Ein Sommer(nachts)traum

„Der große Sommer“ – Ewald Arenz

Dumont Verlag, erschienen am 26. März 2021, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt. Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles ändert.“

Zitat, Seite 11

Es war der große Sommer im Herbst für mich. Ein Sommer, der sich durch ein Buch entfaltete. Dieser eine Sommer, der für mich unvergesslich bleibt.

Lange schlich ich um Ewald Arenz‘ Roman herum, schob die Lektüre auf, wollte mir dieses Gefühl aufsparen, das von seinen Zeilen ausgeht und mich schon in „Alte Sorten“ sanft umschmeichelt hat. Doch irgendwann gab es für mich kein Halten mehr und ich tauchte ein. Wie der Junge auf dem Cover. Wie Protagonist Frieder, der sich bei Nieselregen im Schwimmbad vom Siebeneinhalber stürzt um ein Mädchen im flaschengrünen Badeanzug zu beeindrucken und von weißen Blubberblasen begleitet wieder zur Wasseroberfläche gleitet. Berauscht, von der Wucht und Unvorhersehbarkeit dieses Augenblicks.

Diesen Sommer verläuft für Frieder alles anders als sonst. Denn er schafft die Versetzung in die 10. Klasse nicht und muss nach den Ferien Nachprüfungen in Mathe und Latein ablegen. Und so darf er in den Sommerferien nicht mit in den Urlaub fahren, sondern muss lernen. Bei seinem Großvater, einem Professor, den er bis zum 10. Lebensjahr siezen musste und zu dem er ein angespanntes Verhältnis hat. Der Sommer scheint für ihn gelaufen zu sein. Doch meist kommt alles ganz anders als gedacht. Und so erlebt Frieder einen Sommer, der sein ganzes Leben prägt. Es sind Tage voller Freundschaft und Zusammenhalt, voller Respekt und Vertrauen, einer ersten großen Liebe und einem Abschied. Und so reift ein Sommer heran, der an Größe nicht zu überbieten ist und wie „hellgelbe, aufregend saure Zitronenscheiben“ schmeckt.

„Ich war in einer ganz eigenen Stimmung, wie ich sie vorher noch nicht erlebt hatte. […] Es war ein Gefühl wie … als wäre man ein Instrument, das gestimmt wurde. Sechs Saiten. Aufregung. Verliebtheit. Angst vor dem Sommer. Freude am Sommer. Sich bei Nana zu Hause fühlen. Sich in Großvaters Haus verloren fühlen. Die Töne stimmten noch nicht. Aber da drin geschah irgendetwas.“

Zitat, Seite 64

Ewald Arenz versteht es aufs vortrefflichste, einen besonderen Augenblick, den „unwiederbringlichen, zitternd schönen Zauber eines ersten Males“ einzufangen und es in so atmosphärische Zeilen zu verpacken, dass sich Bilder vor deinem geistigen Auge formen, die dich die Einzigartigkeit dieser Momente spüren lässt. Während dem Lesen war ich begleitet von raschelnden Silberpappelnblättern, von süßem Lebkuchenduft, vom Klang aufregender, verliebter und ängstlicher Saiten, von einem Wechselbad aus Gefühlen der Ablehnung und Zugehörigkeit.

Arenz‘ Roman ist wirklich der große Sommer. Einer, der mich in meine Jugend zurückversetzt hat und mich viele Momente noch einmal durchleben ließ: mit klimpernden Münzen in der Tasche in einer beschlagenen Telefonzelle stehend, mit pochendem Herzen über einen Zaun kletternd (wohlweißlich, dass man nicht ohne gerissene Hose davonkommt), bei Nieselregen im Schwimmbad, angsterfüllt mit Blick vom Zehner, den Duft von Chlorwasser in der Nase, das auf den heißen Steinen neben dem Becken verpufft, in der Nacht vom schummerigen Fahrradlicht navigierend auf dem Weg nach Hause, mit zittrigen Knien in der Nähe des Schwarms, sich glückstrunken durch eine von Musik erfüllte Menschenmenge zwängend.

