Kinderfreuden #53: Ein Freund für alle Lebenslagen

„Bertie Pom und das große Donnerwetter“ – Daniela Drescher

Verlag Urachhaus, 2. Auflage 1. Oktober 2021, Preis 16,00 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 3 Jahren, 26 Seiten, ISBN: 978-3-8251-5284-0, hier geht’s zum Buch

Seit vielen Sommern und Wintern lebt der Apfelwicht Bertie Pom in seinem gemütlichen Wichtelhaus.

Als eines Tages ein heftiger Sturm um seinen Apfelbaum braust, ist dem freundlichen Wicht nichts zu waghalsig, um seine Freunde aus den Klauen des Unwetters zu befreien. Wie gut, dass sein Zuhause am Fuße des Baums so gemütlich ist, dass alle bei ihm Zuflucht finden …

Beschreibung des Verlags

Blickwinkel aus großen Augen

Heute ist Nikolaustag und wenn es etwas gibt, das früher neben Mandarinen, Nüssen und dem obligatorischen Schokoladennikolaus immer den Weg in meine blitzblank geputzten Stiefel fand, dann waren es Äpfel. Wir lieben Äpfel. Und das geht nicht nur uns so, sondern scheinbar auch dem Rest von Deutschland. Schließlich gilt der Apfel als beliebtestes Obst hierzulande. Er begleitet uns durch das gesamte Jahr. Und deshalb findet er heute auch den Weg in Emmas Stiefel – vom Nikolaus höchstpersönlich befüllt versteht sich!

Während meine Tochter und ich zwischen August und Oktober immer besonders den Genuss von lokalen erntefrischen Äpfeln frönen, kommen wir auch nach der offiziellen Erntezeit noch in den Genuss von Äpfeln. Sie sind Emmas tägliche Begleiter. Schon früh am Morgen gönnt sie sich die extra Ladung Vitamin C zum Frühstück und ist empört, wenn sie ihre geliebten Apfelschnitzen im Kindergarten nicht in ihrer Brotzeitbox vorfindet. „Mama, du hast heute meine Äpfel vergessen!„, beschwert sie sich dann beim Abholen. Und wie heißt es schließlich so schön: „An apple a day keeps the doctor away!“

Wie passend, dass Ende August ein Bilderbuch von Daniela Drescher erschienen ist, das gleich zwei Vorlieben von uns vereint: unsere Begeisterung für Wichtel und unsere Vorliebe für Äpfel. Wobei, eigentlich sind es gleich drei Vorlieben, denn die Illustrationen von Daniela Drescher habe ich persönlich sehr ins Herz geschlossen. Sie sind in unserem Kinderbuchregal nicht mehr wegzudenken. Und so tummelt sich dort neben den  Wichtelgeschwistern Pippa und Pelle und dem Regenrinnenwicht Giesbert nun auch ein entzückender Apfelwicht. Sein Name ist Bertie Pom. Heute möchten wir euch seine Geschichte „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ ans Herz legen. Gelesen werden kann sie das ganze Jahr, aufgrund des großen Gewitters, dass Bertie und die tierischen Apfelbaum-Bewohner darin aber heimsucht, passt es meines Erachtens besonders gut in den Herbst bzw. hereinbrechenden Winter, die häufig mit stürmischem Wetter aufwarten.

Bertie lebt in einem gemütlichen Wichtelhaus am Fuße eines Apfelbaums. Er hat darin einen Ofen, eine prall gefüllte Speisekammer und ein weiches Bett. Also alles, was ein Apfelwicht braucht. Eines Tages überrascht ihn der Dachs beim Frühstück und warnt ihn vor dem Gewitter, das sich draußen zusammenbraut. „Potzblitz!“, staunt der Apfelwicht, als er vor die Tür geht.“ Tatsächlich bedecken eine ganze Menge dunkler Regenwolken den Himmel und von weitem hört er bereits ein erstes Donnergrollen heranrollen. Er entscheidet sich kurzerhand dazu, den Tag zum Gemütlichkeitstag zu erklären und sich mit seinen kleinen Mitbewohnern Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen im gemütlichen Apfelwicht-Haus zu verkriechen. Zur unserer Freude holen sie dafür jede Menge Spiele, Decken, Kissen, Bauklötze und Knabberkram heraus. All das, was auch wir für einen besonders gemütlichen Tag zusammentragen. Der Begriff Gemütlichkeitstag ist seit der ersten Lektüre fest in unserem Sprachgebrauch verankert. 

Doch ehe Bertie es sich in seinem behaglichen Zuhause gemütlich macht, möchte er seinen Freund Albert, die alte Krähe mit dem lahmen Flügel, die ganz oben im Apfelbaum haust, in Sicherheit wissen. Und so holt er seine lange Leiter hervor und beginnt Ast für Ast den Apfelbaum zu erklimmen. Nun ist die Krähe zwar das älteste Tier im Apfelbaum, aber nicht das einzige. Und so klettert Bertie auf seinem Weg zur Krähe an den Behausungen des Gartenschläfers Pip, des Kauzes Friedrich und des Eichhörnchens Tibbi vorbei. Und ehe Bertie dafür sorgen kann, das Krähennest fester an den Baum zu binden, erfasst schon eine kräftige Böe den Ast und lässt ihn stark hin und herschaukeln. „Es pfeift und schüttelt, bläst und rüttelt an Zweigen und Ästen.“ Und mit einem Mal wird auch der Kobel des Eichhörnchens – hui – vom Wind erfasst und davongetragen. Als dann noch dicke Regentropfen vom Himmel fallen, schlägt Bertie vor, dass alle vorerst im Apfelwicht-Haus Unterschlupf suchen, bis das Unwetter vorbei ist. Auch der Kauz und der Gartenschläfer erachten das als eine gute Idee und schließen sich an. Und als sie alle gemütlich in Berties Wohnung beisammensitzen, ist das schreckliche Wetter draußen schon fast vergessen.

Daniela Drescher hat mit ihrem entzückenden Apfelwicht eine wunderbare Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt geschaffen. Sie erzählt in „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ nicht nur eine spannende Geschichte, sie verdeutlicht mit ihr auch, wie gut es ist, Freunde an seiner Seite zu haben, die auch in schweren Zeiten zu dir halten. Darüber hinaus beschreibt sie auf sehr lebendige, mitunter sehr poetische Weise den Lauf der Natur, die vielen Schätze, die wir aus der Ernte für uns gewinnen können und die vielen Besonderheiten, die die tierischen (Baum)bewohner mit sich bringen. So lernen die jungen Leser*innen z.B. ganz spielerisch, dass das Zuhause des Eichhörnchens Kobel genannt wird, dass Käuze es sich in Baumhöhlen gemütlich machen oder der Gartenschläfer ein Tier ist, das bei uns in Deutschland angesiedelt ist, auch wenn man die entzückende Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“ kaum noch in der freien Wildbahn erleben kann. 

So sorgt die international gefeierte Illustratorin und Autorin mit ihrem neuen Werk nicht nur für jede Menge Unterhaltung, sondern auch für einen gewissen Informationsgehalt. Ihre Illustrationen, die sehr detailliert, naturnah und fantasievoll daherkommen, schaffen Atmosphäre und Gemütlichkeit und bringen kleine und große Augen zum Strahlen.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Was hat dir an der Geschichte am Meisten gefallen, Emma? 

Dass Bertie einen Gemütlichkeitstag mit all seinen Freunden machen will und dafür genau die gleichen Sachen zusammenträgt, die ich immer mit dir hole. Decken, Kissen, Spiele und vor allem was zum Knabbern. Dann wird es ganz gemütlich! 

Gibt es Figuren in der Geschichte, die du besonders magst? 

Ich mag Bertie. Und Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen. Die sind ganz winzig und trotzdem habe ich sie entdeckt. Krabbelfuß ist eine Raupe und Pünktchen ein Marienkäfer, was Rüsselchen ist, weiß ich nicht so genau. Das Tier schaut aber total lustig aus. Es hat so eine Rüsselnase wie ein Elefant. (Psst … Daniela Drescher hat es uns verraten: Rüsselchen ist ein Rüsselkäfer).

Was ist in der Geschichte passiert?

Es gab ein ganz großes Unwetter und dann hat es ganz wild gestürmt und geregnet, dass sich alle in Berties Wohnung verkriechen mussten.

Emmas Tipp:

Die Geschichte mit einem Apfel oder getrockneten Apfelringen genießen.

[Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Verlag Urachhaus als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #52: Wenn ein Einhorn ohne Glitzer erstrahlt

„Emmas Einhorn“ – Briony May Smith

Thienemann-Esslinger, erschienen am 27. Juli 2021, Preis 15,00 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 3 Jahren, 48 Seiten, ISBN: 978-3-480-23717-3, hier geht’s zum Buch

Emma zieht mit ihren Eltern in ein kleines Haus am Meer. Hier riecht alles anders, die Räume begegnen ihr leer und befremdlich. Noch nie hat sie sich so einsam gefühlt wie hier. Sie flüchtet in die Natur, durchstreift die von wilden Blumen übersäten Wiesen und entdeckt dabei ein kleines Einhorn-Baby, das sich im Gras verfangen hat. Sie befreit es und nimmt es in ihre Obhut. Als ihre Oma ihr erzählt, dass Einhörner sich ausschließlich von Blumen ernähren und deshalb immer an die blumenreichsten Orte fliegen, schafft sie für das Einhorn ein kleines Paradies, in der Hoffnung, es niemals wieder zu verlieren.

Und so verweilt das Einhorn bis zum nächsten Frühling bei Emma, wird ihr zu einer guten Freundin. Die beiden genießen eine unbeschwerte Zeit. Doch irgendwann kehrt die Familie des Einhorns zurück und für Emma heißt es, Abschiednehmen.

Ob sich Emma danach wieder einsam fühlt?

Blickwinkel aus großen Augen

An von Kälte und Regen beherrschten Tagen (wie sie der November zuhauf mit sich bringt) ziehen sich meine Tochter und ich uns gerne in Bilderbücher zurück, die mit warmen und atmosphärischen Szenerien aufwarten.

„Emmas Einhorn“ empfängt uns mit einem Meer aus Blumen in einer wilden unberührten Bergszenerie unweit vom Meer, die mich stark an Irland oder Schottland erinnert, mich selbst aus der Ferne dem satten Grün und der wilden unberührten Natur ganz nahe bringt, mir die salzig-erdige Luft um die Nase weht, mich die brausende Gischt des Meeres hören und mich von einem Gefühl des Behagens umgeben fühlen lässt.

„Dichter Nebel zog über den Himmel und legte sich auf das Wasser. Nein, das war kein Nebel. Das waren Wolken. Nein, das waren keine Wolken, es waren weiße Pferde. Nein, keine Pferde – Einhörner. Sie sprangen in die Luft und der Wind trug sie davon. Nur ein Wimpernschlag und sie waren verschwunden.“

Briony May Smith hätte keine magischere Szenerie schaffen können, um einen Blick auf eine Herde von Einhörnern am Himmel zu erhaschen, die mit dem letzten Sommerwind zu einer sagenumwobenen Insel fliegen und einem Mädchen namens Emma ein kleines Wunder an die Hand geben, das ihm über die Einsamkeit hinweghilft, die es in der Fremde seines neuen Zuhauses plötzlich verspürt. Sie gibt damit nicht nur der Protagonistin, sondern allen kleinen (und großen) Leser*innen einen tierischen Wegbegleiter in Gestalt eines Einhorns an die Hand, dass sie den Wert wahrer Freundschaft kennenlernen und das Gefühl von Zusammengehörigkeit spüren lässt.

Schon lange vor der deutschen Ausgabe hatte ich dieses Bilderbuch im Visier, das im Original den Titel „Margaret’s Unicorn“ trägt. Dass die Geschichte nun auch den deutschen Buchmarkt erobern darf, stimmt mich sehr glücklich. Denn Smith schenkt uns mit ihrer zauberhaften Geschichte nicht nur ein kleines silberfarben-weiß getupftes Einhorn, das auch ganz ohne Glitzer zu verzaubern vermag, der Thienemann Verlag hat mit dem deutschen Titel „Emmas Einhorn“ für uns sogar ein ganz persönliches Herzensbuch geschaffen. Denn auch meine Räubertochter trägt den Namen Emma.

Es ist die magische Aura dieses kleinen Fantasiewesens, die sofort für wohlige Wärme im Kinderzimmer sorgt. Die Faszination, die seit jeher für Einhörner herrscht, wurde in den letzten Jahren stark von Klischees überlagert. Einhörner wurden immer glitzernder, leuchtender und funkelnder. Die Faszination um ihr gewundenes Horn auf der Stirn, um ihre Gabe des Fliegens, schien nicht mehr auszureichen, es musste mit künstlichem Glitzer und Regenbogenfarben versehen und um künstliche Strahlkraft ergänzt werden. Ein regelrechter Einhorn-Hype kam auf. Und der natürliche Zauber um dieses Fabelwesen ging für mich dabei verloren.

Briony May Smith hat diesen Zauber für mich ein Stück weit zurückgeholt. Mit stimmungsvollen und natürlichen Bildern, die das Einhorn nahezu ohne diese Klischees erstrahlen lässt, verzaubert sie ihre Leser*innen auf ganz ursprüngliche Weise, selbst wenn sie das kleine Einhorn von Mondscheinwasser trinken und mit einem leuchtenden Horn die Nacht erhellen lässt. Sie versetzt ihre kleinen Leser*innen ins Träumen, lässt sie in die Luft springen, vom Wind davontragen und wie Schneeflocken vom Himmel rieseln. 

