Kinderfreuden #37: Make a wish

„Vielleicht“ – Kobi Yamada, Gabriella Barouch

Unser Leben ist von so vielen äußeren Einflüssen geprägt: von den Wunschvorstellungen anderer, von gesellschaftlichen Vorgaben, von vermeintlichen Idealen und geschlechtsspezifischen Merkmalen. Unser Leben gehört aber uns. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wohin ihn die Reise seines Lebens führt.

Dieses Bilderbuch zeigt schon den Kleinsten, was das Leben so alles für sie bereithält. Und dass nahezu alles möglich ist, solange sie auf ihr Herz hören, an sich selbst glauben und nicht müde werden, das Leben jeden Tag aufs Neue zu erobern.

Denn vielleicht, ja vielleicht werden sie ja ihre kühnsten Träume übertreffen…

Eckdaten

Hardcover, ab 4 Jahren

44 Seiten
19 x 25 cm
ISBN: 978-3-947-18885-7

Illustration: Gabriella Barouch
Text: Kobi Yamada

Adrian Verlag
12,95 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Es gibt Bücher, an die man auf Anhieb sein Herz verliert. Und genauso war es bei mir hier. Schon lange bevor wir selbst in „Vielleicht“ abtauchen konnten, war ich von der Magie fasziniert, die bereits von seinem Cover ausgeht. Und taucht man erst in die Seiten des Bilderbuches ab, beginnen die Augen zu strahlen. Denn auf was man sich hier begeben darf, ist eine Reise ganz besonderer Art: Einer Reise zu sich selbst.

Hast du dich schon einmal gefragt, ob dein Leben so verlaufen ist, wie du es dir als Kind erträumt hast? Ob deine Wünsche mit der Realität übereinstimmen? Ja? Du Glückspilz! Und wenn nicht, warum? Hast du dich selbst für dieses Ich entschieden, dass du heute bist oder wurde es möglicherweise von äußeren Einflüssen geprägt: den Eltern, die dir eine bestimmte Richtung vorgegeben haben; der Gesellschaft, die dir vorgeschrieben hat, wie du zu sein hast oder den Idealen, an die du dich orientiert hast, um nicht negativ aufzufallen? In einer Gesellschaft wie der heutigen wird unser Leben von so vielen Faktoren beeinflusst. Wir müssen immer höher, schneller und weiter. Und verlieren dabei oft uns selbst aus den Augen. Vergessen, was uns wirklich wichtig ist: Was wir sein wollen. Wie wir sein wollen. Wo wir sein wollen.

Der Ursprung unseres Charakters liegt in der Kindheit. Hier wird das Fundament für unsere spätere Persönlichkeit gelegt. Hier lernen wir von anderen. Hier probieren wir uns aus. Hier entdecken wir unsere Vorlieben und wachsen zu dem heran, was wir später sind. Wenn wir es dürfen.

Manchmal ertappe ich mich dabei, andere Eltern dabei zu beobachten, wie sie ihre Kinder steuern. Wie sie ihnen vorschreiben, wie sie zu sein haben, was sie toll und was sie schlecht finden dürfen: die Lieblingsfarbe, das Hobby, den Berufswunsch. Viele Eltern formen Ihre Kinder dabei Stück für Stück zu einem Abbild ihrer Selbst und geben ihnen keine Möglichkeit, sich selbst zu finden.

Und manchmal stelle ich auch an mir selbst fest, wie ich meine Tochter unbewusst lenke. Wie ich ihr vorschreibe, wie sie auf bestimmte Situationen zu reagieren hat. Ob es nun an der Zeit sei, wütend oder traurig zu sein; dass Weinen jetzt nicht helfe, bummeln unangebracht oder mit dem Fingern essen verboten ist. Sicher, Kinder brauchen Grenzen, damit sie nicht über das Ziel hinausschießen und sich in der Orientierungslosigkeit verlieren. Was sie aber auch brauchen, ist uneingeschränkte Freiheit. Raum, um sich zu entfalten. Die Welt zu entdecken. Um sich auszuprobieren. Zu lernen, dass einem nicht alles auf Anhieb gelingt. Und dass man auch mal fallen muss. Dass uns selbst das Scheitern ein Gutes Stück weiterbringen kann. Die Erfahrungen uns lehren, es beim nächsten Mal anders zu machen. An ihnen zu wachsen.

