Kinderfreuden #48: Klein, aber oho!

„Der kleine Schneepflug“- Lora Koehler, Jake Parker

„Du bist so ein kleiner Schneepflug, überlass die schweren Arbeiten lieber uns!“, sagten die großen Laster und brausten davon.

Als der kleine Schneepflug neu nach Mighty Mountains kommt, um den alten pensionierten Schneepflug zu ersetzen, wird er von der bestehenden Crew aus großen Trucks kritisch beäugt. Keiner von ihnen glaubt daran, dass er den Schneemassen der Stadt gewachsen ist, geschweige denn einem so kleinen Schneepflug überhaupt etwas wirklich Bedeutendes gelingen kann. Schließlich ist er ja so klein und die Schneemassen der Stadt so groß. Doch bis zum Winter hat der kleine Schneepflug genügend Zeit, um zu trainieren und Kräfte zu sammeln. Und als der Schnee ins Land geht, kann er sich auch prompt unter Beweis stellen. Denn auch Kleine (Dinge) können ganz Großes bewirken!

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
28,2 x 23,6 cm
ISBN: 978-3-280-08007-8

Illustration: Jake Parker
Text: Lora Koehler

Orell Füssli Verlag
14,95 € [D]

 

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Heute vor einer Woche hat es bei uns noch geschneit und meine Tochter hat bei frostigen -10 Grad ihren morgentlichen Fußmarsch in den Kindergarten angetreten. Und als ich auf unserem gemeinsamen Weg in ihre kleinen Kinderaugen geblickt habe, die beim Anblick der glitzernd weißen Schneedecke, in die die Landschaft plötzlich eingehüllt war, zu leuchten begannen, musste ich unwillkürlich an die Geschichte vom kleinen Schneeflug denken.

Eine Geschichte, in die die kleine Testerin Luisa in diesem Winter eingetaucht ist und die euch trotz des bereits tauenden Schnees und dem Frühling, der schon vor der Tür zu stehen scheint, heute noch ans Herz gelegt sei. Denn trotz seiner überschaubaren Größe gelingt dem kleinen Schneepflug in diesem Bilderbuch ganz Großes. Denn wahre Größe kommt von innen. Und diese Botschaft kann Kindern in der heutigen Zeit gar nicht oft genug vermittelt werden.

Lora Koehler erzählt in ihrem ersten Bilderbuch „Der kleine Schneepflug“ eine Geschichte, in der sich Kinder schnell wiederfinden. Mit dem kleinen Schneepflug können sich vor allem kleinere Kinder gut identifizieren. Der Vergleich mit anderen, oft größeren Kindern beginnt bereits im Kindergartenalter. Oft liegt es nahe, dass sich kleinere Kinder Herausforderungen nicht gewachsen fühlen, die von größeren, vermeintlich stärkeren Kindern problemlos gemeistert werden. Auch der kleine Schneepflug wird beim ersten Zusammentreffen mit der Crew aus Mighty Mountains‘ größeren Trucks mit dem alten pensionierten Schneepflug verglichen. Ohne ihn zu kennen, erlauben sie sich ein Urteil über ihn, schätzen ihn als nicht stark und nicht groß genug ein. Wie soll so ein kleiner Schneepflug schon mit gewaltigen Schneemassen zurechtkommen?

Doch es ist nicht immer nur die äußerliche Größe, die uns zum Erfolg bringt. Es ist die Aufgabe von uns Erwachsenen die Kinder in dem was sie tun, zu bestärken, sie Mut und Kraft sammeln und sich an Dinge heranwagen zu lassen, die auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt sind. Denn manchmal kann daraus ganz Großes entstehen. Und Große lässt sich nicht nur mit Zahlen ausdrücken, sondern auch mit Taten. Als der große Schnee nach Mighty Mountains kommt und der kleine Schneepflug tatsächlich auf die Hilfe der großen Trucks angewiesen ist, fühlen sie sich natürlich bestätigt. Doch dass eines Tages eine Lawine ins Tal donnert und den großen Muldenkipper erfasst, hat keiner kommen sehen. Und plötzlich ist es der kleine Schneepflug, der nahezu Unmögliches schafft und ihn mit Ausdauer und Wendigkeit aus den Schneemassen befreit. Sein hartes Training hat sich ausgezahlt. Er ist über sich selbst hinausgewachsen. Und der anschließende Applaus der großen Trucks schenkt ihm die Anerkennung und die Wertschätzung, die er verdient hat.

Der Muldenkipper schüttelte den Schnee von seiner Ladefläche. „Ich habe nicht gewusst, dass ein kleiner Pflug so stark sein kann.“, sagte er. 

Was Lora Koehler hier in wunderbar kindergerechte Worte verpackt, weiß Jake Parker mit feinen Illustrationen umzusetzen. Und so blicken die Kinder in ganz wunderbare Schneeszenerien, in der der kleine Schneepflug sich zu behaupten weiß und durch seinen Mut und seine Beharrlichkeit am Ende ganz groß herauskommt. Wer sich noch nicht vom Schnee verabschieden will, ist mit diesem Bilderbuch bestens versorgt. Ganz besonders sympathisch finde ich, dass das Bilderbuch frei von Genderklischees ist und sich von kleinen Lesern und kleinen Leser*innen gleichermaßen erobern lässt. Die kleine Luisa stellt das anschließend ganz wunderbar unter Beweis.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

 

Was ist deine Lieblingsstelle im Buch?

Ich habe zwei Lieblingsstellen: Die Seite, auf der der kleine Schneepflug wieder in die Gerätehalle zurückkommt und die anderen stolz auf ihn sind und die letzte Seite, auf der man den kleinen Schneepflug sieht, wie er zufrieden lächelnd schläft.

Warum kann der kleine Schneepflug so stark sein?

Weil er es den anderen zeigen möchte und er besonders viel trainiert!

Worauf bekommt man nach dem Lesen richtig Lust?

Nach draußen in den schönen Schnee zu gehen (wenn man nicht ohnehin schon draußen ist).

Was gefällt dir am Buch am besten?

Die glänzende Titelseite, die schönen Farben und der kleine fleißige Schneepflug, dem man gar nicht ansieht, wie stark er wirklich ist

Beste Lesezeit:

Im Winter, ist doch klar!

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell Füssli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #47: Ein Brief ans Universum

„Lieber Besucher aus dem All“ – Sophie Blackall

„Liebes Wesen aus dem All, das hier musst du wissen, wenn du uns besuchen kommst.“

Eckdaten

Gebunden, ab 5  Jahren

80 Seiten
22,9 x 28,6 cm
ISBN: 978-3-314-10541-8

Text & Illustration: Sophie Blackall

NordSüd Verlag
18,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

„Wir Menschen definieren uns über unseren Geburts- und Wohnort, darüber, was wir glauben, und über unsere Kleidung und Sprache. Eine „typische“ Person gibt es aber nicht. Wir sind alle unterschiedlich. Und doch gibt es etwas, was wir teilen – den Planeten, auf dem wir leben. Diese Welt mit ihren Bergspitzen im ewigen Eis, den sandigen Wüsten und grünen Steppen, sich windenden Flüssen und eisigen Seen, den glitzernden Meeren, pulsierenden Großstädten, belebten Städtchen und verschlafenen Dörfern. Diese Welt enthält all unser Essen und Wasser, unsere ganze Kunst und Musik, alle Bücher, jede noch so kleine Ameise, jeden Nieser und jedes Komma, jedes Atom von jedem Lebewesen und jedem unbelebten Ding.“

Sophie Blackall

Manche Bilderbücher schenkt man nicht nur seinen Kindern, sondern auch sich selbst. Denn das fantastische Abenteuer, das hinter dem Buchdeckel dieses Bilderbuchs auf uns wartet, konnte ich weder Emma noch mir selbst entgehen lassen. Und so hat sich das Buch im letzten Jahr als ideales Geburtstagsgeschenk für die Räubertochter entpuppt, selbst wenn sie noch gut zwei Jahre zur Altersempfehlung trennt. Denn dieses Bilderbuch ist eine wahre Perle. Es kommt so bunt und facettenreich daher wie unser Planet selbst und ist nicht nur ein unglaublich wertvoller Leitfaden für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

„Lieber Besucher aus dem All“ ist ein Buch, mit dem man wachsen kann. Aus dem sich Kinder unterschiedlichen Alters das nehmen, was sie gerade brauchen. Das Eltern Brücken baut. Das wichtige Botschaften bereits mit seinen Bildern transportiert, ehe man sich überhaupt dem begleitenden Text annimmt. Das so allumfassend daherkommt wie ein Lexikon. Das unterschiedliche Sprachen spricht, verschiedene Hautfarben, Religionen und Gewänder trägt, das Größenunterschiede greifbar macht, das Gefühle erahnen, das Wetter erspüren und Vorlieben finden lässt. Das Klänge, Farben und Formen in sich trägt. Großes und Kleines. Sichtbares und Unsichtbares. Mensch und Tier. Das Anlass für Gespräche bietet und Dingen seine Aufmerksamkeit schenkt, die in Kinderbüchern oft außen vor gelassen werden. Körper, die nicht einem scheinbaren Ideal entsprechen; Augen, die nicht sehen, Münder, die nicht sprechen, Beine, die nicht laufen können und doch allesamt Menschen gehören, die einzigartig und besonders sind. Die wir als Teil des großen Ganzen sehen und denen wir mehr Respekt, Liebe und Toleranz schenken sollten. Denn wir alle sind ein Teil dieses wunderbaren Planeten.

Durch Sophie Blackalls Bilder bekommen Kinder eine Ahnung davon, wie bunt und lebendig unsere Erde ist. Sie reisen an der Seite von Quinn, einem sympathischen Jungen mit fransigem Pony, roter Mütze und geringelten Socken über unseren Planeten. Er ist es, der einen Brief an die Besucher aus dem All verfasst, sollten sie sich jemals auf den Weg zur Erde machen. Er nimmt die Leser*innen an die Hand, ist auf nahezu jeder Seite des Buchs anzutreffen und wird durch seine stetige Sichtbarkeit zu einem guten Freund und treuen Weggefährten .

Blackalls begleitender Text ist eingängig. Er kommt behutsam und kindgerecht daher, mitunter sogar poetisch. Er bettet sich harmonisch in die großflächigen Szenerien ein, wirkt nicht aufdringlich oder deplatziert, sondern lediglich ergänzend. Er erklärt vor allem älteren Kindern gewisse Themen und Problematiken. Geht auf körperliche Beeinträchtigungen, unterschiedliche Lebensumstände und Weltansichten ein. Auf Bakterien, Krankheiten und Krieg. Er hilft den Kindern neue Sichtweisen einzunehmen. Anderen Menschen offen und vorbehaltslos zu begegnen. Sich in sie hineinzuversetzen. Dinge zu hinterfragen, zu erlernen und zu verstehen.

Das Buch bedarf sicherlich erwachsener Lesebegleitung, aber wenn sich auch die großen Leser*innen auf das wunderbare Bilderbuchabenteuer von Sophie Blackall einlassen, werden sie merken, dass das Leben einem stetigen Wachstum unterliegt und man egal, wie alt und erfahren man ist, hier noch jede Menge für sich mitnehmen kann.

„Lieber Besucher aus dem All“ ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaja hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht und ein Buch für ALLE geschaffen. Einen wunderbaren Bilderbuchschatz, der in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Das Bilderbuch ist noch bis noch bis zum 30. Januar 2021, 23:59 Uhr, als Giveaway im Rahmen meines 10. Bloggeburtstages zu ergattern. Die Chance auf diese Bilderbuchperle solltet ihr euch nicht entgehen lassen! Die Teilnahme ist mithilfe eines Kommentars im vorherigen Beitrag möglich. Viel Glück!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Worum geht’s im Buch?

