Wo heimliche Bestseller ruhen

Das geheime Leben des Monsieur Pick – David Foenkinos

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„Diese Bibliothek ist gefährlich.“

Vorangestelltes Zitat

Crozon, ein bretonisches Küstendorf im Finistère. Hier, in ihrem bescheidenen Heimatort am Ende der Welt rechnet Delphine am Allerwenigsten mit einer Sensation. Doch während ihr Freund Frédéric sich verzweifelt an einem zweiten Roman versucht, stößt die junge Lektorin in der Gemeindebibliothek auf eine ganz besondere Geschichte: „Die letzten Stunden einer großen Liebe“.

Doch es ist kein Buch wie jedes andere. Seit Jahren schlummert die Liebesgeschichte in der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte, die der frühere Bibliothekar Jean-Pierre Gourvec als Hommage an die Brautigan Library aus den Vereinigten Staaten ins Leben rief, um abgelehnten und verwaisten Manuskripten eine letzte Ruhestätte zu schenken.

Dass es von Henri Pick stammen soll, kann keiner glauben. Denn die Aufmerksamkeit des simpel gestrickten Henri galt zu seinen Lebzeiten nie etwas Anderem als seiner Tätigkeit als Pizzabäcker. Mit seiner Frau Madeleine unterhielt er vierzig Jahre lang die Dorfpizzeria, machte sich neben dem Schreiben des Einkaufszettels weder durch übermäßiges Schreiben noch durch Lesen bemerkbar.

Wie konnte es Madeleine entgehen, dass in ihrem Mann ein Romanautor schlummert? Sind Henris Zeilen, die selbst im fernen Paris für Aufregung sorgen, gar ihr gewidmet? Auf der Suche nach der Inspirationsquelle des rätselhaften Romans, wird nicht nur das bretonische Küstendörfchen Crozon und seine Bewohner, sondern auch die gesamte Literaturwelt auf den Kopf gestellt.

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„Der erste Roman ist immer der eines fleißigen Schülers. Nur Genies sind von Anfang an faul. Es brauchte sicher Zeit, um zu begreifen, wie so ein Text atmet, wie man im Geheimen die Fäden spinnt.“

Zitat, Seite 39

Es mag an meiner zwiespältigen Beziehung zu französischen Romanautoren und ihrer besonderen Schreibweise liegen, dass mich „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ nicht übermäßig begeistern konnte. Bereits zum zweiten Mal habe ich mich auf den französischen Bestsellerautor eingelassen, der mit einem reizend anzuschauenden Roman daherkam, der sich mir präsentierte, wie eine Einladung in die Bretagne.

Leider konnte Foenkinos mich, ähnlich wie bei seinem Werk „Nathalie küsst“, nicht auf seine Seite ziehen, weshalb ich mich nun der schmerzlichen Erkenntnis ins Auge blicken sehe, dass auch ein weiterer seiner Romane das Ruder nicht herumzureißen vermag. Monsieur Foenkinos und ich scheinen einfach nicht füreinander geschaffen zu sein.

Doch alles der Reihe nach. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ kommt als überaus hübsch verpackter Roman daher. Sowohl das Cover als auch die Beschreibung ließen mich auf ein paar unterhaltsame Lesestunden hoffen, die mich gedanklich von der doch recht radikalen Vorgängerlektüre wegtragen sollten. Die mentale Ablenkung gelang Foenkinos zwar, die Entzückung über seine Geschichte blieb dennoch aus. C’est la vie!

Zugegeben, die Geschichte seines Romans ist durchaus originell. Ich begegne einer Bibliothek, die verstoßene Manuskripte beherbergt und einem ganz besonderen Fundstück, das trotz seines Potentials jahrelang keine Wertschätzung erfährt. Auch die bizarren Figuren, an deren Seite mich Foenkinos durch seine Geschichte geleitet und die wohl eher ungewöhnliche Erfolgsgeschichte des Romans sorgen für jede Menge Unterhaltung.

Dennoch, zwischen all den netten Zeilen über die Liebe und das Leben, begegne ich einer Reihe an Belanglosigkeiten. Zeilen, denen eine gewisse Tristesse anhaftet und die in meinen Augen so ganz und gar nicht zu der sonst so spektakulären Geschichte passen. Während seine zahlreichen Fußnoten noch für Belustigung sorgen, langweilen diese Zeilen mich enorm, sorgen für unnötige Längen im Roman und eine gewisse Zähe im Lesefluss.

Trotz seiner heimtückischen Handlungsbremsen begeistert mich Foenkinos aber mit einem ganz und gar schelmischen Blick auf die Verlagswelt, durch die er so manche Entscheidungen fragwürdig erscheinen lässt und sie einmal quer durch den Kakao zieht. Den Erfolg von „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ schreibt er nämlich nicht der Qualität von Picks Zeilen, sondern vielmehr der sensationsträchtigen Entstehungsgeschichte des Werkes zu, der sehr viel mehr Gewichtung zuzufallen scheint, als alles andere.

Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Roman auf den Stapel der aussortierten Werke zu legen, die sich dort, ähnlich wie die verstoßenen Manuskripte der Bibliothek von Crozon, nach Wertschätzung sehnen. Wer sich dem Werk annehmen möchte, der möge es mich in der Kommentarspalte wissen lassen.

„Der Anfang vom Ende einer Liebe ist immer schwer genau zu bestimmen. Die Dinge geschehen langsam, sie schleichen sich ein, mit der hinterhältigen Gewandtheit des Sterbens.“

Zitat, Seite 142

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Ein Streifzug

Meine Eindrücke eines besonderen Streifzugs:

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München

Zwei Hände voll neugieriger Büchermenschen tummeln sich am Brunnen des Geschwister-Scholl-Platzes an der Universität. Eine strahlende Autorin stößt dazu, zaubert einen Roman aus der Tasche und sorgt für glückliche Gesichter. Es ist der Anfang eines besonderen Streifzugs durch die Münchner Maxvorstadt. Heidi Rehns Streifzug. Und die Geschichte von Lou, der Protagonistin aus ihrem Roman „Tanz des Vergessens“.

Gemeinsam begeben wir uns an die Schauplätze ihres Romans, reiten mit, auf der Welle der übersprudelnden Begeisterung von Heidi, und wollen am liebsten sofort in die Geschichte eintauchen. Wir bestaunen eine grünbewachsene Häuserfassade in der Kaulbachstrasse und sehen Protagonistin Lou am Fenster sitzen; wir entdecken an der Ecke Amalienstraße/Theresienstraße in einem tailändischen Nam Nam – Restaurant das frühere Café Stefanie, vernehmen Intellektuellengespräche aus einer anderen Epoche und sehen die Stadt plötzlich ganz anders.

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Plötzlich sind wir nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern schreiben das Jahr 1919. Es ist die Zeit der Räterepublik. In den Straßen patroullieren schwerbewaffenete Freikorpsler. Melodiefetzen eines roten Koffergrammophons dringen an unser Ohr und reißen uns mit: Durch die Straßen einer ereignisgetränkten Münchner Vergangenheit.

Irgendwann stranden wir auf den roten Stühlen des Café Luitpold in der Brienner Straße, schlürfen an einer gekühlte Luitpoldlimonade und quasseln über die Vergangenheit. Und über München. Über Literatur, das Bloggen und Youtube. Eindrücke und Ideen sammeln sich. Ein lebendiger Austausch zwischen Autoren, Bloggern und Lesern beginnt.

Ein persönlicher Herzensmoment. ❤

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Jeden Monat begibt sich Heidi Rehn mit ihren Lesern auf diesen besonderen Streifzug. Nutze auch du die Chance und entdecke München aus anderen Augen. Nähere Informationen und alle Termine findet ihr hier.

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Mein herzlicher Dank geht an dieser Stelle nochmal an Arndt von Astrolibrium, der mich auf dieses Event aufmerksam gemacht hat und euch hier ein buntes Potpourri von Eindrücken, Bildern und einem Interview mit Autorin Heidi Rehn schenkt, die vielen Büchermenschen, auf die ich während des Streifzugs gestoßen bin und vor allem an Heidi, die man einfach nur ins Herz schließen kann.

Natürlich folgt eine Rezension des Buches „Tanz des Vergessens“.

Labor Day..

Kinners,

es ist soweit – Joyce Maynard´s Roman „Der Duft des Sommers“ (im Original „Labor Day“) wurde verfilmt. Die Rolle der Adele, der Mutter von Henry, spielt keine Geringere als Kate Winslet und der Trailer lässt auf eine sehr vielversprechende Verfilmung hoffen. Ich habe diese Geschichte beim Lesen so sehr genossen, dass ich mich schon wie ein Keks auf den Film freue.

Für alle unter euch, denen meine Buchrezension dazu durch die Lappen gegangen ist, hier könnt ihr sie lesen.. und für alle, die darauf keine Lust haben, hier nochmal kurz der Plot:

Die Liebesgeschichte des Jahres

Eine Kleinstadt in New Hampshire: Adele, liebenswert, sensibel und seit ihrer Scheidung todunglücklich, lebt mit ihrem 13-jährigen Sohn Henry völlig zurückgezogen in einem kleinen Haus, das sie nur selten verlässt. Bis Henry sie zu einem Einkaufstrip überredet, der ihrer beider Leben für immer verändern wird. Denn im Supermarkt wird Henry von einem Mann angesprochen, der offensichtlich verletzt ist. Er bittet um Hilfe, und Adele nimmt ihn mit nach Hause. Dort stellt sich heraus, dass Frank, ihr überaus höflicher und rücksichtsvoller Besucher, ein entflohener Sträfling ist. Für ein langes, heißes Septemberwochenende gewähren die beiden ihm Zuflucht. Und während Henry in Frank den lange vermissten Vaterersatz findet, entwickelt sich zwischen Frank und Adele eine zarte, innige Liebe. Eine Liebe, für die sie einen hohen Preis zahlen werden …

Kurzbeschreibung des Verlags

Pssst: Und für alle, die „Der Duft des Sommers“ genauso liebgewonnen haben und noch mehr von Maynard lesen wollen, für die ist ihr zweiter Roman „Das Leben einer anderen“ vielleicht interessant, über den ich neulich mehr aus Zufall gestolpert bin. Er erscheint am 17. Februar 2014 als Taschenbuch und hat ebenfalls sehr gute Bewertungen. 😉

Schöne Restwoche,

eure Steffi.