Bild für Bild zurück ins Leben

„Zwischen uns tausend Bilder – Neda Alaei

„Wenn der Herz ein Muskel ist, dann hat meins Muskelkater.“

Zitat, Seite 178

Seit dem Tod ihrer Mutter, hat Sannas Leben an Farbe verloren. Ihr Vater ist in seiner Trauer versunken, ihre beste Freundin hat sich von ihr abgewandt. Plötzlich liegt es an ihr, dafür zu sorgen, dass es weitergeht. Doch ihr Leben ist ihr fremd geworden. Noch nie hat sie sich so allein gefühlt. Erst als Sanna durch die Linse ihrer Kamera blickt, verändert sich ihr Blick auf die Welt. Plötzlich weiß sie, was ihre Mutter mit dem Sehen gemeint hat. Dass es die Augen für das Wunderbare sind, die uns das Leben in all seinen Facetten zeigen.

Und dann ist da noch dieser Junge, Yousef, mit dem Sanna die Begeisterung fürs Fotografieren teilt. Er entmutigt sie, genau hinzusehen. Das Leben zu nehmen, wie es ist. 

Ob er ihr helfen kann, zurück ins Leben zu finden?

„Ich fotografiere einfach drauflos. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht. […] Ich sehe zum Himmel, spüre die ersten Regentropfen im Gesicht und stelle mir vor, es donnert. Ich wünschte, das Geräusch könnte ich auch fotografieren.“

Zitat, Seite 122

Neda Alaei ist mit „Zwischen uns tausend Bilder“ ein sehr intensives und wortgewaltiges Jugendbuch-Debüt gelungen, das lange im Leser nachhallt. Die Zeilen ihres Romans, der in der Ich-Perspektive geschrieben ist, lassen uns die Rolle der 14-jährigen Sanna einnehmen, die nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich auf sich alleine gestellt ist. Ihr lebensfroher Vater wirkt seit dem Tod seiner Frau nur noch wie ein Fähnchen im Wind. Er wird komplett von seiner Trauer beherrscht, nimmt seine Tochter nur noch am Rande wahr. Einzig und allein wenn er schreibt, scheint er bei sich zu sein. Doch Sanna weiß nicht, was in ihm vorgeht. Sie darf ihn nicht stören, wenn er in seinen Wörtern verschwindet. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Am liebsten würde sie sich durch seinen Zettelberg wühlen, um all seine Gedanken in sich aufzusaugen.

„Ich gehe in mein Zimmer, lege die Platte auf und lasse mich aufs Bett fallen. Die Hände hinterm Kopf verschränkt, sehe ich an die Decke und lausche […] aber die Musik klingt irgendwie anders, anders als früher, wenn Papa sie mir vorgespielt hat. Trauriger, als wäre gerade jemand gestorben, verschwunden, für immer verloren. Als würden die Melodien und die Welt zusammen weinen. Hand in Hand, nie nah genug, nie lang genug. Ich denke an Papa. An Mama. Du und ich, der Tod.“

Zitat, Seite 53/54

Der Vater merkt nicht, wie seine Tochter langsam aber sicher zerbricht. Dass die Verantwortung, die er ihr unbewusst aufbürdet, ihr gar nicht bekommt. Sanna hangelt sich nahezu monoton durch die Tage, sie kocht das Essen, schmeißt den Haushalt und flößt sich bereits als Teenager literweise Kaffee ein, um sich immer wieder aufs Neue in die Schule zu schleppen, wo ihre beste Freundin plötzlich an der Seite eines anderen Mädchens sitzt und lacht. Außer ihrer Lehrerin Trine scheint sie keiner mehr wirklich wahrzunehmen, lediglich um ihre bemitleidenswerte Gestalt zu belächeln. Aber dann kommt Yousef in ihre Klasse. Der Junge mit den braunen Augen und den Abermillionen Wimpern. Als er die Kamera in Sannas Händen entdeckt, erzählt ihr von seiner Leidenschaft fürs Fotografieren. Er ermutigt sie, das erste Bild zu machen. Und noch viele weitere. Es ist eine Mischung aus Verliebtheit und Neugier, die Sanna aus der Reserve lockt und aus ihrer Starrheit befreit. Doch ehe sie wieder zu Kräften kommt, erliegt ihr Körper der vielen Anstrengung und Mühe. 

Alaeis Zeilen sind von so vielen Emotionen und Geräuschen getränkt, dass man als Leser förmlich spüren kann, wie die Geräusche plötzlich auf Sanna einprasseln, wie ihre  Seele zu zittern beginnt, plötzlich alles um sie herum bebt und ihre ganze Welt durchgeschüttelt wird. Wie sie sich plötzlich winzig klein fühlt und die Welt um sie herum so groß und gewaltig wirkt. Es ist nicht nur Sannas Vater, der in einem bodenlosen Meer aus Gefühlen und Gedanken versinkt, sondern auch sie selbst. Sanna stößt alle von sich weg. Versucht sich selbst die Nächste zu sein. Stärke und Mut zu beweisen. Gefühle der Trauer zu unterdrücken. Doch ihr Anblick spricht Bände. Ihr Spiegelbild ist das einer geplagten Seele.

„Ich stehe auf und gehe zum Waschbecken. Aus dem Spiegel sieht mich ein fremdes Gesicht an. Das Mädchen im Spiegel hat rot geweinte Augen, einen unordentlichen Pferdeschwanz, rissige Lippen. Ihr Pulli schlabbert, die Schlüsselbeine zeichnen sich kantig unter der Haut ab. Das bin ich nicht. Das ist nicht mein Leben.“

Zitat, Seite 177 

Die Geschichte veranschaulicht auf sehr intensive Weise, wie sich der Tod bzw. Verlust eines Menschen auf die Hinterbliebenen auswirkt. Dass jeder Mensch anders trauert, in dieser Phase der Trauer aber jeder einzelne dem Abgrund ganz nahe kommt. Dass diese Phase nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit Selbstzweifeln und einem fehlenden Zugehörigkeitsgefühl einhergeht. Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass die Autorin eine ganze Bandbreite an Geräuschen in ihren Roman einfließen hat lassen. Es sind sowohl Alltagsgeräusche, die uns plötzlich mit einer unglaublichen Intensität begegnen, als auch die Musik und Liedtexte der schwedischen Rockband Kent. Sie wird zum Bindeglied zwischen Vater und Tochter. Beide geben sich ihr hin, bleiben auf diese Weise miteinander verbunden, auch wenn sie sich Stück für Stück voneinander entfernen. Als der Vater in eine Depression abrutscht und weder für sich selbst, noch für seine Tochter sorgen kann, ist klar, dass er nur in einer Psychiatrie zu seiner alten Stärke zurückfinden kann. Es bleibt daher leider nicht aus, dass Sanna durch die fehlende Vormundschaft bzw. elterliche Unterstützung irgendwann dem Jugendamt gegenüber steht.

„Zwischen uns die Zeilen“ ist ein sehr berührender Jugendroman, der Leser*innen unterschiedlichen Alters erreichen kann. Aufgrund der Brisanz einiger Themen in meinem eigenen Leben fühlte ich mich von Neda Alaeis Zeilen ganz wunderbar abgeholt. Ich hab mich in vielem wiedererkannt, in Gefühlen, Gedanken, Geräuschen und konnte mich trotz des Altersunterschieds gut in die 14-Jährige hineinversetzen. Auch die (wachsende) Leidenschaft fürs Fotografieren teile ich mit der Protagonistin. Yousef und Sanna haben mich dazu inspiriert, selbst wieder häufiger hinter der Linse meiner Kamera zu verschwinden und das Leben mit anderen Augen zu sehen. 

Eine Woge an Worten zur Blogparade „Seesucht“

[Werbung, Verlosung]

Seesucht

Die Wortspielerei, die sich aus der Sehnsucht zum Meer formt, umschreibt es genau, dieses Gefühl, das in mir aufkommt, wenn ich an meine Besuche auf Sylt denke. Barfuß am Ellenbogen der Insel entlang. An die weit zurückliegenden Urlaube in Italien in meiner Kindheit. Mit einer klebrigen Eiswaffel in der Hand und einem Sonnenhut auf einer Bank am Meer sitzend. An unsere Besuche an der Nord- und Ostsee. Die Luft, erfüllt von einer salzigen Meeresbrise, kreischenden Möwen und meinem wehendem Haar. An diesen unbeschwerten Moment an der niederländischen Küste im letzten Jahr. Mit einer vor Freude quiekenden Räubertochter, deren Füße das erste Mal vom Meer umspült wurden.

Und plötzlich ergreift mich eine ungeheure Welle der Wehmut. Die Sehnsucht nach dem Meer macht sich in mir breit. Denn das Wasser war schon immer mein Element. Hier, im kühlen Nass, fühle ich mich genauso schwerelos und frei wie wenn ich einen Berg erklimme und am Gipfel die kristallklare Bergluft in mir aufnehme. Ich konnte mich noch nie wirklich zwischen den Bergen und dem Meer entscheiden. Für eine Kombination aus beidem wohl eher. Und doch waren meine Treffen mit dem Meer in den letzten Jahren rar.

Doch jetzt bin ich wieder mittendrin, im erquickenden Spiel der schwappenden Wellen, meine Füße im körnigen Sand vergraben, ein paar spitze Muscheln zwischen meinen Zehen, meine Beine von glitschigen Algen und tummelnden Fischen umgeben. Ich lasse mich locken. Springe hinein, ins tiefdunkle Blau, gebe mich den unendlichen Weiten des Meeres hin und tauche unter, in die faszinierende Unterwasserwelt.

„Komm her. Komm mit. Komm rein. Und als keiner hinsieht, hüpft er hinein.“

Ich bin in ein Bilderbuch abgetaucht, das lebendiger nicht sein könnte. Das Faszination, Sehnsucht und Freiheit in sich birgt und gleichzeitig in einem hervorruft. Wir begleiten Jonas, der sich mit zwei Jahren in das Meer verliebt. Es fasziniert ihn so sehr, dass er schon als Kind unerschrocken hineinspringt. Und sich direkt am salzigen Wasser verschluckt. Seine Mutter fischt ihn heraus, hält das Ufer für den geeigneteren Ort. Doch was von da an bleibt, ist die Seesucht. Das Meer ist Jonas‘ Element. Das spürt er auf Anhieb. Wie gerne würde er im Einklang mit der Unterwasserwelt leben. Mit Fischen schwimmen, Quallen spielen und sich im dichten Seegras verstecken. Immer wieder spült es ihn zurück ans Meer. Mit 8, mit 18, mit 30, mit 80. Über all die Jahre verfolgt er einen Plan, den er im Alter von 8 Jahren fasst. Er will einen Tauchapparat bauen, durch den er mit den Tiefen des Meeres für immer verbunden sein kann. Er sammelt Strandgut, versucht sich an wilden Unterwasserkonstruktionen. Doch sein Weg ist lange und steinig. Es dauert ein ganzes Leben, bis sein Traum Wirklichkeit wird. Wie gut, dass er sich nicht beirren lässt. Selbst wenn er Rückschläge erleiden und dem Meer vorübergehend den Rücken kehren muss.