Um die Erde und alles, was auf ihr lebt

Wer schreibt den Brief an die Besucher aus dem All? Wer erzählt uns die Geschichte?

Das ist Quinn. Der Junge mit der roten Mütze, den ich fast auf jeder Seite entdeckt habe.

 

Lieblingsstelle im Buch:

Die Wetterseite, auf der es stürmt, schneit und regnet.

Was für ein Wetter magst du am Liebsten?

Wenn’s regnet, kann ich durch Pfützen springen und mit meinem Regenschirm spazieren gehen, genau wie Quinn – das mag ich!

 

Worauf freust du dich, wenn du die Bilder im Buch siehst?

Dass es draußen wieder so warm ist, dass wir auf einer Wiese sitzen und zusammen picknicken können

Wird zu:

einer kleinen Weltentdeckerin

 

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom NordSüd Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #46: Eine Reise durch die Galaxie

„Ein kleiner blauer Punkt“ – Maren Hasenjäger

Irgendwo im riesengroßen Universum schwebt ein kleiner blauer Punkt. Ihr kennt ihn. Es ist der Planet, auf dem wir alle leben: die Erde. Und obwohl die Erde in so vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist, fühlt sie sich ziemlich alltäglich wenn sie auf die anderen sieben Planeten blickt, die mit ihr um die Sonne kreisen. Dann wünscht sie sich nichts sehnlicher, als so zu sein wie sie.

Sie wäre so gern wie Merkur, der der Sonne am Nächsten steht; wie Venus, die so hell ist, dass die Menschen sie mit bloßem Auge am Nachthimmel entdecken können; wie Mars, auf den ständig Sonden geschickt werden; wie Jupiter, der tausend Mal so groß ist wie sie; wie Saturn, der einen Hula-Hoop-Reifen um den Bauch trägt; wie Uranus, der wohl der lustigste Planet von allen ist und sich ständig um sich selbst dreht oder wie Neptun, der ziemlich cool und geheimnisvoll daherkommt.

Doch auch die Erde hat ein paar ganz besondere Merkmale. Kommt mit auf eine Reise durch unser Sonnensystem und entdeckt, wie einzigartig unser Planet ist.

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4  Jahren

32 Seiten
25,0 x 27,5 cm
ISBN: 978-3-7348-6001-0

Text & Illustration: Maren Hasenjäger

Magellan Verlag
15,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 

Blickwinkel aus großen Augen

Seit ihrem ersten Buch über die Sterne ist es wie um Emma geschehen. Plötzlich ist da eine ungeheure Faszination für den Weltall, für die Sterne, die Planeten und all die magischen Vorkommnisse in diesem riesengroßen Universum. Ich war als Kind genauso begeistert von dem, was sich da oben im Weltall abspielt, wie es Emma heute ist. In meiner Erinnerung aber war ich damals um einiges älter als sie, ich hatte ein Teleskop in meinem Dachbodenzimmer stehen, das mich meiner damaligen Lektüre für die Altersgruppe 10+ weitaus intensiver auf den Grund gehen ließ. Wie gut, dass der Büchermarkt sich stetig weiterentwickelt und uns heute eine ganze Reihe an fantastischen Büchern zur Verfügung steht, die auch kleine Leser*innen dem Weltall ganz nahebringen können. 

Als ich das Cover von „Ein kleiner blauer Punkt“ das erste Mal sah, musste ich eigentlich gar nicht mehr vom Inneren sehen, um zu wissen, dass es das ideale Bilderbuch für Emma ist. Es erweitert ihre „Sternenbibliothek“ (wie wir ihr Regal neben dem Bett seit kurzem nennen) um einen weiteren Bilderbuchschatz. Um ein Sachbilderbuch, das so unterhaltsam, warmherzig und spannend daherkommt, dass man es ohne weiteres auch als erzählendes Bilderbuch wahrnehmen kann. Denn im Gegensatz zu den inhaltlich sehr gehaltvollen Sachbilderbüchern, die sich an weitaus ältere Kinder richten, reiht sich dieses hier in die Riege der erzählenden Sachbilderbücher für die Kleinen ein. Es ist ein Buch, das ebenso einfühlsam und außergewöhnlich daherkommt wie es z.B. auch die Sachbilderbücher von Jenni Desmond tun (hier bekommst du einen Einblick in „Der Elefant“ bzw. „Der Eisbär“).

Mit wunderbar kindgerechten Worten erzählt Maren Hasenjäger die Geschichte vom kleinen blauen Punkt, der Erde, die so unscheinbar durch das große dunkle Weltall schwebt, dass man sie fast übersieht. Es sind ihre Augen und ihre Worte durch die die kleinen Leser*innen die restlichen sieben Planeten des Sonnensystems kennenlernen und bald nicht nur um ihre Besonderheiten, sondern auch um ihre Gefahren wissen. Sie lernen, dass man nicht auf Merkur stehen könnte, ohne sich dabei mächtig die Füße zu verbrennen, dass die Luft auf der Venus giftig ist und dass die Oberfläche von Jupiter aus dichtem wirbelnden Gas besteht.

Hasenjäger verwebt sachkundige Informationen mit leicht zugänglichen Zeilen. Und so  schweben die Kinder mit der Erde nicht nur ganz spielerisch und leicht durch den Weltraum, sie entwickeln auch eine wunderbare Verbundenheit zu ihr, gewinnen sie als Freundin dazu. Eine, die sich trotz all ihrer Besonderheiten für zu gewöhnlich erachtet. Die sich mit den restlichen Planeten vergleicht, ihnen nacheifert und sich nichts sehnlicher wünscht, als so zu sein wie sie. Doch am Ende lernt nicht nur die Erde, dass sie wie jeder andere (Planet) etwas ganz Individuelles und Einzigartiges an sich hat, sondern auch die Kinder.  

Das Sachbilderbuch „Ein kleiner blauer Planet“ kommt nicht nur wunderbar unterhaltsam und informativ daher, es birgt auch ganz fantastische Bilder in sich, die wir ebenfalls Maren Hasenjäger zu verdanken haben. Mit ihren großformatigen und farbenfrohen Illustrationen lässt sie ihre kleinen Leser*innen den Planeten und dem Weltall ganz nahe kommen. Die Deckelinnenseiten ihres Bilderbuchs bestückt sie am Anfang mit einer wunderbaren Planetenkonstellation, die noch einmal mit kurzen Eckdaten zu den einzelnen Planeten aufwartet und am Ende mit einer ganz reizenden Botschaft, die von einem auf der Erde lebenden Kind ausgeht:

„Endlich hörst du mir zu!“, sagt es. „Also ich finde ja, du hast etwas ganz Wichtiges vergessen: Du bist der einzige Planet, auf dem ich leben kann! Hier ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt, es gibt Wasser und Essen und Luft zum Atmen. Nur auf dir gibt es Gras und Krokodile. Und Bienen und Sonnenblumen. Und Schneeleoparden und Badeseen und Gänseblümchen und Tintenfische und Schneeballschlachten und Kakteen und Blauwale und Spaghetti und riesige Mammutbäume und Kinder und Pizza und Flummis und Ameisen und Korallenriffe und Eis mit Sahne und Kirschkernweitspucken und noch vieles, vieles mehr!“ Das Kind hält in seiner Aufzählung inne. Dann lächelt es. „Für mich bist du genau richtig!“

 Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Worum geht’s im Buch?

Um Planeten

Hast du direkt erkannt, wer der kleine blaue Punkt ist?

Na klar! Das ist die Erde.

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Bei Saturn mit seinen Gesteinsbrocken

Wo entfaltet sich das Buch am Besten?

Auf dem Kuschelteppich, neben der Sternenbibliothek, umgeben von Planeten

Was möchtest du auch eines Tages machen?

Zum Mars fliegen

Wird zu:

einer Astronautin

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom Magellan Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

20 of 2020: Unsere Kinderbuchperlen des vergangenen Jahres

Zwei Wochen ist es nun alt. Dieses heiß ersehnte 2021, vom dem sich alle wieder mehr Normalität versprechen. Es soll freier, lebendiger und unbekümmerter daherkommen als das Jahr zuvor. Unserem Leben mehr Farbe, Hoffnung und wilde Abenteuer schenken. Und doch kann uns das alles keiner garantieren. Eins kann ich euch aber mit ziemlicher Gewissheit garantieren: Wunderbare Kinderbücher wird es in diesem Jahr reichlich geben. Genau wie es sie im letzten Jahr gab. Und wisst ihr was? Sie schenken uns das alles. Das alles und noch viel mehr. Es sind ihre Geschichten, in die wir mit unseren Kindern eintauchen, die unsere Fantasie beflügeln, unseren Horizont erweitern und uns an Orte versetzen können, die wir in der Realität gerade nicht erreichen. Und deshalb empfehle ich euch: nehmt die Einladung der Bücher an. Denn Lesen ist wie reisen mit unbekanntem Ziel! 

Und bevor ich euch die Kinderbücher vorstelle, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblicken werden oder es bereits in unsere Regalreihen geschafft haben, möchte ich euch noch einmal unsere Highlights aus 2020 vorstellen. Denn die Bilderbücher, die Emma und mich im letzten Jahr begleitet haben, waren in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. Sie kamen nahezu magisch daher, haben uns mit ihren fantasievollen, facettenreichen und berührenden Geschichten begeistert und uns durch ein Jahr getragen, das so kräftezehrend war wie keines zuvor. Sie haben es geschafft, Licht ins Dunkle zu bringen, unserem Alltag Farbe zu verleihen und uns Hoffnung zu schenken. Sie haben unseren Lesestunden einen gewissen Zauber verliehen. Und deshalb waren sie nicht nur in 2020 Garanten für unterhaltsame Lesestunden, sondern bleiben es auch in 2021. 

Nachfolgend möchte ich euch 20 unserer meistgeliebten Kinderbücher aus dem letzten Jahr mit auf den Weg geben. Ihr habt richtig gelesen. Es sind zwanzig an der Zahl! Und wenn ich ehrlich bin, hätte die Liste auch doppelt so umfangreich ausfallen können. Denn unser letztes Jahr war so unglaublich reich an Bilderbüchern, das ich mich schwer zusammenreißen musste, nicht jedes Einzelne von ihnen zu nennen. 

Bei der nachstehenden Auswahl handelt sich um eine bunte Zusammenstellung von Kinderbüchern für Leser*innen unterschiedlichsten Alters. Sie wurden unabhängig von der Altersempfehlung von Emma und mir im Sturm erobert. Es handelt sich genau wie im letzten Jahr nicht ausschließlich um Bücher, die 2020 veröffentlicht wurden, aber den Weg zu uns gefunden haben. 

Die Reihenfolge der Bücher ist völlig willkürlich und unterliegt keinem Ranking.

Mögen die Bücher mit euch sein!

1. „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade & Valeria Docampo

Mixtvision, ab 3 Jahren, erschienen im Juni 2010, Preis 14,90 € [D], hier geht’s zum Buch

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Dieses Buch wurde von Emma im letzten Jahr am meisten aus dem Regal gezogen. Sie liebt es heiß und innig, hat es innerhalb weniger Tage zu ihrem Liebling auserkoren. Und so hafteten schon nach kurzer Zeit Lebensspuren zahlreicher Lektüren auf den Buchseiten, stehen für die Liebe, die für dieses Buch herangewachsen ist.

Die Geschichte um die große Wörterfabrik ist Dank Valeria Docampos stimmungsvollen und großflächigen Illustrationen nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch inhaltlich besonders wertvoll. Denn im Zusammenspiel mit den poetischen Zeilen der Belgierin Agnès de Lestrade, die von Anna Taube ins Deutsche übersetzt wurden, wird den Kleinen hier etwas sehr Wertvolles vermittelt. Nämlich dass auch kleine Dinge ganz Großes bewirken können. Hier sind es drei Wörter, die Paul und Marie die Welt bedeuten. Es ist der emotionale Wert, der ihnen anhaftet, und sie für die beiden so wertvoll macht.

