#Buchpassion: Wie sich eine Autorin in mein Herz schrieb

Buchpassion, ©kapri-zioes

Die Literatur ist facettenreich, eine Fundgrube unerschöpflicher Wissensreserven und Inspirationsquellen. Es gibt zahlreiche Bücher, die es zu lesen lohnt. Sie sind es, die unser Denken und Handeln ungemein bereichern können und uns darüber hinaus zu unterhalten verstehen.

Jedes Buch ist das Ergebnis eines leidenschaftlichen Schreiberlings, der viel Zeit und Herzblut investiert hat, um uns mit seinen Zeilen zu erfreuen. Doch nicht jedem Autor und jeder Autorin gelingt es, mich persönlich anzusprechen. Schließlich sind wir alle Individuen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, sprich, unterschiedlichen Geschmäckern, Empfindungen und persönlichen Vorlieben.

Nur ein paar wenige Autoren und Autorinnen haben es in den vergangenen Jahren geschafft, sich mit ihren Zeilen direkt in mein Herz zu schreiben. Während die einen recht schnell aus meinem Bewusstsein verschwinden, sind es die anderen, die sich dauerhaft in meinem Gedächtnis verankern. Die ich als literarische Schätze ansehe, weil ihre Bandbreite an Emotionen, Fantasie und Einfallsreichtum sich mir auf vielfältigste Weise offenbart, ja, oftmals sogar spürbar wird.

Einer Autorin gelingt es bereits seit Jahren, mich zu begeistern. Es sind nicht nur ihre leidenschaftlichen Zeilen, die mich immer wieder mitreißen, sondern auch ihr Mut, ihr Herzblut und ihr Engagement, der/das mich beeindruckt. Und deswegen ist sie ganz klar eine meiner Lieblingsautorinnen. Die Rede ist von Nina George.

Der Beginn einer Leidenschaft

Das Lavendelzimmer – Nina George

Alles begann mit ihrem Roman „Das Lavendelzimmer“. Seit ich denken kann, lasse ich mich von schönen Covern locken. Das Motto „Don’t judge a book by it’s cover“ mag stimmen, dennoch kann ich mich einer buchigen Augenweide nicht verwehren. Hat es sich erstmal meine Aufmerksamkeit gesichert, umgarnt es mich so lange, bis ich zu ihm greife und mich seiner annehme. Stimmt dann auch noch der Klappentext, steht der anschließenden Lektüre nichts im Weg (selbst wenn letzteres uns oftmals täuscht).

Und so war es auch bei besagtem Buch. Ein Traum von Lavendel eroberte meine Augen und als dann auch noch von der Macht der Bücher; der Liebe und der Magie des südlichen Lichts die Rede war, war es bereits um mich geschehen. Wer kann schon einem Buchhändler namens Jean Perdu widerstehen, der Romane wie Medizin fürs Leben verkauft und auf einem Bücherschiff namens „pharmacie littéraire“ arbeitet?

„Wir bewahren alle die Zeit auf. Wir bewahren die alten Ausgaben jener Menschen auf, die uns verlassen haben. Und auch wir sind noch diese alten Ausgaben, unter unserer Haut, unter der Schicht aus Falten und Erfahrung und Lachen. Genau darunter sind noch die Ehemaligen. Das ehemalige Kind, der ehemalige Geliebte, die ehemalige Tochter.“

Zitat aus „Das Lavendelzimmer“ – Nina George

Mit solchen Zeilen hat mich Nina George das erste Mal verzaubert. Wie ein kleines Mäuschen bin ich durch die Geschichte gehuscht und habe Seite um Seite Zimmer und Landschaften erkundet, konnte Gedanken lauschen und liebevolle Gesten der Liebe und Freundschaft erfahren. Ich wurde zum stillen Beobachter. Genoss die liebevollen Zeilen, die sich wie eine sanfte Hand an meine Wange geschmiegt und mich umschmeichelt haben. Noch heute zählt der Roman zu einem meiner liebsten.

Die Mondspielerin – Nina George

Ich hatte Blut geleckt, wollte mehr von diesen zauberhaften Zeilen lesen, die mich so unendlich berührten und in ihren Bann zogen. Ich stellte fest, dass ich den Vorgänger längst im Regal stehen hatte. Ungelesen. Und das seit Jahren. Es war mir fast peinlich, dass ich „Die Mondspielerin“ über all die Jahre ignoriert hatte. Ein Buch, das mit blauen Hortensien geschmückt war und eine traurige, aber auch sehr hoffnungsvolle Geschichte in sich barg. Eine Geschichte, die vom Meer, dem Tod und der Liebe erzählt.

„Nur das Glucksen der Küsse von Flut und Fluss war zu hören, das unregelmäßige Klappern der Stahlseile an den Masten der Schiffe und das leise Weinen einer Frau. Die Frau war Marianne, und sie weinte, ohne den Blick von alldem abzuwenden – so unerträglich schön war Kerdruc. Jeder Ort, an dem sie vorher in sechzig Jahren gewesen war, wurde hässlich. Das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein, verdichtete sich. Sie roch Salz und frisches Wasser, die Luft war klar wie Glas, auf dem Fluss ein Glanzteppich aus goldblauer Seide.“

Zitat aus „Die Mondspielerin“ – Nina George

Auch wenn meine Reise nach Kerdruc etwas holprig begann, konnte ich der lehrreichen Geschichte schon bald viel abgewinnen. Sie verdeutlicht sehr anschaulich, dass das Leben kein Märchen ist und so manche Hindernisse für uns bereithält, die es zu umschippern gilt. Es ist eine Geschichte vom Leben: voller Erfahrungen, positiver wie negativer Natur. Lebensecht, authentisch und mitreißend.

Eine hanseatische Seele

Wer mich persönlich kennt oder meinen Blog schon länger liest, weiß, dass ich neben einer besonderen Vorliebe für die Berge, auch eine besondere Verbindung zur See habe (der Anker im Logo ist ein Indiz). Bevor ich mich im bayrischen München niedergelassen habe, bin ich fünf Jahre in hanseatischem Gewässer geschwommen. Hamburg wurde meine zweite Heimat und zählt bis heute als meine Herzensstadt, in die ich mich regelmäßig spülen lasse, um mein Bedürfnis nach zerzausten Haaren, ofenfrischen Franzbrötchen, vorbeituckernden Schiffen und dem sehnsuchtsvollen Tuten von Signalhörnern zu stillen.

Auch Nina George hat hier gelebt. Ihre Liebe zur Stadt hat sie einige Zeit in einer Kolumne des Hamburger Abendblatts zum Ausdruck gebracht, die später als Buch, als sogenannter Stadtverführer, veröffentlicht wurde. Es ist eine Liebeserklärung an die Stadt, die sie als Quiddje (Hamburgerin aus Überzeugung) mit allen Sinnen aufgenommen hat. Nach meinem Wegzug stand fest, dass ich mir „Verliebt in Hamburg“ sichern musste. Ihre Zeilen stillen noch heute meine immer wiederkehrende Sehnsucht nach der Hansestadt, wenn der geplante Besuch mal wieder länger auf sich warten muss.

