Der Zeit auf den Fersen

„Momo“ – Michael Ende

Thienemann, erschienen am 23. Februar 2021, Preis 16,00€ [D], Gebundene Ausgabe, ab 12 Jahren, 304 Seiten, ISBN: 978-3-522-20275-6, hier geht’s zum Buch

In den Ruinen eines Amphitheaters, ganz am Rande einer Großstadt lebt ein Mädchen mit pechschwarzen Augen, einem ebenso pechschwarzen wilden Lockenkopf und Füße von der gleichen Farbe. Ihr Name ist Momo. Sie besitzt nichts als das, was sie irgendwo findet oder was man ihr schenkt. Und obgleich ihre abgewetzte Kleidung ihrem Erscheinungsbild etwas Schmuddeliges verleiht, schätzen die Menschen ihre Gesellschaft. Denn Momo besitzt eine ganz besondere Gabe: sie kann zuhören wie kein anderer.

„Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!“

Zitat, Seite 15

Doch eines Tages wird die Stadt von einem Schatten heimgesucht, der sich langsam aber sicher ausbreitet und eine ungewöhnliche Kälte mit sich bringt. Die grauen Herren erobern die Stadt. Männer mit Gesichtern wie graue Asche, aschfarbenen Zigarren im Mundwinkel und grauen Aktentaschen in der Hand. Sie haben es auf die Lebenszeit der Menschen abgesehen und Momo scheint die Einzige zu sein, die ihnen Einhalt gebieten kann. Und so zieht das kleine wilde Mädchen mit nichts als einer Blume in der Hand und einer Schildkröte namens Kassiopeia unter dem Arm in den Kampf um die gestohlene Zeit.

„Momo“ ist ein Rätsel, das Michael Ende Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen an die Hand gibt und genauso gut ins Heute wie ins Damals passt. Es ist eine Einladung zum Nachdenken und Wundern. Eine Reise in ein Reich der Phantasie, das im Nie und Nirgends liegt oder auch in der zeitlosen Gegenwart. In dieser Geschichte wartet eine moderne Welt auf uns, die einer heutigen Großstadt entspricht und genauso reich an Wundern und Geheimnissen ist wie die vergangene, wenn wir sie aus den Augen von Momo betrachten. 

Die Neuauflage, 2021: ein blaues Arrangement aus Bild und Text

Michael Ende ist einer jener Autoren, die mich schon seit meiner Jugend begleiten. Welches seiner Bücher das Erste für mich war, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Mit Sicherheit aber, dass seine Geschichten sich alle in meinem Gedächtnis verankert haben. Und zwar so, dass ich mich noch heute an Textstellen erinnere, die ich bereits vor über zwei Jahrzehnten das erste Mal gelesen habe. Einige dieser Jugendschätze sind mir von damals erhalten geblieben: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, eine Sonderausgabe von „Die unendliche Geschichte“, „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ und eine abgeliebte Ausgabe von „Momo“. Während ich in den meisten Fällen die alten nostalgischen Ausgaben den neuen vorziehe, gibt es Neuauflagen, die mein Herz im Sturm erobern. Eine davon möchte ich euch heute ans Herz legen – es ist die im Februar diesen Jahres erschienene Schmuckausgabe von Michael Endes „Momo“. 

Das orange-braune Gewand meiner Erstausgabe von 1973 wurde durch ein dunkelblau-silbern schimmerndes Gewand ersetzt. Es kommt fantastisch daher, nahezu magisch. Was ich bis zu dieser Ausgabe nicht wusste, ist, dass die Illustrationen im Buch von Michael Ende selbst stammen. Ein Zusatz im Buch weist mich darauf hin, wo früher nur „Ein Märchen-Roman“ stand. Die Bilder präsentieren sich mir nun im klassischen Blau, genau wie der Text, was früher braun daherkam. An sich eine rein farbliche Abweichung zum Original, die sich in meinen Augen allerdings um einiges selbstbewusster und moderner präsentiert. Sicherlich eine Frage des Geschmacks. In meinen Augen aber ein gelungener Schachzug, zumal die Farbe blau neben Ruhe auch für Kälte und Distanz steht und das im wunderbaren Einklang zur Geschichte steht. Eine bewusste Entscheidung des Verlags?