Die Botschaft des Buches lässt auch uns Erwachsene darüber nachdenken, wie unbedacht wir oft Wörter in die Freiheit entlassen und welche Sorgfalt wir beim Sprechen eigentlich an den Tag legen sollen. Darüber hinaus lernen die Kinder auch, dass man manche Dinge nicht kaufen kann. Und deshalb ist es auch nicht der reiche Oskar, sondern der in bescheidenen Verhältnissen lebende Paul, der Maries Herz im Sturm erobert.

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2. „Vielleicht“ von Kobi Yamada & Gabriella Barouch

Adrian Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 16. September 2019, Preis 12,95 € [D], hier geht’s zum Buch

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Unser Leben ist von so vielen äußeren Einflüssen geprägt: von den Wunschvorstellungen anderer, von gesellschaftlichen Vorgaben, von vermeintlichen Idealen und geschlechtsspezifischen Merkmalen. Unser Leben gehört aber uns. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wohin ihn die Reise seines Lebens führt.

Dieses Bilderbuch zeigt schon den Kleinsten, was das Leben so alles für sie bereithält. Und dass nahezu alles möglich ist, solange sie auf ihr Herz hören, an sich selbst glauben und nicht müde werden, das Leben jeden Tag aufs Neue zu erobern. Denn vielleicht, ja vielleicht werden sie ja ihre kühnsten Träume übertreffen…

Es gibt Bücher, an die man auf Anhieb sein Herz verliert. Und genauso war es bei mir hier. Schon lange bevor wir selbst in „Vielleicht“ abtauchen konnten, war ich von der Magie fasziniert, die bereits von seinem Cover ausgeht. Und taucht man erst in die Seiten des Bilderbuches ab, beginnen die Augen zu strahlen. Denn auf was man sich hier begeben darf, ist eine Reise ganz besonderer Art: Einer Reise zu sich selbst.

„Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist […] ist alles möglich.“

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3. „Meer – Die Welt unter den Wellen“ von Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, ab 4 Jahren, erschienen am 24. März 2020, Preis 15,00€ (D), hier geht’s zum Buch

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Als ich das Bilderbuch auf der „Münchner Bücherschau junior“ entdeckt habe, konnte ich selbst kaum die Augen davon abwenden. Es kommt so bunt, lebendig und wunderschön daher, dass man sich kaum daran sattsehen kann. Und als uns das Buch dann zuhause erreicht hat und ich sah, wie viel Freude die Räubertochter damit auf Anhieb hatte, wusste ich, dass es nicht bei einem Werk der Illustratorin bleiben wird.

Mit ihren Bildern, die auf nahezu magische Weise daherkommen, nimmt Britta Teckentrup die Kinder mit auf eine wundervolle Reise durch die magische Unterwasserwelt. Und dabei lernen sie nicht nur die wunderschöne Unterwasserlandschaft und ihre Meeresbewohner kennen, sondern wissen bald auch um die Gefahren, die sie umgibt. Denn in den Bildern begegnen wir nicht nur tanzenden Seepferdchen, zahlreichen Fischen, glänzenden Aalen und glitzernden Quallen, sondern auch einem gefährlichen Hai.

„Korallenriffe sind ein Schatz, ein Meerestiere-Tummelplatz. Drum schützt das Meer, den Zauberort, und alle unsre Freunde dort!

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4. „Erklär mir was Sterne sind“ 

Usborne Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 31. August 2018, Preis 9,95 [D], hier geht’s zum Buch

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„When you wish upon a star..“

Was sind Sterne? Und kann man sie zählen? Leuchten sie nur bei Nacht? Und was ist mit unserer Sonne, ist die auch ein Stern? Fragen über Fragen. In „Erklär mir, was Sterne sind“ lernen Kinder alles über Sterne.

Mit zahlreichen Klappen können die Kleinsten in diesem Buch nicht nur interaktiv den Sternenhimmel erobern, sondern auch viel Wissenswertes für sich mitnehmen. Schon auf der ersten Seite hat Emma etwas Wichtiges gelernt und anschließend selbständig mit ihren Perlen ein Dreieck auf ihren Holzstern gelegt, weil darin auf die Zacken eines Sterns eingegangen wird und sich auch ein Dreieck und Quadrat in die Auswahl gemischt hat.

Von da an konnte Emma gar nicht genug von dem Pappbuch kriegen, von den Sternen und vom leuchtenden Nachthimmel! Dieses Buch hat ihre Begeisterung für den Weltall entflammt und sie zur leidenschaftlichen Sternenguckerin gemacht. Seitdem umgibt die Räubertochter eine Faszination um Sterne und Planeten. 

5. „Kalle und Elsa lieben die Nacht“ von Jenny Westin Verona & Jesús Verona

Bohem Press, ab 3 Jahren, erschienen am 14. Mai 2020, Preis 16,95€ [D], hier geht’s zum Buch

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Dieses Bilderbuch ist an Weihnachten bei Emma eingezogen und hat sich direkt in ihr Herz geschlichen. Da Emma mittlerweile nicht nur alles liebt, was mit dem Weltraum zu tun hat, sondern auch ein großer Fan des Bilderbuch-Duos Kalle und Elsa geworden ist, ist sie schwer begeistert, dass die beiden Freunde hier mit Elsas aufgemotztem (Raketen)Bett in den Weltraum düsen und direkt auf dem Mond landen, wo so manche Überraschung auf die beiden wartet. Denn hier begegnen sie nicht nur einer belesenen Nachteule, allerhand Mondsüchtigen und sogar einem Weltraumaffen, sie inszenieren dort auch Moonwalks, straucheln durch schwarze Löcher und reiten auf einem glitzernden und blinkenden Kometen wieder direkt zurück in Elsas Zimmer, um sich dem ganzen Naschkram anzunehmen, den sie sich im Vorfeld als Stärkung zurechtgelegt haben. 

Es ist genau so ein Abenteuer, dass Kinder gerade brauchen: Eines, das ihre Fantasie beflügeln, ihre Augen zum Leuchten bringen und ihre Träume mit fantasievollen Bildern anreichern kann. Es ist divers, fantasievoll und eine unglaubliche Augenweide!

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

6. „Der Maulwurf und die Sterne“ von Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, ab 3 Jahren, erschienen am 24. Juli 2019, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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„Ich wünschte, ich könnte alle Sterne dieser Welt bestitzen!“, flüsterte er.

Für Sterne hat Emma gerade sehr viel übrig. Mit dem Maulwurf, der sich in diesem wundervollen Bilderbuch von Britta Teckentrup die Sterne vom Nachthimmel klaut, um sich auch in seinem dunklen Maulwurfsbau an ihrem Glanz zu erfreuen, konnte sie sich auf Anhieb identifizieren. Dass der um sein Sternenlicht beraubte Nachthimmel aber plötzlich sehr dunkel und angsteinflößend daherkommt und die Sterne von den restlichen Waldbewohnern mindestens genauso sehr geliebt werden wie vom Maulwurf, hat der Gute nicht bedacht. Und deshalb wünscht er sich beim Anblick einer gefallenen Sternschnuppe nichts sehnlicher, als dass er seinen Sternenklau ungeschehen machen kann.

Und siehe da, plötzlich ragen tausende Leitern in den Nachthimmel, mithilfe derer der Maulwurf mit der Unterstützung der restlichen Waldtiere die Sterne wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückbringt. Der liebste Stern des Maulwurfs findet fortan seinen Platz direkt über seinem Lieblingsstein und das zauberhafte Licht des leuchtenden Nachthimmels kann von da an wieder von allen Tieren des Waldes genossen werden.

Diese wundervolle (Gute-Nacht-)Geschichte passt ganz hervorragend in Emmas Sternenbibliothek. Sie vermittelt den kleinen Leser*innen auf sehr behutsame und magische Weise, was Freundschaft, Besitz und Teilen ausmacht und trägt darüber hinaus eine sehr wichtige Botschaft in sich: Die Wunder dieser Welt gehören uns allen.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

7. „Lieber Besucher aus dem All“ von Sophie Blackall

NordSüd Verlag, ab 5 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Manche Bücher schenkt man nicht nur seinem Kind, sondern auch sich selbst. Denn das fantastische Abenteuer, das hinter dem Buchdeckel von „Lieber Besucher aus dem All“ auf uns wartet, konnte ich weder Emma noch mir selbst entgehen lassen. Und so hat sich das Bilderbuch als ideales Geburtstagsgeschenk für die Räubertochter entpuppt, ihr einen wertvollen Leitfaden an die Hand gegeben, der so bunt und facettenreich ist wie unser Planet selbst.

Es ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaya hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht, ein Buch für ALLE zu schaffen. Und das ist ihr mit Bravour gelungen!

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

8. „Meine Freundin Erde“ von Patricia MacLachlan & Francesca Sanna

NordSüd Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 20. März 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Im Winter kuschelt sie sich in eine glitzernd weiße Decke aus Schnee, sie blickt durch scheinbar undurchdringliches Gestrüpp aus wild sprießenden Pflanzen im Frühling und gießt lauen Sommerregen über das Land, lässt Bäche die Berge hinabrauschen und heftige Herbstwinde durchs Land fegen, die durch die Glieder von Bäumen und Straßen pfeifen.

Sie lässt Spinnen in ihren Händen Netze spannen, reitet auf dem Rücken von Walen, hilft verlorenen Tierkindern zu ihren Müttern zurück, lässt Wildpferde über die gepflegte Prärie donnern und gibt kleinen Eisbären den Blick durch dicke Eisschichten frei, damit sie die Wunder unter der Meeresoberfläche bestaunen können.

Unsere Freundin Erde gibt den Rhythmus des Lebens vor. Sie ist unsere Taktgeberin, bestimmt den Kreislauf der Natur und behütet alle Lebewesen. Habt ihr Lust, sie ein Stück ihres Weges zu begleiten? 

Francesca Sanna hat in ihrem Bilderbuch einen wunderbaren Weg gefunden, mit ihrem Pinsel die Erde genauso facettenreich zu Papier zu bringen wie sie ist. Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten, lässt sie gemeinsam mit dem Mädchen durch ein Meer von Farben tauchen und Blickwinkel einnehmen, die den Blick auf kleine kostbare Details preisgeben, die einem beim oberflächlichen Betrachten verwehrt bleiben. 

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung

9. „Linnea im Garten des Malers“ von Lena Andersen

cbj, ab 8 Jahren, 4. Edition (erstmals erschienen am 1. Juli 1987), Preis 12,99 € [D], hier geht’s zu den Büchern

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Diese bezaubernde Bilderbuchreise, in dem das Mädchen Linnéa von ihrer Reise mit dem pensionierten Gärtner Blümle erzählt, hat Emma an Ostern in Begleitung eines Farbmalkastens geschenkt bekommen. Es sollte ihr einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was man mit dem Pinsel alles zaubern kann und was wir in unserem ursprünglich anvisiertem Sommerurlaub entdecken wollten. Diese Reise nach Frankreich wurde leider nichts, dafür durfte die kleine Stoffpuppe Linnéa aus meiner Kindheit von der Oma zu uns reisen. Denn auch ich hatte das Bilderbuch als Kind bestaunt und es heiß und innig geliebt.

Das Bilderbuch ist eine so wunderbare Inspiration für kleine Malkünstler, eine Ode an die Natur und an den Künstler Claude Monet. Hier erfahren die kleinen Leser*innen auf so bezaubernde Weise alles über Monets Leben, seine Familie, über die Natur und über Paris, dass es sich ein klitzekleines bisschen so anfühlt, als wäre man selbst in Frankreich.

10. „Stinas Sommer“ von Lena Andersen

cbj, ab 4 Jahren, erschienen am 25. März 2013, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Der Sammelband „Stinas Sommer“ vereint unter einem unglaublich hübschen Cover die Geschichten „Sturm-Stina“ und „Stina und der Lügenkapitän“ um die Figur Stina von Lena Andersen. Wer eine Leidenschaft für das Meer und das Land Schweden hegt, wird mit Begeisterung in die Geschichten eintauchen. Denn hier trifft man nicht nur auf traumhaft skandinavische Illustrationen, sondern auch auf lebendige Bilder der stürmischen See.

Während sich die kleine Stina in „Sturm Stina“ mit kindlicher Vorfreude ins tosende Unwetter stürzt und von ihrem Opa erst einmal das nötige Sturm-Outfit verpasst bekommt, lernt sie in „Stina und der Lügenkapitän“ Opas Kindheitsfreund Axel kennen, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und aus gutem Grund den Spitznamen Lügenkapitän trägt.

Zu diesem Sammelband erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

11. „Roberts weltbester Kuchen“ von Anne-Kathrin Behl

NordSüd Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 18. Juli 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zu den Büchern

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Genderklischees gibt es wie Sand am Meer. Oft sind sie so fest in unseren Köpfen verankert, dass man sich nur schwer von ihnen lösen kann, man ganz aus Gewohnheit alte Denkweisen und Verhaltensmuster beibehält. Kleidung, Berufe und Hobbies vermeintlich geschlechtsspezifisch auswählt, sich den Regeln der Gesellschaft unterordnet. Dabei streben wir doch alle nach individueller Entfaltung. Wollen selbst entscheiden, was wir am liebsten mögen. Und zu eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen. Und das von klein an!

Kinderbücher, die mit Rollenklischees aufräumen, sind noch rar, aber immer mehr im Kommen. Mit „Robert weltbester Kuchen“ von Anne-Kathrin Behl hießen wir im letzten Jahr eine Bilderbuchperle in unserem Bücherregal willkommen, die genau dort angesiedelt ist, wo wir uns wohlfühlen: in einer Welt frei von Geschlechterstereotypen. Einer Welt, widdewidde wie sie uns gefällt! 

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12. „Der höchste Bücherberg der Welt“ von Rocio Bonilla

Jumbo Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 20. Juli 2018, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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„Man kann auch anders fliegen, Lukas!“ Und sie legte ein Buch in seine Hände.“

Lukas wünscht sich nichts sehnlicher als fliegen zu können. Wie ein Vogel den Himmel zu erobern, das wär’s! Als seine Mama ihm eines Tages ein Buch in die legt, das ihm beim Fliegen helfen soll, ist er irritiert. Doch er beginnt zu lesen und findet so viel Gefallen an der Geschichte, dass er sie in einem Rutsch durchliest. Und plötzlich will er mehr, kann mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Bald versorgt ihn die ganze Stadt mit Büchern, aus denen er sich einen Bücherstapel baut, auf den er sich zum Lesen setzt. Und so ragt sein Bücherstapel bald weit in den Himmel und geht als höchster Bücherberg der Welt in die Geschichte ein. Und irgendwann hat Lukas verstanden, was seine Mama gemeint hat. 

Als ich von Rocio Bonillas neuem Bilderbuch erfahren habe, war klar, dass ich es der Räubertochter schenken muss. Mit ihren Büchern kann sie längst einen Bücherberg bauen der genauso weit in den Himmel ragt, wie der von Lukas. Doch was mir an „Der höchste Bücherberg der Welt“ besonders gut gefällt, ist die Botschaft, die Kindern damit übermittelt wird: Es bedarf keiner Flügel, um fliegen zu können. Es sind die Geschichten, die uns Flügel verleihen, unsere Fantasie, die uns davonträgt.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

13. „Welche Farbe hat ein Kuss?“ von Rocio Bonilla

Jumbo Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 12. Januar 2018, Preis xx € [D], hier geht’s zum Buch

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„Welche Farbe hat ein Kuss?“

Diese Frage beschäftigte Emma seit Ostern sehr. Denn der Osterhase hat ihr im letzten Jahr nicht nur das gleichnamige Bilderbuch von Rocio Bonilla, sondern auch einen Farbmalkasten geschenkt. Sie tauchte von da an mit Vorliebe ins Land der Farben ab und hat schnell verstanden, dass ein Kuss ganz viele Farben mit sich bringt. Es war das Buch, das ihr die Bedeutung von „bunt“ besser verständlich gemacht hat.

In diesem Bilderbuch lernen die Kinder mit Minimia, dass sich Farben nicht nur bestimmten Dingen, sondern auch bestimmten Gefühlen zuordnen lassen. Das Rot von Emmas Nudelsauce wird nun häufiger mal wütend, das Blau des Meeres schwappt ganz traurig daher und das Gelb der Sonnenblumen schickt ganz wunderbare Ideen hinaus in die Welt. 

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

14. „Tinkas Tomaten“ von Sanne Dufft

Verlag Urachhaus, ab 4 Jahren, erschienen am 11. Februar 2020, Preis 16,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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„Tinka kümmert sich um ihre Tomaten. Sie gießt sie morgens und sieht nach, ob es ihnen gut geht. Sie entdeckt Tauperlen an den Spitzen der Blätter. Zauberglitzerperlen für Tinka.“

Es gibt Bilderbücher, bei deren Anblick schäumt mir das Herz über – dies ist so eins. Schon als ich „Tinkas Tomaten“ Anfang 2020 bei einer Bloggerkollegin entdeckt hatte, wusste ich, dass dieser Bilderbuchschatz irgendwann bei Emma einziehen muss. Und irgendwann stand er da, im Sommer, eng an Emmas Tomatenpflanzen geschmiegt und entfaltete sich dort mit seiner ganzen Pracht.

Eines Tages bekommt Tinka von ihrem Opa Setzlinge mitgebracht. Was sie anfangs für schlappe Blättchen hält, entpuppt sich nach dem ersten Schnuppertest für Tomatenpflänzchen. Sie pflanzt sie ein, hegt und pflegt sie und kann sich sogar im Kindergarten gedanklich nicht von ihren kleinen Pflänzchen trennen. Sie erfreut sich an den kleinen Tauperlen an den Blätterspitzen, an den ersten Blüten, die ihr wie kleine gelbe Sterne begegnen und versorgt sie mit „Schlingelstangen“ zum Wachsen. Für die Sommerferien organisiert sie fleißige Helfer, die sich während ihrer Abwesenheit um die Pflanzen kümmern. Und als sie aus dem Urlaub zurückkommt, traut sie ihren Augen kaum, denn ihre Pflanzenstöcke hängen voll von prallen roten Tomaten. 

Mithilfe dieser Bilderbuchperle wird nicht nur eine wundervolle Geschichte erzählt, die von der Liebe zur Natur lebt, sondern den Kindern auch sehr wertvolle Informationen an die Hand gegeben. Die kleinen Leser*innen begleiten darin den Entstehungsprozess von Tomaten; lernen, dass die Pflanzen keine nassen Füße mögen und einen Unterteller zum Ablaufen brauchen, Regen und Sonne gleichermaßen benötigen, um sich zu ihrer vollen Blüte zu entfalten, um uns eines Tages mit Tomaten versorgen zu können.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

15. „Magnus und der Nachtlöwe“ von Sanne Dufft

Verlag Urachhaus, ab 4 Jahren, erschienen am 8. März 2017, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Magnus fühlt sich groß und stark mit seinem Hut und seinem Schwert. Aber manchmal fürchtet er sich auch. Vor allem nachts, wenn ihm ein Räuber in seinen Träumen auflauert, der es auf seinen Hut und auf sein Schwert abgesehen hat. Für solche Fälle braucht man einen starken Freund an seiner Seite.

Die Oma erkennt das und schenkt Magnus einen Nachtlöwen. Einen, der Löwenkräfte in ihm heranwachsen lässt. Und plötzlich kann ihm kein böser Traum mehr etwas anhaben. Denn mit seinem Löwen ist Magnus der Allermutigste. Besonders, wenn es dunkel ist.

„Der Nachtlöwe brüllt, oh wie er brüllt. Sie stürmen durch den Wald, dem Räuber hinterher. Wild, verwegen und furchterregend.“

Dieses Bilderbuch vermag so viel. Denn Sanne Dufft gibt darin nicht nur Magnus, sondern auch den kleinen Leser*innen einen tierischen Freund an die Hand. Einen, der sie nachts beschützen und Löwenkräfte in ihnen heranwachsen lassen kann. Der Nachtlöwe schenkt ihnen Mut, Kraft und Stärke, bestärkt sie darin, sich ihren Ängsten zu stellen. Und so blicken wir schon bald auf einen mutigen Magnus, der mit seinem neuen Freund seine Angst vor dem Räuber überwinden und ein so starkes Selbstbewusstsein aufbauen kann, dass er fortan nicht nur wild, verwegen und furchterregend den nächtlichen Wald unsicher macht, sondern auch zum Beschützer seiner Eltern wird. Es erfüllt ihn sichtlich mit Stolz, diese Aufgabe ganz alleine zu meistern. Und so zeigt Dufft, dass es manchmal nur einer kleinen Geste bedarf, um Kinder zu einer selbständigen Persönlichkeit heranwachsen zu lassen.

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16. „Plupp im Herbst“ von Inga Borg

Verlag Urachhaus, ab 3 Jahren, erstmals am 21. August 2019, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Der kleine Troll Plupp lebt in einer Kate am Ufer eines Sees, den er Blauwasser nennt, irgendwo im hohen Norden. Seine Haare sind blau wie die Berge und sein Schal hat dieselbe Farbe wie die Blätter der Zwergbirke im Herbst. Weil er so eine enge Verbundenheit zur Natur und den Tieren hegt, war er uns auf Anhieb sympathisch. Und als die Idee eines Jahreszeitenregals aufkam, dachte ich, dass sich die Szenerie aus Inga Borgs „Plupp im Herbst“ sehr gut in Emmas Zimmer machten könnte. Und so zog Plupp kurzerhand auf ihr Fensterbrett. Hier begegnete er dem Hasen und dem Bär, die seine üppigen Vorräte bestaunten. Das hilfsbereite Rentier Likko hat Plupp und seine randvollen Körbe sogar nach Hause getragen.

Wer auf der Suche nach saisonalen Bilderbüchern mit Mehrwert ist, ist bei Plupp genau richtig. In Borgs farbenfrohen Illustrationen kommt nicht nur Flora und Fauna besonders schön zur Geltung, die Kinder bekommen in den Abenteuern mit dem blauhaarigen Troll auch jede Menge Natur- und Tierwissen vermittelt. Und ganz nebenbei können sie von ihrem Kinderzimmer aus noch in den hohen Norden reisen. 

17. „Schneeglück verschenken“ von Heyjin Go

Atlantis / Orell Füssli, ab 4 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Pünktlich zum Wintereinbruch sind Emma und ich in das Bilderbuch „Schneeglück verschenken“ eingetaucht, das ihr der Nikolaus gebracht hat. Der Bär, der darin das Wunder fallender Schneeflocken zum ersten Mal erlebt, hat es der Räubertochter mindestens genauso angetan wie die heißersehnten Flocken, die plötzlich vom Himmel gefallen sind. Als der Bär die kleinen weißen Schneekristalle vom Himmel rieseln sieht, ist der Ärger um seinen unterbrochenen Winterschlaf wie weggeblasen. Wie schön es doch wäre, das Schneeglück mit seinen zwei Freunden, den Girlitzen, zu teilen, die über den Winter in den Süden geflogen sind.

