Wenn das Leben es gut mit dir meint

Es wird ein besonderer Abend werden, da sind sich Arndt von der literarischen Sternwarte Astrolibrium und ich bereits sicher, als wir den unter Blättern versteckten Schriftzug „Maria Passagne“ des kleinen Club Privé in Haidhausen am Montagabend entdecken. Durch den schmalen Eingang der Bar können wir bereits ein rötlich schimmerndes Spirituosenregal erspähen. Gedämmtes Licht empfängt uns, als wir eintreten und urplötzlich in eine andere Welt versetzt werden.

Wir sind eingeladen, zur Livestreamlesung von Alex Capus dsc_0218-01.jpegneuem Roman „Das Leben ist gut“. Für die Lesung des Schweizer Autors hat sich Lovelybooks dieses Mal außerhalb seiner eigenen Räumlichkeiten umgesehen und mit dem Carl Hanser Verlag eine besonders schöne Location gewählt. Denn das Innere der kleinen Münchner Bar, die an ein privates Wohnzimmer der 50er Jahre erinnert, präsentiert sich mit einem exotischen Allerlei aus Flohmarktnippes und kleinen intimen Sitzgelegenheiten. Die perfekte Location für ein Date, unsere erste Begegnung mit Alex Capus.


Alex Capus: „Besuchsweise gefällt’s mir überall. (…) Ich mag nur die Städte nicht, die sich selber so hübsch finden.“

Kurz nach seinem Erscheinen erfüllt Capus den Raum mit seinem unverwechselbaren Charme. Ein Lächeln umspielt seine Lippen, er wirft lockere Sprüche in den Raum und begrüßt uns voller Herzlichkeit. Frei von jeglicher Arroganz, natürlich und unbekümmert nimmt Capus am Nachbartisch Platz. Die Luft ist von knisternder Spannung erfüllt, als die letzten Minuten vor der Übertragung laufen und sich Aila von Lovelybooks und Capus ins rechte Licht rücken.

Nahezu ohne Hilfestellung des Buches, begleitet von spielerischer Leichtigkeit und schweizerischem Dialekt, liest uns Capus aus seinem Roman vor, der vom Leben des Barbesitzers Max, seiner Frau Tina und der „unübersichtlichen“ Anzahl an Söhnen erzählt. Es entfaltet sich ein interessantes Spiel aus Fiktion und Realität. Alltäglichkeiten, wie wir sie alle kennen und die sich dennoch höchst charmant präsentieren.

Alex Capus: „Es steht Roman vorne drauf, also ist auch Roman drin.“

Es ist eine Geschichte, die Spiegelungen von Capus Leben enthält, der selbst im schweizerischen Olten eine kleine Bar (Bar Galicia) besitzt und dort montags hinterm Tresen steht. Doch der Autor betont, es sei nicht seine, sondern die Geschichte von Protagonist Max. Er sehe dem Helden lediglich ähnlich.

Während die Schweizer Presse sein neuestes Werk sehr gut angenommen hat, vernimmt man seit ein paar Tagen in den sozialen Netzwerken Unruhen unter Lesern und Bloggern. Capus Werk sei diskriminierend, er konfrontiere die Leser mit einem bestimmten Frauenbild. Außerdem sei die Geschichte langweilig und verlöre sich in nichtssagenden Alltäglichkeiten.

Alex Capus: „Frauen unter 40 machen mit Angst, die haben so gewalttätige Gefühle.“

Ich muss gestehen, dass ich das Werk bis dato lediglich angelesen und noch nicht vollständig gelesen habe. Vielleicht hat mir aber gerade diese literarische Jungfräulichkeit ermöglicht, vorbehaltslos den Textstellen und Anekdoten Capus‘ zu lauschen, die sich mir keineswegs frauenfeindlich oder langweilig, sondern vielmehr bewusst überspitzt und höchst charmant präsentiert haben.

Was in Capus Roman durchblitzt, ist eine tiefempfundene Liebe zu der Ehefrau und zum Leben. Dass so ein 25-jähriges Eheleben auch mal die eine oder andere Unstimmigkeit mit sich bringt, scheint mir legitim, weswegen ich es dem Protagonist Max nachsehen kann, dass er sich bei Touren um den Block von Unmut und in sich schlummernden Schimpftiraden für seine Frau befreit. Es ist die Geschäftsreise seiner Frau die Max ihre fehlende Präsenz und seine tiefe Liebe zu ihr und der gemeinsamen Familie bewusst macht. Tapfer nimmt er sich seinem Baralltag an, empfängt tagsüber strandende Freunde, bringt Altglas vom Vortag weg, repariert Mobiliar und bringt verstecktes Fischgrätenparkett zum Vorschein, bis die Bar in den Abendstunden seine Türen öffnet.

„Der Capus klaut Türen.“

Doch der Abend offenbart uns nicht nur eine Reihe ausgewählter Textstellen aus dem Roman, sondern auch zahlreiche Anekdoten aus Capus‘ Leben, der nachts heimlich Türen für das Nachbarschaftshaus klaut, die Schicksalshaftigkeit eines Wirbelsturmes namens Lotar kennenlernt und mit seinem Freund Vincenzo über die Funktionalität einer Ampel philosophiert. Darüber hinaus widmet sich Capus den Fragen die während der Lesung von den Lovelybooks Nutzern eintrudeln. Die Fiktion, auf die Capus während seiner Lesung wiederholt hinweist, trifft den Schriftsteller während des gesamten Abends frontal. Irgendwie scheint es das Leben mit Alex Capus recht gut zu meinen, oder Alex Capus mit dem Leben.

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Mein Dank für diesen wundervollen Abend gilt dem Team von Lovelybooks, dem Carl Hanser Verlag und Bloggerkollegen Arndt für die charmante Begleitung. Und da vier Augen immer mehr sehen und vier Ohren immer mehr hören als zwei, gibt’s hier noch Arndts Impressionen obendrauf. Den Stream von Lovelybooks könnt ihr euch hier jederzeit noch einmal ansehen.

Alex Capus: „In einer Bar trifft man die Menschen nicht immer in ihren besten Momenten an.“

5 Kommentare zu „Wenn das Leben es gut mit dir meint

  1. Liebe Steffi,

    das hört sich nach einem perfekten Abend und einer perfekten Lesung an. Ein ganz toller Bericht. Und von der Bar habe ich tatsächlich bisher auch noch nie was gehört, dabei sieht die echt toll aus. 🙂

    Liebe Grüße,
    Petzi

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    1. Huhu Petzi,

      du wirst es nicht glauben: ich auch nicht. Dabei ist sie ein absolutes Juwel. Man kommt sich vor wie in den 50ern. Die Lesung stand daher unter einem besonderen Stern und wie sich mir Capus „Das Leben ist gut“ begegnet, werde ich erleben.

      Wochenendgrüße
      Steffi

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