Was Marlies van der Wel mit „Seesucht“ erschaffen hat, ist eine jener Bilderbuchperlen, die das Meer von Bilderbüchern nur selten zu Tage bringt. Das berauschend schöne Bilderbuch, das auf dem Kurzfilm „Jonas and the Sea“ basiert, birgt auf 78 Seiten eine ganze Bandbreite an ausdrucksstarken Illustrationen in sich, die von Emotionen und Blautönen getränkt sind. Die Geschichte lebt von ihren großflächigen und atmosphärischen Bildern, die einen beim Lesen förmlich gefangen nehmen und von ganz schlichten Zeilen begleitet werden. Doch es sind nicht nur die technisch ausgeklügelten Strandgut-Tüfteleien und Tauchgänge, die einem nach der Lektüre dieses Bilderbuchs im Gedächtnis bleiben, sondern auch die Rückschläge, die Jonas zu erleiden hat. Als er das erste Mal kentert und tieftraurig am Strand steht, als ihn eine große Welle an den Strand zurückschleudert oder das große Fangnetz der Fischer erfasst. Das Gelächter der Fischer hallt in Jonas lange nach. Es zehrt an ihm. Es entmutigt ihn. Und lässt ihn sogar für eine Weile dem Meer den Rücken zukehren. Bis eines Nachts im Winter ein riesiger Sturm wütet und Jonas den richtigen Zeitpunkt für das Wiedersehen mit dem Meer gekommen sieht.

„Jonas nimmt, was das Meer ihm gibt.“

Diese tiefe Verbundenheit, die Jonas vom allerersten Moment an zum Meer verspürt, ist auf allen Seiten des Bilderbuchs spürbar. Wie durch ein unsichtbares Band sind die beiden miteinander verbunden. Das Band scheint zum Ende hin vermeintlich lose im Wasser zu schwappen, doch reißen tut es nie. Jonas und das Meer verschmelzen zu einer Einheit. Es ist sein Glaube, sein Mut und seine Hartnäckigkeit, die sich am Ende auszahlen. Marlies van der Wel zeigt mit ihrem Bilderbuch auf wunderbare Weise, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen. Und dass manche Dinge ihre Zeit brauchen. Sie schenkt kleineren Leser*innen wunderbar faszinierende Tauchgänge und größeren Leser*innen eine ermutigende Lektüre mit Tiefgang, die uns über unsere eigenen Sehnsüchte und Träume nachdenken lässt. Das Bilderbuch lässt die Herzen all jener Leser*innen höher schlagen, die sich dem Meer verbunden fühlen und die aktuell eine große Seesucht umtreibt.

„Mitten im Meer. Für immer.“

Eckdaten

Seesucht

Gebunden, ab 4 Jahren

78 Seiten
ISBN: 978-3-95854-164-1

Illustration & Text: Marlies van der Wel
Übersetzung: Birgit Erdmann

Mixtvision
20,00 € [D]

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Hier geht’s zur Homepage von Marlies van der Wel

Blubb, blubb, Glück 

Hast du Lust, mir deine größte Sehnsucht zu verraten? Als kleinen Dank für deine persönliche Woge an Worten verlose ich unter allen Kommentaren ein Exemplar des Bilderbuchs. Denn im Rahmen von Katjas Blogparade darf ich mit Unterstützung von Mixtvision ein Exemplar von „Seesucht“ an euch verlosen. Teilnehmen könnt ihr mit einem Kommentar hier auf dem Blog oder unter meinem Instagram-Post. Jeder Kommentar ist eine Gewinnchance. 

Teilnahmebedingungen:

Du bist mindestens 18 Jahre alt und hast eine Postadresse in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz. Die Verlosung startet mit Freischaltung der Beiträge und endet am Montag, 10. April 2021, 23:59 Uhr. Das Los entscheidet. Barauszahlung und Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch Mixtvision. Dafür gebe ich die Adresse des Gewinners bzw. der Gewinnerin an den Verlag weiter.

Viel Glück!

Kinderfreuden #48: Klein, aber oho!

„Der kleine Schneepflug“- Lora Koehler, Jake Parker

„Du bist so ein kleiner Schneepflug, überlass die schweren Arbeiten lieber uns!“, sagten die großen Laster und brausten davon.

Als der kleine Schneepflug neu nach Mighty Mountains kommt, um den alten pensionierten Schneepflug zu ersetzen, wird er von der bestehenden Crew aus großen Trucks kritisch beäugt. Keiner von ihnen glaubt daran, dass er den Schneemassen der Stadt gewachsen ist, geschweige denn einem so kleinen Schneepflug überhaupt etwas wirklich Bedeutendes gelingen kann. Schließlich ist er ja so klein und die Schneemassen der Stadt so groß. Doch bis zum Winter hat der kleine Schneepflug genügend Zeit, um zu trainieren und Kräfte zu sammeln. Und als der Schnee ins Land geht, kann er sich auch prompt unter Beweis stellen. Denn auch Kleine (Dinge) können ganz Großes bewirken!

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
28,2 x 23,6 cm
ISBN: 978-3-280-08007-8

Illustration: Jake Parker
Text: Lora Koehler

Orell Füssli Verlag
14,95 € [D]

 

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Heute vor einer Woche hat es bei uns noch geschneit und meine Tochter hat bei frostigen -10 Grad ihren morgentlichen Fußmarsch in den Kindergarten angetreten. Und als ich auf unserem gemeinsamen Weg in ihre kleinen Kinderaugen geblickt habe, die beim Anblick der glitzernd weißen Schneedecke, in die die Landschaft plötzlich eingehüllt war, zu leuchten begannen, musste ich unwillkürlich an die Geschichte vom kleinen Schneeflug denken.

Eine Geschichte, in die die kleine Testerin Luisa in diesem Winter eingetaucht ist und die euch trotz des bereits tauenden Schnees und dem Frühling, der schon vor der Tür zu stehen scheint, heute noch ans Herz gelegt sei. Denn trotz seiner überschaubaren Größe gelingt dem kleinen Schneepflug in diesem Bilderbuch ganz Großes. Denn wahre Größe kommt von innen. Und diese Botschaft kann Kindern in der heutigen Zeit gar nicht oft genug vermittelt werden.

Lora Koehler erzählt in ihrem ersten Bilderbuch „Der kleine Schneepflug“ eine Geschichte, in der sich Kinder schnell wiederfinden. Mit dem kleinen Schneepflug können sich vor allem kleinere Kinder gut identifizieren. Der Vergleich mit anderen, oft größeren Kindern beginnt bereits im Kindergartenalter. Oft liegt es nahe, dass sich kleinere Kinder Herausforderungen nicht gewachsen fühlen, die von größeren, vermeintlich stärkeren Kindern problemlos gemeistert werden. Auch der kleine Schneepflug wird beim ersten Zusammentreffen mit der Crew aus Mighty Mountains‘ größeren Trucks mit dem alten pensionierten Schneepflug verglichen. Ohne ihn zu kennen, erlauben sie sich ein Urteil über ihn, schätzen ihn als nicht stark und nicht groß genug ein. Wie soll so ein kleiner Schneepflug schon mit gewaltigen Schneemassen zurechtkommen?

Doch es ist nicht immer nur die äußerliche Größe, die uns zum Erfolg bringt. Es ist die Aufgabe von uns Erwachsenen die Kinder in dem was sie tun, zu bestärken, sie Mut und Kraft sammeln und sich an Dinge heranwagen zu lassen, die auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt sind. Denn manchmal kann daraus ganz Großes entstehen. Und Große lässt sich nicht nur mit Zahlen ausdrücken, sondern auch mit Taten. Als der große Schnee nach Mighty Mountains kommt und der kleine Schneepflug tatsächlich auf die Hilfe der großen Trucks angewiesen ist, fühlen sie sich natürlich bestätigt. Doch dass eines Tages eine Lawine ins Tal donnert und den großen Muldenkipper erfasst, hat keiner kommen sehen. Und plötzlich ist es der kleine Schneepflug, der nahezu Unmögliches schafft und ihn mit Ausdauer und Wendigkeit aus den Schneemassen befreit. Sein hartes Training hat sich ausgezahlt. Er ist über sich selbst hinausgewachsen. Und der anschließende Applaus der großen Trucks schenkt ihm die Anerkennung und die Wertschätzung, die er verdient hat.

Der Muldenkipper schüttelte den Schnee von seiner Ladefläche. „Ich habe nicht gewusst, dass ein kleiner Pflug so stark sein kann.“, sagte er. 

Was Lora Koehler hier in wunderbar kindergerechte Worte verpackt, weiß Jake Parker mit feinen Illustrationen umzusetzen. Und so blicken die Kinder in ganz wunderbare Schneeszenerien, in der der kleine Schneepflug sich zu behaupten weiß und durch seinen Mut und seine Beharrlichkeit am Ende ganz groß herauskommt. Wer sich noch nicht vom Schnee verabschieden will, ist mit diesem Bilderbuch bestens versorgt. Ganz besonders sympathisch finde ich, dass das Bilderbuch frei von Genderklischees ist und sich von kleinen Lesern und kleinen Leser*innen gleichermaßen erobern lässt. Die kleine Luisa stellt das anschließend ganz wunderbar unter Beweis.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

 

Was ist deine Lieblingsstelle im Buch?

Ich habe zwei Lieblingsstellen: Die Seite, auf der der kleine Schneepflug wieder in die Gerätehalle zurückkommt und die anderen stolz auf ihn sind und die letzte Seite, auf der man den kleinen Schneepflug sieht, wie er zufrieden lächelnd schläft.

Warum kann der kleine Schneepflug so stark sein?

Weil er es den anderen zeigen möchte und er besonders viel trainiert!

Worauf bekommt man nach dem Lesen richtig Lust?

Nach draußen in den schönen Schnee zu gehen (wenn man nicht ohnehin schon draußen ist).

Was gefällt dir am Buch am besten?

Die glänzende Titelseite, die schönen Farben und der kleine fleißige Schneepflug, dem man gar nicht ansieht, wie stark er wirklich ist

Beste Lesezeit:

Im Winter, ist doch klar!

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell Füssli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

#wirlesenunsnachnangijala: Kinder- und Jugendbücher zur Trauerbewältigung

Till minne av Astrid Lindgren

14. November 1907 – 28. Januar 2002

„Die Brüder Löwenherz“ im Original

Weil Kinderbücher besänftigen können

Heute vor 19 Jahren ist Astrid Lindgrens nach Nangijala gereist. Sie hat dort mit Krümel und Jonathan ihren Frieden gefunden, den Tod als unausweichlichen Teil des Lebens angenommen und sich ihrer tröstenden Vorstellung von einem Übergang in ein anderes Reich hingegeben. Sie war eine der ersten Autor*innen, die sich dem Thema Tod in Kinderbüchern angenommen hat. Die gespürt hat, dass auch Kinder einen Weg brauchen, um ihre Trauer um einen geliebten Menschen zu überwinden, um in dieser schweren Zeit Trost zu finden und um dem Tod nicht mit Angst zu begegnen.

Und während viele der Ansicht waren, dass es nicht angemessen sei, für Kinder über den Tod zu schreiben, hat ihre Geschichte um „Die Brüder Löwenherz“ sich nahezu besänftigend auf viele Kinderseelen gelegt. Astrid Lindgren erhielt zahlreiche Briefe von jungen Leser*innen, die sich von ihr getröstet fühlten und sich fragten, wie es Krümel und Jonathan wohl in Nangijala erging. Und deshalb setzte sich Lindgren hin und verfasste einen Brief für all diese Kinder.

Der Brief wurde 1974 im Expressen veröffentlicht.

Zitate aus „Die Brüder Löwenherz“

„Aber es gibt Dinge, die man tun muss, sonst ist man kein Mensch, sondern nur ein Häuflein Dreck.”