Diesem Bilderbuch wohnt ein ungeheurer Zauber inne. Die winterlichen Szenerien zaubern kleinen wie großen Leser*innen ein Lächeln ins Gesicht und wenn es eine Stelle im Buch gibt, die uns nun jede tanzende und glitzernde Schneeflocke da draußen mit unserer Zunge auffangen lässt, dann ist es folgende:

„Mmmmh, das ist wie Zuckerwatte auf der Zunge!“

Zu diesem Bilderbuch erscheint in Kürze eine ausführliche Besprechung.

18. „Wenn es Winter wird im Wald“ von Marion Dane Bauer & Richard Jones

Verlag arsEdition, ab 3 Jahren, erschienen am 29. September 2020, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Die anderen Tiere des Waldes wüssten viel, was es mit dem Einzug des Winters zu tun gibt: in den Süden ziehen, Vorräte sammeln oder sich für den Winterschlaf zurückziehen. Doch nichts davon erscheint dem Fuchs richtig. Bis sich eine edle Rotfüchsin vor ihm verbeugt und ihm zum Tanz auffordert. Da kann er einfach nicht widerstehen. Denn genau das machen edle Rotfüchse im Winter: Tanzen!

Bei „Wenn es Winter wird im Wald“ war es Liebe auf den ersten Blick. Als ich das enzückende Cover des Pappbüchleins sah, war es um mich geschehen und ich wusste, dass es in Emmas Pappbuchregal einziehen muss. Durch Richard Jones traumhaft schöne Illustrationen von einem Fuchs im Winter, ist es nicht nur wunderbar anzusehen und wie gemacht für Fuchs-Fans wie uns, es fällt mit seinen 32 Seiten auch recht üppig für ein Pappbuch aus, wodurch es kleinen Leser*innen einen ausgedehnten Streifzug durch die winterliche Landschaft beschert. Die poetischen Zeilen von Marion Dane Bauer schenken der Geschichte eine wunderbare Melodie und betten sich als perfekte Untermalung in die traumhaften Winterszenerien ein. 

19. „Gebrannte Mandeln für Grisou“ von Nikola Huppertz & Andrea Stegmaier

Tulipan Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 20. Juli 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Dieses warmherzige Bilderbuch hätte ich euch liebend gerne zu Weihnachten vorgestellt. Es hat Emma und mir die von einem persönlichen Schicksalsschlag geprägte Weihnachtszeit versüßt und uns die fehlenden Weihnachtsmarktbesuche ersetzt. Dank dem wunderbar harmonischen Zusammenspiel von Andrea Stegmaiers liebevollen Bildern und Nikola Huppertz‘ behutsamen Zeilen konnte Emma ein paar Runden Karussell fahren, die Orgelmelodie „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ erhaschen, mit mir gebrannte Mandeln genießen, deren nussig süßlicher Duft durch die Seiten geweht ist, und ganz viel weihnachtlichen Zauber für uns mitnehmen.

Es ist Grisou, ein Graupapagei, mit dem sich die kleinen Leser*innen durch das offene Küchenfenster stehlen, um sich erst über den Dächern der Stadt und wenig später aus nächster Nähe das weihnachtliche Treiben des Weihnachtsmarkts anzusehen. Als Grisou nicht mehr den Weg nach Hause findet und zu frieren beginnt, ist es ein kleines Mädchen, das ihn in ihren kuscheligen Schal einhüllt und ihm seinen größten Herzenswunsch erfüllt, indem sie ihm ihre gebrannten Mandeln überlasst. Dank ihrer Wegbeschreibung findet er auch das Haus seiner Familie wieder, wo er durch das immer noch geöffnete Küchenfenster schlüpfen kann, um das mit Nella und Fabian gemeinsam einstudierte Kunststück im vom Lichterglanz des Weihnachtsbaums erfüllten Wohnzimmer zum Besten zu geben.

Vielleicht ergibt sich nächstes Weihnachten die Gelegenheit, euch das Buch noch einmal ausführlicher vorzustellen. Stegmaier und Huppertz ist hier eine herzerwärmende Weihnachtsgeschichte mit einem ganz außergewöhnlichem Protagonisten gelungen.

20. „Mein Weihnachtswunsch für dich“ von Michael Morpurgo & Jim Field

Loewe Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 17. Juli 2019, Preis 13,99 € (D), hier geht’s zum Buch

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Jedes Jahr an Weihnachten holt Mia gemeinsam mit dem Christbaumschmuck ihr altes Tagebuch unter der Treppe hervor. Es ist Tradition, dass es unter dem Weihnachtsbaum versteckt wird, auch wenn längst jeder in der Familie weiß, dass es dort liegt. Auch dass es einen ganz besonderen Schatz bewahrt, wissen alle. Denn in ihm liegt ein Brief von Mias Opa, den er seiner Enkeltochter geschrieben hat, als sie noch ganz klein war. Es sind seine Wünsche nach einer besseren Welt, die Mia jedes Jahr nach der Bescherung vorliest und damit auch an ihre Kinder weitergibt.

Und so wird die Botschaft ihres Opas zu einem bedeutenden Moment ihres Weihnachtsfestes. Durch seine Zeilen wirkt es fast so, als wenn er noch immer mitten unter ihnen weilt. Und so ist Mias Opa zum Weihnachtsopa avanciert.

Michael Morpurgo und Jim Field brachten 2020 den Weihnachtsopa nach Deutschland. Das Bilderbuch, das im Original bereits 2018 unter dem Titel „Grandpa Christmas“ erschienen ist, darf nun endlich auch deutsche Leser*innen verzaubern. Ich habe die Erscheinung der deutschen Übersetzung lange herbeigesehnt und freute mich nun gleich doppelt, dass das Bilderbuch mit dem Naturkind-Label bei Loewe erscheint, einer Reihe, die ihren Fokus auf eine nachhaltige Produktion legt und Werte an Familien vermittelt, die bewusst leben und lesen. Mit jedem Naturkind-Buch werden regionale Projekte im Bereich Klima- und Umweltschutz unterstützt. Die Botschaft des Bilderbuches wird daher nicht nur mit der Geschichte, sondern auch durch das Buch selbst an die Leser*innen herangetragen. 

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Kinderfreuden #45: Das Wunder Erde

Im Winter kuschelt sie sich in eine glitzernd weiße Decke aus Schnee, sie blickt durch scheinbar undurchdringliches Gestrüpp aus wild sprießenden Pflanzen im Frühling und gießt lauen Sommerregen über das Land, lässt Bäche die Berge hinabrauschen und heftige Herbstwinde durchs Land fegen, die durch die Glieder von Bäumen und Straßen pfeifen.

Sie lässt Spinnen in ihren Händen Netze spannen, reitet auf dem Rücken von Walen, hilft verlorenen Tierkindern zu ihren Müttern zurück, lässt Wildpferde über die gepflegte Prärie donnern und gibt kleinen Eisbären den Blick durch dicke Eisschichten frei, damit sie die Wunder unter der Meeresoberfläche bestaunen können.

Unsere Freundin Erde gibt den Rhythmus des Lebens vor. Sie ist unsere Taktgeberin, bestimmt den Kreislauf der Natur und behütet alle Lebewesen.

Habt ihr Lust, sie ein Stück ihres Weges zu begleiten? 

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4  Jahren

42 Seiten
22,9 x 27,9 cm
ISBN: 978-3-314-10512-8

Illustration: Francesca Sanna
Übersetzt von: Thomas Bodmer

NordSüd Verlag
18,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 

Blickwinkel aus großen Augen

Francesca Sanna versteht es aufs Vortrefflichste, ihre Illustrationen mit Gefühlen anzureichern. Ihre Bilder sind farbenfroh, detailreich und ausdrucksstark und für Kinder leicht zugänglich. Das hat sie schon mit ihrem Debüt „Die Flucht“, Bilderbüchern wie „Ich und meine Angst“ und „Geh weg, Herr Berg“ bewiesen. Oft ist gar kein begleitender Text von Nöten, um den Inhalt ihrer Geschichten zu erfassen. Und so präsentiert sich auch ihre neuestes Bilderbuch „Meine Freundin Erde“ wie eine Einladung zu einem berauschenden Abenteuer durch das Wunder Erde.

Es ist ein junges Mädchen, dem Sanna in ihren Bildern eine ähnlich symbolische Rolle wie Mutter Natur zuteilt, nur dass sie als Freundin Erde eine übergeordnete Rolle einnimmt. Und nicht nur das, zu meiner Freude ist sie auch ein Mädchen of Color.  Die Geschichte beginnt mit ihrem Erwachen aus dem Winterschlaf. Doch nicht nur sie, auch Flora und Fauna erwacht allmählich. Und so beginnt der wunderbare Lauf der Jahreszeiten, der sie der Natur im jahreszeitlich wechselndem Gewand ins Auge blicken lässt.  Wir kriechen mit ihr durch das Unterholz, schweben durch die Lüfte, reiten durch die wilde Prärie und erhaschen das Flüstern von wisperndem Gras, wir betreten das knirschende Eis am Nordpol und erobern die faszinierende Unterwasserwelt auf dem Rücken eines Wals, wir folgen Flussläufen, passieren satte Hügellandschaften und gleiten auf einem tanzendem Blatt sanft zu Boden.

Der Rhythmus, dem das Leben auf unserer Erde unterliegt, begegnet uns mal wild donnernd bis hin zu leise wispernd. Wir lernen unseren Planeten mit all seinen Facetten kennen. Sanna schenkt uns mit ihren Bildern Augen für das Wunderbare!

Schon lange vor der Geburt der Räubertochter habe ich unsere Natur zu schätzen gelernt. Ich genieße die Streifzüge durch die Wälder und Wiesen, die sich uns in so unterschiedlichem Gewand präsentieren, versuche so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen und die Schönheit unseres Planeten auf mich wirken zu lassen; die frische Luft, Farben und Geräusche vollends in mir aufzunehmen. Seit Emma auf der Welt ist, liegt mir das noch viel mehr am Herzen. Ich möchte meiner Tochter die Liebe zur Natur weitergeben, sie frei umherstreifen, ungestört entdecken lassen und ihr zu verstehen geben, dass es sich immer lohnt, genauer hinzusehen. Dass es manchmal sogar notwendig ist, genauer hinzusehen und den Blick nicht von Dingen abzuwenden, die unsere Aufmerksamkeit und Mithilfe erfordern. Weil unser Planet, wie wir ihn heute kennen, nur fortbestehen kann, wenn wir ihn beschützen und ressourcenschonend agieren. Weil wir Menschen nur weiterleben können, wenn er es kann.

Francesca Sanna hat in ihrem Bilderbuch einen wunderbaren Weg gefunden, mit ihrem Pinsel die Erde genauso facettenreich zu Papier zu bringen wie sie ist. Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten, lässt sie gemeinsam mit dem Mädchen durch ein Meer von Farben tauchen und Blickwinkel einnehmen, die den Blick auf kleine kostbare Details preisgeben, die einem beim oberflächlichen Betrachten verwehrt bleiben. 

Durch raffinierte Lasercuts und individuelle Seitenabschlüsse verschmelzen die Illustrationen mehrerer Seiten miteinander und entfalten sich Stück für Stück zu ihrer vollen Pracht. Die poetischen Zeilen von Patricia MacLachlan, die von Thomas Bodmer ins Deutsche übersetzt wurden, schenken den Bildern eine wunderbare Untermalung, betten sich stimmungsvoll in die beeindruckenden Szenerien, bei dessen Anblick nicht nur die Kinder ins Staunen geraten und mit leuchtenden Augen durch dieses berauschende Bilderbuch reisen. Die liebevolle Komposition aus Sannas Bildern und McLachlans bzw. Bodmers Zeilen begegnet uns wie eine Liebeserklärung an unseren Planeten und hält uns einmal mehr vor Augen, wie gut wir auf ihn Acht geben müssen.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Hat dir das Buch gefallen?

Oh ja

Worum geht’s im Buch:

Um die Erde

 

Lieblingsstelle im Buch:

Die schwarz-weiß gestreifte Herde aus Zebras

Bester Leseplatz:

Im Bett, eingekuschelt wie das Mädchen in einer Decke aus Schnee

Was würdest du auch einmal machen wollen?

Auf einem Wal reiten

Wird zu:

einer Entdeckerin

 

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom NordSüd Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #44: Hitzköpfe

Paulchen und Pieks sind allerbeste Freunde. Sie ergänzen sich perfekt, helfen einander beim Klettern, spüren die besten Verstecke auf und tauchen gemeinsam in fantasievolle Geschichten ab. Sie sind ein unschlagbares Team und teilen sich alles. Eigentlich. Denn als Paulchen den kürzlich entdeckten Riesenpilz im Waldkindergarten heimlich ganz alleine verdrückt, ist der erste Streit vorprogrammiert. Pieks ist ganz schön sauer auf seinen Freund, wo er doch schon so viele Ideen im Kopf hatte, was sie damit so alles anstellen könnten. 

Und so hält Pieks fortan Abstand zu Paulchen und spielt nur noch mit den anderen Tierkindern. Und auch Paulchen hat gar keine Lust mehr, mit Pieks zu spielen. Wo er sich doch entschuldigen und sein Freund einfach nicht zuhören wollte. Doch es dauert nicht lange, bis die beiden Hitzköpfe einander schrecklich vermissen und sich nach den gemeinsamen Abenteuern sehnen. Denn zusammen spielt es sich einfach viel schöner!

Als Mama Igel ihren Sohn Pieks ermutigt, sich etwas einfallen zu lassen, um sich mit Paulchen wieder zu versöhnen, hat auch Paulchen eine Idee, wie er Pieks überraschen könnte. Denn auch versöhnen will gelernt sein!

Eckdaten

 

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
232 x 300 mm
ISBN: 978-3-480-23609-1

Text & Illustration: Laura Bednarski

Esslinger 
14,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar

Blickwinkel aus großen Augen

Als Emma das neue Abenteuer von Paulchen und Pieks in der Vorschau von esslinger entdeckt hat, war die Freude groß. Denn die beiden Tierfreunde von Laura Bednarski sind ihr seit dem ersten Bilderbuch „Paulchen & Pieks – Heute übernachte ich bei dir!“ ans Herz gewachsen und auch ich hatte direkt Lust, mit ihr das neue Bilderbuch zu erobern.

Und so zog „Paulchen & Pieks – Heute vertragen wir uns wieder!“ wenig später bei uns ein. Was mir zum Zeitpunkt des Regaleinzugs noch nicht ganz klar war, ist, dass uns die Thematik des vorliegenden Bilderbuchs (Streiten und Versöhnen) bereits mit unmittelbarer Wucht treffen wird. Ich ahnte bereits, dass die Räubertochter mit ihren drei Jahren nun ihre ersten „richtigen“ Streitereien im Kindergarten ausfechten wird. Schließlich müssen Kinder im dem Alter auch erst lernen, dass gewisse Dinge in begrenztem Umfang da sind und man sie sich demzufolge teilen bzw. man sich mit dem Spielen abwechseln muss. Dass sich da selbst Freunde mal in die Wolle kriegen, ist völlig normal. Als Emma mir aber das erste Mal den Satz „Dann bist du nicht mehr mein Freund!“ entgegenschleuderte, war ich ehrlich gestanden, etwas entsetzt. Bei uns zuhause konnte sie sich diesen Satz nicht aufgeschnappt haben und so lag die Vermutung nahe, dass er im Kindergarten gefallen sein muss. Wenig später hörte ich ihn selbst bei einem anderen Kindergartenkind als ich Emma abholte und da hatte ich meine Pappenheimerin!

„Du bist nicht mehr mein Freund“, ruft Pieks. Er ist enttäuscht und richtig wütend. „Und du bist auch nicht mehr mein Freund!“, gibt Paulchen zurück – weil Pieks seine Entschuldigung gar nicht hören mag.“

Ich musste daher sehr schmunzeln, als ich feststelle, dass sich Laura Bednarski in ihrem neuen Bilderbuchabenteuer für den Dialog von Paulchen und Pieks eben jenem Wortlaut bedient, der auch bei uns gerade sehr präsent ist. Leider verwendet die Räubertochter den Satz oft in Situationen, in denen es nicht nach ihren Vorstellungen läuft und sie meint, sie könne mich mit der Drohung, fortan nicht mehr ihr Freund zu sein, zu einer anderen Antwort bewegen. Dass Kinder in der Autonomiephase oft von ihren Emotionen überwältigt werden und sich dadurch schnell zu Hitzköpfen entwickeln, ist mir bekannt, ich hoffe dennoch, dass wir für Emma alternative Worte finden werden, mit denen sie ihrer Enttäuschung und Wut Ausdruck verleihen kann.

Auch Paulchen und Pieks entwickeln sich in der Auseinandersetzung um den verschwundenen Riesenpilz zu Hitzköpfen. Bei Pieks macht sich schnell Enttäuschung und Wut breit, bei Paulchen in erster Linie Scham. Doch als Pieks ihn damit konfrontiert, durch das alleinige Verdrücken des Pilzes fortan nicht mehr sein Freund sein zu dürfen, verwandelt sich seine Scham schnell in Wut. Der Dialog der beiden Freunde und das darauffolgende „Einander aus dem Weg gehen“ verdeutlicht Kindern gut, wie schnell wir in Momenten des Streits unbedachte Worte zueinander sagen und wie sehr wir diese oft schon wenig später bereuen. Auch Paulchen und Pieks merken, dass sie eigentlich gar nicht ohne einander spielen wollen und sich einander vermissen. Es sind die Worte von Mutter Igel, durch die Bednarski den Kindern einen wunderbaren Lösungsansatz zum Versöhnen an die Hand gibt.

„Zu Hause fragt Pieks Mama Igel um Rat. „Auch die allerbesten Freunde streiten mal“, beruhigt sie ihn. „Das gehört einfach dazu. Mach Paulchen doch eine kleine Freude und fragt ihn, ob er wieder dein Freund sein möchte!“

Mit ihren farbenfrohen und detailreichen Illustrationen in Großformat, aber auch treffenden und wohlformulierten Zeilen ist es Laura Bednarski gelungen, kleinen Kindern die Thematik des sich Streitens und Vertragens spielerisch nahezubringen. Mit ihrer Geschichte greift sie nicht nur ein wichtiges Thema der Entwicklung von Kleinkindern auf, sondern verdeutlicht ihren kleinen Lesern auch, dass kleine Streitereien zum Leben dazugehören und dass sie sich in der Regel mit kleinen Gesten der Zuneigung und entschuldigenden Worten schnell wieder aus der Welt schaffen lassen sollten.

„Streiten ist zwar nicht schön, aber es gehört dazu! Das wissen die beiden Freunde jetzt. „Und beim nächsten Mal vertragen wir uns schneller wieder“, lachen Paulchen und Pieks.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Oh ja!

Worum geht’s im Buch:

Um zwei Freunde, die sich streiten

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als Paulchen bei Pieks ins Fenster spitzt

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

Was hat dir am besten gefallen?

Dass Pieks Paulchen mit Zimtschnecken überrascht

Wird zu:

einem guten Freund

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Thienemann Esslinger als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #43: Eins mit der Natur

„Gigaguhl und das Riesen-Glück“ – Alex Rühle, Barbara Yelin

„Gigaguhl Gargantua war der größte aller Riesen. Er berührte fast den Himmel und er konnte Stürme niesen. Morgens aß er meistens Wolken. Mittags trank er einen See. Abends saß er tief im Walde, zwischen Bäumen, klein wie Klee.“

Irgendwann übermannt auch mal einen Riesen die Müdigkeit. Und so deckt sich Gigaguhl eines Tages mit der Sommerwiese zu und hält viele hundert Jahre Frühlings-, Sommer- und Winterschlaf. Auf den Weiten seines Rückens wächst über all die Jahre eine Stadt heran, in seinen Augenbrauen nisten Vögel, auf den Hügeln seines Nackens weiden Ziegen und in seinem Haarwald wohnt sogar ein Einhorn.

Als die Stadtkinder Nick und Nina sich eines Tages auf Entdeckungsreise in die Berge begeben und dabei nicht nur auf allerhand wundersame Flora und Fauna, sondern auch auf den Zugang zu einer geheimen Höhle stoßen, staunen sie nicht schlecht. Noch mehr aber, als sie merken, dass es sich dabei um einen Riesen handelt, in dessen Kopf sie durch sein Ohr gelangt sind. Als sie seine Nasenhöhlen als Rutsche auserkoren, kitzelt es dem Riesen gewaltig in der Nase und so werden sie mit einem gewaltigen Niesen wieder ins Freie befördert.

Gigaguhl möchte Nick und Nina zeigen, dass er größer als das größte Monster ist. Doch er weiß nicht, dass über all die Jahre seines Schlafes Leben auf der Erddecke gewachsen ist, mit der er sich damals zugedeckt hat. Es muss also ein Plan her, wie der mächtige Riese aufstehen kann, ohne Mensch und Tier um ihr Zuhause zu berauben.

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4 Jahren

40 Seiten
18,3 x 29,4 cm
ISBN: 978-3-423-76286-1

Illustration: Barbara Yelin
Autor: Alex Rühle

dtv Junior
14,95 € [D]

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Blickwinkel aus großen Augen

Als große Naturliebhaberin war ich von der fantasievollen Geschichte des Riesen Gigaguhl, der während seines jahrhundertelangen Schlafes mit der Natur Eins wird, natürlich sofort angetan. Aber noch viel begeisterter war ich, als ich gemeinsam mit meiner Räubertochter entdecken durfte, wie Illustratorin Barbara Yelin die Kinder mit ihren bezaubernden Bildern durch den Wandel der Natur und den Entstehungsprozess von Leben schickt.

Auf außerordentlich kreative Weise lässt Yelin den Riesen Gigaguhl, der anfangs noch am Strand entlang spaziert und inmitten von Bäumen sitzt, durch das Zudecken mit einer Sommerwiese mit der Natur verschmelzen. Seine zugedeckte Gestalt wird zu einem Berg, auf dem eine Stadt heranwächst. Kaum einer nimmt ihn mehr wahr. Einzig und allein die Tiere wissen noch um seine Existenz, denn Gigaguhl liebt sie so sehr, dass er sie zu sich eingeladen, nichts dagegen hat, dass sie auf ihm wohnen. Selbst sein Gesicht, das unter der Erddecke hervorschaut, wird über die Jahre von den Tieren bevölkert. Und so tummeln sie sich in seinen Augenbrauen, in seinem Kopf- und Baarthaar, unter seinen Achseln und in seinem Ohr. Selbst sein Genick und der hervorlugende Arm betten sich in die Natur ein, verschwinden ganz in der Szenerie der Landschaft. Diese wunderbare Verschmelzung, die sich Seite für Seite auf Yelins wunderbaren Bildern vollzieht, können auch die Kleinen wahrnehmen. Viele Bildausschnitte nimmt man aber erst auf den zweiten Blick als Körperpartien des Riesen wahr. Und staunt nicht schlecht, was dabei so alles zu Tage tritt.

Kein Wunder also, dass auch Nick und Nina nicht bemerken, dass es sich bei dem geheimnisvollen Wald aus blauen Stämmen, den sie nach dem Erklimmen eines Hangs erreichen, um das Haar, und bei dem geheimen Höhleneingang um die Ohrmuschel des Riesen Gigaguhl handelt. Ganz unbewusst gelangen sie dadurch in seinen Kopf, bestaunen sein Gehirn, in dem Ideen, Träume und Farben, aber auch die zahlreichen Erinnerungen des Riesen wohnen. In seinen Nasenhöhlen entdecken sie für sich die längste Doppelrutsche aller Zeiten, auf der es sich vortrefflichst um die Wette rutschen lässt. Durch das daraus resultierende Gekitzel in der Nase wird der Riese aber aus seinem Schlaf gerissen und zu einem gewaltigen Niesen angeregt, der die beiden Kinder mit ordentlich Rotz und Wasser, Sträucher, Moos, Geröll und Schlamm wieder aus sich herausschleudert.

Freilich vermuten die Kinder in dem mächtigen Riesen, in dessen Augen sie nun blicken, ein Monster, von dem Gefahr ausgeht. Doch der freundliche Riese beschwichtigt sie, ist nahezu beleidigt, mit einem winzig kleinen Monster verglichen zu werden. Er will aufstehen, ihnen seine wahre Größe zeigen. Doch dass auf der Erddecke, mit der er zugedeckt ist, über all die Jahrhunderte Leben herangewachsen ist, hat er nicht bedacht. Die Kinder weisen ihn darauf hin und verhindern damit das Schlimmste. Doch dem Riesen kommt eine Idee. Mit einem Donnergrollen und einem selbst komponierten Lied kann er Hunderte seiner Tierfreunde dazu animieren, ihm aus seiner unglücklichen Misere zu helfen. Sie sind es, die sich für ihren riesigen Freund zu zahlreichen Tierpyramiden anordnen, um gemeinsam die Erddecke vorsichtig anzuheben, damit der Riese darunter hervorschlüpfen kann und die darauf entstandene Landschaft erhalten bleibt. Natürlich passiert das nicht ohne ein Erdbeben gleiches Zittern, das die darauf entstandene Stadt um ein Stück herabsinken lässt. Einzig und allein Nick und Nina wissen, was dahintersteckt.

Alex Rühle schenkt diesem Bilderbuch ganz wunderbar melodische Reime, die in perfektem Einklang zu Yelins Bildern stehen. Mit viel Facettenreichtum, Fantasie aber auch Gespür für die Sprache schafft er Zeilen, die sich auf ganz harmonische Weise an die lebendigen und naturnahen Illustrationen anschmiegen und daraus eine ganz runde Sache machen. Und so entsteht aus der Zusammenarbeit von Yelin und Rühle ein Kinderbuch, das sich Hören und Sehen lassen kann.

„Ich muss ganz woanders hinzieh’n, denn ich brauche Riesenruhe. Sprach’s und bückte sich und schnürte, seine Siebzehnmeilenschuhe. Winkte nochmal Nick und Nina und verschwand mit raschem Schritt, hinter sieben Bergen, und die meisten Tiere nahm er mit.“

Doch dem Riesen ist es nun zu laut geworden. Die Stadt, deren Treiben einen ungeheuren Lärm mit sich bringt, beraubt ihn um seine Ruhe, die er dort einst hatte. Und so lässt er seinen vertrauten Ort hinter sich, macht sich auf zu neuen Ufern. Durch diese Entwicklung treffen Yelin und Rühle den Nerv der Zeit und veranschaulichen mit ihrer Geschichte ein Stück weit auch die heutige Entwicklung. Denn es ist nicht nur die Unberührtheit und Stille, die die entstandene Stadt der Natur genommen hat, sondern auch der Lärm der Zeit, den die zahlreichen Autos, Laster, Straßen und Häuser mit sich bringen.

Die innige Verbundenheit, die den Riesen Gigaguhl mit der Natur und den Tieren verbindet, ist wunderbar mit anzusehen. Auch wie die Tiere, ganz egal wie klein sie sind, dem großen Riesen helfen können und damit ganz Großes schaffen. So wird schon den Kleinsten ein freundlicher und achtvoller Umgang mit Tier und Natur an die Hand gegeben und gezeigt, was man durch ein friedfertiges Miteinander schaffen kann. Die Liebe zum Detail, die Yelins Illustrationen zugrunde liegt, lädt die Kinder nicht nur ein, genauer hinzusehen, sondern auch die Schönheit in ganz kleinen Dingen zu erkennen.

Barbara Yelin und Alex Rühle gelingt mit „Gigaguhl und das Riesen-Glück“ eine wunderbare Geschichte über Zusammenhalt, über den Lauf der Natur und den Lärm der Zeit. Es ist eine fantasievolle Reise durch Flora und Fauna, auf die sie die Kinder schicken. Und was es mit dem Riesen-Glück im Titel auf sich hat, sollte jeder für sich selbst entdecken.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Ja

Worum geht’s im Buch:

Um einen Riesen

 

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als die Tiere die Erddecke anheben, damit der Riese darunter hervorkriechen kann

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

Was hat dir im Riesen am besten gefallen?

Die Doppelrutsche seiner Nasenhöhlen

Wird zu:

einer Entdeckerin

 

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

 

Kinderfreuden #42: Ein Nachtlöwe

„Magnus und der Nachtlöwe“ – Sanne Dufft

Magnus fühlt sich groß und stark mit seinem Hut und seinem Schwert. Aber manchmal fürchtet er sich auch. Vor allem nachts, wenn ihm ein Räuber in seinen Träumen auflauert, der es auf seinen Hut und auf sein Schwert abgesehen hat. Für solche Fälle braucht man einen starken Freund an seiner Seite.

Die Oma erkennt das und schenkt Magnus einen Nachtlöwen. Einen, der Löwenkräfte in ihm heranwachsen lässt. Und plötzlich kann ihm kein böser Traum mehr etwas anhaben. Denn mit seinem Löwen ist Magnus der Allermutigste. Besonders, wenn es dunkel ist.

„Der Nachtlöwe brüllt, oh wie er brüllt. Sie stürmen durch den Wald, dem Räuber hinterher. Wild, verwegen und furchterregend.“

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4 Jahren

32 Seiten
21,7 x 23,8 cm
ISBN: 978-3-8251-5113-3

Illustration & Text: Sanne Dufft

Verlag Urachhaus
15,00€ [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Es gibt da einen Löwen, der begleitet mich schon ziemlich lange. Einen mit zotteliger Mähne und platt geliebtem Körper, der nicht nur mich, sondern auch meine Schwester getragen hat. Er hat schon viel mitgemacht, Ängste kommen und gehen sehen und sich dabei immer als Beschützer bewährt. Besonders nachts. Man könnte ihn deshalb auch als Nachtlöwen bezeichnen.

Als ich bei Urachhaus das Bilderbuch „Magnus und der Nachlöwe“ entdeckt habe, wusste ich, dass die Geschichte bei Emma einziehen muss. Denn natürlich ist der Löwe längst zu ihr übergegangen, hat den Platz auf ihrem Kuschelteppich eingenommen und erneut seine Stellung als Beschützer bezogen. Und wenn mal ein böser Traum um die Ecke kommt, dann ist er direkt zur Stelle. Genau wie der Nachtlöwe, den Magnus von seiner Oma geschenkt bekommt, als er in seinen Träumen von einem Räuber gejagt wird. Die Nacht erobern sie von da an zusammen. Auf dem Rücken von seinem Löwen fühlt sich Magnus stark. Er ist dann der Allermutigste und kein Räuber der Welt kann ihm noch etwas anhaben.

„Sag Mama, wir haben den Räuber weggejagt. Ihr könnte jetzt schlafen gehen.“

Dieses Bilderbuch vermag so viel. Denn Sanne Dufft gibt darin nicht nur Magnus, sondern auch den kleinen Lesern einen tierischen Freund an die Hand. Einen, der sie nachts beschützen und Löwenkräfte in ihnen heranwachsen lassen kann. Der Nachtlöwe schenkt ihnen Mut, Kraft und Stärke, bestärkt sie darin, sich ihren Ängsten zu stellen. Und so blicken wir schon bald auf einen mutigen Magnus, der mit seinem neuen Freund seine Angst vor dem Räuber überwinden und ein so starkes Selbstbewusstsein aufbauen kann, dass er fortan nicht nur wild, verwegen und furchterregend den nächtlichen Wald unsicher macht, sondern auch zum Beschützer seiner Eltern wird. Es erfüllt ihn sichtlich mit Stolz, diese Aufgabe ganz alleine zu meistern. Und so zeigt Dufft, dass es manchmal nur einer kleinen Geste bedarf, um Kinder zu einer selbständigen Persönlichkeit heranwachsen zu lassen.

Mit ihre lebendigen Bildern, die viele der Buchseiten komplett ausfüllen, sind Dufft nicht nur ganz reizende, sondern auch ganz stimmungsvolle Illustrationen gelungen, die die Emotionen von Magnus perfekt wiederspiegeln. Es kommt sowohl seine Angst vor dem Räuber, als auch sein Mut und seine Stärke, die er mit dem Nachtlöwen entwickeln kann, ganz wunderbar zum Ausdruck. Die zurückhaltenden, aber sehr ausdrucksstarken Zeilen stehen im perfekten Einklang zu den dominierenden Illustrationen. Durch sie vermittelt Dufft auch, dass ein so tierischer Freund wie Magnus‘ Nachtlöwe, Zuwendung und Pflege bedarf. Sie zeigt den Kindern damit, was Freundschaft ausmacht.

Es macht unglaublich viel Freude, mit Magnus und dem Nachtlöwen durch die Nacht zu reiten. Und mit jeder Seite werden auch Emma und ich ein wenig wilder, verwegener und furchterregender. Unser Löwe hört längst auf den Spitznamen „Nachtlöwe. Es freut mich so sehr, dass mit diesem Buch die Geschichte unseres Löwen für immer verewigt ist.

„Magnus hat einen Hut. Mit dem Hut ist er groß. Und er hat ein Schwert. Mit dem Schwer ist er stark. Jetzt hat er auch einen Löwen. Mit seinem Löwen ist Magnus der Allermutigste. Besonders, wenn es dunkel ist.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Oh ja. Ich mag es total gerne.

Worum geht’s im Buch:

Um meinen Nachtlöwen

 

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als Magnus mit dem Löwen durch die Nacht reitet

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

Was macht der Nachtlöwe, wenn er mit Magnus durch die Nacht reitet?

„Roarrr!“

(er brüllt gaaanz laut)

Wird zu:

einer Eroberin der Nacht

 

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Urachhaus als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

 

 

Kinderfreuden #41: Wenn Wörter die Welt bedeuten

„Die große Wörterfabrik“ – Valeria Docampo, Agnès de Lestrade

Es gibt ein Land, in dem Menschen fast gar nicht reden. Es ist das Land der großen Wörterfabrik. In diesem sonderbaren Land muss man die Wörter kaufen und sie schlucken, um sie aussprechen zu können. Sprechen ist ein teures Gut. Und während die Reichen mit Wörtern um sich schmeißen, setzen die restlichen Menschen die Wörter mit Bedacht ein. Manchmal lassen sich auch im Mülleimer Wörter aufspüren oder mit dem Schmetterlingsnetz in der Luft einfangen.

Auch Paul hat drei Wörter in seinem Netz gefangen. Er hebt sie für Maries Geburtstag auf. Mit ihnen möchte er ihr zum Ausdruck bringen, wofür eigentlich ganz viele Wörter von Nöten wären.

Ob ihn Marie trotzdem versteht?

Eckdaten

 

Gebunden, ab 3 Jahren

40 Seiten
24 x 25 cm
ISBN: 978-3-939435-26-6

Illustration: Valeria Docampo
Autorin: Agnès de Lestrade
Übersetzt von: Anna Taube

Mixtvision
14,90 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Die Bilderbücher des Erfolgsduos Agnès de Lestrade und Valeria Docampo habe ich schon lange im Visier. Als ihr erstes gemeinsames Werk aus dem Mixtvision Verlag, „Die große Wörterfabrik“, endlich auch bei uns einziehen durfte, war die Freude dementsprechend groß. Nicht nur bei mir, sondern wunderbarer Weise auch bei meiner Räubertochter. Denn Emma schloss das Bilderbuch direkt ins Herz, hat es innerhalb weniger Tage zu ihrem Liebling auserkoren. Und so haften schon nach kurzer Zeit Lebensspuren zahlreicher Lektüren auf dem Papier, stehen für die Liebe, die für dieses Buch herangewachsen ist.

