Zorns“ von Cornelia Koppetsch, wird noch vor Diskussionsbeginn von der Nominierung zurückgezogen. Plagiarismus steht im Raum. Bereits im Vorfeld hat man der Autorin, die Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt ist, empfohlen, ihr Werk zurückzuziehen. Sie tut es dennoch nicht. Und so bleibt Juror Knut Cordsen an diesem Abend wohl nichts anderes übrig, als den Vorwurf mit eindeutigen Textstellen aus fremden Publikationen zu untermauern. Er unterstellt Koppetsch sogar einen fehlenden Berufsethos. Die Sache wird sie sicher nicht nur ihre Karriere, sondern auch dem Verlag und der Buchbranche erhebliche Imageeinbußen kosten. Das Buch wird nun einer wissenschaftlich fundierten Prüfung unterzogen.

Jan-Werner Müller bei seiner Dankesrede

Im Rennen bleiben zwei Sachbücher, Jan-Werner Müllers „Furcht und Freiheit. Für einen anderen Liberalismus“ und Dieter Thomäs „Warum Demokratien Helden brauchen“, die man trotz des kleinen verbleibenden Zeitfensters umfangreich seziert. Die Argumentation bleibt nicht immer sachlich. Vor allem im Gespräch um Thomäs Werk, schießt man etwas über das Ziel hinaus, trifft den Autor auf persönlicher Ebene.

„Thomä macht ja einen ganzen Heldenkatalog auf. […] Da bekomme ich förmlich Heldenplatzangst.“

Juror Knut Cordsen

Es ist Jan-Werner Müller, der letzendlich als Sieger aus dieser hitzigen Debatte hervorgeht. Sein Essay, das einen Riesen-Parcour durch das Thema Liberalismus durchläuft, konnte zwei der Juroren für sich gewinnen.

Belletristik-Diskussion: Überfrachtung

Die Nominierten in der Kategorie Belletristik, von links: Steffen Kopetzky, Carmen Buttjer, David Wagner

 

Auch in der Diskussionsrunde um die Nominierten in der Kategorie „Belletristik“ geht es heiß her. Denn gleich bei zwei Werken, sowohl bei Carmen Buttjers Roman „Levi“ als auch bei Steffen Kopetzkys „Propaganda“ ist von Überfrachtung die Rede. Während man  Buttjers „unverbraucht poetischen Ton“ der Überfrachtung von Details und Handlungsfäden gegenüberstellt, wird auf Kopetzkys Werk regelrecht eingedroschen. Der Roman, der auch mir mehr als Männerlektüre begegnet ist, wird von den beiden weiblichen Jurorinnen als überladen, mitunter sogar grausam empfunden.

 

„Wer sich nicht erinnert, verliert sich im Hier und Jetzt.“

Wer als großer Sieger aus diesem Abend  hervorgeht, ist David Wagner. Es ist sein autobiografischer Roman „Der vergessliche Riese“, der sich nicht nur in die Herzen von uns Buchpreisbloggern, sondern auch in die der Juroren schleichen kann. Das stille, aber sehr intensive Werk über Wagners demenzkranken Vater, der sich langsam aber stetig zum vergesslichen Riesen wird, überzeugt die Jury auf ganzer Linie. Plötzlich sind sich alle einig. Die Beschreibungsintensität von Wagners Werk bringt die Jury ins Schwärmen. Für seine Sprache, aus der viel Zärtlichkeit und Stärke hervorgeht, erntet der Autor viel Lob.

„Oft komme ich mir vor, als wäre ich aus einem Buch gefallen und könnte nicht zurück. Ich bin plötzlich in einer ganz anderen Geschichte und weiß nicht, was ich da soll.“

Zitat aus „Der vergessliche Riese“

Der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten: ein fulminanter Auftritt

Joachim Meyerhoff bei seiner Dankesrede

„Die Vorstellung, dass Herr Söder mit seiner Limousine vorfährt und nicht aussteigen kann, weil er nur noch schnell das Kapitel meines Buches fertig lesen muss…“

Es ist Schauspieler, Regisseur und Autor Joachim Meyerhoff, der dem Abend als einzig Wissender entgegentritt. Denn es ist der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, der ihm an diesem Abend verliehen wird. Dass es nicht Ministerpräsident Markus Söder selbst ist, der ihm den Preis überreicht, sorgt für Enttäuschung, die Meyerhoff Anlass zu einer satirischen Dankesrede gibt, die das gesamte Publikum in Lachtränen versetzt. Es wird eine Rede über Hoffnung, Enttäuschung und daraus resultierenden Geschichten. Eine Rede, die sicherlich allen im Gedächtnis bleibt.

Mittendrin statt nur dabei

Buchpreisblogger, von links: ich, Arndt Stroscher, Evelyn Unterfrauner

 

Ich hab mich mit Evelyn Unterfrauner vom Buch- und Lifestyleblog Book Broker und Arndt von der kleinen literarischen Sternwarte Astrolibrium unters Publikum gemischt. Bereits vor dem offiziellen Einlass durften wir die besondere Atmosphäre der Location auf uns wirken lassen.