Frieder, Alma, Johann und Beate, sie alle habe ich ins Herz geschlossen. Mit ihrem jugendlichen Leichtsinn, ihrem Lebenshunger und einer Prise Verrücktheit waren sie mir auf Anhieb sympathisch. Auch Nana (Frieders Großmutter) und den kauzigen alten Professor an ihrer Seite mochte ich sehr. Mir gefiel, wie Frieder und der scheinbar unnahbare Großvater sich einander annäherten, selbst wenn es nur langsam und auf seine Art und Weise geschah. Auch das bunte Potpourri an Lehrern, von stocksteif bis hin zu gleichgültig, brachte mich zum Schmunzeln und ließ mich einige Parallelen zu meinen Lehrer*innen von damals erkennen. Ewald Arenz schenkt seinen Protagonisten Raum, macht sie zu wichtigen Puzzleteilen eines großen Gesamtbildes, das sich als Momentaufnahme eines großen Sommers präsentiert. Ein Sommer(nachts)traum.

Ich möchte der Lektüre dieses Romans nicht zu viel vorneweg nehmen, den Überraschungseffekt und die vielen ersten Male wahren, die sich an Frieders Seite in „Der große Sommer“ verspüren lassen. Der (Lektüren-)Tauchgang sei euch ans Herz gelegt. Ich bin mir sicher, dass ihr genauso berauscht daraus hervortauchen werdet wie ich.

„Sie roch so klar wie jemand, der im Winter aus der Kälte ins Haus kommt. Und etwas Süßes war da auch, aber nur entfernt und nur ein Hauch wie … ja, wie Robinienblüten im Frühsommer vor meinem Fenster. Nichts Schweres. Schwebend. Wie ein Ton nachklingt … aus einem wunderschönen Moment in der Kindheit, den man vergessen hat; von dem nur noch diese Erinnerung an einen Duft geblieben ist.“

Zitat, Seite 116

Das Team der #GlockenbachWelle hat Ewald Arenz auf der Frankfurter Buchmesse 2021 getroffen und mit ihm über sein aktuelles Werk gesprochen, das kürzlich zum Lieblingsbuch der Unabhängigen gekürt und für den Bayern 2 – Publikumspreis im Rahmen des Bayerischen Buchpreises 2021 nominiert ist.

Ihr seid herzlich eingeladen, in die aktuelle Sonderausgabe einzutauchen.

Eine wunderbare Besprechung zu „Ein großer Sommer“ ist auch bei Arndt auf der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium zu finden.

Kinderfreuden #51: Wenn ein Sommer wie Limonade sprudelt

„Ein Sommer, wie sprudelnde Limonade“ – Kristina Kreuzer

Woow Books, erschienen am 23. April 2021, Preis 14,00 € [D], Hardcover, ab 9 Jahren, 176 Seiten, ISBN: 978-3-96177-026-7, hier geht’s zum Buch

Blickwinkel aus großen Augen

„Wann wirds mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer, wie er früher einmal war? Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September. Und nicht so nass und sibirisch, wie in diesem Jahr…“

Die Sommerferien sind vorbei und mit ihnen wahrscheinlich auch der viel zu kurze Sommer. Für viele Kinder begann gestern (wieder) die Schule. Auch für Protagonistin Luzy beginnt nach den Ferien ein neuer Lebensabschnitt. Denn sie will nicht nur die Grundschulzeit hinter sich lassen, sondern auch ihr altes Ich. Die stille Luzy soll Geschichte sein. Sie will allen zeigen, was in ihr steckt. Als sie am ersten Ferientag dem jungen Griechen Jannis und seinem Esel Tzatziki über den Weg läuft, ahnt sie noch nicht, welches Abenteuer ihr bevorsteht. Denn es wartet ein Sommer auf sie, der daherkommt wie prickelnde Limonade…

Luzys Stimme ist leiser als die der anderen. Sie hasst es, wenn ihre Mitschüler sich deshalb über sie lustig machen. Es ihr nicht gelingt, so humorvoll, schlagfertig oder einfallsreich zu sein, wie sie es gerne wäre. Und so beschließt sie, die bevorstehenden Sommerferien dafür zu nutzen, um mutiger zu werden. Jannis und seine Brüder kommen ihr daher gerade recht. Denn während ihre Eltern in den Ferien arbeiten und ihre Geschwister ihre Zeit in Camps verbringen, steht für Luzy Urlaub in Opahausen an. Ein eher ruhiger Sommer also. Denn Opa wohnt seit dem Tod von Oma alleine in seinem großen Haus mit Garten. Hier passiert in der Regel nicht viel mehr als mit Opa Kuchen unter dem großen Apfelbaum zu essen und die Seele baumeln zu lassen. Wie soll man da schon über sich selbst hinauswachsen?

Doch Luzy hat nicht mit der Aufgabe gerechnet, die ihr der sanftmütige Esel beschert. Denn Jannis sucht ganz dringend nach einer Unterkunft für Tzatziki. In der Wohnung seines Onkels kann er nicht bleiben und auch die fünf Hühner nicht, die Jannis mit seinen zwei großen Brüdern Nikos und Adonis aus Griechenland mitgebracht hat. Luzy findet den jungen Griechen auf Anhieb sympathisch. Ihr fällt auf, dass er genauso leise spricht wie sie. Und das gefällt ihr. Sie würde ihm gerne helfen, und ehe sie sich versieht, steckt sie bereits mittendrin, in der Suche nach einer geeigneten Unterkunft für die Tiere. Plötzlich zeigt sie so viel Eigeninitiative, Mut und Stärke, wie sie es selbst gar nicht von sich kennt. 

Ich habe keine Ahnung, warum ich mich bei Jannis so zu Hause fühle, dabei kenne ich ihn doch eigentlich kaum.

Zitat, Seite 64

In das wundervolle Wohlfühlbuch von Kristina Kreuzer ist mein Patenkind Lena eingetaucht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Buch bis zum Ende der Sommerferien zu lesen. Und das ist ihr auch gelungen. Die 176 Seiten, die mit einer recht kleinen Schrift daherkommen, haben ihr aber einiges abverlangt. Dass hier kaum mehr Bilder zwischen den Zeilen zu finden sind, ist neu für sie. Hier bringen lediglich die Kapitelüberschriften kleine Schwarz-Weiß-Illustrationen von Friederike Ablang mit sich. Was bleibt, sind die Bilder im Kopf, die Kreuzers lebendige Zeilen in den jungen Leser*innen hervorrufen. Und so verleihen die imaginären Bilder von Tzatziki, von Opahausen, vom Laden von Jannis‘ Onkel oder von der Wohnung der griechischen Familie, dem Roman Farbe. Jungen Leser*innen, die der Altersempfehlung entsprechen, sich mit der Anzahl der Seiten oder der Schriftgröße aber noch etwas schwer tun, empfehle ich an dieser Stelle eine erwachsene Lesebegleitung. So ist der Einstieg auch schon früher denkbar. 

Mit der Geschichte von Luzy können sich junge Leser*innen gut identifizieren. Denn selbst wenn das sommerliche Abenteuer der 10-Jährigen sicherlich kein Alltägliches ist, sind viele Parallelen aus dem wahren Leben darin zu finden. Mit Luzy hat die Autorin eine sympathische, wenn auch zurückhaltende Protagonistin geschaffen, die sich aus eigenem Antrieb vom schüchternen zum selbstbewussten Mädchen mausert und damit einen entscheidenden Entwicklungsprozess durchläuft. Sie wächst zu ihrem eigenen Erstaunen über sich hinaus. Lernt, mutiger zu werden und auch vor ihren Eltern Stellung zu beziehen. So kann sie all jenen Leser*innen, die sich schwer damit tun aus sich herauszugehen, ein wunderbares Vorbild sein und sie in ihrem Tun ermutigen. Lena fällt auf Anhieb eine Mitschülerin ein, die leise spricht. Auch Mitschüler*innen aus anderen Ländern sind Teil ihrer Klasse, weshalb es für sie nicht ungewöhnlich war, dass Luzy eines Tages auf Jannis und seine Brüder trifft, wohl aber, dass sie ihnen so offen und selbstbewusst entgegentritt. Dass Luzy sich so schnell mit den griechischen Jungs anfreundet, hat sie beeindruckt. Und so wird Luzy für Lena zum heimlichen Star.