Mit dem Buch fand nicht nur ein besonderer Bilderbuchschatz, sondern auch eine erste App auf unserem Tablet Einzug. Es ist die erste digitale Erfahrung, die Emma und ich gemeinsam sammeln. Denn bei Erhalt des Buchs erinnerte ich mich an die gleichnamige App zum Buch zurück, die ich schon mit meinem Neffen Joschua erobert habe. Und das spricht bereits Bände, denn er ist mittlerweile 8 Jahre alt, was heißt, dass es das Buch schon recht lange geben muss. Um genau zu sein 10 Jahre. Am 1. Juni 2020 feiert es bereits sein zehnjähriges Bestehen! Ihr werdet daher nicht nur das Buch, sondern vereinzelt auch die App auf den Fotos entdecken, die mir mit einem besonderen Mehrwert begegnet ist.

Es ist ein besonderes Land, in das wir in diesem Bilderbuch reisen. Es ist das Land der großen Wörterfabrik. Hier wird nicht viel gesprochen. Doch die Stille in diesem Land ist nicht der Schweigsamkeit der Menschen, sondern vielmehr den Wörtern geschuldet, die man käuflich erwerben und schlucken muss, um sie aussprechen zu können. Sprechen ist teuer. Manchmal lassen sich ein paar wenige Wörter im Mülleimer oder im Sonderangebot ergattern, manchmal auch mit dem Schmetterlingsnetz in der Luft einfangen. Doch einzig und allein die Wörter, die manchmal der Wind mit sich trägt, sind wirklich brauchbar. Auch Paul konnte drei Wörter mit seinem Netz einfangen. Es sind die Wörter Kirsche, Staub und Stuhl, die er sich für einen ganz besonderen Menschen aufheben will.

Marie heißt die Angebetete. Morgen ist ihr Geburtstag, und Paul möchte ihr mit den ergatterten Wörtern seine Liebe zum Ausdruck bringen. Denn für viel mehr Wörter reicht das Geld in seiner Spardose nicht aus. Doch als er im Treppenhaus auf seinen schlimmsten Feind trifft, rutscht ihm das Herz in die Hose. Denn Oskar ist reich. Er kann mit Wörtern um sich schmeißen und ist sich deshalb auch sicher, dass er das Herz von Marie gewinnen und sie eines Tages heiraten wird. Doch da hat er sich mächtig geschnitten! Denn Marie ist von Oskars Reichtum gar nicht beeindruckt, sondern hat nur Augen für den eingeschüchterten Paul, dessen Wörter sie sanft umschmeicheln und sich den Weg in ihr Herz bahnen können. Sie hat selbst keine Wörter zur Verfügung, um Paul ihre Zuwendung auszudrücken und so bedient sie sich einem sanften Kuss, den sie Paul zum Dank auf die Wange legt.

Ob es nun dem Buch selbst oder der begleitenden App zuzuschreiben ist, dass sich Emma die drei Wörter, die Paul in seinem Netz eingefangen hat, so schnell verinnerlichen und zur richtigen Stelle abrufen konnte, kann ich gar nicht sagen. Fakt ist aber, dass die App eine ganz wunderbare Bereicherung zum Buch ist. Denn durch sie gesellt sich nicht nur Klang, sondern auch Interaktion zur Geschichte. Auf sehr behutsame und kindgerechte Weise werden die Kleinen zum Mitwirken eingeladen. Sie können Wörter zuordnen und benennen lassen, Maries Kleid kirschrot färben und Pauls Wörter auf den Weg zu Marie schicken. Und so können die kleinen Leser*innen die Geschichte mit allen Sinnen erfassen. Es ist eine der wenigen Apps, die ich Emma mit gutem Gewissen erobern lassen und allen Eltern vorbehaltlos ans Herz legen kann. Neben der Möglichkeit, die Geschichte interaktiv zu erobern, kann man sie alternativ auch als Film abspielen lassen. Das schenkt Eltern gerade in Zeiten von Covid-19 ein paar wertvolle Minuten für sich und bietet Kindern eine gute und pädagogisch wertvolle Unterhaltung.

Die Geschichte um die große Wörterfabrik ist Dank Valeria Docampos stimmungsvollen und großflächigen Illustrationen nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch inhaltlich besonders wertvoll. Denn im Zusammenspiel mit den poetischen Zeilen der Belgierin Agnès de Lestrade, die von Anna Taube ins Deutsche übersetzt wurden, wird den Kleinen hier etwas sehr Wertvolles vermittelt. Nämlich dass auch kleine Dinge ganz Großes bewirken können. Hier sind es drei Wörter, die Paul und Marie die Welt bedeuten. Es ist der emotionale Wert, der ihnen anhaftet, und sie für die beiden so wertvoll macht. Diese Botschaft lässt auch uns Erwachsene darüber nachdenken, wie unbedacht wir oft Wörter in die Freiheit entlassen und welche Sorgfältigkeit wir beim Sprechen eigentlich an den Tag legen sollen. Darüber hinaus lernen die Kleinen hier auch, dass man manche Dinge nicht kaufen kann. Und deshalb ist es auch nicht Oskar, sondern Paul, der Maries Herz im Sturm erobert.

Ich hoffe, dass dieses wundervolle Bilderbuch noch zahlreiche große und kleine Leser für sich gewinnen kann. Dass es ihre Fantasie beflügelt und ihnen den Wert der Sprache und den wahrer Liebe aufzeigt. Es ist bereits heute sicher, dass es nicht unser einziges Werk von Docampo und de Lèstrade bleiben wird. Denn es hat sich uns bereits der Zugang zu einem Garten voller Pusteblumen offenbart. Und dem können wir kleine Pusteblumenfans uns einfach nicht verwehren…

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Oh ja. Es ist gerade mein Lieblingsbuch.

Worum geht’s im Buch:

Um Wörter, ganz viele Wörter!

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als Paul Marie seine drei Wörter schenkt

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

 

Wie dankt Marie Paul?

„Sie gibt ihm einen Knutschi!“

Wird zu:

einer Liebhaberin der Worte

 

 

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Mixtvision als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #40: Weil Freunde unersetzbar sind

„Der kleine Bär und das Meer“ – Tom Percival

„Sofias Bär war alt, etwas zerzaust und wurde heiß geliebt.“

Sie sind die besten Freunde: Sofia und ihr Teddybär. Jeden Tag erobern sie das Leben gemeinsam. Der Bär ist Sofias Ein und Alles, ein vererbtes Kuscheltier ihrer verstorbenen Mama. Als sie ihn an einem gewittrigen Sommertag am Meer verliert, ist sie todunglücklich. Sein Verlust wiegt schwer. Wie soll sie fortan nur ohne ihn auskommen?

Doch das Meer ist aufmerksam und hat alles genau beobachtet. Es will alles dafür tun, dass die Freunde wieder zusammenfinden. Dafür braucht es allerdings ein bisschen Zeit. Mehr, als es gedacht hätte…

Eckdaten

 

Hardcover, ab 4 Jahren

32 Seiten
28,3 x 25 cm
ISBN: 978-3-7432-0443-0

Illustration: Tom Percival
Übersetzt von: Nadine Mannchen

Loewe Verlag
13,95 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich „Der kleine Bär und das Meer“ im Buchladen erspäht habe. Schon beim Anblick des Covers wusste ich, dass hier etwas ganz Besonderes auf mich wartet. Und ich wurde nicht enttäuscht. Denn was hinter dem Buchdeckel auf einen wartet, sind nicht nur Illustrationen von besonderem Zauber, sondern auch eine magische Geschichte.

Geschichten über Freundschaft gibt es wahrlich viele. Was aber passieren kann, wenn beste Freunde voneinander getrennt werden, erzählt diese hier. Tom Percival macht in seinem Bilderbuch das Meer nicht nur zur wunderbar stimmungsvollen Kulisse, sondern auch zum tatkräftigen Unterstützer. Als sich Sofia und ihr Bär bei einem Sommergewitter am Meer verlieren, beschließt es nämlich, die beiden wieder zusammenzubringen.

Doch das Unterfangen gestaltet sich schwierig und so muss der Bär sich erst auf eine lange, abenteuerliche Reise begeben, ehe er sich wieder in die Arme seiner Freundin schmiegen darf. Mithilfe von wunderbar atmosphärischen Bildern dürfen die Kleinen den Bären bei seiner Reise zurück zu Sofia begleiten, sich mit ihm durch die faszinierende Unterwasserwelt, durch tosende Wellen und durch Seen und Flüsse auf dem Land begeben. Das Wasser bleibt dabei immer ein fester Bestandteil in den Illustrationen. So wird das Meer die leitende Kraft, es fügt auf magische Weise zusammen, was voneinander getrennt wurde.

„Immer wieder fand das Meer einen Weg, den Bären durchs Wasser zu geleiten.“

Und so ist es nicht nur die Geschichte einer besonderen Freundschaft, die hier erzählt wird, sondern auch eine von Verlust. Von den Gefühlen, die einen übermannen, wenn einem das Liebste genommen wird und von der Trauer, die Sofia durchlebt, als sie ihren Bären einfach nicht wiederfinden kann. Der Vater versucht alles, um den verloren gegangenen Bären zu ersetzen. Erfolglos! Denn die neuen Bären tragen keine Erinnerungen an ihre Mutter in sich, sind in Sofias Augen völlig wertlos. Und so lernen schon die Kleinsten, dass manche Dinge unersetzbar sind und von unschätzbarem Wert für uns werden können. In Sofias Fall wiegt Teddys Verlust schwer. Denn das Mädchen musste sich bereits früh von ihrer Mama verabschieden. Der Bär ist ein vererbter Wegbegleiter, den die Mutter bereits von ihrem Papa geerbt und an ihre Tochter weitergegeben hat. Alles was Sofia nun von ihr bleibt, ist ein Foto in einem Medaillon.

Aber „was lange währt, wird endlich gut“. Und so gelingt es dem Meer, Sofia und ihren Bären nach langer langer Zeit wieder zu vereinen. Es ist Sofias Enkelin, die den Bären eines Tages aus einem Bach fischt und der mittlerweile zur Großmutter gealterten Frau bringt. Doch auch das hohe Alter, das Sofia am Tag ihres Wiedersehens bereits erreicht hat, kann die Wiedersehensfreude mit ihrem Bären nicht trüben! Denn beste Freunde gehören eben zusammen – egal in welchem Alter!

Durch das harmonische Zusammenspiel von Tom Percivals eindrücklichen Illustrationen, die einem wie eine Mischung aus Aquarellmalerei und moderner Drucktechnik begegnen, und den gefühlvollen Zeilen von Nadine Mannchen ist hier ein wunderbar stimmiges Bilderbuch über Freundschaft, Verlust und die kleinen Wunder des Lebens entstanden. Und vielleicht tröstet es sogar den ein anderen über ein verloren gegangenes Kuscheltier hinweg. Denn wer weiß – vielleicht findet es eines Tages wieder den Weg zurück…

„Nichts ist je wirklich verloren, solange man es im Herzen behält.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Ja

Reaktion als der Bär aus der Tasche fiel:

„Oh nein!“

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als Bär und Sofia wieder vereint sind

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

Wie groß ist Sofias Wiedersehensfreude?

„Soooo groß!“

Wird zu:

einer besten Freundin

 

 

 

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch ist selbst gekauft.]