In ihrem Stadtverführer nimmt sie uns auf lange Spaziergänge mit. Auf Fußmärsche und Cabriolet-Fahrten, auf Bus- und Bootstouren. Jene, die dir nicht nur die touristischen Highlights der Stadt zeigen, sondern sich auch in der Pampa, fernab von Touri-Grüppchen, abspielen. Sie konfrontiert dich mit Klischees und hanseatischen Wahrheiten, belächelt das extrovertierte Verhalten mancher Großstädter, definiert die Ruhe der Pendler am Morgen oder versucht uns ein bisschen mehr Toleranz für die Exoten der Stadt nahezubringen. Es sind Zeilen, die nach Hamburg riechen und schmecken.

„Ganz Hamburg ist ein Parfum. Würde man es auf Flaschen ziehen und in die Welt verkaufen, würden sich Menschen in diese Stadt verlieben, ohne sie je gesehen zu haben. (…) Fernweh und Zuhause, Wasser und Lebenssüße. Geborgenheit und Freiheit, Verlässlichkeit und Liberalität, ein bisschen Grandseigneur, ein bisschen sexy Deern. Balkonblume und Grillabend, Kirschblüten und Zeitungspapier, Kaffee, Kinderlachen, Franzbrötchen und vom Morgenregen geklärte Luft über den Alsterwiesen. Ja. So riecht Hamburg.

Zitat aus „Verliebt in Hamburg. Ein Stadtverführer“ – Nina George

Das Traumbuch – Nina George

Besonders beeindruckt hat mich aber „Das Traumbuch“. Eine Geschichte, die es faustdick hinter den Ohren hat, auch wenn das nahezu verträumte Cover uns etwas ganz anderes vorgaukelt. Es ist ein Roman, dem sich George nach einem gescheiterten Buchprojekt widmet und ihre Nahtoderfahrung nach einer Lebensmittelvergiftung und die Aspekte einer Synästhetikerin miteinspielen lässt. Denn nicht nur sie nimmt Zahlen und Klänge als Farben, und Menschen, Orte oder Stimmungen intensiver wahr als andere, sondern auch der 13-jährige Sam, um den es mitunter in der Geschichte geht.

Es ist eine Reise zwischen Traum und Realität, zwischen Leben und Tod und zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Zugegeben, es ist sicherlich keine Geschichte für jedermann. Die Thematik wirkt im ersten Moment abschreckend, sollte sie aber keineswegs. Denn Georges Zeilen sind poetisch, tiefgründig und unglaublich berührend. Sie gewähren uns einen tiefen Einblick in die Seele der Menschen und machen uns bewusst, dass es neben Glücksgefühlen manchmal auch Tränen beim Lesen bedarf.

„Ich sitze auf dem Boden und lege mir den Mut auf wie Make-up. Ich trenne all meine miteinander ringenden, hadernden, sich gegenseitig im Weg stehenden Regungen säuberlich voneinander, bis nur noch die entscheidenden drei übrig bleiben. Ich konzentriere mich, um sie zu halten, und verbiete allen anderen Emotionen ihnen zu nahe zu kommen. (…) Ich atme ein und denke: Zärtlichkeit. Ich atme tiefer ein und beschwöre: Mut. Ich atme ein und erbitte: Lass mich wie Sam sein.“

Zitat aus „Das Traumbuch“ – Nina George

Zu den ausführlichen Besprechungen der Bücher kommt ihr, wenn ihr auf den jeweiligen Titel klickt. Es würde mich sehr freuen, wenn eure Neugier für die Werke nun geweckt ist und ihr euch dem ein oder anderen Buch annehmt. Es sind meine heutigen Empfehlungen für wahre Herzensmenschen: Mann wie Frau, Alt wie Jung.

Nina George – Autorin mit Herz

Eine Herzensbegegnung auf der #lbm16

Die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin Nina George, geboren 1973 schreibt seit 1992 Romane, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten und Kolumnen. Ihr Roman „Das Lavendelzimmer“ stand weit über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in 34 Sprachen übersetzt und eroberte auch international die Bestsellerlisten, so die New York Times Bestsellerliste in den USA, die Bestsellerlisten in England, Australien, Polen, Israel und Italien.

Mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens Jo Kramer, schreibt Nina George unter dem Doppel-Pseudonym Jean Bagnol Provencethriller. Sie lebt in Berlin und der Bretagne.

Quellenangabe: Droemer Knaur

Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e. V. hat die Schriftstellerin und Journalistin Nina George zur Bücherfrau des Jahres 2017 gewählt. Die Ehrung findet im Oktober auf der Buchmesse Frankfurt statt.

Die Autorin kämpfe für die Rechte von Autorinnen, die Stellung der Frau im Literaturbetrieb, für den Schutz des Urheberrechtes in digitalen Zeiten und für verfolgte Autorinnen und Autoren, heißt es in der Begründung. „Wir schätzen ihre Solidarität mit allen Frauen der Branche, für die sie sich an vielen Fronten einsetzt“, so BücherFrauen-Vorsitzende Stephanie Hanel.

Nina George ist Beirätin des PEN-Präsidiums und Beauftragte des Womens Writers Commitee des PEN-Zentrum Deutschland, Beisitzerin des VS-Bundesvorstandes und Mitglied des Verwaltungsrats der VG WORT. 2011 gründete sie die Initiative JA zum Urheberrecht, 2014 die Informationsplattform Fairer Buchmarkt. 2016 schlossen sich auf ihre Initiative hin neun Autorenverbände zum Netzwerk Autorenrechte (NAR) zusammen.

Über ihre Ehrenämter schreibt sie: „2016 summierte sich der Job ohne Gehalt im politischen Bereich auf konstante 50 % meiner Arbeitszeit, in Hochzeiten pro Tag 80 %. Ich sponsere mich selbst, danke an das Lavendelzimmer.“*

Die BücherFrauen sind ein berufliches Netzwerk mit rund 1000 Frauen aus Buchhandel, Verlagen, Agenturen und allen anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch.

* www.fairerbuchmarkt.de/blog/nina_george_03.html

Quellenangabe: Autorenwelt

Was ist #Buchpassion?

#Buchpassion wurde wurde letztes Jahr von Janine vom Blog Kapri-zioes ins Leben gerufen. Es ist eine gemeinsame Onlineaktion von Autoren, Bloggern, Lesern und Unternehmen des Buchmarktes.

Es soll vor allem Nicht- oder Wenigleser auf Bücher aufmerksam machen und für das ein oder andere Buch oder den ein oder anderen Autoren begeistern, sprich, die Lust am Lesen entflammen.

Jeder kann mitmachen und das auf unterschiedlichste Art und Weise! Neben den Beiträgen auf diversen Blogs, die ab heute online gehen, gab es in den letzten Tagen bereits eine Instagram-Challenge und eine Bücherparty auf Twitter. Nähere Infos zur #Buchpassion findest du hier.

Da ich es letztes Jahr versäumt habe, rechtzeitig an Bord zu springen, war es mir ein persönliches Anliegen, mich in diesem Jahr daran zu beteiligen. Alleine wegen des Themas, das mir eine gute Gelegenheit gab, mich bei Nina George zu bedanken.

Liebe Nina George, vielen Dank für ihren Mut, ihr Herzblut und ihr außerordentliches Engagement für den Buchmarkt. Und natürlich für all die bezaubernden Geschichten.

Seelenfeuer

„Wilde Reise durch die Nacht“ – Walter Moers

Als Gustave und die Mannschaft der Aventure von einem Siamesischem Zwillingstornado heimgesucht werden, scheint eines unausweichlich: der Tod. Doch dass ihm Gevatter Tod höchstpersönlich begegnet und ihm vor seinem Ableben noch einen Deal anbietet, damit hätte Gustave nicht gerechnet.