Den von Steffi Kress ins Deutsche übertragenen Zeilen haftet etwas wunderbar Poetisches und zeitgleich Magisches an, dass sich harmonisch an die Illustrationen von Smith schmiegt und das Bilderbuch zu einem stimmungsvollem Gesamtkunstwerk macht. 

Und nicht nur das, Smiths Geschichte spendet auch Trost. Sie zeigt, dass egal wo und wann, immer Weggefährt*innen auf uns warten, die uns treu und ergeben an der Seite stehen, über das Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit hinweghelfen und zu guten Freund*innen werden können, selbst wenn das Leben sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder weiterträgt, weit fort, von dem Mittelpunkt unseres eigenen Lebens. Denn wahre Freundschaft kennt keine Entfernung. Und so lernen wir, ein Stück weit über uns selbst hinauszuwachsen und neuen Menschen gegenüber aufgeschlossen zu begegnen. Auch Emma fasst nach dem Abschied ihres Einhorns Mut und findet in Annabel eine neue Freundin.

Mit „Emmas Einhorn“ ist Briony May Smith eine jener Geschichten gelungen, die auch nach zahlreichen Lektüren nicht an Zauber verliert, die sich besänftigend auf unsere Seele legt, uns mit magischem Zauber und Wohlgefühl umgibt und von einem kleinen silber-weiß getupften Einhorn träumen lässt, an dessen Seite wir die Welt erobern.

„Wenn du ein Einhorn als Freund hast, wünscht du dir, dass der Frühling weit weg bleibt.“

Dieses Bilderbuch wurde von mir auch im Rahmen der Kinderbuch-Kolumne auf buchszene.de ans Herz gelegt:

https://buchszene.de/kinderbuch-empfehlungen-november-2021/

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Welches Seite hat dir am Besten gefallen, Emma? 

Als Emma und das Einhorn auf der Picknickdecke im Sommer liegen und von Blumen umgeben sind.

Als das Einhorn Mondscheinwasser trinkt und das Horn des Einhorns zum Leuchten bringt. Es leuchtet dann so wie mein Wal-Nachtlicht.

Möchtest du auch mal Mondscheinwasser trinken?

Oh ja. Denn dann fange ich vielleicht auch an zu leuchten und habe Zauberkräfte.

Wann wurdest du ganz traurig?

Als der Frühling da war und die Familie vom Einhorn wieder zurückkam. 

Was gefällt dir am Buch am besten?

Dass das Einhorn Emma nicht vergisst und es später noch einmal besucht. 

 

Wird zur:

Einhornliebhaberin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Thienemann-Esslinger als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Im freien Fall in Richtung Abenteuer

„Alice im Wunderland“ – Lewis Carroll & Valeria Docampo

mixtvision Verlag, erschienen am 18. August 2021, Preis 28,00 € [D], Hardcover, ab 9 Jahren, 124 Seiten, ISBN: 978-3-95854-176-4, hier geht’s zum Buch

Ein Kaninchen mit weißen Handschuhen und Taschenuhr in der Westentasche, das ist wahrlich etwas Wundersames, findet Alice. Aber nicht weniger verrückt wie die die Wasserpfeifen schmauchende Raupe, die Grinsekatze, die sich bis auf ihr Grinsen in Luft auflöst,  oder ein Tee schlürfender Hutmacher nebst Schnapphase. An die kleinen Skurrilitäten, die ihr an diesem wundersamen Ort überall begegnen, gewöhnt sich Alice recht schnell. Genau wie an die Tatsache, dass sie wachsen und schrumpfen kann wie eine Ziehharmonika. Denn das bringt durchaus seine Vorteile mit sich. In dem wundervollen Land, in das Alice abtaucht, scheinen der Fantasie keine Grenzen gesteckt zu sein.

„Und selbst wenn mein Kopf hindurchginge“, dachte die arme Alice, „könnte ich mit ihm ohne die Schultern auch nicht viel anfangen. Ach, ich wünschte, ich könnte mich wie ein Fernglas zusammenschieben!“

Zitat, Seite 14

Ob ihr es glaubt oder nicht, bis zu dieser Prachtausgabe von einem Bilderbuch, habe ich noch nie Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ vollständig gelesen. Ich kannte viele Passagen aus der Geschichte und die Verfilmungen, nicht aber das gesamte Werk, das bereits im Jahre 1865 erstmals erschienen ist und längst zum Kult-Klassiker avanciert ist. Während ich lange mit anderen hübschen Ausgaben der Geschichte geliebäugelt habe, fiel mir kürzlich dieser Bilderbuchtraum in die Hände, der mit berauschend schönen Illustrationen von Valeria Docampo daherkommt. Und wer bei mir schon eine Weile liest, der wird sich spätestens jetzt an ein Bilderbuch zurückerinnern, das ebenfalls aus der Feder der begnadeten Illustratorin stammt, unser Herzen im Sturm erobert hat und mit den drei Wörtern „Kirsche, Staub und Stuhl“ auf ewig verbunden ist.

Denn hier fing unsere (Docampo-)Geschichte an…

Die große Wörterfabrik“ entflammte in Emma und mir eine Liebe für die „kleinen“ Kunstwerke aus Farben und Formen, für die Detailverliebtheit, die Ausdruckskraft und den Zauber, die/der von Docampos Illustrationen ausgeht und unwillkürlich eine Kette von Folgelektüren ins Rollen bringt. Ob „Im Garten der Pusteblumen„, „Die Schneiderin des Nebels„, „Der Bär und das Wörterglitzern“ oder die Neuinterpretation von „Der kleine Prinz“ – hier werden noch eine ganze Reihe an Bilderbuchbesprechungen folgen, die wir dem harmonischen Zusammenspiel dieser großartigen Künstlerin mit Texten von Agnès de Lestrade oder Noelia Blanco zu verdanken haben. Da bleibt es nicht fern, das Wort „Nochmal!“ in die Welt zu entlassen, das schon Paul für seine Marie übrig hat. 

„Ülkiger und ülkiger!“, rief Alice (und in ihrer Überraschung entging ihr, dass man das eigentlich gar nicht sagen kann); „jetzt schiebe ich mich auseinander wie das längste Fernrohr, das es jemals gegeben hat! Lebt wohl Füße!“

Zitat, Seite 20

Für welche „Alice im Wunderland“ – Ausgabe man sich letztendlich entscheidet, um in den wohlbekannten Klassiker einzutauchen, ist jedem selbst überlassen. Fest steht, die Geschichte ist es wert, gelesen zu werden. Lewis Carroll brilliert als fantasievoller Erzähler, sowohl bei der Erschaffung von Szenerien, Wörtern als auch Figuren schöpft er aus dem Vollen. Der unikatäre Wert seiner Erfindungen (oder sollen wir sie besser „Hirngespinste“ nennen?) mag uns in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so außergewöhnlich erscheinen, aber gab es jemals zuvor eine Grinsekatze, die sich bis auf ihr Grinsen in Luft auflöst, einen Hasen, der mit weißen Handschuhen und Taschenuhr in der Westentasche durch die Gegend rennt, einen Hutmacher, der vor Verrücktheit förmlich überschnappt, eine Wasserpfeifen rauchende Raupe oder eine Suppenschildkröte? Lewis Carrolls Fantasie schienen keine Grenzen gesetzt. Er fabuliert was das Zeug hält, lässt die kleine Alice selbst nicht minder häufig an sich und ihren Worten zweifeln. Darüber hinaus bringt die fiktive Welt, in der die Geschichte angesiedelt ist, so viele logische Komponenten und Parallelen zu unserer Welt mit sich, dass die Erzählung nicht nur bei jüngeren, sondern auch bei älteren Leser*innen großen Anklang findet.

„Ich möchte nur wissen, was eigentlich mit mir passiert ist! Früher beim Märchenlesen dachte ich mir immer, solche Dinge könnten ja doch nicht geschehen, und jetzt bin ich selbst mitten in ein Märchen geraten!“

Zitat, Seite 41

Allein von Carrolls Zeilen geht ein ungeheurer Sog aus, dem zauberhaften Zusammenspiel mit Docampos Illustrationen kann man sich aber wahrlich nicht entziehen. Ehe man sich versieht, ist man genau so schnell wie Alice im Kaninchenbau, hinter dem Deckel des Buches verschwunden, im freien Fall in Richtung Abenteuer. Und es ist eine wahre Wohltat in die großformatige Neuauflage aus dem Hause mixtvision einzutauchen. Docampos farblich dominierende Illustrationen im pink-türkisen Gewand verleihen dem wohlbekannten Klassiker einen modernen Farbtupfer, durch den er sich zum berauschenden Farbbad entfaltet, in dem man es sich so gemütlich macht, dass man erst völlig verschrumpelt wieder daraus hervortaucht. Und so offenbart sich diese Ausgabe als erquickende Lektüre für Körper und Geist und verleiht nicht nur dristen (Herbst)tagen die nötige Farbe, sondern auch dem Bücherregal einen gewissen Glanz. 

„Ihr seid ja nichts weiter als ein Kartenspiel“ […] Halb zornig, halb erschreckt, stieß Alice einen kleinen Schrei aus und schlug nach ihnen, um sie zu verjagen – und auf einmal war sie wieder am Bachufer und lag mit dem Kopf ihrer Schwester im Schoß.“

Zitat, Seite 122

Diese hübsche Schmuckausgabe sei allen großen und kleinen Alice-Fans ans Herz gelegt, an die Geburtstags- und Weihnachtsgeschenksucher*innen, an die Liebhaber*innen des geschriebenen Wortes und all jenen, die sich gerne von Farben und Formen berauschen lassen. Dieses Bilderbuch wird euch garantiert beflügeln!  

Dieses Bilderbuch wurde von mir auch im Rahmen der Kinderbuch-Kolumne auf buchszene.de ans Herz gelegt:

https://buchszene.de/kinderbuch-empfehlungen-oktober-2021/

Kinderfreuden #51: Wenn ein Sommer wie Limonade sprudelt

„Ein Sommer, wie sprudelnde Limonade“ – Kristina Kreuzer

Woow Books, erschienen am 23. April 2021, Preis 14,00 € [D], Hardcover, ab 9 Jahren, 176 Seiten, ISBN: 978-3-96177-026-7, hier geht’s zum Buch

Blickwinkel aus großen Augen

„Wann wirds mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer, wie er früher einmal war? Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September. Und nicht so nass und sibirisch, wie in diesem Jahr…“

Die Sommerferien sind vorbei und mit ihnen wahrscheinlich auch der viel zu kurze Sommer. Für viele Kinder begann gestern (wieder) die Schule. Auch für Protagonistin Luzy beginnt nach den Ferien ein neuer Lebensabschnitt. Denn sie will nicht nur die Grundschulzeit hinter sich lassen, sondern auch ihr altes Ich. Die stille Luzy soll Geschichte sein. Sie will allen zeigen, was in ihr steckt. Als sie am ersten Ferientag dem jungen Griechen Jannis und seinem Esel Tzatziki über den Weg läuft, ahnt sie noch nicht, welches Abenteuer ihr bevorsteht. Denn es wartet ein Sommer auf sie, der daherkommt wie prickelnde Limonade…

Luzys Stimme ist leiser als die der anderen. Sie hasst es, wenn ihre Mitschüler sich deshalb über sie lustig machen. Es ihr nicht gelingt, so humorvoll, schlagfertig oder einfallsreich zu sein, wie sie es gerne wäre. Und so beschließt sie, die bevorstehenden Sommerferien dafür zu nutzen, um mutiger zu werden. Jannis und seine Brüder kommen ihr daher gerade recht. Denn während ihre Eltern in den Ferien arbeiten und ihre Geschwister ihre Zeit in Camps verbringen, steht für Luzy Urlaub in Opahausen an. Ein eher ruhiger Sommer also. Denn Opa wohnt seit dem Tod von Oma alleine in seinem großen Haus mit Garten. Hier passiert in der Regel nicht viel mehr als mit Opa Kuchen unter dem großen Apfelbaum zu essen und die Seele baumeln zu lassen. Wie soll man da schon über sich selbst hinauswachsen?

Doch Luzy hat nicht mit der Aufgabe gerechnet, die ihr der sanftmütige Esel beschert. Denn Jannis sucht ganz dringend nach einer Unterkunft für Tzatziki. In der Wohnung seines Onkels kann er nicht bleiben und auch die fünf Hühner nicht, die Jannis mit seinen zwei großen Brüdern Nikos und Adonis aus Griechenland mitgebracht hat. Luzy findet den jungen Griechen auf Anhieb sympathisch. Ihr fällt auf, dass er genauso leise spricht wie sie. Und das gefällt ihr. Sie würde ihm gerne helfen, und ehe sie sich versieht, steckt sie bereits mittendrin, in der Suche nach einer geeigneten Unterkunft für die Tiere. Plötzlich zeigt sie so viel Eigeninitiative, Mut und Stärke, wie sie es selbst gar nicht von sich kennt. 

Ich habe keine Ahnung, warum ich mich bei Jannis so zu Hause fühle, dabei kenne ich ihn doch eigentlich kaum.