„Habe ich nicht gesagt, dass ich mitkomme, wohin du auch gehst?“ sagte ich. „Doch, das hast du“, sagte Jonathan, und seine Stimme klang recht froh. „Denn ich will bei dir sein“, fuhr ich fort, „auch wenn es in einem unterirdischen Höllenreich ist.”

„Krümel Löwenherz“, sagte Jonathan, „hast du Angst?“ „Nein … doch, ich habe Angst! Aber ich tue es trotzdem, Jonathan, ich tue es jetzt… jetzt … Und dann werde ich nie wieder Angst haben. Nie wieder Angst ha …“ „Oh, Nangilima! Ja, Jonathan, ich sehe das Licht! Ich sehe das Licht!”

„Ich kann aber nicht töten“, sagte Jonathan, „das weißt du doch, Orwar!“ […] „Wenn alle wären wie du“, sagte Orwar, „dann würde das Böse ja bis in alle Ewigkeit herrschen!“ Aber da sagte ich, „wenn alle wären wie Jonathan, dann gäbe es nichts Böses.”

Wir lesen uns nach Nangijala

Steven (alias superheldliestgern) und ich möchten in Gedenken an unsere liebste Kinderbuchautorin die kommenden drei Tage dazu nutzen, um euch auf Instagram ein paar einfühlsame Kinder- und Jugendbücher an die Hand zu geben, die euren Kindern dabei helfen können, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten.

#wirlesenunsnachnangijala und laden euch ein, uns auf dieser Reise zu begleiten. Wir wollen unter dem Hashtag Kinder- und Jugendbücher vereinen, die in dieser schweren Zeit helfen und trösten können. Die sich besänftigend auf die Seele der Kinder legen und sie neuen Mut fassen lassen. Die dem Thema nicht ausweichen, sondern ihm direkt ins Auge blicken.

Unter dem Tab „Projekte“ wird zukünftig eine untergeordnete Seite namens „Wir lesen uns nach Nangijala“ zu finden sein, die ich peu a peu um unsere und eure Kinder- und Jugendbuch – Empfehlungen ergänzen werde.

Habt ihr Lust uns eure liebsten Bücher anzuvertrauen? Dann verfasst doch auf Instagram (oder eurem Blog) einen Beitrag dazu und verseht ihn mit dem Hashtag #wirlesenunsnachnangijala. Natürlich sind eure Empfehlungen auch in Form eines schlichten Kommentars herzlich willkommen.

„Der Tod und die Liebe gehören zu den großen Dingen im Leben eines Menschen, das ist für jedes Alter interessant. Man soll Kindern keine Angst machen, aber sie müssen genauso wie Erwachsene von Kunst ergriffen werden.”

Astrid Lindgren, Dagens Nyheter, 8. September 1959

Kinderfreuden #47: Ein Brief ans Universum

„Lieber Besucher aus dem All“ – Sophie Blackall

„Liebes Wesen aus dem All, das hier musst du wissen, wenn du uns besuchen kommst.“

Eckdaten

Gebunden, ab 5  Jahren

80 Seiten
22,9 x 28,6 cm
ISBN: 978-3-314-10541-8

Text & Illustration: Sophie Blackall

NordSüd Verlag
18,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

„Wir Menschen definieren uns über unseren Geburts- und Wohnort, darüber, was wir glauben, und über unsere Kleidung und Sprache. Eine „typische“ Person gibt es aber nicht. Wir sind alle unterschiedlich. Und doch gibt es etwas, was wir teilen – den Planeten, auf dem wir leben. Diese Welt mit ihren Bergspitzen im ewigen Eis, den sandigen Wüsten und grünen Steppen, sich windenden Flüssen und eisigen Seen, den glitzernden Meeren, pulsierenden Großstädten, belebten Städtchen und verschlafenen Dörfern. Diese Welt enthält all unser Essen und Wasser, unsere ganze Kunst und Musik, alle Bücher, jede noch so kleine Ameise, jeden Nieser und jedes Komma, jedes Atom von jedem Lebewesen und jedem unbelebten Ding.“

Sophie Blackall

Manche Bilderbücher schenkt man nicht nur seinen Kindern, sondern auch sich selbst. Denn das fantastische Abenteuer, das hinter dem Buchdeckel dieses Bilderbuchs auf uns wartet, konnte ich weder Emma noch mir selbst entgehen lassen. Und so hat sich das Buch im letzten Jahr als ideales Geburtstagsgeschenk für die Räubertochter entpuppt, selbst wenn sie noch gut zwei Jahre zur Altersempfehlung trennt. Denn dieses Bilderbuch ist eine wahre Perle. Es kommt so bunt und facettenreich daher wie unser Planet selbst und ist nicht nur ein unglaublich wertvoller Leitfaden für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

„Lieber Besucher aus dem All“ ist ein Buch, mit dem man wachsen kann. Aus dem sich Kinder unterschiedlichen Alters das nehmen, was sie gerade brauchen. Das Eltern Brücken baut. Das wichtige Botschaften bereits mit seinen Bildern transportiert, ehe man sich überhaupt dem begleitenden Text annimmt. Das so allumfassend daherkommt wie ein Lexikon. Das unterschiedliche Sprachen spricht, verschiedene Hautfarben, Religionen und Gewänder trägt, das Größenunterschiede greifbar macht, das Gefühle erahnen, das Wetter erspüren und Vorlieben finden lässt. Das Klänge, Farben und Formen in sich trägt. Großes und Kleines. Sichtbares und Unsichtbares. Mensch und Tier. Das Anlass für Gespräche bietet und Dingen seine Aufmerksamkeit schenkt, die in Kinderbüchern oft außen vor gelassen werden. Körper, die nicht einem scheinbaren Ideal entsprechen; Augen, die nicht sehen, Münder, die nicht sprechen, Beine, die nicht laufen können und doch allesamt Menschen gehören, die einzigartig und besonders sind. Die wir als Teil des großen Ganzen sehen und denen wir mehr Respekt, Liebe und Toleranz schenken sollten. Denn wir alle sind ein Teil dieses wunderbaren Planeten.

Durch Sophie Blackalls Bilder bekommen Kinder eine Ahnung davon, wie bunt und lebendig unsere Erde ist. Sie reisen an der Seite von Quinn, einem sympathischen Jungen mit fransigem Pony, roter Mütze und geringelten Socken über unseren Planeten. Er ist es, der einen Brief an die Besucher aus dem All verfasst, sollten sie sich jemals auf den Weg zur Erde machen. Er nimmt die Leser*innen an die Hand, ist auf nahezu jeder Seite des Buchs anzutreffen und wird durch seine stetige Sichtbarkeit zu einem guten Freund und treuen Weggefährten .

Blackalls begleitender Text ist eingängig. Er kommt behutsam und kindgerecht daher, mitunter sogar poetisch. Er bettet sich harmonisch in die großflächigen Szenerien ein, wirkt nicht aufdringlich oder deplatziert, sondern lediglich ergänzend. Er erklärt vor allem älteren Kindern gewisse Themen und Problematiken. Geht auf körperliche Beeinträchtigungen, unterschiedliche Lebensumstände und Weltansichten ein. Auf Bakterien, Krankheiten und Krieg. Er hilft den Kindern neue Sichtweisen einzunehmen. Anderen Menschen offen und vorbehaltslos zu begegnen. Sich in sie hineinzuversetzen. Dinge zu hinterfragen, zu erlernen und zu verstehen.

Das Buch bedarf sicherlich erwachsener Lesebegleitung, aber wenn sich auch die großen Leser*innen auf das wunderbare Bilderbuchabenteuer von Sophie Blackall einlassen, werden sie merken, dass das Leben einem stetigen Wachstum unterliegt und man egal, wie alt und erfahren man ist, hier noch jede Menge für sich mitnehmen kann.

„Lieber Besucher aus dem All“ ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaja hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht und ein Buch für ALLE geschaffen. Einen wunderbaren Bilderbuchschatz, der in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Das Bilderbuch ist noch bis noch bis zum 30. Januar 2021, 23:59 Uhr, als Giveaway im Rahmen meines 10. Bloggeburtstages zu ergattern. Die Chance auf diese Bilderbuchperle solltet ihr euch nicht entgehen lassen! Die Teilnahme ist mithilfe eines Kommentars im vorherigen Beitrag möglich. Viel Glück!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Worum geht’s im Buch?

Um die Erde und alles, was auf ihr lebt

Wer schreibt den Brief an die Besucher aus dem All? Wer erzählt uns die Geschichte?

Das ist Quinn. Der Junge mit der roten Mütze, den ich fast auf jeder Seite entdeckt habe.

 

Lieblingsstelle im Buch:

Die Wetterseite, auf der es stürmt, schneit und regnet.

Was für ein Wetter magst du am Liebsten?

Wenn’s regnet, kann ich durch Pfützen springen und mit meinem Regenschirm spazieren gehen, genau wie Quinn – das mag ich!

 

Worauf freust du dich, wenn du die Bilder im Buch siehst?

Dass es draußen wieder so warm ist, dass wir auf einer Wiese sitzen und zusammen picknicken können

Wird zu:

einer kleinen Weltentdeckerin

 

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom NordSüd Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Ein Jahrzehnt „Nur Lesen ist schöner“

„Hier fängt die Geschichte an.“ („Die Stadt der Träumenden Bücher“, Walter Moers)

In einer von wilden Geistesblitzen durchjagden Nacht zwischen dem 23. und 24. Januar 2011 hat „Nur Lesen ist schöner“ das Licht der Welt erblickt. Heute, vor genau zehn Jahren, ging meiner erste Besprechung auf dem Blog online. Es waren erste zaghafte Zeilen zu einem Buch, das mich so unheimlich beeindruckt hat, dass ich plötzlich das Bedürfnis verspürte, meine Gedanken darüber festzuhalten und für andere Buchliebhaber*innen zugänglich zu machen. Und so nahm die Geschichte dieses Bücherblogs ihren Anfang.

Was mir anfangs ausschließlich als virtuelle Gedankenbibliothek dienen sollte, ist in den letzten zehn Jahren zu einer lebendigen Plattform herangewachsen, auf der die Meinung eines jeden Einzelnen willkommen ist. Über 100.000 Buchliebhaber aus aller Welt wurden hier angespült, haben sich nicht nur meinen Zeilen angenommen, sondern sie auch zum Anlass für Gespräche werden lassen. Ein lebendiger Austausch über Bücher begann. Die Liebe zum Buch wurde auf allen Seiten spürbar. Der Blog um Inspiration, Leidenschaft und Leben bereichert. Er ist zu einem teuren Weggefährten herangewachsen, mit dem ich so manch fantastische Abenteuer bestritten habe. Der mir Türen zu Menschen, Verlagen und Herzensprojekten geöffnet hat, die sich mir ohne ihn niemals offenbart hätten.

„Nur Lesen ist schöner“ wird nicht von Klickzahlen und Followern, sondern vielmehr von einer unbändigen Leidenschaft gelenkt: der Liebe zur Literatur.“

Das, auf was ich heute blicke, bin ich verdammt stolz. Ich mag mich nicht mit der Reichweite und dem Bekanntheitsgrad schmücken können, wie es andere tun, kann aber trotzdem ein paar ganz persönliche Erfolge verzeichnen. Ich bin Teil einer Anthologie über das Lesen geworden, durfte mit einem Zitat zu #warumichlese im Rahmen einer Kampagne von Stiftung Lesen ein Plakat auf der Leipziger Buchmesse schmücken, wurde Buchpreisblogger des Bayerischen Buchpreises 2019 und 2020 auf einer Bookstagrammer Map für die Ewigkeit markiert. Ich genieße mittlerweile das Privileg, mich von Verlagen mit Herzensbüchern ausstatten lassen zu können, über die ich mich mit Büchermenschen intensiv austauschen kann. Bücher, die mich zu Tänzen auffordern und mir wie Einladungen zu Reisen begegnen. Und ich weiß das zu schätzen. Und ich tanze. Und reise. Auch die nächsten zehn Jahre. An all die wunderbaren Orte, die man manchmal schwer erreichen kann oder uns nur mithilfe unserer Fantasie zugänglich sind. Mögen diese Bücher auf ewig mit uns sein!

Dieser Blog ist nur durch eure Unterstützung zu dem geworden, was er heute ist. Jedes einzelne Feedback, ob Like, Kommentar oder Email, war mir ein Fest. Und deshalb möchte ich mich heute mit zwei buchigen Giveaways bei euch bedanken. Es sind Bücher, die sich mir und meiner Räubertochter im letzten Jahr als Bücherperlen offenbart haben und mir freundlicherweise von den Verlagen zur Verlosung zur Verfügung gestellt wurden.

Giveaways: Zwei Bücherperlen für Groß und Klein

„Offene See“ – Benjamin Myers 

Dumont Verlag, erschienen am 20. März 2020, Preis 20,00€ [D], hier geht’s zum Buch

Myers‘ Zeilen begegnen einem wie Offenbarungen. Seine Beschreibungen sind melodisch. Poetisch. Nachhallend. Er scheint für alles die richtigen Worte zu finden. Verleiht seinem Roman damit eine ungeheure Kraft und Lebendigkeit. Man wiegt sich nahezu in den atmosphärischen Zeilen, die die Umgebung erwachen und zu ihrer vollen Schönheit entfalten lassen. Und so umgibt dich während dem Lesen eine unglaubliche Unbeschwertheit und Ruhe. Sie lassen uns die Natur und die Landschaft Englands vollends in uns aufnehmen, ihre Schönheit mit allen Sinnen erfassen. Die Willkürlichkeit des Moments wird unser Navigator, lässt es zu, dass wir in in diesem Kleinod stranden.

Für die Verlosung im Rahmen meines 10. Bloggeburtstags wurde mir freundlicherweise eine vom Autor persönlich signierte Ausgabe (!!!) vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt.

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung.

„Lieber Besucher aus dem All“ von Sophie Blackall

NordSüd Verlag, ab 5 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Es ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaya hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht, ein Buch für ALLE zu schaffen. Und das ist ihr mit Bravour gelungen!

Für die Verlosung im Rahmen meines 10. Bloggeburtstags wurde mir freundlicherweise eine Ausgabe vom NordSüd Verlag zur Verfügung gestellt.

Du kannst bereits in meinem Jahresrückblick einen kurzen Blick in dieses bezaubernde Bilderbuch werfen. Am Dienstag folgt eine ausführliche Besprechung auf dem Blog.

Dein Weg zum Glück

Da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir bis 30. Januar 2021, 23:59 Uhr zu verraten, welches der Bücher ihr gerne bei euch einziehen lassen möchtet und warum.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird.

Der/Die Gewinner/in wird unter diesem Beitrag bzw. bei Instagram erwähnt und per Mail benachrichtigt. Eine Barauszahlung und der Rechtsweg sind ausgeschlossen.

Viel Glück!

Eure Steffi

Kinderfreuden #46: Eine Reise durch die Galaxie

„Ein kleiner blauer Punkt“ – Maren Hasenjäger

Irgendwo im riesengroßen Universum schwebt ein kleiner blauer Punkt. Ihr kennt ihn. Es ist der Planet, auf dem wir alle leben: die Erde. Und obwohl die Erde in so vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist, fühlt sie sich ziemlich alltäglich wenn sie auf die anderen sieben Planeten blickt, die mit ihr um die Sonne kreisen. Dann wünscht sie sich nichts sehnlicher, als so zu sein wie sie.

Sie wäre so gern wie Merkur, der der Sonne am Nächsten steht; wie Venus, die so hell ist, dass die Menschen sie mit bloßem Auge am Nachthimmel entdecken können; wie Mars, auf den ständig Sonden geschickt werden; wie Jupiter, der tausend Mal so groß ist wie sie; wie Saturn, der einen Hula-Hoop-Reifen um den Bauch trägt; wie Uranus, der wohl der lustigste Planet von allen ist und sich ständig um sich selbst dreht oder wie Neptun, der ziemlich cool und geheimnisvoll daherkommt.

Doch auch die Erde hat ein paar ganz besondere Merkmale. Kommt mit auf eine Reise durch unser Sonnensystem und entdeckt, wie einzigartig unser Planet ist.

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4  Jahren

32 Seiten
25,0 x 27,5 cm
ISBN: 978-3-7348-6001-0

Text & Illustration: Maren Hasenjäger

Magellan Verlag
15,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 

Blickwinkel aus großen Augen

Seit ihrem ersten Buch über die Sterne ist es wie um Emma geschehen. Plötzlich ist da eine ungeheure Faszination für den Weltall, für die Sterne, die Planeten und all die magischen Vorkommnisse in diesem riesengroßen Universum. Ich war als Kind genauso begeistert von dem, was sich da oben im Weltall abspielt, wie es Emma heute ist. In meiner Erinnerung aber war ich damals um einiges älter als sie, ich hatte ein Teleskop in meinem Dachbodenzimmer stehen, das mich meiner damaligen Lektüre für die Altersgruppe 10+ weitaus intensiver auf den Grund gehen ließ. Wie gut, dass der Büchermarkt sich stetig weiterentwickelt und uns heute eine ganze Reihe an fantastischen Büchern zur Verfügung steht, die auch kleine Leser*innen dem Weltall ganz nahebringen können. 

Als ich das Cover von „Ein kleiner blauer Punkt“ das erste Mal sah, musste ich eigentlich gar nicht mehr vom Inneren sehen, um zu wissen, dass es das ideale Bilderbuch für Emma ist. Es erweitert ihre „Sternenbibliothek“ (wie wir ihr Regal neben dem Bett seit kurzem nennen) um einen weiteren Bilderbuchschatz. Um ein Sachbilderbuch, das so unterhaltsam, warmherzig und spannend daherkommt, dass man es ohne weiteres auch als erzählendes Bilderbuch wahrnehmen kann. Denn im Gegensatz zu den inhaltlich sehr gehaltvollen Sachbilderbüchern, die sich an weitaus ältere Kinder richten, reiht sich dieses hier in die Riege der erzählenden Sachbilderbücher für die Kleinen ein. Es ist ein Buch, das ebenso einfühlsam und außergewöhnlich daherkommt wie es z.B. auch die Sachbilderbücher von Jenni Desmond tun (hier bekommst du einen Einblick in „Der Elefant“ bzw. „Der Eisbär“).

Mit wunderbar kindgerechten Worten erzählt Maren Hasenjäger die Geschichte vom kleinen blauen Punkt, der Erde, die so unscheinbar durch das große dunkle Weltall schwebt, dass man sie fast übersieht. Es sind ihre Augen und ihre Worte durch die die kleinen Leser*innen die restlichen sieben Planeten des Sonnensystems kennenlernen und bald nicht nur um ihre Besonderheiten, sondern auch um ihre Gefahren wissen. Sie lernen, dass man nicht auf Merkur stehen könnte, ohne sich dabei mächtig die Füße zu verbrennen, dass die Luft auf der Venus giftig ist und dass die Oberfläche von Jupiter aus dichtem wirbelnden Gas besteht.

Hasenjäger verwebt sachkundige Informationen mit leicht zugänglichen Zeilen. Und so  schweben die Kinder mit der Erde nicht nur ganz spielerisch und leicht durch den Weltraum, sie entwickeln auch eine wunderbare Verbundenheit zu ihr, gewinnen sie als Freundin dazu. Eine, die sich trotz all ihrer Besonderheiten für zu gewöhnlich erachtet. Die sich mit den restlichen Planeten vergleicht, ihnen nacheifert und sich nichts sehnlicher wünscht, als so zu sein wie sie. Doch am Ende lernt nicht nur die Erde, dass sie wie jeder andere (Planet) etwas ganz Individuelles und Einzigartiges an sich hat, sondern auch die Kinder.  

Das Sachbilderbuch „Ein kleiner blauer Planet“ kommt nicht nur wunderbar unterhaltsam und informativ daher, es birgt auch ganz fantastische Bilder in sich, die wir ebenfalls Maren Hasenjäger zu verdanken haben. Mit ihren großformatigen und farbenfrohen Illustrationen lässt sie ihre kleinen Leser*innen den Planeten und dem Weltall ganz nahe kommen. Die Deckelinnenseiten ihres Bilderbuchs bestückt sie am Anfang mit einer wunderbaren Planetenkonstellation, die noch einmal mit kurzen Eckdaten zu den einzelnen Planeten aufwartet und am Ende mit einer ganz reizenden Botschaft, die von einem auf der Erde lebenden Kind ausgeht:

„Endlich hörst du mir zu!“, sagt es. „Also ich finde ja, du hast etwas ganz Wichtiges vergessen: Du bist der einzige Planet, auf dem ich leben kann! Hier ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt, es gibt Wasser und Essen und Luft zum Atmen. Nur auf dir gibt es Gras und Krokodile. Und Bienen und Sonnenblumen. Und Schneeleoparden und Badeseen und Gänseblümchen und Tintenfische und Schneeballschlachten und Kakteen und Blauwale und Spaghetti und riesige Mammutbäume und Kinder und Pizza und Flummis und Ameisen und Korallenriffe und Eis mit Sahne und Kirschkernweitspucken und noch vieles, vieles mehr!“ Das Kind hält in seiner Aufzählung inne. Dann lächelt es. „Für mich bist du genau richtig!“

 Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Worum geht’s im Buch?

Um Planeten

Hast du direkt erkannt, wer der kleine blaue Punkt ist?

Na klar! Das ist die Erde.

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Bei Saturn mit seinen Gesteinsbrocken

Wo entfaltet sich das Buch am Besten?

Auf dem Kuschelteppich, neben der Sternenbibliothek, umgeben von Planeten

Was möchtest du auch eines Tages machen?

Zum Mars fliegen

Wird zu:

einer Astronautin

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom Magellan Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

20 of 2020: Unsere Kinderbuchperlen des vergangenen Jahres

Zwei Wochen ist es nun alt. Dieses heiß ersehnte 2021, vom dem sich alle wieder mehr Normalität versprechen. Es soll freier, lebendiger und unbekümmerter daherkommen als das Jahr zuvor. Unserem Leben mehr Farbe, Hoffnung und wilde Abenteuer schenken. Und doch kann uns das alles keiner garantieren. Eins kann ich euch aber mit ziemlicher Gewissheit garantieren: Wunderbare Kinderbücher wird es in diesem Jahr reichlich geben. Genau wie es sie im letzten Jahr gab. Und wisst ihr was? Sie schenken uns das alles. Das alles und noch viel mehr. Es sind ihre Geschichten, in die wir mit unseren Kindern eintauchen, die unsere Fantasie beflügeln, unseren Horizont erweitern und uns an Orte versetzen können, die wir in der Realität gerade nicht erreichen. Und deshalb empfehle ich euch: nehmt die Einladung der Bücher an. Denn Lesen ist wie reisen mit unbekanntem Ziel! 

Und bevor ich euch die Kinderbücher vorstelle, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblicken werden oder es bereits in unsere Regalreihen geschafft haben, möchte ich euch noch einmal unsere Highlights aus 2020 vorstellen. Denn die Bilderbücher, die Emma und mich im letzten Jahr begleitet haben, waren in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. Sie kamen nahezu magisch daher, haben uns mit ihren fantasievollen, facettenreichen und berührenden Geschichten begeistert und uns durch ein Jahr getragen, das so kräftezehrend war wie keines zuvor. Sie haben es geschafft, Licht ins Dunkle zu bringen, unserem Alltag Farbe zu verleihen und uns Hoffnung zu schenken. Sie haben unseren Lesestunden einen gewissen Zauber verliehen. Und deshalb waren sie nicht nur in 2020 Garanten für unterhaltsame Lesestunden, sondern bleiben es auch in 2021. 

Nachfolgend möchte ich euch 20 unserer meistgeliebten Kinderbücher aus dem letzten Jahr mit auf den Weg geben. Ihr habt richtig gelesen. Es sind zwanzig an der Zahl! Und wenn ich ehrlich bin, hätte die Liste auch doppelt so umfangreich ausfallen können. Denn unser letztes Jahr war so unglaublich reich an Bilderbüchern, das ich mich schwer zusammenreißen musste, nicht jedes Einzelne von ihnen zu nennen. 

Bei der nachstehenden Auswahl handelt sich um eine bunte Zusammenstellung von Kinderbüchern für Leser*innen unterschiedlichsten Alters. Sie wurden unabhängig von der Altersempfehlung von Emma und mir im Sturm erobert. Es handelt sich genau wie im letzten Jahr nicht ausschließlich um Bücher, die 2020 veröffentlicht wurden, aber den Weg zu uns gefunden haben. 

Die Reihenfolge der Bücher ist völlig willkürlich und unterliegt keinem Ranking.

Mögen die Bücher mit euch sein!

1. „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade & Valeria Docampo

Mixtvision, ab 3 Jahren, erschienen im Juni 2010, Preis 14,90 € [D], hier geht’s zum Buch

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Dieses Buch wurde von Emma im letzten Jahr am meisten aus dem Regal gezogen. Sie liebt es heiß und innig, hat es innerhalb weniger Tage zu ihrem Liebling auserkoren. Und so hafteten schon nach kurzer Zeit Lebensspuren zahlreicher Lektüren auf den Buchseiten, stehen für die Liebe, die für dieses Buch herangewachsen ist.

Die Geschichte um die große Wörterfabrik ist Dank Valeria Docampos stimmungsvollen und großflächigen Illustrationen nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch inhaltlich besonders wertvoll. Denn im Zusammenspiel mit den poetischen Zeilen der Belgierin Agnès de Lestrade, die von Anna Taube ins Deutsche übersetzt wurden, wird den Kleinen hier etwas sehr Wertvolles vermittelt. Nämlich dass auch kleine Dinge ganz Großes bewirken können. Hier sind es drei Wörter, die Paul und Marie die Welt bedeuten. Es ist der emotionale Wert, der ihnen anhaftet, und sie für die beiden so wertvoll macht.

Die Botschaft des Buches lässt auch uns Erwachsene darüber nachdenken, wie unbedacht wir oft Wörter in die Freiheit entlassen und welche Sorgfalt wir beim Sprechen eigentlich an den Tag legen sollen. Darüber hinaus lernen die Kinder auch, dass man manche Dinge nicht kaufen kann. Und deshalb ist es auch nicht der reiche Oskar, sondern der in bescheidenen Verhältnissen lebende Paul, der Maries Herz im Sturm erobert.

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2. „Vielleicht“ von Kobi Yamada & Gabriella Barouch

Adrian Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 16. September 2019, Preis 12,95 € [D], hier geht’s zum Buch

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Unser Leben ist von so vielen äußeren Einflüssen geprägt: von den Wunschvorstellungen anderer, von gesellschaftlichen Vorgaben, von vermeintlichen Idealen und geschlechtsspezifischen Merkmalen. Unser Leben gehört aber uns. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wohin ihn die Reise seines Lebens führt.

Dieses Bilderbuch zeigt schon den Kleinsten, was das Leben so alles für sie bereithält. Und dass nahezu alles möglich ist, solange sie auf ihr Herz hören, an sich selbst glauben und nicht müde werden, das Leben jeden Tag aufs Neue zu erobern. Denn vielleicht, ja vielleicht werden sie ja ihre kühnsten Träume übertreffen…

Es gibt Bücher, an die man auf Anhieb sein Herz verliert. Und genauso war es bei mir hier. Schon lange bevor wir selbst in „Vielleicht“ abtauchen konnten, war ich von der Magie fasziniert, die bereits von seinem Cover ausgeht. Und taucht man erst in die Seiten des Bilderbuches ab, beginnen die Augen zu strahlen. Denn auf was man sich hier begeben darf, ist eine Reise ganz besonderer Art: Einer Reise zu sich selbst.

„Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist […] ist alles möglich.“

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3. „Meer – Die Welt unter den Wellen“ von Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, ab 4 Jahren, erschienen am 24. März 2020, Preis 15,00€ (D), hier geht’s zum Buch

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Als ich das Bilderbuch auf der „Münchner Bücherschau junior“ entdeckt habe, konnte ich selbst kaum die Augen davon abwenden. Es kommt so bunt, lebendig und wunderschön daher, dass man sich kaum daran sattsehen kann. Und als uns das Buch dann zuhause erreicht hat und ich sah, wie viel Freude die Räubertochter damit auf Anhieb hatte, wusste ich, dass es nicht bei einem Werk der Illustratorin bleiben wird.

Mit ihren Bildern, die auf nahezu magische Weise daherkommen, nimmt Britta Teckentrup die Kinder mit auf eine wundervolle Reise durch die magische Unterwasserwelt. Und dabei lernen sie nicht nur die wunderschöne Unterwasserlandschaft und ihre Meeresbewohner kennen, sondern wissen bald auch um die Gefahren, die sie umgibt. Denn in den Bildern begegnen wir nicht nur tanzenden Seepferdchen, zahlreichen Fischen, glänzenden Aalen und glitzernden Quallen, sondern auch einem gefährlichen Hai.

„Korallenriffe sind ein Schatz, ein Meerestiere-Tummelplatz. Drum schützt das Meer, den Zauberort, und alle unsre Freunde dort!

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4. „Erklär mir was Sterne sind“ 

Usborne Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 31. August 2018, Preis 9,95 [D], hier geht’s zum Buch

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„When you wish upon a star..“

Was sind Sterne? Und kann man sie zählen? Leuchten sie nur bei Nacht? Und was ist mit unserer Sonne, ist die auch ein Stern? Fragen über Fragen. In „Erklär mir, was Sterne sind“ lernen Kinder alles über Sterne.

Mit zahlreichen Klappen können die Kleinsten in diesem Buch nicht nur interaktiv den Sternenhimmel erobern, sondern auch viel Wissenswertes für sich mitnehmen. Schon auf der ersten Seite hat Emma etwas Wichtiges gelernt und anschließend selbständig mit ihren Perlen ein Dreieck auf ihren Holzstern gelegt, weil darin auf die Zacken eines Sterns eingegangen wird und sich auch ein Dreieck und Quadrat in die Auswahl gemischt hat.

Von da an konnte Emma gar nicht genug von dem Pappbuch kriegen, von den Sternen und vom leuchtenden Nachthimmel! Dieses Buch hat ihre Begeisterung für den Weltall entflammt und sie zur leidenschaftlichen Sternenguckerin gemacht. Seitdem umgibt die Räubertochter eine Faszination um Sterne und Planeten. 

5. „Kalle und Elsa lieben die Nacht“ von Jenny Westin Verona & Jesús Verona

Bohem Press, ab 3 Jahren, erschienen am 14. Mai 2020, Preis 16,95€ [D], hier geht’s zum Buch

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Dieses Bilderbuch ist an Weihnachten bei Emma eingezogen und hat sich direkt in ihr Herz geschlichen. Da Emma mittlerweile nicht nur alles liebt, was mit dem Weltraum zu tun hat, sondern auch ein großer Fan des Bilderbuch-Duos Kalle und Elsa geworden ist, ist sie schwer begeistert, dass die beiden Freunde hier mit Elsas aufgemotztem (Raketen)Bett in den Weltraum düsen und direkt auf dem Mond landen, wo so manche Überraschung auf die beiden wartet. Denn hier begegnen sie nicht nur einer belesenen Nachteule, allerhand Mondsüchtigen und sogar einem Weltraumaffen, sie inszenieren dort auch Moonwalks, straucheln durch schwarze Löcher und reiten auf einem glitzernden und blinkenden Kometen wieder direkt zurück in Elsas Zimmer, um sich dem ganzen Naschkram anzunehmen, den sie sich im Vorfeld als Stärkung zurechtgelegt haben. 

Es ist genau so ein Abenteuer, dass Kinder gerade brauchen: Eines, das ihre Fantasie beflügeln, ihre Augen zum Leuchten bringen und ihre Träume mit fantasievollen Bildern anreichern kann. Es ist divers, fantasievoll und eine unglaubliche Augenweide!

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

6. „Der Maulwurf und die Sterne“ von Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, ab 3 Jahren, erschienen am 24. Juli 2019, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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„Ich wünschte, ich könnte alle Sterne dieser Welt bestitzen!“, flüsterte er.

Für Sterne hat Emma gerade sehr viel übrig. Mit dem Maulwurf, der sich in diesem wundervollen Bilderbuch von Britta Teckentrup die Sterne vom Nachthimmel klaut, um sich auch in seinem dunklen Maulwurfsbau an ihrem Glanz zu erfreuen, konnte sie sich auf Anhieb identifizieren. Dass der um sein Sternenlicht beraubte Nachthimmel aber plötzlich sehr dunkel und angsteinflößend daherkommt und die Sterne von den restlichen Waldbewohnern mindestens genauso sehr geliebt werden wie vom Maulwurf, hat der Gute nicht bedacht. Und deshalb wünscht er sich beim Anblick einer gefallenen Sternschnuppe nichts sehnlicher, als dass er seinen Sternenklau ungeschehen machen kann.

Und siehe da, plötzlich ragen tausende Leitern in den Nachthimmel, mithilfe derer der Maulwurf mit der Unterstützung der restlichen Waldtiere die Sterne wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückbringt. Der liebste Stern des Maulwurfs findet fortan seinen Platz direkt über seinem Lieblingsstein und das zauberhafte Licht des leuchtenden Nachthimmels kann von da an wieder von allen Tieren des Waldes genossen werden.

Diese wundervolle (Gute-Nacht-)Geschichte passt ganz hervorragend in Emmas Sternenbibliothek. Sie vermittelt den kleinen Leser*innen auf sehr behutsame und magische Weise, was Freundschaft, Besitz und Teilen ausmacht und trägt darüber hinaus eine sehr wichtige Botschaft in sich: Die Wunder dieser Welt gehören uns allen.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

7. „Lieber Besucher aus dem All“ von Sophie Blackall

NordSüd Verlag, ab 5 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Manche Bücher schenkt man nicht nur seinem Kind, sondern auch sich selbst. Denn das fantastische Abenteuer, das hinter dem Buchdeckel von „Lieber Besucher aus dem All“ auf uns wartet, konnte ich weder Emma noch mir selbst entgehen lassen. Und so hat sich das Bilderbuch als ideales Geburtstagsgeschenk für die Räubertochter entpuppt, ihr einen wertvollen Leitfaden an die Hand gegeben, der so bunt und facettenreich ist wie unser Planet selbst.