Was Kobi Yamada und Gabriella Barouch mit diesem Bilderbuch gelungen ist, ist ein wertvoller Wegbegleiter. Durch das harmonische Zusammenspiel von Barouchs zauberhaften Illustrationen und Yamadas wertschätzenden Zeilen wird den Kindern auf wunderbarste Weise die Botschaft an die Hand gegeben, dass nahezu alles möglich ist, solange man auf sein Herz hört. „Vielleicht“ schenkt ihnen Mut, Kraft und Hoffnung. Es zeigt ihnen, Augen für das Wunderbare zu haben und auch den kleinsten und unscheinbarsten Dingen im Leben seine Aufmerksamkeit zu schenken. Und dass hinter jeder Ecke ein Abenteuer auf sie wartet, das es zu erobern gilt. Anstatt ihnen eine Richtung vorzugeben, zeigt es ihnen, wie viele Weggabelungen da draußen auf sie warten. Und dass es allein ihre Entscheidung ist, welche davon sie nehmen.

Ich wünsche mir von Herzen dass zahlreiche Eltern dieses Buch kaufen, dass sie es ihren Kindern an die Hand geben und dass es sie auf ihrem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit begleiten darf. Möge der Zauber, der diesem wundervollen Bilderbuch innewohnt, auf so viele Menschen wie möglich übergehen.

„Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist […] ist alles möglich.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Gefällt dir das Buch?

Oh ja!

Was hat dir besonders gefallen?

Als das Mädchen in das Buch gestiegen ist

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als das Mädchen in einer Nussschale den Ozean des Lebens erobert

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

Worauf macht das Buch Lust?

das Leben zu erobern

Schlüpft in die Rolle von:

einer Entdeckerin

 

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Adrian Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Rosarotes Elefäntchen

„Elefant“ – Martin Suter

Autor: Martin Suter | Seiten: 352 | Hardcover Leinen 24.00 € | ISBN: 978-3-257-06970-9 | Erscheinungstermin: 18.01.2017 | Diogenes Verlag

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Eigentlich verhält sich alles so wie immer. Zumindest denkt der Obdachlose Schoch das, als er aus seinem Drehrausch (so nennt er die Räusche, bei denen sich im Anschluss alles drehte) erwacht und einen rosaroten Minielefanten in seiner Höhle am Flussufer erblickt. Er schreibt die elefantöse Halluzination zunächst dem Alkohol zu, der am Vorabend wieder reichlich floss.

 Doch der kleine Elefant wirkt ziemlich echt und erfüllt Schochs Höhle in der Dunkelheit nicht nur mit einem magisch rosaroten Leuchten sondern hinterlässt auch reichlich Elefantendung im „Flussbett“, das er vom verstorbenen Vorbesitzer Sumi übernommen hat. Schoch fühlt sich verantwortlich für das kleine Wesen und schließlich lebt sich’s in Gesellschaft doch so viel besser. Er kann sich nicht sattsehen, an dem spielzeugartigen Geschöpf, das sich verhält wie ein waschechter Elefant aus dem Zoo.

„Es war ein winziger Elefant, höchstens vierzig Zentimeter lang und dreißig hoch. Er besaß die Proportionen eines Jungtieres und die Haut eines … eines Marzipanschweinchens! Nur ein wenig runzelig. Und mit rosa Härchen auf dem Rücken.“

Zitat, Seite 102

Doch kein Mensch erschafft ein rosa leuchtendes Geschöpf ohne gewisse Absichten und so ahnt Schoch bereits, dass jemand nach der Miniaturausgabe des Elefanten suchen wird. In der „Gassenklinik“, einer Tierarztpraxis für obdachlose Tierbesitzer, sucht er sich Hilfe bei Veterinärin Valerie. Sie hegen und pflegen den kleinen rosa Elefanten heimlich und taufen ihn auf den Namen Sabu.

Indess hat Dr. Roux, Genforscher und rechtmäßiger Besitzer von Sabu, längst die Fährte nach seinem rosaroten Versuchsobjekt aufgenommen, das ihm zum großen Durchbruch in der Gentechnik verhelfen soll. Denn dass der Oozie Kaung, besser bekannt als Elefantenflüsterer des Zirkus Pellegrini, Dr. Roux die Geburt von Barisha (alias Sabu) unterschlagen hat, findet der erst sehr viel später raus. Denn Kaung sieht in Barisha ein heiliges Wesen und wittert bereits vor der Geburt ihre Besonderheit. Er schützt den Elefanten fortan mit seinem Leben.

„Barisha war bezaubert. Sie besaß den Charme, die Neugier, die Tapsigkeit und die Anhänglichkeit aller Elefantenbabys. Nur dass sie viel, viel kleiner war. Und rosa. Und im Dunkeln leuchtete wie ein außerirdisches Wesen.“

Zitat, Seite 175

Doch Sabu Barisha leidet an mikrozephalem osteodysplastischem primordialem Zwergwuchs, das bei Menschen zumeist mit Hirnblutungen und Gefäßverengungen verbunden ist, sprich, mit einer nicht allzu langen Lebensdauer. Und so beginnt für den Elefanten ein Wettlauf gegen die Zeit.

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„Sieben Tage oder ein paar Millionen Jahre – Zeit ist relativ. Alles eine Frage der Perspektive. Wie lange kommt der Eintagsfliege ihr Leben vor?“

Zitat, Seite 275

Ich bin kein Suter-Experte. Dennoch habe ich bereits vor dem Lesen vermutet, dass der neue Roman des bekannten Schweizers Autors („Ein perfekter Freund“, „Lila, lila“, „Montecristo“), der mich bereits mit seinem Roman „Der Koch“ gut unterhielt, sich wieder gewohnt subtiler Natur präsentieren wird. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Suter mixt einen hochprozentigen Cocktail aus Sci Fi, Thriller und Märchen, würzt ihn mit gesellschaftskritischen, ethischen und existenziellen Fragen und serviert ihn im rosa fluoreszierenden Look.

Die Geschichte präsentiert sich dabei in gewohnter Manier: facettenreich. Suter stochert wieder in allerhand Dingen herum, streut Salz in offene Wunden und trifft ihn dabei genau: den Nerv der Zeit. Seine vorangegangenen Recherchen auf der Straße, in der Gentechnik und Zoologie münden in einer authentischen Geschichte mit einer Prise Magie. Und so findet sich der Leser nicht nur an einem Handlungsort, sondern an zahlreichen wieder. Die Reise, die in Schochs Unterschlupf am Flussufer beginnt, geht über die Hotspots der Randständigen, das Zirkusgelände des Zirkus Pellegrini, dem Genlabor von Dr. Roux, den tierärztlichen Sippvisiten zweier Veterinäre bis hin zu einer Prachtvilla aus vergangenen Zeiten.

Suters Recherchen scheinen sich dabei ausbezahlt zu haben. Sowohl die Momentaufnahmen aus Schochs Leben als auch aus dem Zirkus Pellegrini wirken nachvollziehbar. Der elefantöse Held der Geschichte, Sabu Barisha, trampelt dabei ganz naturgetreu zwischen den Seiten herum und bäumt sich an der ein oder anderen Stelle auf, um zu beweisen, dass er nicht ausschließlich ein kleines süßes Minielefäntchen, sondern ein Lebewesen ist, dem man Respekt zu zollen hat.

Suter setzt sich außerdem sehr stark mit der Gentechnik auseinander. Er wirft sowohl ethische als auch gesellschaftskritische Fragen in die Runde und setzt ganz klar Grenzen im Hinblick auf die Veränderung der DNA, die ein manipulierender Eingriff in das Leben und die Menschlichkeit darstellt. Leider wird sie nicht nur aus rein präventiven Aspekten im Umgang mit Krankheiten, sondern auch aus materiellen Aspekten vorgenommen. Es entsetzt mich dabei immer wieder, was Sensationsgier aus Menschen macht. Suter scheint uns damit die Ehrfurcht vor der Natur lehren zu wollen.

Durch unterschiedliche Zeitabschnitte, die mithilfe von Datumsangaben der jeweiligen Zeit zuzuordnen sind, verleiht Suter seiner Geschichte eine gleichbleibende Spannung und schafft ein temporeiches Unterfangen. Leider schenkt mir Suter im Mittelteil des Romans dem Obdachlosen Schoch ein klein bisschen zu wenig Aufmerksamkeit und konzentriert sich zu stark auf den Rest, gegen Ende des Romans gelangt er diese aber wieder zurück.

Suter ist ein spannender Roman gelungen, der durch Facettenreichtum, Authentizität und Magie punktet. Ein wahrlich elefantöses Lesevergnügen! Törööö!

„Jemand wollte ein Luxusspielzeug designen, und es ist ein empfindsames Wesen dabei herausgekommen.“

Zitat, Seite 271

<3 <3 <3 <3

Lesetipp:

Martin Suter stand im Interview mit migrosmagazin.ch: Ein interessantes Gespräch über Identität, freundliche Randständige und seine strengste Kritikerin.

Day 11 : Book 11 – Acht magische Münzen

Ihr Lieben,

der letzte Sonntag vor dem Bloggeburtstag ist da!

 Wir sind bei Tag #11 von 16 Tage : 16 Bücher – Eine Blogparty.

Heute habe ich etwas für junge Spürnasen:

“Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt” von Lissa Evans

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 Worum geht´s?

„Ich muss weg, und es kann sein, dass ich nicht mehr zurückkehre.

Wenn ich nicht wiederkomme, gehört meine Werkstatt und alles, was sich darin befindet, dir – wenn du sie finden kannst.

Und wenn du sie findest, dann bist du auch der Richtige dafür.“

Stuart findet in der Schatulle seines Vaters eine Nachricht seines Onkels Kenny, die auf eine magische Werkstatt hinweist. Neben dem Zettel findet er acht alte Three-Penny-Münzen in der Dose. Stuart will unbedingt wissen, was es mit ihnen auf sich hat.

Lust auf mehr? Meine Besprechung liegt nur einen Klick entfernt…

<3

Euer Glückslos zum Buch

Besitzt ihr auch Gegenstände, die für euch magisch sind?

PS: Alle Beiträge, die heute bis 23:59 Uhr eingehen, werden bei der Ermittlung des Tagesgewinners berücksichtigt. Der Gewinner erfährt sein Glück als Antwort auf seinen Beitrag & per Email.

Winter vs. Sommer…

lesenslust über „Winterwelt“ von Nicole Bulgrin

~°..“Wenn jene sich von einem fern halten, den sie lieben und spitze Ohren anderen Angst machen, wenn man daheim eine Fremde und die eigene Heimat einem nicht vertraut ist, wenn Schmetterlinge flüstern und Schneeengel zum Tanz auffordern, dann verschwimmen die Grenzen zwischen dieser und jener Welt und Du bist mittendrin.“(Zitat, Klappentext)..°~

Arrow genießt eine wohlbehütete Kindheit in Elm Tree, einem kleinen verschneiten Dorf mitten im Nirgendwo. Bei ihren Freunden Linda, Lizzy, Robert und Adam ist sie für ihre eigene und magische Art bekannt. Schnell haben sie gemerkt, dass auf Arrow und ihrer Familie ein gewisser Zauber liegt, den sie jedoch auf Arrows Wunsch hin, zu keiner Zeit hinterfragen. Ihr geliebter Vater Melchior und ihr Halbbruder Dewayne sind das ganze Jahr über auf Reisen. Wo ihre Reisen sie hinführen, weiß sie nicht. Alles was für sie zählt, ist, dass sie an Weihnachten, dem Fest der Liebe, wieder alle glücklich beieinander sind.

Anne, die gute Seele des Hauses sorgt sich liebevoll um Arrow. Neben ihren Freunden ist sie Arrows Bezugsperson, quasi ein Teil der Familie. Die monatelange Abwesendheit ihres Vaters und Halbbruders machen Arrow schwer zu schaffen. Irgendwie fühlt sie sich alleine gelassen. Sie nutzt daher jede erdenkliche Minute, die sie im Freien sein kann und Anne duldet es. Gemeinsam mit ihren Freunden tobt Arrow dort ausgelassen durch den Schnee, fängt Schneeflocken ein, tanzt durch die glitzernd weiße Schneelandschaft und kann einfach sie selbst sein – so herrlich normal sein.
Bei ihren Erkundungstouren treffen sie auch auf den nicht weit von Elm Tree entfernten Wald, dem geheimen Wald. Er soll magische und düstere Wesen beherbergen und der Zutritt ist ihnen deshalb strengstens verboten. Es heißt, er sei gefährlich. Doch gefährliche Dinge locken.

Nachts stiehlt sich Arrow in die geheime Bibliothek mit den verbotenen Büchern ihres Vaters. Auch sie sind ihr verboten – doch der Verstoß, sie trotzdem zu lesen, scheint ihr weniger schlimm als den geheimen Wald zu betreten. Doch auch durch das Lesen bleiben viele Fragen offen – zu viele?!

Eines Winters bittet ihr Vater Melchior sie, ihn in den geheimen Wald zu begleiten. Arrow ist verwundert und neugierig zugleich. Als sie ihr Haus hinter sich lassen, stürzt es zusammen. Ein letzter Blick zurück lässt Arrow eine Ruine erblicken. Es scheint, als wären sie nie dort gewesen. Ist es real oder träumt sie nur? Als sie realisiert, dass es tatsächlich passiert ist sie geschockt. Was war hier los? Doch für Fragen ist keine Zeit. „Später..“, sagt der Vater, „..später wirst du alles verstehen…“

~°..“Zwischen den dicken Schwaden wurden Umrisse von Bäumen erkennbar und die Luft war gefüllt mit dem süßen Duft von Sommer. Jeder Atemzug schmeckte nach Äpfeln, Orangen und Raps, gemischt mit einer Prise von Moos und Pilzen. (Zitat, Seite 72)..°~

Nicole Bulgrins Geschichte hat mich vom ersten Augenblick an in seinen Bann gezogen. „Winterwelt“ hat mich zugegeben unerwartet vom Hocker gerissen, mich stets aufs Neueste überrascht, mich entzückt, mich geschockt, mich unterhalten.
In manchen Momenten hat Bulgrin mich verzaubert. Sie hat mir kalte Schneeflocken ins Gesicht gewirbelt und mir warme sommerliche Düfte um die Nase wehen lassen. Sie ließ magische Wesen an mir vorbeitänzeln und offenbarte mir Blicke auf satte und blühende Wiesen, auf glitzernd weiße Scheneelandschaften oder verschnörkelte Schlösser. Wie ein wahr gewordenes Märchen und doch nicht real?! Plötzlich war alles Schein. Düstere Wesen kamen, kratzten an der Tür, setzten sich mit ihren schaurigen Klängen in meinen Gliedern fest, verbreiteten Angst und Schrecken, machten Alpträume wahr. Eine Hölle auf Erden. Real oder Schein? Plötzlich verschwamm alles. Ich war selbst dort, musste mich orientieren, wandelte mit Arrow verwirrt umher. Wir wurden Weggefährten.

Bulgrin hat mich ihrem Einfallsreichtum geplättet. Sie offenbarte mir eine derartige Fülle an mystischen und zauberhaften Wesen, welche mir gänzlich unbekannt waren, dass mir anfangs der Kopf brummte. Sie orientierte sich an Sagen und Mythen, an Märchen wie Schauergeschichten und entwickelte daraus ihren ganz eigenen Stil. Ihre eigene fantastische Geschichte. Winterwelt.

Arrow, die mir anfangs als junges naives Mädchen begegnete verabschiedete sich am Ende der Geschichte als junge Frau. Bulgrin ließ mich ihre Entwicklung miterleben. Sie wachsen, verzweifeln, weinen, lachen, lieben. All die liebevollen und schaurigen Begegnungen während ihrer Reise haben mich begeistert. Kapitel für Kapitel häuften sich Fragen, Kapitel für Kapitel kamen Antworten. Doch die Entwicklungen und Offenbarungen waren geschickt eingefädelt, ließen mich oft im Ungewissen, machten mich neugierig, ließen die Spannung steigen und Hoffnungen zum Leben erwecken. Die Spannung riss nie ab, zog sich gleichmäßig durchs Buch bis zum Ende.

Ausgenommen das Ende fand ich zu endgültig, zu abgeschlossen, zu wenig Cliffhanger für ein Auftakt einer Trilogie. Irgendwie hätte ich mir mehr offengebliebene Fragen gewünscht, denen sich erst im nächsten Band angenommen wird. Doch vielleicht ist das auch nur Geschmackssache und der Abschluss steht für den Abschluss einer Episode – ein Lebensabschnitt von Arrow. Also durchaus passend und genau richtig! Bulgrins Einfallsreichtum bekommt von mir 4 von 5 zauberhaften Elfenwesen.

Aphrodisierend…

lesenslust über „Magisch kochen“ von Manuel Horeth

~*Der Inhalt*~

Manuel Horeth präsentiert Gerichte, die verzaubern und die darüber hinaus eine Wirkung auf Geist und Seele haben. Die Besonderheit liegt dabei darin, dass die Zutaten und deren Wirkung und Kraft auf uraltem Wissen basiert. Bereits in der Antike und im Mittelalter wussten Kräuterfrauen und Hexen um die Kraft und Wirkung bestimmter Zutaten und Kräuter.

Manuel Horeth nutzt dieses Wissen und kreiert gemeinsam mit Maître Yves Weisang eine moderne, magische Küche.

~*Meine Meinung*~

Hätte ich lediglich das Cover des Buches gesehen, hätte ich mich, zugegeben, gegen das Buch entschieden. Wird es nämlich von einem viel zu übertrieben & wahrlich zu seinem Nachteil geschminkten Koch Martin Horeth geziert, der neben dem Maître Yves Weisang eine scheinbar schwebende Platte mit Essen präsentiert. Ganz nach dem Titel „Magisch Kochen“. Zu meinem Erstaunen stellt sich die Kurzbeschreibung des Inhaltes allerdings um einiges interessanter dar. Das Kochbuch soll Speisen beinhalten, die angeblich eine Wirkung auf Körper und Seele haben – wenn das nicht vielversprechend klingt!

Bevor Horeth uns seine magischen Rezepte verrät, entschied er sich für ein Vorwort, in dem man den Hintergrund des ganzen „magischen“ Projektes erfährt und sein Denken und Handeln etwas besser nachvollziehen kann. Er entschied sich zudem, das Buch in 4 verschiedene Kategorien zu unterteilen: „Lebensenergie“, „Liebeslust“, „Glück“ und „Aus aller Welt“.

Vor jeder Kategorie findet man eine kleine nette Geschichte, die den Hintergrund der gewählten Kategorie erzählt und somit das Buch etwas von der Standard-Aufmachung von Kochbüchern abweichen lässt. Auch das Einfügen eines Zitats bzw. einer Lebensweisheit im Vorfeld der Rezepte sorgt für eine liebevolle Note.
Bevor man zu den Rezepte der einzelnen Kategorien kommt, findet man zudem noch eine ausführliche Beschreibung aller verwendeten Zutaten. Darunter ihre Wirkung, die Herkunft und was man noch so über sie wissen sollte. Das Buch dient somit ebenfalls als praktisches Nachschlagewerk.
Einen persönlichen Charme verleiht der Autor seinem Buch mit privaten Fotos, auf dem er selbst zu sehen ist, jeweils passend zu jeder Kategorie. Besonders schön finde ich die Kollektion von Reiseerinnerungen zu der Spalte „Aus aller Welt“. So wird man bereits beim Ansehen von der Reiselust gepackt. Die Rezepte sind klar strukturiert. Neben den Zutaten, die Horeth als Energiezutaten bezeichnet, findet man eine klar verständliche Kochanleitung und ein geschmackvolles Bild des fertig zubereiteten Gerichtes. Die Rezepte sind eine Zusammenstellung von Vorspeisen, Hauptgängen und Desserts als auch der Zubereitung reiner Sättigunsbeilagen und Snacks.

Horeths Gerichte sind definitv keine Standardgerichte. Selten habe ich eine so exotische und verrückte Zusammenstellung von Zutaten entdeckt. Unter den Rezepten befinden sich Gerichte, die mich weder vom Namen, der Zutaten noch der gewöhnungsbedürftigen Bilder her zum Nachkochen anspornen. Was ich wiederum ganz lecker fand, war die „Voodoo Liebessuppe“, die auch „Erdnuss und Sellerie One-Night-Stand“ genannt wird und somit schon einiges über ihren Geschmack verrät. Die erdnussig-sahnige Suppe hatte einen angenehm pikanten Ingwer-Nachgeschmack, der mich definitv zum Schwitzen brachte und von Horeth zu den Gerichten der Kategorie Liebeslust zugeteilt wurde.

Ausprobieren werde ich sicherlich noch die „Asiatische Glückssuppe“ mit Wasabi-Soja-Schaum, die „teuflische Maccheroni“ und den „Kakao-Chili-Schmarrn“. Alle anderen Gerichte, sorry Martin Horeth, sind definitv nicht nach meinem Geschmack! Ich bin grundsätzlich nicht so der Typ Mensch, der sich getreu dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ ernährt und Neuem gegenüber immer ziemlich aufgeschlossen ist, aber manche Gerichte sind mir einfach zu suspekt, als dass ich sie testen muss.

Interessante Zusammenstellung – überwiegend jedoch nicht nach meinem Geschmack!