Der Weg ist das Ziel

„Töchter“ – Lucy Fricke

Martha und Betty, zwei Frauen um die vierzig, brechen zu einer Reise in die Schweiz auf. Im Schlepptau Marthas todkranker Vater Kurt. Es soll seine letzte Reise werden und doch kommt alles ganz anders.

Während Kurt bei einer verloren geglaubten Liebe am Lago Maggiore strandet, reisen die beiden Frauen alleine weiter. Mit Kurts altem Golf kämpfen sie sich durch den italienischen Verkehr, quetschen sich durch beengte Parkhäuser und schleichen durch zwielichtige Gassen. Als sie im italienischen Nirgendwo stranden, lassen sie sich fortan von ihren Gefühlen leiten. Es gilt für beide aufgestaute Emotionen zu verarbeiten, von denen es aufgrund der zerklüfteten Familienverhältnisse beider zuhauf gibt. Während sich Betty in Griechenland ihrer Vergangenheit hingibt, versucht Martha den Abschied von Kurt zu verkraften.

Doch die Frauen haben ihre Rechnung ohne das Schicksal gemacht! Denn in der Einöde einer griechischen Insel treffen alle drei wieder aufeinander.

„Mir war nicht ganz klar, wer hier wen wohin fuhr. Zu wessen Abschieden und Erinnerungen wir auf dem Weg waren. „Was soll das eigentlich werden?“, fragte ich. „Thelma und Louise?“ „Die waren jung, sexy und unterdrückt“, sagte Martha. „Guck uns an, wir sind nicht mal unterdrückt.“ „Tschick?“, probierte ich weiter. „Das waren Jungs. Wir sind Frauen kurz vor den Wechseljahren. Ich hoffe, das willst Du nicht vergleichen.“

Zitat, Seite 87

Manchmal nimmt man Bücher genau zum richtigen Zeitpunkt in die Hand. Und dann inhaliert man sie einfach so weg. Bei diesem hier verhielt es sich genau so. Dabei erzählt Lucy Fricke in „Töchter“ an sich keine heitere Geschichte. Denn es ist die einer letzten Reise, einer verzweifelten und von widersprüchlichen Gefühlen begleiteten Fahrt in die Schweiz. Denn Martha soll Kurt zum Sterben fahren. Dabei hatten Vater und Tochter zu Lebzeiten kaum Kontakt. Martha steht ihrem leiblichen Vater nicht mal sonderlich nahe, fühlt sich ihm aber dennoch verpflichtet, weshalb sie ihre Freundin Betty um Hilfe bittet. Seit einem Autounfall vor ein paar Jahren saß sie nicht mehr am Steuer. Betty sichert ihre Unterstützung zu, nimmt mit Martha und Kurt schon bald Kurs Richtung Schweiz auf.

Doch manchmal kommt alles ganz anders als geplant und so reiht sich Kurts klappriger und nach Öl lechzender Golf schon wenig später in die Spur Richtung Italien ein und spuckt seine Passagiere am Lago Maggiore aus. Hier soll Kurt auf auf eine alte Liebschaft treffen und seinem Schicksal überlassen werden. Da in Italien auch ein Teil von Bettys Vergangenheit begraben liegt, bleiben auch Betty und Martha dem Land vorerst treu und packen die Gelegenheit beim Schopf mit der Vergangenheit reinen Tisch zu machen. Doch der Kurs der Reise ändert sich erneut und schickt sie in die Einöde einer griechischen Insel.

„Ein letztes Mal drehte Martha sich um, schickte einen Abschiedsgruß aus dem geöffneten Fenster. Wir fuhren los, und vor uns lag der Lago Maggiore. Der Nebel hatte sich gelichtet, auf die Berggipfel fiel das klare Sonnenlicht, wir sahen die drei winzigen Inseln im Wasser liegen. Es war ein wirklich schöner Anblick, das Kitschigste, was die Natur zu bieten hatte, und offenbar mehr, als Martha aushalten konnte.“

Zitat, Seite 81

Wenn man alleine den Verlauf der Reise betrachtet, kann man schon erahnen, auf welch schrägen Roadtrip uns Lucy Fricke schickt.  Ihre Geschichte ist durchweg von Wehmut und Trauer begleitet, aber auch mit jeder Menge schwarzem Humor, der sich vor allem in Italien von einer sehr ausgeprägten Seite zeigt. Im Verlauf der Geschichte zeigt sich auch, dass Kurts baldiges Ableben tatsächlich nur ein kleiner Bestandteil des Romans ist und Fricke sich auch den Schicksalen seiner weiblichen Protagonistinnen widmet.

Mit Martha und Betty sind der Autorin zwei wunderbare Charaktere gelungen. Beide Frauen stehen in der Mitte ihres Lebens, sind über die Jahre zu selbständigen Persönlichkeiten herangereift. Eine verkorkste Kindheit und emotionale Tiefschläge haben sie in die Knie gezwungen, aber auch wieder aufstehen und ihren eigenen Weg finden lassen. Wie sehr sich die zerrütteten Familienverhältnisse der beiden Frauen ähneln, wird dem Leser von Seite zu Seite klarer, während die Freundinnen selbst nichts davon ahnen. Denn obwohl Betty und Martha bereits seit über zwei Jahrzehnten eine innige Freundschaft verbindet, haben sie über all die Jahre so wenig  wie möglich von ihrer Vergangenheit preisgegeben. Sie zehrt an ihnen, macht sie nahezu zerbrechlich.

Es ist Kurts letzte Reise, die ihnen die Chance schenkt, sich von ihrem emotionalen Ballast zu befreien. Uwe alias Kaffeehaussitzer bezeichnete das Buch in seiner Rezension als Midlifecrisis-Roadmovie-Roman mit weiblicher Besetzung, und das trifft, wie ich finde, den Nagel auf den Kopf. Auch bei Eliane alias mintundmalve könnt ihr eine wunderbare Rezension über das Buch lesen, die mich das Buch aus einem öffentlichen Bücherregal fischen und geradewegs in die Geschichte versinken hat lassen.

„Martha wollte, nach zahlreichen gescheiterten Fluchtversuchen, nun um jeden Preis eine Familie gründen, um alles besser zu machen, um es überhaupt zu machen, glücklich werden, es durchziehen. Mir hatte die Kindheit und mehr noch die Jugend jede Sehnsucht nach Familie so gründlich aus den Knochen getrieben, dass schon die Aussicht darauf Beklemmung in mir auslöste.“

Zitat, Seite 19/20

#Kinderfreuden: Bücher für kleine Entdecker (0-2 Jahre)

Hallo ihr Lieben,

Vorlesen macht Kinder nicht nur glücklich, sondern auch schlau. Studien von Stiftung Lesen belegen, dass Vorlesen sowohl kognitive Fähigkeiten stärkt als auch emotionale und soziale Kompetenzen fördert. Lesen erweitert den Wortschatz und das Vorstellungsvermögen der Kinder, steigert ihre Konzentrationsfähigkeit und fördert ihre Kreativität. Während das klassische Vorlesealter zwischen 2 und 8 Jahren liegt, kann man die Kinder mithilfe von einfachen Bilderbüchern aber auch schon viel früher für Bücher begeistern. Je früher man damit beginnt, desto besser.

Die Vorlesestudie 2017 (von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung) zeigte leider, dass die Mehrheit der Eltern viel zu spät mit dem Vorlesen beginnt. 55 Prozent aller Eltern lesen ihren Kindern nämlich in den ersten zwölf Monaten gar nicht vor. In 28 Prozent der Familien ist das sogar innerhalb der ersten drei Jahre nicht der Fall. Eine erschreckende Tatsache, die mich sehr traurig stimmt. Denn ich selbst bin mit Büchern groß geworden und hatte bereits von klein an Bücher um mich.

Auch meiner Räubertochter sollte es in ihren ersten Lebensmonaten nicht an Büchern mangeln. Deshalb habe ich relativ viel Zeit dafür investiert, ansprechende Bücher für sie ausfindig zu machen. Leider musste ich bei meiner Recherche feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Denn die Auswahl an Büchern für die ganz Kleinen ist in den Buchhandlungen oft begrenzt, vielerorts stößt man auf Einheitsbrei bzw. eine gängige Auswahl von 08/15 – Stoff-, Knister- oder Knabberbücher, die sich nur durch Verlag, Preis oder Bilder unterscheiden, im Großen und Ganzen aber oft gar nicht ansprechend sind. Wenn man überhaupt Bücher für Kinder unter 2 Jahren findet! Sicherlich müssen die Inhalte von Büchern auf das Alter und die Aufnahmefähigkeit der Kinder abgestimmt sein, schön und individuell geht aber manchmal trotzdem anders! Wer eine Buchhandlung mit einem gut sortierten Kinderbuch-Sortiment in der Nähe hat, kann sich glücklich schätzen.

Nachstehend habe ich euch ein paar Lieblinge aus Emmas Bibliothek zusammengetragen. Es sind ein paar mehr Bücher geworden als geplant, aber die Liebe zum Buch ist hier so allgegenwärtig, dass ich die Auswahl nur schwer reduzieren konnte. Die folgenden Bücher möchte ich an dieser Stelle sowohl all den frischgebackenen bzw. zukünftigen Eltern, Patentanten bzw. -onkeln und Großeltern als auch den Buchhändler*innen für ihr eigenes Kinderbuch-Sortiment ans Herz legen. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann, dass die Auswahl an Kinderbüchern der Auswahl an Erwachsenenliteratur in nichts nachsteht. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Emma konnte von Anfang an durch ein kunterbuntes Sammelsurium an Büchern reisen, das sich aus unterschiedlichen Sprachen (da halb flämisches, halb deutsches Räuberkind), Größen und Farben als auch mit unterschiedlichen Altersempfehlungen zusammensetzt. Da Emma sich recht schnell entwickelt(e), habe ich ihr nach und nach auch Bücher präsentiert, die schon weit über ihrem Alter lagen, ich sie aber dennoch für geeignet hielt. Auch diese Bücher werde ich euch nachstehend verraten. Bitte entscheidet selbst, ob sie auch etwas für eure Kleinen sind. Denn jedes Kind entwickelt sich anders, weshalb ich von Emma nicht auf andere Kinder schließen kann.

[Werbung, da Verlinkung, folgende Empfehlungen erfolgen aus reiner Liebe zum Buch]

Ein Potpourri von Lieblingsbüchern

Baby Pixi – Carlsen Verlag

Pixi-Bücher gibt’s bereits seit 1954. Sie zählen mittlerweile zu den beliebtesten deutschsprachigen Vorlesebüchern. In der Regel  haben sie ein Format von 10 cm x 10 cm. Die quadratischen Büchlein gibt’s mittlerweile aber auch als Baby-Pixis für die ganz Kleinen in einem etwas größeren Format von 14 cm x 14 cm, die darüber hinaus auch eine Reihe an baby- und kleinkindgerechten Merkmalen aufweisen, die auch mich überzeugen konnten.

Der Praxistest hat bewiesen, dass die Bücher tatsächlich unkaputtbar sind. Das Material der Bücher ist nicht nur reißfest, sondern auch wasser- (und spuck)abweisend und frei von Schadstoffen.

Emma hat ihre Pixis unzählige Male geknickt, zerdrückt und mit Spucke übersät. Außer einem leicht welligen und verknitterten Eindruck halten sie jeglichen Angriff stand. Sie passen in jede Handtasche und begleiten uns noch heute zum Arzt, Einkaufen oder beim Wochenendtrip in die Berge. Ein klarer Vorteil gegenüber Pappbüchern: sie wiegen nichts und machen sich kaum im Handgepäck bemerkbar. Die Baby-Pixis werden für Babys und Kleinkinder von 9-36 Monaten empfohlen. Unsere waren schon weitaus früher im Einsatz.

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Mini Steps – Ravensburger Verlag

Die Bücher aus der ministeps-Reihe von Ravensburger sind auf die Bedürfnisse der Kleinsten abgestimmt. Sie regen auf unterschiedlichste Weise die verschiedenen Sinne der Kinder an, fördern das Erkennen von Farben, Formen und Bildern und laden zum Greifen und Spielen ein. Hier gibt es eine riesige Auswahl an Büchern, in der jeder fündig werden sollte. Ich möchte euch nur eins von den Büchern zeigen, mit dem Emma in ihren ersten Monaten unheimlich viel Spaß hatte, und zwar das Pappbuch „Kullernasen-Kinder“ mit integrierter Kullernase. Empfohlen wird es ab 6 Monaten, aber bei uns ist die Kullernase schon gerollt als Emma knapp 3 Monate war.