Es hat mich sehr gefreut, an diesem Abend persönlich dabei sein zu dürfen, mich mit Nominierten, Verlagsmenschen, Autoren und Pressevertretern gleichermaßen austauschen zu können und die Liebe für das Lesen unter den Gästen verspüren zu können.

 

 

Für die Möglichkeit, mich in diesem Jahr als offizielle Buchpreisbloggerin für den Bayerischen Buchpreis engagieren zu können, möchte ich mich an dieser Stelle besonders bei Eva und Luise bedanken.

Informationen rund um den Bayerischen Buchpreis sind auf meiner Projektseite „Bayerischer Buchpreis 2019“ zu finden. Zum Stöbern auf den Social Media Kanälen und den Blogs der Buchpreisblogger seid ihr herzlich eingeladen. Die Verleihung ist als Livestream in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks zu finden.

Es lebe das Lesen!

Das Abschlussfoto: Moderation, Jury und Preisträger des Bayerischen Buchpreises 2019

#baybuch: Tigerschatten

„Levi“ – Carmen Buttjer

„Wenn Menschen traurig waren, dann taten sie ganz unterschiedliche Dinge. Manche heulten. So lange, bis sie nicht einmal mehr bemerkten, dass sie es taten. Andere wurden ganz laut oder leise, wütend für ein oder zwei Jahre, versteckten sich, tranken, aßen, bis sie fett waren, oder zogen in ein anderes Land. Irgendeins, das sie vorher noch nie gesehen hatten. Mein Vater tat nichts davon, und während er das tat, versuchte ich, ihn nicht zu stören.“

Zitat, Seite 12

Levi ist elf Jahre alt als seine Mutter stirbt. Ihren Verlust kann er kaum ertragen. Genauso wenig wie die Anwesenheit seines Vaters an deren Beerdigung, dem nur ein gesittetes Benehmen und der Dresscode wichtig zu sein scheint. Überhaupt scheint sein Vater die Vaterrolle nur im Auferlegen von Regeln zu verstehen. Auch jetzt. Nach ihrem Tod. Dabei war sie das einzige Bindeglied, das Vater und Sohn noch miteinander verband.

Seit dem Tod seiner Mutter ist Levis Kopf voller Fragen. Fragen, die er so gerne in die Freiheit entlassen würde, sich beim Anblick seines Vater aber doch besser verkneift. Auch sich bei der Beerdigung die Urne seiner Mutter zu schnappen, hätte er sich lieber verkneifen sollen. Und tut es dennoch. Mit ihren Überresten verkriecht er sich auf das Dach eines Hochhauses. Hier, nur ein paar Stockwerke über seinem Vater, schlägt er sein Lager auf und versucht mit aller Macht, der Realität zu entfliehen.

Doch auch zwischen den Dächern Berlins fühlt Levi sich weiterhin verfolgt. Ein Tiger scheint zwischen den Dächern herumzustreifen. Er muss es auf ihn und die Urne abgesehen haben. Sicher hat er auch seine Mutter auf dem Gewissen…

„Dass mit dem Tod hatte ich mir immer so vorgestellt, dass man erst starb, sobald man alt genug geworden war. Nach hundert Jahren, ich hielt hundert für eine gute Zahl. Mein Vater war noch weit davon entfernt, genauso wie meine Mutter, und trotzdem war sie vorher gestorben. Das war das Nächste, was ich über den Tod gelernt hatte. Niemand musste alt werden, um zu sterben.“

Zitat, Seite 30

Es ist die kindlich naive Sicht eines Jungen, um genau zu sein die des elfjährigen Protagonisten Levi, die uns Buttjer in ihrer Geschichte einnehmen lässt. Wir begegnen den Dingen damit unvoreingenommen und neugierig und pirschen uns mit allen Sinnen durch den Großstadtdschungel Berlins. Nicht selten passieren wir dicht aneinandergereihte Häuser, die sich so hoch wie Mammutbäume erstrecken, atmen sumpfig-schwüle Luft ein und erhaschen Tierschatten an den Häuserfassaden. Mit Levi driften wir in eine fantastische Zwischenwelt ab. Eine Welt, die uns vor der knallharten Realität ablenken soll.

Denn Levis Mutter ist tot. Wie sie starb wissen wir nicht. Ein Zeitungsausschnitt berichtet von einem Mord an einer Pathologin und einer vermissten Leiche. Levi spinnt sich daraus seine eigene Geschichte zusammen, schwört schon bald darauf, dass es ein Tiger war, der seine Mutter getötet und es nun auf ihre Urne abgesehen hat. Er kann seine Präsenz förmlich spüren. Er sitzt ihm im Nacken, streift an den Häuserfassaden entlang und beobachtet ihn aus einem Hinterhalt. Im Nachbarsjungen Vincent findet Levi einen Verbündeten, der sich mit ihm schon bald auf die Lauer nach dem Tiger legt.

Der Kioskbesitzer Kolja hingegen holt Levi immer wieder in die Realität zurück. Erinnert ihn daran, dass sein Vater nach ihm sucht und dass Erwachsene und Kinder oft eine ganz unterschiedliche Sicht auf die Dinge haben. Dabei nimmt der ehemalige Kriegsfotograf sein Leben selbst nicht richtig wahr. Er lebt in den Tag hinein, versucht die Erinnerungen vergangener Tage mit Whiskey auszulöschen. Doch sie sind hartnäckig, kämpfen sich langsam aber sicher wieder in Koljas Bewusstsein zurück. Und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Doch Kolja gelingt, woran Levis Vater scheitert: er kann sich auf den Jungen einlassen, versteht seine Sorgen, Ängste und vor allem die Trauer um seine Mutter.

„Unsinn ist normal“, erwiderte er. „Die Wirklichkeit macht manchmal einfach keinen Sinn, sie ist ungerecht, sogar grausam, einfach so. Selbst wenn Erwachsene das Gegenteil behaupten.“ „Warum tut ihr dann so, als ob es anders wäre? „Weil Geschichten einfacher sind als die Wirklichkeit.“ […] Sie haben ein Ende, einen Anfang, irgendeine Bedeutung und etwas, das die Wirklichkeit viel seltener hat: ein Happy End. Meistens jedenfalls. Die Wirklichkeit dagegen ist anders: Sie ist nie so schlimm, dass es nicht noch schlimmer werden kann.“

Zitat, Seite 158

„Als hätte ich die Erinnerung daran vor- oder zurückgespult, war da meine Mutter. Mit angewinkelten Armen saß sie hinter dem Steuer des Autos und lächelte. Ihre langen Haare waren nass, sie tropften ihr gleichmäßig auf die Beine und das rote Handtuch, auf dem sie saß. Sie sah mir in die wassergrauen Augen und meine Rippen zogen sich zusammen. Alles, was ich in dieser Sekunde wollte, war in dieser Erinnerung zu bleiben, ich wollte darin weiterleben, doch je mehr ich mich konzentrierte, desto schneller kehre das Zelt zurück, genauso wie die Konturen des Daches. Was blieb, war das Muster ihres Kleides. […] Dass meine Eltern damals kein Wort miteinander geredet hatten, hatte ich fast vergessen.“

Zitat, Seite 66

Mit Levi und David knüpft die Autorin ein Vater-Sohn-Geflecht, das zwar nur lose zusammengebunden ist, sich aber dennoch über die gesamte Geschichte erstreckt. Denn vom Vater, der sich als Anwalt vollständig in der Arbeit verliert, bekommt der Junge nicht viel mit, während die Mutter hingegen ihre Arbeit in der Pathologie mit ihrem Sohn zu vereinen versucht. Die Berührungspunkte als Familie beschränken sich auf zwei Extreme: hitzige Wortgefechte oder Schweigen zwischen den Eltern. Levi und sein Vater scheinen zwischen all dem verloren gegangen zu sein. Sie finden nicht zueinander, stoßen sich bei jeder Gelegenheit voneinander ab. Dabei teilen sie einen ganz ähnlichen Schmerz, den jeder auf seine ganz eigene Weise zu verarbeiten versucht. Levis Vater, der mir anfangs gefühlskalt und arrogant erschien, wurde mir im Verlauf der Geschichte um einiges zugänglicher. Ich vernahm Hilflosigkeit und Verzweiflung. Auf gewisser Weise auch Trauer.

Carmen Buttjers Roman ist atmosphärisch stark. „Levi“ lebt von poetischen und sprachlich raffinierten Zeilen, die stets von einem Hauch Melancholie begleitet sind. Natürlich steht hier ein trauernder Junge im Mittelpunkt. Die Szenerie, durch die Buttjer ihn wandern lässt, ist aber gewaltig. Es ist ein vor Hitze flimmerndes lebendiges Berlin, das so manch Unterwartetes für uns bereit hält: die Prise eines lautlosen Windes, die Begegnung mit Menschen, die in der heißen Luft lehnen und durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden sind und das Ineinanderfließen von orangen Sonnenlicht mit dem Blau des Himmels. Manchmal regnet es auch in unseren Ohren, es rauscht so laut, dass wir gar nichts anderes mehr vernehmen.

An Lebendigkeit fehlt es dem Roman sicherlich nicht. Wer sich aber nach einer Geschichte sehnt, die zu einem Ende findet, wird mit diesem Roman seine Schwierigkeiten haben. Was bleibt, ist die Gelegenheit, sie in unseren Köpfen zu vollenden.