Auch die tierischen Figuren schließt man schnell ins Herz. Sowohl der sanftmüdige Esel Tzatziki als auch die gackernden Hühner haben in ihr schnell eine Freundin gefunden. Denn mein Patenkind hat ein Herz für Tiere und dementsprechend gelitten, als Luzy und Jannis auf dem nahe gelegenen Gnadenhof nicht den erhofften Wohlfühlort für die Tiere finden, sondern vielmehr an einen Mann geraten, dem das Wohl der Tiere gar nicht am Herzen liegt. Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Tiere in einer Nacht- & Nebelaktion zu retten und sich eine Alternative auszudenken. Dass der große Garten von Luzys Opa für Tzatziki und die Hühner prädestiniert ist, erkennt Lena schon zu Beginn der Geschichte. Wie blöd, dass der Vermieter von Luzys Opa keine Haustiere duldet. Ob sie es dennoch schaffen, die Tiere und Luzys Opa zusammenzubringen?

Das sommerliche Gute-Laune-Cover von Friederike Ablang lädt nicht nur junge Leser*innen dazu ein, in die Zeilen der Geschichte einzutauchen, es trägt auch unglaublich viele Glücksgefühle in sich. Es steht im perfekten Einklang zur Geschichte, die tatsächlich ein bisschen wie sprudelnde Limonade daherkommt und sich wie ein perfekt ausgeklügeltes Uhrwerk präsentiert, bei dem sich die Handlungsstränge wie einzelne Zahnräder auf sehr präzise und harmonische Weise miteinander verknüpfen. 

Auf dass „Ein Sommer wie sprudelnde Limonade“ noch zahlreiche junge Leser*innen für sich gewinnt und der Sommer uns damit noch ein kleines bisschen länger erhalten bleibt.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Lenas Urteil:

 

Liebe Lena, hast du die Geschichte unter dem Apfelbaum in eurem Garten gelesen?

Nein. Aber ich fand, dass der Platz sich gut für ein Foto angeboten hat. Schließlich machen es sich Luzy und ihr Opa auch immer unter dem Apfelbaum bequem.

Hast du das Buch ganz alleine gelesen? 

Nicht ganz. Ich habe mich mit meiner Mama abgewechselt. Eine Seite sie, eine Seite ich. Ich mag es, wenn mir jemand vorliest.

 

 

Hast du eine Lieblingsfigur im Buch?

Mir hat Luzy am Besten gefallen. Denn sie ist abenteuerlustig, mutig und offen gegenüber Jungs, obwohl sie Jannis und seine Brüder am Anfang ja gar nicht kennt!

Wusstest du schon am Anfang, wie die Geschichte ausgeht?

Ich hatte eine Vermutung. Ob ich recht hatte, verrate ich aber nicht.

 

 

Dir liegen Tiere sehr am Herzen. Hast du ein Lieblingstier?

Ich mag Hunde und Katzen sehr gerne. Wir haben einen Königspudel und drei Katzen zuhause (die alle gleich aussehen). 

Wird zur:

Abenteuerin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Woow Books als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Fragen an die Autorin

Liebe Kristina,

dein Buch trägt einen ganz ausgefallenen Titel? Wie kam es zum „Sommer wie sprudelnde Limonade“? War der Titel dein Einfall oder hat der Verlag ihn dir vorgeschlagen?

Tatsächlich ist dieser wunderbare Titel meiner Lektorin Neele Bösche eingefallen. Mir wollte einfach nichts Passendes einfallen, von „Hier kommt Superluzy“ wie „Sommer mit rotem Tretboot“ war alles dabei, dann kam Neele …

Trinkst du selbst gern Limonade? Hast du welche beim Schreiben getrunken? 

Beim Schreiben trinke ich immer nur Wasser und zwischendurch zur Belohnung einen leckeren Kaffee. Im Sommer, wenn es heiß ist, liebe ich selbstgemachte Limonade!

Wie kamst du auf die Geschichte? Sind Szenen aus dem realen Leben darin zu finden oder ist die Geschichte komplett ausgedacht?  

Die Geschichte ist komplett ausgedacht. Mir kam auf einmal die Idee, über ein schüchternes /stilles Mädchen zu schreiben. Kurz darauf kam Tzatziki dazu und der Rest entwickelte sich von selbst. Aber ich glaube, in jedem guten Buch steckt auch etwas von sich selbst und dem eigenen Leben drin.

In deiner Geschichte suchen Jannis und Luzy nach einem Zuhause für den Esel und die Hühner von Jannis‘ Familie und geraten dabei an einen Menschen, dem das Wohl von Tieren gar nicht wirklich am Herzen liegt. Bist du auch schon mal an einen solchen Menschen geraten?  