Die Erstausgabe, 1973: Text und Bild in zurückhaltendem Braun

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt in unserem Herzen.“

Zitat, Seite 61

Das Bewundernswerte an diesem Roman ist, dass er Kinder wie Erwachsene gleichermaßen erreicht. Michael Ende ist ein sagenhaftes Werk gelungen, aus dem sich jede/r Leser:in etwas mitnehmen kann, das Jede/r auf seine eigene Weise liest und doch nicht an der Kernbotschaft vorbeikommt, die es in sich trägt: Zeit ist kostbar. Und so stimmt Michael Ende seine Leser:innen nachdenklich, lässt sie ihren Umgang mit der Zeit und die Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit hinterfragen. Die Gesellschaft betrachten, Verhaltensweisen überdenken und auferlegten Mustern entfliehen. Doch die kleine „Warum?“ fragende Momo stimmt uns nicht nur nachdenklich, sie schenkt uns auch einen wunderbaren Blick auf die Welt, bringt Wunder und Geheimnisse zu Tage, lässt uns die kleinen unscheinbaren Dinge sehen und unser Leben neu takten.

„Meine Herren“, begann er, „unsere Lage ist ernst. Ich sehe mich gezwungen, Sie alle unverzüglich mit den bitteren, aber unabänderlichen Tatsachen bekannt zu machen. Bei der Jagd nach dem Mädchen Momo haben wir nahezu alle unsere verfügbaren Agenten eingesetzt. Diese Jagd dauerte im Ganzen sechs Stunden, dreizehn Minuten und acht Sekunden. Alle beteiligten Agenten mussten dabei unvermeidlich ihren eigentlichen Daseinszweck, nämlich Zeit einzubringen, vernachlässigen. Zu diesem Ausfall kommt jedoch noch die Zeit, welche während der Suche von unseren Agenten selbst verbraucht worden ist. Aus diesen beiden Minusposten ergibt sich ein Zeitverlust, der nach ganz exakten Berechnungen dreimilliardensiebenhundertachtunddreißigmillionenzweihundertneunundfünfzigtausendeinhundertvierzehn Sekunden beträgt. Meine Herren, das ist mehr als ein ganzes Menschenleben!“

Zitat, Seite 150

Michael Endes Szenerien, von der hinter einem Pinienwäldchen versteckten alten Ruine über die Niemals-Gasse, dem Nirgend-Haus bis hin zum Saal mit den unzähligen Uhren, begegneten mir noch genauso fantasievoll wie damals als Kind. Genau wie ich seine liebevollen Figuren, von der wundervoll verwegenen Momo über die mit ihrem Rückenpanzer sprechende Schildkröte Kassiopeia, dem mit silberweißen Haaren bedeckten Meister Secundus Minutius Hora bis hin zu den bemitleidenswerten grauen Herren, erneut bestaunte. Sie alle sind Teil dieser unglaublich fantasievollen Welt, die Michael Ende in diesem Märchen-Roman geschaffen hat. 

„Momo“ ist mittlerweile ein Weltbestseller. Es wurde bereits in 46 Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt und weit über 11 Millionen Mal verkauft. Es wurde mit dem Deutschen und dem Europäischen Jugendbuchpreis ausgezeichnet und gilt noch immer als Parabel auf unsere Gesellschaft und ihren Umgang mit der Zeit. Das Bild der kleinen struppigen Momo kann ich seit der Verfilmung mit Radost Bokel (1986) auf Anhieb abrufen. Denn das Mädchen entsprach genau dem Bild, das sich damals von Momo in meinem Kopf formte, lange bevor ich mir die Verfilmung ansehen durfte, die durchaus ihre gruseligen Stellen mit sich bringt. Allen voran durch das gespenstische Heer der grauen Herren. Könnte sein, dass ich der Farbe bis heute aus diesem Grund nicht sonderlich etwas abgewinnen kann. 

Mit dieser Ausgabe verleiht Thienemann „Momo“  ein elegant-schimmerndes Gewand, durch das sich ein gewisser Zauber über die Regalreihen aller Michael Ende-Fans, und allen, die es noch werden wollen, legt. Sicherlich ein ganz wunderbares Weihnachtsgeschenk, das unter dem Weihnachtsbaum im wahren Glanz erstrahlt.

„Jeder Mensch hat seine Zeit. Und nur solang sie wirklich die seine ist, bleibt sie lebendig.“

Zitat, Seite 169

 

Bild für Bild zurück ins Leben

„Zwischen uns tausend Bilder – Neda Alaei

„Wenn der Herz ein Muskel ist, dann hat meins Muskelkater.“

Zitat, Seite 178

Seit dem Tod ihrer Mutter, hat Sannas Leben an Farbe verloren. Ihr Vater ist in seiner Trauer versunken, ihre beste Freundin hat sich von ihr abgewandt. Plötzlich liegt es an ihr, dafür zu sorgen, dass es weitergeht. Doch ihr Leben ist ihr fremd geworden. Noch nie hat sie sich so allein gefühlt. Erst als Sanna durch die Linse ihrer Kamera blickt, verändert sich ihr Blick auf die Welt. Plötzlich weiß sie, was ihre Mutter mit dem Sehen gemeint hat. Dass es die Augen für das Wunderbare sind, die uns das Leben in all seinen Facetten zeigen.

