Ich ängstige dich, also bin ich

„Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ – Walter Moers

Autor: Walter Moers | Illustrationen: Lydia Rode | Seiten: 344 | Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag | 24.99 € [D] | ISBN: 978-3-8135-0785-0 | Erscheinungstermin: 28.08.2017 | Knaus Verlag

„Wenn die Minuten durch die Jahre rufen, erhebt sich der ewige Träumer über seine irdische Last. Und reist mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht.“

Prinzessin Dylia ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien, weswegen sie sich auch gerne „Prinzessin Insomnia“ nennt. Ihr Rekord schlafloser Nächte liegt bei 18 Tage. Während sich der gesamte Königshof den Kopf darüber zerbricht, wie man ihrer heimtückischen Krankheit Einhalt gebieten könnte, hat sich Dylia mit ihrem Zustand längst abgefunden und nutzt die zusätzliche Zeit, sich ihrer ganz besonderen Leidenschaft, der Sprache, zu widmen. Sie übersetzt und erfindet dabei nicht nur eine Reihe spezieller Wörter, die sie selbst Pfauenwörter tauft, sondern wendet auch ein selbst erdachtes Buchstabenvertauschungsprogramm von verblüffender Wirksamkeit an. Durch das „ridikülisierende Anagrammieren“ kann sie jedes Schreckenswort in eine Karrikatur seiner selbst verwandeln und sogar Krankheiten und dem Tod den Stachel ziehen.

Prinzessin Dylias Pfauenwörter in alphabetischer Reihenfolge

„Prinzessin Dylia hatte nun einmal ein außergewöhnlich leidenschaftliches Verhältnis zu Sprachen. Zu Buchstaben. Zu Wörtern aller Art, deren Verbreitung sie gewissermaßen als ihre ganz eigene diplomatische Mission am Königshof empfand. (…) Sie übersetzte leidenschaftlich gerne von einer in die andere und wieder zurück. Übersetzen, so glaubte Dylia, sei wie Wörtern über die Grenze zu helfen. Selbst illegaler Wörterschmuggel und nicht autorisierte Übersetzungen konnten in ihren Augen wertvolle Beiträge zur Völkerverständigung sein.“

Zitat, Seite 50

Als eines Tages ein merkwürdig hässlicher Gnom mit schimmernd lederner Haut und einem unerhört losen Mundwerk in ihrem Schlafgemach auftaucht, wird ihr dennoch Angst und Bange. Denn Havarius Opal ist ein alptraumfarbener Nachtmahr. Sie sind es, die das Alptraumgeschäft verwalten und ihre Opfer so sehr in den Wahnsinn treiben, dass sie ihrem Leben freiwillig ein Ende setzen. Auch Havarius verheißt Dylia, ihr von nun an nicht mehr von der Seite zu weichen und sie bis zu ihrem befreienden Sprung in den Tod zu begleiten.

„Wer nicht springen will, muss fühlen.“

Zitat, Seite 107

Doch Dylia beabsichtigt nicht im Geringsten, sich frühzeitig aus dem Leben zu verabschieden. Sie wählt daher die für sie viel interessantere Alternative: eine Reise nach Amygdala. Ein abenteuerlicher Trip in die Stadt der Angst und ins dunkle Herz der Nacht.

„Langeweile, das war für Prinzessin Dylia etwas, worunter kleine Kinder litten, die noch nicht genug Gehirnmasse entwickelt hatten. Oder Vollidioten, bei denen das mit der Gehirnmasse auch im Erwachsenenalter nicht klappte.“

Zitat, Seite 37

Ein irrer Trip durch die Windungen eines Hirns

Da ist es nun, das neue Werk von Walter Moers. Doch es ist nicht „Das Schloss der träumenden Bücher“, auf das Fans bereits seit geraumer Zeit warten, sondern vielmehr ein neues Zamonien-Projekt, das nach Aussage von Moers alle anderen vorübergehend verdrängt hat.

Zu seinem neuesten Werk, das er der zamonischen Spätromantik und erneut dem Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz zuschreibt, wurde Moers von Lydia Rode inspiriert, die sein Werk nicht nur farbig illustrierte, sondern auch an der seltenen und rätselhaften Krankheit Chronic Fatigue Syndom (CFS) leidet, einem chronischen Erschöpfungssyndrom, dessen Leitsymptom eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung ist.

Amygdala ©Illustration von Lydia Rode

Nun, Moers-Fans wie mir, ist es ehrlich gesagt völlig egal, wie das neue Zamonien-Werk nun heißt und in welche abgelegenen Winkel es mich führen wird, das einzig Wichtige ist, er schenkt mir neuen zamonischen Lesestoff. Und da ist er nun: „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“.

Und Moers enttäuscht mich nicht. Ganz im Gegenteil. Während das vorangegangene „Labyrinth der träumenden Bücher“ zwar eine Reihe an kreativen Ideen beinhaltete, aber auch vor altbekannten Begriffen und Wiederholungen aus den Vorgängerbänden strotzte, überrascht er mich nun mit einer wiedergewonnenen Stärke und einem neu angereicherten Ideenreichtum, mit dem er mich seit jeher zu begeistern versteht.

Dieser besagte Reichtum präsentiert sich nicht nur in einer Vielzahl an raffinierten Wörtern, skurillen Figuren und mysteriösen Schauplätzen, sondern auch durch einen gänzlich neuen Plot. Denn weder der Prinzessin noch dem Nachtmahr bin ich je zuvor begegnet. Es sind ihre rebellischen Persönlichkeiten, die in Konversationen voller unterhaltendem Wortwitz, starkem Sarkasmus und kämpferischem Gefrotzel ausufern. Moers schleudert mir Sprichwörter ums Ohr, die mir irgendwie vertraut vorkommen, und dennoch völlig anders sind. Schreckenswörter verwandelt er in verweichlichte Anagramme und aus merkwürdigen Fantasiebegriffen werden essentielle Pfauenwörter.

Während Moers sich anfangs recht eingehend mit Prinzessin Dylias Krankheit Insomnia und ihrer besonderen Vorliebe für die Sprache beschäftigt, kommt die Geschichte eigentlich erst so richtig mit der Begegnung von Havarius Opal, dem alptraumfarbenen Nachtmahr, und ihrer gemeinsamen Reise nach Amygdala ins Rollen.

Es ist die Schlaflosigkeit der Prinzessin, die uns Zugang zu einer völlig neuen Welt eröffnet und uns ins tiefere Innere ihres Gehirns führt. Eine abenteuerliche Reise voller ungeahnter Gefahren beginnt. Sie lässt uns durch dichte Nebelsuppe flimmen, Denkfalten passieren und in eine Hirnklamm hinabsteigen, wo wir nicht nur fragilen Geistgeistern (bzw. Zwielichtzwergen) und parasitären Zergessern begegnen, sondern auch über Zweifelspfützen springen, Ideen beim Schlüpfen zusehen und Geistesblitzen ausweichen müssen, um sie nicht in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen.

Wir reisen mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht, und winden uns voller Behanglichkeit in der moers’schen Kreativität. Die farbigen Illustrationen von Lydia Rode, die uns während der gesamten Reise durchs Buch begleiten, sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch besonders wirkungsvoll. Sie erwecken die zahlreichen Fantasiefiguren und Schauplätze zum Leben und schenken Moers‘ Zeilen eine besondere Tiefe. Als wenn Rode Feenstaub über die Seiten gestreut hätte.

„Dein Gehirn ist ein Dschungel wie jedes andere Gehirn auch. Ein wilder, gefährlicher, gnaden- und gesetzloser Urwald voller unberechenbarer Kreaturen. Perfekte Ordnung und totales Chaos, Diktatur und Anarchie, freier Wille und irrer Zwang, Fressen und Gefressenwerden – all das existiert darin. Wie in einem Zoo, in dem alle Käfigtüren offenstehen.“

Zitat, Seite 111

Ein römisches Inhaltsverzeichnis

Insgesamt ist das zamonische Märchen in achtzehn Kapitel eingeteilt, die mit römischen Zahlwörtern versehen sind. So beginnt die Reise mit dem ersten Kapitel Primus und endet mit Octavus Decimus. Darüber hinaus ordnet Moers ihnen noch zusätzliche Unterschriften zur Orientierung wie z.B. Der Friedhof des bunten Humors hinzu. Dank ihnen lässt es sich auch im Nachhinein noch einmal ganz leicht durch die Schauplätze der Geschichte hangeln.

„Jedes Gehirn ist anders, jedes Gehirn ist verrückt und jedes Gehirn ist anders verrückt. Aber auf keinen Fall ist es nur.“

Zitat, Seite 111

Eine audiovisuelles Vergnügen

Hörbuch zum Roman ©2017 der Hörverlag

Eckdaten

Hörbuch, 1 mp3-CD

Laufzeit: 11 h 23 min

Produktion: der Hörverlag

Gelesen von: Andreas Fröhlich

ISBN: 978-3-8445-2809-1

Preis: € 24,99 [D]

Während ich sonst hauptsächlich nur lese, wagte ich mich bei „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ auf relativ unerforschtes Terrain und ließ mich neben der Lektüre auch von Andreas Fröhlichs facettenreicher Stimme berieseln, die sowohl als Stimme von Prinzessin Dylia als auch Havarius Opal in meinen Ohren Gestalt annahm.

Fröhlichs Stimme konnte mich erstaunlich schnell in seinen Bann ziehen. Er spielt wie ein Jongleur mit ihr, bedient sich unterschiedlichen Stimmlagen und betonenden Sprachpausen. Er schnauft und jammert was das Zeug hält und scheint selbst in Moers‘ raffiniertesten Fantasiebegriffen und Zungenbrechern kein Hindernis zu sehen. Gekonnt hangelt er sich durch die Geschichte, begeistert mit einem unbeirrbaren Redefluss.

Doch auch wenn Fröhlich mich während der gesamten Reise durch das Buch sehr gut unterhalten konnte, kann ich mich dem Gedanken; wie das Werk wohl vom verstorbenen Dirk Bach gelesen worden wäre, der alleine schon aufgrund seines aberwitzigen Naturells perfekt zu der Skurrilität von Moers‘ Zeilen gepasst hat; nicht verwehren.

Fest steht, dass das audiovisuelle Zusammenspiel dem zamonischen Vergnügen nicht nur eine zusätzliche Dimension schenkt, sondern die Geschichte auch mit einer besonderen Note Alptraum garniert. Es setzt Moers‘ Geschichte die Krone auf und sorgt dafür, dass Havarius‘ Stimme auch nach dem Ende des Hörbuchs noch lange in mir nachhallt. Fast sehne ich mich selbst nach der Begegnung mit einem Nachtmahr, der mich in das tiefste Innere meines Gehirns entführt. Es ist der fieberhafte Traum von einem Alptraum, der mich fortan wachhalten wird.