Zitat, Seite 64

In das wundervolle Wohlfühlbuch von Kristina Kreuzer ist mein Patenkind Lena eingetaucht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Buch bis zum Ende der Sommerferien zu lesen. Und das ist ihr auch gelungen. Die 176 Seiten, die mit einer recht kleinen Schrift daherkommen, haben ihr aber einiges abverlangt. Dass hier kaum mehr Bilder zwischen den Zeilen zu finden sind, ist neu für sie. Hier bringen lediglich die Kapitelüberschriften kleine Schwarz-Weiß-Illustrationen von Friederike Ablang mit sich. Was bleibt, sind die Bilder im Kopf, die Kreuzers lebendige Zeilen in den jungen Leser*innen hervorrufen. Und so verleihen die imaginären Bilder von Tzatziki, von Opahausen, vom Laden von Jannis‘ Onkel oder von der Wohnung der griechischen Familie, dem Roman Farbe. Jungen Leser*innen, die der Altersempfehlung entsprechen, sich mit der Anzahl der Seiten oder der Schriftgröße aber noch etwas schwer tun, empfehle ich an dieser Stelle eine erwachsene Lesebegleitung. So ist der Einstieg auch schon früher denkbar. 

Mit der Geschichte von Luzy können sich junge Leser*innen gut identifizieren. Denn selbst wenn das sommerliche Abenteuer der 10-Jährigen sicherlich kein Alltägliches ist, sind viele Parallelen aus dem wahren Leben darin zu finden. Mit Luzy hat die Autorin eine sympathische, wenn auch zurückhaltende Protagonistin geschaffen, die sich aus eigenem Antrieb vom schüchternen zum selbstbewussten Mädchen mausert und damit einen entscheidenden Entwicklungsprozess durchläuft. Sie wächst zu ihrem eigenen Erstaunen über sich hinaus. Lernt, mutiger zu werden und auch vor ihren Eltern Stellung zu beziehen. So kann sie all jenen Leser*innen, die sich schwer damit tun aus sich herauszugehen, ein wunderbares Vorbild sein und sie in ihrem Tun ermutigen. Lena fällt auf Anhieb eine Mitschülerin ein, die leise spricht. Auch Mitschüler*innen aus anderen Ländern sind Teil ihrer Klasse, weshalb es für sie nicht ungewöhnlich war, dass Luzy eines Tages auf Jannis und seine Brüder trifft, wohl aber, dass sie ihnen so offen und selbstbewusst entgegentritt. Dass Luzy sich so schnell mit den griechischen Jungs anfreundet, hat sie beeindruckt. Und so wird Luzy für Lena zum heimlichen Star.

Auch die tierischen Figuren schließt man schnell ins Herz. Sowohl der sanftmüdige Esel Tzatziki als auch die gackernden Hühner haben in ihr schnell eine Freundin gefunden. Denn mein Patenkind hat ein Herz für Tiere und dementsprechend gelitten, als Luzy und Jannis auf dem nahe gelegenen Gnadenhof nicht den erhofften Wohlfühlort für die Tiere finden, sondern vielmehr an einen Mann geraten, dem das Wohl der Tiere gar nicht am Herzen liegt. Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Tiere in einer Nacht- & Nebelaktion zu retten und sich eine Alternative auszudenken. Dass der große Garten von Luzys Opa für Tzatziki und die Hühner prädestiniert ist, erkennt Lena schon zu Beginn der Geschichte. Wie blöd, dass der Vermieter von Luzys Opa keine Haustiere duldet. Ob sie es dennoch schaffen, die Tiere und Luzys Opa zusammenzubringen?

Das sommerliche Gute-Laune-Cover von Friederike Ablang lädt nicht nur junge Leser*innen dazu ein, in die Zeilen der Geschichte einzutauchen, es trägt auch unglaublich viele Glücksgefühle in sich. Es steht im perfekten Einklang zur Geschichte, die tatsächlich ein bisschen wie sprudelnde Limonade daherkommt und sich wie ein perfekt ausgeklügeltes Uhrwerk präsentiert, bei dem sich die Handlungsstränge wie einzelne Zahnräder auf sehr präzise und harmonische Weise miteinander verknüpfen. 

Auf dass „Ein Sommer wie sprudelnde Limonade“ noch zahlreiche junge Leser*innen für sich gewinnt und der Sommer uns damit noch ein kleines bisschen länger erhalten bleibt.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Lenas Urteil:

 

Liebe Lena, hast du die Geschichte unter dem Apfelbaum in eurem Garten gelesen?

Nein. Aber ich fand, dass der Platz sich gut für ein Foto angeboten hat. Schließlich machen es sich Luzy und ihr Opa auch immer unter dem Apfelbaum bequem.

Hast du das Buch ganz alleine gelesen? 

Nicht ganz. Ich habe mich mit meiner Mama abgewechselt. Eine Seite sie, eine Seite ich. Ich mag es, wenn mir jemand vorliest.

 

 

Hast du eine Lieblingsfigur im Buch?

Mir hat Luzy am Besten gefallen. Denn sie ist abenteuerlustig, mutig und offen gegenüber Jungs, obwohl sie Jannis und seine Brüder am Anfang ja gar nicht kennt!

Wusstest du schon am Anfang, wie die Geschichte ausgeht?

Ich hatte eine Vermutung. Ob ich recht hatte, verrate ich aber nicht.

 

 

Dir liegen Tiere sehr am Herzen. Hast du ein Lieblingstier?

Ich mag Hunde und Katzen sehr gerne. Wir haben einen Königspudel und drei Katzen zuhause (die alle gleich aussehen). 

Wird zur:

Abenteuerin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Woow Books als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Fragen an die Autorin

Liebe Kristina,

dein Buch trägt einen ganz ausgefallenen Titel? Wie kam es zum „Sommer wie sprudelnde Limonade“? War der Titel dein Einfall oder hat der Verlag ihn dir vorgeschlagen?

Tatsächlich ist dieser wunderbare Titel meiner Lektorin Neele Bösche eingefallen. Mir wollte einfach nichts Passendes einfallen, von „Hier kommt Superluzy“ wie „Sommer mit rotem Tretboot“ war alles dabei, dann kam Neele …

Trinkst du selbst gern Limonade? Hast du welche beim Schreiben getrunken? 

Beim Schreiben trinke ich immer nur Wasser und zwischendurch zur Belohnung einen leckeren Kaffee. Im Sommer, wenn es heiß ist, liebe ich selbstgemachte Limonade!

Wie kamst du auf die Geschichte? Sind Szenen aus dem realen Leben darin zu finden oder ist die Geschichte komplett ausgedacht?  

Die Geschichte ist komplett ausgedacht. Mir kam auf einmal die Idee, über ein schüchternes /stilles Mädchen zu schreiben. Kurz darauf kam Tzatziki dazu und der Rest entwickelte sich von selbst. Aber ich glaube, in jedem guten Buch steckt auch etwas von sich selbst und dem eigenen Leben drin.

In deiner Geschichte suchen Jannis und Luzy nach einem Zuhause für den Esel und die Hühner von Jannis‘ Familie und geraten dabei an einen Menschen, dem das Wohl von Tieren gar nicht wirklich am Herzen liegt. Bist du auch schon mal an einen solchen Menschen geraten?  

Nein, zum Glück nicht, aber man liest oder hört ja immer wieder so gemeine Geschichten.

Ist dir Tierschutz wichtig?  

Auf jeden Fall. Tiere sind in unserer Zivilisation so harmlos, liebenswerte Wesen, die von sich aus selten den Menschen etwas tun (Ich rede hier von Haustieren und nicht von bissigen Kampfhunden oder Raubkatzen oder so, daher „selten“), deshalb sollten wir sie auch in Frieden lassen, und wenn wir sie halten, dann artgerecht. Wir sind gerade dabei, uns einen artgerechten (und damit ziemlich großen :-) Hasenstall zimmern zu lassen.

Hast du ein Lieblingstier? Ist es womöglich der Esel oder das Huhn?  

Als ich klein war, war mein absolutes Lieblingstier ein Elefant, mein ganzes Kinderzimmer war voll mit Elefanten in jeder Form. Ich mag sie immer noch sehr gerne, aber von der Mentalität finde ich einen Esel einfach genial: Sympathisch, geradlinig, entspannt und immer mit dem Ziel vor Augen.

Ich finde den Namen des Esels ziemlich witzig. Wie kamst du darauf, ihn wie die griechische Vorspeise zu nennen? Fühlst du dich Griechenland verbunden?  

Ich mag Griechenland sehr, als Kind war ich oft dort und auch jetzt mit meiner eigenen Familie. Aber warum Tzatziki? Ich glaube, die Idee ist mir einfach in den Kopf gehüpft. Mir persönlich ist meistens zu viel Knoblauch im Tzatziki-Quark! :-)

Gibt es eine Botschaft, die du deinen Leser*innen mit deinem Buch mit auf den Weg geben möchtest?  

„Lass dich niemals unterbuttern“, wie Opa Peter sagt. Sei Du selbst und lass Dir nicht einreden, dass Du anders sein musst.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für meine Fragen genommen hast.

Mehr Information zu Kristina Kreuzer findet ihr auf https://www.kristinakreuzer.de.

Kinderfreuden #50: Ein Sommer, wie er im Buche steht

„Sommer“ – Jihyun Kim

„Manchmal sind wir so beschäftigt, dass kostbare Momente unbemerkt an uns vorbeiziehen. Wir sollten wieder lernen, die Bedeutung scheinbar alltäglicher Momente zu schätzen.“

Jihyun Kim 

Es ist die Sommerreise eines Jungen, die scheinbar alltäglich daherkommt und doch so viele kleine Wunder in sich trägt. Es ist der Zauber der Natur, der sich in diesem Sommer auf den Jungen legt: die besänftigende Ruhe des Waldes, ein Steg im See, der schon beim Blick durchs Dickicht frohlockt, der Sprung ins kühle Nass, das lustige Spiel mit wuselnden Fischen unter Wasser, die funkelnde Sommersonne, die den Körper des Jungen wohlig umhüllt, die Dämmerung, die sich über das Land legt und dunkle Schatten auf den Boden zaubert und ein beeindruckender Abendhimmel voller leuchtender Sterne.

Mit ihren atmosphärischen Bilder ohne Text vermag Jihyan Kim uns das zu schenken, wonach wir uns alle sehnen: einen Sommer voller Unbeschwertheit.

ECKDATEN

 

Gebunden, ab 5 Jahren

56 Seiten

ISBN: 978-3-8251-5275-8

Illustration: Jihyun Kim

Verlag Urachhaus

16,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 SOMMER

In einem kleinen Ort an einem See

verbrachte ich mehrere Tage. 

Ich erinnere mich 

an einen dichten Wald,

an das warme Sonnenlicht

und die streichelnde Brise,

die mich sanft berührte.

An die Wellen des Sees

und an die unzähligen Sterne

am dunklen Nachthimmel.

Diese Momente der Natur kommen leise …

Sie riefen ein lebendiges Gefühl in mir hervor,

ein Bewusstsein für das Leben.

Mit dem Wunsch, dieses noch immer

in mir lebendige Gefühl zu teilen,

entstand dieses Bilderbuch.

Jihyun Kim

Blickwinkel aus großen Augen

Ihr kennt sicher das Sprichwort: „Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte.“ Nun, dieses poetische Silent Buch ist der lebendige Beweis dafür. Denn was Jihyun Kims stimmungsvolle Bilder im Betrachter auslösen, ist wirklich erstaunlich.

Während Bilderbücher mit Text in den meisten Fällen eine vordefinierte Geschichte erzählen, erzählen Bilderbücher ohne Worte ganz viele. Es sind Geschichten, die beim Betrachten von Bildern in den Köpfen der Kinder wachsen, nie gleich ausfallen, bei jeder Lektüre ihr Gewand wechseln. Während es Erwachsenen erfahrungsgemäß etwas schwerer fällt, sich ihrer Fantasie hinzugeben, gelingt es Kindern ganz spielerisch. Sie gehen unbefangen an die Dinge heran. Ihre Fantasie verleiht ihnen Flügel, lässt sie gedanklich abdriften und die Welt auf ihre ganz eigene Weise erfassen. Und so fiel auch die Sommerreise des Jungen im vorliegenden Buch bei meiner Räubertochter ganz anders aus als bei mir. Nicht grundlegend, aber doch unterschied sie sich um ganz feine Nuancen.

Ich nahm es hin, dass der Junge im Buch keinen Namen zu haben scheint, Emma nicht. Schon auf der ersten Seite gab sie dem Jungen den Namen „Benny“. Jeder Mensch müsste schließlich einen Namen haben. Wie sonst sollte der Junge wissen, dass es um ihn geht!? Der Blick in sein Kinderzimmer verriet uns auf Anhieb eine seiner größten Leidenschaften: Autos. Kein Text war hierfür von Nöten. Der aufmerksame Betrachter erkennt es beim Blick auf die Szenerie. Denn überall sind sie zugegen: das Bett, umsäumt von Postern verschiedenster Gefährte, am Schreibtisch eine Bilderwand persönlicher Gemälde, auf dem Boden, dem Fenstersims und dem Bücherregal: überall Autos. Man kann sich also gut vorstellen, welcher Reiz der anschließenden Autofahrt in den Sommerurlaub für den Jungen innewohnt. Ein Hauch von Abenteuer ergreift sein Haar, als er sich bei der Fahrt aus dem Fenster lehnt, um die vorbeiziehende Landschaft besser erblicken zu können.