Alle Kinder in diesem Buch schauen unterschiedlich aus und haben doch eine Gemeinsamkeit: Sie tragen eine rosarote Kullernase, die sich dreht und dabei rasselt. Neben den Bildern findet man kurze Reime und kleinere Bilder, die die Kleinen zum Drehen der Nase animieren und damit auf spielerische Weise ihre Feinmotorik fördern. Leider hält dieses Buch nur bedingt Sabberattacken stand. Die Pappe an den Buchecken und an der Kullernase schwemmt durch Spuckfäden schnell auf und wird unansehnlich. Wenn man nicht schnell genug ist, kleben die Seiten aneinander und dann geht schnell ein Teil des Bildes verloren. Das Pappbuch sollte man daher am besten gemeinsam ansehen!

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Mein erstes Fühlregister-Buch: Wer ist denn da? – Coppenrath Verlag

Das Fühlregister-Buch aus dem Coppenrath Verlag gehörte zu Emmas ersten Lieblingsbüchern. Es ist die kleine Biene Hermine, die die Kinder durch das Buch führt und ihnen die unterschiedlichsten Tiere zeigt. Das Fühlregister am Buch rechts oben lädt mit unterschiedlichen Elementen zum Greifen, Nuckeln und Umblättern ein. So können die kleinen Entdecker mit allen Sinnen die Welt begreifen. Das Greifen der Elemente schult Denkmuster, die später beim Verstehen abstrakter Ideen und Zusammenhänge helfen soll.

Was mir besonders gefallen hat, war, dass die Fühlelemente auch Bestandteil der begleitenden Wortreime sind, wie z.B. das Schweineschwänzchen, das sich einrollt, die Zunge, die der Frosch rausstreckt oder der Schmetterlingsflügel, der freudig flattert. Außerdem gehen die Reime gut in den Kopf und sorgen für hohen Wiederkennungswert!

Das Fühlregister-Buch ist für Kinder ab 12 Monaten empfohlen, aber wir hatten es schon ab einem halben Jahr im Einsatz. Wir hatten noch ein anderes Fühlregister-Buch hier, das im Vergleich zu diesem hier in meinen Augen deutlich schlechter abgeschnitten hat.

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Der Regenbogenfisch – ein Stoffbuch mit interaktiven Elementen – NordSüd

Wer wie ich mit der Geschichte um den Regenbogenfisch nicht bis zum Kleinkindalter abwarten möchte, sollte sich dieses Stoffbuch holen. Es ist herzallerliebst, besticht mit tollen Farben, hat Zieh-, Tast- und Knistereffekte und fördert damit das Erkennen, die Motorik und Koordination des Kindes. Es wird für Kinder ab 6 Monaten empfohlen, aber auch hier gilt, sich der individuellen Entwicklung eures Kindes anzupassen. Die Geschichte ist leicht abgewandelt und nicht 1:1 das Original. In vielen Onlineshops ist es bereits ausverkauft und nicht mehr zu bestellen, allerdings habe ich euch den Titel mit einem Onlineshop verlinkt, wo es noch lieferbar ist. Es gibt auch ein Regenbogenfisch-Pappbuch, aber das Stoffbuch ist in meinen Augen für sabbernde Kinder etwas besser geeignet (weil es waschbar ist) und aufgrund der interaktiven Elemente länger interessant bleibt.

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Der kleine Siebenschläfer, Das ist doch nicht gemütlich! – Thienemann Esslinger

Emma liebt die Geschichte um den kleinen Siebenschläfer. Das Pappbilderbuch wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, wir hatten es aber schon weitaus früher im Einsatz. Das Buch wurde Abend um Abend aus dem Regal gezogen und ist irgendwann zur Lieblings – Gute-Nacht-Geschichte avanciert, weil es darin ja auch ums Einschlafen geht. Wir haben sogar Emmas Kreativ-Tonie mit der Geschichte um den kleinen Siebenschläfer besprochen, damit die Räubertochter sich die Geschichte immer von Papa und Mama gemeinsam vorlesen lassen kann, selbst wenn einer mal nicht da ist.

Der kleine Siebenschläfer kann einfach nicht einschlafen. Sein Nest ist einfach noch nicht gemütlich genug und so zerrt er jede Menge Sachen herbei, um das Nest weicher und komfortabler zu machen. Aber an das Einschlafen im Kreis der Familie kommt einfach nichts ran und so kuschelt es sich am besten im Siebenschläfer-Haufen.

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Schiebebücher in Groß und Klein

Auch Schiebebücher erfreu(t)en sich bei Emma großer Beliebtheit. Den Einstieg haben wir mit einem klitzekleinen Schiebebuch aus dem Coppenrath Verlag gemacht. „Kuckuck! Wer ist da?“ ist nur eines von vielen Schiebebüchern von Coppenrath, das im Miniformat daherkommt und durch das Versetzen von Schiebeelementen versteckte Tiere zum Vorschein bringt. Emma hat dieses Buch ab einem halb- bzw. dreiviertel Jahr heiß und innig geliebt, mittlerweile findet es nur noch den Weg in ihre Hände, wenn ich es ihr bewusst gebe, auch wenn es für Kinder ab 18 Monaten empfohlen wird.

Die Schiebebücher „Tiere im Meer“ und „Tiere im Schnee“ aus dem Carlsen Verlag hingegen finden auch noch heute regelmäßig den Weg in Emmas Hände. Sie sind weitaus anspruchsvoller als die Mini-Ausgabe von Coppenrath und wird ebenfalls für Kinder ab 18 Monaten empfohlen. Emma hat sich recht schnell an den Schiebern ausgetobt, weshalb sie teilweise etwas verknickt daherkommen. Aber es war so schön mitanzusehen, wie sie sich jedes Mal wie ein Keks gefreut hat, als sie einen Schieber ohne Hilfe versetzen konnte.

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Löwe, Hase, Schwein – ein Tier passt nicht rein! – Magellan Verlag

Dieses wimmelartige Suchbilderbuch wird eigentlich erst für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, weil es auf jeder Doppelseite ein Tier zu finden gilt, dass sich dazu geschummelt hat. Wie ihr an den Bilder seht, hat es meine Tochter aber bereits mit 3 Monaten angesehen. Das großformatige Pappbuch eignet sich wunderbar zum Betrachten und ersten Kennenlernen von Tieren, sobald die Kleinen im Liegen ihr Köpfchen halten können. Die Bilder haben in dieser Position die ideale Größe und wirken nicht überladen. Sie laden zum Entdecken und Staunen ein.

Mit dem Buch hat Emma die Tierwelt kennengelernt, bevor sie groß genug war, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen.  Wir haben es ihr immer in Begleitung der Tierlaute vorgelesen und sind auf das falsche Tier auf der jeweiligen Doppeseite anfangs gar nicht eingegangen. Heute kann sie fast alle Tiere im Buch namentlich benennen und ihre Tierlaute imitieren.  Wer noch mehr zum Buch erfahren möchte, sollte mal zur ausführlichen Rezension rüberschauen.

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Die kleine Raupe Nimmersatt für die ganz Kleinen – Gerstenberg Verlag

Ist es zu glauben, die kleine Raupe Nimmersatt feiert in diesem Jahr schon ihren 50. Geburtstag?! Die Geschichte ist ein Klassiker, auf den ich nicht lange warten wollte. Wir hatten daher schon früh ein Stoffbuch im Einsatz, was Emma bereits im Babyalter entdeckt hat. Später haben wir es um ein Pappbuch ergänzt. Da unsere Räubertochter eine halbe Belgierin ist, hatte sie allerdings ein niederländisches Exemplar hier, dass es im Deutschen so leider nicht gibt. Allerdings gibt es ein ganz ähnliches Stoffbuch auf Deutsch.

In unserem niederländischen Stoffbuch mit dem Titel „Rupsje Nooitgenoeg – Tel je mee?“ futtert sich die kleine Raupe Nimmersatt durch ein bis fünf Stücke Obst. Es hat eine gummierte Ecke zum Beißen, ist spuckresistent (da abwaschbar) und durch einen Ring am Kinderwagen bzw. Buggy zu befestigen oder von einer kleinen Babyhand wunderbar zu greifen. Die Seiten knistern und an einer Stelle ist ein Quietschelement integriert.

Das Pappbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ hingegen beinhaltet 1:1 die Original Geschichte und ist an die etwas größeren Kinder gerichtet. Empfohlen wird es ab 2 Jahren, wir hatten es ungefähr ab 1,5 Jahren hier. Wir haben ein wunderbares Geschenkset aus Pappbuch und Holzraupe zur Verfügung gestellt bekommen, von dem ich euch noch genauer berichten werde. Der Beitrag ist schon eine ganze Weile geplant, leider hat mich der Raupenbefall unseres Buchsbaumes etwas ausgebremst und mir vorübergehend die Freude daran genommen. Doch wer die Geschichte aus seiner Kindheit kennt, weiß, dass die kleine Raupe sich nur dem Lauf der Natur hingibt, um sich anschließend in einen wunderschönen Schmetterling zu verwandeln. Bei uns hat sich die Raupe des Buchsbaumzünslers eingenistet, die sich anschließend in einen hässlichen Falter verwandelt!

Die Geschichte hilft wunderbar beim ersten Zählen und animiert die Kleinen sich gemeinsam mit der gefräßigen Raupe durch die Seiten und durch die Speisen zu wühlen.  Dazu passend können die Kinder die Holzraupe hinter sich herziehen, die sich bei Bewegung wie eine echte Raupe windet.

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Pappbücher von Chris Haughton – Walker Books (engl.) bzw. Sauerländer Verlag (dt.)

Ich bin damals durch Zufall über die Pappbücher von Chris Haughton gestolpert und habe sie Emma bewusst auf englisch gekauft (weil mich u.a. der Klang der Originalsprache mehr überzeugt hat). Die Bücher von Chris Haughton kommen alle in einem bestimmten Farbschema daher. Wir haben drei von ihnen: „Shh! We have a plan“ in blau, „A bit lost“ in grün und „Oh no, George!“ in orange. Die Pappbücher kommen recht natürlich daher (Naturkarton ohne Beschichtung), weshalb unsere Ausgaben bereits etwas abgelebt aussehen und zigfach geklebt sind, das tut dem Charme der Geschichten aber keinen Abbruch und zeigt nur, wie heiß und innig Emma diese Bücher liebt.

Mein persönlicher Favorit ist „Shh, we have a plan!“ (dt. „Pssst, wir haben einen Vogel!“), das die Geschichte von vier Räubern erzählt, die versuchen einen Vogel zu fangen. Der kleinste im Bunde weiß es eigentlich besser als die Großen, darf aber nichts sagen und so beobachtet er das erfolglose Unterfangen mit Schadenfreude. Er  kann die Vögel auf Anhieb zu sich locken, aber nicht um sie zu fangen, sondern um sie zu füttern. Emma weiß bereits eine Seite vorher, was als nächstes kommt. Ein Lieblingsbuch!

In „A bit lost“ (dt. „Kleine Eule ganz allein“) geht es um eine kleine Eule, die aus ihrem Nest fällt. Und während die Eulenmama ihr Kind verzweifelt sucht, hilft ein Eichhörnchen und später auch ein Frosch der kleinen Eule dabei, die Mama ausfindig zu machen. Sie stehen erst vor drei völlig anderen Tieren ehe die Eulenmama vor ihnen steht.  Zur Freude aller Beteiligten lädt Mama Eule anschließend zu Tee und Keksen ins Nest ein, wo die kleine Eule einschläft und dem Abgrund schon wieder gefährlich nahe kommt.

In „Oh no, George!“ (dt. „Oh nein, Paul“) geht es um einen Hund namens George, der trotz des Versprechens brav zu sein, jede Menge Unsinn anstellt. Er kann einfach nicht dem Drang widerstehen, den Kuchen in der Küche zu verschlingen, der Katze hinterherzujagen oder das Blumenbeet aufzuwühlen. Als das Herrchen enttäuscht auf das Geschehen blickt, gelobt er Besserung und schafft es tatsächlich doch noch, den Versuchungen zu widerstehen und ein braver Hund zu sein.

