Kinderfreuden #19: Wiedersehen mit dem Sturmwal

„Nick und das Meer“ – Benji Davies

Jeden Tag fährt Nicks Papa mit seinem Fischerboot aufs Meer hinaus und kommt bei Sonnenuntergang wieder nach Hause. Doch eines Wintertags wartet Nick vergebens auf seine Rückkehr. Denn es bleibt still. Kein Fischerboot weit und breit.

Nick beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. In der dunklen und gefährlichen Nacht macht er sich auf die Suche nach seinem Papa, dessen Fischerboot von der Kälte des Winters übermannt wurde.

Zum Glück eilt ihm ein alter Freund zur Hilfe, auf dessen tatkräftige Hilfe Nick angewiesen ist: es ist der Sturmwal höchstpersönlich!

Eckdaten

Hardcover, ab 3 Jahren

32 Seiten
284mm x 251mm
ISBN: 978-3-8489-0125-8
Übersetzt von Johanna Hohnhold

Aladin Verlag
14,95 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Dass Benji Davies magische Hände hat, bewies der Illustrator bereits mit seinen drei Vorgängerwerken „Nick und der Wal“, „Beste Freunde“ und „Opas Insel“, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise verzaubern. Im März erschien nun endlich die langersehnte Fortsetzung des Kinderbuchlieblings „Nick und der Wal“ auf Deutsch, das ich zwischenzeitig schon im Original in den Händen hatte.

„Nick und das Meer“ ist eine Wintergeschichte, die, wenn ich so an das morgendliche münchnerische Schneegestöber denke, auch noch ganz wunderbar in den eigenwilligen April passt.

Nick, der mit seinem Papa am Meer wohnt, kann die Wal-Begegnung aus dem letzten Sommer nicht vergessen. Er vermisst den Sturmwal, dem er damals das Leben gerettet und in seiner Badewanne aufgepäppelt hat, ehe er ihn wieder in die Freiheit entließ. Ständig meint er ihn in herangespültem Strandgut zu erkennen, das sich dann doch nur als bemooster Anker offenbart. Der Winter kommt und ergreift Besitz vom Meer, das sich langsam aber sicher mit Eisschollen füllt und Nicks Papa zu einer letzten Fahrt mit dem Fischerboot hinausschickt. Doch als die Dämmerung einsetzt und der Papa immer noch nicht zurück ist, wagt sich Nick in die dunkle Nacht hinaus, um nach ihm zu suchen. Das inzwischen zugefrorene Meer ist nur noch als eisige Decke zu erkennen und ermöglicht Nick ein waghalsiges Manöver über das starre und knirschende Meer bis hin zum Fischerboot seines Papas, das vom Eis eingeschlossen ist. Völlig erschöpft schläft er in der Jacke seines Vaters ein, die das Einzige ist, was er an Bord von seinem Papa findet.

Es ist ein mächtiger Rumms, der Nick aus dem Schlaf reißt und ihn die Rückkehr seines Walfreunds ankündigt. Endlich kann der Sturmwal sich für das Rettungsmanöver aus dem letzten Sommer revanchieren und Nick mitsamt dem Fischerboot wohlbehalten wieder an Land bringen, an dem ihn sein Papa voller Verwunderung in die Arme schließt.

Mit „Nick und das Meer“ erzählt Davies nicht nur eine einfühlsame Vater-Sohn-Geschichte, sondern auch die Geschichte einer besonderen Freundschaft zu den sanften Riesen des Meeres.

Mithilfe von großflächigen Illustrationen werden große und kleine Entdecker durch die Geschichte geleitet, die sich durch die lebendigen und in facettenreichen Blau- und Grautönen gehaltenen Bildern entfaltet. Der begleitende Text präsentiert sich dabei zurückhaltend und schlicht, dient lediglich als Hilfswerk.

Davies schenkt seinem Nick und den Kleinen ein Wiedersehen mit dem Sturmwal inmitten einer faszinierenden Winter-Szenerie. Die Magie ihrer Freundschaft ist selbst durch das stürmische Schneegestöber und die Tristesse des ewigen Eises zu erkennen, die dem Kinderbuch als Schauplatz dient.