Auf dem Land angekommen, betrachtet der Junge die Bildergalerie im Wohnzimmer seiner Großeltern. In den gerahmten Momentaufnahmen entdeckt er nicht nur sich selbst, sondern auch seine Eltern und Großeltern. Hier wohnen Geschichten inne. Geschichten, die ganz spielerisch freigesetzt werden. Geschichten, an denen Kinder uns beim Betrachten teilhaben lassen. Sie tun es unaufgefordert. Die Bilder scheinen zu ihnen zu sprechen. Wenig später lockt die Natur den Jungen ins Freie. Das Abenteuer ruft, knisternde Spannung liegt in der Luft. Erst Recht, als der Junge im Dickicht des Waldes verschwindet und bald vom Geäst verschiedenster Bäume umgeben ist.

Wild wuchernder Farn lässt den Jungen und seinen Hund fast in der Landschaft verschwinden. Der überraschte Ausdruck auf ihren Gesichtern spricht Bände. Sie haben sich im wilden Gestrüpp des Waldes verloren. Doch beim Blick durchs Geäst erspähen wir in der Ferne einen Steg, der zu einem erfrischenden Bad im See einlädt. Doch ehe sich der Junge dem kühlen Nass hingibt, lässt er die Ruhe der Natur für einen Moment auf sich wirken, fast andächtig überblickt er die Weite des Sees. Keine Menschenseele weit und breit.

Platsch! Plötzlich sind wir unter Wasser, erkunden die faszinierende Unterwasserwelt und erblicken überall um uns herum Fische. Die Backen des Jungen sind dick aufgeblasen – wie lange er wohl die Luft anhalten kann? Beim Auftauchen umspielen Blubberblasen seine Füße. Klitschnass legt er sich auf den Steg, lässt seinen triefnassen Körper von der warmen Sommersonne trocknen und seine Nase von den glitzernden Sonnenstrahlen kitzeln. Doch alsbald legt sich die Dämmerung über das Land, wirft dunkle Schatten auf den Boden und läutet den Abend ein. Und ehe der Junge sich versieht, ist der Himmel mit glitzernden Sternen bedeckt. Ob er mit seinem Hund eine Sternschnuppe erspähen kann?

Das Ungewöhnliche an Jihyun Kims Bildern ist sicherlich, dass sie in einem reduzierten Farbschema daherkommen. Die Illustratorin verwendet überwiegend die Farben grau, schwarz und weiß, lässt ihre Illustrationen auf wenigen Seiten von einem zarten Grün und Blau umspielen. Ihr Blick ist aufs Wesentliche gerichtet: auf die Schönheit der Natur, auf die Schönheit des Augenblicks und auf die kleinen Wunder, die wir oft im Alltag des Lebens übersehen. Und deshalb passiert in diesem Bilderbuch so viel und doch so wenig.

Es kann zu einem unglaublichen Kleinod werden. Einem Buch, das mit zahlreichen Gefühlen und einem wunderbar befreiten Lebensgefühl einhergeht, die sich besänftigend auf unsere Seele legen. Auf ganz ruhige und unaufdringliche Weise hat sich Jihyun Kim in mein Herz gezeichnet und lässt mich von einem Sommer träumen, wie er im Buche steht…

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Welches Seite hat dir am Besten gefallen, Emma? 

Der glitzernde Sternenhimmel ganz am Ende. So einen möchte ich auch mal sehen! Ich zeig dir mal meinen Lieblingsstern…

Möchtest du auch so einen Sommer wie der Junge erleben?

Oh ja. Am liebsten möchte ich auch ins Wasser springen. „Platsch!“ macht das dann. Und dann spritz es und ich bin ganz nass. Dann kann mich auch die Sonne trocknen.

Hast du auf einem Bild etwas erkannt, das du auch schon mal gemacht hast?

Ja. Benny war nämlich im Wald. Genau wie ich. Da kann man voll gut räubern.

Was gefällt dir am Buch am besten?

Dass ich dir die Geschichte erzählen darf.

 

Wird zur:

Sommerliebhaberin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Urachhaus als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #49: Ein Buch mit tausend Geschichten

„Als die Schweine ins Weltall flogen …“ – Susanne Straßer

Wenn Wildschweine von Ufos aufgesogen werden, sich mächtige Braunbären hinter Bäumen verstecken, bebrillte Hühnereier einen heißen Reifen auf der Autobahn fahren, ein Drache im Lebkuchenhäuschen der Hexe chillt, ein Baum bei strömendem Regen gegossen wird, ein radelnder Elefant von einem Strauß aus Luftballons davongetragen wird oder ein grün-gelb gepunkteter Löwe mit blauer Mähne von einer Greifzange erfasst wird, ist man wohl in die Erzählbilder von Susanne Straßer abgetaucht.

Wollen wir wetten? Mit Einzug dieses verrückten Erzählbilderbuchs geht’s im Kinderzimmer garantiert heiß her! Denn die verrückten Szenerien, die sich ganz spielerisch mit zwölf Alltagsbegriffen auseinandersetzen, bergen so viele Kuriositäten in sich, dass großen und kleinen Leser:innen garantiert nicht der Gesprächsstoff ausgehen wird.

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
ISBN: 978-3-95854-148-1

Illustration: Susanne Straßer

echter Vor- & Nachsatz, durchgängig farbig illustriert

Mixtvision Verlag
15,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Ich muss gestehen, als ich das ausgefallene Cover von „Als die Schweine ins Weltall flogen …“ von Susanne Straßer das erste Mal sah, sprang nicht sofort der Funke über. Der Titel brachte mich zwar zum Schmunzeln, das Cover sprach mich aber so gar nicht an. Ich verstand nicht ganz, wofür das Ganze gut sein sollte. Dass die Ausgefallenheit aber einem ganz bestimmten Zweck dient, verstand ich erst viel später.

Was dieses Bilderbuch von anderen unterscheidet, ist, dass es nicht nur eine, sondern zahlreiche Geschichten beherbergt. Es sind insgesamt zwölf Szenen, die Susanne Straßer zu gängigen Alltagsbegriffen – wie Auto, Licht, Luft oder Regen – zu Papier gebracht hat. Und so blicken wir auf jeder Doppelseite einer wilden Szenerie entgegen, die zwar einem dieser Begriffe zuzuordnen ist, nicht aber einer einzelnen Geschichte. Denn die verrückten Bilder voller Farbintensität, Detailverliebtheit und Überspitztheit entfalten sich bei jedem Betrachter und bei jeder Lektüre anders. Sie beflügeln die Fantasie, erwecken Geschichten zum Leben, die schräger nicht sein könnten und die keine Grenzen oder Tabus kennen.

So kommt es, dass es bald nicht nur vor verrückten Motiven, sondern auch vor absurden Ideen wimmelt. Denn was beim Anblick der Szenerien so alles freigesetzt wird, sorgt nicht nur für ordentlich Gelächter beim Betrachter, sondern auch für viele Fragen, Gespräche und wilde Spekulationen. Kinder fühlen sich darin bestärkt, sich von ihrer Fantasie leiten zu lassen. Sie verlieren sich im Flow, fragen und fabulieren was das Zeug hält. Denn plötzlich gibt es kein richtig oder falsch mehr, keine eindeutigen Antworten oder Erklärungen. Und dennoch geben die Bilder, die sich tatsächlich jeglicher Logik entziehen bzw. sich fernab der Realität abspielen, den Eltern Anlass, sich mit ihren Kindern über die Begrifflichkeiten auszutauschen und in tiefergehende Unterhaltungen überzugehen.

Doch was ich bei diesem Erzählbilderbuch ganz bemerkenswert finde (und jetzt komme ich wieder zu dem Punkt, dass ich anfangs nicht wusste, wozu das alles gut ist), ist, dass die Bilder das selbstständige Denken der Kinder fördern, dass es sie dazu anregt, eigene Standpunkte zu entwickeln, zu hinterfragen und sich zu erklären. Hier müssen die Erklärungen der Kinder nicht einer vorgegebenen Richtung entsprechen, sondern dürfen ganz ihrer eigenen Logik folgen. Oft bergen die Bilder auch sehr viel Rätselhaftes in sich, das man gar nicht so recht erklären kann. Kinder bekommen so ganz spielerisch vermittelt, dass man nicht alles in dieser Welt erklären kann und es erst recht nicht muss. Das trägt zu einem komplexen Weltbild und einer Vielfalt von Sichtweisen und Deutungsmöglichkeiten bei. Und das Philosophieren macht sowohl Kindern als auch Erwachsenen Spaß.

Es hat deshalb auch nicht lange auf sich warten lassen, bis ich meiner 3-jährigen Tochter Rede und Antwort stehen musste. Ganz besonders beschäftigt hat sie die dritte Szenerie zum Begriff „Licht“. Was sich da so alles in der Nacht im Wald abspielt, führte bei Emma nicht nur für Begeisterung, sondern auch zu unglaublich vielen Fragen. Da ist ein Wildschwein, das von einem Ufo aufgesogen wird. Ein Ufo, ja – was ist das gleich? Was sind Außerirdische? Sind die lieb oder sind die böse? „Was macht der Hase da mit diesem roten Stab?“ Das ist ein Laserschwert. „Mama, was ist ein Laserschwert?“ Öhm, ja… Bären verstecken sich hinter Bäumen, „Sind die nicht eigentlich ganz stark und mutig?“, eine Eule glotzt ganz oben im Baumwipfel in einen Fernseher, dessen Stecker im benachbarten Baum steckt, „Mama, kommt aus den Bäumen Strom?“, Fische fliegen durch den Nachthimmel und haben idealerweise sogar ihre eigene Laterne dabei, „Aber warum haben die denn so große Zähne, Mama?“, Das sind Piranhas. , „Piranhas?“, Nun ja, das sind die etwas grimmigeren Genossen unter den Fischen., „Haben alle Fische Zähne?“, „Wie cool, die Maus wohnt in einem Baum!“ und „Da in dem Zelt liege ich, Mama, mit meinem Freund Nikos, denn wir wollen ein Abenteuer erleben!“ Wow, das klingt toll!

Natürlich habe ich einige der Fragen meiner Tochter beantwortet, viele habe ich aber einfach mit Gegenfragen beantwortet und Emma so dazu animiert, mir zu erzählen, was sie auf den Bildern sieht, was sie denkt, was dort passiert, und warum wieso weshalb das so ist. Und ihr werdet es nicht glauben, welch‘ fantasievollen Geschichten im Kopf einer Dreijährigen so alles entstehen können! Oder doch!? Die aktuelle Lieblingsseite meiner Tochter ist die Szenerie zum Begriff „Quatsch“. Denn so eine Quatschtante wie Emma hat sich in der ausgefallenen Szenerie sofort Wohl gefühlt. Wer Lust hat, zu erfahren, wie die Geschichte dazu ausgefallen ist, Emma verrät sie euch ganz unten.

Und so möchte ich euch dieses wirklich ausgefallene Erzählbilderbuch ans Herz legen. Es sorgt für jede Menge Spaß und gute Laune im Kinderzimmer. Langweilig wird’s daomit garantiert nicht! Man sollte allerdings für schräge Fragen, absurde Geschichten und tiefergehende Gespräche gewappnet sein. Möge die Macht mit euch sein!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Welches ist deine Lieblingsseite im Buch, Emma? Magst du uns erzählen, was dort passiert?

„Meine Lieblingsseite im Buch ist die Quatschseite. Weil die alle irgendwie Blödsinn machen und genau solche Quatschtanten sind, wie wir, Mama! Da ist ein Mädchen, das einfach furzt. Ihhhh, das stinkt aber! Das mach ich ja auch manchmal (lacht sich kaputt).

Da hat sich jemand als Osterhase verkleidet und pieselt einfach auf den Boden. Der musste so dringend, dass er es nicht mehr halten konnte. Sonst wäre seine Unterhose nass geworden. Sicher gibt ihm der Batman ein bisschen was vom Klopapier ab, dass er sich da einfach gemopst hat.

Das Gespenst wird gleich hinfallen, weil sein Schnürsenkel auf ist, hoffentlich fällt das grüne Monster dabei nicht aus dem Wagen. Die waren nämlich grade beim Einkaufen, weißt du. Die Einkäufe liegen unter dem Monster. Die sieht man nur nicht, weil das Monster so dick ist. Den Einkaufswagen müssen sie aber wieder zurückgeben. Ich steck‘ dann gerne den Einkaufschip ein! So wie ich das immer mache, wenn wir einkaufen, Mama.

Da ist ein Junge mit so ’ner coolen Mütze, warte mal Mama, so eine habe ich auch (zieht sich eine ihrer Unterhosen über den Kopf und grinst bis über beide Ohren). Der hampelt aber ganz schön rum. Eine richtiger Schlawutzi (emmaisch für Gauner).

Pippi Langstrumpf ist auch da, mit Augenklappe, die fährt sicher zu ihrem Papa, dem Seeräuber, und will ganz gefährlich aussehen! An Fasching mag ich auch so eine Augenklappe tragen, Mama! Darf ich mich nächstes Mal auch als Pippi Langstrumpf verkleiden? Müssen dafür noch meine Haare wachsen?

Und dann ist da noch ein Junge der wie ein Hund an der Leine läuft und von seinem Hund Gassi geführt wird, der in einer Wurst steckt. Das ist ja komisch! So ein Blödsinn!

Der Ruckeli (emmaisch für Brokkoli) ruft ganz laut „Soooße“, weil er uns daran erinnern möchte, dass es Soße zu den Nudeln gibt und wir sie nicht blank essen sollen, wie ich das immer mache! Ich weiß, Mama, in der Soße sind Vitamine drin.