Um seine Seele vor dem Einsargen zu bewahren, soll Gustave in einer einzigen Nacht sechs schier unlösbare Aufgaben bewältigen: Er soll eine Jungfrau vor den Klauen eines Drachen befreien, durch einen Wald voller bösartiger Gespenster reiten, sich Rätselhaften Riesen und dem Schrecklichsten aller Ungeheuer stellen, der Zeit den Zahn ziehen und sich letztendlich selbst begegnen, ehe der Tod ihm die sechste und letzte Aufgabe stellt.

Die Aventure (Xylographie von Gustave Doré, aus „The Rime of the Ancient Mariner“ von Samuel Taylor Coleridge)

Gustave lässt sich auf den Pakt mit dem Tod ein und begibt sich fortan auf eine wilde Reise durch die Nacht, bei der er von der Erde zum Mond, einmal quer durch das ganze Universum und wieder zurückreist und das verrückteste Abenteuer seines Lebens bestreitet.

„Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.“ Gevatter Tod

“Das Leben, mein Junge, ist nicht nur eine wilde, schöne Reise. Leben, das heißt auch: dem Tod bei der Arbeit zuzusehen. Das ist das Härteste überhaupt! Das muss man aushalten können. Bist du bereit, das auszuhalten, mein Junge?”

Zitat, Seite 163

Während ich Moers‘ Zamonien-Romane bereits allesamt verschlungen habe, blieb das vorliegende Werk bis dato immer unentdeckt. Irgendwie hatte ich den Roman, der bereits 2001 im Anschluss an „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ und „Ensel und Krete“ erschienen ist und nicht in Zamonien spielt, all die Jahre übergangen. Welch ein Fauxpas!

Nachdem ich sein neuestes Werk „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ innerhalb kürzester Zeit gelesen hatte, beschloss ich, bis zur Erscheinung der ersten Graphic Novel im Herbst meine moers’sche Lektüren-Lücke zu füllen, und mir eine der alten Hardcover-Ausgaben von „Wilde Reise durch die Nacht“ zu sichern. Wie ich herausfand, ist es neben seinem neuesten Werk ebenfalls mit Illustrationen aus fremder Hand ausgestattet.

Was sich mir in diesem Buch offenbarte, war eindeutig mehr, als ich erwartet hatte. Denn die Geschichte, die Moers um einundzwanzig Holzstiche des scheinbar erfolgreichsten Illustrators des neunzehnten Jahrhunderts entspinnt, ist grandios. Es sind die Bilder von Gustave Doré (1832 – 1883), auf dessen Grundlage die Geschichte basiert. Moers kreiert damit nicht nur ein wahnwitziges Abenteuer, das sich an Dorés Holzstiche entlanghangelt, sondern erschafft damit auch eine Hommage an den Illustrator selbst, der insgesamt 221 Werke, darunter auch Cervantes Don Quichote, Dantes Inferno, Poes The Raven, Ariostos Orlando Furioso (Rasender Roland) und die Bibel, mit seinen Zeichnungen und Holzschnitten ausgestattet hat. Demnach ist der 12-jährige Protagonist Gustave, den Moers hier auf eine phantastische Reise schickt, niemand geringeres als Gustave Doré selbst.

Gevatter Tod (Xylographie von Gustave Doré, aus „Die Bibel“)

„Das war der Tod in seiner Sturm-und-Drang-Phase! Vor ein paar hundert Jahren. Wahrscheinlich mal wieder unterwegs, um irgendeine Pest über die Menschheit zu bringen! (…) Damals hatte er noch wesentlich mehr Anhänger, wie du gesehen hast. Und sieh ihn dir heute an! Ein Schatten seiner selbst! Bis aufs Skelett abgemagert. Schiebt Dienst nach Vorschrift und hat sich in seinem Ruhesitz auf dem Mond verkrochen. Der erschreckt höchstens noch kleine Jungs. Mittlerweile hat er nur noch seine bekloppte Schwester. Der Tod ist Rentner geworden.“

Zitat, Seite 149/150

Und so finde ich mich in einem nächtlichen Unterfangen voller Anspielungen, schwarzem Humor, Einfallsreichtum und dramatischen Wendungen wieder. Das wahnwitzige Abenteuer, das mit der Begegnung mit Gevatter Tod und seiner bekloppten Schwester Dementia beginnt, führt mich nicht nur an zickigen Amazonen, dämlichen Riesen, weinerlichen Monstern und zahlreichen Fantasiewesen vorbei, sondern schleudert mich auch durch einen Galaktischen Gully mitten hinein in die Verwaltungsabteilung des Universums, wo ich einen Blick auf Futuristische Eventualitätswaben mit Raumzeitkontinuierlichen Möglichkeitsprojektionen werfen darf.

Eine nackte Amazone (Xylographie von Gustave Doré, aus „Orlando Furioso“ von Lodovico Ariosto)

Was soll ich sagen: Moers‘ überschäumende Fantasie kannte schon damals keine Grenzen. Er jonglierte bereits 2001 mit zahlreichen Fantasiewesen; die mir mitunter vertraut, aber auch gänzlich unbekannt waren; bastelte fleißig Anagramme und dehnte Wörter bis ins Unermessliche. Die begleitenden Holzstiche Dorés sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern machen die „Wilde Reise durch die Nacht“ auch zu einem überaus harmonischen Gesamtwerk, das sich nun perfekt an die restlichen Zamonienromane schmiegt und die klaffende Lücke in der Moers-Regalreihe schließt.

Wer sich auf eine nächtliche Reise fernab von Zamonien einlassen möchte, dem ist dieses Werk schwer ans Herz gelegt. Auch 16 Jahre nach seinem Erscheinen hat es für mich nicht an Reiz verloren. Sicherlich ist in den nachfolgenden Werken eine gewisse literarische Entwicklung von Moers festzustellen. Dem Lesevergnügen des vorliegenden Werkes steht das aber keinesfalls im Weg.

„Je weniger qualvoll die Todesart, desto weniger attraktiv die Tiere. Wenn du friedlich an Altersschwäche stirbst, siehst du nur ein Huhn. Das letzte Huhn. Es gackert, und du bist hinüber.”

Zitat, Seite 154

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Kinderfreuden #23: Ein Schüpplein Glück

„Der Regenbogenfisch“ – Marcus Pfister

Er ist der schönste Fisch im Ozean, da ist sich der Regenbogenfisch sicher. Mit seinem schillernden Schuppenkleid leuchtet er mit der farbenreichen Unterwasserwelt um die Wette und liegt mit seinen Glitzerschuppen ganz weit vorne. Doch je mehr er die anderen Meeresbewohner überstrahlt, desto einsamer wird er auch.

Erst als er seine Eitelkeit überwindet und Schuppe für Schuppe von sich gibt, entfaltet sich seine wahre Schönheit. Denn gemeinsam glitzert’s sichs immer noch am Schönsten.

Blickwinkel aus großen Augen

Es gibt Bücher, die begleiten mich schon mein ganzes Leben. Die habe ich bereits als Kind heiß und innig geliebt und tue es als Erwachsener immer noch. Ein ebensolches Buch an meinen Neffen weiterzugeben, war mir eine Herzensangelegenheit.

„Der Regenbogenfisch“ zählte in jungen Jahren nicht nur zu meinen Lieblingsbüchern, sondern begeisterte auch zahlreiche meiner Kindergartenfreunde. Die Faszination um den Glitzerfisch steckte an, schwappte von Jahrgang zu Jahrgang und von Kind zu Kind. Stetig und unaufhaltsam schwamm sich der Regenbogenfisch in die Herzen der Kinder.

In diesem Jahr feiert Marcus Pfisters Kinderbuch bereits sein 25-jähriges Bestehen. Seine Geschichte verzaubert die Kinder immer noch und ist über die Jahre längst zum Kinderbuchklassiker avanciert. Es ergänzt mittlerweile nahezu jedes heimische Kinderbuchregal und die Regale sämtlicher Kindergärten. Sein Glitzer ist allgegenwärtig.

Und so war es nicht sonderlich verwunderlich, dass Joschua, als ich ihm das Buch geschenkt habe, es bereits aus dem Kindergarten kannte. Nun, kannte ist wohl untertrieben. Er verwandelte sich in einen Meister des Erzählens, schilderte mir die Geschichte in allen Farben und ließ dabei kein noch so winziges Detail aus. Das vorangegangene Kennenlernen mit dem Regenbogenfisch tat der Freude keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, Joschua sah es vielmehr als Privileg an, die Geschichte fortan auch zuhause und ganz ungestört weiterentdecken zu können. Wie die Tante, so der Neffe.

Die Geschichte um den anfänglich sehr eitlen Glitzerfisch, der erkennen muss, dass keine Glitzerschuppe der Welt den Wert wahrer Freunde aufwiegen kann, ist einfach wunderbar. Pfisters bunte und liebevolle Illustrationen bringen nicht nur Kinder-, sondern auch Erwachsenenaugen zum Strahlen. Seite um Seite tauchen wir durch eine faszinierende Unterwasserwelt und entdecken eine Geschichte um Einsicht, Zusammenhalt und Freundschaft. Mit der simplen Geste des Teilens gelingt es Pfister den Kindern wichtige Werte zum friedlichen Miteinander zu vermitteln und ihnen zu zeigen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Und je mehr der Regenbogenfisch von seinem schillernden Schuppenkleid an die anderen Meeresbewohner abgibt, desto strahlender beginnt er zu leuchten. Wahre Größe kommt eben immer noch von innen.

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

32 Seiten
21.5 x 28.7 cm
ISBN: 978-3-314-00581-7
Illustration & Text: Marcus Pfister

NordSüd Verlag
16,00 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

„Es glitzert sich viel schöner zusammen.“

Steckbrief Joschi Blog 2Gefällt dir das Buch? Ja. Es gehört zu meinen Liebsten

Was hat dir besonders gefallen? Die Glitzerschuppen

Worum geht die Geschichte? um Freunde

Wo steht das Buch im Regal? neben „Armstrong“

Lesezeit: bei Tageslicht (wegen den Farben)

Bester Leseplatz: im Kindergarten, zuhause

Schlüpft in die Rolle von: einem Glitzerfisch

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Extras

©NordSüd Verlag: Regenbogenfisch-Magazin

Anlässlich des 25-jährigen Bestehen gibt es beim NordSüd Verlag ein funkelndes Regenbogenfisch-Magazin inklusive Wettbewerb, einem Interview mit Marcus Pfister und tollem Poster (DIN A2) auf der Rückseite.

Das Magazin kann kostenlos über regenbogenfisch@nordsued.com bestellt werden. Schulklassen, Hort- oder Kindergartengruppen können auch größere Mengen bestellen. Nur solange der Vorrat reicht.

Nähere Informationen dazu findest du hier.

Wenn’s rosa Buchstaben lettert: Ein Abend mit Frau Hölle

Manchmal schenkt dir das Leben ganz besondere Momente, die sich wie Überraschungseier offenbaren und ihre bunte Mischung aus Spiel, Spaß und Spanung über dich streuen und dich in Glücksseeligkeit eintauchen. Der letzte Mittwochabend war so einer für mich. Denn zu meiner besonderen Freude, war ich ins Hauptquartier der Online-Community Lovelybooks eingeladen, um dort Tanja Cappell alias Frau Hölle kennenzulernen und den kleinen Zauberwesen namens Buchstaben meine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, nämlich beim Hand Lettering.

Der buchstabenverliebten und letternden Gemeinde wird das Event nicht entgangen sein. Denn der Hashtag #LBLive hat mal wieder sämtliche soziale Netzwerke gesprengt und es allen interessierten Menschen ermöglicht, sich via Livestream und/oder Social Media live dazuzuschalten. Bei der Veranstaltung vor Ort treffen Blogger, Journalisten, Verlagsmitarbeiter und Fans von Autoren und Autorinnen zusammen und so hatte ich das Vergnügen neben einer Reihe an lieben Menschen auch die Herzensmenschen und Bloggerkolleginnen Tina (Revolution, Baby, Revolution!), Marina (Nordbreze und so.), Brösel (Brösels Bücherregal) und Petzi (Die Liebe zu den Büchern) wiederzusehen.

Während Einige das Lettern längst für sich entdeckt haben und sich Bloggerkolleginnen wie z.B. das Bröselchen bereits seit geraumer Zeit an ihrem Bullet Journal kreativ verausgaben, beschränkten sich meine bisherigen Erfahrungswerte auf einige wenige Übungskrakeleien zuhause, die ich anhand des in völliger Euphorie erworbenen Equipments und der zusammengetragenen Bücher über das Handlettering zu Tage gebracht hatte. Wirklich vorzeigetauglich war davon bis dato aber noch nichts. Der Abend mit Frau Hölle kam daher wie gerufen und ich eilte voller Vorfreude zu Lovelybooks.

Ein Raum von rosa Glücksseeligkeit

Ich muss gestehen, in der Regel bin ich weder ein besonderer Fan der Farbe Rosa, noch von kitschiger Dekoration. Das in zartem pastellrosa daherkommende Buchbaby „Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift“ von Frau Hölle, das kürzlich im Verlag Edition Michael Fischer erschienen ist, und das liebevoll dekorierte Lovelybooks-Hauptquartier sorgte dennoch für Entzückung auf meiner Seite.

Denn dem Traum von rosa Glücksseeligkeit konnte auch ich mich nicht verwehren. Neben der prall gefüllten Candybar (für den garantierten Zuckerschock!) wartete auf den von goldenem Konfetti bestreuten Arbeitstischen auch ein Exemplar des Buches, der Übungsbogen für den Abend und eine großzügig mit Arbeitsmaterial bestückte Goodiebox auf mich, was sich ein bisschen wie Weihnachten angefühlt hat (oder noch besser!?).

Frisch ans Werk mit Tipps von Frau Hölle

„Beim Lettering ist es ein bisschen so wie im Fitnessstudio: erstmal aufwärmen. Der Brush Pen ist unsere Hantel.“ – Tanja „Frau Hölle“ Cappell

Auf los geht’s los. Unsere Hantel gezückt (edding 1340 Brushpen) stürzten wir uns auf unser Übungsblatt und lernten an der eigenen Hand, dass Perfektion nur durch eines erzielt werden kann, nämlich durch Übung. Damit meine krakeligen Buchstaben zu geschwungenen Schönheiten werden, ist nicht nur die richtige Stifthaltung, sondern auch der ideale Begleiter (lt. Frau Hölle ist der edding Brushpen für blutige Anfänger besser geeignet als der von Tombow) und Durchhaltevermögen entscheidend.