Nein, zum Glück nicht, aber man liest oder hört ja immer wieder so gemeine Geschichten.

Ist dir Tierschutz wichtig?  

Auf jeden Fall. Tiere sind in unserer Zivilisation so harmlos, liebenswerte Wesen, die von sich aus selten den Menschen etwas tun (Ich rede hier von Haustieren und nicht von bissigen Kampfhunden oder Raubkatzen oder so, daher „selten“), deshalb sollten wir sie auch in Frieden lassen, und wenn wir sie halten, dann artgerecht. Wir sind gerade dabei, uns einen artgerechten (und damit ziemlich großen :-) Hasenstall zimmern zu lassen.

Hast du ein Lieblingstier? Ist es womöglich der Esel oder das Huhn?  

Als ich klein war, war mein absolutes Lieblingstier ein Elefant, mein ganzes Kinderzimmer war voll mit Elefanten in jeder Form. Ich mag sie immer noch sehr gerne, aber von der Mentalität finde ich einen Esel einfach genial: Sympathisch, geradlinig, entspannt und immer mit dem Ziel vor Augen.

Ich finde den Namen des Esels ziemlich witzig. Wie kamst du darauf, ihn wie die griechische Vorspeise zu nennen? Fühlst du dich Griechenland verbunden?  

Ich mag Griechenland sehr, als Kind war ich oft dort und auch jetzt mit meiner eigenen Familie. Aber warum Tzatziki? Ich glaube, die Idee ist mir einfach in den Kopf gehüpft. Mir persönlich ist meistens zu viel Knoblauch im Tzatziki-Quark! :-)

Gibt es eine Botschaft, die du deinen Leser*innen mit deinem Buch mit auf den Weg geben möchtest?  

„Lass dich niemals unterbuttern“, wie Opa Peter sagt. Sei Du selbst und lass Dir nicht einreden, dass Du anders sein musst.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für meine Fragen genommen hast.

Mehr Information zu Kristina Kreuzer findet ihr auf https://www.kristinakreuzer.de.

Kinderfreuden #50: Ein Sommer, wie er im Buche steht

„Sommer“ – Jihyun Kim

„Manchmal sind wir so beschäftigt, dass kostbare Momente unbemerkt an uns vorbeiziehen. Wir sollten wieder lernen, die Bedeutung scheinbar alltäglicher Momente zu schätzen.“

Jihyun Kim 

Es ist die Sommerreise eines Jungen, die scheinbar alltäglich daherkommt und doch so viele kleine Wunder in sich trägt. Es ist der Zauber der Natur, der sich in diesem Sommer auf den Jungen legt: die besänftigende Ruhe des Waldes, ein Steg im See, der schon beim Blick durchs Dickicht frohlockt, der Sprung ins kühle Nass, das lustige Spiel mit wuselnden Fischen unter Wasser, die funkelnde Sommersonne, die den Körper des Jungen wohlig umhüllt, die Dämmerung, die sich über das Land legt und dunkle Schatten auf den Boden zaubert und ein beeindruckender Abendhimmel voller leuchtender Sterne.

Mit ihren atmosphärischen Bilder ohne Text vermag Jihyan Kim uns das zu schenken, wonach wir uns alle sehnen: einen Sommer voller Unbeschwertheit.

ECKDATEN

 

Gebunden, ab 5 Jahren

56 Seiten

ISBN: 978-3-8251-5275-8

Illustration: Jihyun Kim

Verlag Urachhaus

16,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 SOMMER

In einem kleinen Ort an einem See

verbrachte ich mehrere Tage. 

Ich erinnere mich 

an einen dichten Wald,

an das warme Sonnenlicht

und die streichelnde Brise,

die mich sanft berührte.

An die Wellen des Sees

und an die unzähligen Sterne

am dunklen Nachthimmel.

Diese Momente der Natur kommen leise …

Sie riefen ein lebendiges Gefühl in mir hervor,

ein Bewusstsein für das Leben.

Mit dem Wunsch, dieses noch immer

in mir lebendige Gefühl zu teilen,

entstand dieses Bilderbuch.

Jihyun Kim

Blickwinkel aus großen Augen

Ihr kennt sicher das Sprichwort: „Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte.“ Nun, dieses poetische Silent Buch ist der lebendige Beweis dafür. Denn was Jihyun Kims stimmungsvolle Bilder im Betrachter auslösen, ist wirklich erstaunlich.