Ich glaube, hier stinkt’s immer noch Mama, mach mal das Fenster auf (hält sich  bestürzt die Nase zu)!“

Woran erinnert dich der Ruckeli (emmaisch für Brokkoli)?

An die ruckeligen Nudeln, die ich mal als Baby gegessen habe. Bäh! Die mag ich gar nicht mehr. Die sind so grün! (zur Erklärung: ruckelige Nudeln sind Nudeln mit „Beas Brokkolipesto“ aus dem Kochbuch der Frechen Freunde.

In welches Bild würdest du gerne am allerliebsten sein, wenn es zum Leben erwachen würde?

In das Bild zum „Kaugummi“. Denn da könnte ich ne Runde durchs Bällebad schwimmen. Das hab ich früher auch immer beim Kinderturnen gemacht.

Was gefällt dir am Buch am besten?

Dass ich dir die Geschichten erzählen darf und nicht du mir!

Wird zur:

weltbesten Geschichtenerzählerin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von mixtvision als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #48: Klein, aber oho!

„Der kleine Schneepflug“- Lora Koehler, Jake Parker

„Du bist so ein kleiner Schneepflug, überlass die schweren Arbeiten lieber uns!“, sagten die großen Laster und brausten davon.

Als der kleine Schneepflug neu nach Mighty Mountains kommt, um den alten pensionierten Schneepflug zu ersetzen, wird er von der bestehenden Crew aus großen Trucks kritisch beäugt. Keiner von ihnen glaubt daran, dass er den Schneemassen der Stadt gewachsen ist, geschweige denn einem so kleinen Schneepflug überhaupt etwas wirklich Bedeutendes gelingen kann. Schließlich ist er ja so klein und die Schneemassen der Stadt so groß. Doch bis zum Winter hat der kleine Schneepflug genügend Zeit, um zu trainieren und Kräfte zu sammeln. Und als der Schnee ins Land geht, kann er sich auch prompt unter Beweis stellen. Denn auch Kleine (Dinge) können ganz Großes bewirken!

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
28,2 x 23,6 cm
ISBN: 978-3-280-08007-8

Illustration: Jake Parker
Text: Lora Koehler

Orell Füssli Verlag
14,95 € [D]

 

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Heute vor einer Woche hat es bei uns noch geschneit und meine Tochter hat bei frostigen -10 Grad ihren morgentlichen Fußmarsch in den Kindergarten angetreten. Und als ich auf unserem gemeinsamen Weg in ihre kleinen Kinderaugen geblickt habe, die beim Anblick der glitzernd weißen Schneedecke, in die die Landschaft plötzlich eingehüllt war, zu leuchten begannen, musste ich unwillkürlich an die Geschichte vom kleinen Schneeflug denken.

Eine Geschichte, in die die kleine Testerin Luisa in diesem Winter eingetaucht ist und die euch trotz des bereits tauenden Schnees und dem Frühling, der schon vor der Tür zu stehen scheint, heute noch ans Herz gelegt sei. Denn trotz seiner überschaubaren Größe gelingt dem kleinen Schneepflug in diesem Bilderbuch ganz Großes. Denn wahre Größe kommt von innen. Und diese Botschaft kann Kindern in der heutigen Zeit gar nicht oft genug vermittelt werden.

Lora Koehler erzählt in ihrem ersten Bilderbuch „Der kleine Schneepflug“ eine Geschichte, in der sich Kinder schnell wiederfinden. Mit dem kleinen Schneepflug können sich vor allem kleinere Kinder gut identifizieren. Der Vergleich mit anderen, oft größeren Kindern beginnt bereits im Kindergartenalter. Oft liegt es nahe, dass sich kleinere Kinder Herausforderungen nicht gewachsen fühlen, die von größeren, vermeintlich stärkeren Kindern problemlos gemeistert werden. Auch der kleine Schneepflug wird beim ersten Zusammentreffen mit der Crew aus Mighty Mountains‘ größeren Trucks mit dem alten pensionierten Schneepflug verglichen. Ohne ihn zu kennen, erlauben sie sich ein Urteil über ihn, schätzen ihn als nicht stark und nicht groß genug ein. Wie soll so ein kleiner Schneepflug schon mit gewaltigen Schneemassen zurechtkommen?

Doch es ist nicht immer nur die äußerliche Größe, die uns zum Erfolg bringt. Es ist die Aufgabe von uns Erwachsenen die Kinder in dem was sie tun, zu bestärken, sie Mut und Kraft sammeln und sich an Dinge heranwagen zu lassen, die auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt sind. Denn manchmal kann daraus ganz Großes entstehen. Und Große lässt sich nicht nur mit Zahlen ausdrücken, sondern auch mit Taten. Als der große Schnee nach Mighty Mountains kommt und der kleine Schneepflug tatsächlich auf die Hilfe der großen Trucks angewiesen ist, fühlen sie sich natürlich bestätigt. Doch dass eines Tages eine Lawine ins Tal donnert und den großen Muldenkipper erfasst, hat keiner kommen sehen. Und plötzlich ist es der kleine Schneepflug, der nahezu Unmögliches schafft und ihn mit Ausdauer und Wendigkeit aus den Schneemassen befreit. Sein hartes Training hat sich ausgezahlt. Er ist über sich selbst hinausgewachsen. Und der anschließende Applaus der großen Trucks schenkt ihm die Anerkennung und die Wertschätzung, die er verdient hat.

Der Muldenkipper schüttelte den Schnee von seiner Ladefläche. „Ich habe nicht gewusst, dass ein kleiner Pflug so stark sein kann.“, sagte er. 

Was Lora Koehler hier in wunderbar kindergerechte Worte verpackt, weiß Jake Parker mit feinen Illustrationen umzusetzen. Und so blicken die Kinder in ganz wunderbare Schneeszenerien, in der der kleine Schneepflug sich zu behaupten weiß und durch seinen Mut und seine Beharrlichkeit am Ende ganz groß herauskommt. Wer sich noch nicht vom Schnee verabschieden will, ist mit diesem Bilderbuch bestens versorgt. Ganz besonders sympathisch finde ich, dass das Bilderbuch frei von Genderklischees ist und sich von kleinen Lesern und kleinen Leser*innen gleichermaßen erobern lässt. Die kleine Luisa stellt das anschließend ganz wunderbar unter Beweis.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

 

Was ist deine Lieblingsstelle im Buch?

Ich habe zwei Lieblingsstellen: Die Seite, auf der der kleine Schneepflug wieder in die Gerätehalle zurückkommt und die anderen stolz auf ihn sind und die letzte Seite, auf der man den kleinen Schneepflug sieht, wie er zufrieden lächelnd schläft.

Warum kann der kleine Schneepflug so stark sein?

Weil er es den anderen zeigen möchte und er besonders viel trainiert!

Worauf bekommt man nach dem Lesen richtig Lust?

Nach draußen in den schönen Schnee zu gehen (wenn man nicht ohnehin schon draußen ist).

Was gefällt dir am Buch am besten?

Die glänzende Titelseite, die schönen Farben und der kleine fleißige Schneepflug, dem man gar nicht ansieht, wie stark er wirklich ist

Beste Lesezeit:

Im Winter, ist doch klar!

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell Füssli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #47: Ein Brief ans Universum

„Lieber Besucher aus dem All“ – Sophie Blackall

„Liebes Wesen aus dem All, das hier musst du wissen, wenn du uns besuchen kommst.“

Eckdaten

Gebunden, ab 5  Jahren

80 Seiten
22,9 x 28,6 cm
ISBN: 978-3-314-10541-8

Text & Illustration: Sophie Blackall

NordSüd Verlag
18,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

„Wir Menschen definieren uns über unseren Geburts- und Wohnort, darüber, was wir glauben, und über unsere Kleidung und Sprache. Eine „typische“ Person gibt es aber nicht. Wir sind alle unterschiedlich. Und doch gibt es etwas, was wir teilen – den Planeten, auf dem wir leben. Diese Welt mit ihren Bergspitzen im ewigen Eis, den sandigen Wüsten und grünen Steppen, sich windenden Flüssen und eisigen Seen, den glitzernden Meeren, pulsierenden Großstädten, belebten Städtchen und verschlafenen Dörfern. Diese Welt enthält all unser Essen und Wasser, unsere ganze Kunst und Musik, alle Bücher, jede noch so kleine Ameise, jeden Nieser und jedes Komma, jedes Atom von jedem Lebewesen und jedem unbelebten Ding.“

Sophie Blackall

Manche Bilderbücher schenkt man nicht nur seinen Kindern, sondern auch sich selbst. Denn das fantastische Abenteuer, das hinter dem Buchdeckel dieses Bilderbuchs auf uns wartet, konnte ich weder Emma noch mir selbst entgehen lassen. Und so hat sich das Buch im letzten Jahr als ideales Geburtstagsgeschenk für die Räubertochter entpuppt, selbst wenn sie noch gut zwei Jahre zur Altersempfehlung trennt. Denn dieses Bilderbuch ist eine wahre Perle. Es kommt so bunt und facettenreich daher wie unser Planet selbst und ist nicht nur ein unglaublich wertvoller Leitfaden für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

„Lieber Besucher aus dem All“ ist ein Buch, mit dem man wachsen kann. Aus dem sich Kinder unterschiedlichen Alters das nehmen, was sie gerade brauchen. Das Eltern Brücken baut. Das wichtige Botschaften bereits mit seinen Bildern transportiert, ehe man sich überhaupt dem begleitenden Text annimmt. Das so allumfassend daherkommt wie ein Lexikon. Das unterschiedliche Sprachen spricht, verschiedene Hautfarben, Religionen und Gewänder trägt, das Größenunterschiede greifbar macht, das Gefühle erahnen, das Wetter erspüren und Vorlieben finden lässt. Das Klänge, Farben und Formen in sich trägt. Großes und Kleines. Sichtbares und Unsichtbares. Mensch und Tier. Das Anlass für Gespräche bietet und Dingen seine Aufmerksamkeit schenkt, die in Kinderbüchern oft außen vor gelassen werden. Körper, die nicht einem scheinbaren Ideal entsprechen; Augen, die nicht sehen, Münder, die nicht sprechen, Beine, die nicht laufen können und doch allesamt Menschen gehören, die einzigartig und besonders sind. Die wir als Teil des großen Ganzen sehen und denen wir mehr Respekt, Liebe und Toleranz schenken sollten. Denn wir alle sind ein Teil dieses wunderbaren Planeten.

Durch Sophie Blackalls Bilder bekommen Kinder eine Ahnung davon, wie bunt und lebendig unsere Erde ist. Sie reisen an der Seite von Quinn, einem sympathischen Jungen mit fransigem Pony, roter Mütze und geringelten Socken über unseren Planeten. Er ist es, der einen Brief an die Besucher aus dem All verfasst, sollten sie sich jemals auf den Weg zur Erde machen. Er nimmt die Leser*innen an die Hand, ist auf nahezu jeder Seite des Buchs anzutreffen und wird durch seine stetige Sichtbarkeit zu einem guten Freund und treuen Weggefährten .

Blackalls begleitender Text ist eingängig. Er kommt behutsam und kindgerecht daher, mitunter sogar poetisch. Er bettet sich harmonisch in die großflächigen Szenerien ein, wirkt nicht aufdringlich oder deplatziert, sondern lediglich ergänzend. Er erklärt vor allem älteren Kindern gewisse Themen und Problematiken. Geht auf körperliche Beeinträchtigungen, unterschiedliche Lebensumstände und Weltansichten ein. Auf Bakterien, Krankheiten und Krieg. Er hilft den Kindern neue Sichtweisen einzunehmen. Anderen Menschen offen und vorbehaltslos zu begegnen. Sich in sie hineinzuversetzen. Dinge zu hinterfragen, zu erlernen und zu verstehen.

Das Buch bedarf sicherlich erwachsener Lesebegleitung, aber wenn sich auch die großen Leser*innen auf das wunderbare Bilderbuchabenteuer von Sophie Blackall einlassen, werden sie merken, dass das Leben einem stetigen Wachstum unterliegt und man egal, wie alt und erfahren man ist, hier noch jede Menge für sich mitnehmen kann.

„Lieber Besucher aus dem All“ ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaja hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht und ein Buch für ALLE geschaffen. Einen wunderbaren Bilderbuchschatz, der in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Das Bilderbuch ist noch bis noch bis zum 30. Januar 2021, 23:59 Uhr, als Giveaway im Rahmen meines 10. Bloggeburtstages zu ergattern. Die Chance auf diese Bilderbuchperle solltet ihr euch nicht entgehen lassen! Die Teilnahme ist mithilfe eines Kommentars im vorherigen Beitrag möglich. Viel Glück!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Worum geht’s im Buch?

Um die Erde und alles, was auf ihr lebt

Wer schreibt den Brief an die Besucher aus dem All? Wer erzählt uns die Geschichte?

Das ist Quinn. Der Junge mit der roten Mütze, den ich fast auf jeder Seite entdeckt habe.

 

Lieblingsstelle im Buch:

Die Wetterseite, auf der es stürmt, schneit und regnet.

Was für ein Wetter magst du am Liebsten?

Wenn’s regnet, kann ich durch Pfützen springen und mit meinem Regenschirm spazieren gehen, genau wie Quinn – das mag ich!

 

Worauf freust du dich, wenn du die Bilder im Buch siehst?