Besonders gelungen finde ich das Beiheft, das sich neben der CD im Inlay des Hörbuchs befindet und den Hörbuch-Hörern eine Auswahl von Lydia Rodes Illustrationen mitsamt Erklärungen der wichtigsten Phänomen des Romans schenkt.

„Stell es dir einfach so vor: Ein Alptraum ist ein Paket, das du bekommst. Der Nachtmahr ist der Postbote, der es zustellt.“

Zitat, Seite 77

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Weitere Besprechungen findest du hier:

Anima Libri

Kapri-zioes

Wortmalerei

Meine gebundenen Moers-Schätze

Heldenreise

lesenslust über „Wir waren keine Helden“ von Candy Bukowski

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„Das Leben ist kein Geschenk. Das ist völliger Unsinn. Es ist ein Gutschein. Und das Einzige, worum es geht, ist, ihn einzulösen, bevor er verfällt.“

Zitat aus dem Buch

Schon das Cover von Candy Bukowskis Romandebüt hat mich umgehauen. Der Tiger verleiht ihm so viel Kraft, Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, das man bereits vor dem Lesen vermutet, dass sich dahinter eine charakterstarke Geschichte verbirgt. Das und noch viel mehr. Ein Roman, zum Bersten gefüllt mit Leben.

„Wir waren keine Helden“ ist ein Coming of Age Roman. Die Geschichte, die in den rebellischen 80ern „am Arsch der Welt“ beginnt, strandet irgendwann im nordischen Hamburg. Es geht um Protagonistin Sugar. Eine Frau, die mit Vollgas durchs Leben brettert und dabei stets mit vollem Körpereinsatz dabei ist. Doch ihr Einsatz bringt nicht nur Glücksmomente, sondern auch zahlreiche Niederlagen mit sich. Heftige Momente. Die, in denen man ungedämpft am Boden aufkommt und nicht weiß, ob man je wieder aufstehen kann.

Während Sugar anfangs mit Punker Pete durchs Leben zieht, gesellen sich mit den Jahren Luke und Silver dazu. Männer, die sie ihr Leben lang begleiten und es entscheidend prägen. Doch die Suche nach dem großen Glück und der einzig wahren Liebe verlangt ihr alles ab. Sie wird zu einem Kraftakt in 236 Seiten. Einer, bei der man bis zur letzten Seite mitfiebert; mit pochendem Herzen, heißen Wangen und jede Menge Adrenalin im Blut.

„Der eine, lange, unwiederholbare Moment. Einer von denen, die du dein ganzes Leben lang immer wieder mal vermisst. Der als verblichene Schwarz-Weiß-Fotografie irgendwo in deiner rechten Herzkammer steckt. Nicht im Portemonnaie wie all der andere, vermeintlich wichtige Kram. Das kleine, riesengroße Sepiaglück, mit den richtigen Menschen im richtigen Moment. Das man nicht halten kann, nur bewahren.“

Zitat aus dem Buch

Candy Bukowski ist ein grandioses Romandebüt gelungen. Ihre schonungslosen Zeilen treffen dich mit all ihrer emotionalen Härte. Sie sind berauschend, wortgewaltig und erschreckend ehrlich. Viele Zeilen begleitete ich mit einem zustimmenden Nicken, während mich andere bis ins Mark erschütterten. Sugars Leben ist kein leichtes Spiel, eine ständige Achterbahnfahrt mit allen Hochs und Tiefs. Ein Leben, das irgendwie auch Bukowskis ist. Denn es offenbart die Erlebnisse der Autorin selbst, zu deren Veröffentlichung sie sich nun entschloss.

Doch es kommt noch viel mehr zum Vorschein. Denn neben all der Härte werden Bukowskis Zeilen von Melancholie, aber auch von Hoffnung begleitet. So hangelt sich die Protagonistin bedächtig an ihr entlang. Lernt, trotz Schicksalshaftigkeit des Lebens das Gute nie aus den Augen zu verlieren. Der unkonventionelle Schreibstil der Autorin verleiht den Zeilen dabei nicht nur eine sehr authentische, sondern auch persönliche Note.

„Wenn du einen wachen Moment hast, dann fallen sie dir wieder ein, die ganz großen Geschichten, in den ganz großen Lederbändchen aus gegerbter Menschenhaut mit Lesebändchen aus geflochtenem Erinnerungshaar. Mit all dem Seufzen und Sehnen zwischen den handgeschriebenen Seiten und dem Schönsten. Dem immer wieder schönsten Schluss von allen.“

Zitat aus dem Buch

„Wir sind keine Helden“ ist kein Spaziergang durch den Paradiesgarten Eden. Es ist eine Ode an das Leben mit all seinen Facetten. Eine lehrreiches Abenteuer und eine spannende Entwicklungsreise einer jungen Frau, deren jugendlicher Panzer langsam aber sich einem reiferen und erwachseneren weicht. Der Roman präsentiert sich dabei mithilfe von unterschiedlichen Zeitetappen und den dazugehörigen Songs der damaligen Zeit. Würde ihr Roman als Soundtrack vertont werden, würde sein Beat mit voller Dröhnung durch die Boxen wummern. Mein absolutes Lesehighlight in 2016!

 „Manchmal ist es bedeutend einfacher, unvorstellbare Dinge zu tun, als man dachte. Wenn all die sperrigen Wenn und Aber aus dem Weg geknickt und all die sinnbefreiten Konjunktive vom Herz gerissen wurden, dann läuft es schon irgendwie in die richtige Richtung. In eine zumindest.“

Zitat aus dem Buch

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Wenn Worte beflügeln

lesenslust über „Der Wörterschmuggler“ von Natalio Grueso

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Als Bruno Lapastide, Zeit seines Lebens als Vagabund, Charmeur und leidenschaftlicher Geschichtenerzähler im Land unterwegs, in Venedig die geheimnisvolle Japanerin Keiko kennenlernt, ist es wie um ihn geschehen. Doch um ihr Herz zu gewinnen, bedarf es viel mehr Einsatz als sonst. Denn was die junge Japanerin mit dem scheuen Lächeln und den honigfarbenen Augen betört, ist nicht sein Charme, sondern vielmehr das geschriebene Wort.

„Für sie zählten einzig und allein die Worte, der geschriebene Vers, das zu Papier gebrachte Gefühl.“

Zitat, Seite 11

Jeden Abend bei Sonnenuntergang öffnet Keiko die Briefe ihrer zahlreichen Verehrer. In ihrem Briefkasten stecken Umschläge voll unbändiger Lyrik, klarer Worte und purer Leidenschaft. Auch die Briefe von Lapastide gesellen sich dazu. Während seiner Reisen um die Welt hat der Abenteurer so viele Geschichten gesammelt, dass es ihm ein Leichtes erscheint, seine Mitbewerber auszustechen. Mit seinen raffinierten Zeilen will er das Herz der jungen Japanerin ganz für sich gewinnen.

„Wörter waren der einzige Schlüssel, der die Türen zum Paradies öffnete. (…) Um die Schwelle des magischen Bordells von Dorsoduro zu überschreiten, musste man etwas gänzlich Wohlklingendes erschaffen, Verse, Gedichte oder wundersame Geschichten ersinnen, die berührten. Nur wer es schaffte, Keikos Herz zu liebkosen, erwarb sich auch das Privileg, ihren Körper zu liebkosen.“

Zitat, Seite 225

Doch schon bald ringt der leidenschaftliche Geschichtenerzähler um Worte und die Quelle der Inspiration versiegt. Wird es ihm dennoch gelingen, Keikos Herz zu erobern?

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„Der Wörterschmuggler“ birgt nicht nur eine, sondern zahlreiche Geschichten in sich. Er erzählt von einem Geschichtenerzähler, der sich seiner Eindrücke als Weltenbummler bedient, um eine ganz besondere Frau zu berühren. Denn die Japanerin Keiko lässt sich von Worten betören. Als Gegenleistung bietet sie ihren Körper. Für eine Nacht.

Doch Lapastide will Keiko ganz für sich alleine haben und so schreibt er sich die Finger wund. Er erzählt von einer Zeit, in der man Wörter schmuggelt, weil man für sie bezahlen muss und ein Junge sie braucht um dem Mädchen seines Herzens seine Liebe zu gestehen; von einem Mann, der Bücher wie Medizin fürs Leben verschreibt, und damit so manches Schicksal mitbestimmt oder von einem berühmten Moderator, der seine Karriere opfert, um den Herzenswunsch seines Großvaters zu erfüllen. Geschichten voller Leidenschaft. Lebendig. Schräg. Fantasievoll.

Natalio Gruesos Debüt ist alles, aber definitiv nicht alltäglich. Die darin verborgenen Geschichten sprudeln vor Kreativität und Lebendigkeit und lesen sich nicht nur atmosphärisch, sondern auch noch erstaunlich leicht. Viele Zeilen wirken im ersten Moment unbekümmert, obwohl sie von erstaunlicher Tiefe und Einsamkeit getränkt sind. Der Autor, der Regisseur am Teatro Espanol und am Institut für Performing Arts of the City of Madrid ist, versteht es, seine einzelnen Geschichten raffiniert ineinander zu verschachteln. Wie Puzzleteile setzt er sie  Stück für Stück aneinander und präsentiert den „Wörterschmuggler“ als großes Ganzes.

Während wir den Protagonisten Lapastide sehr gut kennenlernen, bleibt die Japanerin Keiko geheimnisumwoben und unnahbar. Ihr Wesen verzaubert nicht nur Lapastide, sondern auch den Leser, weshalb wir uns Seite für Seite durch die Geschichte locken lassen, in der Hoffnung mehr über sie zu erfahren.

Gruesos Geschichte begegnet uns wie eine Gutenachtgeschichte am Abend, die Eltern ihren Kindern vorlesen, um sie ins Land der Träume zu begleiten. Sie lummelt dich ein, bettet dich in ein weiches Nest aus federleichten Zeilen und wohliger Wärme.

„Abschiede sind stets seltsame Augenblicke. Sie sind geprägt von einer Nostalgie gegenüber dem Erlebten, nicht Wiederholbaren, von der Aufregung angesichts der ungewissen Zukunft, der neuen Vorhaben und der kommenden Abenteuer. Auch von dem Glück über die Freunde, die wir gewonnen haben, und von der Melancholie, die uns unweigerlich überfällt, wenn etwas zu Ende geht, wenn ein Kapitel unseres Lebens abgeschlossen wird.“

Zitat, Seite 165

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#bookupDE – ein Abend @PiperVerlag

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Hallo ihr Lieben,

gestern lud der Piper Verlag zum Bookup in seine Verlagsräumlichkeiten ein. Nach meinem ersten Bookup bei arsedition im Herbst letzten Jahres habe ich es mir auch dieses Mal nicht nehmen lassen, dieser ganz besonderen Einladung nachzukommen und einen Blick hinter die Kulissen des Piper Verlags zu werfen.

Was ist ein Bookup? Ein paar Zeilen vorneweg..

Bookup ist eine Wortschöpfung aus book und meet up = sich treffen (ähnlich wie Tweetup). Im Allgemeinen versteht man unter einem Bookup also ein Treffen von buchbegeisterten Menschen, die auf unmittelbare Weise mit Büchern zu tun haben (z.B. Verlagsmitarbeiter, Buchhändler, Buchblogger oder leidenschaftliche Leser) und sich anlässlich einer bestimmten Veranstaltung treffen. Ort des Geschehens können Buchhandlungen, Verlagshäuser oder Bibliotheken sein.

Sinn und Zweck dieser Veranstaltung ist es, bei Führungen durch die oben besagten Räumlichkeiten einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können, neue Programme und Projekte kennenzulernen und sich mit literaturbegeisterten Menschen darüber rege auszutauschen. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen ist das Handy bzw. die Kamera während der Veranstaltung ein gern gesehener Gast und das begleitende bzw. anschließende Posten von Eindrücken über die diversen Kanäle (Twitter, Facebook, Instagram, Vine, eigener Blog…) ausdrücklich erwünscht.

Durch den verwendeten Hashtag (#bookupDE) lassen sich Bookups später auf Storify wiedergeben. Wie das ausschaut, seht ihr hier. Danke Caroline!

Der Piper Verlag – ein Verlag mit Herzblut

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Mit leuchtenden Augen strandete ich in einem Zimmer des Piper Verlags, in dem ich nicht nur auf eine jede Menge buchbegeisterte Persönlichkeiten, sondern auch auf liebevoll platzierte Frühlingsneuerscheinungen des Verlags und einen üppig bestückten Tisch mit  Snacks und Getränken stieß.

Ein lichtdurchfluteter Raum mit wunderschön verzierten Deckenbalken, der uns während des Bookups zum frohen Austausch, Energie tanken und Sammeln diente.

wpid-wp-1421523373355.jpegHier begrüßte uns Marketingleiter Michael Then mit andächtigen Worten. Eine historische Reise durch die Geschichte des Piper Verlags begann.

Neben ihm richtete auch Caroline Adler, Online Marketing Managerin des Verlags, und Daniela Brösel, Literaturbloggerin auf Brösels Bücherregal und Mitorganisatorin des Bookups, ein paar Worte an uns, bevor das humorvolle Video über „7 Dinge, die ein Buchliebhaber nie sagen würde“ uns auf den Abend einstimmte und wir uns auf die Entdeckungsreise durch die beiden Verlagsgebäude machten.

Besonders schön empfand  ich die Umsetzung des Bookups, die sich wie eine Schnitzeljagd durch den Verlag präsentierte und der eine liebevoll durchdachte Organisation der Verlagsmitarbeiter vorausgegangen sein muss.  Im Zeichen von Kamila Shamsies Roman „Die Straße der Geschichtenerzähler“ (ET: 30.03.2015) reisten wir durch verschiedene Länder, die von den Abteilungen des Verlags repräsentiert wurden. Wir gerieten vom stürmischen England ins finstere Italien, vom abenteuerlichen Polen ins phantasische Morbidien und strandeten in Deutschland. Die Begriffe Meer, menschliche Seele, Heimat, Tod und Vergangenheit gewannen für die Teilnehmer während des Bookups an Bedeutung, durch deren kreative Aneinanderreihung die Bookup-Teilnehmer einen Buchgewinn des Piper Verlags einheimsen konnte.

Unsere Entdeckungsreise begann bei Elli im Taschenbuchverlag, die uns sowohl Einblick in ihren Berufsalltag gab, als auch Lucy Clarkes Werk „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ (ET: 13.04.2015) begeistert ans Herz legte. Eva aus dem Hardcover Verlag schwärmte für Literatur und Sprache und präsentierte im harmonischen Einklang mit schwarzweiß gestreiftem Pullover und kirschroten Lippen den Thriller „In der Finsternis“ (ET: 09.03.2015) von Sandrone Dazieri.

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Elisabeth aus der Sachbuch- bzw. Reiseliteratur-Abteilung verriet uns, wie die Arbeit ihre Lust aufs Reisen anstachelt und warum Steffen Möllers Werk „Viva Warszawa“ (ET: 09.03.2015) so aufschlussreich ist. Die älteste Dame im Bunde der Besucher sorgte durch ihre Aussage „nich scharf“ aufs Werk zu sein, für allgemeine Erheiterung.

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Zu Halbzeit versammelten wir uns alle wieder im Begrüßungszimmer, in dem eine große Auswahl an leckeren Snacks und Getränken für Stärkung sorgte, die schwächelnden Handyakkus ans Netz gehängt wurden und man die bisherigen Eindrücke im regen Austausch mit den anderen Teilnehmern Revue passieren lassen konnte.

Nach der Pause schwärmten Mirka und Sabrina aus der Abteilung Fantasy/Fantasy-Jugendbuch für fantasiereiche und düstere Zeilen und philosophierten über abgefahrene Skripte, die selbst sie als Hardcore-Leser an menschliche Abgründe brachten. Das Werk „Beyond Redemption“ von Michael R. Fletcher ergatterte dabei durch den abgefahrenen Stil des Autors für begeisterte Ohren.

Unsere letzte Station war der Bereich Marketing/Werbung, bei dem Caroline und Verena uns Einblick in die Social Media und Vermarktung gaben und uns an mit Postkarten übersäten Böden und ausgehängten Marketingkampagnen vorbeischleusten. Carolines Empfehlung richtete sich an das Werk von Hanni Münzer, der es gelang, von der Self Publisherin zur Verlagsautorin zu werden und deren Roman „Honigtot“ (ET: 13.04.2015) vielversprechende Lesestunden vermutet. Eine Geschichte, die uns das dramatische Schicksal zweier Frauen nahebringt und uns in die dunkelsten Kapitel unserer Vergangenheit führen wird. Der historische Stadtplan Münchens, der im Deckelinneren zu finden ist, hat mich neugierig aufs Werk werden und meinen SuB wachsen lassen.

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Alle Empfehlungen, die uns während dieser Verlagsreise ans Herz gelegt wurden, durften wir am Ende der Veranstaltung mit nach Hause nehmen, was mich sprachlos werden ließ. Von einer derartigen Großzügigkeit des Verlags bin ich geplättet und nach der eingehenden Recherche durch die heimischen Bücherregale ist mir nochmal bewusst geworden, wie viele Bücher sich tatsächlich schon aus dem Piper Verlag bei mir angesammelt haben.

Und nun ist genug geredet: Bilder sagen oft mehr als tausend Worte. Aus diesem Grund möchte ich jetzt nur noch meine Bilder des Abends für sich sprechen lassen. Ich hoffe, dass ich auf dem ein oder anderen Bild die großartige Atmosphäre der gestrigen Veranstaltungen einfangen konnte. Have fun!

Auf diesem Weg möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei Daniela, Caroline und all den anderen lieben Verlagsmitarbeitern des Piper Verlags bedanken. Der gestrige Abend war für mich eine Bereicherung. Die wunderschönen Räumlichkeiten des Piper Verlags, denen eine langjährige Münchner Geschichte vorausgeht, haben mich entzückt und den Besuch zu einem besonders schönen Erlebnis gemacht, der mir sicherlich sehr lange im Gedächtnis bleibt.

Vielen Dank! <3

Kinderfreuden #1: Ferdinands große Fahrt

lesenslust über „Ferdinand auf großer Fahrt“ von Anna Weber

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Beschreibung des Verlages:

Die weite Welt sehen, Abenteuer erleben – der kleine Entdecker Ferdinand will auf große Fahrt gehen.

Voller Vorfreude steigt er in den Zug und kann es kaum erwarten, bis die Reise endlich losgeht.

Doch dies ist kein gewöhnlicher Zug … Und ehe Ferdinand weiß, wie ihm geschieht,

steckt er schon mittendrin in seinem großen Abenteuer!

Eckdaten

Hardcover, ab 3 Jahren

mit UV-Lack und Elastikband
32 Seiten, 33,5 x 15,5 cm
ISBN 978-3-7348-2004-5

Magellan Verlag
12,95 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Magellan

Blickwinkel aus großen Augen

Das Buch ist liebevoll verarbeitet und begeistert mit sehr farbenfrohen und aufwendig gezeichneten Illustrationen, die viel Möglichkeit zum Entdecken und Bewundern geben. Viele Details sind nicht auf Anhieb sichtbar und werden erst beim zweiten Blick auf die Seite ersichtlich.

Das Betrachten des Bilderbuches bereitet einem so viel Freude, dass man sich kaum an ihm sattsehen kann. Die Geschichte wird in wenigen Worten erzählt und schenkt daher viel Freiraum für Improvisation. So können Vorleser und Zuhörer gemeinsam ihrer Fantasie und ihren Gedanken freien Lauf lassen.

Der Text befindet sich auf den Seiten jeweils oben links im Bild und ist in  ansprechender Größe abgedruckt. Die Handlung der Geschichte spiegelt sich schön in den Bildern des Buches wieder. Das langgezogene Format des Buches unterstreicht die Geschichte sehr gut, da man das Gefühl hat, mit Ferdinand im Zug zu sitzen.

Die wunderschöne Aufmachung des Buches wird von einem süßen roten Gummiband abgeschlossen, mit dem man das Buch umschließen kann. Ferdinands große Fahrt ist sowohl für große als auch kleine Entdecker ein wahrer Augenschmaus.

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Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2

Lieblingsfigur der Geschichte: alle

Anzahl der Blicke/Lesungen: zahlreich

Bester Leseplatz: auf dem Sofa

Schlüpft in die Rolle von: einem begeisterten Entdecker

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Glücksbotschaften…

lesenslust über „Denn das Glück ist eine Reise“ von Caroline Vermalle

~*°..“Es waren die Stimmen seines Gartenstuhls, der Polsterauflagen und der Wettervorhersage, die Stimmen des Kräutertees und seiner Tomatenpflanzen, die Stimmen all dieser vertrauten Dinge und die des Hauses selbst. Sie sangen ihm die süße Melodie des Alltäglichen und stimmten den vertrauten Refrain von der Sinnlosigkeit von Veränderungen an…“..°*~

Georges, 83-jähriger Witwer, Vater einer überfürsorglichen Tochter und Gewohnheitstier tappt im Dunklen. Sein Leben ist an einem Punkt angelangt, an dem einfach alles still zu stehen scheint. Während die Lebensgeister ihm von den Ärzten bereits seit geraumer Zeit als quasi nicht mehr existent attestiert und seine Gebrechen dafür aufs Dramatischste hervorgehoben werden, ist der Spaß am Leben irgendwie unterwegs verloren gegangen.

Als er mit seinem langjährigen Freund & Nachbarn Charles die Flucht aus dem Alltagstrott plant, scheint sein Leben der Gefangenschaft in der Routine den Rücken zu kehren. Die gemeinsame Begeisterung der beiden Herren gilt einer heimlichen Reise. Ziel ist die Route der Tour de France von 2008: 21 Etappen, 3500 Kilometer. Und da die Herren schon etwas in die Jahre gekommen sind, soll die Reise natürlich nicht auf dem Fahrrad, sondern im nagelneu erstandenen Renault Scénic vonstattengehen.

Ihr Vorhaben droht jedoch zu scheitern als Adèle, Georges Enkeltocher, von ihrer verreisten Mutter zur Obhut des Großvaters beauftragt wird. Eine Aufgabe, die Adèle alles andere als begeistert, ihr als pflichtbewusste Tochter jedoch nachkommt. Als sie bemerkt, dass der liebe Opapa längst nicht mehr zuhause im Fernsehsessel sitzt sondern sich schon auf großer Entdeckungsreise befindet, bemerkt sie, wie wenig sie ihren Großvater kennt.
Trotz der Gewissensbisse ihrer Mutter gegenüber, trifft sie mit Georges eine Vereinbarung: Sie verrät ihrer Mutter nichts und Georges muss dafür jeden Tag ein Lebenszeichen per SMS schicken. Eine Mission, die sich für die beiden älteren Herren als eine der größten Herausforderungen ihres Lebens darstellt…

~*°..“Ihre Freundschaft atmete die Luft der großen, weiten Welt. Sie würden sehen, ob sie dieser Herausforderung gewachsen war.“..°*~

Was für eine ausgesprochen liebevoller Schatz, den mir die Website Blogg dein Buch.de und der Lübbe Verlag da gesponsert haben. An beide sei an dieser Stelle nochmal mein herzlichster Dank ausgesprochen. Vermalles Zeilen stimmten mich glücklich, sie schenkten mir Gefühle der Zufriedenheit als auch des Glücks. Allein das Cover des Romans wirkte auf mich wie eine Einladung zum Träumen. Ich sehe sie vor mir: die farbintensiven Lavendelfelder der Provence, ein dezenter Duft von Flieder steigt mir in die Nase, ein salziges Lüftchen zerstrubbelt mein Haar. Georges und Charles fahren vorbei, ich springe zu ihnen in ihren weißen Renault Scénic und fahre mit ihnen gemeinsam die Etappen der Tour de France von 2008 entlang. Ich strecke meine Hand aus dem Fenster und fühle den Fahrtwind an meinen Fingern entlanggleiten, Freiheit durchströmt mich, es scheint, als würde ich selber reisen…

Frankreich erschien mir noch nie so reizvoll, wie nach dem Lesen dieses Buches. Eine einmalige, schon weit über Jahre zurückliegende Reise nach Paris ließ mich damals zu dem Entschluss kommen, dass Frankreich einfach nicht mein Land ist. Ich konnte mich weder mit dem Land, noch den sehr eigenen Landesbewohnern anfreunden. Caroline Vermalle machte mir Lust auf mehr. Am liebsten wäre ich in diesem Moment schon in Chanteloup, dem Ausgangspunkt der beiden Reisenden, auf einer Bank sitzend, ein Glässchen guttemperierten Chardonnay vor mir, ein bisschen Käse und Weintrauben und mein Blick über die fliederfarbenen Lavendelfelder Frankreichs. Traumhaft…

Die Protagonisten werden von der Autorin sehr liebevoll dargestellt, sodass man sie schnell ins Herz schließt. Georges und Charles besitzen, warscheinlich gerade weil sie schon in die Jahre gekommen sind, einen unverwechselbaren Charme. Leicht schrullig, alltagsroutiniert, der Moderne gegenüber fremd und völlig überfordert. Eigenschaften, die bei mir schnell das Bedürfnis veranlassen, ihnen über den Kopf zu streicheln und in die Wange zu kneifen. Was habe ich geschmunzelt, als Georges vor der Herausforderung stand, seiner Enkelin eine Sms zu schreiben. Und als wär das noch nicht genug Herausforderung, es soll gleich noch in einer Sms-Sprache geschrieben sein, von der er bis dato noch nicht einmal wusste, dass sie existiert. Probleme, die der heutigen Generation wohl eher fremd sind.

Die Reise quer durch Frankreich wird von der ersten Seite an von der Entwicklung von Georges und Adéle geprägt. Die Beziehung, die anfangs eher einem dünnen Zweig gleicht wächst nach und nach zum starken Geäst heran. Die Freude aneinander wächst und trägt Früchte: Früchte von Fürsorge & Freundschaft. Plötzlich ist es kein Nebeneinander mehr, sondern vielmehr ein Miteinander. Das anfangs empfundene Desinteresse Adéles entwickelt sich während der Geschichte zu einer liebevollen Verbundenheit ihrem Opa gegenüber.
Auch die Freundschaft zwischen Georges und Charles, die sich in Chanteloup auf das mittagliche Miteinander beschränkt, wächst. Plötzlich ist da Zeit, um sich besser kennenzulernen. Der Blick in die gemeinsame Richtung verbindet und stärkt sie. Aspekte, die Vermalles Erstlingswerk so furchtbar schön und im gleichen Moment lehrreich machen. Sie regen zum Nachdenken an und lassen mich feststellen: Das Glück ist tatsächlich eine Reise…

Zum Bestellen des Buches, einfach hier klicken…

Genuss, Hingabe, Harmonie…

lesenslust über „Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert

~*Die Story*~

Elizabeth ist Anfang 30 und stellt fest, dass ihre jung eingegangene Ehe nicht das ist, was sie sich vom Leben erhofft. Also beschließt sie, nach einem langen inneren Kampf und einigen Grübeleien, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Ein langer und schwieriger Prozess erwartet sie – denn ihr Mann lässt sie nicht einfach mir nichts dir nichts aus seinem Leben streichen & fesselt sie lange an sich – vorallem auf mentaler Ebene.
Um nicht allzu sehr in Depressionen zu versinken, ermöglicht ihr Arbeitgeber ihr genau 1 Jahr eine Auszeit. Sie nutzt sie, um die Welt zu bereisen, sich von ihrem mentalen Stress zu befreien und um wieder zu sich selbst zu finden.

Sie hat eine gewisse Vorstellung von ihrem Selbstfindungs-Trip – es zieht sie nach Italien, Indonesien und Indien. Und da sie sich nicht entscheiden kann, welches Land nun wichtiger für sie ist, beschließt sie, in jedes Land für jeweils 4 Monate zu reisen.

Nun, da sie mit der Liebe und vorallem der Ehe ihre delikaten Erfahrungen gemacht hat, hat sie sich zusätzlich vorgenommen, das ganze Reise-Jahr enthaltsam zu leben.

oEATo

In Italien ist sie bestrebt, WAHREN GENUSS zu finden. Was ihr nicht wahrlich schwer fällt, denn Italien ist ja allgemein mit seiner „la dolce vita“ bekannt.
Also genießt sie es in vollen Zügen. Nicht aber das Temperament der vollblutigen Italiener und diversen Bettgeschichten sondern allem anderen.
Schon lange träumt sie davon, fließend Italienisch sprechen zu lernen und fängt doch glatt ein Italienisch-Seminar an. Daneben widmet sie ihr Studium nicht Museen oder Sehenswürdigkeiten sondern der italienischen Kunst der Speisen.

Traumhafte Speisen aller Variationen lassen sie jeden Tag einen Gaumenschmaus erleben. Vorallem aber das italienische „gelato“ (Eis) testet sie bis zum Abwinken.

oPRAYo

In Indien hält sie sich 4 Monate in einem indischen Ashram auf nur um zu dienen. Sie ist bestrebt, WAHRE HINGABE zu erlernen.
Das heißt Beten, Beten und nochmal Beten. Sie lernt die unterschiedlichsten Mantras kennen, die sie auf spirituelle Art und Weise Zugang zu ihren Chakren und vorallem den Weg zu ihrem wahren Ich finden lässt.
Doch dieser Weg ist lang und steinig, denn das Ganze ist nicht so einfach, wie es sich vielleicht anhört.

Doch letztendlich macht sie eine sehr hilfreiche und mystische Erfahrung, die ihr vorallem hilft, den Gewissensbissen, die durch ihre Scheidung hervorgerufen wurden und den psychischen Konflikten mit sich selbst endlich Lebe wohl zu sagen.

oLOVEo

In Indonesien mietet sie sich ein herrliches Haus mit traumhaften Garten. Sie strebt nach WAHRER HARMONIE und findet sie hier.

Von der stets höflichen und freundlichen Art der Indonesier ist sie sehr angetan, erfährt aber mit der Zeit was eigentlich genau hinter der Menalität der Indoneser steckt.
Sie besucht zu Anfang regelmäßig einen Heiler, den sie schon vor einiger Zeit dort kennengelernt hat. Er hat ihr damals prophezeit, dass sie an diesen Ort zurückkehren wird. Ganz nebenbei auch um ihm zu helfen besser Englisch zu sprechen.
Sie lernt immer wieder neue Leute kennen und schließt die ein oder andere Freundschaft.

Und dann begegnet sie ihrer unverhofften Liebe – Felipe. Schafft er es letztendlich ihrem Gelübte das ganze Jahr enthaltsam zu leben, den Rücken zu kehren und sich ihm ganz hinzugeben?

~*Mein Fazit*~

Ich hatte erst darüber nachgedacht, ein paar Ausschnitte aus dem Buch zu zitieren. Nach langem Überlegen musste ich mich aber dann doch dagegen entscheiden, weil es einfach selbst gelesen werden muss.

Es hat so herrlich amüsante, erschreckend ehrliche und alltägliche, ernste und schwierige, traurige und verzweifelte Stellen, die ganz reale Momente einer Frau darstellen, die den Weg zu sich selbst nach so manchen Hürden letztendlich finden konnte.
Und nebenbei handelt es sich um die wahren Begebenheiten von Elizabeth Gilbert. Was habe ich dieses Buch verschlungen!! Es hat mich einfach gefesselt.

Am 23.09.10 kam die Verfilmung des Buches ins Kino. Die Rolle der Elizabeth spielt Julia Roberts. Das Feedback des Filmes lief sehr unterschiedlich aus. Der Großteil hatte ihn mir abgeraten, die wenigsten sprachen eine Empfehlung aus. Was ich gemacht habe, ist, ihn trotzdem angeschaut ;-P Als würde ich mich von Meinungen anderer total einnehmen lassen!! Ich fand ihn gut gemacht. Er war zugegeben etwas langatmig, aber in meinen Augen konnte die Message des Buches filmtechnisch auch nicht kürzer umgesetzt werden, dass sie tatsächlich auch so ankommt, wie es sich die Autorin warscheinlich gedacht hat.

Absolute Leseempfehlung für alle die sich darauf einlassen können!!