Während Bilderbücher mit Text in den meisten Fällen eine vordefinierte Geschichte erzählen, erzählen Bilderbücher ohne Worte ganz viele. Es sind Geschichten, die beim Betrachten von Bildern in den Köpfen der Kinder wachsen, nie gleich ausfallen, bei jeder Lektüre ihr Gewand wechseln. Während es Erwachsenen erfahrungsgemäß etwas schwerer fällt, sich ihrer Fantasie hinzugeben, gelingt es Kindern ganz spielerisch. Sie gehen unbefangen an die Dinge heran. Ihre Fantasie verleiht ihnen Flügel, lässt sie gedanklich abdriften und die Welt auf ihre ganz eigene Weise erfassen. Und so fiel auch die Sommerreise des Jungen im vorliegenden Buch bei meiner Räubertochter ganz anders aus als bei mir. Nicht grundlegend, aber doch unterschied sie sich um ganz feine Nuancen.

Ich nahm es hin, dass der Junge im Buch keinen Namen zu haben scheint, Emma nicht. Schon auf der ersten Seite gab sie dem Jungen den Namen „Benny“. Jeder Mensch müsste schließlich einen Namen haben. Wie sonst sollte der Junge wissen, dass es um ihn geht!? Der Blick in sein Kinderzimmer verriet uns auf Anhieb eine seiner größten Leidenschaften: Autos. Kein Text war hierfür von Nöten. Der aufmerksame Betrachter erkennt es beim Blick auf die Szenerie. Denn überall sind sie zugegen: das Bett, umsäumt von Postern verschiedenster Gefährte, am Schreibtisch eine Bilderwand persönlicher Gemälde, auf dem Boden, dem Fenstersims und dem Bücherregal: überall Autos. Man kann sich also gut vorstellen, welcher Reiz der anschließenden Autofahrt in den Sommerurlaub für den Jungen innewohnt. Ein Hauch von Abenteuer ergreift sein Haar, als er sich bei der Fahrt aus dem Fenster lehnt, um die vorbeiziehende Landschaft besser erblicken zu können.

Auf dem Land angekommen, betrachtet der Junge die Bildergalerie im Wohnzimmer seiner Großeltern. In den gerahmten Momentaufnahmen entdeckt er nicht nur sich selbst, sondern auch seine Eltern und Großeltern. Hier wohnen Geschichten inne. Geschichten, die ganz spielerisch freigesetzt werden. Geschichten, an denen Kinder uns beim Betrachten teilhaben lassen. Sie tun es unaufgefordert. Die Bilder scheinen zu ihnen zu sprechen. Wenig später lockt die Natur den Jungen ins Freie. Das Abenteuer ruft, knisternde Spannung liegt in der Luft. Erst Recht, als der Junge im Dickicht des Waldes verschwindet und bald vom Geäst verschiedenster Bäume umgeben ist.

Wild wuchernder Farn lässt den Jungen und seinen Hund fast in der Landschaft verschwinden. Der überraschte Ausdruck auf ihren Gesichtern spricht Bände. Sie haben sich im wilden Gestrüpp des Waldes verloren. Doch beim Blick durchs Geäst erspähen wir in der Ferne einen Steg, der zu einem erfrischenden Bad im See einlädt. Doch ehe sich der Junge dem kühlen Nass hingibt, lässt er die Ruhe der Natur für einen Moment auf sich wirken, fast andächtig überblickt er die Weite des Sees. Keine Menschenseele weit und breit.

Platsch! Plötzlich sind wir unter Wasser, erkunden die faszinierende Unterwasserwelt und erblicken überall um uns herum Fische. Die Backen des Jungen sind dick aufgeblasen – wie lange er wohl die Luft anhalten kann? Beim Auftauchen umspielen Blubberblasen seine Füße. Klitschnass legt er sich auf den Steg, lässt seinen triefnassen Körper von der warmen Sommersonne trocknen und seine Nase von den glitzernden Sonnenstrahlen kitzeln. Doch alsbald legt sich die Dämmerung über das Land, wirft dunkle Schatten auf den Boden und läutet den Abend ein. Und ehe der Junge sich versieht, ist der Himmel mit glitzernden Sternen bedeckt. Ob er mit seinem Hund eine Sternschnuppe erspähen kann?

Das Ungewöhnliche an Jihyun Kims Bildern ist sicherlich, dass sie in einem reduzierten Farbschema daherkommen. Die Illustratorin verwendet überwiegend die Farben grau, schwarz und weiß, lässt ihre Illustrationen auf wenigen Seiten von einem zarten Grün und Blau umspielen. Ihr Blick ist aufs Wesentliche gerichtet: auf die Schönheit der Natur, auf die Schönheit des Augenblicks und auf die kleinen Wunder, die wir oft im Alltag des Lebens übersehen. Und deshalb passiert in diesem Bilderbuch so viel und doch so wenig.

Es kann zu einem unglaublichen Kleinod werden. Einem Buch, das mit zahlreichen Gefühlen und einem wunderbar befreiten Lebensgefühl einhergeht, die sich besänftigend auf unsere Seele legen. Auf ganz ruhige und unaufdringliche Weise hat sich Jihyun Kim in mein Herz gezeichnet und lässt mich von einem Sommer träumen, wie er im Buche steht…

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Welches Seite hat dir am Besten gefallen, Emma? 

Der glitzernde Sternenhimmel ganz am Ende. So einen möchte ich auch mal sehen! Ich zeig dir mal meinen Lieblingsstern…

Möchtest du auch so einen Sommer wie der Junge erleben?

Oh ja. Am liebsten möchte ich auch ins Wasser springen. „Platsch!“ macht das dann. Und dann spritz es und ich bin ganz nass. Dann kann mich auch die Sonne trocknen.

Hast du auf einem Bild etwas erkannt, das du auch schon mal gemacht hast?

Ja. Benny war nämlich im Wald. Genau wie ich. Da kann man voll gut räubern.

Was gefällt dir am Buch am besten?

Dass ich dir die Geschichte erzählen darf.

 

Wird zur:

Sommerliebhaberin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag Urachhaus als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Der Duft des Lebens…

lesenslust über „Der Duft des Sommers“ von Joyce Maynard

~*°Ich beherrschte meine Rolle perfekt. Ich wusste, wer meine wirkliche Familie war. Meine Mutter°*~

Henry wächst nach der Scheidung seiner Eltern bei seiner Mutter Adele auf. Adele, die geprägt von ihrer Vergangenheit, ängstlich und sensibel geworden ist, scheint, abgesehen von ihrer Rolle als überfürsorgliche Mutter, in nichts mehr wirklich Kraft investieren zu wollen. Sie hat ihn verloren, den Glauben an ein glückliches erfülltes Leben. Ihre Illusionen, zerstört durch schicksalhafte Wendungen in ihrer Vergangenheit. Das Haus verlässt Adele daher nur sehr selten. Eingekauft wird, wenn Not am Mann ist und die zigfach gelagerten Konservendosen in der Küche sich dem Ende neigen. Doch meist spielt sich auch diese scheinbar alltägliche Aufgabe anders ab, als man sie kennt. Denn während Adele im Auto sitzen bleibt, klappert Henry im Schnelldurchlauf die Regale ab. Kaufen auf Vorrat, das ist die Devise.Dinge, die den ohnehin schon zurückhaltenden und eher schmächtigen Henry an seiner Schule zum Außenseiter werden lassen. Ihn in seiner Entwicklung bremsen, ihn verweichlichen, seine Verbindung zur Außenwelt unterbrechen. Dabei kann Henry an nichts anderes denken als Frauen. Frauen und Brüste. Mit seinen 13 Jahren befindet er sich in der heißen pubertären Phase seines Lebens.

Doch eines Sommers kommt alles anders. Ganz unerwartet.

Dieses Mal geht Henry gemeinsam mit Adele in den Supermarkt. Henry wird von einem Mann angesprochen, der offensichtlich verletzt ist. Er bittet um Hilfe. Und obwohl diese Bitte Henry merkwürdig erscheint, beschließt seine Mutter ihn mit nach Hause zu nehmen. Schon bald stellt sich heraus, dass Frank ein entflohener Häftling ist. Ganz unverblühmt erzählt er seine Geschichte, ist ihnen gegenüber aufrichtig und höflich. Anstatt skrupellos und brutal zu sein, überrascht er als ein einfühlsamer und rücksichtsvoller Mensch, der sich aufopfernd um beide bemüht. Um beide, Adele und Henry. Aber um Adele besonders.