„Geschichten sind, was sie sind, sie bleiben Geschichten. Du kannst dir so viele erzählen lassen, wie du willst, Hunderte, tausend, völlig egal, das Einzige, worum es sich dreht, ist, an welche davon du nicht glaubst.“

Zitat, Seite 159

Ich stieß auf „Levi“ erst im Rahmen meiner Tätigkeit als Buchpreisbloggerin. Für einige Literaturpreise wurde der Roman bereits nominiert, bisher aber noch nie zum Sieger gekürt. Jetzt hat er es auf die Shortlist des Bayerischen Buchpreises geschafft. Ich werde der Verleihung heute Abend in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz selbst beiwohnen und über den Abend auf meinen Social Media Kanälen berichten. Du findest meine Beiträge unter dem Hashtag #baybuch. Mehr zum Bayerischen Buchpreis findest du auf der Projektseite „Bayerischer Buchpreis 2019“.

8 Jahre „Nur Lesen ist schöner“: Eine bibliophile Reise

Books can seriously damage your ignorance

Wenn ich darüber nachdenke, wozu mir mein Blog in den letzten acht Jahren verholfen hat, ist er fast einem magischen Schlüssel gleichzusetzen. Er hat mir nicht nur Zugang zu großartigen Geschichten und Menschen verholfen, sondern mich auch mit einer Reihe an Blickwinkeln, Denkansätzen und Inspiration beschenkt. Der Austausch über Bücher hat mein Leben in den letzten acht Jahren stark bereichert und mein Denken und Handeln reifen lassen.

Während ich bereits seit Kindesalter Geschichten inhaliere, nehme ich mittlerweile auch kleine aber feine Duftnoten wahr, die mir früher gänzlich entgangen sind. Mein Lesen entwickelt sich weiter. Die Wahrnehmung schärft sich, lässt mich plötzlich Zugang zu Werken finden, die mir früher zu anspruchsvoll waren oder sich außerhalb meines Blickfelds aufhielten. Darüber hinaus begeistere ich mich zunehmend für Kinderbücher; darf die Magie, die sich in den Köpfen der Kinder entfaltet, nicht nur an den Patenkindern, sondern auch an der eigenen Tochter miterleben. Der Blog ist ein Spiegel meiner Selbst, das Spiegelbild meines Lesens. Er gibt längst nicht mehr nur die groben Umrisse einer leidenschaftlichen Leserin preis, sondern einen Blick in ihre Seele.

Selbst wenn im vergangenen Jahr einige Hürden rechtlicher Natur (DSGVO) zu überwinden waren und das Thema mich sicher auch weiterhin begleiten wird, bin ich des Bloggens nicht müde geworden und möchte mich auch im kommenden Lebensjahr wieder einer Reihe an Projekten (u.a. mit Buchhandlungen, Verlagen und AutorInnen) widmen, deren Enstehungsprozess ihr hier und auf den sozialen Netzwerken aktiv mitverfolgen und -bestimmen könnt.

Ohne euch würde „Nur Lesen ist schöner“ nicht leben. Ihr seid ein Teil des Großen und Ganzen. Der Blog lebt von euch und eurem Feedback. Jedes Like, jeder Kommentar und jede Email sind mir ein kleines Fest. Dank euch dafür!

Make a wish

Bücher gibt es wie Sand am Meer. Welches aber schon seit langem deine Wunschliste anführt, solltest du mir verraten. Die Idee ist, einem von euch einen buchigen Herzenswunsch zu erfüllen (das Buch sollte dabei 20 € nicht übersteigen) und gleichzeitig etwas Leseinspiration einzufangen. Da die Aktion im letzten Jahr so gut ankam, habe ich mich dazu entschlossen, sie wieder stattfinden zu lassen und ein wenig Bücherglück unters Volk zu werfen!

Klick, klick, Glück

– Hinterlasse einen Kommentar mit deinem Wunschbuch bis zu 20 € und einer Begründung, warum das Buch unbedingt in dein Bücherregal einziehen muss.
– Eine zusätzliche Teilnahme über Instagram (@lesenslust) ist möglich, hierfür solltest du aber ebenfalls die entsprechenden Teilnahmebedingungen beachten.

Teilnahmebedingungen

– Das Gewinnspiel läuft bis 04. Februar 2019, 23:59 Uhr und wird unter allen Teilnehmern (Blog & Instagram) ausgelost.
– Der/Die Gewinner/in wird unter diesem Beitrag bzw. bei Instagram erwähnt und per Mail benachrichtigt.
– Eine Barauszahlung und der Rechtsweg sind ausgeschlossen.

Collect moments not things – ein Bloggertreffen bei arsEdition

[Werbung, weil Verlinkungen/ohne Auftrag] Am 30. Juni lud der Münchner Verlag arsEdition bereits das dritte Mal in Folge Blogger aus unterschiedlichen Bereichen ein, um sich über eine Reihe an Themen auszutauschen und sich gegenseitig kennenzulernen. Ich hatte erneut das Privileg, dabei sein zu dürfen und möchte euch heute ein paar Eindrücke des Tages mit auf den Weg geben.