Ein gelungenes Wiedersehen mit dem Sturmwal.

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Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2Gefällt dir das Buch? Ja

Was hat dir besonders gefallen? die Wale

Worum geht die Geschichte? um die Rückkehr des Sturmwals

Wo steht das Buch im Regal? neben „Nick und der Wal“

Lesezeit: wenn es draußen dämmert

Bester Leseplatz: im kuscheligen Bett

Schlüpft in die Rolle von: einem Freund

Meeresenzyklopädie

„Das Buch vom Meer“ – Morten A. Strøksnes

Autor: Morten A. Strøksnes | Seiten: 368 | Gebundenes Buch, Leinen 19.99 € | ISBN: 978-3-421-04739-7 | Erscheinungstermin: 29.08.2016 | DVA Verlag

„Die größten Entdeckungen warten im Meer.“

Zitat, Seite 21

In den Tiefen des Nordatlantiks lauern sie: die sagenumwobenen Eishaie. Es ist der gemeinsame Traum von Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, einen von ihnen zu fangen. Ein schwieriges Unterfangen, das absolute Windstille erfordert und den Launen der Natur unterliegt. Denn das Gebiet zwischen dem norwegischen Festland und den Lofoten ist unberechenbar: das Warten auf Windstille erfordert Geduld.

Voller Tatendrang fahren die beiden Freunde raus aufs Nordmeer und beobachten beim Warten das Schauspiel der Natur: sie lauschen dem sanften Flüstern und der peitschenden Gischt des Meeres, atmen die salzige Seeluft ein und blicken in das unergründliche tiefe schwarze Meer, das so viele Geheimnisse in sich birgt.

„Die Moleküle setzen sich in schwindelerregendem Tempo zu ständig neuen Variationen zusammen, so wie sich Buchstaben zu neuen Wörtern fügen, um dann zu Sätzen und am Ende zu ganzen Büchern werden. Stellt man sich die Wassermoleküle als Buchstaben vor, könnte man sagen, dass das Meer alle Bücher enthält, die jemals in bekannten oder unbekannten Sprachen geschrieben wurden.“

Zitat, Seite 135

Die Insel Skrova, die zur beeindruckenden Inselgruppe der Lofoten zählt, wird dabei zum Ausgangspunkt des Haifangprojekts. Hier gewährt ihm sein Künstlerfreund Aasjord Unterschlupf in der ehemaligen Fischfabrik Aasjordbruket, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Mette zu einem Kulturzentrum umbaut.

Doch die anfängliche Euphorie, eins der ungeheuerlichsten Meereswesen ins Netz zu bekommen, ebbt über die Zeit ab. Das kleine Schlauchboot der beiden Freunde scheint den unberechenbaren Strömungen des Nordmeeres nur bedingt standzuhalten und lässt sie ihr Unterfangen langsam aber sicher in Frage stellen.

„Das tiefe, salzige, schwarze Meer brandet uns entgegen, kalt und gleichgültig, ohne jede Empathie. Es ist sich selbst genug, es braucht uns nicht, es schert sich nicht um unsere Hoffnungen, unsere Ängste – und schon gar nicht um unsere Beschreibungen. Die dunkle Masse des Meeres ist von überlegener Kraft.“

Zitat, Seite 216

Während die Wellen die Sagen und Mythen des Meeres an ihr Boot spülen, erzählt Strøksnes unterdes vom schier unermesslichen Facettenreichtum der Meeresbewohner, von mutigen Polarforschern, Walfängern, Kartografen und vom harten Alltag der norwegischen Inselbewohner. Auch vor der Brutalität des Walfangs, der Überfischung der Meere und der unerschütterlichen Jagd auf die Eishaie macht er keinen Halt und würzt sein Werk mit grausamen Wahrheiten.

Der Norweger erweist sich über sein gesamtes Werk als sensibler und aufmerksamer Beobachter. Durch seine detailgetreuen und farbenfrohen Beschreibungen erwacht nicht nur das Insel- und Meerestreiben zum Leben, sondern macht „Das Buch vom Meer“ auch zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. Es liest sich daher wie eine Mischung aus Sachbuch und Belletristik. Der unterhaltsame Ton des Autors hilft dem Leser dabei über so manche Flut an naturwissenschaftlichen Informationen hinweg.

Es ist ein Sehnsuchtsbuch. Ein Buch, das vor Leben sprudelt und die Faszination um das Meer in sich trägt. Strøksnes schenkt uns mit seinem Werk sowohl eine Meeresenzyklopädie als auch einen lebendigen Reiseführer. Es reserviert dir einen Platz auf dem Schlauchboot und katapultiert dich unvermittelt raus aufs Meer. Damit bin ich meinem Wunschreiseland Norwegen schon ein kleines bisschen näher gekommen.

„Das Meer ist der Ursprung aller Dinge. Wellen einer weit zurückliegenden Urzeit durchströmen uns wie das leise Echo eines sanften Plätscherns in einer unzulänglichen Höhle am Meer. Manchmal, wenn wir bei einem starken Sturm am Ufer stehen, hat es den Anschein, als verlangte uns das Meer zurück.“

Zitat, Seite 163

Leuchtturm von Skrova – ©Morten A. Strøksnes

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Wellengang im Kopf

„Tage zwischen Ebbe und Flut“ – Carin Müller

Autorin: Carin Müller | Seiten: 288 | Taschenbuch 9.99 € | ISBN: 978-3-426-51973-8 | Erscheinungstermin: 01.09.2016 | Knaur TB

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Er kam ganz plötzlich: dieser unberechenbare Wellengang in Felix Kopf, der ihn vollends erfasst und seine Erinnerungen durcheinanderwirbelt wie in einer Waschtrommel. Plötzlich herrscht in seinem Kopf Unruhe. Erinnerungen kommen und gehen wie Ebbe und Flut. Er kann sie nicht festhalten.

Felix ist 70 Jahre alt, als ihm das passiert. Ganz heimtückisch überkommt sie ihn, die Krankheit Alzheimer, und macht aus dem sonst so selbstbewussten Mann einen unsicheren und unkontrollierbaren Zeitgenossen.

Auf einer gemeinsamen Kreuzfahrt mit Ehefrau Ellen, Tochter Judith und Enkelin Fabienne soll ihn das Meer besänftigen. Doch während Felix die Reise durchs Mittelmeer als wunderbares Abenteuer erlebt, beginnt für die drei Frauen eine Seelenreise durch tiefes Gewässer, die verborgene Emotionen zutage spült.

„Felix sah aufs Meer. (…) „Das bin ich.“, er deutete aufs Wasser. „Die Wellen sind in meinem Kopf. Alles ist da. Alles. Aber es bewegt sich. Ich kann es nicht festhalten.“

Zitat, Seite 36

Es sind Tage zwischen Ebbe und Flut, die Carin Müller in ihrem gleichnamigen Roman präsentiert. Ein unkontrollierter Seegang, der uns durch das Krankheitsbild der Volkskrankheit Alzheimer spült und uns Momente voller Höhen und Tiefen beschert.

Romane mit dieser Thematik gibts mittlerweile wie Sand am Meer. Was Müllers Roman jedoch von den anderen unterscheidet, ist der Schauplatz. Während sich z.B. Colemans Protagonistin in „Einfach unvergesslich“ in ihrem vertrauten Umfeld bewegt, verlässt Müllers Protagonist sein gewohntes Terrain: das Meer dient als Setting.

Was daraus entsteht, ist eine emotionale Seelenreise für alle Beteiligten. Denn nicht nur Felix wird von den wogenden Wellen des Meeres erfasst, sondern auch seine Begleiterinnen. Das familiäre Chaos ist vorprogrammiert.

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„Seine Gedanken waren klar und durchsichtig wie Wasser. Dass sie in seinem Kopf wogten wie Wellen, machte ihm hier nicht zu schaffen. Er hatte gar nicht mehr das Bedürfnis, einen davon festzuhalten oder zu verfolgen, sondern ließ es einfach zu. Und das tat so gut. Ganz diffus, irgendwo weit weg, war die Trauer, die sonst sein ständiger Begleiter war. Die Trauer um den wortgewaltigen, witzigen Mann, der mit Eloquenz und Charme seine Umgebung betört hatte. Das war mit einem Mal nicht mehr wichtig, denn dieser Mann war nur Fassade gewesen. Jetzt war er einfach nur er selbst.“

Zitat, Seite 177

Felix erlebt auf der Reise Momente völliger Klarheit. Mit der Kreuzfahrt geht für ihn ein langgehegter Herzenswunsch in Erfüllung. Er ignoriert die ständigen Rangeleien von Ehefrau und Tochter, überrascht sie mit liebevollen Gesten und Momentaufnahmen aus der Vergangenheit. Doch zu Felix guten Momenten gesellen sich auch jede Menge schlechte: er wird von plötzlich auftretenden Gedächtnislücken, Unsicherheit und Verärgerung heimgesucht, reagiert oft wie ein trotziges Kind. Sein schwer kontrollierbares Wesen wird zu einer Geduldsprobe. Vor Allem, als er von heute auf morgen verschwindet und auf einem benachbarten Kreuzfahrtschiff als blinder Passagier auftaucht.

„Wie schrecklich muss das sein, wenn der geliebte Partner Stück für Stück verschwindet und nur noch eine leere Hülle bleibt? (…) Im Grunde ist das alles Trauer am lebenden Objekt, denn meinen Vater gibt’s schon lange nicht mehr.“

Zitat, Seite 127

Ellen, die von Felix steigender Demenz am Meisten betroffen ist, wirkt völlig hilflos. Ihr Nervenkostüm ist dünn, sie ist leicht reizbar und kompensiert ihre Hilflosigkeit mit Wortkargheit und Großschnauzigkeit, die zu unnötigen Kämpfen mit ihrer Tochter führen, die Partei für ihren Vater ergreift. Die Zankerei der Beiden wird nicht nur für das direkte Umfeld, sondern auch für den Leser nahezu unerträglich. Gerne hätte ich den lächerlichen Streitereien einen Riegel vorgeschoben und um Disziplin gebeten!

Man merkt, dass Müllers Geschichte auf eigenen Erfahrungen basiert. Die Charaktere allen voran Felix, sind liebevoll gezeichnet und das Krankheitsbild präsentiert sich so heimtückisch und unberechenbar wie im wahren Leben. Da ich im familiären Umfeld selbst schon mit den Folgen der Krankheit konfrontiert war, ist mir der schwere physische Prozess bewusst, den Betroffene und Angehörige durchleben. Demente Menschen verlieren Stück für Stück und unwiederbringlich sich selbst.

Carin Müller balanciert mit ihren Roman auf einem schmalen Grad zwischem leichten Unterhaltungsroman und dramatischer Familiengeschichte. Sie lädt ihre Leser auf eine abenteuerliche Schifffahrt durch schwieriges Fahrwasser ein, die nicht nur Verluste, sondern auch jede Menge Erkenntnisse und Chancen mit sich bringt.

„Vergessen ist eine Form von Freiheit.“

Khalil Gibran

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Kinderfreuden #5: Walgut

lesenslust über „Nick und der Wal“ von Benji Davies

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Beschreibung:

Nick lebt mit seinem Papa am Meer. Jeden Morgen fährt Nicks Papa mit seinem Fischerboot aufs Meer hinaus und kommt erst bei Sonnenuntergang wieder nach Hause.

Nick fühlt sich einsam.

Nach einer tosenden Sturmnacht, entdeckt er am Strand einen kleinen Wal. Er weiß, dass er auf dem Land nichts verloren hat und nimmt ihn kurzerhand mit nach Hause. Nick tut alles, damit sich der Wal wohlfühlt. In der Badewanne scheint er ganz in seinem Element.

Doch was wird Papa sagen, wenn er den waligen Besuch in der Wanne vorfindet?

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

32 Seiten
284mm x 251mm
ISBN: 978-3-8489-0076-3
Übersetzt von Johanna Hohnhold

Aladin Verlag
12,95 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

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Blickwinkel aus grossen Augen

„Nick und der Wal“ ist Benji Davis erstes Bilderbuch und in meinen Augen bereits ein großer Fang. In ihm erzählt er die Geschichte von dem Jungen Nick und einem kleinen gestrandeten Wal. Eine Geschichte, die von Freundschaft, Liebe und Abschied geprägt ist und sowohl kleine als auch große Leser zu begeistern vermag. Die kleinen Leser spüren recht schnell, dass der kleine Nick sich einsam fühlt und seinen Papa vermisst, wenn der den ganzen Tag auf dem Meer herumschippert. Nur sechs Katzen leisten Nick während Papas Abwesenheit Gesellschaft.

Nick begrüßt es daher sehr, dass er nach einer stürmischen Unwetternacht einen gestrandeten Wal am Strand entdeckt. Er weiß, dass der Meeresbewohner nichts auf dem Land zu suchen hat und beschließt ihn mit nach Hause zu nehmen. Er tut sein Bestes, damit der kleine Wal sich wohlfühlt und erzählt ihm Geschichten vom Leben auf der Insel. Die Badewanne scheint ihm ideal, um den Wal bei Laune zu halten. Als der Papa nach Hause kommt und Nick und den Wal in trauter Zweisamkeit miteinander vorfindet, wird ihm schmerzlich bewusst, wie sehr er seinen Sohn durch die viele Arbeit vernachlässigt hat. Gemeinsam bringen sie ihn zurück ins Meer und Nick muss sich von seinem neuen Freund verabschieden.

Davis liebevolle Illustrationen präsentieren sich größtenteils in zurückhaltenden Farbtönen mit Konzentration auf Blau und Beige. Farbtöne, die die Farben des Meeres und Strandes widerspiegeln und sich dem waligen Protagonisten anpassen. Die Geschichte lebt größtenteils von den Bildern. Der Autor bedient sich lediglich ein paar wenigen Zeilen, die man in gut leserlicher und groß abgedruckter Schriftart auf den Seiten vorfindet. Die detailvollen Zeichnungen sind nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern laden über die eigentliche Geschichte hinaus auch zu phantasievollen Nebengeschichten ein.

„Nick und der Wal“ ist ein herzerwärmendes Bilderbuch, dass den kleinen Entdeckern Lust aufs Meer macht. Mit seinem Werk vermittelt Davis den kleinen Lesern den Wert von Freundschaft und hilft ihnen entspannter mit Abschied umzugehen.

Ein waliger Freund strandet im heimischen Kinderzimmer.

Wal

Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2

Lieblingsfiguren der Geschichte: die Katzen, der Wal

Anzahl der Blicke: zahlreich, am Liebsten vor dem Schlafengehen

Bester Leseplatz: im kuscheligen Bett

Schlüpft in die Rolle von: einem Freund, einem Seemann

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A Single Breath..

lesenslust über „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ von Lucy Clarke

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„Jackson zieht sich die Mütze über die Ohren und wirft noch einen Blick auf Eva, die sich im Bett zusammengerollt hat, die Bettdecke unter das Kinn gestopft. Mit geschlossenen Augen murmelt sie schläfrig etwas vor sich hin. Geh nicht, soll das heißen. Aber er muss gehen. Er kann nicht neben ihr liegen, wenn er sich so fühlt wie in diesem Moment.“

Zitat, Seite 5

Seit Monaten plant Eva gemeinsam mit ihrem Mann dessen australische Heimat, die Insel Tasmanien, zu bereisen. Doch nur wenige Monate nach der Hochzeit wird Jackson beim Angeln von einer Welle erfasst. Man nimmt an, dass er beim Kampf mit dem tosenden Meer ertrunken ist. Eva ist verzweifelt und beschließt, sich alleine auf die Reise in Jacksons Heimat zu begeben. Sie hofft auf Trost im Kreis seiner Familie, doch was sie empfängt, ist Ablehnung und Schmerz. Auch Vater und Bruder scheinen mit dem Verlust von Jackson, der vor zwei Jahren fluchtartig das Land verlassen hat, nicht umgehen zu können.

Doch die Verzweiflung in Evas Augen und ihre unermüdliche Suche nach der Wahrheit erweicht langsam aber sicher die beiden Männer. Was sie zu erzählen haben, ist nicht das, was Eva sich erhofft hat: Sie sieht sich schon bald mit einer schockierenden Wahrheit konfrontiert, die sie zu einem schicksalhaften Sommer in der Vergangenheit führt – dem Sommer, in dem es zu schneien begann.

Quelle: Piper Verlag
Quelle: Piper Verlag

„Ihre Gedanken verlieren sich in alle möglichen Richtungen. Sie balancieren über weit voneinander entfernte Erinnerungen hinweg, graben Fetzen der Geschichte aus und kreisen unentwegt um das Wörtchen warum.“

Zitat, Seite 205

Lucy Clarke entführt uns in ihrem zweiten Roman „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ ins raue Tasmanien: Die australische Inselwelt mit ihren bizarren Felsküsten, atemberaubenden Landschaften und ihrer bunten Unterwasserwelt scheint dabei der perfekte Hintergrund für ihre vielschichtige Geschichte, in der Clarke uns auf eine emotionale und  atmosphärische Reise mitnimmt.

Selten packt mich die Vorfreude auf ein Buch so sehr, wie sie es bei diesem Werk getan hat. Der Roman, der schon von außen eine wahre Entdeckungsreise ist, hat mich von Anfang an für sich gewonnen. Sowohl Farbgebung und Gestaltung des Covers, als auch Titel stehen im perfekten Einklang zur Geschichte. Die blauen Wellen verkörpern das Meer, das im Roman eine zentrale Rolle spielt und der Titel trägt den Namen des schicksalhaften Ereignis, auf dem Jacksons Persönlichkeit beruht. Eine stimmungsvollere Aufmachung scheint mir nahezu unmöglich!

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Clarke erzählt ihre Geschichte aus wechselnden Perspektiven. Neben dem Blick auf die verzweifelte Eva wird der Leser mit persönlichen Zeilen von Jackson konfrontiert, die uns das Gefühl vermitteln, Jackson begleite uns. Im Gegensatz zu anderen Romanen, in denen der Verlust eines Menschen im zentralen Mittelpunkt steht, präsentiert uns Clarke ein breitgefächertes Werk, das sich neben dem Leitthema auch noch mit den Themen Geschwisterliebe, familiären Zusammenhalt und der Suche nach Anerkennung auseinandersetzt.

Es geht um Enttäuschung, Wut und Verzweiflung. Um Leidenschaft, Liebe und Vergebung.

Mit Eva zeichnet Clarke eine starke Persönlichkeit, die sich auch durch den Verlust ihres Ehemannes nicht ausschließlich ihrer Trauer hingibt, sondern sich auf die Suche nach der Wahrheit macht und dabei das Land Tasmaniens in seiner ganzer Pracht entdeckt. Sie leidet still, vermeidet leidensvolle Gefühlsausbrüche und macht die Story daher nicht weinerlich, sondern emotional und ausdrucksstark.

Mit „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ ist Clarke ein beeindruckendes Werk gelungen, das uns nach „Die Landkarte der Liebe“ erneut mit der schicksalhaften Macht des Lebens konfrontiert. Seite um Seite beginnt das Fundament von Jacksons und Evas Liebe zu bröckeln. Der Schein von einer heilen Welt wird von einer erschreckenden Wahrheit abgetragen und zeigt uns wie unverzichtbar Ehrlichkeit und Vertrauen ist. Ein emotionales Werk, dessen Seegang mich durch alle Gefühlslagen geschaukelt und mich durch seine Bandbreite begeistert hat. Es scheint diesen Sommer unausweichlich, mit Schnee in Berührung zu kommen!

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„Das Leben hat die Neigung, dich auf unerwartete Pfade zu führen – und dann schaust du dich plötzlich um und fragst dich, wie, zum Teufel, du dort gelandet bist.“

Zitat, Seite 309

„Irgendwie ist es, als gäbe es diese Momente in meinem Leben – eine Art Scharniere -, an denen alles hängt, was ich als Nächstes tue. Nur dass ich mich dann immer für das Falsche entscheide“

Zitat, Seite 363

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Mein ❤ – licher Dank gilt dem Piper Verlag, der mir diesen Roman bei seiner Book Up Veranstaltung in eine randvolle Tüte voller Buchentdeckungen gesteckt und mein Leben damit um ein paar atmosphärische Lesemomente bereichert hat.