Und dann ist da noch dieser Junge, Yousef, mit dem Sanna die Begeisterung fürs Fotografieren teilt. Er entmutigt sie, genau hinzusehen. Das Leben zu nehmen, wie es ist. 

Ob er ihr helfen kann, zurück ins Leben zu finden?

„Ich fotografiere einfach drauflos. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht. […] Ich sehe zum Himmel, spüre die ersten Regentropfen im Gesicht und stelle mir vor, es donnert. Ich wünschte, das Geräusch könnte ich auch fotografieren.“

Zitat, Seite 122

Neda Alaei ist mit „Zwischen uns tausend Bilder“ ein sehr intensives und wortgewaltiges Jugendbuch-Debüt gelungen, das lange im Leser nachhallt. Die Zeilen ihres Romans, der in der Ich-Perspektive geschrieben ist, lassen uns die Rolle der 14-jährigen Sanna einnehmen, die nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich auf sich alleine gestellt ist. Ihr lebensfroher Vater wirkt seit dem Tod seiner Frau nur noch wie ein Fähnchen im Wind. Er wird komplett von seiner Trauer beherrscht, nimmt seine Tochter nur noch am Rande wahr. Einzig und allein wenn er schreibt, scheint er bei sich zu sein. Doch Sanna weiß nicht, was in ihm vorgeht. Sie darf ihn nicht stören, wenn er in seinen Wörtern verschwindet. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Am liebsten würde sie sich durch seinen Zettelberg wühlen, um all seine Gedanken in sich aufzusaugen.

„Ich gehe in mein Zimmer, lege die Platte auf und lasse mich aufs Bett fallen. Die Hände hinterm Kopf verschränkt, sehe ich an die Decke und lausche […] aber die Musik klingt irgendwie anders, anders als früher, wenn Papa sie mir vorgespielt hat. Trauriger, als wäre gerade jemand gestorben, verschwunden, für immer verloren. Als würden die Melodien und die Welt zusammen weinen. Hand in Hand, nie nah genug, nie lang genug. Ich denke an Papa. An Mama. Du und ich, der Tod.“

Zitat, Seite 53/54

Der Vater merkt nicht, wie seine Tochter langsam aber sicher zerbricht. Dass die Verantwortung, die er ihr unbewusst aufbürdet, ihr gar nicht bekommt. Sanna hangelt sich nahezu monoton durch die Tage, sie kocht das Essen, schmeißt den Haushalt und flößt sich bereits als Teenager literweise Kaffee ein, um sich immer wieder aufs Neue in die Schule zu schleppen, wo ihre beste Freundin plötzlich an der Seite eines anderen Mädchens sitzt und lacht. Außer ihrer Lehrerin Trine scheint sie keiner mehr wirklich wahrzunehmen, lediglich um ihre bemitleidenswerte Gestalt zu belächeln. Aber dann kommt Yousef in ihre Klasse. Der Junge mit den braunen Augen und den Abermillionen Wimpern. Als er die Kamera in Sannas Händen entdeckt, erzählt ihr von seiner Leidenschaft fürs Fotografieren. Er ermutigt sie, das erste Bild zu machen. Und noch viele weitere. Es ist eine Mischung aus Verliebtheit und Neugier, die Sanna aus der Reserve lockt und aus ihrer Starrheit befreit. Doch ehe sie wieder zu Kräften kommt, erliegt ihr Körper der vielen Anstrengung und Mühe. 

Alaeis Zeilen sind von so vielen Emotionen und Geräuschen getränkt, dass man als Leser förmlich spüren kann, wie die Geräusche plötzlich auf Sanna einprasseln, wie ihre  Seele zu zittern beginnt, plötzlich alles um sie herum bebt und ihre ganze Welt durchgeschüttelt wird. Wie sie sich plötzlich winzig klein fühlt und die Welt um sie herum so groß und gewaltig wirkt. Es ist nicht nur Sannas Vater, der in einem bodenlosen Meer aus Gefühlen und Gedanken versinkt, sondern auch sie selbst. Sanna stößt alle von sich weg. Versucht sich selbst die Nächste zu sein. Stärke und Mut zu beweisen. Gefühle der Trauer zu unterdrücken. Doch ihr Anblick spricht Bände. Ihr Spiegelbild ist das einer geplagten Seele.

„Ich stehe auf und gehe zum Waschbecken. Aus dem Spiegel sieht mich ein fremdes Gesicht an. Das Mädchen im Spiegel hat rot geweinte Augen, einen unordentlichen Pferdeschwanz, rissige Lippen. Ihr Pulli schlabbert, die Schlüsselbeine zeichnen sich kantig unter der Haut ab. Das bin ich nicht. Das ist nicht mein Leben.“

Zitat, Seite 177 

Die Geschichte veranschaulicht auf sehr intensive Weise, wie sich der Tod bzw. Verlust eines Menschen auf die Hinterbliebenen auswirkt. Dass jeder Mensch anders trauert, in dieser Phase der Trauer aber jeder einzelne dem Abgrund ganz nahe kommt. Dass diese Phase nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit Selbstzweifeln und einem fehlenden Zugehörigkeitsgefühl einhergeht. Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass die Autorin eine ganze Bandbreite an Geräuschen in ihren Roman einfließen hat lassen. Es sind sowohl Alltagsgeräusche, die uns plötzlich mit einer unglaublichen Intensität begegnen, als auch die Musik und Liedtexte der schwedischen Rockband Kent. Sie wird zum Bindeglied zwischen Vater und Tochter. Beide geben sich ihr hin, bleiben auf diese Weise miteinander verbunden, auch wenn sie sich Stück für Stück voneinander entfernen. Als der Vater in eine Depression abrutscht und weder für sich selbst, noch für seine Tochter sorgen kann, ist klar, dass er nur in einer Psychiatrie zu seiner alten Stärke zurückfinden kann. Es bleibt daher leider nicht aus, dass Sanna durch die fehlende Vormundschaft bzw. elterliche Unterstützung irgendwann dem Jugendamt gegenüber steht.

„Zwischen uns die Zeilen“ ist ein sehr berührender Jugendroman, der Leser*innen unterschiedlichen Alters erreichen kann. Aufgrund der Brisanz einiger Themen in meinem eigenen Leben fühlte ich mich von Neda Alaeis Zeilen ganz wunderbar abgeholt. Ich hab mich in vielem wiedererkannt, in Gefühlen, Gedanken, Geräuschen und konnte mich trotz des Altersunterschieds gut in die 14-Jährige hineinversetzen. Auch die (wachsende) Leidenschaft fürs Fotografieren teile ich mit der Protagonistin. Yousef und Sanna haben mich dazu inspiriert, selbst wieder häufiger hinter der Linse meiner Kamera zu verschwinden und das Leben mit anderen Augen zu sehen. 

Kinderfreuden #32: Im Dunkel ist gut munkeln

„Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte“ – Sabine Bohlmann & Kerstin Schoene

Eines Abends beschließt der kleine Siebenschläfer draußen zu schlafen. Die kleine Haselmaus hat ihm verraten, dass man nachts die Sterne beobachten, Glühwürmchen fangen und die Dunkelheit bestaunen kann. Mit seiner Schuffeldecke baut er sich ein improvisiertes Zelt und wartet, bis die Dunkelheit hereinbricht.

Dass die Nacht ihm Angst machen könnte, glaubt er nicht. Doch als er von der Finsternis umgeben ist, ist ihm doch etwas mulmig zumute. Und als dann noch ein Heulen und Rascheln die Nacht erfüllt, überlegt er sich kurz, doch wieder zu seiner Mama in die Höhle zurückzugehen. Aber da kuschelt sich schon die kleine Haselmaus an seine Seite um ihm in der Dunkelheit Gesellschaft zu leisten.

Gemeinsam stellen sie sich ihren Ängsten und finden Wege, der unheimlichen Finsternis zu begegnen. Auch der Wolf und der Hase verraten ihnen ihr ganz persönliches Geheimrezept für die Dunkelheit und so erobern die vier Freunde schon bald die Nacht zusammen. Und während sie so die funkelnden Sterne und den hell erleuchteten Mond am Nachthimmel bestaunen, schläft einer nach dem anderen ein.

