Ich ängstige dich, also bin ich

„Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ – Walter Moers

Autor: Walter Moers | Illustrationen: Lydia Rode | Seiten: 344 | Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag | 24.99 € [D] | ISBN: 978-3-8135-0785-0 | Erscheinungstermin: 28.08.2017 | Knaus Verlag

„Wenn die Minuten durch die Jahre rufen, erhebt sich der ewige Träumer über seine irdische Last. Und reist mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht.“

Prinzessin Dylia ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien, weswegen sie sich auch gerne „Prinzessin Insomnia“ nennt. Ihr Rekord schlafloser Nächte liegt bei 18 Tage. Während sich der gesamte Königshof den Kopf darüber zerbricht, wie man ihrer heimtückischen Krankheit Einhalt gebieten könnte, hat sich Dylia mit ihrem Zustand längst abgefunden und nutzt die zusätzliche Zeit, sich ihrer ganz besonderen Leidenschaft, der Sprache, zu widmen. Sie übersetzt und erfindet dabei nicht nur eine Reihe spezieller Wörter, die sie selbst Pfauenwörter tauft, sondern wendet auch ein selbst erdachtes Buchstabenvertauschungsprogramm von verblüffender Wirksamkeit an. Durch das „ridikülisierende Anagrammieren“ kann sie jedes Schreckenswort in eine Karrikatur seiner selbst verwandeln und sogar Krankheiten und dem Tod den Stachel ziehen.

Prinzessin Dylias Pfauenwörter in alphabetischer Reihenfolge

„Prinzessin Dylia hatte nun einmal ein außergewöhnlich leidenschaftliches Verhältnis zu Sprachen. Zu Buchstaben. Zu Wörtern aller Art, deren Verbreitung sie gewissermaßen als ihre ganz eigene diplomatische Mission am Königshof empfand. (…) Sie übersetzte leidenschaftlich gerne von einer in die andere und wieder zurück. Übersetzen, so glaubte Dylia, sei wie Wörtern über die Grenze zu helfen. Selbst illegaler Wörterschmuggel und nicht autorisierte Übersetzungen konnten in ihren Augen wertvolle Beiträge zur Völkerverständigung sein.“

Zitat, Seite 50

Als eines Tages ein merkwürdig hässlicher Gnom mit schimmernd lederner Haut und einem unerhört losen Mundwerk in ihrem Schlafgemach auftaucht, wird ihr dennoch Angst und Bange. Denn Havarius Opal ist ein alptraumfarbener Nachtmahr. Sie sind es, die das Alptraumgeschäft verwalten und ihre Opfer so sehr in den Wahnsinn treiben, dass sie ihrem Leben freiwillig ein Ende setzen. Auch Havarius verheißt Dylia, ihr von nun an nicht mehr von der Seite zu weichen und sie bis zu ihrem befreienden Sprung in den Tod zu begleiten.

„Wer nicht springen will, muss fühlen.“

Zitat, Seite 107

Doch Dylia beabsichtigt nicht im Geringsten, sich frühzeitig aus dem Leben zu verabschieden. Sie wählt daher die für sie viel interessantere Alternative: eine Reise nach Amygdala. Ein abenteuerlicher Trip in die Stadt der Angst und ins dunkle Herz der Nacht.

„Langeweile, das war für Prinzessin Dylia etwas, worunter kleine Kinder litten, die noch nicht genug Gehirnmasse entwickelt hatten. Oder Vollidioten, bei denen das mit der Gehirnmasse auch im Erwachsenenalter nicht klappte.“

Zitat, Seite 37

Ein irrer Trip durch die Windungen eines Hirns

Da ist es nun, das neue Werk von Walter Moers. Doch es ist nicht „Das Schloss der träumenden Bücher“, auf das Fans bereits seit geraumer Zeit warten, sondern vielmehr ein neues Zamonien-Projekt, das nach Aussage von Moers alle anderen vorübergehend verdrängt hat.

Zu seinem neuesten Werk, das er der zamonischen Spätromantik und erneut dem Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz zuschreibt, wurde Moers von Lydia Rode inspiriert, die sein Werk nicht nur farbig illustrierte, sondern auch an der seltenen und rätselhaften Krankheit Chronic Fatigue Syndom (CFS) leidet, einem chronischen Erschöpfungssyndrom, dessen Leitsymptom eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung ist.

Amygdala ©Illustration von Lydia Rode

Nun, Moers-Fans wie mir, ist es ehrlich gesagt völlig egal, wie das neue Zamonien-Werk nun heißt und in welche abgelegenen Winkel es mich führen wird, das einzig Wichtige ist, er schenkt mir neuen zamonischen Lesestoff. Und da ist er nun: „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“.

Und Moers enttäuscht mich nicht. Ganz im Gegenteil. Während das vorangegangene „Labyrinth der träumenden Bücher“ zwar eine Reihe an kreativen Ideen beinhaltete, aber auch vor altbekannten Begriffen und Wiederholungen aus den Vorgängerbänden strotzte, überrascht er mich nun mit einer wiedergewonnenen Stärke und einem neu angereicherten Ideenreichtum, mit dem er mich seit jeher zu begeistern versteht.

Dieser besagte Reichtum präsentiert sich nicht nur in einer Vielzahl an raffinierten Wörtern, skurillen Figuren und mysteriösen Schauplätzen, sondern auch durch einen gänzlich neuen Plot. Denn weder der Prinzessin noch dem Nachtmahr bin ich je zuvor begegnet. Es sind ihre rebellischen Persönlichkeiten, die in Konversationen voller unterhaltendem Wortwitz, starkem Sarkasmus und kämpferischem Gefrotzel ausufern. Moers schleudert mir Sprichwörter ums Ohr, die mir irgendwie vertraut vorkommen, und dennoch völlig anders sind. Schreckenswörter verwandelt er in verweichlichte Anagramme und aus merkwürdigen Fantasiebegriffen werden essentielle Pfauenwörter.

Während Moers sich anfangs recht eingehend mit Prinzessin Dylias Krankheit Insomnia und ihrer besonderen Vorliebe für die Sprache beschäftigt, kommt die Geschichte eigentlich erst so richtig mit der Begegnung von Havarius Opal, dem alptraumfarbenen Nachtmahr, und ihrer gemeinsamen Reise nach Amygdala ins Rollen.

Es ist die Schlaflosigkeit der Prinzessin, die uns Zugang zu einer völlig neuen Welt eröffnet und uns ins tiefere Innere ihres Gehirns führt. Eine abenteuerliche Reise voller ungeahnter Gefahren beginnt. Sie lässt uns durch dichte Nebelsuppe flimmen, Denkfalten passieren und in eine Hirnklamm hinabsteigen, wo wir nicht nur fragilen Geistgeistern (bzw. Zwielichtzwergen) und parasitären Zergessern begegnen, sondern auch über Zweifelspfützen springen, Ideen beim Schlüpfen zusehen und Geistesblitzen ausweichen müssen, um sie nicht in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen.

Wir reisen mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht, und winden uns voller Behanglichkeit in der moers’schen Kreativität. Die farbigen Illustrationen von Lydia Rode, die uns während der gesamten Reise durchs Buch begleiten, sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch besonders wirkungsvoll. Sie erwecken die zahlreichen Fantasiefiguren und Schauplätze zum Leben und schenken Moers‘ Zeilen eine besondere Tiefe. Als wenn Rode Feenstaub über die Seiten gestreut hätte.

„Dein Gehirn ist ein Dschungel wie jedes andere Gehirn auch. Ein wilder, gefährlicher, gnaden- und gesetzloser Urwald voller unberechenbarer Kreaturen. Perfekte Ordnung und totales Chaos, Diktatur und Anarchie, freier Wille und irrer Zwang, Fressen und Gefressenwerden – all das existiert darin. Wie in einem Zoo, in dem alle Käfigtüren offenstehen.“

Zitat, Seite 111

Ein römisches Inhaltsverzeichnis

Insgesamt ist das zamonische Märchen in achtzehn Kapitel eingeteilt, die mit römischen Zahlwörtern versehen sind. So beginnt die Reise mit dem ersten Kapitel Primus und endet mit Octavus Decimus. Darüber hinaus ordnet Moers ihnen noch zusätzliche Unterschriften zur Orientierung wie z.B. Der Friedhof des bunten Humors hinzu. Dank ihnen lässt es sich auch im Nachhinein noch einmal ganz leicht durch die Schauplätze der Geschichte hangeln.

„Jedes Gehirn ist anders, jedes Gehirn ist verrückt und jedes Gehirn ist anders verrückt. Aber auf keinen Fall ist es nur.“

Zitat, Seite 111

Eine audiovisuelles Vergnügen

Hörbuch zum Roman ©2017 der Hörverlag

Eckdaten

Hörbuch, 1 mp3-CD

Laufzeit: 11 h 23 min

Produktion: der Hörverlag

Gelesen von: Andreas Fröhlich

ISBN: 978-3-8445-2809-1

Preis: € 24,99 [D]

Während ich sonst hauptsächlich nur lese, wagte ich mich bei „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ auf relativ unerforschtes Terrain und ließ mich neben der Lektüre auch von Andreas Fröhlichs facettenreicher Stimme berieseln, die sowohl als Stimme von Prinzessin Dylia als auch Havarius Opal in meinen Ohren Gestalt annahm.

Fröhlichs Stimme konnte mich erstaunlich schnell in seinen Bann ziehen. Er spielt wie ein Jongleur mit ihr, bedient sich unterschiedlichen Stimmlagen und betonenden Sprachpausen. Er schnauft und jammert was das Zeug hält und scheint selbst in Moers‘ raffiniertesten Fantasiebegriffen und Zungenbrechern kein Hindernis zu sehen. Gekonnt hangelt er sich durch die Geschichte, begeistert mit einem unbeirrbaren Redefluss.

Doch auch wenn Fröhlich mich während der gesamten Reise durch das Buch sehr gut unterhalten konnte, kann ich mich dem Gedanken; wie das Werk wohl vom verstorbenen Dirk Bach gelesen worden wäre, der alleine schon aufgrund seines aberwitzigen Naturells perfekt zu der Skurrilität von Moers‘ Zeilen gepasst hat; nicht verwehren.

Fest steht, dass das audiovisuelle Zusammenspiel dem zamonischen Vergnügen nicht nur eine zusätzliche Dimension schenkt, sondern die Geschichte auch mit einer besonderen Note Alptraum garniert. Es setzt Moers‘ Geschichte die Krone auf und sorgt dafür, dass Havarius‘ Stimme auch nach dem Ende des Hörbuchs noch lange in mir nachhallt. Fast sehne ich mich selbst nach der Begegnung mit einem Nachtmahr, der mich in das tiefste Innere meines Gehirns entführt. Es ist der fieberhafte Traum von einem Alptraum, der mich fortan wachhalten wird.

Besonders gelungen finde ich das Beiheft, das sich neben der CD im Inlay des Hörbuchs befindet und den Hörbuch-Hörern eine Auswahl von Lydia Rodes Illustrationen mitsamt Erklärungen der wichtigsten Phänomen des Romans schenkt.

„Stell es dir einfach so vor: Ein Alptraum ist ein Paket, das du bekommst. Der Nachtmahr ist der Postbote, der es zustellt.“

Zitat, Seite 77

<3 <3 <3 <3 <3

Weitere Besprechungen findest du hier:

Anima Libri

Kapri-zioes

Wortmalerei

Meine gebundenen Moers-Schätze

Phantastisches Puppentheater…

lesenslust über „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ von Walter Moers

~*°..Ein Lindwurm entdeckt das neue Buchhaim..°*~

Hildegunst von Mythenmetz is back!

Nach 200 Jahren lässt ein rätselhafter Brief den Lindwurm erneut in die Stadt der träumenden Bücher reisen. Die beeindruckende Bücherstadt, die er einst lichterloh hinter sich gelassen hat um zur vertrauten Lindwurmfeste zurückzukehren.

Durch seinen Bestseller „Die Stadt der träumenden Bücher“, der von seiner jungfräulichen Reise in die Bücherstadt handelt, erlangte er Ruhm und Reichtum. Ein Aspekt, der ihn nicht nur dick sondern auch faul und überheblich hat werden lassen. Vom Orm, welches ihn einst durchfloss, ist er meilenweit entfernt, weshalb er sich im Schreiben belangloser Lektüren verliert. Einzig und allein die Leserbriefe, die ihm seine alltägliche Ration „Belobhudeltwerden“ schenken, scheinen seinem Leben noch einen Sinn zu schenken.

Doch nun findet sich Mythenmetz erneut in Buchhaim wieder. Er begegnet dabei nicht nur alten Freunden, sondern entdeckt auch, dass die Stadt neu zum Leben erweckt wurde. Denn Buchhaim ist aus der Asche auferstandenund scheint nun noch mächtiger als je zuvor. Ein magischer Sog umgibt ihn, der unaufhörlich an ihm zehrt…

~*°..“Ich hatte mich in Buchhaim immer schon so gefühlt, als wandelte ich durch ein illustriertes Buch, in dem sich die Bilder bewegen.“(Zitat, Seite 148)..°*~

Ich wage zu behaupten, dass sowohl die Ankündigung als auch der Aufbau des neuen Moers etwas unglücklich verlaufen ist. Während die Kurzbeschreibung von „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ den Leser auf eine spannendes Abenteuer in der Unterwelt Buchhaims hoffen lässt, wird er unweigerlich am Ende des Romans vor den Kopf gestoßen. Denn Moers neuestes Werk ist lediglich der erste Teil eines Zweiteilers und das eigentliche Abenteuer beginnt erst am Ende.
Dass sich Autor und Verlag dazu entschlossen haben, die Geschichte in zwei Teile zu verpacken, finde ich nicht weiter schlimm. Schließlich ist Moers für sein Ideenreichtum bekannt und es ist für mich nicht groß verwunderlich, dass nicht alle seine Ideen auf den 432 Seiten des neuen Buches Platz gefunden haben. Doch was mich enttäuscht, ist die Handlungsweise des Autors bzw. des Verlags, dem Leser diese durchaus wichtige Information erst am Ende des Buches zu gestehen und nicht schon am Anfang der Geschichte oder noch besser, bereits bei der Ankündigung des Romans. Denn dort hätte sie sicherlich für eine völlig andere Erwartungshaltung des Lesers gesorgt und wäre Enttäuschungen geschickt vorausgeeilt. Enttäuschungen, die jetzt warscheinlich unvermeidbar sind.

