Sweet Misfortune..

lesenslust über „Glückstreffer“ von K. A. Milne

~*°..“Gesucht: Glück. Bitte helfen Sie mir zu finden, was ich verloren habe. (Bin nur an dauerhaftem Glück interessiert. Alles Vergängliche unerwünscht.)“(Zitat, Buch)..°*~

Sophie Jones verliert an ihrem 9. Geburtstag bei einem Autounfall ihre gesamte Familie. Die Mutter, den Vater und die Großmutter. Ein einschneidendes Erlebnis, dass auf ihr restliches Leben großen Einfluss haben wird. Denn es prägt nicht nur ihre Persönlichkeit, sondern auch ihre Haltung zum Thema Glück. An das Gute, Glück oder vielmehr Vorhersehung kann sie von da an einfach nicht mehr glauben.
Jahre später ist sie stolze Besitzerin einer Chocolaterie, der Sophie Jones´ Chocolaterie. Als sie dem charmanten Garrett begegnet, beginnt Sophie zum ersten Mal wieder an ein scheinbares Glück zu glauben. Das Glück der Liebe. Doch kurz vor der Hochzeit verlässt sie Garrett fluchtartig und hinterlässt eine verstörte und unglückliche Sophie. Erneut sieht sie das Glück durch ihre Finger rinnen. Von wegen schicksalshafte Begegnung!
Dass es nun gerade Garrett ist, der ein Jahr später vor ihrer Tür steht und sie um Verzeihung bittet, kann sie nicht fassen. War ihm eine Demütigung nicht genug? Doch Garretts Entschlossenheit, ihr reinen Wein einzuschenken, zwingt sie zum Handeln. Die verletzte Sophie kann und will seine Gründe einfach nicht mehr wissen. Nicht mehr, nicht ein Jahr danach.

Sie stellt ihm daher eine schier unmögliche Aufgabe: Er soll eine Anzeige schalten, in der er nach 100 überzeugenden Gründen für dauerhaftes und nicht vergängliches Glück sucht. Erst wenn ihm das gelingen sollte, will sie ihm ein Treffen gewähren. Ein Aufgabe, die zum Scheitern verurteilt ist?

 

~*°..“Manche Menschen finden Ihr Glück in der Liebe. Du ganz bestimmt nicht“(Zitat, Kapitel 1)..°*~

Der Roman „Glückstreffer“ war für mich eine unerwartete Mischung aus Liebesgeschichte und Familiendrama. K. A. Milne gelang es, dem Leser ein Gespür für Sophies entstandene Ängste zu vermitteln. Man wird Zeuge ihrer schlimmsten Minuten am Tag des Unfalls. Einem tragischen Ereignis, an dem sie ihre gesamte Familie verliert. Die kleine Sophie, gerade mal 9 Jahre alt geworden, bleibt verstört und totunglücklich zurück. Sie sucht die Schuld bei sich. War es doch sie, die den Vater während der Fahrt dazu überreden wollte, mit ihr in die Chocolaterie am Straßenrand zu fahren. Sie hat ihn abgelenkt und den Unfall verursacht. Schuldgefühle, die an ihr haften wie ein schwerer Klotz am Bein und die sie in ihrem Denken und Handeln enorm beeinflussen. Ihr Geburtstag wird jedes Jahr zur Qual. Ein Tag voller Trauer und unüberwindbarer Schuldgefühle.
Die Beschreibung von Sophie ist dem Autor besonders gelungen. Denn obwohl sie ein so tragisches Schicksal als Kind erleben musste, wächst sie zu einer liebevollen Frau heran, wenn auch mit gewissen Zweifeln und Ängsten. Ihre Charakterzüge sind die einer starken Frau. Einer Frau mit einer tragischen Vergangenheit. Man will sie in den Arm nehmen, ihr vergewissern, dass alles gut wird und sie trösten. Es fällt einem nicht schwer, sie ins Herz zu schließen. Ihr Blick auf die Dinge ist manchmal erschreckend realistisch, doch er zeugt von einer gesunden Lebenseinstellung. Eine Einstellung, die nicht selten pessimistische Züge besitzt und für uns trotzdem nur allzu verständlich ist.

Als Sophie dem charmanten Garrett begegnet, beginnt sie sich das erste Mal seit langem zu fragen, ob es nicht doch auch ein Glück für sie gibt. Zwischen Garrett und ihr entwickelt sich tiefe Zuneigung. Eine zarte Liebe beginnt zu sprießen, die bald schon stärker ist, als jede Angst. Sie beschließen zu heiraten und planen ihre Hochzeit. Alle Vorbereitungen sind bereits im Gange, als Sophies Glück erneut zu einem abrupten Ende kommt. Garrett verlässt sie. Er nennt ihr keine Gründe, verlässt fluchtartig die Stadt. Für Sophie wird dieser Tag zum zweitschlimmsten ihres Lebens. Man leidet mit ihr. Wer, wenn nicht sie, hätte ein kleines bisschen Glück verdient?
Sie stürzt sich in die Arbeit, schenkt ihren Pralinés ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Aus Enttäuschung und Wut wächst eine Geschäftsidee: die Idee der Unglückskekse wird geboren. Kekse, die mit ihrem bitterschokoladigen und schier ungenießbarem Geschmack die Menschen in die Realität zurückholen. Sie wachrütteln und mit ihren realistischen und unglücklichen Prophezeiungen die Menschen begeistern. Ihre Idee schlägt ein wie eine Bombe. Auch ich bin begeistert. Vor jedem Kapitel findet man eine neue Unglücksbotschaft. Eine Idee, die mir sehr gefallen hat und die Geschichte, zumindest aus dieser Hinsicht, das bekannte Terrain verlassen lässt.
Auch die Suchanzeige, in der Garrett nach 100 Gründen für wahres und beständiges Glück sucht, hat mich entzückt. Sie stimmte mich nachdenklich. Was ist schon das wahre Glück? Gibt es das überhaupt? Und wenn ja, kann es tatsächlich beständig sein?

Was die Grundideen des Autors anbelangt, kann sich Milne getrost auf die Schulter klopfen. Mit seinem Roman „Glückstreffer“ ist es ihm gelungen, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und meine Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. Er verlieh ihm das besondere Etwas! Seine Ideen sorgten für genügend Pfeffer. Sie sorgten dafür, dass sich die Geschichte vom Einheitsbrei unterscheidet und nicht langweilig wurde. Die Zeit verging wie im Flug, Seite um Seite flog an mir vorbei.
Doch neben den Stärken des Romans, komme ich nicht umhin auch ein paar Schwächen zu nennen. Dinge, die sich durch das gesamte Buch ziehen und bei mir leider für Verwirrung sorgten. An manchen Stellen erschien mir die Geschichte unausgefeilt. Vorallem das Ende erschien mir, trotz eines schönen Abschlusses, fast schon belanglos. Es schien, als wäre Milne zum Ende hin kraftlos geworden. Seine Fantasie, welcher während der Geschichte fast schon Flügel verliehen wurden, tröpfelte im Schlussakt nur noch dahin. Die Erzählung von Garretts und Sophies Begegnung und ihrer gemeinsamen Zeit hingegen erschien mir stellenweise unendlich kitschig. Sie stand im totalen Kontrast zu Sophies Unglück und ihrer pessimistischen Lebenseinstellung. Wirkte fast schon fehl am Platz. Auch wenn eine neue Liebe die Menschen oft mit rosaroten Brillen herumlaufen lässt, konnte ich mich für die raschen Entwicklungen und Hochzeitspläne irgendwie nicht erwärmen. Das ging mir zu schnell und lehnte sich doch wieder eher an das Gerüst eines Rosamunde Pilcher Romans.
Was den Autor dazu bewegt hat, Sophies Freundin Evalynn drei Namen zu schenken, etschloss sich mir ebenfalls nicht. Mal heißt sie Evalynn, mal Evi, mal Ev. Klar haben viele einen Spitznamen, aber kann man sich da nicht auf einen festlegen? Darüber hinaus findet man die ersten drei Wörter eines jeden Kapitels in Großbuchstaben geschrieben. Der Sinn dieses Vorgehens erschließt sich mir leider nicht mal ansatzweise. Es hat mich eher verwundert. Besser gesagt, ich fand es völlig unnötig.
Aus diesen Gründen schenke ich K. A. Milnes „Glückstreffer“ 4 von 5 bitteren Unglückskeksen, die mich mit ihren realistischen Prophezeiungen philosophieren lassen: Wenn sauer lustig machen soll, kann bitter dann auch glücklich machen?

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