Der Illustrationsstil von Chris Haughton ist etwas speziell. Er geht mehr in die abstrakte Richtung, ist damit aber auch sehr einprägsam. Die knalligen Farben kommen bei den Kleinen richtig gut an. Und der einprägsame Text sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Emma fährt voll auf die Bücher ab. Darüber hinaus ist jeder Geschichte ein Zitat nachgestellt, das die Botschaft der Geschichte perfekt widerspiegelt. Bei unseren drei Büchern geht es um Frieden, Gegensätze und Freiheit.

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Pappbücher aus dem Usborne Verlag

Während die meisten Pappbücher recht anfällig im Einsatz während der ersten Lebensmonate sind und dadurch schnell Gebrauchsspuren aufweisen, war ich sehr glücklich, als ich die Bücher des Usborne Verlags für uns entdeckt habe. Die Bücher sind unglaublich stabil, haben einen festeren Buchdeckel und abgerundete Ecken. Die Seiten sind meist aus einer dünneren aber stabilen Pappe und daher ideal für die kleinen Kinderhände. Bei uns schaut fast jedes Buch noch genauso aus, wie am Anfang.

Lediglich das allererste Fühlbuch „Mein allererstes Fühlbuch Tiere“ ist einer Sabberattacke erlegen und trägt daher einen leicht aufgeschwemmten Eisbär in sich. Während dieses erste Fühlbuch noch mit etwas dickeren Pappseiten daherkommt, stößt man bei den restlichen Büchern von Usborne meist auf etwas dünnere Pappseiten mit abgerundeten Ecken, durch die die Ecken wunderbar erhalten bleiben und auch durch reges Blättern nicht ausfranzen. Das Fühlbuch ist wirklich für die ganz Kleinen und war eins von Emmas allerersten Büchern. Auf jeder Seite ist ein Tier abgebildet, das die Kleinen durch die integrierten Fühlelemente ertasten können. Und ja, Fühlbücher gibt es ja wie Sand am Meer, aber im Gegensatz zu anderen Fühlbüchern erschien mir dies deutlich moderner!

Auch die Gucklochbücher „Bist du das, kleiner Elefant?“ und „Bist du das, kleines Häschen?“ fand ich fürs Babyalter unglaublich toll. Als Emma stabil sitzen konnte, haben sie die Bücher zu spannenden Entdeckungsreisen eingeladen, weil sie neben zahlreichen Gucklöchern auch Fingerspuren in sich tragen, denen sie mit ihren Händen folgen und dadurch einzelne Tiere auf ihrem Weg begleiten können. Leider habe ich zu spät entdeckt, dass es auch ein „Bist du das, kleiner Fuchs?“ gibt, denn hier herrscht eine große Fuchsliebe. Die kleinformatigen Bücher entpuppen sich als ideale Reisebegleiter!

Ebenfalls sehr für die Anfangszeit zu empfehlen sind „Babys allererstes Fühlbuch Tiere“ und „Babys erstes Bildwörterbuch Tiere“. Beide Pappbücher kommen in einem etwas größeren Format daher, tragen zahlreiche Fingerspuren und Gucklöcher in sich. Während man in dem Bildwörterbuch auf die Tiere in ihrem jeweiligen Lebensraum stößt und mithilfe der Bezeichnung ihre jeweligen Namen kennenlernen kann, hat man in dem Fühlbuch noch die Gelegenheit die Tiere mithilfe der Fühlelemente zu ertasten. Beide Bücher sind wirklich gelungen, farbenfroh und facettenreich. Emma schaut sie sich auch heute noch gerne an und folgt mit Vorliebe den Fingerspuren oder kratzt über das stachelige Fell des Igels, der sich über die Zeit als Lieblingsfühlelement entpuppt hat.

Und ja, wir haben hier noch viel mehr Bücher aus dem Usborne Verlag bei uns liegen, aber ich kann euch nicht alle zeigen. Außerdem werdet ihr in dem riesengroßen Programm des Verlags sicher eure ganzen eigenen Lieblinge ausfindig machen. Unter anderem sind dort auch Sound-, Klappen- und Wimmelbücher zu finden.

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Pappbücher von Benji Davies – Aladin Verlag

Wer meinem Blog schon länger folgt, weiß um meine Liebe zu den Illustrationen von Benji Davies. Er hat nicht nur den Sturmwal zum Leben erweckt, sondern uns auch jede Menge weitere Geschichten geschenkt (ein besonderer Liebling von mir ist „Opas Insel“). Mein Neffe Joschua und ich sind schnell große Fans von den Büchern geworden, allerdings sind die Kinderbücher aufgrund ihrer dünnen Seiten erst für Kinder ab 4 Jahren geeignet.

Irgendwann wurden zwei von Benji Davies‘ Geschichten auch in Pappe herausgebracht, nämlich „Nick und der Wal“ und „Beste Freunde“. Klar, dass ich für Emma nicht erst bis zum Kinderbuchalter abwarten wollte, sondern sie ihr bereits in Pappe organisiert habe. Dass die Altersempfehlung beider Bücher bei 3 Jahren liegt, hat mich nicht weiter abgeschreckt. Denn ich wusste bereits um die großformatigen Bilder, die nur von wenig Text begleitet werden und daher durchaus schon für Kinder ab ca. 1,5 Jahren geeignet sind.

Während es in „Nick und der Wal“ um einen gestrandeten Wal geht, den der Junge Nick nach einem Sturm am Strand entdeckt und ihn der Badewanne wieder aufpeppt, erzählt „Beste Freunde“ von Ben und Eddy, einem scheinbar unzertrennbaren Zweiergespann, das durch einen neuen Jungen namens Sam auf eine harte Probe gestellt wird und sich letztendlich aber zum Dreiergespann ergänzt.

In Originalsprache gibt es die Geschichte um „The Storm Whale“ in einem niedlichen Set mit einem kleinen Stoff-Sturmwal (den ihr auch auf den Fotos seht) oder auch in Begleitung eines Holzpuzzles. Diese Bücher solltet ihr euch und euren kleinen Entdeckern in keinem Fall entgehen lassen!

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Schlaf recht schön! – Moritz Verlag

Auf dieses Pappbuch wäre ich sicher nicht von alleine gestoßen, denn die Bücher des Moritz Verlag sind nur in gut sortierten Buchhandlungen zu finden. Wir hatten das Glück, dass meine Patentante (alias beste Buchhändlerin der Welt) es Emma zum ersten Geburtstag geschenkt hat. Es wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, ist aber aufgrund seiner Schlichtheit schon um einiges früher einsetzbar.

Das japanische Original ist 2016 in Tokio erschienen und seit 2018 ist es nun auch auf Deutsch erhältlich. Vom Illustrator Tomoko Ohmura ist auch noch das Buch „Bitte anstellen!“ bekannt, das schon auf aktuellem Emmas Wunschzettel steht.

Die Gestaltung des Buches ist schlicht, aber ganz wunderbar anzusehen. Die Bilder beschränken sich aufs Wesentliche und schicken der Reihe nach die Marienkäfer, Frösche, Eichhörnchen, Igel und Bären in den Winterschlaf. Doch bevor sich die Tiere einen ganzen Winter lang verkriechen, heißt es Vorräte sammeln und kuschelige Schlafstätten einrichten. Und so herrscht reger Betrieb bei den Tieren, ehe es bis zum Frühling ganz still um sie wird.

Die Geschichte erzählt eine klassische Gute-Nacht-Geschichte, lädt aber auch am Tag zum Entdecken ein. Vor allem Natur- und Tierfreunde werden sich an ihr erfreuen!

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„Hund, Katze, Maus… Haus“ – Carlsen Verlag

Das Pappbuch von Dunja Schnabel begleitet uns schon seit Emmas Anfängen. Es wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, ist aber durchaus schon früher einsetzbar. Es kommt im Gegensatz zu anderen Pappbüchern recht umfangreich daher (es umfasst sage und schreibe 98 Seiten), weshalb die Kinder schon selbständig sitzen können (um es vor sich liegend zu entdecken) oder genügend Kraft in ihren Händen haben sollten, um das Buch schon alleine zu halten. Allerdings ermöglicht ihnen die Dicke des Buches auch ein längeres Lesevergnügen.

Wir hangeln uns seit jeher mit großer Begeisterung durch die Reime, die sich mithilfe der Bilder vollenden lassen. Die ersten drei Komponenten des Reims kommen dabei immer in Text und Bild daher, während die letzte Komponente nur bildhaft dargestellt wird und erraten werden muss. Emma hatte den Dreh recht schnell raus und kann mittlerweile die meisten Komponenten namentlich benennen. Ich denke, das frühe Vorlesen hat sie bereits mit dem Klang der Wörter vertraut gemacht, weshalb ihr die Wörter nun leichter fallen.

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Pippi Langstrumpf für die ganz Kleinen – Oetinger Verlag

Ich bin mit den Büchern von Astrid Lindgren groß geworden, daher konnte es mir gar nicht schnell genug gehen, Emma mit Pippi & Co. bekannt zu machen. Denn die Figuren wurden für mich zu Kindheitshelden, begegnen mir noch heute wie gute alte Freunde. Leider gibt es nur sehr wenige von Lindgrens Kinderbuchfiguren in Pappe und einige Pappbücher kommen im sehr modernen und mir viel zu abstrakten Design daher.

„Guck mal, Pippi Langstrumpf“ und „Hurra, Pippi Langstrumpf“  tragen allerdings noch die schönen Illustrationen von Katrin Engelking in sich, weshalb ich sie recht schnell für Emma gekauft habe. Und während „Guck mal Pippi Langstrumpf“ sich an die Kleinen im Bunde (ab 1 Jahr) richtet, wird „Hurra, Pippi Langstrumpf“ für Kinder ab 2 Jahren empfohlen. Ersteres trägt daher nur vertraute Figuren in sich und kommt ohne jeglichen Text aus, während das zweite schon eine kleine Geschichte erzählt.  Aber Achtung, es ist keine Geschichte, die wir aus den Jugendbüchern kennen, sondern nur eine abgespeckte Geschichte mit vertrauten Komponenten.

Emma hat die Pippi-Bücher natürlich trotzdem recht schnell ins Herz geschlossen. Sie mag den frechen Rotschopf, der mit übergroßen Schuhen verkehrt herum im Bett schläft, ein Pferd auf der Veranda stehen hat und Pfannkuchen durch die Küche wirft! Und von meinen damaligen Schweden Urlauben mit der Familie ist mir noch ein kleiner Plüsch – Herr Nilsson erhalten geblieben, der direkt in Emmas Kuscheltierfamilie einziehen durfte.

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Pappbücher von Joëlle Tourlonias

Mit Joëlle Tourlonias verhält es sich ähnlich wie mit Benji Davies – ich kann an keinem ihrer Bücher vorbeigehen! Ich liebe ihre Illustrationen, mit denen ich erstmals in „Die kleine Hummel Bommel“ Bekanntschaft gemacht habe. Es war mein Patenkind Lena, das damals eine regelrechte Hummel Bommel – Liebe entwickelt, die Bücher der Reihe zu ihren Lieblingsbüchern auserkoren und sie sogar ihren Klassenkameraden vorgestellt hat. Als die beliebte Reihe um die Baby Hummel Bommel für die Kleinen erweitert wurde, lag es quasi schon auf der Hand, dass ich sie für Emma haben möchte.

„Die Baby Hummel Bommel – Gute Nacht“ hat sich hier recht schnell zu den Lieblings-Gute-Nacht-Geschichten gesellt. Sie ist noch heute eine von Emmas Lieblingen. Wer mehr zum Buch erfahren möchte, darf gerne meine Rezension lesen. In Kürze erscheint ein weiteres Pappbuch aus der Reihe, „Die Baby Hummel Bommel – Alles wird gut“ (ET 23.08.), und obwohl die Bücher für Kinder ab 1 Jahr empfohlen werden, werde ich sie hier ebenfalls einziehen lassen. Denn die Bücher haben ein ideales Format und sind daher ideale Reisebegleiter.

