Die Spitze des Eisbergs #baybuch

„Spitzenreiterinnen“ – Jovana Reisinger

Verbrecher Verlag, erschienen am 23. Februar 2021, Preis 22,00 € [D], Hardcover, 264 Seiten, ISBN: 978-3-95732-472-6, hier geht’s zum Buch

Wäre mir Jovana Reisingers Roman nicht an die Hand gegeben worden, hätte ich ihn wahrscheinlich nie gelesen. Das reduzierte Cover kommt nüchtern, nahezu farblos daher, ließ mich eine Geschichte vermuten, die mich nicht sonderlich mitreißen könne, sich ebenso farblos präsentiert. Doch der Blick hinter den Buchdeckel belehrte mich eines Besseren. Hier schlug mir die geballte Ladung Leben ins Gesicht. Schon im ersten Kapitel geriet ich ins Straucheln, verspürte den Sog, der von den Zeilen ausging, mich vollständig erfasste und erst am Ende des Buches wieder ausspuckte. Was für ein Ritt.

„Eine Frau, das ist ein Mensch, dachte Lisa bisher, die einmal im Monat ihre Periode bekommt, durchschnittlich 456 Mal in ihrem Leben, die Zähne zusammenbeißt, denn das bedeutet bei jeweils fünf Tagen Blutung umgerechnet sechskommazweifünf Jahre Periode am Stück, und mindestens ein Kind zur Welt bringt. Schöner wäre zwei, ein Bub und ein Mädchen. Oder Zwillinge. Mehr war es nicht. Es schien so einfach. So natürlich. Etwas, worum sie sich nicht kümmern musste. Etwas, das ihr einfach geschah. Eier, Sperma, Baby.“

Zitat, Seite 48

Rein subjektiv betrachtet ist sie das doch, die „Frau“, ihrer biologischen Uhr folgend. Von der Gesellschaft diktiert, ist es ihr Bestreben sich schnellst möglichst zu vermählen, fortzupflanzen und in einem netten Eigenheim bis ans Ende ihrer Tage niederzulassen. Das ist es doch, wozu sie erschaffen wurde!? Das ist es doch, was sie will!? Oder etwa nicht?

Es sind insgesamt neun Frauen, die Reisinger mit diesem gesellschaftlichen Klischee konfrontiert. In ihrem Episodenroman „Spitzenreiterinnen“, der sich über 5 Monate erstreckt, begleiten wir Frauen, die Namen von Frauenzeitschriften tragen und doch im krassen Gegensatz dazu stehen, was die illustren Magazine repräsentieren. Ihre Persönlichkeiten sind nicht schillernd, sondern vielmehr authentisch, voller Ecken und Kanten, voller Höhen und Tiefen.

Da ist Lisa, die keine Kinder bekommen kann und deshalb von ihrem Freund verlassen wird. Laura, die endlich den langersehnten Heiratsantrag bekommt und nun dem „Höhepunkt ihres Lebens“ entgegenfiebert. Verena, ihre erfolglose Single-Freundin, die durch eine geerbte Villa am Starnberger See ihren „Marktwert“ verbessert. Petra, die ihren „unbedeutenden“ Job aufgibt und dabei der Liebe abseits des Weges begegnet. Barbara, die seit dem Tod ihres Mannes nichts mehr mit sich anzufangen weiß und von einem kleinen Hund gerettet wird. Emma, der ein Stein vom Herzen fällt, weil sie ihre Freundin versorgt weiß. Ihre Tochter Jolie, die ungewollt schwanger wird. Und Tina, der alles entgleitet. 

„Sie ist nicht süchtig nach Schmerzen. Sie hat nur lange genug geglaubt, sie verdient zu haben. Wie Blasen an den Füßen von billigen, unbequemen oder unpassenden Schuhen. Wie ein Kater nach dem Saufen. Eine zwangsläufige Konsequenz ihrer mangelhaften Entscheidungen oder ihrer bloßen Existenz.“

Zitat, Seite 175

Reisinger gewährt einen tiefen Blick unter die Spitze des Eisbergs. Mit messerscharfem Blick seziert sie die verschiedenen Lebenswirklichkeiten dieser Frauen, die von massiver Unterdrückung, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, häuslicher Gewalt und von gesellschaftlichen Vorgaben geprägt sind.

Die Kapitel, die auf den ersten Blick alleinstehend wahrgenommen werden, jedoch sehr eng miteinander verwoben sind, sprechen für sich. Sie verdeutlichen, welch untergeordnete Rolle Frauen in unserer heutigen Welt noch immer einnehmen. In dem Reisinger die Menschen ins Rampenlicht stellt, die oft nur eine Nebenrolle spielen, schenkt sie ihnen nicht nur die gebührende Aufmerksamkeit, sie verdeutlicht zeitgleich auch, wie sich die Frauen oft aus lauter Gewohnheit, den Männern unterwerfen, wie selbstverständlich sie in die ihnen auferlegten Rollenbilder schlüpfen und erst langsam aber sicher lernen, aufzubegehren und für sich selbst einzustehen.

Die Autorin versieht die männlichen Figuren in ihrem Roman lediglich mit dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens. Sie schafft damit erzählerische Distanz und maßt sich zu keinem Zeitpunkt an, mit dem Finger auf sie zu zeigen. Sie sind Randfiguren und gleichzeitig tragende Kraft. Auch ihre weiblichen Figuren betrachtet Reisinger mit dem nötigen Abstand. Sie verurteilt nicht, feiert mit bitterbösem Blick und viel Liebe zu ihren Figuren die Frauen, ihre Wut und Ausdauer in dieser patriarchalen Welt. 

Durch ihre von satirischer Komik durchtränkten Zeilen schafft sie Momentaufnahmen, deren Verlauf man mit lachendem und weinendem Auge folgt. Ihr Roman, der für den Bayerischen Buchpreis 2021 nominiert ist und am heutigen Abend in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz einen der dotierten Löwen aus Nymphenburger Porzellan einheimsen könnte, hat sich mir als feministisches Highlight präsentiert.

Als offizielle Bloggerin des Bayerischen Buchpreises war es mir ein Anliegen, meinen heimlichen Favoriten in der Kategorie „Belletristik“ vor der Preisverleihung in die Welt zu tragen.  

„Eine Gegenerzählung wär jetzt gut. Eine, in der Frauen nicht sinnlos gemaßregelt werden, wenn sie die Anforderungen nicht erfüllen. Oder sich nicht zu benehmen wissen. Sie kann jetzt nicht das erfolgreiche Beispiel sein, an dem sich andere Frauen in dieser Lage später orientieren können. Sie muss erst heil davonkommen, ehe sie inspirieren und ein Idol sein kann. In der Zukunft werden solche Erzählungen möglich sein. Sich selbst wieder aufklauben ist eine heikle und komplizierte Aufgabe. Zeitintensiv und frustrierend.“

Zitat, Seite 153

Hier kommt ihr zu der Besprechung meines geschätzten Buchpreisbloggerkollegen Arndt in der kleinen literarischen Sternwarte „AstroLibrium“.

Ein Sommer(nachts)traum

„Der große Sommer“ – Ewald Arenz

Dumont Verlag, erschienen am 26. März 2021, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt. Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles ändert.“

Zitat, Seite 11

Es war der große Sommer im Herbst für mich. Ein Sommer, der sich durch ein Buch entfaltete. Dieser eine Sommer, der für mich unvergesslich bleibt.

Lange schlich ich um Ewald Arenz‘ Roman herum, schob die Lektüre auf, wollte mir dieses Gefühl aufsparen, das von seinen Zeilen ausgeht und mich schon in „Alte Sorten“ sanft umschmeichelt hat. Doch irgendwann gab es für mich kein Halten mehr und ich tauchte ein. Wie der Junge auf dem Cover. Wie Protagonist Frieder, der sich bei Nieselregen im Schwimmbad vom Siebeneinhalber stürzt um ein Mädchen im flaschengrünen Badeanzug zu beeindrucken und von weißen Blubberblasen begleitet wieder zur Wasseroberfläche gleitet. Berauscht, von der Wucht und Unvorhersehbarkeit dieses Augenblicks.

Diesen Sommer verläuft für Frieder alles anders als sonst. Denn er schafft die Versetzung in die 10. Klasse nicht und muss nach den Ferien Nachprüfungen in Mathe und Latein ablegen. Und so darf er in den Sommerferien nicht mit in den Urlaub fahren, sondern muss lernen. Bei seinem Großvater, einem Professor, den er bis zum 10. Lebensjahr siezen musste und zu dem er ein angespanntes Verhältnis hat. Der Sommer scheint für ihn gelaufen zu sein. Doch meist kommt alles ganz anders als gedacht. Und so erlebt Frieder einen Sommer, der sein ganzes Leben prägt. Es sind Tage voller Freundschaft und Zusammenhalt, voller Respekt und Vertrauen, einer ersten großen Liebe und einem Abschied. Und so reift ein Sommer heran, der an Größe nicht zu überbieten ist und wie „hellgelbe, aufregend saure Zitronenscheiben“ schmeckt.