Es ist ein Herzensprojekt, das aus einer Idee entstanden ist, die Sophie Blackall während ihrer Arbeit für Save the Children im Himalaya hatte. Sie hat sich ein Buch gewünscht, das Menschen unterschiedlichster Herkunft einander näherbringen kann, das ihr eigenes Zuhause und das von all den Kindern zeigt, die ihr während ihrer Arbeit begegnet sind. Und so hat sie sich einfach selbst daran versucht, ein Buch für ALLE zu schaffen. Und das ist ihr mit Bravour gelungen!

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

8. „Meine Freundin Erde“ von Patricia MacLachlan & Francesca Sanna

NordSüd Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 20. März 2020, Preis 18,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Im Winter kuschelt sie sich in eine glitzernd weiße Decke aus Schnee, sie blickt durch scheinbar undurchdringliches Gestrüpp aus wild sprießenden Pflanzen im Frühling und gießt lauen Sommerregen über das Land, lässt Bäche die Berge hinabrauschen und heftige Herbstwinde durchs Land fegen, die durch die Glieder von Bäumen und Straßen pfeifen.

Sie lässt Spinnen in ihren Händen Netze spannen, reitet auf dem Rücken von Walen, hilft verlorenen Tierkindern zu ihren Müttern zurück, lässt Wildpferde über die gepflegte Prärie donnern und gibt kleinen Eisbären den Blick durch dicke Eisschichten frei, damit sie die Wunder unter der Meeresoberfläche bestaunen können.

Unsere Freundin Erde gibt den Rhythmus des Lebens vor. Sie ist unsere Taktgeberin, bestimmt den Kreislauf der Natur und behütet alle Lebewesen. Habt ihr Lust, sie ein Stück ihres Weges zu begleiten? 

Francesca Sanna hat in ihrem Bilderbuch einen wunderbaren Weg gefunden, mit ihrem Pinsel die Erde genauso facettenreich zu Papier zu bringen wie sie ist. Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten, lässt sie gemeinsam mit dem Mädchen durch ein Meer von Farben tauchen und Blickwinkel einnehmen, die den Blick auf kleine kostbare Details preisgeben, die einem beim oberflächlichen Betrachten verwehrt bleiben. 

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9. „Linnea im Garten des Malers“ von Lena Andersen

cbj, ab 8 Jahren, 4. Edition (erstmals erschienen am 1. Juli 1987), Preis 12,99 € [D], hier geht’s zu den Büchern

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Diese bezaubernde Bilderbuchreise, in dem das Mädchen Linnéa von ihrer Reise mit dem pensionierten Gärtner Blümle erzählt, hat Emma an Ostern in Begleitung eines Farbmalkastens geschenkt bekommen. Es sollte ihr einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was man mit dem Pinsel alles zaubern kann und was wir in unserem ursprünglich anvisiertem Sommerurlaub entdecken wollten. Diese Reise nach Frankreich wurde leider nichts, dafür durfte die kleine Stoffpuppe Linnéa aus meiner Kindheit von der Oma zu uns reisen. Denn auch ich hatte das Bilderbuch als Kind bestaunt und es heiß und innig geliebt.

Das Bilderbuch ist eine so wunderbare Inspiration für kleine Malkünstler, eine Ode an die Natur und an den Künstler Claude Monet. Hier erfahren die kleinen Leser*innen auf so bezaubernde Weise alles über Monets Leben, seine Familie, über die Natur und über Paris, dass es sich ein klitzekleines bisschen so anfühlt, als wäre man selbst in Frankreich.

10. „Stinas Sommer“ von Lena Andersen

cbj, ab 4 Jahren, erschienen am 25. März 2013, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Der Sammelband „Stinas Sommer“ vereint unter einem unglaublich hübschen Cover die Geschichten „Sturm-Stina“ und „Stina und der Lügenkapitän“ um die Figur Stina von Lena Andersen. Wer eine Leidenschaft für das Meer und das Land Schweden hegt, wird mit Begeisterung in die Geschichten eintauchen. Denn hier trifft man nicht nur auf traumhaft skandinavische Illustrationen, sondern auch auf lebendige Bilder der stürmischen See.

Während sich die kleine Stina in „Sturm Stina“ mit kindlicher Vorfreude ins tosende Unwetter stürzt und von ihrem Opa erst einmal das nötige Sturm-Outfit verpasst bekommt, lernt sie in „Stina und der Lügenkapitän“ Opas Kindheitsfreund Axel kennen, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und aus gutem Grund den Spitznamen Lügenkapitän trägt.

Zu diesem Sammelband erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

11. „Roberts weltbester Kuchen“ von Anne-Kathrin Behl

NordSüd Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 18. Juli 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zu den Büchern

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Genderklischees gibt es wie Sand am Meer. Oft sind sie so fest in unseren Köpfen verankert, dass man sich nur schwer von ihnen lösen kann, man ganz aus Gewohnheit alte Denkweisen und Verhaltensmuster beibehält. Kleidung, Berufe und Hobbies vermeintlich geschlechtsspezifisch auswählt, sich den Regeln der Gesellschaft unterordnet. Dabei streben wir doch alle nach individueller Entfaltung. Wollen selbst entscheiden, was wir am liebsten mögen. Und zu eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen. Und das von klein an!

Kinderbücher, die mit Rollenklischees aufräumen, sind noch rar, aber immer mehr im Kommen. Mit „Robert weltbester Kuchen“ von Anne-Kathrin Behl hießen wir im letzten Jahr eine Bilderbuchperle in unserem Bücherregal willkommen, die genau dort angesiedelt ist, wo wir uns wohlfühlen: in einer Welt frei von Geschlechterstereotypen. Einer Welt, widdewidde wie sie uns gefällt! 

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12. „Der höchste Bücherberg der Welt“ von Rocio Bonilla

Jumbo Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 20. Juli 2018, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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„Man kann auch anders fliegen, Lukas!“ Und sie legte ein Buch in seine Hände.“

Lukas wünscht sich nichts sehnlicher als fliegen zu können. Wie ein Vogel den Himmel zu erobern, das wär’s! Als seine Mama ihm eines Tages ein Buch in die legt, das ihm beim Fliegen helfen soll, ist er irritiert. Doch er beginnt zu lesen und findet so viel Gefallen an der Geschichte, dass er sie in einem Rutsch durchliest. Und plötzlich will er mehr, kann mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Bald versorgt ihn die ganze Stadt mit Büchern, aus denen er sich einen Bücherstapel baut, auf den er sich zum Lesen setzt. Und so ragt sein Bücherstapel bald weit in den Himmel und geht als höchster Bücherberg der Welt in die Geschichte ein. Und irgendwann hat Lukas verstanden, was seine Mama gemeint hat. 

Als ich von Rocio Bonillas neuem Bilderbuch erfahren habe, war klar, dass ich es der Räubertochter schenken muss. Mit ihren Büchern kann sie längst einen Bücherberg bauen der genauso weit in den Himmel ragt, wie der von Lukas. Doch was mir an „Der höchste Bücherberg der Welt“ besonders gut gefällt, ist die Botschaft, die Kindern damit übermittelt wird: Es bedarf keiner Flügel, um fliegen zu können. Es sind die Geschichten, die uns Flügel verleihen, unsere Fantasie, die uns davonträgt.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

13. „Welche Farbe hat ein Kuss?“ von Rocio Bonilla

Jumbo Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 12. Januar 2018, Preis xx € [D], hier geht’s zum Buch

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„Welche Farbe hat ein Kuss?“

Diese Frage beschäftigte Emma seit Ostern sehr. Denn der Osterhase hat ihr im letzten Jahr nicht nur das gleichnamige Bilderbuch von Rocio Bonilla, sondern auch einen Farbmalkasten geschenkt. Sie tauchte von da an mit Vorliebe ins Land der Farben ab und hat schnell verstanden, dass ein Kuss ganz viele Farben mit sich bringt. Es war das Buch, das ihr die Bedeutung von „bunt“ besser verständlich gemacht hat.

In diesem Bilderbuch lernen die Kinder mit Minimia, dass sich Farben nicht nur bestimmten Dingen, sondern auch bestimmten Gefühlen zuordnen lassen. Das Rot von Emmas Nudelsauce wird nun häufiger mal wütend, das Blau des Meeres schwappt ganz traurig daher und das Gelb der Sonnenblumen schickt ganz wunderbare Ideen hinaus in die Welt. 

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

14. „Tinkas Tomaten“ von Sanne Dufft

Verlag Urachhaus, ab 4 Jahren, erschienen am 11. Februar 2020, Preis 16,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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„Tinka kümmert sich um ihre Tomaten. Sie gießt sie morgens und sieht nach, ob es ihnen gut geht. Sie entdeckt Tauperlen an den Spitzen der Blätter. Zauberglitzerperlen für Tinka.“

Es gibt Bilderbücher, bei deren Anblick schäumt mir das Herz über – dies ist so eins. Schon als ich „Tinkas Tomaten“ Anfang 2020 bei einer Bloggerkollegin entdeckt hatte, wusste ich, dass dieser Bilderbuchschatz irgendwann bei Emma einziehen muss. Und irgendwann stand er da, im Sommer, eng an Emmas Tomatenpflanzen geschmiegt und entfaltete sich dort mit seiner ganzen Pracht.

Eines Tages bekommt Tinka von ihrem Opa Setzlinge mitgebracht. Was sie anfangs für schlappe Blättchen hält, entpuppt sich nach dem ersten Schnuppertest für Tomatenpflänzchen. Sie pflanzt sie ein, hegt und pflegt sie und kann sich sogar im Kindergarten gedanklich nicht von ihren kleinen Pflänzchen trennen. Sie erfreut sich an den kleinen Tauperlen an den Blätterspitzen, an den ersten Blüten, die ihr wie kleine gelbe Sterne begegnen und versorgt sie mit „Schlingelstangen“ zum Wachsen. Für die Sommerferien organisiert sie fleißige Helfer, die sich während ihrer Abwesenheit um die Pflanzen kümmern. Und als sie aus dem Urlaub zurückkommt, traut sie ihren Augen kaum, denn ihre Pflanzenstöcke hängen voll von prallen roten Tomaten. 

Mithilfe dieser Bilderbuchperle wird nicht nur eine wundervolle Geschichte erzählt, die von der Liebe zur Natur lebt, sondern den Kindern auch sehr wertvolle Informationen an die Hand gegeben. Die kleinen Leser*innen begleiten darin den Entstehungsprozess von Tomaten; lernen, dass die Pflanzen keine nassen Füße mögen und einen Unterteller zum Ablaufen brauchen, Regen und Sonne gleichermaßen benötigen, um sich zu ihrer vollen Blüte zu entfalten, um uns eines Tages mit Tomaten versorgen zu können.

Zu diesem Bilderbuch erscheint in 2021 noch eine ausführliche Besprechung.

15. „Magnus und der Nachtlöwe“ von Sanne Dufft

Verlag Urachhaus, ab 4 Jahren, erschienen am 8. März 2017, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Magnus fühlt sich groß und stark mit seinem Hut und seinem Schwert. Aber manchmal fürchtet er sich auch. Vor allem nachts, wenn ihm ein Räuber in seinen Träumen auflauert, der es auf seinen Hut und auf sein Schwert abgesehen hat. Für solche Fälle braucht man einen starken Freund an seiner Seite.

Die Oma erkennt das und schenkt Magnus einen Nachtlöwen. Einen, der Löwenkräfte in ihm heranwachsen lässt. Und plötzlich kann ihm kein böser Traum mehr etwas anhaben. Denn mit seinem Löwen ist Magnus der Allermutigste. Besonders, wenn es dunkel ist.

„Der Nachtlöwe brüllt, oh wie er brüllt. Sie stürmen durch den Wald, dem Räuber hinterher. Wild, verwegen und furchterregend.“

Dieses Bilderbuch vermag so viel. Denn Sanne Dufft gibt darin nicht nur Magnus, sondern auch den kleinen Leser*innen einen tierischen Freund an die Hand. Einen, der sie nachts beschützen und Löwenkräfte in ihnen heranwachsen lassen kann. Der Nachtlöwe schenkt ihnen Mut, Kraft und Stärke, bestärkt sie darin, sich ihren Ängsten zu stellen. Und so blicken wir schon bald auf einen mutigen Magnus, der mit seinem neuen Freund seine Angst vor dem Räuber überwinden und ein so starkes Selbstbewusstsein aufbauen kann, dass er fortan nicht nur wild, verwegen und furchterregend den nächtlichen Wald unsicher macht, sondern auch zum Beschützer seiner Eltern wird. Es erfüllt ihn sichtlich mit Stolz, diese Aufgabe ganz alleine zu meistern. Und so zeigt Dufft, dass es manchmal nur einer kleinen Geste bedarf, um Kinder zu einer selbständigen Persönlichkeit heranwachsen zu lassen.

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung.

16. „Plupp im Herbst“ von Inga Borg

Verlag Urachhaus, ab 3 Jahren, erstmals am 21. August 2019, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Der kleine Troll Plupp lebt in einer Kate am Ufer eines Sees, den er Blauwasser nennt, irgendwo im hohen Norden. Seine Haare sind blau wie die Berge und sein Schal hat dieselbe Farbe wie die Blätter der Zwergbirke im Herbst. Weil er so eine enge Verbundenheit zur Natur und den Tieren hegt, war er uns auf Anhieb sympathisch. Und als die Idee eines Jahreszeitenregals aufkam, dachte ich, dass sich die Szenerie aus Inga Borgs „Plupp im Herbst“ sehr gut in Emmas Zimmer machten könnte. Und so zog Plupp kurzerhand auf ihr Fensterbrett. Hier begegnete er dem Hasen und dem Bär, die seine üppigen Vorräte bestaunten. Das hilfsbereite Rentier Likko hat Plupp und seine randvollen Körbe sogar nach Hause getragen.

Wer auf der Suche nach saisonalen Bilderbüchern mit Mehrwert ist, ist bei Plupp genau richtig. In Borgs farbenfrohen Illustrationen kommt nicht nur Flora und Fauna besonders schön zur Geltung, die Kinder bekommen in den Abenteuern mit dem blauhaarigen Troll auch jede Menge Natur- und Tierwissen vermittelt. Und ganz nebenbei können sie von ihrem Kinderzimmer aus noch in den hohen Norden reisen. 

17. „Schneeglück verschenken“ von Heyjin Go

Atlantis / Orell Füssli, ab 4 Jahren, erschienen am 18. September 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Pünktlich zum Wintereinbruch sind Emma und ich in das Bilderbuch „Schneeglück verschenken“ eingetaucht, das ihr der Nikolaus gebracht hat. Der Bär, der darin das Wunder fallender Schneeflocken zum ersten Mal erlebt, hat es der Räubertochter mindestens genauso angetan wie die heißersehnten Flocken, die plötzlich vom Himmel gefallen sind. Als der Bär die kleinen weißen Schneekristalle vom Himmel rieseln sieht, ist der Ärger um seinen unterbrochenen Winterschlaf wie weggeblasen. Wie schön es doch wäre, das Schneeglück mit seinen zwei Freunden, den Girlitzen, zu teilen, die über den Winter in den Süden geflogen sind.

Diesem Bilderbuch wohnt ein ungeheurer Zauber inne. Die winterlichen Szenerien zaubern kleinen wie großen Leser*innen ein Lächeln ins Gesicht und wenn es eine Stelle im Buch gibt, die uns nun jede tanzende und glitzernde Schneeflocke da draußen mit unserer Zunge auffangen lässt, dann ist es folgende:

„Mmmmh, das ist wie Zuckerwatte auf der Zunge!“

Zu diesem Bilderbuch erscheint in Kürze eine ausführliche Besprechung.

18. „Wenn es Winter wird im Wald“ von Marion Dane Bauer & Richard Jones

Verlag arsEdition, ab 3 Jahren, erschienen am 29. September 2020, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Die anderen Tiere des Waldes wüssten viel, was es mit dem Einzug des Winters zu tun gibt: in den Süden ziehen, Vorräte sammeln oder sich für den Winterschlaf zurückziehen. Doch nichts davon erscheint dem Fuchs richtig. Bis sich eine edle Rotfüchsin vor ihm verbeugt und ihm zum Tanz auffordert. Da kann er einfach nicht widerstehen. Denn genau das machen edle Rotfüchse im Winter: Tanzen!

Bei „Wenn es Winter wird im Wald“ war es Liebe auf den ersten Blick. Als ich das enzückende Cover des Pappbüchleins sah, war es um mich geschehen und ich wusste, dass es in Emmas Pappbuchregal einziehen muss. Durch Richard Jones traumhaft schöne Illustrationen von einem Fuchs im Winter, ist es nicht nur wunderbar anzusehen und wie gemacht für Fuchs-Fans wie uns, es fällt mit seinen 32 Seiten auch recht üppig für ein Pappbuch aus, wodurch es kleinen Leser*innen einen ausgedehnten Streifzug durch die winterliche Landschaft beschert. Die poetischen Zeilen von Marion Dane Bauer schenken der Geschichte eine wunderbare Melodie und betten sich als perfekte Untermalung in die traumhaften Winterszenerien ein. 

19. „Gebrannte Mandeln für Grisou“ von Nikola Huppertz & Andrea Stegmaier

Tulipan Verlag, ab 4 Jahren, erschienen am 20. Juli 2020, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

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Dieses warmherzige Bilderbuch hätte ich euch liebend gerne zu Weihnachten vorgestellt. Es hat Emma und mir die von einem persönlichen Schicksalsschlag geprägte Weihnachtszeit versüßt und uns die fehlenden Weihnachtsmarktbesuche ersetzt. Dank dem wunderbar harmonischen Zusammenspiel von Andrea Stegmaiers liebevollen Bildern und Nikola Huppertz‘ behutsamen Zeilen konnte Emma ein paar Runden Karussell fahren, die Orgelmelodie „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ erhaschen, mit mir gebrannte Mandeln genießen, deren nussig süßlicher Duft durch die Seiten geweht ist, und ganz viel weihnachtlichen Zauber für uns mitnehmen.

Es ist Grisou, ein Graupapagei, mit dem sich die kleinen Leser*innen durch das offene Küchenfenster stehlen, um sich erst über den Dächern der Stadt und wenig später aus nächster Nähe das weihnachtliche Treiben des Weihnachtsmarkts anzusehen. Als Grisou nicht mehr den Weg nach Hause findet und zu frieren beginnt, ist es ein kleines Mädchen, das ihn in ihren kuscheligen Schal einhüllt und ihm seinen größten Herzenswunsch erfüllt, indem sie ihm ihre gebrannten Mandeln überlasst. Dank ihrer Wegbeschreibung findet er auch das Haus seiner Familie wieder, wo er durch das immer noch geöffnete Küchenfenster schlüpfen kann, um das mit Nella und Fabian gemeinsam einstudierte Kunststück im vom Lichterglanz des Weihnachtsbaums erfüllten Wohnzimmer zum Besten zu geben.

Vielleicht ergibt sich nächstes Weihnachten die Gelegenheit, euch das Buch noch einmal ausführlicher vorzustellen. Stegmaier und Huppertz ist hier eine herzerwärmende Weihnachtsgeschichte mit einem ganz außergewöhnlichem Protagonisten gelungen.

20. „Mein Weihnachtswunsch für dich“ von Michael Morpurgo & Jim Field

Loewe Verlag, ab 3 Jahren, erschienen am 17. Juli 2019, Preis 13,99 € (D), hier geht’s zum Buch

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Jedes Jahr an Weihnachten holt Mia gemeinsam mit dem Christbaumschmuck ihr altes Tagebuch unter der Treppe hervor. Es ist Tradition, dass es unter dem Weihnachtsbaum versteckt wird, auch wenn längst jeder in der Familie weiß, dass es dort liegt. Auch dass es einen ganz besonderen Schatz bewahrt, wissen alle. Denn in ihm liegt ein Brief von Mias Opa, den er seiner Enkeltochter geschrieben hat, als sie noch ganz klein war. Es sind seine Wünsche nach einer besseren Welt, die Mia jedes Jahr nach der Bescherung vorliest und damit auch an ihre Kinder weitergibt.

Und so wird die Botschaft ihres Opas zu einem bedeutenden Moment ihres Weihnachtsfestes. Durch seine Zeilen wirkt es fast so, als wenn er noch immer mitten unter ihnen weilt. Und so ist Mias Opa zum Weihnachtsopa avanciert.

Michael Morpurgo und Jim Field brachten 2020 den Weihnachtsopa nach Deutschland. Das Bilderbuch, das im Original bereits 2018 unter dem Titel „Grandpa Christmas“ erschienen ist, darf nun endlich auch deutsche Leser*innen verzaubern. Ich habe die Erscheinung der deutschen Übersetzung lange herbeigesehnt und freute mich nun gleich doppelt, dass das Bilderbuch mit dem Naturkind-Label bei Loewe erscheint, einer Reihe, die ihren Fokus auf eine nachhaltige Produktion legt und Werte an Familien vermittelt, die bewusst leben und lesen. Mit jedem Naturkind-Buch werden regionale Projekte im Bereich Klima- und Umweltschutz unterstützt. Die Botschaft des Bilderbuches wird daher nicht nur mit der Geschichte, sondern auch durch das Buch selbst an die Leser*innen herangetragen. 

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Meine Leseperlen des Jahres 2020

„Die größte Illusion ist“, sagte der Maulwurf, dass das Leben perfekt sein muss.“

Aus „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ von Charlie Mackesy

Seit Wochen streife ich gedanklich durch das vergangene Jahr. Will resümieren, mich noch einmal an den Büchern erfreuen, die sich mir im letzten Jahr als Leseperlen offenbart haben, mir so treue und ergebene Begleiter waren. Ich will mich bei ihnen bedanken, behutsam über ihre Buchdeckel streichen, noch einmal in ihnen blättern und mich in den vielen Textstellen wiegen, die mich sanft umschließen wie trostspendende Arme. Doch meine Welt stand still. Das Schicksal traf mich mit voller Wucht, lies meinen Blick auf das Leben in einem Meer aus Tränen ertrinken, meine Glieder erstarren und meine Freude am Schreiben versiegen.

Heute, am elften Tag des neuen Jahres, schaffe ich es endlich mich ganz langsam aus der Schockstarre zu lösen und mich noch einmal den Büchern des vergangenen Jahres anzunehmen, die mir so lieb und teuer waren, dass ich sie euch unbedingt mit auf den Weg geben, und mich von ihnen stützen lassen möchte. In dieser für mich so schweren und ohnehin schon herausfordernden Zeit, wo nichts ist, wie es mal war. Die uns um unsere Freiheit und Normalität beraubt und die mich persönlich nun dazu zwingt, ein Kapitel meines Lebens hinter mir zu lassen, einen neuen Weg einzuschlagen und meine Wünsche neu zu definieren. Denn Bücher vermögen uns über schlechte Zeiten hinwegzuhelfen.

Es sind sechs Bücher, die mir nicht nur während der Lektüre wunderbar horizonterweiternd, befreiend und trostspendend begegneten, sondern auch im Nachgang noch einmal an Tiefe gewinnen. Es sind ihre Worte, die in mir nachhallen, mich Verlust spüren, Trauer und Wut durchlaufen und neuen Mut und neue Hoffnung fassen lassen. Nachfolgend möchte ich euch diese sechs Titel ans Herz legen.

Die Reihenfolge der Bücher ist völlig willkürlich und unterliegt keinem Ranking.

Mögen sie auch euch durch 2021 tragen und ganz viel Licht ins Dunkle bringen!

1. „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ – Charlie Mackesy

List Hardcover, erschienen am 28. Februar 2020, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Wie gut, dass Bücher dir über schwere Zeiten hinweghelfen können. Dass sie den Platz von Freunden einnehmen können, wenn Social Distancing angesagt ist und du nur dich selbst und deine engsten Vertrauten hast. Dich zuhause einschanzen musst. Nur selten vor die Tür darfst. Und klammheimlich die Bücher selbst zu Freunden werden. Zu wertvollen Wegbegleitern. Zu einem lebensnotwendigen Gut. Wenn es ein Buch gibt, das vor Liebe, Mitgefühl und Stärke strotzt und so viel Licht in diese düsteren Tage des letzten Jahres gebracht hat, dann war es dieses.

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2. „Alte Sorten“ – Ewald Arenz

Dumont Verlag, erschienen am 21. Juli 2020 (TB), Preis 10,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Was sich mir da zwischen den Buchseiten offenbarte, war eine Geschichte voller Leben. So authentisch, ehrlich und ungeschliffen, dass mir das Lesen fast schon ein wenig weh tat und gut zugleich. Es ist keine reine Wohlfühlgeschichte, die sich Ewald Arenz da von der Seele geschrieben hat, er hat vielmehr das Leben selbst eingefangen. Und zwar mit allen Höhen und Tiefen. Und mit jeder Faser seines Körpers!

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3. „Dankbarkeiten“ – Delphine de Vigan

Dumont Buchverlag, Hardcover, erschienen am 10. März 2020, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Delphine de Vigans Roman mag unaufgeregter und leiser daherkommen als sein Vorgänger „Loyalitäten“. Er vermag uns aber auf sehr einfühlsame Art und Weise ins Bewusstsein zu rufen, dass es die Menschen sind, die uns zu dem machen was wir sind. Und dass wir ihnen dafür all unseren Dank aussprechen sollten. Und das nicht erst im hohen Alter!

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4. „Offene See“ – Benjamin Myers

Dumont Verlag, erschienen am 20. März 2020, Preis 20,00€ [D], hier geht’s zum Buch

Myers‘ Zeilen begegnen einem wie Offenbarungen. Seine Beschreibungen sind melodisch. Poetisch. Nachhallend. Er scheint für alles die richtigen Worte zu finden. Verleiht seinem Roman damit eine ungeheure Kraft und Lebendigkeit. Man wiegt sich nahezu in den atmosphärischen Zeilen, die die Umgebung erwachen und zu ihrer vollen Schönheit entfalten lassen. Und so umgibt dich während dem Lesen eine unglaubliche Unbeschwertheit und Ruhe. Sie lassen uns die Natur und die Landschaft Englands vollends in uns aufnehmen, ihre Schönheit mit allen Sinnen erfassen. Die Willkürlichkeit des Moments wird unser Navigator, lässt es zu, dass wir in in diesem Kleinod stranden.

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5. „Marianengraben“ – Jasmin Schreiber

Eichborn Verlag, Hardcover, erschienen am 28. Februar 2020, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Es ist ein wirklich abgefahrener Roadtrip mit Paula, dem schrulligen alten Helmut und seiner Hündin Judy. Was im ersten Moment recht heiter klingt, birgt allerdings auch tieftraurige und emotional tiefgehende Momente in sich, die dich dem Abgrund und den Tränen ganz nahe bringen. Doch Jasmin Schreiber meistert, ähnlich wie Lucy Fricke in „Töchter“, den schmalen Grat zwischen Freud und Leid und führt ihre Leser dadurch ganz leichtfüßig durch die Themen Tod, Trauer und Depression.

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6. „Sommer ist trotzdem“- Espen Decko

Thienemann Verlag, ab 10 Jahren, erschienen am 14. Februar 2020, Preis 13,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Es ist sicher einer der schönsten und emotionalsten Sommer, den ich mit einem Buch erleben durfte. Einer, in dem Freud und Leid nah beieinander liegen. Man dem Abgrund ganz nahe kommt. Und in dem einen das Wetter genauso launenhaft begegnet wie ein 11-jähriges Mädchen, das langsam aber sicher lernt, loszulassen. Und so ist eins gewiss: egal wie viele Tränen in diesem Sommer auch geflossen sind – Sommer ist trotzdem!

Dieses Buch hat mich mit seinem schönen Cover gelockt und schon nach wenigen Seiten für sich gewonnen, selbst wenn ich der Altersempfehlung schon lange entwachsen bin. Denn was mich darin empfing, waren Zeilen voller Tiefe und großer Emotionalität. Sie spülten mich direkt ans Meer, an das Haus der Großeltern eine Elfjährigen, dem alles so vertraut war und dennoch ganz anders begegnete als sonst.

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Wenn der Nordkopp in mir erwacht

„Norddeutsche Sagen und Märchen“

Schünemann Verlag, erschienen am 01. Oktober 2015, Preis 24,90 € [D], hier geht’s zum Buch

Wenn ich so auf das Jahr 2020 blicke, sehe ich nicht nur auf die ganzen Herausforderungen, die das Jahr mit sich brachte, sondern auch, wie die Zeit vergeht! Acht Jahre ist es nämlich schon her, dass ich meiner für fünf Jahre auserkorenen Wahlheimat Hamburg Lebewohl gesagt habe um wieder in den Süden zu ziehen. Es war mein Wunsch wieder näher an der Familie und an den Bergen zu sein. Den schwappenden Elbwellen, dem verwehten Haar, den kreischenden Möwen und der Duftmischung aus ofenwarmen Franzbrötchen und vermoderten Brackwasser hänge ich aber manchmal noch heute nach. Genau wie den guten Gesprächen mit den Norddeutschen, dem Schnack, wie der Hamburger so schön sagt, den gepflegten Pläuschen über Gott und die Welt, die sich manchmal auch einzig und allein ums Wetter drehten oder um die kunstvolle Aneinanderreihung von Schimpfwörtern wie Schietbüdel,  Dösbaddel und Trantüte.

Freilich waren die Unterhaltungen mit Hamburger Deerns in meinen fünf Jahren in der Hansestadt eine Seltenheit. Bei der großen Quote an Zugezogenen blieb es ausschließlich bei wenigen Begegnungen mit wahren Nordköppen, aber sie haben sich nachhaltig in meinem Gedächtnis verankert, bringen mich noch heute zum Schmunzeln.

Deshalb schlägt mein Herz auch noch heute ein bisschen für den Norden. Für Hamburg, meine Perle und für die See, das Meer, dem Element Wasser im Allgemeinen. In meinem Bücherregal sind nicht nur einige Bücher mit norddeutschem Bezug, nordischen Schauplätzen oder Meerescovern zu finden, sondern auch einige persönliche Mitbringsel von dort. Die Destination Norddeutschland übt nach wie vor eine große Faszination auf mich aus, weshalb sich auch dieser wunderbare Sammelband dazugesellen musste.  

Wer kennt ihn nicht, den Rattenfänger zu Hameln?!

Oft sind die Sagen und Märchen, die in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus bekannt sind, aus Norddeutschland. Dass den Norden vielerorts nachgesagt wird, dass sie zurückhaltend und schweigsam sind, habe ich noch nie verstanden und schaut man sich die Vielzahl der Geschichten an, die in Norddeutschland beheimatet sind, passt das auch irgendwie nicht ganz zusammen. Von irgendwem müssen sie ja schließlich erzählt, irgendwie überliefert worden sein. Einige von ihnen habe ich schon vor meiner Zeit in Hamburg gekannt, andere wiederum erst in der Hansestadt selbst kennengelernt. Es sind die Bremer Stadtmusikanten, Till Eulenspiegel und der Ratenfänger zu Hameln, dessen Geschichten mir schon als Kind vertraut waren. Klaus Störtebeker, den Klabautermann und Nis Puk habe ich erst später kennengelernt. Letzteren sogar erst durch diesen wunderbaren Sammelband aus dem Schünemann Verlag, der 40 dieser ungewöhnlichen und zugleich schönen Geschichten vereint. Dank ihm kann ich künftig von Zuhause aus nach Herzenslust durch den Norden streifen und eine Prise Nordwind erhaschen. 

Die Geschichte des Seeräubers Klaus Störtebeker lernte ich in Hamburg kennen

Obwohl man Norddeutschland in erster Linie mit der Seefahrt verbindet, lassen sich hier auch eine Reihe an Zwergen und Fabelwesen aufspüren. Nis Puik zum Beispiel. Er ist ein Hausgeist, der in finsteren, verborgenen Winkeln sein Zelt aufschlägt, sei es in dunklen Kellern, unter Treppen oder unter den Balken von Dächern. Man bekommt ihn aber eigentlich kaum zu Gesicht, weil er verschwindet, wenn man ihm zu nahekommt. Doch Frühaufsteher und Spätzünder mögen seine Gestalt schon kurz vernommen haben, wie er auf dem Hahnenbalken sitzt oder zwischen dem Vieh schleswigscher Höfe umherstreift. Er ist einer der elf Wesen, auf deren Geschichten man unter dem Titel „Von Zwergen & Fabelwesen“ stößt. Daneben gibt es noch weitere unter dem Titel „Von Schätzen, Räubern & Piraten“, „Von Geistern & Gespenstern“ und „Von Tieren & Menschen“.

Der fliegende Holländer ist unter „Von Geistern & Gespenstern“ zu finden

Die Illustrationen in diesem Sammelband kommen nicht nur ausgesprochen schön, sondern auch wunderbar fantastisch daher. Die Aquarellmalereien von Illustratorin Julia Beutling dürfen Leser*innen nicht nur auf dem Cover, sondern auch während dem Lesen genießen. Die zahlreichen Illustrationen untermalen die Geschichten von „Norddeutsche Sagen und Märchen“ ganz wunderbar, verleihen ihnen die nötige Mystik und Stimmung, fügen Text und Bild zu einem wunderbar harmonischen Gesamtbild zueinander, dass jede Lektüre zu einem wahrhaftigen Erlebnis macht.

Und so sei dieser hochwertige in Halbleinen gebundene Sammelband eben jenen Leser*innen ans Herz gelegt, die Norddeutschland genauso sehr lieben wie ich oder mit Vorliebe durch die vielen Märchen und Sagen stöbern, die uns der Norden zu bieten hat. Sicher macht sich das Buch auch gut im Regal von Sammlern besonderer Bücherperlen oder norddeutschen Familien, die ihren Kindern ein paar regionale Geschichten an die Hand geben möchten. Ich für meinen Teil freue ich mich auf jeden Fall schon sehr darauf, mit meiner Räubertochter eines Tages durch die norddeutschen Sagen und Märchen zu reisen. Bis dahin tauche ich einfach noch ganz alleine in die Geschichten ab!

Die berauschende Illustration zu „Der Knurrhahn“