Doch neben der Hummel Bommel gibt es noch zahlreiche andere Figuren, die Joëlle Tourlonias mit ihren Hand zum Leben erweckt hat. Bei arsEdition sind noch einige andere Bücher erschienen, u.a. haben wir „Ella geht raus“, „Ben liebt Bär … und Bär liebt Ben“ und „Alle kommen mit ins Bett“ hier. Doch die Illustratorin ist ziemlich produktiv und hat daher auch bei diversen anderen Verlagen wunderbare Pappbücher herausgebracht, die wir alle ins Herz geschlossen haben. Und so kann ich euch noch „Wir zwei gehören zusammen“ aus dem Baumhaus Verlag, „Schlaf ein, träum fein“ von Haba und „Mittagsschlaf“ aus dem Adrian Verlag ans Herz legen. Zu letzerem wurde sogar ein Mittagsschlaf-Lied komponiert, das ihr hier anhören könnt. Alle erwähnten Bücher sind in der Diashow zu sehen.

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Der kleine Fuchs hört einen Mucks – Oetinger Verlag

Und zu guter Letzt, möchte ich euch ein Buch ans Herz legen, das wir besonders in Herz geschlossen haben. Denn „Der kleine Fuchs hört einen Mucks“ zog hier gleich in Begleitung eines niedlichen Kuschelfuchses ein. Emma war zu dem Zeitpunkt knapp über ein Jahr alt und hat die Geschichte von Anfang an ohne Probleme angenommen. Sie lag damit wieder weit unter der Altersempfehlung von 2 Jahren, aber wenn man immer von den Altersempfehlungen auf den Büchern ausgehen würde, wären 50 % der oben genannten Bücher für Kinder unter 2 Jahren noch nicht geeignet.

Seit seinem Einzug zu Weihnachten ist der Fuchs Emmas treuester Begleiter und die Geschichte um den kleinen Fuchs, der sich auf die Suche nach dem Mucks begibt, den er eben noch gehört hat. Und ehe er am Ende auf seine Mama und den vertrauten Mucks trifft, begegnet er noch jede Menge Tieren. Das Buch gibt es als normale Pappe und auch als Soundbuch. Wir haben das Soundbuch hier und können es wirklich empfehlen, auch wenn die Tiergeräusche eher niedlich als authentisch daherkommen, aber das tut dem Lesevergüngen keinen Abbruch. Denn der Mucks hat es Emma besonders angetan und die Illustrationen im Buch sind einfach zuckersüß.

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Ich hoffe, ihr habt unter den oben genannten Büchern auch ein paar Lieblinge für euch und eure Lieben entdeckt. Lasst mich gerne wissen, welches davon euch besonders überzeugt hat. Welches Bücher haben sich bei euch in den ersten zwei Jahren zu Lieblingsbüchern entpuppt?

Viel Spaß beim Lesen wünschen Steffi und Emma

 

Unboxing: Schmökerbox Mai – Sommerfrische (Spoiler)

Hello sunny folks!

Pünktlich zum Sommeranfang möchte ich euch noch die Mai Schmökerbox zum Thema „Sommerfrische“ vorstellen, die mich Anfang Juni erreichte und thematisch wunderbar zum Wetter passt. Nachdem meine Erfahrungen mit Bücherboxen sich bisher auf ausländische Anbieter beschränkten, durfte die Schmökerbox als erste deutsche Bücherbox bei mir einziehen. Dementsprechend neugierig auf den Inhalt war ich dann auch, als ich die Box über einen kleinen Umweg endlich in Empfang nehmen konnte.

Über die Schmökerbox

Hinter der Idee der Schmökerbox stehen Chris und Kiara. Chris ist hauptberuflich Qualitätsmanager, Kiara ist Literaturwissenschaftlerin. Eines schönen Tages haben die beiden festgestellt, dass es bereits unglaublich viele Box-Abos gibt, darunter allerdings noch keine deutsche Buchbox für den Belletristik-Bereich zu finden ist. Also haben sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und nach 2-jähriger Tüftelphase im April 2018 ihre erste Schmökerbox herausgebracht.

In jeder Box ist ein aktuelles Buch (Hardcover oder Klappenbroschur) und eine Auswahl von 3-5 kleinen buchigen Goodies bzw. eine Prise Lesezucker (in Form eines individuellen Lesezucker-Produktes) zu finden. Während die meisten Goodies sich bereits beim Auspacken offenbaren, ist ein Goodie verpackt und für einen bestimmte Stelle im Buch bestimmt. Dieses Goodie hängt unmittelbar mit dem Inhalt des Buches zusammen und man darfst es erst öffnen, wenn die darauf markierte Seitenzahl erreicht ist.

In der Regel wird die Schmökerbox gegen Ende des jeweiligen Monats versendet. Leider hat sich meine Schmökerbox erst einmal verirrt und lag dann knapp fünf Tage bei der hiesigen Poststation, bis mich eine verknitterte Sendungsbenachrichtigung über ihren Verbleib informierte und ich voller Vorfreude zur Post geeilt bin.

Eine normale Monatsbox kostet 39,95 € (inkl. Versand). Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Schmökerbox im 3- oder 6-Monatsabo zu abonnieren oder sich auch ältere Ausgaben oder individuelle Lesezucker-Produkte zu sichern.

Alle Informationen hierzu findet ihr auf der Schmökerbox Website.

Das Buch im Mai

Der Roman, der in der Mai Ausgabe der Schmökerbox zu finden war, ist im Eisele Verlag erschienen. Er heißt „Ein Sommer in Brandham Hill“. Die Schmökerbox macht ihn mir mithilfe folgender Zeilen schmackhaft:

„Stell dir vor, du findest dein altes Tagebuch und erinnerst dich an einen unvergleichlichen Sommer in deiner Kindheit. Einen Sommer, der magisch war, heiß, voller Abenteuer zwischen Strohhaufen und verlassenen Kräutergärten. 

Im Mai versetzen wir uns zurück in einen Sommer zu Beginn des 20. Jahrhunderts, einen Sommer in Großbritannien, in dem nicht nur die Trägheit von ungewöhnlicher Hitze herrscht, sondern auch Geheimnisse, Intrigen und ein Junge, der zunächst nichts Böses ahnt. In dem Roman aus dem Eisele Verlag bröckeln die Fassaden der zunächst so perfekt wirkenden Oberschicht und enthüllen vielschichtige Geheimnisse.“

Das unter braunem Backpapier verborgene Goodie verweist seine Enthüllung auf Seite 366. Demnach werde ich mich noch eine Weile gedulden müssen und diesen Beitrag nach Beenden des Romans um das Unpacking des verpackten Goodies ergänzen. Die Rezension zum Buch werde ich wie gehabt als eigenständige Besprechung  veröffentlichen.

Die Goodies

Die entscheidende Farbe des Romans ist Grün. Damit ich meine Gedanken, genau wie Protagonist Leo Colston, in einem Tagebuch festhalten kann, lag dieses wunderschöne Bullet Notizbuch von monbijou (dem Papeterie und Kreativ-Label vom LINGEN Verlag) im „Jungle Leaves“ – Design bei. Ihr könnt euch sicher sein, dass ich mich in diesen Traum von Notizbuch sofort verliebt habe und es dementsprechend auch zum Einsatz kommt. Allerdings werde ich es aufgrund seiner über 180 Seiten wohl nicht nur mit den Gedanken zu „Ein Sommer in Brandham Hill“, sondern auch mit denen zahlreicher anderer Romane füllen.

Darüber hinaus habe ich in der Box zwei Lesezucker-Postkarten entdeckt, die mich in die Zeit zurückversetzen sollen, die vom Jugendstil und gleichzeitig den Karikaturen aus der Zeitschrift Punch lebte. Wie mir das Team der Schmökerbox verrät, ist Protagonist Leo zwiegespalten zwischen der scheinbar heilen Weilt der Aristokratie und den klaren Ansichten des Landes, weshalb ich die Postkarten unglaublich gelungen finde. Die Karikatur auf der einen Postkarte vermittelt mir bereits einen Hauch britischen Flair und das Zitat auf der anderen Postkarte stammt aus der Geschichte.

Dass einfache Dinge dennoch raffiniert sein können, zeigen mir die beigelegten KORE everlasting wild flowers aus Papier von der Holländerin Jurianne Matter, die ich sicher eines Tages zur Dekoration nutzen werde. Allein für diesen Beitrag empfand ich es zu schade, die Blumen bereits zusammenzusetzen. Und ich bin bekanntlich eher der Grobmotoriker, wenn ich mir nicht ausreichend Zeit zum Basteln nehme.

Die beigelegten Papier-Fähnchen von Bloomingville kamen bereits auf einem Foto zum Einsatz. Ich liebäugel gerade damit, mir die Tage ein paar Muffins als Appetithäppchen während dem Lesen zu machen und sie mit den Fähnchen zu verzieren. Was meint ihr?

Fazit

Ich finde den Inhalt der Schmökerbox unglaublich gelungen. Ich bin von der liebevollen Zusammenstellung von Buch und dazu passenden Goodies wirklich ausgesprochen angetan, weshalb ich die Bücherbox mir sicher zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal sichern werde. Die deutsche Bücherbox ist im Vergleich zu den ausländischen Bücherboxen natürlich um einiges schneller bei dir (es sei denn, sie macht wieder einen Boxenstopp bei der Deutschen Post).

Die Juni- und Juli-Box sind im Shop ebenfalls bereits zu bestellen. Die Juni-Box trägt den Titel „Very british“ und die Juli-Box „Die Einsamkeit von Vorurteilen“.

Na, hab ich euch neugierig gemacht? Dann spitzt doch gleich mal rüber in den Shop von  Schmökerbox und bestellt euch eure ganz eigene Box.

[Werbung, da Verlinkung, Rezensionsexemplar]

Für die Mai-Ausgabe der Schmökerbox möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich beim Schmökerbox-Team bedanken. Sie wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

Guten Tag, Leben!

„Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ – Tabea Hertzog

„Oft sitze ich jetzt einfach nur in meiner Küche. Der Frühling ist da und die Vögel und das Licht und die hellgrünen Knospen. Manchmal komme ich mir so lächerlich vor. Jeder Augenblick erscheint lächerlich. Als wäre der Sinn verloren gegangen.“

Zitat, Seite 17

Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag erhält Tabea die lebensverändernde Diagnose „Chronische Niereninsuffizienz“. Plötzlich steht alles in den Sternen, nicht nur ihre geplante Reise in den Iran, sondern auch ihr weiterer Weg durchs Leben. Kurz darauf verschlechtert sich ihr Zustand, zwingt sie zur regelmäßigen Dialyse und schon bald ist klar, dass auch kein Weg an einem Spenderorgan vorbeiführt.

Auf der Suche nach einer neuen Niere irrt sie auch durch ihr zerklüftetes Familienkonstrukt, das sich aus einem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und einem relativ neuen Kontakt zum Vater, der über Jahre nicht Teil ihres Lebens war, zusammensetzt. Während die Mutter anfangs noch sporadisch an ihrer Seite steht, dann aber völlig von der Bildfläche verschwindet, ist es der Vater, der plötzlich wieder eine entscheidende Rolle in ihrem Leben spielt: Er fungiert als lebensrettender Organspender.

Dass es ausgerechnet die Niere ihres Vaters sein wird, die ihr das Weiterleben ermöglicht, versetzt Tabea in Aufruhr. Seine Art, ihr plötzlich alles recht machen zu wollen, macht sie wütend. Ihre Wut ist von Abwehr begleitet, von dem Wunsch weiterhin eigenständig agieren zu können und nicht von ihrem Vater abhängig zu sein. Wo er doch ihr halbes Leben nicht für sie da war. Seine Niere mag ihr ein neues Leben schenken, nicht aber die verloren gegangene Bindung zu ihm zurückbringen.

„Manchmal ist es besser, dass alles neu ist, als umgekehrt. (…) Manche Erfahrungen noch nicht gemacht zu haben bedeutet auch, dass der Umgang damit noch nicht von Gefühlen vorbelastet ist.“

Zitat, Seite 20

Es sind leise und behutsame, aber sehr berührende Zeilen, mit denen Tabea Hertzog uns ihre Geschichte erzählt. Denn „Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ ist ein autobiografischer Roman, er spiegelt Hertzogs persönlichen Weg als Organempfängerin wieder. Und so begegne ich in diesem Roman einer jungen Frau, die uns auf sehr offene, ehrliche und zugleich kühle und humorvolle Art ihre Geschichte erzählt, die uns ihre Gedanken und Gefühle anvertraut, die sie während all der Zeit durchfluteten.

„Mir wurde nicht beigebracht zu fühlen. Mir wurde beigebracht, stark zu sein. Vielleicht stammt daher mein Wille. Das Fühlen versuche ich zu lernen . Den Willen würde ich niemals aufgeben.“

Zitat, Seite 93

Die Diagnose an sich, so unerwartet und plötzlich sie für Hertzog kam, schien die Autorin ganz gut wegzustecken. Sie reagierte souverän, bewahrte über all die Zeit eine unglaubliche Ruhe und arrangierte sich mit den Veränderungen, die die Krankheit mit sich brachte. Die Dialyse, die Umstellung von Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, die Veränderungen im Privatleben, die sich in einem stetigen wachsenden Rückzug von ihren Freunden und einer wachsenden Verbundenheit zu anderen Dialysepatienten bemerkbar machte. Doch was Hertzog auf ihrem ohnehin schon beschwerlichen Weg wirklich zusetzte, war der familiäre Ballast. Ballast, der schwer auf ihr wog, ihr die Luft zum Atmen nahm und sie in ihrer Freiheit einschränkte. Während die eigene Mutter sich bereits bei der Suche nach einem geeigneten Organ klammheimlich aus der Affäre zieht und ihrer Tochter damit jegliche Unterstützung verwehrt, ist es Hertzogs Vater, der sich bereiterklärt, seine Niere zu spenden.

Doch wie steht man zu einem Menschen, der das halbe Leben nicht da war, zu dem man keinerlei väterliche Bindung hat, der wie ein Fremder ist? Wie schwierig es war, mit ihrem Vater plötzlich so vieles teilen zu müssen, sich auf ihn einzuspielen, seinem ständigen Bedürfnis nach Konversation gerecht zu werden, bringt Hertzog wunderbar zum Ausdruck. Überhaupt sorgt sie dafür, dass man ihr während des Lesens sehr nahe kommt, sich gut in ihre Haut hineinversetzen, ihre Enttäuschung, ihre gelegentlich aufkommende Wut und ihre Furcht um schwindende Eigenständigkeit absolut verstehen kann.

„Ich vermisse die uneingeschränkte Freiheit. Manchmal glaubt man, unbedingt einen Liter Cola trinken zu müssen. Es geht dabei nicht um den ganzen Liter, weit weniger würde reichen. Doch will man die Möglichkeit haben. Bedingungslos. Das Gefühl, keine Grenzen zu haben. Phosphat ist Gift für meinen Körper. Cola hat viel zu viel Phosphat. Das erste, was ich nach der Operation tun werde (…) ? Mir am Automaten eine Cola kaufen.

Zitat, Seite 149/150

Doch trotz des an sich traurigen Themas gelingt Hertzog die Geschichte mit einer wunderbaren Leichtigkeit zu versehen. Nahezu leichtfüßig bewegt sie sich durch ihren Roman, zeigt, dass sie über all die Zeit ihren Humor und ihren Lebenswillen beibehalten hat und ihre Krankheit manchmal sogar auf die Schippe nahm. Hertzogs Art und Weise auf die Welt zu blicken, uns zu verdeutlichen, wie selbstverständlich wir Dinge oft nehmen, die alles andere als selbstverständlich sind, dass es die kleinen und nicht die großen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen – all das hat mich wirklich unglaublich berührt.

Es ist schon faszinierend, wie anders einem das Leben plötzlich begegnet, obwohl es eigentlich immer noch das gleich ist. Und doch irgendwie nicht.

„Wir neigen dazu, Dinge aufheben zu wollen für eine Zeit, die möglicherweise niemals kommt. Die Vorstellungskraft ist am größten, wenn ein Schritt noch nicht getan wurde. Denn genau dann ist noch alles möglich.“ 

Zitat, Seite 121

#diesertageinleben 2: Das stärkste Mädchen der Welt

Wie alles begann

„Pippi ist ein Einfall, keine von Anfang an durchdachte Figur. Freilich war sie von Anfang an bereits ein kleiner Superman – stark, reich und unabhängig.“

Astrid Lindgren in einem Interview des Svenska Dagbladet, 24. Dezember 1967

Ich möchte heute, in der Woche ihres 75. Geburtstags, mit Lindgren’s Figur „Pippi Langstrumpf“ beginnen. Denn wenn man es genau nimmt, haben wir Pippi all die vielen Geschichten von Astrid Lindgren zu verdanken, die es nach ihr zur Veröffentlichung schafften. Sie hat quasi den Grundstein für Lindgrens Karriere als Kinderbuchautorin gelegt. Vielleicht war es es aber auch der Verdienst von Bibliothekarin Elsa Olenius, die sich damals dafür eingesetzt hat, dass es das stärkste Mädchen der Welt überhaupt in den Buchhandel geschafft hat. Denn die Geschichte, die Lindgren im Frühjahr 1941 für ihre an Lungenentzündung erkrankte Tochter Karin erfand und 1944 niederschrieb, als sie wegen eines verstauchten Knöchels bettlägerig war, musste erst einige Hürden überwinden, bevor sie endlich die Kinderzimmer außerhalb der Lindgren-Familie stürmen konnte.

Wusstest du es?

Der Name Pippi Langstrumpf war ein spontaner Einfall von Lindgrens Tochter Astrid

Elsa Olenius, die 1944 in der Jury eines Schreibwettbewerbs von Rabén & Sjögren saß, an dem Lindgren mit ihrer Geschichte „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“ teilgenommen und den zweiten Preis gewonnen hatte, und zudem als Lektorin beim Verlag arbeitete, war sicher die Erste, die das Potential der Pippi-Geschichten erkannte. Deshalb sorgte sie auch dafür, dass Lindgren im darauffolgenden Jahr mit ihrem überarbeiteten Pippi-Manuskript den ersten Preis beim Schreibwettbewerb desselben Verlages einheimste. Dass die Geschichte der frechen Seemannstochter dann aber auch gedruckt wurde, haben wir sicherlich Olenius‘ unermüdlichen Einsatz zu verdanken. Ein Jahr zuvor hatte Lindgren ihr Manuskript noch hoffnungsvoll an den großen Bonnier Verlag geschickt und nach langer Wartezeit eine Ablehnung erhalten. Es hieß, der Verlag habe sein Kinderbuchprogramm für die nächsten zwei Jahre bereits finalisiert, in Wahrheit empfand der Verleger Gerard Bonnier, selbst Vater von kleinen Kindern, die Geschichte der selbstbewussten Pippi einfach zu anspruchsvoll.

1945 durfte Pippi dann endlich unter dem Dach von Rabén & Sjögren die Welt erobern und schaffte es 1949 auch nach Deutschland. Die Geschichte, die wir unter dem Titel „Pippi Langstrumpf“ kennen, weicht allerdings von den elf Kapiteln der Ur-Pippi, die Lindgren ihrer Tochter zum zehnten Geburtstag schenkte, ab. Im Original war Pippi noch viel frecher und verrückter als wir sie heute kennen. Hättest du das für möglich gehalten? Das Original-Manuskript von Pippi Langstrumpf erschien 2007 anlässlich des 100. Geburtstages von Astrid Lindgren unter dem Titel „Ur-Pippi“.

Wusstest du es?

Da Lindgren die Geschichte als Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter Karin niederschrieb, hat Pippi Langstrumpf am exakt gleichen Tag wie Karin Geburtstag, am 21. Mai.

Das Pippi-Fieber bricht aus

Zur Veröffentlichung von „Pippi Langstrumpf“ ist in Schweden ein regelrechtes Pippi-Fieber ausgebrochen, das seinen Höhepunkt 1949 im Park Humlegården zum „Tag des Kindes“ fand. Zehntausende von Eltern und Kindern stürmten an diesem Tag den Park, in dem eine Art Pippi-Themenpark aufgebaut war. Alle wollten Pippi, ihren kleinen Affen Herrn Nilsson und ihr Pferd vor der Villa Kunterbunt sehen. Es kam dabei zu tumultartigen Szenen:

„Kinder und Eltern drängten sich um die große Villa-Kunterbunt-Bühne in der Mitte des Parks, um eine Runde auf Pippis Pferd zu reiten, am Wettbewerb um die beste Pippi-Verkleidung teilzunehmen oder um einige der glitzernden Goldmünzen zu erwischen, die laut Programm zwei Mal am Tag vom Himmel „regnen“ sollten. Die Schlange zum Miniaturzug „Pippi-Express“, der durch Humlegården tuckerte, war kilometerlang, und die Bahn hatte so prominente Passagiere wie Carl Gustaf, den „Kleinen Prinzen“ von Schweden, und seine ältere Schwester Christina an Bord.“

Auszug aus Jens Andersens Biografie „Astrid Lindgren – Ihr Leben“

Die Einflüsse des Krieges

Als ich die Geschichte von Pippi Langstrumpf als Jugendliche kennen und lieben gelernt hatte, spielte die Zeit ihres Entstehens natürlich keine wirkliche Rolle für mich. Der kecke Rotschopf gefiel mir auf Anhieb, diente mir bei meiner persönlichen Entwicklung als großes Vorbild. Ich wollte genauso frech, mutig und selbstbewusst sein wie sie und trieb mitunter zu Fasching als Pippi mein Unwesen.

Heute bin ich um einige Informationen reicher, weiß, dass Pippi in einer der schlimmsten Phasen des Zweiten Weltkriegs und damit in einer sehr menschenverachtenden und emotional abgestumpften Zeit entstanden ist. Der Krieg hinterließ bei vielen seine Spuren, auch bei Lindgren. Ihre Abscheu vor Gewalt und Totalitarismus ist im Wesen ihrer Pippi gut zu erkennen. In Astrid Lindgrens Kriegstagebüchern von 1939 – 1945, die unter dem Titel „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ sind, wird außerdem deutlich, dass nicht nur der Krieg selbst, sondern auch einzelne Personen (wie z.B. Hitler, Stalin und Mussolini) für manche Pippi-Geschichten von Bedeutung waren.

Lindgrens Haltung zu Hitler, die eine Mischung aus Abscheu und Faszination war, mündete sogar in einer Art Hitler-Satire. Im Kapitel „Pippi im Zirkus“ wird Hitler zu einem cholerischen Zirkusdirektor in schwarzem Frack und Peitsche, der sich einigen Kraftproben mit dem frechen Rotschopf stellen musste. Pippi, die anfangs noch im Publikum sitzt, und später auf den Rücken eines der Pferde in der Manage springt, tanzt dem energischen Zirkusdirektor derart auf der Nase herum, dass seine diktatorische Ordnung in der Manege irgendwann völlig im Chaos versinkt.

Wenn es im wahren Leben doch auch so eine mutige Pippi gegeben hätte!

Die Rechte der Kinder

Entgegen vieler Vermutungen zielte Astrid Lindgren mit ihrem starken Mädchen wohl nicht in eine spezielle pädagogische Richtung ab, sondern erweckte Pippi vielmehr als Antwort auf die Brutalität und Bosheit des Krieges zum Leben. Sie versah ihr Heldin mit all den Charaktereigenschaften, die zu der Zeit sehr rar waren. Sie ließ sie stets gut gelaunt, gütig, großzügig, furcht- und vorbehaltslos werden. Aber eben auch verrückt, laut und ungezogen. Pippis Kraft war und ist ungeheuerlich! Das wurde nicht nur anhand ihrer Stärke (mit der sie mal eben ihr Pferd hochhebt), sondern auch ihres Charakters deutlich. Darum lieben sie Kinder wohl auch damals wie heute. Sie macht sich die Welt einfach „widde widde wie sie ihr gefällt“; schert sich nicht, was die Erwachsenen von ihr denken, und fordert vehement ihre Rechte als Kind ein. Auch stellvertretend für die anderen Kinder.

Wusstest du es?

Astrid Lindgren hat sich zeitlebens für die Rechte der Kinder eingesetzt und wurde 1978 als erste Kinderbuchautorin für ihr Engagement mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Mancherorts behauptete man ja, dass die unkonventionelle Pippi nur so legendär geworden wäre, weil sie während der Zeit der Kindererziehungsdebatten in Schweden zu ihrer Veröffentlichung fand. Überall ist Lindgren mit ihrem starken Mädchen angeeckt und hat für mächtig Schlagzeilen gesorgt. „Pippi Langstrumpf“ hat eine heftige Lawine an Diskussionen über Kindererziehung in Gang gesetzt. Denn Pippis Verhalten duldete man bei den eigenen Kindern nicht. Viele Erwachsene befürchteten, dass der freche Rotschopf, der seinen ganz eigenen Regeln folgte, ein schlechtes Beispiel für die Kinder sei. Auf lange Sicht haben sich diese Befürchtungen aber nicht bewahrheitet. Die Geschichten von Pippi dienten und dienen noch heute den Kindern als Zufluchtsort; ein Ort, an dem alles möglich ist. Astrid Lindgren gab den Kindern Pippi zur Freundin.

„Freie und unautoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selber überlässt, dass sie tun und lassen dürfen, was sie wollen. Es bedeutet nicht, dass sie ohne Normen aufwachsen sollen, was sie selber übrigens gar nicht wünschen. Verhaltensnormen brauchen wir alle, Kinder und Erwachsene, und durch das Beispiel ihrer Eltern lernen die Kinder mehr als durch irgendwelche anderen Methoden.“

Astrid Lindgren in ihrer Dankesrede 1978, die unter dem Titel „Niemals Gewalt“ erschienen ist 

Vom Buch zum Film

1969 wurde Pippi Langstrumpf erstmals mit Inger Nilsson in der Hauptrolle verfilmt. Insgesamt sind vier Spielfilme und eine 21-teilige Fernseh-Serie entstanden. Allerdings unterscheiden sich die Filme von den Büchern, selbst wenn Astrid Lindgren dafür die Drehbücher geschrieben hat. Denn natürlich kam es zu einigen Anpassungen für die Filme.

So trägt Pippi ihren 4.Vornamen „Schokominza“ beispielsweise nur nur in den Filmen, während im Buch an dieser Stelle „Pfefferminz“ steht. In den Büchern stellt sich Pippi das erste Mal im Kapitel „Pippi geht in die Schule“ mit ihrem vollständigen Namen vor, als sie von der netten Lehrerin danach gefragt wird.

„Ich heiße Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, Tochter von Kapitän Efraim Langstrumpf, früher Schrecken der Meere, jetzt Negerkönig. Pippi  ist eigentlich nur mein Kosename, denn Papa meinte. Pippilotta wäre zu lang.“

Was wir von Pippi lernen können

Im Internet stößt man auf eine ganze Reihe an scheinbaren Pippi-Zitaten, die über die Jahre einen gewissen Bekanntheitsgrad erfahren haben. Oft handelt es sich jedoch um Zitate, die ich weder den Pippi-Büchern noch den -Filmen zuordnen kann. Nachfolgend möchte ich euch ein paar meiner ganz persönlichen Lieblings-Pippi-Zitate verraten, die in der Pippi-Gesamtausgabe  von 1978 zu finden sind.

In vielen Aussagen von Pippi steckt sehr viel Wahrheit, auch wenn die Formulierung natürlich die eines Kindes ist. Sie verdeutlichen wunderbar Pippis starken Charakter. Denn Pippi ist nicht nur frech, ungezogen und mutig, sondern auch sehr schlau und gewitzt. Sie spricht oft das aus, was andere denken. Und deshalb dient Pippi nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen gewissermaßen als Vorbild. Man muss die Botschaft der Aussagen nur richtig verstehen.

„Warum bist du rückwärts gegangen?“ „Warum ich rückwärts gegangen bin?“ sagte Pippi. „Leben wir etwa nicht in einem freien Land? Darf man nicht gehen, wie man möchte?“

Pippi zieht in die Villa Kunterbunt ein, Seite 15

„Am besten, ihr geht jetzt nach Hause“, sagte Pippi, „damit ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade.“

Pippi zieht in die Villa Kunterbunt ein, Seite 20

„Ich hab schon einen Platz im Kinderheim“, sagte Pippi. (…) „Ich bin ein Kind. Und das ist mein Heim, also ist es ein Kinderheim.“

Pippi spielt Fangen mit Polizisten, Seite 36

„Liebe Kinder, ihr sollt ja auch eure Geburtstagsgeschenke haben“, sagte sie. „Ja, aber – wir haben doch gar nicht Geburtstag“, sagten Thomas und Annika. Pippi sah sie erstaunt an. „Nein, aber ich hab Geburtstag, und da kann ich euch ja wohl auch Geschenke machen! Oder steht irgendwo in den Schulbüchern, dass man das nicht kann?“

Pippi feiert Geburtstag, Seite 135

„Annika“, rief Pippi streng, „was machst du da? Merk dir, dass Eine-Wirklich-Feine-Dame sich nur in der Nase bohrt, wenn sie allein ist!“

Pippi macht einen Schulausflug mit, Seite 197

„Annika fragte: „Dürfen wir mit den Fingern essen?“ „Meinetwegen gern“, sagte Pippi. „Aber ich halt mich an den alten Trick, mit dem Mund zu essen.“

Pippi erleidet Schiffbruch, Seite 236/237

„Ach was“, sagte Pippi. „Wenn das Herz nur warm ist und schlägt, wie es schlagen soll, dann friert man nicht.“

Pippi verlässt die Taka-Tuka-Insel, Seite 379

„Erbsen!“ sagte Thomas erstaunt. „Glaubst du, was?“ sagte Pippi. „Das sind keine Erbsen. Das sind Krummeluspillen. Ich hab sie vor langer Zeit in Rio von einem alten Indianerhäuptling gekriegt, als ich gerade mal sagte, dass mir nicht so viel daran läge, groß zu werden. (…) Man muss sie im Dunkeln nehmen, und dazu muss man sagen: „Liebe kleine Krummelus, niemals will ich werden gruß.“

Pippi Langstrumpf will nicht groß werden, Seite 386

„Was in aller Welt ist mit euch los?“, fragte Pippi gereizt. „Ich will euch nur sagen, dass es gefährlich ist, zu lange zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht.“

Pippi geht an Bord

Quellen

„Astrid Lindgren – Ihr Leben“ – Jens Andersen (DVA, 2014)

„Die Menschheit hat den Verstand verloren – Astrid Lindgren“ (Tagebücher 1939-1945, Ullstein, 2015)

Pippi Langstrumpf – Astrid Lindgren (Gesamtwerk, Oetinger, 1978)

„Niemals Gewalt“(Astrid Lindgrens Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, 1978)

efraimstochter.de (Pippi Langstrumpf Fanseite)

Aus dem Leben einer Mutter + Giveaway

Gedanken und Impressionen zu

„Mama“ von Quentin Gréban & Hélène Delforge

Mama

Substantiv, [die]

Eine Frau, die immer das Beste in ihren Kindern sieht, selbst wenn diese sie ihn den Wahnsinn treiben

Synonym: Alltagsheldin, beste Freundin, Mami

Mama: Wenn ein Wort für Leben steht

Heute ist Muttertag. Der perfekte Zeitpunkt, um unseren Müttern zu danken. Für all die Zuwendung, die sie uns im Laufe unseres Lebens geschenkt; für all die schlaflosen Nächte, die sie für uns auf sich genommen; für all den Kummer, den sie für uns ertragen und für all den Glauben, den sie in uns gesetzt haben. Dafür, dass sie immer für uns da waren und es bis heute sind.

Zugegeben, seit ich selbst Mama bin, rückt mir die Komplexität und Bedeutung einer Mutter für ihr Kind immer mehr ins Bewusstsein. Ich bin lange Zeit davon ausgegangen, eine geborene Mama zu sein. Bis ich zu einer Mutter wurde und mir eingestehen musste, dass die Rolle weitaus anspruchsvoller ist, als ich gedacht hätte. Dass ich nicht als Mama geboren wurde, sondern vielmehr hineinwachsen muss; mich erst auf dem Weg dorthin befinde, eine zu werden. Eine, wie ich sie für meine Tochter sein möchte. Eine, die ihr Kind völlig übermüdet und schlaftrunken in die Arme schließt, den zehnten Tobanfall am Tag milde über sich ergehen und alle Fünfe mal grade sein lässt. Eine, die den schmalen Grat zwischen Mutter und Frau meistert; sich selbst nicht so wichtig nimmt, neben der Mama aber auch noch weiterhin existiert. Als Frau. Als Partnerin. Als eigenständige Person.

Ich habe Kinder schon immer geliebt, mich in ihrer Nähe stets wohlgefühlt. Doch zwischen der Funktion als Patentante bzw. Babysitterin und der als Mama besteht ein großer Unterschied. Das muss nun auch ich einsehen. Die Mutterschaft ist nicht zeitlich begrenzt. Sie beginnt mit der Geburt des Kindes und begleitet uns von da an täglich bis zu unserem Tod. Sie ist ein Fulltime-Job. Bedingungslose Liebe 24/7. Und so musste auch ich in den ersten eineinhalb Jahren meine ersten Schritte als Mama gehen; an persönliche Grenzen stoßen, Eingeständnisse machen, Erfahrungen sammeln und Dinge erlernen; um zukünftig als Mutter zu funktionieren. Die Entwicklung steckt noch immer in den Kinderschuhen, ist quasi ein Lebensprojekt.

Wie wir an Kindern wachsen

Sicher war mir bewusst, dass Babys weinen. Dass es am Anfang überhaupt ihre einzige Möglichkeit ist, um auf sich aufmerksam zu machen. Weinen ist ihr Weg ihre Bedürfnisse auszudrücken, ihren Kummer für uns spürbar werden zu lassen. Nie hätte ich gedacht, wie sehr mich so ein anhaltendes Weinen, das in Schreien übergehen kann, mitnimmt. Wie es mir in Mark und Bein übergeht. Wie es mich fordert. Es hat mich in der Anfangszeit schier in den Wahnsinn getrieben, ständig abrufbar sein und meine Bedürfnisse komplett zurückstecken zu müssen. Oft war ich verzweifelt, nahezu hilflos und brach in Tränen aus, manchmal wurde ich auch richtig wütend. Auf mich selbst, auf die Situation, auf meine Tochter. Macht mich das zu einer schlechten Mama? Oft ist mein Scheitern in dieser Frage gemündet.

Emma ist nun eineinhalb Jahre alt. Sie läuft mittlerweile recht zügig, spricht ihre ersten Wörter und macht mir immer mehr verständlich was sie möchte. Sie ist ein Sonnenschein und im nächsten Moment ein Teufelchen. Sie wächst in einem rasenden Tempo, entwickelt sich von Tag zu Tag mehr zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Die erste Bewährungsprobe als Mama liegt hinter mir, die nächste steht unmittelbar bevor. Ich bin nicht perfekt, übe mich aber jeden Tag ein bisschen mehr in Geduld, in Ruhe und Gelassenheit. Tugenden, die mir sicher nicht in die Wiege gelegt wurden. Oft gelingt es mir nicht, meine eigenen Erwartungen zu erfüllen. Dann frage ich mich, ob ich sie zu hoch gesteckt habe, ob es nur mir so geht oder irgendwie jede Mama eine derartige Entwicklung durchmacht. Manchmal aber werde ich meinen Erwartungen gerecht. Und dann gehe ich völlig als Mutter auf. Dann ist es die große Liebe!

Kinder bringen Seiten in uns zum Vorschein, die wir bis dato nicht an uns kannten. Sie erfordern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bringen uns damit oft an persönliche Grenzen, lassen uns aber zeitgleich an den Herausforderungen wachsen. Sie schenken uns die Möglichkeit, die Welt aus ihren Augen zu betrachten und in klitzekleinen Dingen das Schöne zu sehen. Uns an der Welt zu erfreuen. Sie lassen uns mit gutem Beispiel vorangehen, ihnen ein Vorbild sein, gleichzeitig aber selbst wieder zum Kind werden. Albern sein. Unsinnige Dinge machen. All die Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe, die wir in unsere Kinder säen, werden irgendwann in einer Persönlichkeit fruchten, der wir mit Stolz in die Augen blicken und sagen können: „Du bist mein Kind.“

„Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.“

Astrid Lindgren

Emma – Ein Potpourri aus Momentaufnahmen

Momente des Glücks:

  • dein erstes richtiges Lächeln (das nicht aus Reflex entsteht)
  • wie du das erste Mal „Mama“ zu mir sagst
  • deine ersten holprigen Schritte, barfuss über unseren Rasen
  • wie du dich in meine Arme wirfst
  • dein engelsgleicher Gesichtsausdruck beim Schlafen
  • deine Hand in meiner
  • wie du voller Herzen lachst

Momente des Haderns:

  • wie ich nachts zum Bett tapse, um zu schauen, ob du noch atmest
  • wie ich ins Nebenzimmer flüchte, weil ich dein Schreien nicht mehr ertrage
  • der schmale Grat zwischen Entzückung und Bedrängnis, als du mit deinen Händen auf meinem Dekolletee herumknetest
  • als meine Hände durch das viele Tragen eingeschlafen sind
  • wie dein Einschlafritual sich in Blutergüssen und Kratzspuren bemerkbar macht
  • wie du dich zu Boden wirfst, so schwer wirst, dass ich dich nicht mehr halten kann

 

Momente des Stolzes:

  • wie du dich das erste Mal vom Rücken auf den Bauch rollst
  • wie du dein Knusper mit anderen Kindern teilst
  • wie du das erste Mal alleine schaukelst
  • wie du deine Umgebung aufmerksam studierst
  • wie du für eine halbe Stunde in deine Bücher versinkst
  • als du genau weißt, wovon ich spreche

Wenn ein Buch das Leben einfängt

„Kleine Momentaufnahmen, überbelichtet, unscharf, verwackelt. Echt. Unendlich kostbar. Hier, hier versteckst du dich, hier finde ich dich wieder, mein Sohn.“

Zitat aus dem Buch

Ob es ein Buch gibt, dass all meine Gedanken widerspiegelt und für das Leben einer Mutter steht. Ja, das gibt es. Es heißt „Mama“.