„Ich war in einer ganz eigenen Stimmung, wie ich sie vorher noch nicht erlebt hatte. […] Es war ein Gefühl wie … als wäre man ein Instrument, das gestimmt wurde. Sechs Saiten. Aufregung. Verliebtheit. Angst vor dem Sommer. Freude am Sommer. Sich bei Nana zu Hause fühlen. Sich in Großvaters Haus verloren fühlen. Die Töne stimmten noch nicht. Aber da drin geschah irgendetwas.“

Zitat, Seite 64

Ewald Arenz versteht es aufs vortrefflichste, einen besonderen Augenblick, den „unwiederbringlichen, zitternd schönen Zauber eines ersten Males“ einzufangen und es in so atmosphärische Zeilen zu verpacken, dass sich Bilder vor deinem geistigen Auge formen, die dich die Einzigartigkeit dieser Momente spüren lässt. Während dem Lesen war ich begleitet von raschelnden Silberpappelnblättern, von süßem Lebkuchenduft, vom Klang aufregender, verliebter und ängstlicher Saiten, von einem Wechselbad aus Gefühlen der Ablehnung und Zugehörigkeit.

Arenz‘ Roman ist wirklich der große Sommer. Einer, der mich in meine Jugend zurückversetzt hat und mich viele Momente noch einmal durchleben ließ: mit klimpernden Münzen in der Tasche in einer beschlagenen Telefonzelle stehend, mit pochendem Herzen über einen Zaun kletternd (wohlweißlich, dass man nicht ohne gerissene Hose davonkommt), bei Nieselregen im Schwimmbad, angsterfüllt mit Blick vom Zehner, den Duft von Chlorwasser in der Nase, das auf den heißen Steinen neben dem Becken verpufft, in der Nacht vom schummerigen Fahrradlicht navigierend auf dem Weg nach Hause, mit zittrigen Knien in der Nähe des Schwarms, sich glückstrunken durch eine von Musik erfüllte Menschenmenge zwängend.

Frieder, Alma, Johann und Beate, sie alle habe ich ins Herz geschlossen. Mit ihrem jugendlichen Leichtsinn, ihrem Lebenshunger und einer Prise Verrücktheit waren sie mir auf Anhieb sympathisch. Auch Nana (Frieders Großmutter) und den kauzigen alten Professor an ihrer Seite mochte ich sehr. Mir gefiel, wie Frieder und der scheinbar unnahbare Großvater sich einander annäherten, selbst wenn es nur langsam und auf seine Art und Weise geschah. Auch das bunte Potpourri an Lehrern, von stocksteif bis hin zu gleichgültig, brachte mich zum Schmunzeln und ließ mich einige Parallelen zu meinen Lehrer*innen von damals erkennen. Ewald Arenz schenkt seinen Protagonisten Raum, macht sie zu wichtigen Puzzleteilen eines großen Gesamtbildes, das sich als Momentaufnahme eines großen Sommers präsentiert. Ein Sommer(nachts)traum.

Ich möchte der Lektüre dieses Romans nicht zu viel vorneweg nehmen, den Überraschungseffekt und die vielen ersten Male wahren, die sich an Frieders Seite in „Der große Sommer“ verspüren lassen. Der (Lektüren-)Tauchgang sei euch ans Herz gelegt. Ich bin mir sicher, dass ihr genauso berauscht daraus hervortauchen werdet wie ich.

„Sie roch so klar wie jemand, der im Winter aus der Kälte ins Haus kommt. Und etwas Süßes war da auch, aber nur entfernt und nur ein Hauch wie … ja, wie Robinienblüten im Frühsommer vor meinem Fenster. Nichts Schweres. Schwebend. Wie ein Ton nachklingt … aus einem wunderschönen Moment in der Kindheit, den man vergessen hat; von dem nur noch diese Erinnerung an einen Duft geblieben ist.“

Zitat, Seite 116

Das Team der #GlockenbachWelle hat Ewald Arenz auf der Frankfurter Buchmesse 2021 getroffen und mit ihm über sein aktuelles Werk gesprochen, das kürzlich zum Lieblingsbuch der Unabhängigen gekürt und für den Bayern 2 – Publikumspreis im Rahmen des Bayerischen Buchpreises 2021 nominiert ist.

Ihr seid herzlich eingeladen, in die aktuelle Sonderausgabe einzutauchen.

Eine wunderbare Besprechung zu „Ein großer Sommer“ ist auch bei Arndt auf der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium zu finden.

Bild für Bild zurück ins Leben

„Zwischen uns tausend Bilder – Neda Alaei

„Wenn der Herz ein Muskel ist, dann hat meins Muskelkater.“

Zitat, Seite 178

Seit dem Tod ihrer Mutter, hat Sannas Leben an Farbe verloren. Ihr Vater ist in seiner Trauer versunken, ihre beste Freundin hat sich von ihr abgewandt. Plötzlich liegt es an ihr, dafür zu sorgen, dass es weitergeht. Doch ihr Leben ist ihr fremd geworden. Noch nie hat sie sich so allein gefühlt. Erst als Sanna durch die Linse ihrer Kamera blickt, verändert sich ihr Blick auf die Welt. Plötzlich weiß sie, was ihre Mutter mit dem Sehen gemeint hat. Dass es die Augen für das Wunderbare sind, die uns das Leben in all seinen Facetten zeigen.

Und dann ist da noch dieser Junge, Yousef, mit dem Sanna die Begeisterung fürs Fotografieren teilt. Er entmutigt sie, genau hinzusehen. Das Leben zu nehmen, wie es ist. 

Ob er ihr helfen kann, zurück ins Leben zu finden?

„Ich fotografiere einfach drauflos. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht. […] Ich sehe zum Himmel, spüre die ersten Regentropfen im Gesicht und stelle mir vor, es donnert. Ich wünschte, das Geräusch könnte ich auch fotografieren.“

Zitat, Seite 122

Neda Alaei ist mit „Zwischen uns tausend Bilder“ ein sehr intensives und wortgewaltiges Jugendbuch-Debüt gelungen, das lange im Leser nachhallt. Die Zeilen ihres Romans, der in der Ich-Perspektive geschrieben ist, lassen uns die Rolle der 14-jährigen Sanna einnehmen, die nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich auf sich alleine gestellt ist. Ihr lebensfroher Vater wirkt seit dem Tod seiner Frau nur noch wie ein Fähnchen im Wind. Er wird komplett von seiner Trauer beherrscht, nimmt seine Tochter nur noch am Rande wahr. Einzig und allein wenn er schreibt, scheint er bei sich zu sein. Doch Sanna weiß nicht, was in ihm vorgeht. Sie darf ihn nicht stören, wenn er in seinen Wörtern verschwindet. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Am liebsten würde sie sich durch seinen Zettelberg wühlen, um all seine Gedanken in sich aufzusaugen.

„Ich gehe in mein Zimmer, lege die Platte auf und lasse mich aufs Bett fallen. Die Hände hinterm Kopf verschränkt, sehe ich an die Decke und lausche […] aber die Musik klingt irgendwie anders, anders als früher, wenn Papa sie mir vorgespielt hat. Trauriger, als wäre gerade jemand gestorben, verschwunden, für immer verloren. Als würden die Melodien und die Welt zusammen weinen. Hand in Hand, nie nah genug, nie lang genug. Ich denke an Papa. An Mama. Du und ich, der Tod.“

Zitat, Seite 53/54

Der Vater merkt nicht, wie seine Tochter langsam aber sicher zerbricht. Dass die Verantwortung, die er ihr unbewusst aufbürdet, ihr gar nicht bekommt. Sanna hangelt sich nahezu monoton durch die Tage, sie kocht das Essen, schmeißt den Haushalt und flößt sich bereits als Teenager literweise Kaffee ein, um sich immer wieder aufs Neue in die Schule zu schleppen, wo ihre beste Freundin plötzlich an der Seite eines anderen Mädchens sitzt und lacht. Außer ihrer Lehrerin Trine scheint sie keiner mehr wirklich wahrzunehmen, lediglich um ihre bemitleidenswerte Gestalt zu belächeln. Aber dann kommt Yousef in ihre Klasse. Der Junge mit den braunen Augen und den Abermillionen Wimpern. Als er die Kamera in Sannas Händen entdeckt, erzählt ihr von seiner Leidenschaft fürs Fotografieren. Er ermutigt sie, das erste Bild zu machen. Und noch viele weitere. Es ist eine Mischung aus Verliebtheit und Neugier, die Sanna aus der Reserve lockt und aus ihrer Starrheit befreit. Doch ehe sie wieder zu Kräften kommt, erliegt ihr Körper der vielen Anstrengung und Mühe. 

Alaeis Zeilen sind von so vielen Emotionen und Geräuschen getränkt, dass man als Leser förmlich spüren kann, wie die Geräusche plötzlich auf Sanna einprasseln, wie ihre  Seele zu zittern beginnt, plötzlich alles um sie herum bebt und ihre ganze Welt durchgeschüttelt wird. Wie sie sich plötzlich winzig klein fühlt und die Welt um sie herum so groß und gewaltig wirkt. Es ist nicht nur Sannas Vater, der in einem bodenlosen Meer aus Gefühlen und Gedanken versinkt, sondern auch sie selbst. Sanna stößt alle von sich weg. Versucht sich selbst die Nächste zu sein. Stärke und Mut zu beweisen. Gefühle der Trauer zu unterdrücken. Doch ihr Anblick spricht Bände. Ihr Spiegelbild ist das einer geplagten Seele.

„Ich stehe auf und gehe zum Waschbecken. Aus dem Spiegel sieht mich ein fremdes Gesicht an. Das Mädchen im Spiegel hat rot geweinte Augen, einen unordentlichen Pferdeschwanz, rissige Lippen. Ihr Pulli schlabbert, die Schlüsselbeine zeichnen sich kantig unter der Haut ab. Das bin ich nicht. Das ist nicht mein Leben.“

Zitat, Seite 177 

Die Geschichte veranschaulicht auf sehr intensive Weise, wie sich der Tod bzw. Verlust eines Menschen auf die Hinterbliebenen auswirkt. Dass jeder Mensch anders trauert, in dieser Phase der Trauer aber jeder einzelne dem Abgrund ganz nahe kommt. Dass diese Phase nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit Selbstzweifeln und einem fehlenden Zugehörigkeitsgefühl einhergeht. Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass die Autorin eine ganze Bandbreite an Geräuschen in ihren Roman einfließen hat lassen. Es sind sowohl Alltagsgeräusche, die uns plötzlich mit einer unglaublichen Intensität begegnen, als auch die Musik und Liedtexte der schwedischen Rockband Kent. Sie wird zum Bindeglied zwischen Vater und Tochter. Beide geben sich ihr hin, bleiben auf diese Weise miteinander verbunden, auch wenn sie sich Stück für Stück voneinander entfernen. Als der Vater in eine Depression abrutscht und weder für sich selbst, noch für seine Tochter sorgen kann, ist klar, dass er nur in einer Psychiatrie zu seiner alten Stärke zurückfinden kann. Es bleibt daher leider nicht aus, dass Sanna durch die fehlende Vormundschaft bzw. elterliche Unterstützung irgendwann dem Jugendamt gegenüber steht.

„Zwischen uns die Zeilen“ ist ein sehr berührender Jugendroman, der Leser*innen unterschiedlichen Alters erreichen kann. Aufgrund der Brisanz einiger Themen in meinem eigenen Leben fühlte ich mich von Neda Alaeis Zeilen ganz wunderbar abgeholt. Ich hab mich in vielem wiedererkannt, in Gefühlen, Gedanken, Geräuschen und konnte mich trotz des Altersunterschieds gut in die 14-Jährige hineinversetzen. Auch die (wachsende) Leidenschaft fürs Fotografieren teile ich mit der Protagonistin. Yousef und Sanna haben mich dazu inspiriert, selbst wieder häufiger hinter der Linse meiner Kamera zu verschwinden und das Leben mit anderen Augen zu sehen. 

Seelenschmeichler

„Alte Sorten“ – Ewald Arenz

Dumont Verlag, erschienen am 21. Juli 2020 (TB), Preis 10,00 € [D], hier geht’s zum Buch

„Auf den abgeernteten, von Stoppeln glänzenden Feldern stand der Weizen noch als überwältigender Geruch nach Stroh; staubig, gelb, satt. Der Mais begann, trocken zu werden, und sein Rascheln im leichten Sommerwind klang nicht mehr grün, sondern wurde an den Rändern heiß und wisperig. […] Liss sah und roch und hörte, dass der Sommer zu Ende ging. Es war ein gutes Gefühl.“

Zitat, Seite 5

Als ich die letzte Seite von „Alte Sorten“ hinter mir ließ, saß ich beseelt da. Und überwältigt. Voller Wehmut strich ich über die ausgestanzten Birnen auf dem Cover, konnte ihre Konturen spüren, ihren intensiven Duft und Geschmack nahezu vernehmen. Der süßlich herbe Geschmack erfüllte meinen Mund, der klebrige Birnensaft lief mir an meinem Kinn herunter. Alexander Lucas. Die Birne, zu der ich in Liss‘ altem Zaubergarten am Ehesten gegriffen hätte. Es ist die Birnensorte, auf die ich nach der Lektüre am meisten Lust verspüre. Ihren Geschmack beschreibt der Autor mit dem Sonnenlicht, „wenn es einem nach einem langen Sommer durch das weite Blau des Himmels und dann durch das alte Grün hoher Bäume direkt auf die Zunge fiele“. Wer kann solchen Zeilen schon widerstehen?

Was sich mir da in „Alte Sorten“ offenbarte, war eine Geschichte voller Leben. So authentisch, ehrlich und ungeschliffen, dass mir das Lesen fast schon ein wenig weh tat und gut zugleich. Es ist keine reine Wohlfühlgeschichte, die sich Ewald Arenz da von der Seele geschrieben hat, er hat vielmehr das Leben selbst eingefangen. Und zwar mit allen Höhen und Tiefen. Und mit jeder Faser seines Körpers!

Mir scheint, ich habe „Alte Sorten“ genau zur richtigen Zeit gelesen. Denn die Geschichte beginnt gegen Ende des Sommers, am 1. September, und erstreckt sich bis in den Oktober hinein. Meine Lektüre lief nur leicht verzögert mit den Kapitelüberschriften, die Arenz den Tagen gewidmet hat, die Liss und Sally, die beiden Protagonistinnen, gemeinsam verbringen. Zwei Frauen unterschiedlichen Alters treffen hier aufeinander: Liss, Mitte Vierzig; Sally, gerade mal 16. Und obwohl die beiden Frauen einem äußerlich sehr unterschiedlich begegnen, umtreibt sie innerlich ein ganz ähnliches Seelenleid. Denn beiden hat das Leben stark zugesetzt. Ihre Seelen sind zerklüftet von den Spuren schmerzhafter Ereignisse.

„Es gab Tage, an denen es schwerer fiel, nur auf das zu sehen, was war. Nicht zurück, nicht vor. Nur auf das, was eben war. Weil ja auch alles, was gerade war, nicht aus dem Nichts kam und nicht ins Nichts ging. Alles hat eine Geschichte. Selbst Dinge, die sich nicht bewegten, bekamen eine Geschichte.“

Zitat, Seite 49

Und so bleibt ihre Begegnung an einem Spätsommertag draußen im Weinberg nicht ohne Folgen. Denn die körperlich ausgezehrte und ihrem Leben entflohene Sally ist von Liss‘ bodenständigem Auftritt so fasziniert, dass sie mit auf den Bauernhof kommt, den Liss alleine bewirtschaftet, und sich dort eine Zeit lang verschanzt. Es gehen Wochen ins Land, in denen sich die beiden Frauen gemeinsam dem Handwerk widmen, das Land und die Natur dabei vollends in sich aufnehmen. Sie backen Brot, bei dem man den frisch gemahlenen Roggen noch riechen kann; sie lesen Kartoffeln, deren erdiger Geschmack in schlichter Begleitung von Butter und Salz am besten zur Geltung kommt; sie pflücken bei klirrender Kälte Trauben im Weinberg, die sie später zu Wein verarbeiten und pflücken Birnen von alten Bäumen, die neben wuchernden Kräutern und Brennnesseln längst Teil eines Zaubergartens geworden sind, der uns wild und unbezähmbar begegnet. Es sind die vielen kleinen Momente, die für beide Frauen von großer Bedeutung werden und diesen Roman zu etwas ganz besonderem machen. Arenz‘ leise und eindringliche Zeilen, die einem oft nahezu poetisch begegnen und die Natur auf sehr eindrückliche Weise beschreiben, machen das Lesen zu einem wahren Vergnügen.

„Das hier ist der schönste Garten, den ich überhaupt jemals in meinem Leben gesehen habe.“ […] „Ich kann sehen, dass der Garten mal wie ein Käfig für dich war. Aber du siehst doch, was daraus geworden ist!“ Sie drehte sich im Kreis und versuchte, alles in sich aufzunehmen. Die von den Hecken wild überwucherten, sanft nach innen gedrückten verwitterten Latten des Zauns. Die parallel stehenden Bäume, die in ihren breit aufgefächerten Kronen, ihren geneigten Stämmen und in ihren Blätterwolken längst alle Rechteckigkeit zu einer verblassenden Erinnerung gemacht haben. Das Meer aus Gras, aufgeschossenen Kräutern und Brennnesseln, durch das im leichten Septemberwind hellgrüne Wellen von einem Ende des Gartens zum anderen liefen. „Das ist alles …“, wieder suchte sie nach dem richtigen Wort, „das ist alles wie eine wunderbare Strafe für den Versuch, Sachen, die wachsen, in eine Form zu pressen.“

Zitat, Seite 117/118

Mit Liss und Sally sind Arenz zwei wunderbare Charaktere gelungen, die einem mit jeder Seite näher ans Herz wachsen. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten stehen im perfekten Kontrast zueinander: Sally, laut und ungestüm; Liss, leise und zurückhaltend. Sallys rebellisches Aufbegehren weckt in Liss nicht nur die Erinnerungen an sich selbst, die Zeit mit dem Mädchen schenkt ihr gewissermaßen auch eine Chance, zurechtzurücken, was der Vater bei ihr selbst falsch gemacht hat. Sally findet in Liss nicht nur einen Menschen, der sie hört und sieht, wie keiner zuvor, sondern auch ein Zuhause, das ihr die Eltern nie zu geben vermochten. So entwickelt sich zwischen den Frauen ein zartes Band der Freundschaft, das sie langsam aber sicher zurück ins Leben navigiert.

„Weil alles andere schlechter war, als das hier. Der Gedanke traf sie erst jetzt, mit der vollen Bedeutung. Plötzlich musste sie lachen. Einfach lachen. Sie wusste, es war alles nur auf Zeit. Auch das Lachen war eigentlich nur geliehen, dieser Augenblick der Befreiung nur auf Kredit, weil sie hier ja nicht immer würde bleiben können. Aber in diesem Moment war das egal. In diesem Moment waren die verstörenden Bilder auf einmal weg, als hätte man eine graue Folie zwischen ihr und der Welt weggezogen, und sie sähe das Dorf zum ersten Mal richtig und in allen Farben.“

Zitat, Seite 159/160

Nach dem Lesen dieses Romans machte sich eine ungeheure Sehnsucht in mir breit. Es war die Sehnsucht nach abgeernteten Weizenfeldern, dem sonnig-staubigen, uralten Geruch von Stroh und Heu in einer Scheune nach warmen Spätsommertagen und nach dem Duft von warmem Sommerregen. Wie gern würde ich mich mit Liss und Sally noch einmal ins Abenteuer stürzen. Was für ein Roman, was für eine Pracht! Ich habe jedes Wort und jede Zeile genossen. Und so hat mir Arenz ganz unverhofft ein Lesehighlight 2020 beschert!

„Eine Minute noch oder zwei. Es war so selten, dass die Dinge im Gleichgewicht waren. Ohne Glück und ohne Trauer. Oder anders: dass Glück und Traurigkeit in einem so in der Schwebe waren, in so einer perfekten Balance, dass man sich nicht bewegen wollte. Vielleicht fühlten sich Seiltänzer so, wenn sie hoch oben waren, in dem einen Moment, in dem eine gerade Linie genau durch die Mitte des Körpers geht und genau durch die Seele des Seils und bis zum Boden und dann bis zum innersten Kern der Erde; in dem einen bewegungslosen Moment der Mitte.“

Zitat, Seite 127

Wenn das Leben über einen hereinbricht

„Offene See“ – Benjamin Myers

Dumont Verlag, erschienen am 20. März 2020, Preis 20,00€ [D], hier geht’s zum Buch

„Das Leben wartete da draußen, bereit, gierig getrunken zu werden. Vertilgt und verschlungen zu werden. Meine Sinne waren erwacht und unersättlich, und ich schuldete es mir selbst und all den anderen meiner Generation, […] mich mit dem Leben vollzustopfen.“

Zitat, Seite 16

Es ist ein ländliches Bergarbeiterdorf in einer sanft gewellten Landschaft, irgendwo zwischen der Stadt und dem blaugrünen Meer. Von dort bricht er auf, um der Enge seines Elternhauses zu entkommen, mehr von der Welt zu sehen und und sein wahres Ich zu finden. Seinen Rucksack hat er nur mit dem Nötigsten bestückt. Die Sehnsucht nach dem Meer und nach Freiheit treiben ihn voran. Und so bildet Robert schon bald eine Symbiose mit der facettenreichen Natur Nordenglands, die mit einem abwechslungsreichen Terrain aus Heidelandschaften und Wäldern, Mooren und Bergen, Schluchten und Tälern aber auch dem Gefühl grenzenloser Freiheit aufwartet.

Es ist die Zeit nach dem Krieg. Einem Krieg, der noch immer in den Menschen wütet, sich wie eine schwarze Blume mit ihrem Herzen verwurzelt hat. Die Erinnerungen an das Gesehene wirken toxisch, lassen entkräftete und verstörte Seelen zurück. Robert sucht sich nebenbei Arbeit als Tagelöhner, ersetzt die Kriegsverluste oder verlorenen Seelen. Und mit jedem Schritt und jeder Weggabelung, die er hinter sich lässt, kann er auch seine jugendliche Haut abstreifen.

Er strandet in einem alten von Wildem Wein überwuchertem Cottage mit angrenzender Wildwiese unweit vom Meer entfernt. Hier trifft er auf Dulcie, einer unerschrockenen, belesenen, rede- und weltgewandten Dame mittleren Alters und ihrem Hund Butlers. In ihrem wilden Garten schlägt Robert für mehrere Tage sein Lager auf, erledigt kleine Garten- und Ausbesserungsarbeiten für Dulcie, die seinem Gaumen im Gegenzug zu kulinarischen Leckerbissen verhilft. Und so genießt Robert nicht nur das erste Mal eine Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten, die ihm durch seine bescheidenen Familienverhältnisse bislang verwehrt geblieben sind, sondern auch seinen ersten Vollrausch. Und obwohl den 16-jährigen und die Frau mittleren Alters ein erheblicher Altersunterschied trennt, führen sie fortan ausschweifende Gespräche über Gott und das Leben. Es ist Dulcie, die Robert zeigt, was das Leben so alles für einen bereithält und dass es sich darum kämpfen lohnt, selbst entscheiden zu dürfen, wohin einen der Weg führt.  

„Ich atmete tief ein, roch Erde, Bärlauch, Kräuter, schwebende Pollen und den Duft der salzigen Seeluft. Ein Sinnenschmaus. Die winzigsten Details wurden glasklar: das Rippengefüge eines kleinen welken Blattes, das seit dem Winter unberührt geblieben war, das Beben eines einsamen wilden Grashalms, während andere ringsherum reglos blieben. Auch das leise Hecheln des Hundes fiel in den Takt meines eigenen Herzens mit ein, das einen sanften Rhythmus aus rauschendem Blut in meinem Trommelfellen schlug. Ein einzelner Schweißtropfen rann an meiner linken Schläfe herab. Ich fühlte mich lebendig. Herrlich, irrsinnig lebendig.“

Zitat, Seite 53

Es war ein einziger Tag am Meer, den wir in unserem Urlaub an der niederländischen Küste verbracht haben. Er war erfüllt von einem Bad im sonnenerhitzten Meer, dem Muscheln sammeln und den Freudenschreien einer kleinen Räubertochter, die das erste Mal in ihrem Leben von Salzwasser umspült wurde. Ein kurzer Augenblick des Glücks, der von einer großen Gewitterwolke jäh beendet wurde, die sich fast vollständig über uns entladen hat und uns wenig später an der regennassen Promenade entlang schlendern, barfuß durch Pfützen hat waten lassen. Und dennoch. Es war da, dieses Gefühl von grenzenloser Freiheit, das mich durchströmt, wenn ich das Meer sehe. Wie Balsam hat es sich auf meine Seele gelegt und eine Träne in die Freiheit entlassen, die sich in meinem Auge gesammelt hat. Vor Glück. Wir haben uns so lange nicht gesehen. Das Meer und ich.

Meine diesjährige Urlaubslektüre hätte ich nicht besser wählen können. Hatte ich doch bereits kurz vor dem Erscheinen in „Offene See“ hineingeschnuppert und mich schon an den ersten Zeilen gelabt, die mich umspült haben wie das Meer selbst. Es war die beste Entscheidung, mir diese Perle für einen besonderen Moment aufzuheben; für den Urlaub, der so lange auf sich warten hat lassen und mir im aller letzten Moment doch noch vergönnt war. Und auch als der Urlaub längst vorbei und ich wieder zuhause war, genoss ich die letzten Seiten von „Offene See“ noch in vollen Zügen. Es erschien mir fast, als habe sie mich noch ein bisschen weiter getragen, die Sehnsucht nach dem Meer, von der auch der junge Robert vorangetrieben wird. Es ist sein Wunsch nach grenzenloser Freiheit, nach Abenteuer und nach Leben, den ich so gut nachempfinden konnte; sein neugieriges Wesen, dass das mir auf Anhieb sympathisch war. Ich verstand, warum er nicht in die Fußspuren seines Vaters treten möchte. Warum er das Leben in der freien Natur dem Leben unter Tage vorzieht. Nicht der Bergbauer werden will, den sein Vater in ihm sieht.

„Ein gutes Gedicht bricht die Austernschale des Verstandes auf, um die Perle darin freizulegen. Es findet Wörter für Gefühle, deren Definitionen sich allen Versuchen des verbalen Ausdrucks entziehen.“

Zitat, Seite 111

Myers‘ Zeilen begegnen einem wie Offenbarungen. Seine Beschreibungen sind melodisch. Poetisch. Nachhallend. Er scheint für alles die richtigen Worte zu finden. Verleiht seinem Roman damit eine ungeheure Kraft und Lebendigkeit. Man wiegt sich nahezu in den atmosphärischen Zeilen, die die Umgebung erwachen und zu ihrer vollen Schönheit entfalten lassen. Und so umgibt dich während dem Lesen eine unglaubliche Unbeschwertheit und Ruhe. Sie lassen uns die Natur und die Landschaft Englands vollends in uns aufnehmen, ihre Schönheit mit allen Sinnen erfassen. Die Willkürlichkeit des Moments wird unser Navigator, lässt es zu, dass wir in in diesem Kleinod stranden. 

Doch Myers findet nicht nur brillante Worte, er ergänzt seine Zeilen auch um die namhafter Künstler, bringt Textstellen, AutorInnen und Werke ins Spiel und verschafft damit nicht nur seinem jungen Protagonisten sondern auch seinen Lesern Zugang zu guter Literatur, zu Musik und zur Lyrik. Er zitiert Stellen aus dem Koran, empfiehlt Robert D.H. Lawrence, Whitman, Sheley, John Clare, Robinson Jeffers, Emily Dickinson, Christina Rossetti und Emily Bronte. Die weise Dulcie wird dabei zu Myers Sprachrohr. Sie ist es, die Robert an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lässt, ihm das Leben schmackhaft macht und ihn darin bestärkt, für ein selbst bestimmtes Leben zu kämpfen. Und so bringt Dulcie einen Reifeprozess ins Rollen, der aus dem jungen Robert einen Mann formt, in dem Begehren erwacht.   

Dulcie begegnet uns als sehr starke widerstandsfähige Persönlichkeit. Sie scheint bereits alles gesehen zu haben, pflegt die richtigen Kontakte, verfügt über die notwendigen Mittel, um Haus und einen umfangreichen Fuhrpark unterhalten zu können. So leicht scheint sie nichts aus der Bahn zu werfen. Doch als Robert in ihrem verwilderten Schuppen auf einen Gedichtband namens „Offene See“ stößt und sie damit konfrontiert, beginnt ihre Fassade zu bröckeln und ein verdrängtes Erlebnis kämpft sich mit aller Macht in ihr Bewusstsein zurück. Und plötzlich ist es Robert, der Dulcie dazu verhilft, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und sich mit der offenen wütenden See zu versöhnen. 

Es war mir ein wahres Vergnügen mich in (die) „Offene See“ zu stürzen. Meine Reise mit Robert und Dulcie hat mir die Augen geöffnet, meine Sinne erweitert und mir ein Gefühl von unbändiger Freiheit geschenkt. Es ist ein Abenteuer, das ich so schnell nicht vergessen und dem ich noch eine ganze Weile nachhängen werde.

„Während ich jetzt hier am offenen Fenster sitze, ein Glissando von Vogelstimmen auf einer hauchzarten Brise, die den Duft eines letzten nahenden Sommers in sich trägt, klammere ich mich an die Dichtung, wie ich mich ans Leben klammere.“

Zitat, Seite 11

Sommer ist trotzdem

„Sommer ist trotzdem – Espen Dekko“

Thienemann Verlag, ab 10 Jahren, erschienen am 14. Februar 2020, Preis 13,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Es ist ein Sommer wie sie ihn jedes Jahr verbringt: Unbeschwerte Tage bei ihren Großeltern, in ihrem Haus am Meer, mit Sonne im Rücken und einem duftigen Gemisch aus salziger Meeresluft und gebackenen Waffeln in der Nase. Mit Mim, der Katze und dem Gefühl inniger Vertrautheit. Nur Opa, Oma, sie und das Meer. Und doch ist alles anders als sonst. Denn es ist ihr erster Sommer ohne Vater.

Und so mischen sich ungeweinte Tränen in die Luft. Tränen, die das Mädchen nicht in die Freiheit entlassen will, weil sie doch nichts bringen, nichts daran ändern, dass ihr Vater nicht mehr da ist. Dabei sind Tränen Gedanken, die wir nicht in Worte fassen können. Dessen war sich schon ihr Vater sicher. Und Gedanken schwirren ganz viele im Kopf des Mädchens herum. Und irgendwann fließen sie auch. Die Tränen. Genauso unerwartet und heftig wie die Regentropfen eines Sommergewitters rinnen sie über ihre Wangen.

Dieses Buch hat mich mit seinem schönen Cover gelockt und schon nach wenigen Seiten für sich gewonnen, selbst wenn ich der Altersempfehlung schon lange entwachsen bin. Denn was mich darin empfing, waren Zeilen voller Tiefe und großer Emotionalität. Sie spülten mich direkt ans Meer, an das Haus der Großeltern eines 11-jährigen Mädchens, dem alles so vertraut war und dennoch ganz anders begegnete als sonst.

„Dann stehen wir da. Allein am Wegesrand. Hier gibt es keinen Asphalt, nur Kies und Pfützen, randvoll mit blauem Himmel. Kein Bus, kein Flugzeug, keine Stadt. Nur Gras, das sich im Wind wiegt. Genau wie das Meer. Alles sieht aus wie immer. Als wäre nichts passiert. Aber nichts gibt es nicht. Denn in mir drin ist alles anders.“

Zitat, Seite 8

Espen Dekko entscheidet sich in seinem Jugendroman „Sommer ist trotzdem“ für die Erzählperspektive aus der Sicht des 11-jährigen Mädchens. Die Ich-Erzählerin bleibt namenlos, ihre Konturen nehmen aber schon nach wenigen Zeilen Form an, lassen ein trauerndes Mädchen vor idyllischer Kulisse aus einem Bus aussteigen, dass die Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen soll. Es ist der Verlust ihres kürzlich verstorbenen Vaters, den sie im Gepäck hat, die unterdrückte Trauer um ihn, die sich auf die bevorstehenden Ferien legen soll. Denn das Mädchen, das eigentlich noch viel zu jung ist, um ihrer Trauer so kontrolliert zu begegnen wie ein Erwachsener, versucht mit aller Macht, Stärke zu zeigen. Es weint nicht. Was sollen Tränen auch bewirken? Ihren Vater können sie doch nicht wieder lebendig machen. Und so werden sie zu Tränen, die in der Luft liegen wie Regentropfen eines heranziehenden Gewitters, vereinen das Mädchen und die wechselhaften Wetterbedingungen am Meer auf wunderbar symbolische Weise.  

„Manchmal werden die Dinge komplizierter, wenn Erwachsene versuchen, sie zu erklären. Zum Glück ist es bei Oma und Opa nicht so. Sie sagen nicht einfach nur Sachen, die sich nett anhören. Sie sagen die Wahrheit.“

Zitat, Seite 87

Es gibt Momente in diesem Sommer, in dem das Mädchen von einer Welle an Erinnerungen erfasst wird, die ihr die Luft zum Atmen nehmen, ihr den Verlust des Vaters so schmerzhaft in Erinnerung rufen, dass es auch den Leser schmerzt. Man Eins wird mit der Protagonistin. Leider bleibt der Papa nicht der Einzige, vom dem sich das Mädchen über die Sommerferien verabschieden muss. Denn schon wenige Tage nach ihrer Ankunft muss sie einen toten Schweinswal zu Wasser lassen und eine Gedenkfeier für tote Katzenbabys abhalten, auf die sie sich so sehr gefreut hat. Und so reagiert es auf die Dinge, die es nur schwer verstehen und akzeptieren kann, wie eine 11-jährige eben reagiert: trotzig und wehrhaft. Sie hat es satt, dass alle um sie herum meinen, sie müssten sterben. Deshalb versucht sie eines Tages auch eine lächerliche Makrele, die ihr an den Haken geht, wieder ins Meer zurück zu werfen und kentert dabei mit ihrem Boot. Und auch wenn dieser Rettungsversuch einem Erwachsenen in erster Linie recht kindisch und leichtsinnig begegnet, ist er in Anbetracht der Umstände absolut nachvollziehbar. Es ist der verzweifelte Versuch eines trauernden Mädchens, den Tod aufzuhalten. Weitere Verluste zu vermeiden…

Doch auch wenn die Geschichte so viel Verzweiflung und emotionale Tiefs in sich trägt, ist sie zu keiner Zeit bedrückend. Behält ihre Prise Unbekümmertheit bei. Denn Dekko versieht sie mit ebenso vielen Momenten der Freude wie der Trauer. Und so wartet nach einem wolkenverhangenen Tag die Sonne auf uns. Schenkt dem Mädchen sorgenfreie und gelöste Momente, die sich besänftigend auf ihre geplagte Seele legen und ein Kribbeln durch ihren Bauch jagen. Es sind die kratzigen Umarmungen mit dem unrasierten Opa, das einvernehmlich wortlose Miteinander mit Oma, der Geschmack von frischgebackenen Waffeln und heißem Kakao oder auch das größte Abenteuer dieses Sommers: eine Walsafari mit Opa, bei dem sie nicht nur den Riesen des Meeres, sondern auch ihrem Großvater ganz nahe kommt. Und so gesellt sich neben der Trauer auch etwas anderes hinzu: Liebe. Es ist die innige Liebe zwischen den Großeltern und der Enkeltochter, die Dekko hier so liebevoll umschreibt.

„Opa und ich stehen immer noch an Deck. Auf beiden Seiten des Bootes ziehen Wale vorbei. […] Dann verschwinden sie im Wasser. Alle gleichzeitig. Es ist, als wären sie nie hier gewesen. […] Ich spüre wieder den Kloß im Magen. Sie sind verschwunden, bevor ich mich verabschieden konnte. Doch plötzlich ragt wieder eine Walnase aus dem Wasser. Es spritzt nicht. Ganz ruhig gleitet er auf uns zu. Als ob er nachsehen will, wer wir sind. Ohne nachzudenken lehne ich mich über den Rand des Bootes. […] So weit ich kann, strecke ich mich nach vorn zum Wal. Es sieht so aus, als würden wir dasselbe tun. Uns zueinander hinstrecken. Und da spüre ich die Walnase an meiner Hand. Sie ist kalt und rau. Es kommt mir so vor, als könne der Wal meine Gedanken lesen. Als wüsste er, dass ich davon geträumt habe, ihn zu berühren. Dann sinkt er zurück ins Wasser und verschwindet. Was bleibt, sind Schaum und Blasen.“

Zitat, Seite 167

Es ist sicher einer der schönsten und emotionalsten Sommer, den ich mit einem Buch erleben durfte. Einer, in dem Freud und Leid nah beieinander liegen. Man dem Abgrund ganz nahe kommt. Und in dem einen das Wetter genauso launenhaft begegnet wie ein 11-jähriges Mädchen, das langsam aber sicher lernt, loszulassen. Und so ist eins gewiss: egal wie viele Tränen in diesem Sommer auch geflossen sind – Sommer ist trotzdem!