„Das Labyrinth der träumenden Bücher“ begegnet dem Leser wie ein etwas umfangreicherer Neugierde weckender Prolog, eine Vorgeschichte vor der eigentlichen Geschichte. Eine Art humoristisches und lebhaftes Sachbuch, das unsere Erinnerung scheinbar nicht nur auffrischen soll, sondern unser Wissen zudem um eine Fülle an Informationen bereichert. Wir begleiten den Protagonisten Hildegunst von Mythenmetz erneut nach Buchhaim. In ein neues Buchhaim. Einer Stadt, die sich nach dem großen Brand neu erfunden hat und die aus der Asche auferstanden ist. Nachdem Buchhaim am Ende von „Die Stadt der träumenden Bücher“ mitsamt dem Schattenkönig in Flammen aufging, blieb von der gigantischen Bücherstadt kaum mehr als Schutt und Asche übrig. Sie war verwundet, fast vollständig zerstört und zwang seine Bewohner zu einem radikalen Neuanfang. So entstanden neue Kulturen & Lebensstile, neue kulturelle Einrichtungen und neue Bewegungen. Kurzum eine neue Epoche. Eine Epoche, die literarisch sehr viel zu Tage brachte und das Stadtbild sichtbar prägte. Neue Viertel entstanden, die Architektur der Häuser veränderte sich und neue Arbeitsfelder wurden geschaffen. Neuerdings trifft Mythenmetz in der gesamten Stadt auf Puppentheater. Puppentheater jeglicher Art, bei denen der Fantasie des Betriebers keine Grenzen gesetzt sind. Das Puppaecircus Maximus soll dabei als das größte und beeindruckenste Theater aus dem Stadtbild herausragen. Hier werden die Werke der bedeutendsten Schriftsteller visuell wie akustisch in Szene gesetzt um sie den Bewohnern jeglicher Alterstufen nahe zu bringen. Auch Mythenmetz Werk „Die Stadt der träumenden Bücher“ findet hier seine ehrenvolle und atemberaubende Inszenierung. Sie begegnet einem wie eine Ode an die Stadt und Mythenmetz zugleich.

Ohne zu viel vorweg zu nehmen, sei erwähnt, dass Moers neuestes Werk definitv seine Längen hat. Mythenmetz nimmt von seinem bereits aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ bekannten Stilmittel, der Mythenmetzschen Abschweifung, erneut Gebrauch und nutzt sie bis ins schier Unermässliche. Sie raubt einem oft den Atem und stellt die Geduld des Lesers auf eine harte Probe. Doch ein Moers wäre kein Moers ohne dieses eigens kreierte Stilmittel. Keine Abschweifung ist amüsanter, kreativer oder unterhaltender als die von Moers. Ein Moers ist eben nicht bescheiden oder gar wortkarg. Seine Neigung auszuschweifen ist allgegenwärtig. Sie gehört zu ihm wie das täglich Bort und könnte fast schon als eine seiner prägnantesten schriftstellerischen Charaktereigenschaften bezeichnet werden.

Auch wenn Moers in „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ wieder mal mit neuen Begriffen, Wesen und Szenerien jongliert, als hätte er die Raffiniertesten eigens für sich gepachtet, gelingt es ihm nicht, mich auf derartig enthustiastische Art und Weise zu begeistern, wie es ihm mit dem Vorgänger gelungen ist. Was dafür fehlte, war ein Hauch Gefahr, eine Prise Abentuer und eine Pipette Spannung. Doch der zweite Teil lässt mich auf derartiges hoffen und daher ergattert „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ gnädige 4 von 5 stolzierenden Unterwasser-Marionetten für sich.

Fhernhachen-Zwerge auf großer Reise

„Ensel und Krete“ – Walter Moers

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„Stelle Dich an den Abgrund der Hölle und tanze zur Musik der Sterne!“

Wahlspruch der Bewohner der Lindwurmfeste

Ensel und Krete, ja richtig gelesen – nicht Hänsel und Gretel! zwei junge Fhernhachen-Zwergenkinder machen mit ihren Eltern Urlaub im zamonischen Großen Wald.

Der Große Wald ist eine Region vom überaus multikulturellen und fantasievollen Ort Zamonien.

Seid der Ansiedlung der Buntbären im Großen Wald, zählt die Gemeinde Bauming als eine der touristischen Angelpunkte Zamoniens. Er lädt mit seiner überaus vielfältigen Forstnatur zu einem Aufenthalt in vollkommen harmonischer und erholender Umgebung ein. Hier stehen Zyklopeneichen neben Druidenbirken, strecken sich Hutzenlärchen neben florinthischen Rottannen und das dort lebende Buntbärenvolk kümmert sich um das Aufrechterhalten der harmonischen Idylle. Die Buntbären sind die Waldhüter des Großen Waldes und stets auf ihren Patrouillengängen durch den Wald unterwegs.

Deshalb ist es Besuchern des großen Waldes stets untersagt, die festen bezeichneten Wanderwege, die sich durch den Buntbärenwalt schlengeln, zu verlassen.

Da sich Ensel und Krete aber langweilen und aus ihrem Urlaub einen möglichst abenteuerreichen und spannenden Aufenthalt machen wollen, kommen sie bewusst von den üblichen Wanderwegen ab um ein kleinwenig ihres jungen rebellischen Übermutes auf die Probe zu stellen.

Doch wie soll es anders kommen? Sie kommen vom Weg ab und verirren sich. Von da an begeben sich die beiden Fhernhachen-Zwerge auf eine magische Reise voller lustiger und gefährlicher Begegnungen, die mit Tagen und Nächten voller Angst, Freude und Übermut, Einsamkeit und großer Gefahr verbunden sind.

Neben dem Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ gibt sich dieser Roman seitenmäßig recht bescheiden.
Nach anfänglichen Bedenken schlitterte ich nur so dahin ins mythenmetzsche Zamonien-Märchen.

Die Bedenken meinerseits entstanden aufgrund anfänglich sehr sachlicher und objektiver Betrachtungsweise des Erzählers. Die Aufteilung des Großen Waldes und Bauming schien mir zwar als wichtig, aber ich vermisste doch recht bald den mir bisher bekannten Dialog in der Erzählung, der es ermöglicht, sich in die Geschichte hineinzuversetzt zu fühlen.

Doch sie blieb nicht aus, sie kam! Aber später als erwartet.Von da an begegnete ich zahlreichen fantasievollen Begebenheiten und Wesen, die niemals langweilig wurden und meinen Eindruck von Walter Moers´ gigantisch fesselnder Erzählungsweise für die Zunkunft nur noch mehr festigt.

Unzählig viele Illustrationen und grafische Zeichnungen ermöglichten es mir ein Bild von den beschriebenen Kreaturen zu bekommen und zu intensivieren. Man kann die Route der Fhernhachen-Geschwister auf der Karte verfolgen und auch die Vorgänger- und Nachfolger-Romane zusammensetzen und bildhaft nachverfolgen.

Hilfreich sind die „Mythenmetzsche Abschweifungen“ – welche ein eigens von Hildegunst von Mythenmetz entwickelt und benanntes rhetorisches Stilmittel ist, welches dem Leser ermöglicht ohne Ausnahme wann immer er will, in die Geschichte einzugreifen, sie anzuhalten oder seinen Launen nach belanglosen Plaudereien nachzugehen, ohne dass ein Literaturkritiker ihm das ankreiden kann. Dank diesem erfundenen Mittel konnte ich stets herzhaft lachen, mich wegen abschweifender Plauderein aufregen oder dankend nach einer Pause äußern. Eine Anfügung dieser Art habe ich bisher noch in keinem Buch entdeckt – wirklich raffiniert!

Man findet die unterschiedlichst durchspielten Enden der Geschichte, was eine sehr lustige Idee von Moers ist.

Für mich hat diese Geschichte, auch wenn anfans nicht vermutet wieder mal eine absolut überwältigende und unterhaltende Wirkung gehabt.

Die Geheimnisse der Dunkelheit…

lesenslust über „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ von Walter Moers

 „Es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen.“

Zitat, Seite 303

Als kleiner Wolpertinger (eine zamonische, hundeartige Daseinsform) genießt Rumo tagtäglich die Fürsorge einer 7-köpfigen Bauernfamilie von Fhernhachenzwergen.

Eines Tages empfängt Rumo anstatt den vertrauten süßen Klängen des Fhernhachenliedes eine stille gähnende Leere am Morgen. Um diesem fremden Zustand auf den Grund zu gehen, verlässt er sein lauschiges Plätzchen in der Küche und begibt sich auf den Weg zur Scheune des Bauernhofs. Ein Weg, der Auftakt einer langen, aufregenden und abenteuerlichen Reise ist.

In der Scheune trifft Rumo auf eine Horde bösartiger Teufelszyklopen, die gerade dabei sind, den Bauernhof zu überfallen, um alle Lebewesen zur geschmackvollen Heranzüchtung auf die Teufelsfelsen zu verschleppen. Auch Rumo befindet sich bereits kurze Zeit später im unangenehmen Schlepptau.

Die Phase des Wachstums und der Reife durchlebt der kleine Wolpertinger fortan in der Speisekammer der Teufelszyklopen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gefangenen genießt er den Vorteil, sich innerhalb der Speisekammer bewegen zu dürfen und erkundet so die einzigartige Grotte.

Auf seinen Erkundungstouren stößt er auf einen Tümpel mit einem übelriechenden und eigenartig gefärbten Wasser. Seine Neugier übermannt ihn und er macht bald schon Bekanntschaft mit dem ungewöhnlichen Bewohner dieses Tümpels: einer 14-armigen intelligenten Haifischmade namens Volzotan Smeik. Gemeinsam schmieden sie einen Fluchtplan, der bereits kurze Zeit später seine Vollendung finden soll.
Wird es ihnen gelingen, sich aus der Gefangenschaft der Teufelszyklopen zu befreien?

~°*..Mein Fazit..*°~

Moers “Die Stadt der träumenden Bücher” hat mich damals unglaublich fasziniert und begeistert. Seit diesem Roman kann ich von den Büchern des Autors nicht mehr die Hände lassen. Auch „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ habe ich gelesen und für gut befunden.

Ich kenne nur wenige Autoren, die ihre Geschichten derartig ausschmückend, lebendig und fantasiereich gestalten wie Moers. Es erscheint mir fast so, als dass der Fantasie des Autors keine Grenzen gesetzt sind. Immer wieder begeistert er mich mit neuen fantastischen Wesen und lebendigen und in höchstem Maße unterhaltenden Wortneuschöpfungen bzw. Definitionen.

Mit Zamonien hat er einen einzigartigen Kontinent erschaffen, der seinen fantastischen Romanfiguren als Heimat und seinen Geschichten als origineller und einprägsamer Hintergrund dient. Seine Wortgewandtheit und kreative Ader eröffnet den Lesern immer wieder neue, bis dato völlig abwegige Wege, die das Lesen zu einem echten Erlebnis machen.

Vom “zamonischen Virus” der Geschichte fühlte ich mich recht schnell infiziert und dem Sog des Buches konnte ich mich während dem Lesern nur schwer entziehen. Schnell verfiel ich in einen “trancegleichen Zustand“, der die Seiten in rasantem Tempo an mir vorbeifliegen ließen. Die Spannung, die sich wie ein roter Faden durchs Buch zieht, sorgte für wohlige Gänsehaut während dem Lesen.

Moers hat sich in seinem Roman „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ für die Trennung zweier Welten entschieden. Daher ist das Buch in „zwei Bücher“ unterteilt. Auf seiner Reise begibt sich der junge Romanheld sowohl durch die Obenwelt und die Untenwelt von Zamonien. Durch die jeweilige Zuordnung findet sich der Leser schnell zurecht und kann so die Dinge sehr gut zuordnen.

Die Geschichte um den jungen Wolpertinger begegnete mir im Vergleich zu Moers anderen Romanen noch eine Spur blutiger, härter und ausschmückender. Für leichtbesaitete oder junge Leser ist Rumos Abenteuergeschichte sicherlich nur bedingt geeignet, da die detailvollen Beschreibungen zu einem sehr lebendigen Kopfkino führen.

Mir persönlich hat diese Entwicklung sehr zugesagt und bei der ganzheitlichen Betrachtung der Moers-Bücher ordne ich „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ den stärkeren Werken zu. Sicherlich ist Moers Schreibstil etwas speziell, weshalb sich nicht jeder auf die ausschmückende Art von Moers einlassen kann. Sicher ist aber, dass es sich auf alle Fälle lohnt.

<3 <3 <3 <3 <3

 

Ein teuflischer Vertrag…

lesenslust über „Der Schrecksenmeister“ von Walter Moers

 

WAS GEWESEN UND GEGANGEN
SOLL JETZT WIEDER NEU ANFANGEN
WAS GEGANGEN UND GEWESEN
SOLL IM WUNDERSUD GENESEN
SOLL IM TOPFE WIEDERKEHREN
UM DIE ALCHIMIE ZU EHREN.

 

~*Oben ist UNTEN und hässlich ist SCHÖN*~

Stell dir vor, es gäbe eine Stadt, in der das Gesunde krank und das Kranke gesund werden würde. In ihr würde es die wohl mit Abstand unmöglichsten & abstoßendsten Krankheiten wie etwa Hirnhusten, Darmschnupfen oder gar Magenmumps geben.

Bei einem Spaziergang durch die Straßen würde sich ein eiternder & brechreizfördernder Gestank in deiner Nase breit machen und die Töne von schrecklichem Gewimmer & unerträglichem Geröchel würden sich in deine Ohren schleichen. Die Luft dort wäre bereichert von der Einzigartigkeit verschiedenster Bakterien und Krankheitserreger, die in der Luft schwebend ständig auf der Suche nach neuen Opfern wäre. Die Einwohner dieser Stadt würden nicht leben, sondern förmlich dahinvegetieren. Ein reinstes Moloch voll von Angst, Trauer, Schrecken und Tod.

Nun ja, dann – ja genau dann, wenn du dir all dies Übel in einer Stadt vorstellen kannst und sie ganz dicht vor deinem Auge entdeckst, dann bist du in Sledwaya, dem wohl krankesten Ort in ganz Zamonien, angekommen.

Und in dieser Stadt lebt in jener Zeit Echo, ein kleines Krätzchen. Für alle Nichtsahnenden erscheint Echo wie ein gewöhnliches Kätzchen. Er besitzt jedoch die zamonische Gabe, sprechen zu können und im stolzen Besitz zweier Lebern zu sein.

Nachdem Echos Frauchen stirbt ist das kleine Krätzchen hilflos und alleine. Die neuen Besitzer des Hauses wollen es loswerden und setzen es kurzer Hand auf die Straße. Echo sitzt nun da…abgemagert, dreckverschmiert und armselig…als ein metallisches klappriges Geräusch sich schon von weitem ankündigt…es gehört dem berüchtigtem und allseits gehasst wie gefürchteten Stadtschrecksenmeister Succubius Eißpin.

Er verkörpert den Alptraum in Person. Sein Anblick erinnerte einen an den einer wandelnden Vogelscheuche, von dem giftig galligen Geruch, der ihm meilenweit vorauseilte, mal ganz abgesehen. Bis auf eine Schreckse hatte er alle Schrecksen erfolgreich gejagt und aus der Stadt vertrieben. Seine Präsenz ist allgegenwärtig, die Stadt steht unter seiner Fuchtel!

Was jedoch genau diese schreckliche Kreatur dazu bewegen wird,  Echo in seine Obhut zu nehmen muss nun herausgefunden werden…

~*Die Magie zamonischer Schrecksenschreibkünste*~

Es gibt Romane, die sind so phantastisch und zugleich in so realer Art und Weise erzählt, dass es dem Leser erscheint, er wäre eben erst von einer Reise zurückgekehrt. Zu diesen zähle ich Moers Vorgängerromane „Rumo & die Wunder im Dunkeln“ sowie „Die Stadt der träumenden Bücher“.

Dann wiederum gibt es Romane wie diesen, die mir das Abgeben eines Fazits sehr schwierig gestalten.

Moers unumstrittenes Erkennungsmerkmal ist seine detailgetreue und zu Wortneuschöpfungen neigende Art des Schreibens, die ich in all seinen Vorgängerromanen so lieb gewonnen habe. Ob es die mannigfaltige Aufzählung von Farbtönen, die überaus reichhaltige Kreaturbeschreibung der schier unendlich existierenden Wesen Zamoniens oder die facettenreiche Umschreibung von Eigenschaften war, Moers überraschte mich immer mit einer Explosion an immer raffinierteren und noch außergewöhnlicheren Wortneuschöpfungen, dass ich immer total überwältigt war.

Heute, zum ersten Mal, wich Moers von dieser gewohnten Schreibweise ab. Ob gewollt oder ungewollt: etwas anderes übernahm die Leitrolle. Es war ein Hang zu Gefühlvollerem und Unbekanntem. Interessant – aber auf mich nicht ganz so euphorisch wirkend wie bisher.

Die Beschreibungen von Sledwaya, der dort herrschenden Krankheiten, der Kreaturen & Ereignisse dieser Geschichte sind wie immer durchaus kreativ. Meine Erwartungen nach dem Lesen des Klappentextes waren jedoch weitaus gruseliger, spannungsgeladener und grausamer als die Geschichte selbst.

Vielleicht bin ich mittlerweile schon von all den harten und ausschmückenden Beschreibungen aus den Vorgängerromanen abgehärtet, dass mir die Beschreibungen hier um ein vielfach humaner erschienen. Kann sein, muss aber nicht!

Auch wenn Moers den Verzicht der „Mythenmetzschen Abschweifungen“ erklärt und die Gründe mir logisch erscheinen, war ich doch etwas enttäuscht, keine einzige vorzufinden. Obwohl sie oft lang und nervenraubend waren, hatten sie stets  eine gute Portion Witz und Humor im Schlepptau. Die Unterhaltung wurde hierdurch stets um ein Vielfältiges gesteigert. An Illustrationen hat es mir in diesem Roman leider auch etwas gemangelt. Verglichen mit der Anzahl der Vorgänger-Illustrationen findet man hier nur eine kleine zurückhaltende Anzahl.

Die Geschichte ist gut strukturiert, interessant und beinhaltet einige unerwartete Verläufe, die die Geschichte stets in Spannung halten. Sie ist liebevoll & herzlich.

Das Buch las sich wie immer sehr flüssig und die Seiten verflogen wie im Nu. Eine Verknüpfung zum Kontinent Zamonien sucht man allerdings in seinem neuen Roman vergebens. Der bei seinen treuen Lesern so liebgewonnene Kontinent bleibt hier etwas außen vor. Man muss sich wohl auf den nächsten Roman vertrösten!

Träumende Bücher…

lesenslust über „Walter Moers – Die Stadt der träumenden Bücher“

„Hier fängt die Geschichte an.“


„Sie erzählt, wie ich in den Besitz des Blutigen Buches kam und das Orm erwarb. Es ist keine Geschichte für Leute mit dünner Haut und schw achen Nerven – welchen ich auch gleich empfehlen möchte, dieses Buch wieder zurück auf den Stapel zu legen und sich in die Kinderbuch-Abteilung zu verkrümeln.
Husch, husch, verschwindet, ihr Kamillenteetrinker und Heulsusen, ihr Waschlappen und Schmiegehäschen, hier handelt es sich um eine Geschichte über einen Ort, an dem das Le sen noch ein echtes Abenteuer ist!“

 

~**~Man sagt, Bücher können alles , sogar töten…~**~

Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz lebt auf der Lindwurmfeste.

Lindwürmer sind Drachen und Hilde gunst zählt bisher ein noch „j un ges“ Alter von 70 Jahren. Sein Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler konnte man mit seinen mehr als 800 Jahren schon als Lindwurmfeste-Urgestein bezeichnen.