Es gibt sie, Bilder, die dich so sehr berühren, dass du dich nicht von ihnen abwenden kannst. Sie fesseln dich, versetzen dich in Aufruhr, bringen dich zum Lachen oder auch zum Weinen. Sie lassen dich gedanklich zurückreisen. Zu Momenten aus deinem eigenen Leben und plötzlich schäumen sie wieder hoch, die Gefühle vergangener Tage. Sie sind wieder so präsent, als hättest du sie erst gestern verspürt. In „Mama“ gibt es Bilder dieser Art reichlich. Es sind Momentaufnahmen aus dem Leben einer Mutter. Gleichzeitig wohnen dem Buch aber auch Zeilen inne, die für Verzweiflung, Hilflosigkeit aber auch ganz viel Liebe und im perfekten Einklang zu den Bildern stehen. Durch das harmonische Zusammenspiel von Quentin Grébans zauberhaften Bildern und Hélène Delforges berührenden Zeilen wurden in diesem Buch die unterschiedlichsten Momentaufnahmen aus dem Leben einer Mutter eingefangen. Während ich einige dieser Momente bereits selbst erleben durfte, liegen einige noch vor mir. Manche wiederum sind nur für gewisse Menschen, gewissen Lebensumständen bestimmt. Jeder wird hier seine ganz eigenen persönlichen Momentaufnahmen wiederfinden.

„Mama“ ist kein Bilderbuch im klassischen Sinne. Es ist genaugenommen ein Buch für alle Mütter dieser Erde. Für Mütter unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe. Es ist eine Hommage an das Muttersein. Und so authentisch und ungeschönt, dass es dich mitten ins Herz trifft.

Ein Penny für deine Gedanken – Ein Giveaway für deine Momentaufnahme

Wenn ich in den ersten eineinhalb Jahren als Mama etwas gelernt habe, dann dass man seinen ganz individuellen Weg gehen und seine eigenen Entscheidungen treffen muss. Dass es kein richtig und kein falsch gibt, wenn man zum Wohle des Kindes handelt. Egal was die anderen denken. Egal, welche Ratschläge dich von vielen Seiten erreichen. Die Ernte aus deiner Saat wird eines Tages erfolgen.

Dennoch dienen mir die Erfahrungen anderer oft als Inspirationsquelle, können zu einem Wegweiser auf meinem Weg durch das Leben werden. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn du mir eine Momentaufnahme aus deinem Leben als Mama mit auf den Weg gibst. Ganz gleich ob positiver oder negativer Natur. Verrate mir bis Sonntag, den 19. Mai 2019 um 23:59 Uhr deine persönliche Geschichte in Form eines Kommentars und springe damit in den Lostopf für ein Exemplar des Buchs.

Viel Glück!

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von arsEdition für die Verlosung zur Verfügung gestellt. Mein eigenes Exemplar ist selbst gekauft.]

Kinderfreuden #31: Frühling, Frühling, wird es nun bald!

„Hopp! Hopp! Aufgewacht, die Sonne lacht!“ – Linda Ashman, Chuck Groenink

„Hopp! Hopp“, ruft Till. „Schnell aufgewacht, der Frühling kommt, die Sonne lacht.“

Nach einem langen Winterschlaf scheucht Till die gesamte Rasselbande aus dem Bett. Nur mühsam lassen sich seine tierischen Bettgenossen davon überzeugen, aus dem warmen Bett zu klettern um ihm bei den Vorbereitungen eines ganz besonderen Festes zu unterstützen. Denn es hat sich ein gefiederter Frühlingsbote angekündigt, der gebührend empfangen werden will. Gemeinsam gehen die Vorbereitungen einfacher von der Hand und so helfen alle Freunde mit, nur der kleine Waschbär kommt einfach nicht aus den Federn. Ob der Duft von frischgebackenem Kuchen ihn aus dem Bett locken kann?

Eckdaten

Pappbuch, ab 3 Jahren

35 Seiten
25 x 27,50 cm
ISBN: 978-3-8458-3042-1

Text: Linda Ashman
Illustration: Chuck Groenink

Verlag arsEdition

12,99 €

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Blickwinkel aus großen Augen

Nachdem der kleine Junge Till im vorangegangenen Werk „Klopf! Klopf! Komm herein, keiner bleibt heut Nacht allein!“ ein Tier nach dem anderen in seinem Bett empfangen hat, um sie vor der kalten Winternacht zu retten, scheucht er nun in „Hopp! Hopp! Aufgewacht, die Sonne lacht!“ einen nach dem anderen aus dem Bett, um den Frühling zu begrüßen, der sich in Form eines gefiederten Gastes angekündigt hat.

Vorgänger „Klopf! Klopf“ Komm herein, keiner bleibt heut Nacht allein!“

Ich finde bei den Werken von Linda Ashman und Chuck Groenink nicht nur die Wortspiele im Titel wirklich gelungen, sondern auch dass sich beide Werke im wechselnden und für eine Geschichte einheitlichen Farbschema präsentieren. Während der Vorgänger im dunklen Blau daherkam und symbolisch für die kalte Winternacht stand, begegnet uns das neue Werk nun in sanftem Frühlingsgelb. Schön wäre es sicher, wenn das Wetter sich gerade so strahlend präsentieren würde, wie im vorliegenden Buch. Nachdem hier für ein paar Tage bestes Wetter geherrscht hat, das sich schon mehr nach Sommer als nach Frühling anfühlte, ist ist es nun wieder kalt und verregnet draußen. Das Pappbuch hat uns daher genau zum richtigen Zeitpunkt erreicht, denn es ist der ideale Stimmungsaufheller!

Die Geschichte, die in perfektem Einklang von Groeninks liebevollen und großformatigen Illustrationen und Ashmans Text in melodischer Reimform steht, ist nicht nur herzerwärmend sondern auch lehrreich. Denn während der Junge die Tiere in der kalten Winternacht bei sich in der warmen Stube aufgenommen hat, bekommen sie nun die Gelegenheit sich bei Till zu revanchieren. Der gefiederte Gast soll schließlich gebührend empfangen werden. Und so scheucht Till ein Tier nach dem anderen aus dem kuscheligen Bett, damit sie ihn bei den Vorbereitungen des Frühlingsfestes unterstützen. Gut, der Waschbär kommt irgendwie nicht aus den Puschen, aber irgendeiner trödelt ja immer!

Und so wird hier nicht nur eine Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt erzählt, sondern auch von Nachsicht. Denn dass der Waschbär sich bis zum Schluss vor der Mithilfe drückt, sorgt bei den restlichen Tieren natürlich nicht für Begeisterung. Erst sein Einsatz für die Vogelnester im Wald, kann sie friedlich stimmen. Schließlich sollte jeder seinen Teil am Frühlingsfest beitragen, bevor er sich ein Stück vom Kuchen gönnt.

In der Position des Waschbären werden sich sicher einige Kinder auf Anhieb wiederfinden. Denn getrödelt wird bei den Kleinen ja schon mal ganz gerne. Hier erfahren die kleinen Entdecker nicht nur, welche Konsequenzen das haben kann, sondern auch was Freundschaft und Zusammenhalt ausmacht. Zusammen gehen die Dinge eben viel leichter von der Hand und einem Freund kann man doch schließlich nicht im Stich lassen!

Besonders schön anzuschauen finde ich das letzte Bild im Buch (s.u.), auf dem man den Waschbären tatsächlich dabei beobachten kann, wie er im Baumwipfel ein Vogelnest platziert, während es sich die anderen Tiere bereits mit Till auf der Picknickdecke gemütlich gemacht haben. Hier kommt mir sofort „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ in den Sinn. Kann sein, dass ich den Satz als Kind häufiger gehört habe, als mir lieb war.

„Hopp“ Hopp“ Aufgewacht, die Sonne lacht!“ ist ein wunderbares Pappbuch für kleine Tierfreunde. Dank der großen Bilder (die sehr stimmig und nicht überladen wirken) und den Reimen, die schnell ins Ohr gehen und im Kopf bleiben, lädt es bereits weitaus jüngere Kinder zur Entdeckungsreise ein. Emma hat die Geschichte bereits liebgewonnen, auch wenn sie sich oft nicht zwischen all ihren Büchern entscheiden kann. Die dünnen Pappseiten sind von kleinen Kinderhänden nicht nur leicht umzublättern, sondern haben aufgrund ihrer abgerundeten Ecken auch eine längere Lebensdauer (weil sie weniger ausfranzen). Die Bedeutung der vermittelten Werte, ist aber sicherlich erst für Kinder im Kindergartenalter vollends zu begreifen.

„Hallo, Freunde! Hallo Sonne! Hallo, Frühling, welche Wonne!“

Man bemerke den Waschbären links oben im Bild

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Gefällt dir das Buch?

Ja

Wo steht das Buch bei dir?

Mal bei den Gute-Nacht-Geschichten, mal beim Rest im Wohnzimmer

Lieblingsstelle im Buch?

Als der Kuchen fertig auf dem Tisch steht (ich zitiere „Mhhmmm!“), als der gefiederte Frühlingsbote ankommt

 

Worum geht es im Buch?

Um ein ganz besonderes Fest, dass zusammen alles viel einfacher geht

Worauf macht das Buch Lust?

Auf kitzelnde Frühlingssonnenstrahlen auf der Nase

Schlüpft in die Rolle von:

Einer fleißigen Helferin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von arsEdition als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Es grünt so grün, wenn Omas Pflänzchen blühn

„Großmutters Haus – Thomas Sautner“

„Ich neige zum Bild des Buches als Lebensvergleich, eines, vom dem die Leser annehmen, es sei zu Ende, doch dann entdecken sie, hoppla, das waren nur die ersten Zeilen einer sich jäh auftuenden unendlichen Geschichte.“

Zitat, Seite 247

Malina glaubt ihren Augen nicht, als ihr der Postbote ein prall gefülltes Päckchen voller Geldscheine von ihrer totgeglaubten Großmutter überreicht. Kurzerhand nimmt sie sich Urlaub und plant die Oma in der Heimat aufzusuchen. Und auf was Malina da tief im Wald stößt, hat es wirklich in sich. Denn ihre unkonventionelle Großmutter ist nicht nur top in Schuss, lebensfroh und mega lässig, sondern auch eine Dealerin wie sie im Buche steht!

Das illegale Treiben von Oma Kristyna scheint im Dorf niemanden zu stören. Schließlich sind die Polizeichefs und der Bürgermeister höchstpersönlich Abnehmer der heißen Ware. Dass Großmutters Able, Sputnik und Godfather fünftausend wilde Kräutermischungen in sich bergen, die zu Bewusstsein- und Persönlichkeitsveränderungen führen können, scheint Kristyna nicht zu jucken. Ist schließlich alles eine Sache der richtigen Dosierung!

Und so vertickt sie ihre Selbstgedrehten nicht nur am laufenden Band, sondern gönnt sie sich auch noch selbst. Man muss ja schließlich wissen, was man an den Mann bringt! Auch Malina scheint nach anfänglicher Skepsis Gefallen an den Joints zu finden. Schließlich ist die junge Frau auf der Suche nach sich selbst und die besagten Kräuter tun dabei ihr Übliches!