Trotz aller Widrigkeiten gewähren sie im Zuflucht und sitzen bald schon viel tiefer im Leben, als sie es sich jemals erträumt hätten…

~*°“Ihre Schuhe – ihre Tanzschuhe – lagen unter dem Tisch, und ihre Haare wirkten feucht – vielleicht von Tanzen, vielleicht aber auch vom Leben“°*~

Stellt euch vor, ihr erwartet eine leichte Sommerlektüre und das was sich euch offenbart, ist alles andere als das. Der Sog der Geschichte reißt euch mit, ihr geradet in einen Strudel und begegnet einer derartigen Fülle von Emotionen, dass es euch wie ein Feuerwerk erscheint. Ein Aspekt, der Maynard´s Roman „Der Duft des Sommers“ nicht nur abwechslungsreich sondern besonders und einzigartig werden lässt.
Maynard´s Konzentration gilt nicht nur einer Person. Sie lässt uns am Leben aller dreier Hauptprotagonisten (Adele, Henry und Frank) sehr intensiv teilhaben. Einzelne Leben, die miteinander verwoben sind und zu einem großen Ganzen werden. Ihr Schreibstil ist gefühlvoll und erschreckend realistisch zugleich. Die Geschichte verläuft anders als erwartet, sie überrascht und begeistert mich. Die Zeit vergeht wie im Flug…Adeles Leidenschaft galt immer dem Tanzen. Als junge Frau sprühte sie vor Leben und Begeisterung. Die Scheidung von ihrem Mann, der längst mit einer anderen Frau ein neues Leben begonnen hat, setzt ihr hart zu. Alles was ihr bleibt ist Henry, an dem sie sich verzweifelt klammert und ihm kaum Luft zum Atmen gibt. Schicksalhafte Ereignisse ihrer Vergangenheit lassen sie ängstlich werden. Sie beginnt sich abzuschotten, vergisst weiterzuleben.

Als Frank in ihr Leben tritt, beginnt sie zu erwachen. Obwohl sie diesen Mann kaum kennt, verspürt sie schnell heranwachsende Gefühle für ihn. Es scheint, als gewähre er ihr Zuflucht, obwohl es genau andersherum ist. Bei ihm fühlt sie sich wohl. Er gibt ihr Sicherheit; ist ihr Stein, der ihr Leben wieder ins Rollen bringt.

Für Henry wird Frank zur Vaterfigur. Während sein richtiger Vater ihn als Weichei betrachtet und gar nicht richtig realisiert, erkennt Frank Henry´s Stärken. Er nimmt sich ihm an, leitet ihn während seiner Phase des Erwachsenwerdens, schenkt ihm Kraft und Sicherheit. Zwischen den beiden beginnt eine Freundschaft. Ein Aspekt, der dem zurückhaltenden Henry wichtiger erscheint, als Frank der Polizei zu melden. Während er sich die letzten Jahre ausschließlich um seine Mutter gekümmert hat, bekommt er plötzlich die Möglichkeit, zu leben und sich auf Dinge zu konzentrieren, die einem pubertierenden Jungen nun mal wichtiger erscheinen, als seine Mutter zu beschützen.

Frank, der von der Öffentlichkeit als gewalttätiger Mörder dargestellt wird, begegnet dem Leser als rücksichtsvoller und sehr liebevoller Mensch. Nachdem man einen Einblick in seine schicksalhafte Vergangenheit bekommt, schenkt man ihm schnell seine Sympathien und verspürt Mitleid. Mitleid für einen Menschen, der vom Leben einfach nur unfair behandelt wurde.

„Der Duft des Sommers“ glänzt durch unvorhergesehene Wendungen, jede Menge Gefühl und Tiefgang. Er verkörpert alle Eigenschaften, die ein guter Roman vorweisen sollte. Der Verlauf und das Ende der Geschichte verleihen dem Roman die nötige Würze, die ihn weder kitschig noch unrealistisch wirken lassen. Dass die Pfirsiche auf dem Cover, die den Einband so sommerlich leicht und einladend wirken lassen, in der Geschichte eine primäre Rolle spielen, gefällt mir zudem sehr gut. Ihr Duft liegt mir in der Nase, der Duft des Sommers…