Frau Hölles Credo: üben, üben, üben.

Und so hangelten wir uns an einer Reihe an Abwärts- und Aufwärtsstrichen, Buchstaben und Schnörkeln entlang um uns am Ende der Session unserem ersten eigenen Schriftzug „Today is the day“ ohne Vordruck zu widmen. Mein Ergebnis ist sicherlich ausbaufähig, erfüllte mich aber dennoch mit Stolz. Schließlich ist es leserlich, oder was meint ihr?

Natürlich habe ich den Fehler gemacht, und das Banner erst zum Schluss gemalt, anstatt auf Frau Hölles Tipp, ihn erst zu malen und dann zu füllen, zu warten. Tja ja, Geduld ist bekanntlich eine Tugend! 😉

Mein erster Schriftzug ohne Vorlage

Wer ist eigentlich Frau Hölle?

Hinter Frau Hölle versteckt sich Tanja Cappell, die schon seit ihrer Kindheit eine besondere  Vorliebe für das Märchen der Frau Holle hat. Aus einer Wortspielerei ist das Pseudonym „Frau Hölle“ und  das „Frau Hölle Studio“ entstanden, mit dem die studierte Diplom-Ingenieurin Anfang 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Nach der anfänglichen Konzentration auf Sketchnotes hat sich später das Lettering dazugesellt.

Neben zahlreichen Online-Tutorials und PDF-Guides hat Frau Höllle seit einer Weile auch Workshops in München im Programm, die in der Regel schwer gefragt und in Windeseile ausgebucht sind (das Abonnieren des Newsletters empfiehlt sich). Ihre kreativen Ideen und jede Menge Inspiration für alle buchstabenverliebte Menschen streut sie neben ihrem Blog auch auf den Social Media Kanälen (vor allem auf Instagram).

Bei stilnest gibt es seit einer Weile übrigens eine reizende Alphabet Schmuckkollektion, die von Tanja gestaltet wurde und sich aus 26 (Groß-)Buchstaben, die per Hand mit einem Pinselstift geschrieben wurden, zusammensetzt. Petzi hatte zwei dieser reizenden Ketten bereits für sich gesichert und uns vor Ort präsentiert. Zum Schwachwerden schön. ❤

Ein berauschender Abend

Mein liebes lovelybooks – Team, liebe Tanja, es war mir ein Fest!

Selten habe ich einen Abend so genossen wie diesen! Ich habe jeden Tipp in mir aufgesaugt, Blut geleckt und die zahlreichen Unterhaltungen mit all den lieben Menschen vor Ort in meiner Erinnerungskapsel verwahrt. An der persönlich gemalten Signatur in meinem Buch werde ich mich wahrscheinlich noch Ewigkeiten erfreuen. ❤

Für die großzügig befüllte Goodiebox möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken. Denn dass der Inhalt SO gigantisch ausfüllt, hätte ich nicht annähernd erwartet. Das hat nicht nur meine Bloggerkolleginnen sondern auch mich im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich geflasht. Eine Schatzkiste von unsagbarem Wert!

Ein Blick in meine Goodiebox:

Aqua Brush Pens und Sign Brush Pens der Marke Pentel; der Edding Brush Pen 1340, mit dem wir schon vor Ort geübt hatten + ein Porcellain Brush Pen; ein rosa Pastellmarker von Stabilo + 2B Bleistift mit Radiergummi, ein Set Faber Castell Pitt Artist Pens, Stärke B zum Brush Lettering, eine Zeichenfeder und Tinte u.v.m.

v.l.n.r.: Tina, Petzi, Bröselchen, ich, Tanja „Frau Hölle“ Cappell

Das Buch „Handlettering Alphabete“

Handlettering Alphabete – Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift | Autorin: Tanja Cappell | 144 Seiten | Format: Hardcover | 19,99 € | Edition Michael Fischer | ISBN: 978-3-86355-768-3 | Blick ins Buch

Tanjas liebevoll illustriertes Lettering-Lexikon könnt ihr für bescheidene 19,99 € erwerben. Es ist randvoll gefüllt mit hilfreichem Wissen, zahlreichen Anwendungsbeispielen und jeder Menge Inspiration.

Es versorgt dich nicht nur mit der Entstehungsgeschichte des Letterings, sondern vermittelt dir auch die entscheidenden Unterschiede zwischen dem Hand Lettering, Brush Lettering und der Kalligrafie und zeigt dir, wie du deine Kunstwerke erfolgreich digitalisieren kannst. Neben zahlreichen DIY-Ideen für dein Zuhause findest du auch zwei Maxi-Poster mit allen Alphabeten zum Abpausen im Buch.

„Alles ist ein Prozess und fängt irgendwann an und hört irgendwann auf.“ – Tanja „Frau Hölle Cappell“

14 Ways of Happiness: Eine Reise um die Welt + Giveaway

Das Glück wohnt überall: Eine inspirierende Reise um die Welt – Katharina Teimer & Inka Vigh

Was ist Glück?

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen. Denn das Glück ist immer da.

Aus Goethes „Erinnerung“

Die Menschheit strebt nach Glück. Immerzu. Überall. Was den Meisten bei der Suche nach ihr jedoch verborgen bleibt, ist, das es oft bereits vor den Füßen liegt. Denn das Glück liegt nicht immer in der Ferne und im Großen, sondern oftmals in ganz kleinen Dingen verborgen: in Momenten, Gesten und Gefühlen. Fast unscheinbar. Und dennoch so allgegenwärtig.

Da wir Menschen so verschieden und unser Blick auf die Welt so unterschiedlich ist, kann es sich uns in zahlreichen Facetten offenbaren. Jeder nimmt Glücksmomente auf seine eigene Weise wahr. Das ist zum einen von unserer Persönlichkeit, zum anderen aber auch von den verschiedenen Kulturen unserer Landes und ihren Gepflogenheiten abhängig.

Katharina Teimer und Inka Vigh haben es sich in diesem zauberhaft illustrierten Buch zur Aufgabe gemacht, die unterschiedlichsten Arten von Glück einzufangen. Sie nehmen uns dabei nicht nur auf eine inspirierende Entdeckungsreise durch unterschiedliche Länder und die Kontinente der Erde mit, sondern konfrontieren uns auch mit der Skurrilität mancher Bräuche und Rituale.

14 Ways of Happiness: Eine Entdeckungsreise um die Welt

Auf meiner Reise durch „Das Glück wohnt überall“ passiere ich 14 unterschiedliche Länder und Kontinente. Was bei den abergläubischen Russen beginnt; die bereits in einer leeren Flasche Unglück sehen, wenn sie auf dem Tisch und nicht auf dem Boden steht; endet bei den Amerikanern, die allein ihren amerikanischen Traum bereits als Glücksmodell schlechthin sehen.

Man mag kaum glauben, wie viele unterschiedliche Auffassungen von Glück es gibt. Während Trends wie Feng Shui (China), Hygge (Dänemark) oder der Buddhismus (Indien/Tibet) längst zu uns herübergeschwappt sind, waren mir weder getrocknete Lama-Embryonen und Ziegenhörner (Lateinamerika), die fünf Finger der Fatima (Algerien) oder Shúffukaka (Island) ein Begriff.

Der deutsche Glücksatlas

Selbst über die Auffassung der Deutschen im Hinblick auf das Glück lerne ich jede Menge und habe bereits vermutet, dass Deutschland unter uns Deutschen (schon allein aufgrund der Entwicklungen im Zweiten Weltkrieg) nicht sehr gut abschneidet. Dennoch sehen drei Viertel der Deutschen ihr Heimatland als weltoffenes und tolerantes Land an.

Dass meine Heimat Franken im Ranking des Glücksatlas 2016 so gut abschneidet, erfüllt mich mit Stolz. Das muss an unseren guten Tropfen in Form von Wein und Bier liegen, dass wir so glückstrunken sind!

Die grüne Insel: Irland sorgt für Glücksgefühle

„Es gibt dieses Irland: wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor.“

Aus Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch“

Auch in Irland mache ich während meiner Entdeckungsreise durch das Buch Halt und muss unwillkürlich an meine Irland-Reise aus dem letzten Jahr denken. Es war einzigartig: ein Streifzug durch satte Landschaften von berauschendem Grün, durch von Musik und Heiterkeit erfüllte Pubs und entspannte Unterhaltungen mit den Landesbewohnern (natürlich nebst einem Pint Guinness).

Während mein Freund und ich erst spät begriffen, dass „Howareyours“ (von „How are yours doing“) keine Frage, sondern vielmehr ein lokaler und umgangssprachlich genuschelter Gruß unter den Iren ist, hatten wir die Insel, die gefühlt jeden Tag von allen vier Jahreszeiten heimgesucht wird, bereits ins Herz geschlossen. Trotz aller Naturgewalten!

Es war beeindruckend mitanzusehen, dass kein peitschender Regen, kein tosender Wind und kein graues Wölkchen die Laune der Iren verdüstern konnte. Denn wer sich bereits durch so arme Zeiten gekämpft hat wie die Iren, die bis Mitte der 50er Jahre zu den ärmsten Bewohnern Westeuropas zählten, weiß das Glück einfach zu schätzen. Deshalb ist es auch ratsam, dort eine Einladung zu einer Tasse Tee niemals auszuschlagen. Es sei denn man möchte es sich mit den gutmütigen Inselbewohnern verscherzen.

„Gleicht der kontinentale Tee einem vergilbten Postscheckbrief, so gleicht er auf diesen Inseln westlich von Ostende den dunklen Tönen auf russischen Ikonen, durch die es golden durchschimmert, bevor die Milch ihm eine Farbe ähnlich der Hautfarbe eines überfütterten Säuglings verleiht; auf dem Kontinent serviert man den Tee dünn, aber aus kostbarem Porzellan, hier gießt man aus ramponierten Blechkannen gleichgültig ein Engelsgetränk zu des Fremden Labsal, und spotbillig dazu, in dicke Steinguttassen.“

Aus Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch“

Es ist der irische Leipreachán, ein kleiner Kobold mit roten Haaren und grünem Hut, der in Irland neben der Harfe und dem Kleeblatt als Nationalsymbol und Zeichen des Glücks zählt. Er begegnet uns an jeder Ecke, weist uns durch den Ring of Kerry und zu dem von Nebel verhangenen Ladies‘ View im Killarney Nationalpark.

Nur einmal ist er unauffindbar. Denn als wir den Berg Luggala im Wicklow Mountain Nationalpark in der Nähe von Lough Dan besteigen und einen sehr waghalsigen und inoffiziellen Abstieg durch meterhohes Gestrüpp bestreiten müssen, um die Nacht nicht im Freien zu verbringen, ist von dem kleinen Naturgeist nichts zu sehen. Ich hätte ihm zu gerne einen Gefallen getan, damit er uns für unser abenteuerliches Unterfangen besonderes Glück mit auf den Weg gibt. Er gilt wohl nicht ohne Grund als launischer Zeitgenosse und fragwürdiger Glücksbringer, der nur den wenigsten den Weg zum Ende des Regenbogens verrät.

Wie gut, dass wir unsere Aufgabe auch ohne ihn zu meistern wussten!

Glück ist, wenn man einen waghalsigen Abstieg auch ohne Leprechaun meistert

Kulinarisches Glück

Doch das von Katharina Teimer und Inka Vigh liebevoll zusammengestellte Glückslexikon beinhaltet nicht nur eine Fülle an Zitaten, landestypischen Bräuchen und Gepflogenheiten, sondern auch ein paar auserlesene kulinarische Glücksrezepte. Ob du dir das Glück nun in Form von Glückskeksen, einem Gløgg (die skandinavische Variante des Glühweins) oder als Shúffukaka (ein isländischer Schokoladenkuchen mit eingebackenen Lakritzstückchen, Schokoglasur und aufgestreuten Kokosraspeln) einverleibst, bleibt dir selbst überlassen. Für alles drei findest du die Rezepte im Buch.

Was bedeutet Glück für dich? –  Ein Giveaway für Glückspilze

Es ist ein Buch, das inspiriert und glücklich macht. Seine zauberhaften Illustrationen und gut recherchierten Zeilen jagen dir einen wohligen Schauer über die Arme und betten dich in ein Kissen voller Behaglichkeit. Noch nie war es so einfach, die Facetten des Glücks zu entdecken. Und deswegen möchte ich einem von euch, ein Exemplar von „Das Glück wohnt überall: Eine inspirierende Reise um die Welt“ mit auf den Weg geben.

Mein Dank gilt an dieser Stelle an das Team von arsEdition, das so freundlich war, mir zwei der Bücher zur Verfügung zu stellen. Eines für mich und eines für euch. Und dafür möchte ich eines von dir wissen: was bedeutet Glück für dich? Verrate mir bis Sonntag, den 10. September 2017 um 23:59 Uhr deine persönliche Definition von Glück in Form eines Kommentars und springe damit in den Lostopf für das Exemplar.

Good Luck, my dears!

Eckdaten

Das Glück wohnt überall
Eine inspirierende Reise um die Welt
Katharina Teimer, Inka Vigh
112 Seiten
24,7 cm x 19,7 cm
19,99 € [D], 20,60 € [A], CHF 28,90
ISBN: 978-3-8458-2219-8

 

Lügen haben lange Beine

„Kleine Lügen erhalten die Familie“ – Katia Weber

„Alles zitterte. Wie bei einem Erdbeben. Sie hatte sich in letzter Sekunde in den Schutz eines Türrahmens gerettet, und jetzt klammerte sie sich mit aller Kraft an das Holz und sah dabei zu, wie alles um sie herum zusammenkrachte. Nicht in sich zusammenstürzte. Es krachte. Mit Verlusten. Mit Verletzten und Wunden.“

Zitat, Seite 7

Franzi ist Ende Vierzig, als sie einsehen muss, dass ihr die Liebe zu ihrem Mann Michael irgendwie abhanden gekommen ist. Mehr als die Hälfte ihres Lebens verbrachten sie zusammen, wurden Eltern von drei Kindern und Besitzer eines Hauses in Berlin. Zusammenleben wollen sie nicht mehr, so ganz aufeinander verzichten aber auch nicht.

Dass sie auch nach Michaels Auszug noch regelmäßig zusammen im Bett landen, muss ja keiner wissen. Schließlich hat doch jeder in der Familie seine kleinen und großen Geheimnisse.