„Deine Omi, das ist die heißeste Missionarin auf Gottes Erdenrund. Zudröhnen kann man sich mit allem Möglichen, aber mit ihren Dingern öffnet sie das Herz und den Geist und die Augen und die Ohren der Menschen.“

Zitat, Seite 221

Welch wahnwitzige Geschichte in „Großmutters Haus“ steckt, muss ich euch nun sicher nicht mehr erzählen. Zwischen den Zeilen wabert ordentlich Qualm! Thomas Sautner sorgt für einen wirklich abgefahrenen Lesetrip. Seine Figuren könnten nicht skuriller sein. Allen voran Malinas Großmutter, aber auch sämtliche ihrer Kundschaft scheinen Bizarrheit für sich gepachtet zu haben. Das sorgt natürlich für ordentlich Lesespaß. Doch die Geschichte befasst sich nicht ausschließlich mit Omas illegalem Gewerbe, sondern auch mit einer Reihe an existentiellen und spirituellen Fragen. Wer bin ich? Wo will ich hin? Was ist der Sinn des Lebens? Sautner lässt seine Protagonistin Malina sogar das Tor zum Universum öffnen, um sich selbst zu finden.

„Du glaubst vielleicht, Bücher verändern die Welt, und das ist ja auch ein herziger Gedanke, aber in Wirklichkeit verändert nur eines die Welt: Egoismus.“

Zitat, Seite 222

Insgesamt scheint Sautners Roman überhaupt viel komplexer zu sein, als ich anfangs vermutet hatte. Was mir am Sautners Stil sehr gefällt, ist, dass er die Fragen, die sich Malina stellt, zumeist offen, den Leser selbst entscheiden lässt, wie er zum Leben steht. Sicherlich, so ein paar lässige Sprüche lässt Kristyna-Oma freilich vom Stapel, aber alles in allem fordert sie ihre Enkelin auf, selbst Antworten auf ihre vielen Fragen zu finden., die Malina mitgebracht zu haben scheint.

Nebenbei würzt Sautner seine Geschichte noch mit einer Prise Verliebtheit, verleiht ihr damit einen Hauch von Romantik, ohne sie aber in unnötigen Kitsch abtriften zu lassen. Seine Zeilen lesen sich fluffig weg, begegnen dem Leser oft sehr poetisch, teilweise sogar spirituell. An Lieblingstextstellen mangelt es dem Buch nicht. Vor allem Buchliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Wie berauscht taumle ich aus der Geschichte. Selbst passiven Rauchern weht gehörig Stoff um die Nase!

„Schon als Kind war es so, Höhe und Halt suchte ich in Büchern. (…) Zwischen Buchdeckeln war die Welt weiter. Der Zauber begann zumeist unmittelbar nach dem Eintritt. Ideen fluteten mich und ich ging mir verloren in ihnen. Sah überrascht auf, entdeckte mich verwandelt wieder. Keine gänzlich andere als gerade eben war ich, aber eine größere, reichere.“

Zitat, Seite 10/11

Instagrampoesie

„Love. Her. Wild. – Atticus“

„Worte verwunden mehr Herzen als Waffen.“

Zitat, Seite 67

„LOVE. HER. WILD.“ ist ein Lyrikband von äußerlicher wie innerlicher Strahlkraft. Denn was sich hinter dem atemberaubenden Cover verbirgt, ist eine wunderbare Auswahl von Gedanken über die kleinen und großen Augenblicke des Lebens. Es sind Momentaufnahmen, die der kanadische Instagram-Poet Atticus eingefangen und auf seinem Instagram-Kanal @Atticuspoetry veröffentlicht hat. Während er seine Gedanken im Original teilt, hat es nun eine kleine aber feine Auswahl seiner Zeilen ins Deutsche geschafft.

Den drei Worten Love, Her und Wild begegnet man nicht nur im Titel, sondern auch im Inneren des Buches wieder. Sie dienen ihm als Gliederung. Und so kann der Leser unter dem Titel LOVE eine Reihe an Gedanken über die Liebe in all ihren Facetten, unter HER eine Reihe an Zeilen um eine anonyme „Sie“ und unter WILD ein Fülle an Augenblicken um das Leben selbst erobern. Mit dabei ist der wohlige Schauer einer ersten Berührung, der Zauber von Poesie, die Bizarrheit von Liebe, die ungeheure Kraft von Worten oder auch der Schmerz von Einsamkeit. Atticus bringt sowohl tiefschürfende Gedanken als auch flüchtige Empfindungen zu Papier. Seine eindringlichen Worte voller Romantik, ehrlicher Verwundbarkeit aber auch voller schmerzender Intensität gehen tief unter die Haut und direkt ins Herz. So wird die Reise durch das Buch zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle.

„Der schwerste Schritt, den wir alle gehen müssen, ist, blind zu vertrauen in das, was wir sind.“

Zitat, Seite 181

Jede Momentaufnahme ist auf schwarzem oder weißem Hintergrund gebettet, nimmt oft sogar eine ganze Doppelseite für sich ein. Das schenkt dem Buch unglaublich viel Präsenz. Viele Zeilen werden von stimmungsvollen Fotografien in Großformat begleitet, die nicht nur im harmonischen Einklang mit der Botschaft der Zeilen stehen, sondern auch zum Träumen und Verweilen auf der jeweiligen Seite einladen.

Während meine erste Begegnung mit Atticus auf Instagram und demzufolge mit dem englischen Original stattfand, war ich sehr gespannt, wie mir die Übersetzung seiner Zeilen gefallen wird. Denn ich vermute, dass das Übersetzen vom Englischen ins Deutsche oft sehr herausfordernd ist. Wer häufiger im Englischen liest, weiß, dass die Sprache nicht nur ihre ganz eigene Melodie hat, sondern oft auch von Wortspielereien lebt, die manchmal nicht 1:1 ins Deutsche zu übertragen sind. Häufiger gibt es für ein und dasselbe Wort und demzufolge auch für ein und denselben Satz mehrere Bedeutungen. In Geschichten entscheidet der Kontext, in welche Richtung es geht. Bei Atticus stehen die Gedanken für sich alleine, sie lassen Freiraum für die eigene Auslegung. Und so lebt die deutsche Ausgabe von „LOVE. HER. WILD“ sicherlich von der Interpretation des Übersetzers. Viele Zeilen sind Kilian Unger alias Liann wunderbar gelungen, nicht minder magisch oder eindrücklich wie das Original, einige wenige jedoch wirken auf mich nicht stimmig, begegnen mir in einem gänzlich anderen Licht (s.u.).

Übersetzung vs. Original („My atoms love your atoms. It’s chemistry.“)

Lyrik kann eine wunderbare Inspirationsquelle sein. Anders als eigenständige Geschichten lebt sie sicherlich einmal mehr von der Fantasie seiner Leser. Sie kann zum Träumen, Reflektieren und Nachdenken einladen, der erste Schritt von Vielem sein. In was sie mündet, ist jedem selbst überlassen. Für eigene Gedanken schenkt uns der Verlag im hinteren Teil des Buches Platz, der in meinem Fall sicherlich nicht frei bleiben wird. Ich finde nicht immer Zugang zu Lyrik, bin aber vor allem sehr empfänglich für poetische Zeilen, weshalb Atticus mich auf Anhieb anholen konnte. Viele der Gedanken, die er zu Papier gebracht hat, waren mir seltsam vertraut, während ich manches nicht nachvollziehen konnte. Jeder wird hier seine persönlichen Lieblingszeilen für sich finden.

„Zerbrich mein Herz, du wirst sehen, innendrin bist du.“

Zitat, Seite 71

„LOVE. HER. WILD.“ ist ein unglaublicher Bücherschatz. Es ist ein Buch für Romantiker, für Realisten, für Träumer, Lebenskünstler und Abenteurer gleichermaßen. Die unglaubliche Bandbreite von Atticus‘ Gedanken erreicht Menschen unterschiedlichster Art, weshalb das Buch Alt wie Jung, Mann wie Frau begeistern wird. Und so sei euch dieser Lyrikband schwer ans Herz gelegt. Ich bin mir sicher, Atticus wird sich auch in euer Herz schreiben.

„Love her but leave her wild.“

 

 

Kinderfreuden #30: Bei dir piept’s wohl!?

„Ene, mene, Eierkuchen“ – Jörg Isermayer und Daniel Napp

Eigentlich hat sich Eichhorn alle Zutaten für Eierkuchen zurechtgelegt, doch als er mit dem Backen loslegen will, ist plötzlich alles verschwunden. Das Mehl ist weg, Milch und Eier nicht mehr auffindbar. „Eier, Eier, seid so lieb, macht doch einmal Piep!“ Dieses Spiel spielt Eichhorn so lange, bis er all die Zutaten wieder beisammen und den Teig fertig hat.

Bei derart eigenwilligen Zutaten wundert es natürlich keinen, dass der fertige Eierkuchen anschließend nicht auf dem Teller sondern geradewegs auf Eichhorns Kopf landet.

Eckdaten

Pappbilderbuch, ab 2 Jahren

18 Seiten
16,5 x 16,5 cm
ISBN: 978-3-7152-0763-6

Text: Jörg Isermayer
Illustration: Daniel Napp

Orell Füssli Verlag

9,95 €

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Blickwinkel aus großen Augen

Die Geschichte dieses kleinen Pappbüchleins ist so simpel wie wirksam! Denn was aus dem Zusammenspiel von Daniel Napps farbenfrohen Illustrationen und Jörg Isermayers flotten Reimen entstanden ist, macht Klein und Groß wirklich ganz großen Spaß.

Es scheint wie verhext, aber als das Eichhörnchen sich ans Backen machen will, scheint alles Nötige verschwunden zu sein. Es beginnt nach den Zutaten zu rufen und tatsächlich melden diese sich mit „Piep!“ zurück. Na also, jetzt steht dem Unterfangen doch nichts mehr im Weg! Doch bis der Teig fertig ist und der erste Pfannkuchen wirklich in der Pfanne brutzelt, geht bei Eichhorns ersten Backversuchen erstmal noch jede Menge schief.

Durch die gleichbleibende Szene im Buch können die Kleinen nicht nur gut beobachten was an Zutaten alles hinzukommt, sondern auch wie Eichhorns Küche im zunehmenden Chaos versinkt. Denn was das tollpatschige Eichhörnchen da in seiner Küche verursacht, ist ein ganz schönes Chaos und als es das Rührgerät einsetzt, erscheint es den Lesern fast so, als dass die Teigspritzer der Geschichte entweichen und im hohen Bogen auf ihrem Gesicht landen. Es ist witzig mit anzusehen, wie sich die vermissten Zutaten und Gegenstände mit „Piep!“ zurückmelden und spätestens als der Pfannkuchen am Ende auf dem Kopf des Eichhörnchen landet, ist das Lachen groß.

Die Geschichte ist simpel, veranschaulicht aber auf wunderbare Weise, wie einfach es ist, mit wenigen Zutaten etwas Leckeres zu zaubern. Eichhorn animiert schon die Kleinsten dazu, selbst in der Küche aktiv zu werden. Isermayers witzige eingängige Reime passen dabei wunderbar zu Napps bunten und lebendigen Bildern. Sie animieren die Kleinen nicht nur zum Nachsprechen sondern bestärken sie auch in ihre ersten Backversuche.

„Ene, mene, Eierkuchen!“ ist ein wunderbares Pappbuch für eure 2-jährigen Nachwuchsköche, die ähnlich wie Luisa sicherlich schon viele Zutaten und Gegenstände aus dem Buch benennen können und daher besonders viel Freude am Entdecken haben werden. Dem anschließenden Pfannkuchenbacken mit Mama steht daher nichts im Weg! Aber wo sind denn eigentlich die Eier hin? „Piep!“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

©instagram.com/marymagmuc

Gefällt dir das Buch?

Ja

Lieblingsstelle im Buch:

jede Stelle, an der sich die Küchengegenstände mit „Piep“ melden (das tun die „echten“ mitunter nun auch, wenn das Buch nicht zur Hand ist ;-))

 

©instagram.com/marymagmuc

Worum geht es im Buch?

Kochen macht Spaß und ist gar nicht so schwierig

Beste Lesezeit:

Vor oder nach dem Werkeln in der Kinderküche

Worauf macht das Buch Lust?

Selbst zu backen oder zu kochen, piep zu machen

©instagram.com/marymagmuc

 

Wo steht das Buch?

Eigentlich im Bücherregal im Kinderzimmer, es verirrt sich aber mitunter immer wieder in die Kinderküche
[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell Füssli / Atlantis als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]