Als der stirbt, erbt er von ihm ein Manuskript von einer derartigen Makellosigkeit, dass es den Leser in eine Reihe ungewöhnlich er Gemütsschwankungen versetzt.
Vom Zustand fiebriger Ausgelassenheit…in hysterisches Lachen…vor Begeisterung mit den Füßen trampelnd…im nächsten Moment aber schluchzend & tränenüberstr ömt…weitere Lachkrämpfe folgend…endend mit einer
beängstigenden Kälte und Trostlosigkeit.

Da ihm sein Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler am Sterbebett nahegeleg t hat, dem Geheimnis dieses Manuskriptes & dessen Schreibers auf den Grund zu gehen macht er sich also auf nach Buchhaim, der Stadt der träume nden Bücher.
Als Hildegunst Buchhaim betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Die Stadt ist erfüllt vom anregenden Aroma von altem Leder und dem scharfen intelligenten Parfum von Druckerschwärze.

Er wird vom Sog der buchverrückten Stadt in die unterirdischen Labyrinthe befördert und findet sich auf seinem Weg in den obskurresten , verrücktesten, gefährlichsten & atemberaubensten Situationen wieder und lernt eine Menge unterschiedlichster Lebewesen kennen, wie die gefährlichen Bücherjäger & die „schrecklichen“ Buchlinge und entdeckt die Welt des sagenumwobenen Schattenkönigs.

Wer glaubt, ein Buch kann man einfach nur lesen, der irrt gewaltig, denn es vermag zu viel mehr als das…

In tiefen, kalten, hohlen Räumen
Wo Schatten sich mit Schatten paaren
Wo alte Bücher Träumen träumen
Von Zeiten, als sie Bäume waren
Wo Kohle Diamant gebiert
Man weder Licht noch Gnade kennt
Dort ist´s, wo jener Geist regiert
Den man den Schattenkönig nennt

~**~Mein Eindruck~**~

Das Cover des Buches war mir bereits seit geraumer Zeit bekannt. Es zog mich quasi magisch an. Jedes Mal wenn ich eine Buchhandlung betrat, drängte es sich in mein Blickfeld – fast so, als zwang es mich förmlich zu seinem Kauf.

Da ich bei vielen anderen Lesern eine Begeisterung für Walter Moers´Romane vernommen hatte, wollte ich dem unbedingt selbst auf den Grund gehen. Ich schnappte mir also beim nächsten Besuch in der Buchhandlung das Buch und begann schon kurz darauf in der Bahn mit dem Lesen.

Bereits nach den einleitenden Worten, die auch ihr am Anfang lesen konntet, war es wie um mich geschehen.
Ich zog eine Einladung, eine Einladung das Buch zu lesen und zugleich eine Warnung, für all diejenigen, die sich einem Abenteuer wie diesem nicht gewachsen fühlen. Ich entschied mich für die Einladung und sie beförderte mich direkt in die Geschichte –  in das Abenteuer von Hildegunst von Mythenmetz.

Anfangs benötigt man zugegeben etwas Zeit, um sich auf die Geschichte einzulassen. Es ist keine Geschichte, die einem bereits vertraut ist, es ist eine Geschichte, die in einer ganz anderen Welt spielt. Voller merkwürdiger Kreaturen und Phantasiewesen, die an den ausgefallensten Orten leben.

Genau DAS ist aber Walter Moers´ einzigartige Begabung.

Er besitzt einen wahnsinnig fesselnden Schreibstil. Er schaffte mit diesem Buch eine großartige Phantasie-Welt mit den wohl verrücktesten Figuren. Wie ein Feuerwerk voller Emotionen, Witze, aber auch Ängste und großartiger Eindrücke.
Er flachst eben noch rum und im nächsten Moment macht er eine Exkursion in die Welt der Literatur. Die Geschichte ist spannungsgeladen und im nächsten Moment wieder fröhlich und ausgelassen. Man meint eben noch, man weiß, wie eine Situation ausgeht und auf der nächsten Seite wird man total überraschend vom Gegenteil überzeugt.

Und zu alledem illustriert er sein Meisterwerk noch selbst. Alle Zeichnungen, die man im Buch findet, stammen von ihm. Sie ermöglichen fast schon, sich in einer Art Film wiederzufinden. Es ist nicht nur eine Erzählung sondern auch eine Anreihung von skurrilen & kreativen Illustrationen, die wie eine Art Bildergalerie den Roman begleiten.

Und obwohl „die Stadt der träumenden Bücher“ der 4.Teil der Zamonien-Reihe ist, kann man dieses Buch ohne weiteres als alleinstehendes Werk lesen und verstehen. Man findet immer wieder Randbemerkungen, die den bisher Unerfahrenen aufklären und auf andere Werke verweisen.

Mit diesem Roman hat es Walter Moers erstmalig geschafft, dass ich mich nach seinen Geschichten sehne.