Seelenfeuer

lesenslust über „Ich bin gleich da“ von Anne Köhler

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„Schweigen floss durch die gesamte Länge des Telefonkabels, über sechshundert Kilometer Ungesagtes in der Leitung zwischen ihnen, Elsa spürte, wie es aus dem Hörer drang, ihre Wange streifte und sich im Zimmer verteilte, den Sauerstoff verdrängte.“

Zitat, Seite 68

Es ist die Nacht des Maifeuers, in der Elsa ihren Vater für immer verliert. Als Jost in einem Moment von Elsas Abwesenheit einen Herzinfarkt erleidet und stirbt, hinterlässt er eine verunsicherte Tochter voller Schuldgefühle. Von da an kreisen ihre Gedanken um diese eine Nacht. Nichts ist mehr wie vorher. Die Mutter ist fortan ein Wrack, wirkt nur noch wie ein Schatten ihrer Selbst. Der Bruder, distanziert und stets auf Konfrontation mit Elsa. Ein unangenehmes Schweigen gewinnt die Oberhand in der Familie.

Langsam aber sicher beginnt Elsa zu fliehen, entfernt sich Stück für Stück von ihrem alten Leben und versucht die Schatten der Vergangenheit abzustreifen, die ihr Nacht für Nacht den Schlaf rauben. Im hitzigen Alltag als Köchin gelingt es Elsa ihre Sorgen für eine Weile zu vergessen. Hier versteckt sie sich vor der restlichen Welt, nutzt jeden Moment der Arbeit um sich an routinierte Arbeitsabläufe zu klammern, die ihr notwendigen Halt schenken.

Doch Elsa bleibt rastlos und will ans Meer. Eine undefinierbare Sehnsucht ergreift sie. Am Meer erhofft sie sich einen Neuanfang. Ihr Vater meinte immer, dort lösen sich alle Probleme auf. Doch die erhoffte Erlösung bleibt aus. Es ist vielmehr ein 5-Gänge-Menü auf der Durchreise, das in ihr die Sehnsucht nach dem Kochen auf hohem Niveau endgültig weckt, das sie während ihrer Ausbildung kennengelernt und danach aus den Augen verloren hat. Im Hafen von Hamburg trifft sie auf die gestrandete Seele Jan und findet bei ihm Zuflucht. Plötzlich scheint alles möglich. Und noch viel mehr.

Doch ein Anruf ihres Bruders lässt Elsa jäh erwachen. Sie muss sich nun endlich ihrer Vergangenheit stellen.

„Oben Himmel, unten Holz, rundum Wasser. Die Sonne blendete, strahlte von der Meeresoberfläche zurück in die Augen. Es fehlte nicht viel und der Wind trüge sie davon. Der Himmel öffnete sich über ihr, stieß in der Ferne mit dem Wasser zusammen. Hier endete nichts, hier fing alles erst an.“

Zitat, Seite 130

Brücke 5

„Als Kind hatte Elsa geglaubt, indem sie die Augen schloss, könnte sie die ganze Welt verschwinden lassen. Nach dem Tod ihres Vaters fürchtete sie sich davor, die Augen wieder zu öffnen. (…) Sie versuchte den Prozess des Erwachens in die Länge zu ziehen, die Realität so lange wie möglich vor den geschlossenen Lidern zu lassen. Spürte das Licht auf der Haut. (…) Doch irgendwann konnte man nicht mehr anders, irgendwann musste man die Augen aufschlagen, und dann war die ganze Welt da.“

Zitat, Seite 113

Köhler ist ein sensibles Debüt gelungen. Unaufdringlich und einfühlsam erzählt sie in „Ich bin gleich da“ die Geschichte von Elsa, einer rastlosen jungen Frau, die nach dem Verlust ihres Vaters ziellos durchs Leben taumelt. Kaum 23 Jahre alt, sehnt sie sich schon nach Erlösung. Die Schuldgefühle, die sie seit dem Tod ihres Vaters verfolgen, haften an ihr wie Kletten. Weder bei ihrer Familie noch in ihren Beziehungen findet sie Trost. Nur beim Kochen gelingt es ihr abzuschalten und ganz Ella zu sein. Das grelle Licht in der Küche betäubt sie, lässt sie Zeit und Raum vergessen.

