Das Leben leben…

lesenslust über „Zeit deines Lebens“ von Cecelia Ahern

“Manchmal muss man sich jemandem schenken, um zu erfahren wer man ist.”

Zitat aus dem Buch

Lou Suffern ist ein vielbeschäftigter Geschäftsmann. Seine Gedanken drehen sich deshalb hauptsächlich um die Arbeit, immer mit der Konzentration auf das wesentliche Ziel seiner Bemühungen: seine Karriere zu pushen und die Karriereleiter ganz nach oben zu steigen. Jedoch, und das scheint er auf dem Weg durch sein Leben ganz zu vergessen – sind da viel wichtigere Dinge im Leben: denn da sind Menschen um ihn herum, die ihn brauchen. Seine Familie, seine Frau und sein Kind.

Erfolgreich verdrängt er seine privaten Angelegenheiten; schiebt sie auf, schenkt ihnen keine Beachtung. Als sein Vater 70 Jahre alt wird und er bei der Organisation der Location helfen soll, schafft er es immer wieder sich aus der Affäre zu stehlen. Seinen kleinen Sohn sieht er fast gar nicht; hat er noch kein einziges Mal die Gelegenheit gefunden, ihm die Windeln zu wechseln, ihn zu halten, ihn wirklich wahrzunehmen und sich an der Vaterschaft zu erfreuen. Seine Frau schaut er kaum noch an, sie ist da und doch scheint sie ihm ganz fern zu sein; er kann sich noch nicht mal mehr erinnern, warum er sie geheiratet hat.

Eines Tages fühlt er sich irgendwie seltsam. In seiner Magengruppe macht sich ein merkwürdig flaues Gefühl breit, was er nicht zuordnen kann. Doch er versucht es zu ignorieren, für Gefühlsduseleien hat er einfach keine Zeit. Er kauft einen Becher Kaffee und entscheidet sich kurzer Hand ihn dem Obdachlosen vor seinem Bürogebäude zu schenken. Dem Obdachlosen namens Gabriel, auch Gabe genannt.

Gabe erzählt ihm im Gegenzug seine Geschichte, die Geschichte seiner täglichen Beobachtung: der Schuhe, die täglich das Bürogebäude betreten und wieder verlassen. Und Lou hört zu, ganz anders als sonst. Plötzlich scheint da Zeit zu sein. Zeit, die er sich für sonst niemanden zu nehmen scheint und nun für einen ihm völlig unbekannten Obdachlosen?! Was ist nur mit ihm los?

Doch die anfänglich unwichtig erscheinende “Schuh-Geschichte” erweist sich Lou plötzlich hilfreicher als vermutet. Plötzlich sind da Puzzleteile, die zusammenpassen und Informationen, die ihm nun scheinbar ganz offensichtlich sind. Auf der Arbeit ist was im Gange und aus irgendeinem Grund scheint er darüber nicht informiert zu werden.

Ob es Mitleid oder einfach nur eine zwischenmenschlicher Anfluch von Nächstenliebe ist: Lou kommt ein banaler Gedanke, den er alsbald schon in die Tat umsetzt. Er setzt Gabe als Postverteiler in seiner Firma ein. Warum? Nun ein Obdachloser braucht einen Job und der bisherige Postverteiler taugt einfach nichts. Eine himmlische Geste, die nicht ohne Folgen bleibt…

~*°..Meine Meinung..°*~

Nun, ich war einer der ersten Fans von Cecelia Aherns “P.S. Ich liebe dich” und bin es immer noch. Ihre Nachfolgeromane, die oftmals als “schwächer” eingestuft und stets mit ihrem Erstlingswerk verglichen werden, haben mir bis auf wenige Ausnahmen durchweg gefallen; viele davon verzaubert. Ahern setzt sich stets mit ernsten Themen auseinander. Jedoch tut sie dies mit einer sehr individuellen Art, die ihr so spielerisch leicht zu fallen scheint. Sie verleiht ihren Romanen stets eine gewisse Magie, das Fünkchen Besonderheit, damit sie sich von der Masse abheben. Ihr Schreibstil ist himmlisch; so einfühlsam und liebevoll, oftmals einen Tick kitschig mit einem Hang zum Surrealen.

“Zeit deines Lebens” offenbarte sich mir nicht nur äußerlich verändert, im frischen roten Einband; sondern auch von der Story her ganz anders. Zu der gewohnt warmen und magischen Art Aherns gesellte sich etwas Neues: ein Hang zum Spirituellen & Philosophischen.


“Zeit kann man nicht verschenken, aber wir können sie miteinander teilen.”

Zitat aus dem Buch

Worte, in denen Wahrheit liegt und sie uns trotzdem so fern erscheinen. Nicht jeder weiß mit ihnen umzugehen, von ihnen zu profitieren, seine Prioritäten richtig zu setzen. Fällt es nicht nur dem Hauptprotagonisten Lou schwer, seinem Privatleben genug Beachtung zu schenken sondern vielen anderen Menschen auch. Die Zeit läuft weg, immer mehr Menschen scheinen nach nach Perfektion, nach Erfolg und einer Karriere zu streben. Die Zwischenmenschlichkeit muss immer mehr darunter leiden. Spielt sich das Leben oftmals vielmehr am Computer als in der wahren Welt ab, an Maschinen; in virtuellen Welten namens Facebook, Twitter und StudiVZ. Dabei wäre doch alles so einfach. Denn die Menschen, die in deiner Umgebung leben, brauchen dich. Deine Nähe, deine Aufmerksamkeit, deine Liebe. Und du sie! Das ist der Lauf der Dinge: Deswegen heißt es Geben und Nehmen!

Ahern schenkt Lou einen himmlischen Boten, einen Engel. Gabe scheint Lou wieder das Gefühl für die wichtigen Dinge im Leben zu geben, ihn auf den richtigen Weg zurückzuführen, ihn sein Leben spüren zu lassen, mit all den Kräften, die er bisher für den Beruf verschenkte.

“Manchmal muss man sich jemandem schenken, um zu erfahren wer man ist.” – wie wahr! Erfährt man über sich selbst oft am Meisten durch die Menschen, die einem nahestehen. Nur wenn man sich öffnet und auf andere einlässt, bekommt man die Bandbreite des Lebens zu spüren. Liebe, Freundschaft, Geborgenheit, Sicherheit. Sicherlich, oft auch Enttäuschung, Schmerz und Trauer. Doch auch diese Dinge gehören zum Leben dazu.

Dass Erkenntnisse auch zu spät kommen können muss Lou leider schmerzlich spüren. Ahern scheint sich dafür entschieden zu haben, dass auch das Leben nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten für einen bereit hält. Eine Geste Aherns, die ihrem Roman eine gute Portion Realismus versetzt und von den vielgeliebten Happy Ends abweicht.

Entscheidungen, die man trifft haben immer Folgen. Auch wenn diese Folgen guter Natur sind, können sie zu spät eintreten. Eine Lehre, die den Lesern dieses Romans unvermittelt die Konzentration auf ihr eigenes Leben wiedergewinnen lassen sollte. Eine Möglichkeit, die jedoch nicht zeitlich unbegrenzt zur Verfügung steht! Trotz allen positiven Aspekten, hat mich die Geschichte dieses Mal nicht ganz so gefesselt. Auch wenn Ahern ihre bezaubernde Art beibehalten hat und die Story lehrreich und unterhaltend war, verspürte ich nicht ganz so viel Begeisterung für ihren Roman wie viele ihrer bisherigen das geschafft haben. Für ihren “himmlischen Bücherboten” gibt es deshalb 4 von 5 möglichen Sternen.

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