Kinderfreuden #37: Make a wish

„Vielleicht“ – Kobi Yamada, Gabriella Barouch

Unser Leben ist von so vielen äußeren Einflüssen geprägt: von den Wunschvorstellungen anderer, von gesellschaftlichen Vorgaben, von vermeintlichen Idealen und geschlechtsspezifischen Merkmalen. Unser Leben gehört aber uns. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wohin ihn die Reise seines Lebens führt.

Dieses Bilderbuch zeigt schon den Kleinsten, was das Leben so alles für sie bereithält. Und dass nahezu alles möglich ist, solange sie auf ihr Herz hören, an sich selbst glauben und nicht müde werden, das Leben jeden Tag aufs Neue zu erobern.

Denn vielleicht, ja vielleicht werden sie ja ihre kühnsten Träume übertreffen…

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

44 Seiten
19 x 25 cm
ISBN: 978-3-947-18885-7

Illustration: Gabriella Barouch
Text: Kobi Yamada

Adrian Verlag
12,95 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Es gibt Bücher, an die man auf Anhieb sein Herz verliert. Und genauso war es bei mir hier. Schon lange bevor wir selbst in „Vielleicht“ abtauchen konnten, war ich von der Magie fasziniert, die bereits von seinem Cover ausgeht. Und taucht man erst in die Seiten des Bilderbuches ab, beginnen die Augen zu strahlen. Denn auf was man sich hier begeben darf, ist eine Reise ganz besonderer Art: Einer Reise zu sich selbst.

Hast du dich schon einmal gefragt, ob dein Leben so verlaufen ist, wie du es dir als Kind erträumt hast? Ob deine Wünsche mit der Realität übereinstimmen? Ja? Du Glückspilz! Und wenn nicht, warum? Hast du dich selbst für dieses Ich entschieden, dass du heute bist oder wurde es möglicherweise von äußeren Einflüssen geprägt: den Eltern, die dir eine bestimmte Richtung vorgegeben haben; der Gesellschaft, die dir vorgeschrieben hat, wie du zu sein hast oder den Idealen, an die du dich orientiert hast, um nicht negativ aufzufallen? In einer Gesellschaft wie der heutigen wird unser Leben von so vielen Faktoren beeinflusst. Wir müssen immer höher, schneller und weiter. Und verlieren dabei oft uns selbst aus den Augen. Vergessen, was uns wirklich wichtig ist: Was wir sein wollen. Wie wir sein wollen. Wo wir sein wollen.

Der Ursprung unseres Charakters liegt in der Kindheit. Hier wird das Fundament für unsere spätere Persönlichkeit gelegt. Hier lernen wir von anderen. Hier probieren wir uns aus. Hier entdecken wir unsere Vorlieben und wachsen zu dem heran, was wir später sind. Wenn wir es dürfen.

Manchmal ertappe ich mich dabei, andere Eltern dabei zu beobachten, wie sie ihre Kinder steuern. Wie sie ihnen vorschreiben, wie sie zu sein haben, was sie toll und was sie schlecht finden dürfen: die Lieblingsfarbe, das Hobby, den Berufswunsch. Viele Eltern formen Ihre Kinder dabei Stück für Stück zu einem Abbild ihrer Selbst und geben ihnen keine Möglichkeit, sich selbst zu finden.

Und manchmal stelle ich auch an mir selbst fest, wie ich meine Tochter unbewusst lenke. Wie ich ihr vorschreibe, wie sie auf bestimmte Situationen zu reagieren hat. Ob es nun an der Zeit sei, wütend oder traurig zu sein; dass Weinen jetzt nicht helfe, bummeln unangebracht oder mit dem Fingern essen verboten ist. Sicher, Kinder brauchen Grenzen, damit sie nicht über das Ziel hinausschießen und sich in der Orientierungslosigkeit verlieren. Was sie aber auch brauchen, ist uneingeschränkte Freiheit. Raum, um sich zu entfalten. Die Welt zu entdecken. Um sich auszuprobieren. Zu lernen, dass einem nicht alles auf Anhieb gelingt. Und dass man auch mal fallen muss. Dass uns selbst das Scheitern ein Gutes Stück weiterbringen kann. Die Erfahrungen uns lehren, es beim nächsten Mal anders zu machen. An ihnen zu wachsen.

Was Kobi Yamada und Gabriella Barouch mit diesem Bilderbuch gelungen ist, ist ein wertvoller Wegbegleiter. Durch das harmonische Zusammenspiel von Barouchs zauberhaften Illustrationen und Yamadas wertschätzenden Zeilen wird den Kindern auf wunderbarste Weise die Botschaft an die Hand gegeben, dass nahezu alles möglich ist, solange man auf sein Herz hört. „Vielleicht“ schenkt ihnen Mut, Kraft und Hoffnung. Es zeigt ihnen, Augen für das Wunderbare zu haben und auch den kleinsten und unscheinbarsten Dingen im Leben seine Aufmerksamkeit zu schenken. Und dass hinter jeder Ecke ein Abenteuer auf sie wartet, das es zu erobern gilt. Anstatt ihnen eine Richtung vorzugeben, zeigt es ihnen, wie viele Weggabelungen da draußen auf sie warten. Und dass es allein ihre Entscheidung ist, welche davon sie nehmen.

Ich wünsche mir von Herzen dass zahlreiche Eltern dieses Buch kaufen, dass sie es ihren Kindern an die Hand geben und dass es sie auf ihrem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit begleiten darf. Möge der Zauber, der diesem wundervollen Bilderbuch innewohnt, auf so viele Menschen wie möglich übergehen.

„Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist […] ist alles möglich.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Gefällt dir das Buch?

Oh ja!

Was hat dir besonders gefallen?

Als das Mädchen in das Buch gestiegen ist

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als das Mädchen in einer Nussschale den Ozean des Lebens erobert

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

Worauf macht das Buch Lust?

das Leben zu erobern

Schlüpft in die Rolle von:

einer Entdeckerin

 

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Adrian Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #15: The lion insight

lesenslust über “Der Löwe in dir” von Rachel Bright & Jim Field

image

 Beschreibung:

In der rauen Wildnis, inmitten einer Herde von großen Steppenbewohnern, kann man als Maus schon einmal untergehen. Davon kann die Maus, die so winzig klein ist, dass sie keiner bemerkt, ein Lied singen. Ständig wird sie übersehen, getreten und gequetscht. Was für ein unglaublich trauriges Mäuseleben sie doch hat.

Doch eines Tages hat die Maus es satt, übersehen zu werden. Sie will lernen, so laut und stark zu sein wie der Löwe, der stolz und erhaben auf seinem Fels thront. Voller Mut und Entschlossenheit begibt sie sich auf den Weg zum brüllenden Oberhaupt und macht schon bald eine interessante Entdeckung: wahre Größe kommt von innen.

dsc_1586.jpg

Eckdaten

Hardcover

Ab 3 Jahren

32 Seiten 245mm x 305mm

ISBN: 978-3-7348-2021-2

Magellan Verlag 13,95 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

img_20160617_131736.jpg

Blickwinkel aus groSSen Augen

Seit der Magellan Verlag 2014 in See gestochen ist, sind die Kinderbuchregale meiner Patenkinder um zahlreiche Kinderbuchschätze gewachsen. Das „magellansche“ Verlagsteam, das im fränkischen Bamberg ansässig ist, beweist seit jeher eine besonders gelungene Zusammenstellung von Kinder- und Jugendbüchern. So auch beim Frühlingsprogramm diesen Jahres, in dem das gemeinsame Werk von Rachel Bright und Jim Field „Der Löwe in dir“ erschienen ist.

Jim Field, der schon zahlreiche Kinderbücher illustriert hat, bewies bereits in Werken wie „Cats Ahoy!“, „There’s a Lion in My Cornflakes“ oder „Oi Frog“ sein künstlerisches Geschick, weswegen es nicht verwundert, dass ihm auch die Illustrationen in „Der Löwe in dir“ (OT: The Lion Inside) bestens gelungen sind. Seine entzückenden Zeichnungen von Löwe, Maus und zahlreichen Steppenbewohnern präsentieren sich fantasievoller und lebendiger Natur. Durch die unterschiedlichsten Gelb- und Brauntöne offenbart sich den Kindern die sonst so driste Steppenlandschaft in all ihren Farben.