Doch dass Brunhilde, Franzis Mutter, bereits seit ihrer Kindheit ein großes Geheimnis hütet, ahnt Franzi nicht. Denn ihren eigentlichen leiblichen Vater hat Brunhilde ihr über all die Jahre verschwiegen. Auch, dass ihre Mutter in den siebziger Jahren Villen ausgeraubt und dabei ein wertvolles Gemälde mitgehen hat lassen, ahnt keiner.

Doch auf einmal wohnt Franzis leiblicher Vater gar nicht so weit von seiner Tochter entfernt. Und Brunhilde fragt sich, ob nun die Zeit für die Wahrheit gekommen ist.

Ich möchte betonen, ich bin absolut kein Fan von Lügen. Ich verabscheue sie und vertraue nach wie vor auf die gute alte Wahrheit, mit der ich bislang am Besten gefahren bin. Hinter dem Titel des vorliegenden Buches stehe ich deshalb ganz und gar nicht, wo seine Aussage doch für genau das Gegenteil steht: dass es ohne sie nicht geht.

Als man mir jedoch Katia Webers Debüt als amüsante und gut unterhaltende Familiengeschichte verkauft hat, habe ich mich dennoch darauf eingelassen und fuhr damit gar nicht mal so schlecht. Zugegeben, es ist erneut ein Roman, der der unterhaltenden Frauenliteratur zuzuordnen ist. Und das ist irgendwie amüsant, wo ich doch all die vergangenen Jahre einen großen Bogen darum gemacht habe.

Was sich allerdings hinter dem entzückenden Deckel von „Kleine Lügen erhalten die Familie“ versteckt, ist eine durchaus unterhaltsame als auch sympathische Geschichte. Denn im Gegensatz zu Lügen bedienen wir uns wohl alle kleinen Geheimnissen, die man manchmal einfach besser für sich behält, als damit das große Chaos anzurichten.

Franzis Familie ist dafür ein gelungenes Beispiel. Denn hier behält nicht nur Franzi ihr geheimes tête-à-tête mit ihrem Ex-Mann, sondern auch ihre Kinder, der Hund und die Mutter so manche Sache für sich. Dass es sich bei Franzis Mutter Brunhilde allerdings um eine kriminelle Vergangenheit und die Wahrheit um Franzis leiblichen Vater handelt, ist schon ein starkes Stück. Und so ist das Chaos perfekt, als die Wahrheit Stück für Stück ans Tageslicht gerät und nicht nur Franzis Familie, sondern auch so manch anderen Haushalt durcheinanderwirbelt.

„Dieses Immer. Das war ihr irgendwann zu viel geworden. Ein Immer ging in ihren Augen nur, wenn man glaubt. Und lieben kann. Und Hoffnung hat. Aber Leute wie sie, die konnten das nicht. Die reagierten mit Sarkasmus auf Hoffnung und verdrehten bei Gefühlsduseleien die Augen. Das war wie ein Reflex.“

Zitat, Seite 87

Zu ihrem Roman wurde Katia Weber von einem Gemälde namens Die Toteninsel von Arnold Böcklin inspiriert, das sie eines Tages auf einem Kalenderblatt ihres Abreißkalender entdeckt hat. Die Faszination für das Gemälde und seine Geschichte haben für den vorliegenden Roman gesorgt, deren Geschichte Weber raffiniert mit ihm verwebt. So gelingt ihr eine unterhaltsame Familiengeschichte voller Humor, Wärme und der unumstößlichen Erkenntnis, dass Ehrlichkeit immer noch am Längsten währt.

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Ich ängstige dich, also bin ich

„Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ – Walter Moers

Autor: Walter Moers | Illustrationen: Lydia Rode | Seiten: 344 | Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag | 24.99 € [D] | ISBN: 978-3-8135-0785-0 | Erscheinungstermin: 28.08.2017 | Knaus Verlag

„Wenn die Minuten durch die Jahre rufen, erhebt sich der ewige Träumer über seine irdische Last. Und reist mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht.“

Prinzessin Dylia ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien, weswegen sie sich auch gerne „Prinzessin Insomnia“ nennt. Ihr Rekord schlafloser Nächte liegt bei 18 Tage. Während sich der gesamte Königshof den Kopf darüber zerbricht, wie man ihrer heimtückischen Krankheit Einhalt gebieten könnte, hat sich Dylia mit ihrem Zustand längst abgefunden und nutzt die zusätzliche Zeit, sich ihrer ganz besonderen Leidenschaft, der Sprache, zu widmen. Sie übersetzt und erfindet dabei nicht nur eine Reihe spezieller Wörter, die sie selbst Pfauenwörter tauft, sondern wendet auch ein selbst erdachtes Buchstabenvertauschungsprogramm von verblüffender Wirksamkeit an. Durch das „ridikülisierende Anagrammieren“ kann sie jedes Schreckenswort in eine Karrikatur seiner selbst verwandeln und sogar Krankheiten und dem Tod den Stachel ziehen.

Prinzessin Dylias Pfauenwörter in alphabetischer Reihenfolge

„Prinzessin Dylia hatte nun einmal ein außergewöhnlich leidenschaftliches Verhältnis zu Sprachen. Zu Buchstaben. Zu Wörtern aller Art, deren Verbreitung sie gewissermaßen als ihre ganz eigene diplomatische Mission am Königshof empfand. (…) Sie übersetzte leidenschaftlich gerne von einer in die andere und wieder zurück. Übersetzen, so glaubte Dylia, sei wie Wörtern über die Grenze zu helfen. Selbst illegaler Wörterschmuggel und nicht autorisierte Übersetzungen konnten in ihren Augen wertvolle Beiträge zur Völkerverständigung sein.“

Zitat, Seite 50

Als eines Tages ein merkwürdig hässlicher Gnom mit schimmernd lederner Haut und einem unerhört losen Mundwerk in ihrem Schlafgemach auftaucht, wird ihr dennoch Angst und Bange. Denn Havarius Opal ist ein alptraumfarbener Nachtmahr. Sie sind es, die das Alptraumgeschäft verwalten und ihre Opfer so sehr in den Wahnsinn treiben, dass sie ihrem Leben freiwillig ein Ende setzen. Auch Havarius verheißt Dylia, ihr von nun an nicht mehr von der Seite zu weichen und sie bis zu ihrem befreienden Sprung in den Tod zu begleiten.

„Wer nicht springen will, muss fühlen.“

Zitat, Seite 107

Doch Dylia beabsichtigt nicht im Geringsten, sich frühzeitig aus dem Leben zu verabschieden. Sie wählt daher die für sie viel interessantere Alternative: eine Reise nach Amygdala. Ein abenteuerlicher Trip in die Stadt der Angst und ins dunkle Herz der Nacht.

„Langeweile, das war für Prinzessin Dylia etwas, worunter kleine Kinder litten, die noch nicht genug Gehirnmasse entwickelt hatten. Oder Vollidioten, bei denen das mit der Gehirnmasse auch im Erwachsenenalter nicht klappte.“

Zitat, Seite 37

Ein irrer Trip durch die Windungen eines Hirns

Da ist es nun, das neue Werk von Walter Moers. Doch es ist nicht „Das Schloss der träumenden Bücher“, auf das Fans bereits seit geraumer Zeit warten, sondern vielmehr ein neues Zamonien-Projekt, das nach Aussage von Moers alle anderen vorübergehend verdrängt hat.

Zu seinem neuesten Werk, das er der zamonischen Spätromantik und erneut dem Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz zuschreibt, wurde Moers von Lydia Rode inspiriert, die sein Werk nicht nur farbig illustrierte, sondern auch an der seltenen und rätselhaften Krankheit Chronic Fatigue Syndom (CFS) leidet, einem chronischen Erschöpfungssyndrom, dessen Leitsymptom eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung ist.

Amygdala ©Illustration von Lydia Rode

Nun, Moers-Fans wie mir, ist es ehrlich gesagt völlig egal, wie das neue Zamonien-Werk nun heißt und in welche abgelegenen Winkel es mich führen wird, das einzig Wichtige ist, er schenkt mir neuen zamonischen Lesestoff. Und da ist er nun: „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“.

Und Moers enttäuscht mich nicht. Ganz im Gegenteil. Während das vorangegangene „Labyrinth der träumenden Bücher“ zwar eine Reihe an kreativen Ideen beinhaltete, aber auch vor altbekannten Begriffen und Wiederholungen aus den Vorgängerbänden strotzte, überrascht er mich nun mit einer wiedergewonnenen Stärke und einem neu angereicherten Ideenreichtum, mit dem er mich seit jeher zu begeistern versteht.

Dieser besagte Reichtum präsentiert sich nicht nur in einer Vielzahl an raffinierten Wörtern, skurillen Figuren und mysteriösen Schauplätzen, sondern auch durch einen gänzlich neuen Plot. Denn weder der Prinzessin noch dem Nachtmahr bin ich je zuvor begegnet. Es sind ihre rebellischen Persönlichkeiten, die in Konversationen voller unterhaltendem Wortwitz, starkem Sarkasmus und kämpferischem Gefrotzel ausufern. Moers schleudert mir Sprichwörter ums Ohr, die mir irgendwie vertraut vorkommen, und dennoch völlig anders sind. Schreckenswörter verwandelt er in verweichlichte Anagramme und aus merkwürdigen Fantasiebegriffen werden essentielle Pfauenwörter.

Während Moers sich anfangs recht eingehend mit Prinzessin Dylias Krankheit Insomnia und ihrer besonderen Vorliebe für die Sprache beschäftigt, kommt die Geschichte eigentlich erst so richtig mit der Begegnung von Havarius Opal, dem alptraumfarbenen Nachtmahr, und ihrer gemeinsamen Reise nach Amygdala ins Rollen.

Es ist die Schlaflosigkeit der Prinzessin, die uns Zugang zu einer völlig neuen Welt eröffnet und uns ins tiefere Innere ihres Gehirns führt. Eine abenteuerliche Reise voller ungeahnter Gefahren beginnt. Sie lässt uns durch dichte Nebelsuppe flimmen, Denkfalten passieren und in eine Hirnklamm hinabsteigen, wo wir nicht nur fragilen Geistgeistern (bzw. Zwielichtzwergen) und parasitären Zergessern begegnen, sondern auch über Zweifelspfützen springen, Ideen beim Schlüpfen zusehen und Geistesblitzen ausweichen müssen, um sie nicht in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen.

Wir reisen mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht, und winden uns voller Behanglichkeit in der moers’schen Kreativität. Die farbigen Illustrationen von Lydia Rode, die uns während der gesamten Reise durchs Buch begleiten, sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch besonders wirkungsvoll. Sie erwecken die zahlreichen Fantasiefiguren und Schauplätze zum Leben und schenken Moers‘ Zeilen eine besondere Tiefe. Als wenn Rode Feenstaub über die Seiten gestreut hätte.

„Dein Gehirn ist ein Dschungel wie jedes andere Gehirn auch. Ein wilder, gefährlicher, gnaden- und gesetzloser Urwald voller unberechenbarer Kreaturen. Perfekte Ordnung und totales Chaos, Diktatur und Anarchie, freier Wille und irrer Zwang, Fressen und Gefressenwerden – all das existiert darin. Wie in einem Zoo, in dem alle Käfigtüren offenstehen.“

Zitat, Seite 111

Ein römisches Inhaltsverzeichnis

Insgesamt ist das zamonische Märchen in achtzehn Kapitel eingeteilt, die mit römischen Zahlwörtern versehen sind. So beginnt die Reise mit dem ersten Kapitel Primus und endet mit Octavus Decimus. Darüber hinaus ordnet Moers ihnen noch zusätzliche Unterschriften zur Orientierung wie z.B. Der Friedhof des bunten Humors hinzu. Dank ihnen lässt es sich auch im Nachhinein noch einmal ganz leicht durch die Schauplätze der Geschichte hangeln.

„Jedes Gehirn ist anders, jedes Gehirn ist verrückt und jedes Gehirn ist anders verrückt. Aber auf keinen Fall ist es nur.“

Zitat, Seite 111

Eine audiovisuelles Vergnügen

Hörbuch zum Roman ©2017 der Hörverlag

Eckdaten

Hörbuch, 1 mp3-CD

Laufzeit: 11 h 23 min

Produktion: der Hörverlag

Gelesen von: Andreas Fröhlich

ISBN: 978-3-8445-2809-1

Preis: € 24,99 [D]

Während ich sonst hauptsächlich nur lese, wagte ich mich bei „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ auf relativ unerforschtes Terrain und ließ mich neben der Lektüre auch von Andreas Fröhlichs facettenreicher Stimme berieseln, die sowohl als Stimme von Prinzessin Dylia als auch Havarius Opal in meinen Ohren Gestalt annahm.

Fröhlichs Stimme konnte mich erstaunlich schnell in seinen Bann ziehen. Er spielt wie ein Jongleur mit ihr, bedient sich unterschiedlichen Stimmlagen und betonenden Sprachpausen. Er schnauft und jammert was das Zeug hält und scheint selbst in Moers‘ raffiniertesten Fantasiebegriffen und Zungenbrechern kein Hindernis zu sehen. Gekonnt hangelt er sich durch die Geschichte, begeistert mit einem unbeirrbaren Redefluss.

Doch auch wenn Fröhlich mich während der gesamten Reise durch das Buch sehr gut unterhalten konnte, kann ich mich dem Gedanken; wie das Werk wohl vom verstorbenen Dirk Bach gelesen worden wäre, der alleine schon aufgrund seines aberwitzigen Naturells perfekt zu der Skurrilität von Moers‘ Zeilen gepasst hat; nicht verwehren.

Fest steht, dass das audiovisuelle Zusammenspiel dem zamonischen Vergnügen nicht nur eine zusätzliche Dimension schenkt, sondern die Geschichte auch mit einer besonderen Note Alptraum garniert. Es setzt Moers‘ Geschichte die Krone auf und sorgt dafür, dass Havarius‘ Stimme auch nach dem Ende des Hörbuchs noch lange in mir nachhallt. Fast sehne ich mich selbst nach der Begegnung mit einem Nachtmahr, der mich in das tiefste Innere meines Gehirns entführt. Es ist der fieberhafte Traum von einem Alptraum, der mich fortan wachhalten wird.

Besonders gelungen finde ich das Beiheft, das sich neben der CD im Inlay des Hörbuchs befindet und den Hörbuch-Hörern eine Auswahl von Lydia Rodes Illustrationen mitsamt Erklärungen der wichtigsten Phänomen des Romans schenkt.

„Stell es dir einfach so vor: Ein Alptraum ist ein Paket, das du bekommst. Der Nachtmahr ist der Postbote, der es zustellt.“

Zitat, Seite 77

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Weitere Besprechungen findest du hier:

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Meine gebundenen Moers-Schätze