Doch das qualitativ hochwertige Kochen hat Elsa längst hinter sich gelassen. Sie ist in einem XXL-Megatempel gestrandet, in dem Quantität vor Qualität steht. Hauptsache viel für wenig Geld. Ihr Chef lebt das Motto. Der scheiß Sternegastronomie kann er nichts abgewinnen. Als es während der Arbeit zu einem Zwischenfall kommt, schmeißt Elsa die Stelle. Sie will ans Meer. Hauptsache weg von zuhause. Sie landet in Hamburg und trifft an den Landungsbrücken auf die ähnlich verlorene Seele Jan. Plötzlich ist da jemand, der sie versteht und sie bestärkt, ihre Träume zu leben. Man schenkt ihr die Möglichkeit, sich in einem Sternerestaurant zu beweisen.

Ohne es zu wissen, hat Köhler mir ein ganz persönliches Herzensbuch geschenkt. Sie vereint Dinge, die mir lieb sind: die Liebe zum Kochen, meine liebste Hansestadt und die Sehnsucht nach dem Meer. Vor diesem Hintergrund spielt sich Elsas Geschichte ab. Eine Suche nach Liebe und Geborgenheit. Eine Suche nach sich selbst.

Köhlers Zeilen sprudeln vor Lebendigkeit. Mit ihren detailreichen und atmosphärischen Beschreibungen katapultiert sie mich direkt an den Ort des Geschehens, lässt mich Zeuge von der schäbigen Arbeitsweise im XXL-Billigrestaurant werden und professionellen Sterneköchen über die Schulter schauen. Ich vernehme intensive Gerüche, Farben und Geschmäcker. Spüre, wie mir der Wind durch die Haare weht, höre die Möwen schreien und Signalhörnern der Schiffe am Hamburger Hafen tuten. Alles scheint zum Greifen nah! Plötzlich bin ich wieder mittendrin. Denke an die vertrauten Abläufe in der Küche, die für lange Zeit auch zu meinem täglichen Arbeitsablauf gehörten und an die vielen Momente am Hamburger Hafen. Hamburg, meine Perle!

Liebevoll zeichnet Köhler ihre Figuren, erweckt nicht nur Elsa sondern auch all die Nebenfiguren der Geschichte zum Leben. Versorgt uns mit kleinen Details, liebevolle Gesten und verlorenen Blicken. Köhlers Botschaft scheint ganz klar: Weglaufen ist keine Lösung. Nur wenn man sich seiner Vergangenheit stellt, kann man in der Gegenwart ankommen.

Leben.

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Day 3 : Book 3 – Sehnsuchtsreise

Ihr Lieben,

es ist Wochenende!!

 Tag #3 von 16 Tage : 16 Bücher – Eine Blogparty ist da.

Heute reisen wir ans Meer & chillen ein wenig:

“Sehnsucht ist ein Notfall” von Sabine Heinrich

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 Worum geht´s?

Kurz vor Neujahr trennt Evas Oma sich vom Opa. Viel zu lange ist sie einen Weg gegangen, der nicht ihrer war.

Auch Eva wird nachdenklich und fragt sich, ob sie wirklich glücklich in ihrer Beziehung ist.

Auf einem gemeinsamen Road Trip ans Meer philosophieren die beiden Frauen über die Kompromisse des Lebens, fatale Entscheidungen und den falschen Zeitpunkt.

Am Meer angekommen scheint plötzlich alles viel klarer.

Lust auf mehr? Meine Besprechung liegt nur einen Klick entfernt…

Euer Glückslos zum Buch

Nach was verspürt ihr am häufigsten Sehnsucht?

PS: Alle Beiträge, die heute bis 23:59 Uhr eingehen, werden bei der Ermittlung des Tagesgewinners berücksichtigt. Der Gewinner erfährt sein Glück als Antwort auf seinen Beitrag & per Email.