Eckdaten

Gebunden, ab 4 Jahren

32 Seiten
296 x 237 mm
ISBN: 978-3-522-45928-0

Text: Sabine Bohlmann
Illustration: Kerstin Schoene

Thienemann 

13,00 €

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Blickwinkel aus großen Augen

Mit dem Einzug des Pappbuchs „Der kleine Siebenschläfer – Das ist doch nicht gemütlich“ hat sich der kleine Siebenschläfer direkt in unser Herz geschlichen. Emma mochte den kleinen Siebenschläfer auf Anhieb, sie zog monatelang kein anderes Buch aus dem Regal und forderte die Geschichte allabendlich als Gute-Nacht-Geschichte ein.

Doch mit der Zeit werden die Pappbücher immer weniger interessant und die Faszination um die großen Bilderbücher wächst. Und so war es klar, dass irgendwann eine gebundene Ausgabe des kleinen Siebenschläfers bei uns einziehen muss. Wir haben uns dabei für „Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte“ entschieden, dem 5. Band der Reihe, die sich großer Beliebtheit erfreut. Denn ich nahm an, dass die Angst um die Dunkelheit auch bald meine Räubertochter erfassen könnte und ich wollte für den Notfall ein Buch parat haben, das hier erfolgreich gegensteuert.

Mit diesem Bilderbuch gelingt der Umgang mit der Dunkelheit meines Erachtens ganz wunderbar, auch wenn Emma bis dato noch keine Anzeichen von Angst vor der Dunkelheit gezeigt hat. Denn was Sabine Bohlmann und Kerstin Schoene hier geschaffen haben, ist nicht nur ein weiterer Band um den kleinen Siebenschläfer und seine Freunde, sondern auch eine Geschichte um die Schönheit der Nacht.

Im vertrauten Siebenschläfer – Stil vermittelt Schoene den kleinen LeserInnen die Facetten der Dunkelheit, zaubert erklärende Licht- und Schatten-Effekte, leuchtende Glühwürmchen und einen glitzernden Nachthimmel ins Buch. So kommt die Dunkelheit schon bald nicht mehr nur dunkel, sondern auch geheimnisvoll und faszinierend daher. Der begleitende Text von Sabine Bohlmann schmiegt sich dabei sehr harmonisch an die großflächigen Bilder, die sich oft über zwei Seiten erstrecken und das Buch dominieren. Mit Bohlmanns Zeilen, die größtenteils in weiß auf dunklem Hintergrund daherkommen, entsteht hier ein wunderbar stimmiges Ensemble, dass perfekt zur Szenerie des Nachthimmels passt.

Doch Bohlmann und Schoene erzählen den Kindern hier nicht nur eine wunderbare Geschichte, sie geben ihnen auch jede Menge Möglichkeiten an die Hand, wie sie der Dunkelheit begegnen können. So rät die kleine Haselmaus dem kleinen Siebenschläfer beispielsweise, die Augen zu schließen, um die Dunkelheit nicht mehr zu sehen (was für uns Erwachsene natürlich keinen Sinn macht, den Kindern aber durchaus helfen könnte); der Wolf empfiehlt, durch das Anheulen des Mondes Mut zu fassen, und der Hase versucht die Dunkelheit einfach mit Licht zu vertreiben.

Als besonders gelungene Komponente ist mir der wiederholende Textbaustein „Wir haben doch keine Angst. Üüüüberhaupt kein klitzekleines winziges bisschen.“ begegnet, der nicht nur die möglich aufkeimende Angst in der Dunkelheit immer wieder ins Spiel bringt, sondern ihr gleichzeitig auch mit Humor und Charme entgegenwirkt.

Mit der neuen Geschichte um den kleinen Siebenschläfer ist dem Duo erneut ein wunderbar atmosphärisches Bilderbuch gelungen, das als ideale Gute-Nacht-Geschichte und hilfreicher Wegbegleiter zum Einsatz kommt.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Gefällt dir das Buch?

Ja

Lieblingsstelle im Buch:

als das Wolfsgeheul den Nachthimmel erfasst und Emma eine Eule anstatt einen Wolf dahinter vermutet (was ich verstehen kann)

 

 

Worum geht es im Buch?

um die Dunkelheit der Nacht, um Angst, die man vor dem Dunkeln hat

Beste Lesezeit:

Vor dem Schlafen, oder auch am Tag (mit dem Buch lässt es sich hervorragend ins Kuscheltipi zurückziehen)

Worauf macht das Buch Lust?

Die Dunkelheit mit anderen Augen zu betrachten

 

 

Wo steht das Buch?

Eigentlich im Bücherwagen im Kinderzimmer, es verirrt sich aber öfter mal in ihre Kuschelhöhle im Tipi
[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Thienemann-Esslinger als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]