Rachel Bright begleitet die Geschichte mit ein paar wenigen Zeilen. Ihr Text schmiegt sich sehr harmonisch an Fields Illustrationen, die uns im Wechsel großformatig oder als kleine Ausschnitte begegnen. Durch groß abgedruckte Tierlaute macht sie Löwe und Maus lebendig. Hauptsächlich lebt die Geschichte aber von Fields  wunderbaren Illustrationen, die die Fantasie der Kinder schnell beflügelt.

picsart_06-17-03.32.28.jpgDie Moral der Geschichte liegt klar auf der Hand: weder Körpergröße noch Stimmpegel entscheiden über wahre Größe. Was im Leben zählt, sind vielmehr Persönlichkeit und Mut, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dank dieser Eigenschaften wächst die kleine Maus über sich hinaus. Ihre anfängliche Unsicherheit und Angst dem Löwen gegenüber weicht einem gesunden Selbstbewusstsein und einer Stärke, die sie trotz ihrer kleinen Größe dem Löwen auf Augenhöhe begegnen lässt.

Schon bald ist die Wüste nicht mehr vom schrecklichen Gebrüll des Löwen, sondern vielmehr vom gemeinsamen Gelächter der Beiden erfüllt. Denn auch Klein & Groß kann sich wunderbar ergänzen.

„So fanden sie Beiden schließlich heraus: Jeder von uns ist mal Löwe, mal Maus.“

Fields Illustrationen haben mich tatsächlich ein bisschen an die Tiere des Animationsfilmes „Madagaskar“ erinnert. Vielleicht hat sich Field vom Film inspirieren lassen, vielleicht auch nicht. Die Ähnlichkeit tut dem Kinderbuch allerdings keinen Abbruch. Durch die kreative Anordnung von Text und Bild, präsentiert sich das Werk wunderbar rund und melodisch. Sowohl das Brüllen des Löwen, als auch das Quieken der Maus hallen der Geschichte noch lange nach.

<3 <3 <3 <3 <3

image

Blickwinkel aus kleinen Augen

Joschuas Urteil:

Steckbrief Joschi Blog 2

Gefällt dir das Buch? Ja

Was hat dir besonders gefallen? Der Löwe

Worum geht die Geschichte? Um eine mutige Maus

Wo steht das Buch im Regal?

Neben „Das Zebra, das zu schnell rannte“

Lesezeit: an sonnigen Tagen

Bester Leseplatz: im Grünen

Schlüpft in die Rolle von: einer Maus & einem Löwen

 

#Blogfragen für Buchblogger von Stefan Mesch

image

Literaturkritiker und Blogger Stefan Mesch hat kürzlich ein paar Fragen für Literaturblogger auf seinem Blog zusammengestellt, denen sich Blogger bei Interesse bedienen und annehmen dürfen, damit man etwas mehr von der Persönlichkeit hinter dem Blogger erfährt. Seine Fragen konzentrieren sich u.a. auf die literarische Prägung, dem Anspruch an die Verlage bzw. das Feuilleton und auf persönliche Leseempfehlungen. Auch ich hatte Lust, mich diesen Fragen zu stellen:

#Bloggerfragen

01 Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Meine Mutter hat besonders die Bücher von Astrid Lindgren und deren Lebensgeschichte ins Herz geschlossen. Es ist größtenteils ihrer Liebe zu den Büchern der verstorbenen Schwedin zu verdanken, dass sich meine Kindheit gedanklich in Bullerbü, der Villa Kunterbunt und der Krachmacherstraße abgespielt hat. Heute liest sie ähnliche Bücher wie ich. Sie bevorzugt Bücher mit Tiefe und Emotionen.

02 Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Mein Vater liebt fränkische Krimis. Ich glaube, ihm gefällt dabei besonders der regionale Bezug der Geschichten. Sie sind für ihn viel greifbarer und authentischer. Er hat eben gern handfeste Beweise!

03 Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

…ich Bücher liebe und nicht ohne sie sein kann. Ich glaube allein der Fakt, dass meine Wohnung mehr Bücher als Klamotten beherbergt, spricht für sich.