„Glückssucher sind Trend.“

Während das vorangegangene Bloggertreffen sich fokussiert Trends und insbesondere dem Thema Hygge widmete, stand dieses Mal das Glück im Vordergrund. Dem Anlass entsprechend hat arsEdition Marius Kursawe, Autor vom Journal of Happiness, eingeladen. Die Suche nach Glück liegt schon seit jeher im Trend. Wir machen Glück oft von äußeren Umständen abhängig, obwohl diese in ständiger Bewegung sind. Dabei ist unser Glücksempfinden zu 50% genetisch bestimmt und zu 40% durch unser persönliches Mindset zu steuern. „Glücksempfinden kann man lernen“. Ähnlich wie einen Muskel können wir es trainieren. Schon fünf Minuten am Tag über einen Zeitraum von drei Wochen würden reichen, um uns zu einem imaginären „Happiness Sixpack“ zu verhelfen.

„Das Happiness Workout“

Wie das geht? Laut Kursawe verhilft uns die sogenannte 3-1-1-Regel dazu, eine Glücksroutine zu entwickeln. 3 Minuten am Tag soll sich dabei fürs Rekapitulieren Zeit genommen werden. Zuerst macht ihr euch Gedanken, wofür ihr an diesem Tag dankbar seid. Ob ihr euch dabei für die Gesundheit, den familiären Rückhalt oder das persönliche Bücherregal zuhause entscheidet, liegt ganz bei euch. Danach notiert ihr euch für 1 Minute ein positives Erlebnis des Tages. Hier wird euch sicher schnell klar, dass Happiness oft in den kleinsten Dingen des Alltags liegt. Denn schon das Wiedersehen mit einer alten Freundin, die netten Worte von der Dame morgens beim Bäcker oder das schöne Wetter stimmen dich glücklich. Zu guter Letzt setzt ihr euch für 1 Minute ein Ziel bzw. einen Fokus für den folgenden Tag. Was nehmt ihr euch vor? Aufgeschobene Erledigungen? Bewusst einen Gang runterfahren? Jemand anderem eine Freude machen? „Soziale Interaktion macht einen auch selber glücklich.“ so Kursawe. Es erfüllt dich mit Wohlwollen, wenn du jemand anderem etwas Gutes tust. Auch sollten wir nie verlernen, neugierig zu sein und zu staunen. Denn neugierige Menschen glauben an Veränderung und sind automatisch optimistischer. Deshalb zählen Wissenschaftler auch zu den zufriedensten Berufsgruppen.

Wie klingt der Soundtrack deines Lebens?

Neben jeder Menge neuem Input zum Thema Glück ließ Kursawe uns auch über unseren ganz individuellen Life EQ (Equalizer) und unsere persönliche Superpower nachdenken. Und plötzlich verstehen wir, wenn er sagt: „Man braucht keinen Experten zum Glücklichsein. Das Glück liegt in euren Händen.“ Auch in seinem Journal of Happiness überlässt er es seinen Lesern bzw. den Nutzern, das persönliche Glück selbst zu bestimmen und gibt lediglich Hilfestellung bei der Suche. Der immerwährende und motivierende Begleiter ist dabei nur mit wenig Text und mit viel Platz zum Eintragen versehen. Inspirierende Zitate sorgen für die Extraportion Motivation. Das Buch beginnt aber definitiv erst mit euren Eintragungen zu leben!

Behind the scenes

Neben dem Vortrag zum Thema Glück durften wir in einem Gespräch das kreative Team hinter der Grafik von arsEdition und die Mädels hinter dem Instagram-Account @mynotesliebe kennenlernen, durch die Verlagsräume schnuppern und uns einen Eindruck vom Verlagsalltag machen. Hierbei habe ich mich erneut darüber gefreut, dass die persönliche Meinung eines jeden Teilnehmers wertgeschätzt wurde und mitunter sogar zu persönlicher Reflexion oder Inspiration führte. Auch der tägliche Balanceakt zwischen Beruf und Privatleben kam dabei zur Sprache, der im digitalen Zeitalter immer herausfordernder wird.

Ich male mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt

Das kreative Schmankerl des Tages war definitiv der Kreativ Workshop mit Illustratorin Marielle Enders, die uns kreativ verausgaben ließ und uns zu ersten Schritten in der Aquarellmalerei verhalf. Heraus kamen dabei eine (reichlich missglückte) Postkarte und ein (noch viel missglückteres) Aquarellmotiv mit Slogan. Ich denke, an mir ist keine Aquarellmalerin verloren gegangen. Fragt mich daher bitte nicht nach meinen Entwürfen! Entspannend und inspirierend war der Workshop aber allemal!

Neben den ganzen inspirierenden und kreativen Vorträgen gab es übrigens leckeres Mittagsessen, reichlich Snacks und wahnsinnig guten Kuchen von Kuchentratsch. Bei letzterem handelt es sich übrigens um ein Start-up-Unternehmen aus München, bei dem SeniorInnen das leckerste Hüftgold zaubern und euch damit euren Tag versüßen. „kuchentratsch ist eine innovative Backstube für alle SeniorInnen die Freude am Backen haben. Die SeniorInnen treffen sich in unserer Backstube backen gemeinsam Kuchen nach alten, bewährten Rezepten, tratschen, lernen neue Leute kennen und haben die Möglichkeit sich etwas zu ihrer Rente dazu zu verdienen.“ (Quelle: Kuchentratsch)

Beim Bloggerevent gab es einen Rote-Bete-Schoko-Gugl und einen Karottenkuchen zum Reinlegen. Ich habe mich dabei für den „Rüblikuchen“ von Oma Irmgard entschieden und hab die Entscheidung bis zum letzten Krümel nicht bereut.

Für die tolle Organisation und Durchführung des großartigen Events möchte ich mich bei allen Beteiligten des Verlags bedanken. Ihr habt mir mal wieder einen wundervollen Tag beschert und auf charmanteste Weise eure Begeisterung für Bücher versprüht. Well done!

Bei meinen Kolleginen Petzi von Die Liebe zu den Büchern (@diepetzi) und Marina von Nordbreze und so. (@nordbreze) habt ihr übrigens gerade die Möglichkeit ein wunderbares Set bestehend aus dem Journal of Happiness, einem myNotes Notizbuch, einem Bullet Journal, einem Faber Castell Stifteset und einem Pilot Parallel Pen zu gewinnen. Ist das was für euch? Dann flitzt schnell zu ihren Instagram-Accounts.

Dieser Beitrag entstand ohne Bezahlung, wird jedoch aufgrund zahlreicher Verlinkungen als Werbung gekennzeichnet.

Sag den Wölfen, ich bin zuhause

„Sag den Wölfen, ich bin zuhause – Carol Rifka Brunt

„Finn und ich sahen uns quer durch den Raum an, wortlos. Und hörten einander doch. Diese Art von Liebe stellte ich mir mit Finn vor. (…) Diese Art von Liebe, an der nichts Ekliges ist, weil sie in einer anderen Zeit existiert und ich nicht wirklich ich bin.“

Zitat, Seite 83

June ist anders als die anderen Mädchen ihres Alters. Sie liebt den Wald, das Mittelalter und ihren Onkel Finn. Ihm muss sie ihre Welt nicht erklären. Sie verstehen sich blind, lauschen gemeinsam Mozarts Requiem, schauen Filme oder schlürfen Tee aus Finns alter Teekanne. Als ihr Onkel an Aids stirbt, weiß June nicht mehr weiter. Als verquere Einzelgängerin flüchtet sie in den Wald, versucht dort, der Zeit und Welt zu entkommen.

Doch schon kurz nach Finns Tod stellt sie fest, dass sie mit ihrer Trauer um ihren Onkel nicht alleine ist. An seiner Beerdigung entdeckt June einen scheuen jungen Mann, der sich im Hintergrund des Geschehens hält, und den alle für Finns Tod verantwortlich machen. Als June kurze Zeit später ein Päckchen mit Finns Teekanne und einer Nachricht von Toby, dem mysteriösen Fremden, erhält, muss sie sich entscheiden, wie weit sie gehen will.

Voller Neugier und Misstrauen lässt sie sich auf Toby ein und erkennt, dass hinter der verstörenden Wahrheit um Finns Tod eine einzigartige Persönlichkeit steckt, die ihrem geliebten Onkel viel ähnlicher ist, als es auf den ersten Blick den Anschein macht.

„Eine heiße Träne lief mir über die Wange. Und dann erhob sich auf einmal, in die Stille hinein und über alles andere hinweg, ein langes, trauriges Heulen. Einen Augenblick lang fühlte es sich an, als wäre dieses Geräusch aus meinem Inneren gekommen. Als hätte die Welt alles, was ich fühlte, zusammengefasst und in einen Ton verwandelt.“

Zitat, Seite 41

Es gibt sie, diese wahren Wohlfühlbücher, die dir beim Lesen einen wohligen Schauer über die Arme jagen und dich mit ihren einfühlsamen und poetischen Zeilen trotz aller Tragik und Emotionalität einhüllen wie eine wohlige Decke. Carol Rifka Brunts Debüt ist so eins. „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ ist sanftmütig, berührend und tröstlich. Eines jener Bücher, bei dem du dir wünscht, dass es nie zu Ende geht.

Wir reisen zurück in die späten Achtziger. Hier wachsen die 14-jährige June und ihre zwei Jahre ältere Schwester Greta nahezu eigenständig auf, während die Eltern sich in ihrer Arbeit als Buchhalter verlieren. Obwohl die Geschwister früher beste Freundinnen waren, entwickeln sich sich mit den Jahren in zwei völlig unterschiedliche Richtungen, hegen nahezu ein Hassliebe füreinander. Während Greta sich überall engagiert, zieht sich June immer mehr zurück. Nur bei Finn fühlt sie sich verstanden. Die Sonntage, an denen sie alleine ihren Onkel besuchen kann, sind ihr die Liebsten.

„Und bevor ich mich versah hatte sie den Mistelzweig hervorgeholt und hielt ihn mit einer Hand hoch. Sie zog damit einen Bogen über unsere Köpfe, als schneide sie die Luft, als halte sie mehr in der Hand als ein Stückchen Ast aus Weihnachtsgrün und Beeren. Finn und ich blickten beide nach oben, und mein Herz zog sich zusammen. Für einen kurzen Augenblick, der vielleicht so lang währt wie ein Sandkorn im Stundenglas oder ein Tropfen in einem undichten Wasserhahn, trafen sich unsere Blicke, und Finn, mein Onkel Finn, durchschaute mich – zack – einfach so. In diesem winzigen Sekundenbruchteil erkannte er, dass ich Angst hatte, er senkte meinen Kopf leicht nach unten und küsste mich mit einer so sanften Berührung auf den Scheitel, dass es sich eher anfühlte wie ein landender Schmetterling.“

Zitat, Seite 15

Als June erfährt, dass Finn an HIV erkrankt ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Schon bald werden die gemeinsamen Sonntage seltener und man findet sich nur noch einmal im Monat zusammen. Die Krankheit schreitet unaufhaltsam voran. Finn, der sich Zeit seines Lebens als Künstler einen Namen gemacht hat, möchte noch ein letztes Bild malen: ein Porträt der beiden Schwestern mit der Mutter. Es wird eines Tages den Titel „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ tragen.

Obwohl June bewusst ist, dass Finns Tage gezählt sind, trifft sein Tod sie mit aller Wucht. Sie weiß nicht wohin mit ihrem Schmerz, verschanzt sich noch mehr im Wald. Am Tag der Beerdigung erfährt sie von Toby, der über all die Jahre an der Seite ihres Onkels gelebt hat. Ein Leidensgenosse. Einer, der Finn genauso vermisst wie sie. Von Misstrauen und Neugier begleitet, nähert sich June dem Fremden und bringt damit nicht nur Toby’s Erinnerungen an Finn sondern auch noch eine ganze Reihe anderer Geheimnisse zutage, die Junes Gefühlswelt in Aufruhr versetzen und sie ihre ganze Welt in Frage stellen lässt.

„In diesem Moment schien etwas Gefährliches in mir zu erwachen. Etwas Hartes, Dunkles, Schlafendes tief in meinem Bauch hatte ein Auge geöffnet. Und dann war es wieder weg. Einfach so. Es fühlte sich an wie ein in meiner Brust zerplatzter Ballon.
Zitat, Seite 311

Carol Rifka Brunt ist hier ein erstaunlich einfühlsames Debüt gelungen, das sich nahezu leichtfüßig den Themen Homosexualität, Aids, Verlust und Trauer nähert. Es erzählt vom Heranwachsen, vom Anderssein und der Hassliebe zwischen Geschwistern, von Eifersucht innerhalb der Familie, von Schuldzuweisung aber auch von familiärem Zusammenhalt, von Freundschaft und Liebe. Dieser Roman ist so komplex und dennoch leicht zugänglich, dass man innerhalb weniger Zeilen sein Herz an ihn verliert. Ich kann ohne Zweifel sagen, dass er mein bisheriges Jahreshighlight ist.

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause. Vielleicht hatte Finn das alles längst verstanden, so wie immer. Man kann ihnen ruhig sagen, wo man wohnt, denn sie finden einen sowieso. Das tun sie immer.“

Zitat, Seite 408/409

 

Jólabókaflód – die (isländische) Bücherflut zur Weihnachtszeit

Es gibt zahlreiche Weihnachtstraditionen auf dieser Welt, die wahrscheinlich schönste Tradition für Buchliebhaber kommt aber sicherlich aus Island. Denn zum Jólabókaflóđ werden dort die Haushalte mit Buchempfehlungen geflutet. Diese Bücherflut erreicht die Isländer in Form des Bókatiđindi, eines kostenlosen Bücherkatalogs, der sämtliche Neuerscheinungen des Jahres beinhaltet und die Menschen zu ihrer Weihnachtslektüre inspirieren soll. Denn die erste Weihnachtsnacht verbringt man dort in aller Regel lesend.

„Die schönste aller Weihnachtstraditionen kommt zweifellos aus Island, wo seit gut 75 Jahren (fast) nur zwei Dinge am Weihnachtsabend verschenkt werden: Bücher und Schokolade, sodass die erste Weihnachtsnacht lesend zugebracht wird.“

Nun hat der liebe Torsten („Around the world in 100 bookshops“) in Anlehnung an das isländische Vorbild in Zusammenarbeit mit Sarah Abts (Kataloggestaltung) auch in Deutschland einen Bücherkatalog herausgebracht, der neben den Zeilen des isländischen Botschafters Martin Eyjólfsson, sowie der Bestsellerautorin Yrsa Sigurdardottir, auch die persönlichen Buchempfehlungen von insgesamt 48 großartigen Autorinnen und Autoren, VerlegerInnen und Verlagsmitarbeiter sowie zahlreichen – ebenso großartigen – BuchhändlerInnen und BloggerInnen aus dem deutschsprachigen Raum beinhaltet.