„Tränen sind Gedanken, die wir nicht in Worte fassen können, hat Papa mal gesagt. das stimmt. Aber Tränen sind auch ein Anfang. Denn wenn wir die Tränen erst einmal zulassen, werden sie zu Worten. Worte, die gesagt werden müssen. Mein Papa ist nicht mehr da. Er wird niemals wiederkommen. Daran kann ich nichts ändern. Aber wenn ich mit jemandem darüber rede, wird es leichter. Dann tut es nicht so weh. Dann bin ich nicht damit allein.“

Zitat, Seite 202

Elftausend Meter unter dem Meer

„Marianengraben“ – Jasmin Schreiber

Eichborn Verlag, Hardcover, erschienen am 28. Februar 2020, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Paula vermutet einen dieser versehentlichen Hosentaschenanrufe ihrer Mutter, als diese sie aus dem gemeinsamen Mallorca-Urlaub mit Bruder Tim anruft. Doch als der Satz, den die Telefonleitung zu ihr trägt, in ihr Bewusstsein durchdringt, wird ihr der Ernst der Lage bewusst. „Der Tim ist tot.“ Vom einen Moment zum nächsten wird Paula ihr Bruder genommen, und mit ihm ihre Konstante im Leben. Sie hat ihn heiß und innig geliebt: seine Kükenflaumhaare, seine Begeisterung für Tiefseefische und dass immer alles megakrass für ihn war. Mit seinem Tod breitet sich in ihr das Nichts aus, ein Zustand ohne Gefühl, ohne Geruch und ohne Klang. Es verwandelt sie in ein leeres Menschenkostüm, das durch den Wind der Tage flattert und sie in eine tiefe Depression stürzt. In ein Loch, so tief wie der Marianengraben, elftausend Meter unter dem Meer.

„An meinem Kühlschrank hängt bis heute ein Graph, auf dem man sieht, wie ein menschliches Herz zerbricht.“

Zitat, Seite 20

Als sie den Rat ihres Therapeuten befolgt, und zwei Jahre nach Tims Tod endlich sein Grab aufsucht, wartet dort eine merkwürdige Begegnung auf sie. Denn nicht nur sie, sondern auch Helmut, ein schrulliger alter Herr, hatte die Idee, den Friedhof nachts aufzusuchen. Zu viele Menschen laufen ihr dort tagsüber rum, zu viele unangenehme Beobachtungen könnten daraus resultieren. Mit Helmut hatte sie nicht rechnen können. Doch ehe sich Paula versieht, steckt sie bereits mitten drin, in einem Abenteuer mit dem wildfremden Alten, der die staubigen Überreste seiner Geliebten nach Südtirol bringen will. Eine Reise, die Paula nicht nur ins wunderschöne Italien, sondern auch zurück zu sich selbst bringt.

„Gedanken sind oft so unkontrollierbar wie die Liebe, die sie auslöst. Und jetzt liebe ich dich nur noch gefangen in einer Zwischenwelt aus Präteritum und Konjunktiv und in einer Realität, die vor deinem Tod ein Leben und danach nur noch ein Zustand war.“

Zitat, Seite 9

Es ist ein wirklich abgefahrener Roadtrip mit Paula, dem schrulligen alten Helmut und seiner Hündin Judy. Was im ersten Moment recht heiter klingt, birgt allerdings auch tieftraurige und emotional tiefgehende Momente in sich, die dich dem Abgrund und den Tränen ganz nahe bringen. Doch Jasmin Schreiber meistert, ähnlich wie Lucy Fricke in „Töchter“, den schmalen Grat zwischen Freud und Leid und führt ihre Leser dadurch ganz leichtfüßig durch die Themen Tod, Trauer und Depression. 

In „Marianengraben“ begegne ich zwei Protagonisten, die mit großen Verlusten zu kämpfen haben und dementsprechend mit dem Leben hadern. Die junge Paula spürt seit dem Tod ihres kleinen Bruders Tim vor zwei Jahren nur noch Leere in sich und der Pensionär Helmut hat erst kürzlich die Urne seiner (Ex)Frau Helga ausgebuddelt. Als die beiden nachts auf dem Friedhof aufeinander treffen ist die Freude nicht allzu groß, weder Paula noch Helmut sind sonderlich erpicht darauf, fortan ein gemeinsames Abenteuer zu bestreiten. Aber wie es der Zufall so will, sitzen die beiden dennoch wenig später zusammen in Helmuts Wohnmobil mit Kurs auf Südtirol, um dort die Überreste aus Helgas Urne zu verstreuen.

Dass die junge Frau und der Pensionär ein ungleiches Gespann abgeben, liegt schon allein des Altersunterschieds wegen auf der Hand. In Kombination mit Helmuts verrückter Hündin Judy, die nur noch rückwärts läuft, wenn sie eine Karotte im Maul hat, und einem verletzten Huhn, dass sie am Anfang ihrer Reise am Wegesrand aufgabeln und verarzten, nimmt der Roman recht skurrile Züge an, die für ungeheure Unterhaltung und viel Situationskomik sorgen. Doch je länger Paula und Helmut zusammen unterwegs sind, umso mehr kommen ihre Gemeinsamkeiten zum Vorschein. Nicht nur ihre Schicksalsschläge, sondern auch ihr Umgang mit dem Verlust verhalten sich nämlich ganz ähnlich. Sie sprechen eine Sprache, fühlen sich zum ersten Mal richtig verstanden. Bei Helmut kann Paula ihre wirren Gedanken ins Freie entlassen, die sie selbst vor ihrem Therapeuten zurückgehalten hat. Für Paula nimmt Helmut eine Art Vaterrolle an, die er ungewollt früh aufgeben musste, weil es das Schicksal nicht gut mit ihm meinte. Innerhalb von zwei Wochen wird Paula für ihn zu einer Art Familie, die er nicht mehr hatte. Und so führt das Schicksal zusammen, was zusammen gehört. 

„Du wolltest immer irgendwohin, hattest immer etwas vor, hattest immer den Drang, das Haus zu verlassen, nicht stehen zu bleiben, niemals zu ruhen. Du warst Zauberer und Abenteurer, Tierdompteur und Taucher, du warst ein Seeadler, wolltest fliegen und schwimmen und rennen und tauchen und das alles, bis es eben vorbei war. Tim, der Fisch. Tim, der das Meer so liebte und dann vor zwei Jahren in ihm ertrank.“

Zitat, Seite 10

Neben dem Trip nach Südtirol reisen wir mit Paula immer wieder gedanklich in die Vergangenheit, lernen einen aufgeweckten, wissbegierigen Tim kennen, für den das Meer und die Unterwasserwelt immer das Größte war. Er ist es auch, mit dem Paula über den Marianengraben spricht, der tiefsten Stelle des Weltmeeres. Ihre Trauer um ihn bringt sie dem Ort, der da ganz unten in der Dunkelheit liegt, wo es kein Licht, keine Farben und kaum noch Sauerstoff gibt, ganz nahe. Diese elftausend Meter, die Paula eigentlich immer viel zu abstrakt vorkamen, bekommen mit Tims Tod plötzlich eine greifbare Qualität. „Elftausend Meter unter Wasser sind gleichbedeutend mit einem Meter neunzig unter der Erde, der Tiefe deines Grabes.“ Schreiber bedient sich dieser Tiefe deshalb auch für ihren Roman, verwendet ihn als Ausgangspunkt in der Überschrift ihres ersten Kapitels und lässt uns so Kapitel für Kapitel langsam wieder zurück zur Wasseroberfläche tauchen. Und so stehen die Kapitel symbolisch für Paulas Hervortauchen aus der Tiefe ihrer Depression, in der sie seit Tims Tod versunken ist, für ein Erwachen, zu der ihr diese verrückte Reise und der schrullige alte Helmut verhilft. Dieses symbolische Stilmittel hat mich schwer beeindruckt, Paulas Tiefgang  und die Züge ihrer Depression sehr deutlich, ja fast greifbar gemacht.

Jasmin Schreibers Stil ist unglaublich beeindruckend. Er ist heiter und farbenfroh und gleichzeitig so melancholisch und tieftraurig, das die Geschichte einem ganz nahe geht. Sie so stark macht und zeitgleich so unglaublich leichtfüßig daherkommen lässt. Und genau deshalb liegt mit „Marianengraben“ eins meiner diesjährigen Lesehighlights hinter mir. 

„Du hast mich sensibilisiert, hast einen Teil von mir zu dir werden lassen, Liebe tut so etwas. […] Wir waren zwei Interpretationen desselben Songs, zwei Seiten derselben Münze, zwei Bäume nebeneinander im Wald, die sich unterirdisch gegenseitig mit Glucose versorgten. Wir waren Geschwister, und das ist etwas ganz Besonderes. Du bist fort, aber du hast mich auf dieser Welt zurückgelassen, als wäre ich der Durchschlag und du das Original. Du hast mich geprägt, deinen Abdruck hinterlassen und ist es nicht für immer meine Aufgabe, diesen in die Welt hinauszutragen?“

Zitat, Seite 208/209

De Welt geiht ünner!

„Mittagssstunde – Dörte Hansen“

Penguin Verlag, Hardcover, erschienen am 15. Oktober 2018, Preis 22,00 € [D], hier geht’s zum Buch

„Keine Schönheit weit und breit. Nur nacktes Land, es sah verwüstet und geschunden aus. Ein Land, das man mit einer frommen Lüge trösten wollte, die Hand auf diese Erde legen: Wird schon wieder. Wird alles wieder gut. Es vertrösten auf die guten Tage, wenn der Himmel steinfrei war, windstille Tage, manchmal gab es das. (…) Er hing an diesem rohen, abgewetzten Land, wie man an einem geliebten Stofftier hing, dem schon ein Auge fehlte, das am Bauch kein Fell mehr hatte.“

Zitat, Seite

Es ist sage und schreibe schon 1,5 Jahre her, dass ich Dörte Hansen im Carl-Orff-Saal im Rahmen der Münchner Bücherschau 2018 bei einer Lesung zu ihrem Roman „Mittagsstunde“ erleben durfte. Der Abend, der sich als bayerisch-plattes Unterfangen aus Moderator Thomas Grasberger und Autorin Dörte Hansen herausstellte, war großartig. Denn es hat auf der Bühne ordentlich Funken gesprüht, als Nord auf Süd, Oberland auf Bayern traf und uns geradewegs nach Brinkebüll, dem Ort des Geschehens, entführte, der, wie Grasberger feststellte, in bayerischen Ohren wohl eher nach Bullerbü klingt.

Die Lesung war Ende November und zu diesem Zeitpunkt stand ich mit meiner Lektüre noch am Anfang des Romans, die sich weit ins darauffolgende Jahr erstrecken sollte. Denn ich genoss Hansens Zeilen so sehr, dass ich mich nicht von ihnen verabschieden wollte, sie Stück für Stück in die Länge zog. Nach der Lesung im Carl-Orff-Saal hat mich der wunderbare Klang von Hansens Stimme bei meiner weiteren Lektüre begleitet, sie zu einem sehr authentischen Lesevergnügen gemacht. Plötzlich nahm die Geschichte so rasant an Fahrt auf, dass mir ganz schwindelig wurde. Denn gerade die plattdeutschen Elemente, von denen es hier reichlich gibt, prasselten förmlich auf mich nieder. Dass die Nordfriesen schnell reden können, wusste ich bereits aus meiner Zeit in Hamburg, nach dem Abend im Gasteig war diese Tatsache aber so sicher wie das Amen in der Kirche. Und deshalb habe ich meine Entscheidung, das Buch nicht schon vor der Lesung komplett beendet zu haben, nie bereut.

„Verrückte und Pastoren, einfach klappern lassen.“

Zitat von Thomas Grasberger

Die Geschichte von Ingwer Feddersen, der in sein Heimatdorf Brinkebüll zurückkehrt und nichts mehr so vorfindet, wie es mal war, mag einem anfangs recht unspektakulär erscheinen, spätestens aber wenn man mit Ingwer auf die schrulligen Dörfler und ihren hinterwäldlerischen Angewohnheiten und Ansichten trifft, hat Hansen dich am Schopf gepackt und mit aller Wucht in das Geschehen geschleudert, das dem ihres Heimatorts Husum sicher ganz nahe kommt. Auch Ingwer, der Brinkebüll für sein Studium hinter sich gelassen hat, findet deshalb nicht auf Anhieb zurück. Seinem Großvater Sönke nähert er sich nur langsam. Er scheint ihm noch immer nicht verziehen zu haben, dass er damals in die große weite Welt (nach Kiel) hinauszog und den Familienbetrieb, den Gasthof Brinkebüll hinter sich ließ. Nun blickt Ingwer, mittlerweile Archäologe und Hochschullehrer, einem verstaubten Manifest alter Tage, dem Tanzsaal der Gastwirtschaft, wo man früher das Tanzbein geschwungen und den neuesten Dorftratsch untereinander ausgetauscht hat und einem gealterten Großvater in die Augen.

„Marret war verdreiht, schon vor der Klapperlatschenzeit und vor den Untergängen, sie war noch nie normal gewesen. Auch nicht verrückt, sie lag wohl irgendwo dazwischen. Ein Knäuel Mensch, verfilzt, schief aufgerollt. Es gab die Sorte überall, in jedem Dorf. Zwei oder drei, die in sich selbst verknotet waren (…) Halfbackte, wunderliche Menschen, sehr einsam hinter ihrer Wand aus Glas.“

Zitat, Seite 35/36

Und dann wäre da noch Marret Feddersen, Ingwers Mutter, die eigentlich nie Mutter sein wollte und ihren bizarren Eigenarten nachhängt. Sie ist verschroben, eine Art Dorfverrückte, die überall Zeichen für den Untergang der Welt sieht. Sie ist der Ansicht, dass auch dem Dorf der Untergang bevorstünde, und irgendwie trifft sie es damit genau beim Wort. Denn dem nordfriesischen Geestdorf stehen große Veränderungen bevor: eine große Flurbereinigung, der Einzug modernster Technik, die Umstruktierung der Landwirtschaft und ein neuer Lehrplan (der keine Heimatkunde und Gewalteinwirkung mehr vorsieht) leiten eine neue Ära ein. Eine, mit der nicht alle Dörfler umgehen können.

Schon in Hansens Vorgängerroman „Altes Land“ fühlte ich mich damals auf Anhieb wohl. Und so verwunderte es mich nicht, dass mich auch ihr zweiter Roman, der ein Familien- und Heimatroman mit gesellschaftskritischen Zügen zugleich ist, in seinen Bann zog. Ich genoss sie schon sehr, die Zeit mit Ingwer Feddersen und all den verschrobenen Dörflern aus Brinkebüll. Hansens ehrliche und unaufgeregte Zeilen über das Leben tun einfach der Seele gut. Sie sind ungeschönt, wirken zu keiner Zeit kitschig oder aufgesetzt. Die sprachliche Raffinesse ihrer Zeilen beeindruckt, das Platt unterhält in höchstem Maße.

In der Mittagsstunde oder auch „Siesta des Nordens“ spielt sich im kargen aber scheinbar grenzenlosen Nordfriesland einiges ab. Das beweist Hansen mit ihren Zeilen auf’s Vortrefflichste. Und wenn man es genau nimmt, könnten ihre Figuren auch genauso gut aus unserem Nachbarort stammen. Denn so ein leicht verschrobener Charakter haftet wohl irgendwie allen Dorfbewohnern an.

„Es gab in Brinkebüll viel Ungesagtes, manches schwebte schon jahrzehntelang durchs Dorf, von Haus zu Haus, von Hof zu Hof. Mal landete es kurz, wenn jemand ein paar Worte fallen ließ, betrunken meistens, nicht sehr treffsicher. Dann trieb es weiter, Angehauchtes und Vermutetes und Unaussprechliches und halb Vergessenes. Das Schweigen war wie eine zweite Muttersprache, man lernte es, wie man das Sprechen lernte. Schon die Kinder wussten, was man sagen durfte und was nicht.“

Zitat, Seite 166

#baybuch: Wenn ein Riese plötzlich ganz klein wird

„Der vergessliche Riese – David Wagner“

Es ist Demenz, die Davids Vater im Alter ereilt und den einst so selbständigen Mann plötzlich hilflos und pflegebedürftig macht. Die Erinnerungen entgleiten ihm, Vergangenheit und Gegenwart sind für ihn oft nicht mehr auseinander zu halten. Und so sehen sich seine Kinder gezwungen, ihren alternden Riesen in einem Pflegeheim unterzubringen, ehe er nicht mehr zu seinem wirklichen Leben zurückfindet.

„Oft komme ich mir vor, als wäre ich aus einem Buch gefallen und könnte nicht zurück. Ich bin plötzlich in einer ganz anderen Geschichte und weiß nicht, was ich da soll.“

Die Rezension zum vorliegenden Werk mag für kurze Zeit in Vergessenheit geraten sein, nicht aber die Beschreibungsintensität, mit der mich David Wagners Roman empfing. Dass „Der vergessliche Riese“ den Bayerischen Buchpreis 2019 im Bereich „Belletristik“ verdient hat, darüber war sich nicht nur die Fachjury, sondern auch die drei Buchpreisblogger (ich war einer davon) im letzten Jahr einig. Und deshalb heimste Wagner auch nicht nur den begehrten Porzellanlöwen, sondern auch all meine Sympathien ein.

Das autobiografische Werk, in dem Wagner über die fortschreitende Demenz seines Vaters berichtet, begegnet einem auf so ruhige und zugleich ausdrucksstarke Weise, wie ich es an Romanen besonders mag. Ich fühle mich in leisen Zeilen voller Intensität und Zärtlichkeit wohl, brauche kein Tamm-tamm, durchaus aber echte Gefühle, die mit dem Lesen zu Tage treten. Und deshalb war ich bei Wagner auch gut aufgehoben. Denn der Autor versteht es vortrefflichst, sich mit seinen Zeilen unter die Haut zu schreiben. 

„Ich nehme seine Hand, die mir nun gar nicht mehr so groß vorkommt wie früher. Sie war mal riesig, jetzt fühlt sie sich an wie eine Kinderhand. Ich drücke sie, halte sie fest.“

Es ist der Vater, für David einst ein zu erklimmender Riese, der sich langsam aber sicher wieder zum Kind entwickelt. Seine Demenz vollzieht sich schleichend, macht sich aber schon bald durch die stetige Wiederholung sich immer gleichender Fragen und einer fehlenden Zuordenbarkeit deutlich bemerkbar. Selbst der Name seines Sohns scheint dem Vater entfallen zu sein, der ihn fortan nur noch „Freund“ nennt. Dadurch wächst zwischen Vater und Sohn eine besondere Bindung, sie scheinen sich plötzlich näher als jemals zuvor. Und so wird David zum Gedächtnisverwalter seines Vaters, nahezu unbeirrt hilft er ihm auf die Sprünge. Die Loyalität, Geduld und Zuneigung, die er ihm die ganze Zeit über zuteil werden lässt, ist nicht nur sehr berührend, sondern auch beachtlich.  

Während dem Lesen rufen sich mir Momentaufnahmen ins Bewusstsein, die der Geschichte ganz nahe kommt. Ich sehe dabei einer Frau mit ähnlichem Krankheitsbild in die Augen. Es ist meine Oma, die mich als eine der Letzten noch wirklich erkannt und meinen Papa nur noch als Jungen wahrgenommen hat. Die Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr auseinanderhalten und das Zittern ihres Körpers nicht unterdrücken konnte. Sie erkrankte nicht nur an Alzheimer, sondern auch an Parkinson und begegnete ihrem Leben leider weitaus weniger gefestigt und willensstark als Davids Vater, weswegen ich weiß, wie herausfordernd der Umgang mit Erkrankten sein kann. Diese Geschichte bringt mich ihrem Schicksal noch einmal ganz nahe und gibt mir dabei etwas Tröstliches mit auf den Weg. 

Es ist erstaunlich, dass die Geschichte, die in erster Linie den Verlauf des erkrankten Vater einfängt, über all die Zeit so leichtfüßig bleibt. Den dominierenden Gesprächen zwischen Vater und Sohn, die sich zu einem großen Teil „on the road“ aufhalten, hört man gerne zu. Oft haftet ihnen sogar etwas Tragikomisches an, was für ein Lesevergnügen ohne Beklemmung sorgt, selbst wenn man hin und wieder ordentlich schlucken muss. Wagner dramatisiert nicht, er bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Anstatt sich im traurigen Schicksal seines Vaters zu verlieren, ruft er lieber unbeschwerte Alltagsszenen der Familie in Erinnerung, die in wechselnden familiären Konstellationen (durch zwei verschiedene Ehen) und an unterschiedlichen Wohnorten stattfanden. Auch Davids Geschwister spielen eine tragende Rolle in der Geschichte. Und so präsentiert sich der für den Vater als Ausflug getarnte Umzug ins Pflegeheim als ein gelungenes Zusammenspiel der ganzen Familie.

Es mag kein leichtes Schicksal sein, wenn einem in den letzten Lebenstagen die Erinnerungen langsam aber sicher entgleiten. Doch Wagner hat dafür gesorgt, dass seinem Vater bis zum Schluss etwas Starkes und Lebensfrohes anhaftet. Es ist sein Charme und seine unbeirrte Lebensfreude, die ihn als unvergesslichen Riesen in die Geschichte eingehen lässt. 

„Im Grunde ist alles im Leben nur geliehen, Freund. Selbst die Dinge, von denen du dir einbildest, sie gehören dir, sind nur geliehen. Du verlierst alles wieder. […] Die Zeit […] holt sich alles wieder zurück. Eines Tages wird sie auch dich zurückholen, dein eigenes Leben hast du nämlich auch nur geliehen. Eines Tages musst du es zurückgeben.“

Kinderfreuden #37: Make a wish

„Vielleicht“ – Kobi Yamada, Gabriella Barouch

Unser Leben ist von so vielen äußeren Einflüssen geprägt: von den Wunschvorstellungen anderer, von gesellschaftlichen Vorgaben, von vermeintlichen Idealen und geschlechtsspezifischen Merkmalen. Unser Leben gehört aber uns. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wohin ihn die Reise seines Lebens führt.

Dieses Bilderbuch zeigt schon den Kleinsten, was das Leben so alles für sie bereithält. Und dass nahezu alles möglich ist, solange sie auf ihr Herz hören, an sich selbst glauben und nicht müde werden, das Leben jeden Tag aufs Neue zu erobern.

Denn vielleicht, ja vielleicht werden sie ja ihre kühnsten Träume übertreffen…

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

44 Seiten
19 x 25 cm
ISBN: 978-3-947-18885-7

Illustration: Gabriella Barouch
Text: Kobi Yamada

Adrian Verlag
12,95 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Es gibt Bücher, an die man auf Anhieb sein Herz verliert. Und genauso war es bei mir hier. Schon lange bevor wir selbst in „Vielleicht“ abtauchen konnten, war ich von der Magie fasziniert, die bereits von seinem Cover ausgeht. Und taucht man erst in die Seiten des Bilderbuches ab, beginnen die Augen zu strahlen. Denn auf was man sich hier begeben darf, ist eine Reise ganz besonderer Art: Einer Reise zu sich selbst.

Hast du dich schon einmal gefragt, ob dein Leben so verlaufen ist, wie du es dir als Kind erträumt hast? Ob deine Wünsche mit der Realität übereinstimmen? Ja? Du Glückspilz! Und wenn nicht, warum? Hast du dich selbst für dieses Ich entschieden, dass du heute bist oder wurde es möglicherweise von äußeren Einflüssen geprägt: den Eltern, die dir eine bestimmte Richtung vorgegeben haben; der Gesellschaft, die dir vorgeschrieben hat, wie du zu sein hast oder den Idealen, an die du dich orientiert hast, um nicht negativ aufzufallen? In einer Gesellschaft wie der heutigen wird unser Leben von so vielen Faktoren beeinflusst. Wir müssen immer höher, schneller und weiter. Und verlieren dabei oft uns selbst aus den Augen. Vergessen, was uns wirklich wichtig ist: Was wir sein wollen. Wie wir sein wollen. Wo wir sein wollen.

Der Ursprung unseres Charakters liegt in der Kindheit. Hier wird das Fundament für unsere spätere Persönlichkeit gelegt. Hier lernen wir von anderen. Hier probieren wir uns aus. Hier entdecken wir unsere Vorlieben und wachsen zu dem heran, was wir später sind. Wenn wir es dürfen.

Manchmal ertappe ich mich dabei, andere Eltern dabei zu beobachten, wie sie ihre Kinder steuern. Wie sie ihnen vorschreiben, wie sie zu sein haben, was sie toll und was sie schlecht finden dürfen: die Lieblingsfarbe, das Hobby, den Berufswunsch. Viele Eltern formen Ihre Kinder dabei Stück für Stück zu einem Abbild ihrer Selbst und geben ihnen keine Möglichkeit, sich selbst zu finden.

Und manchmal stelle ich auch an mir selbst fest, wie ich meine Tochter unbewusst lenke. Wie ich ihr vorschreibe, wie sie auf bestimmte Situationen zu reagieren hat. Ob es nun an der Zeit sei, wütend oder traurig zu sein; dass Weinen jetzt nicht helfe, bummeln unangebracht oder mit dem Fingern essen verboten ist. Sicher, Kinder brauchen Grenzen, damit sie nicht über das Ziel hinausschießen und sich in der Orientierungslosigkeit verlieren. Was sie aber auch brauchen, ist uneingeschränkte Freiheit. Raum, um sich zu entfalten. Die Welt zu entdecken. Um sich auszuprobieren. Zu lernen, dass einem nicht alles auf Anhieb gelingt. Und dass man auch mal fallen muss. Dass uns selbst das Scheitern ein Gutes Stück weiterbringen kann. Die Erfahrungen uns lehren, es beim nächsten Mal anders zu machen. An ihnen zu wachsen.

Was Kobi Yamada und Gabriella Barouch mit diesem Bilderbuch gelungen ist, ist ein wertvoller Wegbegleiter. Durch das harmonische Zusammenspiel von Barouchs zauberhaften Illustrationen und Yamadas wertschätzenden Zeilen wird den Kindern auf wunderbarste Weise die Botschaft an die Hand gegeben, dass nahezu alles möglich ist, solange man auf sein Herz hört. „Vielleicht“ schenkt ihnen Mut, Kraft und Hoffnung. Es zeigt ihnen, Augen für das Wunderbare zu haben und auch den kleinsten und unscheinbarsten Dingen im Leben seine Aufmerksamkeit zu schenken. Und dass hinter jeder Ecke ein Abenteuer auf sie wartet, das es zu erobern gilt. Anstatt ihnen eine Richtung vorzugeben, zeigt es ihnen, wie viele Weggabelungen da draußen auf sie warten. Und dass es allein ihre Entscheidung ist, welche davon sie nehmen.

Ich wünsche mir von Herzen dass zahlreiche Eltern dieses Buch kaufen, dass sie es ihren Kindern an die Hand geben und dass es sie auf ihrem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit begleiten darf. Möge der Zauber, der diesem wundervollen Bilderbuch innewohnt, auf so viele Menschen wie möglich übergehen.

„Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist […] ist alles möglich.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Gefällt dir das Buch?

Oh ja!

Was hat dir besonders gefallen?

Als das Mädchen in das Buch gestiegen ist

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als das Mädchen in einer Nussschale den Ozean des Lebens erobert

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

Worauf macht das Buch Lust?

das Leben zu erobern

Schlüpft in die Rolle von:

einer Entdeckerin

 

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Adrian Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]