Dass es draußen wieder so warm ist, dass wir auf einer Wiese sitzen und zusammen picknicken können

Wird zu:

einer kleinen Weltentdeckerin

 

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom NordSüd Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #46: Eine Reise durch die Galaxie

„Ein kleiner blauer Punkt“ – Maren Hasenjäger

Irgendwo im riesengroßen Universum schwebt ein kleiner blauer Punkt. Ihr kennt ihn. Es ist der Planet, auf dem wir alle leben: die Erde. Und obwohl die Erde in so vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist, fühlt sie sich ziemlich alltäglich wenn sie auf die anderen sieben Planeten blickt, die mit ihr um die Sonne kreisen. Dann wünscht sie sich nichts sehnlicher, als so zu sein wie sie.

Sie wäre so gern wie Merkur, der der Sonne am Nächsten steht; wie Venus, die so hell ist, dass die Menschen sie mit bloßem Auge am Nachthimmel entdecken können; wie Mars, auf den ständig Sonden geschickt werden; wie Jupiter, der tausend Mal so groß ist wie sie; wie Saturn, der einen Hula-Hoop-Reifen um den Bauch trägt; wie Uranus, der wohl der lustigste Planet von allen ist und sich ständig um sich selbst dreht oder wie Neptun, der ziemlich cool und geheimnisvoll daherkommt.

Doch auch die Erde hat ein paar ganz besondere Merkmale. Kommt mit auf eine Reise durch unser Sonnensystem und entdeckt, wie einzigartig unser Planet ist.

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4  Jahren

32 Seiten
25,0 x 27,5 cm
ISBN: 978-3-7348-6001-0

Text & Illustration: Maren Hasenjäger

Magellan Verlag
15,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 

Blickwinkel aus großen Augen

Seit ihrem ersten Buch über die Sterne ist es wie um Emma geschehen. Plötzlich ist da eine ungeheure Faszination für den Weltall, für die Sterne, die Planeten und all die magischen Vorkommnisse in diesem riesengroßen Universum. Ich war als Kind genauso begeistert von dem, was sich da oben im Weltall abspielt, wie es Emma heute ist. In meiner Erinnerung aber war ich damals um einiges älter als sie, ich hatte ein Teleskop in meinem Dachbodenzimmer stehen, das mich meiner damaligen Lektüre für die Altersgruppe 10+ weitaus intensiver auf den Grund gehen ließ. Wie gut, dass der Büchermarkt sich stetig weiterentwickelt und uns heute eine ganze Reihe an fantastischen Büchern zur Verfügung steht, die auch kleine Leser*innen dem Weltall ganz nahebringen können. 

Als ich das Cover von „Ein kleiner blauer Punkt“ das erste Mal sah, musste ich eigentlich gar nicht mehr vom Inneren sehen, um zu wissen, dass es das ideale Bilderbuch für Emma ist. Es erweitert ihre „Sternenbibliothek“ (wie wir ihr Regal neben dem Bett seit kurzem nennen) um einen weiteren Bilderbuchschatz. Um ein Sachbilderbuch, das so unterhaltsam, warmherzig und spannend daherkommt, dass man es ohne weiteres auch als erzählendes Bilderbuch wahrnehmen kann. Denn im Gegensatz zu den inhaltlich sehr gehaltvollen Sachbilderbüchern, die sich an weitaus ältere Kinder richten, reiht sich dieses hier in die Riege der erzählenden Sachbilderbücher für die Kleinen ein. Es ist ein Buch, das ebenso einfühlsam und außergewöhnlich daherkommt wie es z.B. auch die Sachbilderbücher von Jenni Desmond tun (hier bekommst du einen Einblick in „Der Elefant“ bzw. „Der Eisbär“).

Mit wunderbar kindgerechten Worten erzählt Maren Hasenjäger die Geschichte vom kleinen blauen Punkt, der Erde, die so unscheinbar durch das große dunkle Weltall schwebt, dass man sie fast übersieht. Es sind ihre Augen und ihre Worte durch die die kleinen Leser*innen die restlichen sieben Planeten des Sonnensystems kennenlernen und bald nicht nur um ihre Besonderheiten, sondern auch um ihre Gefahren wissen. Sie lernen, dass man nicht auf Merkur stehen könnte, ohne sich dabei mächtig die Füße zu verbrennen, dass die Luft auf der Venus giftig ist und dass die Oberfläche von Jupiter aus dichtem wirbelnden Gas besteht.

Hasenjäger verwebt sachkundige Informationen mit leicht zugänglichen Zeilen. Und so  schweben die Kinder mit der Erde nicht nur ganz spielerisch und leicht durch den Weltraum, sie entwickeln auch eine wunderbare Verbundenheit zu ihr, gewinnen sie als Freundin dazu. Eine, die sich trotz all ihrer Besonderheiten für zu gewöhnlich erachtet. Die sich mit den restlichen Planeten vergleicht, ihnen nacheifert und sich nichts sehnlicher wünscht, als so zu sein wie sie. Doch am Ende lernt nicht nur die Erde, dass sie wie jeder andere (Planet) etwas ganz Individuelles und Einzigartiges an sich hat, sondern auch die Kinder.  

Das Sachbilderbuch „Ein kleiner blauer Planet“ kommt nicht nur wunderbar unterhaltsam und informativ daher, es birgt auch ganz fantastische Bilder in sich, die wir ebenfalls Maren Hasenjäger zu verdanken haben. Mit ihren großformatigen und farbenfrohen Illustrationen lässt sie ihre kleinen Leser*innen den Planeten und dem Weltall ganz nahe kommen. Die Deckelinnenseiten ihres Bilderbuchs bestückt sie am Anfang mit einer wunderbaren Planetenkonstellation, die noch einmal mit kurzen Eckdaten zu den einzelnen Planeten aufwartet und am Ende mit einer ganz reizenden Botschaft, die von einem auf der Erde lebenden Kind ausgeht:

„Endlich hörst du mir zu!“, sagt es. „Also ich finde ja, du hast etwas ganz Wichtiges vergessen: Du bist der einzige Planet, auf dem ich leben kann! Hier ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt, es gibt Wasser und Essen und Luft zum Atmen. Nur auf dir gibt es Gras und Krokodile. Und Bienen und Sonnenblumen. Und Schneeleoparden und Badeseen und Gänseblümchen und Tintenfische und Schneeballschlachten und Kakteen und Blauwale und Spaghetti und riesige Mammutbäume und Kinder und Pizza und Flummis und Ameisen und Korallenriffe und Eis mit Sahne und Kirschkernweitspucken und noch vieles, vieles mehr!“ Das Kind hält in seiner Aufzählung inne. Dann lächelt es. „Für mich bist du genau richtig!“

 Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Worum geht’s im Buch?

Um Planeten

Hast du direkt erkannt, wer der kleine blaue Punkt ist?

Na klar! Das ist die Erde.

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Bei Saturn mit seinen Gesteinsbrocken

Wo entfaltet sich das Buch am Besten?

Auf dem Kuschelteppich, neben der Sternenbibliothek, umgeben von Planeten

Was möchtest du auch eines Tages machen?

Zum Mars fliegen

Wird zu:

einer Astronautin

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom Magellan Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

20 of 2020: Unsere Kinderbuchperlen des vergangenen Jahres

Zwei Wochen ist es nun alt. Dieses heiß ersehnte 2021, vom dem sich alle wieder mehr Normalität versprechen. Es soll freier, lebendiger und unbekümmerter daherkommen als das Jahr zuvor. Unserem Leben mehr Farbe, Hoffnung und wilde Abenteuer schenken. Und doch kann uns das alles keiner garantieren. Eins kann ich euch aber mit ziemlicher Gewissheit garantieren: Wunderbare Kinderbücher wird es in diesem Jahr reichlich geben. Genau wie es sie im letzten Jahr gab. Und wisst ihr was? Sie schenken uns das alles. Das alles und noch viel mehr. Es sind ihre Geschichten, in die wir mit unseren Kindern eintauchen, die unsere Fantasie beflügeln, unseren Horizont erweitern und uns an Orte versetzen können, die wir in der Realität gerade nicht erreichen. Und deshalb empfehle ich euch: nehmt die Einladung der Bücher an. Denn Lesen ist wie reisen mit unbekanntem Ziel! 

Und bevor ich euch die Kinderbücher vorstelle, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblicken werden oder es bereits in unsere Regalreihen geschafft haben, möchte ich euch noch einmal unsere Highlights aus 2020 vorstellen. Denn die Bilderbücher, die Emma und mich im letzten Jahr begleitet haben, waren in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. Sie kamen nahezu magisch daher, haben uns mit ihren fantasievollen, facettenreichen und berührenden Geschichten begeistert und uns durch ein Jahr getragen, das so kräftezehrend war wie keines zuvor. Sie haben es geschafft, Licht ins Dunkle zu bringen, unserem Alltag Farbe zu verleihen und uns Hoffnung zu schenken. Sie haben unseren Lesestunden einen gewissen Zauber verliehen. Und deshalb waren sie nicht nur in 2020 Garanten für unterhaltsame Lesestunden, sondern bleiben es auch in 2021. 

Nachfolgend möchte ich euch 20 unserer meistgeliebten Kinderbücher aus dem letzten Jahr mit auf den Weg geben. Ihr habt richtig gelesen. Es sind zwanzig an der Zahl! Und wenn ich ehrlich bin, hätte die Liste auch doppelt so umfangreich ausfallen können. Denn unser letztes Jahr war so unglaublich reich an Bilderbüchern, das ich mich schwer zusammenreißen musste, nicht jedes Einzelne von ihnen zu nennen. 

Bei der nachstehenden Auswahl handelt sich um eine bunte Zusammenstellung von Kinderbüchern für Leser*innen unterschiedlichsten Alters. Sie wurden unabhängig von der Altersempfehlung von Emma und mir im Sturm erobert. Es handelt sich genau wie im letzten Jahr nicht ausschließlich um Bücher, die 2020 veröffentlicht wurden, aber den Weg zu uns gefunden haben. 

Die Reihenfolge der Bücher ist völlig willkürlich und unterliegt keinem Ranking.

Mögen die Bücher mit euch sein!

1. „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade & Valeria Docampo

Mixtvision, ab 3 Jahren, erschienen im Juni 2010, Preis 14,90 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dieses Buch wurde von Emma im letzten Jahr am meisten aus dem Regal gezogen. Sie liebt es heiß und innig, hat es innerhalb weniger Tage zu ihrem Liebling auserkoren. Und so hafteten schon nach kurzer Zeit Lebensspuren zahlreicher Lektüren auf den Buchseiten, stehen für die Liebe, die für dieses Buch herangewachsen ist.

Die Geschichte um die große Wörterfabrik ist Dank Valeria Docampos stimmungsvollen und großflächigen Illustrationen nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch inhaltlich besonders wertvoll. Denn im Zusammenspiel mit den poetischen Zeilen der Belgierin Agnès de Lestrade, die von Anna Taube ins Deutsche übersetzt wurden, wird den Kleinen hier etwas sehr Wertvolles vermittelt. Nämlich dass auch kleine Dinge ganz Großes bewirken können. Hier sind es drei Wörter, die Paul und Marie die Welt bedeuten. Es ist der emotionale Wert, der ihnen anhaftet, und sie für die beiden so wertvoll macht.

Die Botschaft des Buches lässt auch uns Erwachsene darüber nachdenken, wie unbedacht wir oft Wörter in die Freiheit entlassen und welche Sorgfalt wir beim Sprechen eigentlich an den Tag legen sollen. Darüber hinaus lernen die Kinder auch, dass man manche Dinge nicht kaufen kann. Und deshalb ist es auch nicht der reiche Oskar, sondern der in bescheidenen Verhältnissen lebende Paul, der Maries Herz im Sturm erobert.

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung 

2. „Vielleicht“ von Kobi Yamada & Gabriella Barouch

Adrian Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 16. September 2019, Preis 12,95 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Unser Leben ist von so vielen äußeren Einflüssen geprägt: von den Wunschvorstellungen anderer, von gesellschaftlichen Vorgaben, von vermeintlichen Idealen und geschlechtsspezifischen Merkmalen. Unser Leben gehört aber uns. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wohin ihn die Reise seines Lebens führt.

Dieses Bilderbuch zeigt schon den Kleinsten, was das Leben so alles für sie bereithält. Und dass nahezu alles möglich ist, solange sie auf ihr Herz hören, an sich selbst glauben und nicht müde werden, das Leben jeden Tag aufs Neue zu erobern. Denn vielleicht, ja vielleicht werden sie ja ihre kühnsten Träume übertreffen…

Es gibt Bücher, an die man auf Anhieb sein Herz verliert. Und genauso war es bei mir hier. Schon lange bevor wir selbst in „Vielleicht“ abtauchen konnten, war ich von der Magie fasziniert, die bereits von seinem Cover ausgeht. Und taucht man erst in die Seiten des Bilderbuches ab, beginnen die Augen zu strahlen. Denn auf was man sich hier begeben darf, ist eine Reise ganz besonderer Art: Einer Reise zu sich selbst.

„Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist […] ist alles möglich.“

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung

3. „Meer – Die Welt unter den Wellen“ von Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, ab 4 Jahren, erschienen am 24. März 2020, Preis 15,00€ (D), hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Als ich das Bilderbuch auf der „Münchner Bücherschau junior“ entdeckt habe, konnte ich selbst kaum die Augen davon abwenden. Es kommt so bunt, lebendig und wunderschön daher, dass man sich kaum daran sattsehen kann. Und als uns das Buch dann zuhause erreicht hat und ich sah, wie viel Freude die Räubertochter damit auf Anhieb hatte, wusste ich, dass es nicht bei einem Werk der Illustratorin bleiben wird.