04 Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

…es meine persönlichen Gedanken sind, die ich dort festhalte und sie sich von anderen unterscheiden. Das bedeutet nicht immer, dass es primär der Inhalt ist, der von dem der anderen abweicht, sondern vielmehr die Art und Weise, wie ich ihn formuliere. Unsere Art zu Schreiben variiert genauso wie unsere Persönlichkeiten.

05 Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

…dass sich im Internet weitaus mehr sympathische Gleichgesinnte tummeln, als man es für möglich hält. Das World Wide Web, das lange Zeit den Ruf hatte, unpersönlich zu sein, hat sich zu einem großen Abenteuerspielplatz entwickelt, auf dem es so unfassbar viel zu entdecken gilt. Blogs sind Orte der Begegnungen. Hier finden sich Gleichgesinnte zusammen. Und das liebe ich.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Zugegeben, auch ich habe früher Bücher bei Amazon gekauft und meine Rezensionen dort anschließend veröffentlicht. Als Amazon immer mächtiger wurde und die privatgeführten Buchhandlungen teilweise um ihre Existenz kämpfen mussten, habe ich es eingestellt. Sicherlich ist es toll, mit einem Klick ein Wunschbuch zu ordern und es kurz darauf in den Händen zu halten. Aber das ermöglicht dir deine regionale Buchhandlung und deren Onlineshops auch.

image
© Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Amazon-Rezensionen werden für mich immer weniger hilfreich. Ich kenne die Menschen hinter den Zeilen nicht, kann weder ihren Typ, noch ihre Vorlieben einschätzen. Es sind Zeilen von Unbekannten. Und das lässt mich nur schwer entscheiden, ob ihr Lesehighlight auch mein Lesehighlight werden könnte. Für mich sind die Zeilen von Bloggerkollegen, die ich teilweise persönlich kenne und die Empfehlungen von Buchliebhabern aus meinem persönlichen Umfeld viel wertvoller. Sie treffen oft mitten ins Schwarze.

07 Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen verhilft mir oftmals, meinen Blick auf die Dinge um das aktuelle Zeitgeschehen oder die Meinung von Experten zu ergänzen. Ich lasse mir ungern reinreden und bevorzuge es, mir mein eigenes Bild von den Dingen zu machen, beziehe aber gerne andere Blickwinkel mit ein. Es erweitert nicht nur meinen Horizont, sondern regt auch zum Nachdenken oder Diskutieren an.

08 Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Blogs verhelfen Menschen zu einem öffentlichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Nirgendwo anders kann man seinen Gedanken derart freien Lauf lassen und trotzdem anonym bleiben. Man entscheidet selbst, wieviel man von sich preisgibt. In den persönlichen Zeilen anderer Leser kann man hervorragend sich selbst wiederfinden oder auch markante Unterschiede feststellen, die einem zur Orientierung dienen.

09 Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Falsch. Ich blogge, weil ich mich mit so vielen Menschen wie möglich über Bücher austauschen möchte. Ich möchte Leidenschaft entflammen und Bücherempfehlungen in die Welt streuen. Ich möchte Büchern, Autoren und Verlage zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen und mit ihnen die Liebe zur Literatur feiern. Da sind genügend Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich mich über Bücher austauschen kann. Ich lebe die Devise: Je mehr, umso besser.

10 Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Ich lese viel und querbeet. Eine besondere Leidenschaft hege ich aber für Gesellschaftsromane, die sich mit alltäglichen Dingen beschäftigen, die jeder in seinem eigenen Leben wiederfindet. Familienzusammenhalt, Freundschaft oder Liebe. Das sind alles Dinge, die uns am Herzen liegen. Ich liebe Romane, die sich authentisch und kitschfrei präsentieren. Die mich mitreißen und nicht langweilen. Ich bin ein großer Herzensmensch und hege daher auch beim Lesen eine Leidenschaft für Emotionales.

Meine Prinzipien beim Lesen: Lese, was du willst und nicht das, was andere wollen. Wage es, ein Buch abzubrechen und nicht zu Ende zu lesen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn dich eine Geschichte anödet oder du dich überhaupt nicht mit ihr identifizieren kannst, leg sie weg. Die stiehlt dir nur die Freude am Lesen.

11 Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Mich lesen Menschen unterschiedlichen Alters. Teilweise sind es Blogger, bei denen ich auch lese; teilweise sind es Freunde, Familienangehörige oder auch Blog-Gestrandete. Die Bloggemeinschaft ist ein großes Netzwerk, deren Vorgehensweise auf Geben und Nehmen basiert. Solange du dich dabei wohlfühlst, die Zeilen derer zu lesen, die dich lesen, zeigt es dem anderen deine Wertschätzung. Es ist quasi eine Win-Win-Situation.

12 Habe ich Vorbilder?

Vorbilder sind für mich Menschen, die sich persönliche Ziele stecken und sie mit Ehrlichkeit, Ehrgeiz und Fleiß auch zu erreichen wissen. Die sich nicht scheuen, klar ihre Meinung zu vertreten und über ihren Schattenspringen können. Mir sind Menschen sympathisch, die Stärke und Selbstvertrauen beweisen und es wagen, manchmal auch Risiken einzugehen. Starke Persönlichkeiten sind meine Vorbilder.

13 Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Meinem früheren Lese-Ich würde ich keine Ratschläge geben. Denn jeder Leser geht seinen ganz persönlichen Weg, der sicherlich von den Eltern geprägt wird. Auch ich bin meinen gegangen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jedes Buch macht dich um eine Erfahrung reicher. Selbst wenn du hinterher feststellst, dass du dir das Buch hättest sparen können!

14 “Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

Ich würde sagen, sowohl als auch. Es ist eine Win-Win-Situation. Verlage profitieren sicherlich von der Zusammenarbeit mit Bloggern genauso sehr, wie wir von ihnen. Für mich ist es ein unglaubliches Privileg, mit Rezensionsexemplare unterstützt zu werden. Als ich meine ersten Anfragen an die Verlage rausgeschickt habe, hätte ich niemals mit so viel positivem Feedback gerechnet. Es freut mich jedes Mal, wenn mich Wunschbücher erreichen. Die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Verlagen basiert auf dem Prinzip „Geben und Nehmen“. Da bin ich gern ein PR-Instrument.

15 Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich wünsche mir, dass mein persönlicher Schreibstil weiterhin reift und ich dennoch ich bleibe. Dass ich mich nie dazu gezwungen fühle, Rezensionen abliefern zu müssen, sondern es weiterhin mache, weil ich es will. Dass mir der Spaß und die Ungezwungenheit nicht abhandenkommt und mir vielleicht noch hilfreiche Tools an die Hand gegeben werden, die mir zu etwas mehr Professionalität verhelfen. Alles andere ist ein Selbstläufer.

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Es kommt wirklich selten vor, dass ich denke, „Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen“, aber am Ende des Jahres sind es schätzungsweise 30 % der Bücher, deren Geschichten zwar nett waren, mich aber nicht vom Hocker gehauen haben.

Empfehlungen

Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe: „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Viele Menschen finden es eklig, die vielen erschreckenden Details aus der Lebensmittelindustrie zu erfahren, mich haben sie fasziniert und ungemein bereichert. Auch wenn ich immer noch gern Fleisch esse, lege ich heute viel mehr Wert auf die Herkunft des Tieres und eine artgerechte Haltung.

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: „Pfaueninsel“ von Thomas Hettche. Ich fasse es nicht, dass es dieses Buch letztes Jahr auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hat und so viele Menschen Lobeshymnen auf ein so geschmackloses Buch singen. Ich konnte dieser Zwergen-Inzest-Geschichte ehrlich gesagt nicht wirklich viel abgewinnen und hab sie bereits nach 100 Seiten abgebrochen.

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe: „Lieblingsmomente“ von Adriana Popescu, weil es wie eine berauschende Fahrt mit der Gefühlsachterbahn ist und es mich so unfassbar glücklich gemacht hat. Meine Ausgabe ging allein durch sechs Hände, und hat sogar einen anderen Kontinent bereist. Jeder einzelne Leser hat es mir mit einem Lächeln zurückgegeben.

Bücher, vor denen ich oft und gern warne: „Aleph“ von Paulo Coelho. „Das geheime Leben der Bücher“ von Régis de Sá Moreira. Beide Bücher sind großer Murks.

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde:Wir sind die Könige von Colorado“ von David E. Hilton. „Schloss aus Glas“ von Jeannette Walls. „Zwiterschende Fische“ von Andreas Séché. „Im Schatten des Vogels“ von Kristin Steinsdóttir.

Ein Buch, das „viel zu oft“ überall besprochen wurde:Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler. Wobei es bei Köhlers großartigen Geschichten nicht verwundert, dass sie jeder in die Welt tragen möchte.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst: Das hat alles nichts mit mir zu tun“ von Monica Sabolo.

Bücher, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten: Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ von Lucy Clarke, „Das Schiff des Theseus“ von J.J. Abrams (I’m lovin it!)

Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag: Die Teams von Dumont, Magellan, arsEdition und Piper sind mir wirklich unfassbar sympathisch. arsEdition und Piper haben mir zwei wunderbare Bookup-Abende geschenkt, die mir sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Ich freu mich grundsätzlich aber über jede Begegnung mit Herzensmenschen.

“Auf der Buchmessein Frankfurt war ich leider noch nie. Wie gut, dass mich mein Besuch in Leipzig immer wieder darüber hinwegtröstet.“

“Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwarLiebten wir” von Nina Blazon. Denn es war eine reine Bauchentscheidung, das Buch zu kaufen, weil mich das Cover so ansprach. Hinter dem Buchdeckel habe ich eine weitaus facettenreichere Geschichte entdeckt, als ich anfangs vermutet habe.

Fragen, Wünsche oder Anregungen sind ausdrücklich erwünscht. Mein Kommentarfeld und das Gästebuch stehen euch jederzeit zur Verfügung, mir ein paar Zeilen zu hinterlassen.

Danke, dass es euch gibt! Wir lesen uns.

Der Junge mit dem pechschwarzen Haar..

„Anders“ von Andreas Steinhöfel

wpid-DSC_6616_2.jpg

„Ein goldenes Wort, ein schwarzer Engel, ein geflüstertes Geheimnis.“

Zitat, Seite 103

Felix Winter ist elf Jahre alt, als er bei einem unglücklichen Unfall von seiner Mutter mit dem Auto erfasst wird. Er fällt für 263 Tage in ein Koma, exakt die Anzahl jener Tage, die seine Mutter mit ihm schwanger war. Zufall oder schlechtes Karma?

Eines Sommertages geschieht ein Wunder und Felix erwacht aus dem Koma. Der Winterjunge, den die Leute im Krankenhaus aufgrund seiner hellen Haut, dem pechschwarzen Haar und denn kirschroten Lippen liebevoll Schneewittchen nennen, kehrt ins Leben zurück. Die Ärzte diagnostizieren retrograde Amnesie. Während Felix‘ Verstand klar wirkt, scheint seine Erinnerung an die letzten elf Jahre wie ausgelöscht. Der Junge wirkt verändert, ist selbstbewusster und souveräner. Der überfürsorglichen teilweise elitären Erziehung seiner Mutter begegnet er fortan mit Rebellion. Täglich erfindet er sich seine Welt neu und nennt sich künftig Anders.

„Ich heiße jetzt nicht mehr Felix, ich heiße Anders. Mit einem großen A. Wie Andersen, Sie wissen schon. Der mit dem Märchen von der kleinen Seejungfrau.“

Zitat, Seite 82

Doch das veränderte Verhaltensmuster des Jungen irritiert die Menschen in seinem Umfeld. Anders ordnet ihnen fortan Farben zu, durchleuchtet sie und erkennt ihren Seelenballast. Seine offenen konfrontierenden Worte verängstigt sie. Und ehe sich Anders versieht, wird er zur Zielscheibe öffentlichen Ärgernisses.

„Ich hab dich lieb“, sagt André zu seinem Sohn. „schon immer für immer.“

Zitat, Seite 96

Doch die Veränderung des Jungen scheint einen tiefergehenden Hintergrund zu haben. Anders wahrt ein schreckliches Geheimnis, dessen Offenbarung schlimme Folgen hat. Und jemandem scheint viel daran zu liegen, dass es für immer im Dunkeln bleibt.

wpid-Anders.jpg

„Fast jeder Mensch, da machte sie selber bestimmt keine Ausnahme, war in irgendwelche Zwänge eingebunden, wurde von inneren und äußeren Einflüssen bestimmt, die sich seinem Willen und seinem Zutun entzogen. Aber wer zwischen vollmundig und malzig lebte, der lebte unmöglich wirklich.“

Zitat, Seite 167

Andreas Steinhöfel entführt uns in eine Welt voller Farben. Es ist die Welt des Winterjungen Felix oder vielmehr Anders, der nach einem 263-tägigen Koma mit einer neuen Persönlichkeit das Licht der Welt erblickt, unangepasst und eigentbrötlerisch.

Steinhöfels Geschichte ist erfrischend anders. Mit einer distanzierten Betrachtungsweise gibt er uns den Blick auf ein Familiendrama frei, das tief verwurzelt ist. Er präsentiert es dem Leser auf ungewöhnlich unsentimentale Weise, nährt die Geschichte mit Emotionen und Farben und tränkt sie gelegentlich mit einem Hauch von Poesie. Eine düstere Poesie, die teilweise für mystische und unheimliche Klänge sorgt, dem Roman aber eine sehr melodisch atmosphärische Untermalung schenkt.

„Er schlug das Album auf. Erinnerungen sprangen ihn an, denen er spielend eine Farbe hätte zuordnen können, ein warmes, abgetöntes Nussbraun, das süße Stille versprach, aber er wusste, das war ein trügerisches Versprechen. Die Farbe flüsterte und lockte mit dem einzigen Ziel, sich über sein Denken und Fühlen zu legen wie Mehltau, es würde Tage dauern, eher Wochen sogar, sich davon zu befreien.“

Zitat, Seite 144

Der Roman, der im Kinder- und Jugendbuchgenre angesiedelt ist, bedient sich einem sehr dramatischem, teilweise metaphergetränkten Schreibstil, dessen Inhalt sich sicherlich nicht jedem Leser erschließt, schon gar nicht Kinder oder Jugendlichen. Steinhöfel wandert teilweise auf einem sprachlich sehr hohem Niveau, das die Lektüre sicherlich auch für den ein oder anderen Erwachsenen zu einer sehr anspruchsvollen Lektüre macht.

„Ich hatte ganz vergessen, wie hell ihr seid. Das Licht im Dunkel der Welt. […] ihr strebt der Zukunft als Flammen entgegen: voller Hoffnung, mit dem Glauben an Veränderung.“

Zitat, Seite 150

Die Aufmachung und Illustrationen des Buches sind minimalistisch, spiegeln aber bei näherer Betrachtungsweise den Inhalt des Romans perfekt wieder. Trotz farbgetränkter Geschichte scheint mir die Konzentration der Illustrationen auf die Farben goldgelb, schwarz und weiß als die ideal.

Ohne den Inhalt und Verlauf der Geschichte vorweg zu nehmen, möchte ich auf Steinhöfels wunderschöne Verwebung der einzelnen Protagonisten hinweisen. Auch wenn Felix und seine Eltern den zentralen Kern der Geschichte darstellen, schienen mir sämtliche Nebendarsteller wichtiger Bestandteil des großen Ganzen zu sein. Das Gerüst der Story präsentierte sich mir wie ein riesiges Spinnennetz, in dem die Ereignisse, Personen und Orte kunstvoll miteinander verwoben sind.

„Nur hier findet der Junge wirklich Ruhe, nur hier schweigt sein Kopf, der sonst schier zu zerbersten droht unter den unaufhörlichen und gleichzeitigen Eindrücken kaskadischer Worte und disharmonischer Musik, und nur hier schweigt sein Körper, in dem jede Farbe, sobald sie seine Augen trifft, einen Geruch erzeugt, jedes Lichtpartikel einen Geschmack, und der von innen verbrennt, weil er Luft als Feuer einatmet, und der sofort wieder abkühlt, weil er sie als Schnee wieder entlässt.“

Zitat Seite 105

Durch kursiv gedruckte Gedankengänge einzelner Protagonisten schenkt Steinhöfel der Geschichte eine persönliche Note. Er gibt den Lesern dadurch den Blick auf das Innerste der Figuren frei und ermöglicht es, seine anspruchsvolle Kost besser zu erfassen.

Für die Möglichkeit, Anders ein Stück seines Weges zu begleiten, bedanke ich mich recht <3 – lich beim Königskinder Verlag (Carlsen Verlag), der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Es wird sicherlich nicht das einzige Buch von Andreas Steinhöfel bleiben.