Ich freue mich, dass ich neben einer Reihe an inspirierenden Menschen wie z.B. Nina Sahm (Autorin) und Anne Freytag (Autorin), Bröselchen (Bloggerin @Brösels Bücherregal), Mareike Fallwickl (Texterin und Autorin), Uwe Kalkowski (Blogger @Kaffeehaussitzer), Sarah Reul (Bloggerin @Pinkfisch und Buchhändlerin), Sophie Weigand (Bloggerin @Literaturen) und viele mehr – auch im Katalog vertreten bin. Als leidenschaftliche Zafón-Leserin empfehle ich euch das neueste Werk von Carlos Ruiz Zafón „Das Labyrinth der Lichter“, das die Barcelona-Reihe nach langen Jahren des Wartens in diesem Jahr endlich zu seinem krönenden Abschluss gebracht hat.

Da es Torsten ein persönliches Anliegen ist, dass die Aktion und der dazugehörige Katalog so viele Bücherfreunde wie möglich erreicht, möchte ich euch heute mit meiner Begeisterung für den Jólabókaflóð und die daraus resultierende Bücherflut an Weihnachten anstecken und euch die Veranstaltung bei Facebook ans Herz legen.  Als besonderes Schmankerl verlost Torsten übrigens unter allen, die bis 26.12.2017 in der Facebook-Veranstaltung unter dem Katalog-Beitrag ihren Buchfavoriten aus dem Katalog per Kommentar nennen, 1x das entsprechende Buch! Und: Unter allen Teilnehmern der o.g. Veranstaltung verlost er zudem 1x ein persönliches Bücherabo für das Jahr 2018!

Auf dass es an Weihnachten Bücher regnet! 📚

Hyggeliges arsEdition

Am 17. November 2017 lud der Münchner Verlag arsEdition zahlreiche Literatur-, Lifestyle- & Mamablogger zu einem ganz besonderen Bloggerevent ein. Auch ich war unter den geladenen Gästen. Heute möchte ich euch zur Einstimmung in die Weihnachtszeit ein paar meiner Impressionen mit auf den Weg geben.

Das Presse ABC (Britta, Anna und Caterina) begrüßt die Gäste

„Glückssucher sind Trend“

Unter diesem Motto stand der Vormittag, bei dem auch Verena Roskos, Chefredakteurin der Zeitschrift jolie, und Dr. Sandra Ebert, Dozentin für Wirtschaftspsychologie am Campus M21, anwesend waren. In einer anfänglichen Gesprächsrunde widmeten wir uns dem Thema Trends und stellten große Blogbuster kleinen Trends gegenüber. Auch „Hygge“ kam dabei zur Sprache. Ein skandinavischer Trend, der vielmehr eine Lebenseinstellung und daher auch emotional verwurzelt ist. Auch in deutschen Haushalten trifft man diese Einstellung immer häufiger an. Die hyggelige Lebensphilosophie der Dänen ruft zum Entschleunigen auf, zu gemeinsamen Momenten mit Familie und Freunden. Qualitytime, wie es die Amerikaner nennen würden, wird immer größer geschrieben.

Glückssucher im Gespräch

Die Kunst der schönen Buchstaben

Und so gestaltete sich der Rest des Vormittags auch für die anwesenden Glückssucher wunderbar hyggelig. Bei einem Handlettering – Workshop mit Petra Wöhrmann widmeten wir uns dem Lettering und verzauberten unsere Arbeitsblätter mithilfe von Bleistift und Brushpens mit schönen Buchstaben und Slogans.

Für den Workshop wurden wir mit Blättern von Hahnemühle, Bleistiften von Stabilo und Brushpens von Faber-Castell ausgestattet, die neben zahlreichen anderen Schätzen in unseren funkelnden Goodie – Bags zu finden waren.

Die Künstlermappe aus der Edition deluxe – Reihe von arsEdition hatte ich bereits innerhalb kürzester Zeit in mein Herz geschlossen. Durch den von Petra Wöhrmann personalisierten Schriftzug, wurde sie nicht nur optisch noch einmal aufgewertet, sondern auch zu einer schönen Erinnerung an das bezaubernde Event.

Mein Stück zum Glück: die Arbeitsmappe

Künstlermappen aus der Edition deluxe – Reihe

Und so möchte ich mich heute noch einmal herzlich bei allen Beteiligten, allen voran aber dem wundervollen Presse-Team von arsEdition, Britta, Anna und Caterina, bedanken, die mir einen so wundervollen Vormittag beschert haben und sich rührend um mich und meine kleine Maus gekümmert haben.

Habt eine besinnliche (Vor)weihnachtszeit <3

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