Mit ihren Bildern, die auf nahezu magische Weise daherkommen, nimmt Britta Teckentrup die Kinder mit auf eine wundervolle Reise durch die magische Unterwasserwelt. Und dabei lernen sie nicht nur die wunderschöne Unterwasserlandschaft und ihre Meeresbewohner kennen, sondern wissen bald auch um die Gefahren, die sie umgibt. Denn in den Bildern begegnen wir nicht nur tanzenden Seepferdchen, zahlreichen Fischen, glänzenden Aalen und glitzernden Quallen, sondern auch einem gefährlichen Hai.

„Korallenriffe sind ein Schatz, ein Meerestiere-Tummelplatz. Drum schützt das Meer, den Zauberort, und alle unsre Freunde dort!

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung

4. „Erklär mir was Sterne sind“ 

Usborne Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 31. August 2018, Preis 9,95 [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„When you wish upon a star..“

Was sind Sterne? Und kann man sie zählen? Leuchten sie nur bei Nacht? Und was ist mit unserer Sonne, ist die auch ein Stern? Fragen über Fragen. In „Erklär mir, was Sterne sind“ lernen Kinder alles über Sterne.

Mit zahlreichen Klappen können die Kleinsten in diesem Buch nicht nur interaktiv den Sternenhimmel erobern, sondern auch viel Wissenswertes für sich mitnehmen. Schon auf der ersten Seite hat Emma etwas Wichtiges gelernt und anschließend selbständig mit ihren Perlen ein Dreieck auf ihren Holzstern gelegt, weil darin auf die Zacken eines Sterns eingegangen wird und sich auch ein Dreieck und Quadrat in die Auswahl gemischt hat.

Von da an konnte Emma gar nicht genug von dem Pappbuch kriegen, von den Sternen und vom leuchtenden Nachthimmel! Dieses Buch hat ihre Begeisterung für den Weltall entflammt und sie zur leidenschaftlichen Sternenguckerin gemacht. Seitdem umgibt die Räubertochter eine Faszination um Sterne und Planeten. 

5. „Kalle und Elsa lieben die Nacht“ von Jenny Westin Verona & Jesús Verona

Bohem Press, ab 3 Jahren, erschienen am 14. Mai 2020, Preis 16,95€ [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dieses Bilderbuch ist an Weihnachten bei Emma eingezogen und hat sich direkt in ihr Herz geschlichen. Da Emma mittlerweile nicht nur alles liebt, was mit dem Weltraum zu tun hat, sondern auch ein großer Fan des Bilderbuch-Duos Kalle und Elsa geworden ist, ist sie schwer begeistert, dass die beiden Freunde hier mit Elsas aufgemotztem (Raketen)Bett in den Weltraum düsen und direkt auf dem Mond landen, wo so manche Überraschung auf die beiden wartet. Denn hier begegnen sie nicht nur einer belesenen Nachteule, allerhand Mondsüchtigen und sogar einem Weltraumaffen, sie inszenieren dort auch Moonwalks, straucheln durch schwarze Löcher und reiten auf einem glitzernden und blinkenden Kometen wieder direkt zurück in Elsas Zimmer, um sich dem ganzen Naschkram anzunehmen, den sie sich im Vorfeld als Stärkung zurechtgelegt haben. 

Es ist genau so ein Abenteuer, dass Kinder gerade brauchen: Eines, das ihre Fantasie beflügeln, ihre Augen zum Leuchten bringen und ihre Träume mit fantasievollen Bildern anreichern kann. Es ist divers, fantasievoll und eine unglaubliche Augenweide!

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

6. „Der Maulwurf und die Sterne“ von Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, ab 3 Jahren, erschienen am 24. Juli 2019, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Ich wünschte, ich könnte alle Sterne dieser Welt bestitzen!“, flüsterte er.

Für Sterne hat Emma gerade sehr viel übrig. Mit dem Maulwurf, der sich in diesem wundervollen Bilderbuch von Britta Teckentrup die Sterne vom Nachthimmel klaut, um sich auch in seinem dunklen Maulwurfsbau an ihrem Glanz zu erfreuen, konnte sie sich auf Anhieb identifizieren. Dass der um sein Sternenlicht beraubte Nachthimmel aber plötzlich sehr dunkel und angsteinflößend daherkommt und die Sterne von den restlichen Waldbewohnern mindestens genauso sehr geliebt werden wie vom Maulwurf, hat der Gute nicht bedacht. Und deshalb wünscht er sich beim Anblick einer gefallenen Sternschnuppe nichts sehnlicher, als dass er seinen Sternenklau ungeschehen machen kann.

Und siehe da, plötzlich ragen tausende Leitern in den Nachthimmel, mithilfe derer der Maulwurf mit der Unterstützung der restlichen Waldtiere die Sterne wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückbringt. Der liebste Stern des Maulwurfs findet fortan seinen Platz direkt über seinem Lieblingsstein und das zauberhafte Licht des leuchtenden Nachthimmels kann von da an wieder von allen Tieren des Waldes genossen werden.

Diese wundervolle (Gute-Nacht-)Geschichte passt ganz hervorragend in Emmas Sternenbibliothek. Sie vermittelt den kleinen Leser*innen auf sehr behutsame und magische Weise, was Freundschaft, Besitz und Teilen ausmacht und trägt darüber hinaus eine sehr wichtige Botschaft in sich: Die Wunder dieser Welt gehören uns allen.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

7. „Lieber Besucher aus dem All“ von Sophie Blackall

NordSüd Verlag, ab 5 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Manche Bücher schenkt man nicht nur seinem Kind, sondern auch sich selbst. Denn das fantastische Abenteuer, das hinter dem Buchdeckel von „Lieber Besucher aus dem All“ auf uns wartet, konnte ich weder Emma noch mir selbst entgehen lassen. Und so hat sich das Bilderbuch als ideales Geburtstagsgeschenk für die Räubertochter entpuppt, ihr einen wertvollen Leitfaden an die Hand gegeben, der so bunt und facettenreich ist wie unser Planet selbst.

Es ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaya hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht, ein Buch für ALLE zu schaffen. Und das ist ihr mit Bravour gelungen!

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

8. „Meine Freundin Erde“ von Patricia MacLachlan & Francesca Sanna

NordSüd Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 20. März 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Winter kuschelt sie sich in eine glitzernd weiße Decke aus Schnee, sie blickt durch scheinbar undurchdringliches Gestrüpp aus wild sprießenden Pflanzen im Frühling und gießt lauen Sommerregen über das Land, lässt Bäche die Berge hinabrauschen und heftige Herbstwinde durchs Land fegen, die durch die Glieder von Bäumen und Straßen pfeifen.

Sie lässt Spinnen in ihren Händen Netze spannen, reitet auf dem Rücken von Walen, hilft verlorenen Tierkindern zu ihren Müttern zurück, lässt Wildpferde über die gepflegte Prärie donnern und gibt kleinen Eisbären den Blick durch dicke Eisschichten frei, damit sie die Wunder unter der Meeresoberfläche bestaunen können.

Unsere Freundin Erde gibt den Rhythmus des Lebens vor. Sie ist unsere Taktgeberin, bestimmt den Kreislauf der Natur und behütet alle Lebewesen. Habt ihr Lust, sie ein Stück ihres Weges zu begleiten? 

Francesca Sanna hat in ihrem Bilderbuch einen wunderbaren Weg gefunden, mit ihrem Pinsel die Erde genauso facettenreich zu Papier zu bringen wie sie ist. Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten, lässt sie gemeinsam mit dem Mädchen durch ein Meer von Farben tauchen und Blickwinkel einnehmen, die den Blick auf kleine kostbare Details preisgeben, die einem beim oberflächlichen Betrachten verwehrt bleiben. 

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung

9. „Linnea im Garten des Malers“ von Lena Andersen

cbj, ab 8 Jahren, 4. Edition (erstmals erschienen am 1. Juli 1987), Preis 12,99 € [D], hier geht’s zu den Büchern

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Diese bezaubernde Bilderbuchreise, in dem das Mädchen Linnéa von ihrer Reise mit dem pensionierten Gärtner Blümle erzählt, hat Emma an Ostern in Begleitung eines Farbmalkastens geschenkt bekommen. Es sollte ihr einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was man mit dem Pinsel alles zaubern kann und was wir in unserem ursprünglich anvisiertem Sommerurlaub entdecken wollten. Diese Reise nach Frankreich wurde leider nichts, dafür durfte die kleine Stoffpuppe Linnéa aus meiner Kindheit von der Oma zu uns reisen. Denn auch ich hatte das Bilderbuch als Kind bestaunt und es heiß und innig geliebt.

Das Bilderbuch ist eine so wunderbare Inspiration für kleine Malkünstler, eine Ode an die Natur und an den Künstler Claude Monet. Hier erfahren die kleinen Leser*innen auf so bezaubernde Weise alles über Monets Leben, seine Familie, über die Natur und über Paris, dass es sich ein klitzekleines bisschen so anfühlt, als wäre man selbst in Frankreich.

10. „Stinas Sommer“ von Lena Andersen

cbj, ab 4 Jahren, erschienen am 25. März 2013, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Sammelband „Stinas Sommer“ vereint unter einem unglaublich hübschen Cover die Geschichten „Sturm-Stina“ und „Stina und der Lügenkapitän“ um die Figur Stina von Lena Andersen. Wer eine Leidenschaft für das Meer und das Land Schweden hegt, wird mit Begeisterung in die Geschichten eintauchen. Denn hier trifft man nicht nur auf traumhaft skandinavische Illustrationen, sondern auch auf lebendige Bilder der stürmischen See.

Während sich die kleine Stina in „Sturm Stina“ mit kindlicher Vorfreude ins tosende Unwetter stürzt und von ihrem Opa erst einmal das nötige Sturm-Outfit verpasst bekommt, lernt sie in „Stina und der Lügenkapitän“ Opas Kindheitsfreund Axel kennen, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und aus gutem Grund den Spitznamen Lügenkapitän trägt.

Zu diesem Sammelband erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

11. „Roberts weltbester Kuchen“ von Anne-Kathrin Behl

NordSüd Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 18. Juli 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zu den Büchern

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Genderklischees gibt es wie Sand am Meer. Oft sind sie so fest in unseren Köpfen verankert, dass man sich nur schwer von ihnen lösen kann, man ganz aus Gewohnheit alte Denkweisen und Verhaltensmuster beibehält. Kleidung, Berufe und Hobbies vermeintlich geschlechtsspezifisch auswählt, sich den Regeln der Gesellschaft unterordnet. Dabei streben wir doch alle nach individueller Entfaltung. Wollen selbst entscheiden, was wir am liebsten mögen. Und zu eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen. Und das von klein an!

Kinderbücher, die mit Rollenklischees aufräumen, sind noch rar, aber immer mehr im Kommen. Mit „Robert weltbester Kuchen“ von Anne-Kathrin Behl hießen wir im letzten Jahr eine Bilderbuchperle in unserem Bücherregal willkommen, die genau dort angesiedelt ist, wo wir uns wohlfühlen: in einer Welt frei von Geschlechterstereotypen. Einer Welt, widdewidde wie sie uns gefällt! 

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung

12. „Der höchste Bücherberg der Welt“ von Rocio Bonilla

Jumbo Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 20. Juli 2018, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Man kann auch anders fliegen, Lukas!“ Und sie legte ein Buch in seine Hände.“

Lukas wünscht sich nichts sehnlicher als fliegen zu können. Wie ein Vogel den Himmel zu erobern, das wär’s! Als seine Mama ihm eines Tages ein Buch in die legt, das ihm beim Fliegen helfen soll, ist er irritiert. Doch er beginnt zu lesen und findet so viel Gefallen an der Geschichte, dass er sie in einem Rutsch durchliest. Und plötzlich will er mehr, kann mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Bald versorgt ihn die ganze Stadt mit Büchern, aus denen er sich einen Bücherstapel baut, auf den er sich zum Lesen setzt. Und so ragt sein Bücherstapel bald weit in den Himmel und geht als höchster Bücherberg der Welt in die Geschichte ein. Und irgendwann hat Lukas verstanden, was seine Mama gemeint hat. 

Als ich von Rocio Bonillas neuem Bilderbuch erfahren habe, war klar, dass ich es der Räubertochter schenken muss. Mit ihren Büchern kann sie längst einen Bücherberg bauen der genauso weit in den Himmel ragt, wie der von Lukas. Doch was mir an „Der höchste Bücherberg der Welt“ besonders gut gefällt, ist die Botschaft, die Kindern damit übermittelt wird: Es bedarf keiner Flügel, um fliegen zu können. Es sind die Geschichten, die uns Flügel verleihen, unsere Fantasie, die uns davonträgt.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

13. „Welche Farbe hat ein Kuss?“ von Rocio Bonilla

Jumbo Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 12. Januar 2018, Preis xx € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Welche Farbe hat ein Kuss?“

Diese Frage beschäftigte Emma seit Ostern sehr. Denn der Osterhase hat ihr im letzten Jahr nicht nur das gleichnamige Bilderbuch von Rocio Bonilla, sondern auch einen Farbmalkasten geschenkt. Sie tauchte von da an mit Vorliebe ins Land der Farben ab und hat schnell verstanden, dass ein Kuss ganz viele Farben mit sich bringt. Es war das Buch, das ihr die Bedeutung von „bunt“ besser verständlich gemacht hat.

In diesem Bilderbuch lernen die Kinder mit Minimia, dass sich Farben nicht nur bestimmten Dingen, sondern auch bestimmten Gefühlen zuordnen lassen. Das Rot von Emmas Nudelsauce wird nun häufiger mal wütend, das Blau des Meeres schwappt ganz traurig daher und das Gelb der Sonnenblumen schickt ganz wunderbare Ideen hinaus in die Welt. 

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

14. „Tinkas Tomaten“ von Sanne Dufft

Verlag Urachhaus, ab 4 Jahren, erschienen am 11. Februar 2020, Preis 16,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Tinka kümmert sich um ihre Tomaten. Sie gießt sie morgens und sieht nach, ob es ihnen gut geht. Sie entdeckt Tauperlen an den Spitzen der Blätter. Zauberglitzerperlen für Tinka.“

Es gibt Bilderbücher, bei deren Anblick schäumt mir das Herz über – dies ist so eins. Schon als ich „Tinkas Tomaten“ Anfang 2020 bei einer Bloggerkollegin entdeckt hatte, wusste ich, dass dieser Bilderbuchschatz irgendwann bei Emma einziehen muss. Und irgendwann stand er da, im Sommer, eng an Emmas Tomatenpflanzen geschmiegt und entfaltete sich dort mit seiner ganzen Pracht.

Eines Tages bekommt Tinka von ihrem Opa Setzlinge mitgebracht. Was sie anfangs für schlappe Blättchen hält, entpuppt sich nach dem ersten Schnuppertest für Tomatenpflänzchen. Sie pflanzt sie ein, hegt und pflegt sie und kann sich sogar im Kindergarten gedanklich nicht von ihren kleinen Pflänzchen trennen. Sie erfreut sich an den kleinen Tauperlen an den Blätterspitzen, an den ersten Blüten, die ihr wie kleine gelbe Sterne begegnen und versorgt sie mit „Schlingelstangen“ zum Wachsen. Für die Sommerferien organisiert sie fleißige Helfer, die sich während ihrer Abwesenheit um die Pflanzen kümmern. Und als sie aus dem Urlaub zurückkommt, traut sie ihren Augen kaum, denn ihre Pflanzenstöcke hängen voll von prallen roten Tomaten. 

Mithilfe dieser Bilderbuchperle wird nicht nur eine wundervolle Geschichte erzählt, die von der Liebe zur Natur lebt, sondern den Kindern auch sehr wertvolle Informationen an die Hand gegeben. Die kleinen Leser*innen begleiten darin den Entstehungsprozess von Tomaten; lernen, dass die Pflanzen keine nassen Füße mögen und einen Unterteller zum Ablaufen brauchen, Regen und Sonne gleichermaßen benötigen, um sich zu ihrer vollen Blüte zu entfalten, um uns eines Tages mit Tomaten versorgen zu können.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

15. „Magnus und der Nachtlöwe“ von Sanne Dufft

Verlag Urachhaus, ab 4 Jahren, erschienen am 8. März 2017, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Magnus fühlt sich groß und stark mit seinem Hut und seinem Schwert. Aber manchmal fürchtet er sich auch. Vor allem nachts, wenn ihm ein Räuber in seinen Träumen auflauert, der es auf seinen Hut und auf sein Schwert abgesehen hat. Für solche Fälle braucht man einen starken Freund an seiner Seite.

Die Oma erkennt das und schenkt Magnus einen Nachtlöwen. Einen, der Löwenkräfte in ihm heranwachsen lässt. Und plötzlich kann ihm kein böser Traum mehr etwas anhaben. Denn mit seinem Löwen ist Magnus der Allermutigste. Besonders, wenn es dunkel ist.

„Der Nachtlöwe brüllt, oh wie er brüllt. Sie stürmen durch den Wald, dem Räuber hinterher. Wild, verwegen und furchterregend.“

Dieses Bilderbuch vermag so viel. Denn Sanne Dufft gibt darin nicht nur Magnus, sondern auch den kleinen Leser*innen einen tierischen Freund an die Hand. Einen, der sie nachts beschützen und Löwenkräfte in ihnen heranwachsen lassen kann. Der Nachtlöwe schenkt ihnen Mut, Kraft und Stärke, bestärkt sie darin, sich ihren Ängsten zu stellen. Und so blicken wir schon bald auf einen mutigen Magnus, der mit seinem neuen Freund seine Angst vor dem Räuber überwinden und ein so starkes Selbstbewusstsein aufbauen kann, dass er fortan nicht nur wild, verwegen und furchterregend den nächtlichen Wald unsicher macht, sondern auch zum Beschützer seiner Eltern wird. Es erfüllt ihn sichtlich mit Stolz, diese Aufgabe ganz alleine zu meistern. Und so zeigt Dufft, dass es manchmal nur einer kleinen Geste bedarf, um Kinder zu einer selbständigen Persönlichkeit heranwachsen zu lassen.

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung.

16. „Plupp im Herbst“ von Inga Borg

Verlag Urachhaus, ab 3 Jahren, erstmals am 21. August 2019, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der kleine Troll Plupp lebt in einer Kate am Ufer eines Sees, den er Blauwasser nennt, irgendwo im hohen Norden. Seine Haare sind blau wie die Berge und sein Schal hat dieselbe Farbe wie die Blätter der Zwergbirke im Herbst. Weil er so eine enge Verbundenheit zur Natur und den Tieren hegt, war er uns auf Anhieb sympathisch. Und als die Idee eines Jahreszeitenregals aufkam, dachte ich, dass sich die Szenerie aus Inga Borgs „Plupp im Herbst“ sehr gut in Emmas Zimmer machten könnte. Und so zog Plupp kurzerhand auf ihr Fensterbrett. Hier begegnete er dem Hasen und dem Bär, die seine üppigen Vorräte bestaunten. Das hilfsbereite Rentier Likko hat Plupp und seine randvollen Körbe sogar nach Hause getragen.

Wer auf der Suche nach saisonalen Bilderbüchern mit Mehrwert ist, ist bei Plupp genau richtig. In Borgs farbenfrohen Illustrationen kommt nicht nur Flora und Fauna besonders schön zur Geltung, die Kinder bekommen in den Abenteuern mit dem blauhaarigen Troll auch jede Menge Natur- und Tierwissen vermittelt. Und ganz nebenbei können sie von ihrem Kinderzimmer aus noch in den hohen Norden reisen. 

17. „Schneeglück verschenken“ von Heyjin Go

Atlantis / Orell Füssli, ab 4 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Pünktlich zum Wintereinbruch sind Emma und ich in das Bilderbuch „Schneeglück verschenken“ eingetaucht, das ihr der Nikolaus gebracht hat. Der Bär, der darin das Wunder fallender Schneeflocken zum ersten Mal erlebt, hat es der Räubertochter mindestens genauso angetan wie die heißersehnten Flocken, die plötzlich vom Himmel gefallen sind. Als der Bär die kleinen weißen Schneekristalle vom Himmel rieseln sieht, ist der Ärger um seinen unterbrochenen Winterschlaf wie weggeblasen. Wie schön es doch wäre, das Schneeglück mit seinen zwei Freunden, den Girlitzen, zu teilen, die über den Winter in den Süden geflogen sind.

Diesem Bilderbuch wohnt ein ungeheurer Zauber inne. Die winterlichen Szenerien zaubern kleinen wie großen Leser*innen ein Lächeln ins Gesicht und wenn es eine Stelle im Buch gibt, die uns nun jede tanzende und glitzernde Schneeflocke da draußen mit unserer Zunge auffangen lässt, dann ist es folgende:

„Mmmmh, das ist wie Zuckerwatte auf der Zunge!“

Zu diesem Bilderbuch erscheint in Kürze eine ausführliche Besprechung.

18. „Wenn es Winter wird im Wald“ von Marion Dane Bauer & Richard Jones

Verlag arsEdition, ab 3 Jahren, erschienen am 29. September 2020, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die anderen Tiere des Waldes wüssten viel, was es mit dem Einzug des Winters zu tun gibt: in den Süden ziehen, Vorräte sammeln oder sich für den Winterschlaf zurückziehen. Doch nichts davon erscheint dem Fuchs richtig. Bis sich eine edle Rotfüchsin vor ihm verbeugt und ihm zum Tanz auffordert. Da kann er einfach nicht widerstehen. Denn genau das machen edle Rotfüchse im Winter: Tanzen!

Bei „Wenn es Winter wird im Wald“ war es Liebe auf den ersten Blick. Als ich das enzückende Cover des Pappbüchleins sah, war es um mich geschehen und ich wusste, dass es in Emmas Pappbuchregal einziehen muss. Durch Richard Jones traumhaft schöne Illustrationen von einem Fuchs im Winter, ist es nicht nur wunderbar anzusehen und wie gemacht für Fuchs-Fans wie uns, es fällt mit seinen 32 Seiten auch recht üppig für ein Pappbuch aus, wodurch es kleinen Leser*innen einen ausgedehnten Streifzug durch die winterliche Landschaft beschert. Die poetischen Zeilen von Marion Dane Bauer schenken der Geschichte eine wunderbare Melodie und betten sich als perfekte Untermalung in die traumhaften Winterszenerien ein. 

19. „Gebrannte Mandeln für Grisou“ von Nikola Huppertz & Andrea Stegmaier

Tulipan Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 20. Juli 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dieses warmherzige Bilderbuch hätte ich euch liebend gerne zu Weihnachten vorgestellt. Es hat Emma und mir die von einem persönlichen Schicksalsschlag geprägte Weihnachtszeit versüßt und uns die fehlenden Weihnachtsmarktbesuche ersetzt. Dank dem wunderbar harmonischen Zusammenspiel von Andrea Stegmaiers liebevollen Bildern und Nikola Huppertz‘ behutsamen Zeilen konnte Emma ein paar Runden Karussell fahren, die Orgelmelodie „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ erhaschen, mit mir gebrannte Mandeln genießen, deren nussig süßlicher Duft durch die Seiten geweht ist, und ganz viel weihnachtlichen Zauber für uns mitnehmen.

Es ist Grisou, ein Graupapagei, mit dem sich die kleinen Leser*innen durch das offene Küchenfenster stehlen, um sich erst über den Dächern der Stadt und wenig später aus nächster Nähe das weihnachtliche Treiben des Weihnachtsmarkts anzusehen. Als Grisou nicht mehr den Weg nach Hause findet und zu frieren beginnt, ist es ein kleines Mädchen, das ihn in ihren kuscheligen Schal einhüllt und ihm seinen größten Herzenswunsch erfüllt, indem sie ihm ihre gebrannten Mandeln überlasst. Dank ihrer Wegbeschreibung findet er auch das Haus seiner Familie wieder, wo er durch das immer noch geöffnete Küchenfenster schlüpfen kann, um das mit Nella und Fabian gemeinsam einstudierte Kunststück im vom Lichterglanz des Weihnachtsbaums erfüllten Wohnzimmer zum Besten zu geben.

Vielleicht ergibt sich nächstes Weihnachten die Gelegenheit, euch das Buch noch einmal ausführlicher vorzustellen. Stegmaier und Huppertz ist hier eine herzerwärmende Weihnachtsgeschichte mit einem ganz außergewöhnlichem Protagonisten gelungen.

20. „Mein Weihnachtswunsch für dich“ von Michael Morpurgo & Jim Field

Loewe Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 17. Juli 2019, Preis 13,99 € (D), hier geht’s zum Buch

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Jedes Jahr an Weihnachten holt Mia gemeinsam mit dem Christbaumschmuck ihr altes Tagebuch unter der Treppe hervor. Es ist Tradition, dass es unter dem Weihnachtsbaum versteckt wird, auch wenn längst jeder in der Familie weiß, dass es dort liegt. Auch dass es einen ganz besonderen Schatz bewahrt, wissen alle. Denn in ihm liegt ein Brief von Mias Opa, den er seiner Enkeltochter geschrieben hat, als sie noch ganz klein war. Es sind seine Wünsche nach einer besseren Welt, die Mia jedes Jahr nach der Bescherung vorliest und damit auch an ihre Kinder weitergibt.

Und so wird die Botschaft ihres Opas zu einem bedeutenden Moment ihres Weihnachtsfestes. Durch seine Zeilen wirkt es fast so, als wenn er noch immer mitten unter ihnen weilt. Und so ist Mias Opa zum Weihnachtsopa avanciert.

Michael Morpurgo und Jim Field brachten 2020 den Weihnachtsopa nach Deutschland. Das Bilderbuch, das im Original bereits 2018 unter dem Titel „Grandpa Christmas“ erschienen ist, darf nun endlich auch deutsche Leser*innen verzaubern. Ich habe die Erscheinung der deutschen Übersetzung lange herbeigesehnt und freute mich nun gleich doppelt, dass das Bilderbuch mit dem Naturkind-Label bei Loewe erscheint, einer Reihe, die ihren Fokus auf eine nachhaltige Produktion legt und Werte an Familien vermittelt, die bewusst leben und lesen. Mit jedem Naturkind-Buch werden regionale Projekte im Bereich Klima- und Umweltschutz unterstützt. Die Botschaft des Bilderbuches wird daher nicht nur mit der Geschichte, sondern auch durch das Buch selbst an die Leser*innen herangetragen. 

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung