Ein ganzes halbes Leben..

lesenslust über „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes

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„Es waren“, erklärte ich ihm, „die besten sechs Monate meines Lebens“. Darauf folgte ein langes Schweigen. „Komisch, Clark, bei mir ist es genauso“. Und dann, einfach so, brach mir das Herz.

Zitat, Seite 509

Lou und Will sind zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die schräge Lou aus der Arbeiterschicht und der charismatische Will aus der Upper Class. Doch als Will von einem Motorrad erfasst wird und zu einem lebenslangen Pflegefall im Rollstuhl wird, sind die Eltern auf der Suche nach einer optimistischen Betreuung für den suizidgefährteten Sohn.

So führt das Schicksal die beiden zusammen. Lou, die erst kürzlich ihren Job in einem Café verloren hat, wittert in dem gutbezahlten Job für sechs Monate ihre Chance. Doch was sich zunächst wie ein bloßer Übergangsjob präsentiert, erfordert schon bald ihre gesamte Hingabe. Und während sie den trotzigen und unausstehlichen Will am Anfang von ganzem Herzen hasst, beginnt sie sich Stück für Stück sein Vertrauen zu erobern.

Nie hätte sie vermutet, dass diese Begegnung ihr ganzes Leben verändert.

„Wenn man plötzlich in ein ganz neues Leben katapultiert wird ist es, als würde man sich die Nase am Wohnzimmerfenster von fremden Leuten platt drücken –  es bringt einen dazu, neu zu überdenken, wer man eigentlich ist. Oder wie man auf andere Leute wirkt.“

Zitat, Seite 89

Es ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die Jojo Moyes da geschrieben hat und auch eine der schönsten. Denn in „Ein ganzes halbes Leben“ lässt Moyes nicht nur zwei Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten aufeinandertreffen, sondern auch zwei völlig gegensätzliche Individuen, die auf den ersten Blick gar nicht zueinander passen.

In ihrem Bestseller erzählt Moyes die Geschichte von Lou und Will. Lou, eine quirlige und etwas schräg gekleidete Frau Ende Zwanzig, ist seit kurzem arbeitslos und völlig anspruchslos, was ihr Leben angeht. Will, ein charismatischer und ehemals lebenshungriger Mann Anfang Dreißig, mutiert nach einem Unfall zu einem suizidgefährteten und pessimistischen Krübbel im Rollstuhl.

Als sie das erste Mal aufeinander treffen, ist Will Lou zuwider. Sie hasst seine auf sich ruhenden Blicke, begleitet von seiner unerträglichen Schweigsamkeit. Später werden es seine bissigen Kommentare, mit denen er Lou das Gefühl gibt, nie gut genug zu sein. Doch es ist keine Antipathie, auf denen Wills Gesten beruhen, sondern vielmehr seine Verzweiflung und der Hass, der dem Umstand gilt, an den Rollstuhl gefesselt und von anderen abhängig zu sein. Lou macht ihm seine Unfähigkeit täglich bewusst. Das ist kein Leben, das Will führen will.

„Sie müssen weg von hier, Clark. Sie müssen mir versprechen, nicht den Rest ihres Lebens in dieser verdammten Vorlage für ein Platzset zu verbringen.“

Zitat, Seite 277

Doch mit der Zeit wird Will weicher und zugänglicher. Er erkennt in Lou die Persönlichkeit, die sie selbst nicht zu kennen scheint und die viel stärker ist, als sie denkt. Er beginnt ihr Facetten des Lebens aufzuzeigen, die es für Lou noch zu entdecken gilt. Und auch Lou zeigt Will einen Blick auf das Leben, dem er sich aufgrund seines Zustands lange Zeit verwehrt hat. Sie bereichern sich gegenseitig, wachsen aneinander wie eine zarte Knospe zur Blüte reift.

Doch es ist nicht nur die folgenschwere Begegnung von Lou und Will, die Moyes Geschichte so einzigartig macht. Neben der Hauptgeschichte gibt uns die Autorin auch einen sehr einfühlsamen und authentischen Einblick in Wills Familie. In den Alltag von Familienangehörigen, der fortan von einem Pflegefall bestimmt wird und verhindert, dass sie ihr bisheriges Leben weiterleben können. Moyes Zeilen beherbergen Verzweiflung, Wut und Trauer. Sie sind getränkt von emotionaler Tiefe und treffen dich damit mitten ins Herz.

„Ich sah Will an und hatte das Baby vor mir, das ich in den Armen gehalten hatte, in das ich völlig vernarrt gewesen war, beinahe außerstande zu glauben, dass aus mir ein anderes menschliches Wesen hervorgegangen war. Ich sah das Kleinkind, das nach meiner Hand griff, den Schuljungen, der sich Tränen des Zorns abwischte, weil ihn ein anderes Kind schikaniert hatte. Ich sah die Verletzlichkeit, die Liebe, die Geschichte. Und er bat mich darum, das alles auszulöschen – das kleine Kind genauso wie den Mann -, all die Liebe, all die Geschichte.“

Zitat, Seite 161

Lange Zeit habe ich mich Moyes Roman verwehrt. Ich habe eine typische Liebesgeschichte vermutet, wie es bereits zahlreiche gibt. Oberflächlich, unrealistisch und viel zu kitschig. Das war ein Fehler. Denn eigentlich habe ich mich nie mit der wirklichen Geschichte diesen Romans auseinandergesetzt oder ihr eine reele Chance gegeben. Letztendlich waren es die vielen Empfehlungen von Freunden, die mich vehement auf das Buch und seine rührende Geschichte verwiesen. Dass ich irgendwann nachgegeben und doch zum Buch gegriffen habe, habe ich im Nachhinein nicht bereut.

Auch wenn Moyes Geschichte etwas flach beginnt und erst langsam in Fahrt kommt, hat die Autorin mir eine sehr gefühlvolle Lesezeit beschert. Sie hat mir vor Augen gehalten, was es für ein Privileg ist, ohne körperliche Einschränkungen durchs Leben gehen zu können und wovon wahres Glück wirklich abhängt. Ihr Roman basiert auf tiefem Mitgefühl, auf Menschlichkeit und der unerschütterlichen Kraft der Liebe. Eine Geschichte, auf dessen Fortsetzung ich mich nun tatsächlich freue.

Es geht mir gut. Ich will einfach […] Ich will einfach noch nicht hineingehen. Ich will einfach hier sitzen und nicht daran denken…“ Er schluckte. Sogar im Halbdunkel wirkte dieses Schlucken mühsam. Ich will einfach… ein Mann sein, der mit einem Mädchen im roten Kleid im Konzert war. Dieser Mann will ich einfach noch ein paar Minuten länger sein.

Zitat, Seite 238

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Der normale Alltagswahnsinn…

lesenslust über „Sad Movies“ von Mark Lindquist

„Die höchste Leidenschaft des Menschen ist der Glaube, und hierin beginnt keine Generation an irgendeinem anderen Punkt als dort, wo schon die vorherige begonnen hat, jede Generation beginnt noch einmal ganz von vorne.“

Soren Kierkegaard

 

Zeke ist Mitte zwanzig und lebt mit seiner Freundin Becky, einer hübschen Schauspielerin in Venice Beach, Kalifornien.

Er arbeitet bei Big Gun Films, einer billigen Agentur und verfasst schlechte Werbetexte für noch schlechtere Filme. Außer seinen beiden Arbeitskolleginnen Susie und Wendy hält ihn eigentlich kaum noch etwas an dem Laden und er hätte gute Lust, einfach zu kündigen. Die meiste Zeit, seiner Arbeitszeit glänzt er ohnehin nur durch Abwesendheit und seine Texte geben auch nicht das her, was die Chefetage sich vorstellt.

Als er 25 Jahre alt wird, verfällt er in ein tiefes Loch und beschäftigt sich die meiste Zeit des Tages mit Kopfkino. Der Sinn des Lebens scheint ihm nicht mehr klar, seine größte Angst, die ihn beschäftigt, ist die um „die Pest“.

Die Beziehung mit Becky beginnt zu bröckeln, weil Zeke kaum noch etwas an sich ranlässt außer Alkohol und Drogen. Außer der regelmäßigen Nummer, die er mit ihr schiebt, verbindet die beiden kaum noch etwas.

Eines Tages, besucht ihn sein alter Freund Y.J. aus Schulzeiten, der scheinbar der Einzige ist, der Einblick in Zekes skurrile Gedanken bekommen darf. Auch in Zekes Vorhaben, seinem Leben ein Ende zu bereiten…

~*°Mein Fazit°*~

Ich habe mir das Buch mal für ein paar wenige Euros bei Amazon bestellt, weil die Kurzbeschreibung mein Interesse geweckt hat.

Ich muss sagen, ich hatte definitiv mein Vergnügen mit dem Buch. Es las sich ganz anders als erwartet, aber gut.
Lindquist´s Schreibstil ist locker, lässig und ziemlich freizügig. Die sehr moderne Sprache führt dazu, dass man nicht zu tief in Zekes melancholische skurrile Gedankenwelt reingezogen wird, dennoch aber nachvollziehen kann, was ihn beschäftigt.

Die Beschreibung von Zekes Leben erinnert einen an Situationen des eigenen Lebens, den Alltag und täglichen Wahnsinn mit all seinen Tücken und der Frage nach dem Sinn des Lebens.
Zekes Wunsch, sich selbst umzubringen, zieht sich durchs ganze Buch und spielt die Hauptrolle der Story, dennoch bleibt die Geschichte sympathisch und wird nicht düster oder melancholisch. Für genug Abwechslung in der Hauptgeschichte ist gesorgt.

Alles im Ganzen fand ich die „kleine Lektüre“ ganz angenehm, kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen!