Dieses Buch, ein Leben

„Der Leuchtturmwärter und ich“ – Benjamin Morpurgo, Benji Davies

Magellan Verlag, erschienen am 13. Juli 2021, Preis 13,00 € [D], Hardcover, ab 8 Jahren, 120 Seiten, ISBN: 978-3-7348-4109-5, hier geht’s zum Buch

Benjamin Postlethwaite ist ein Eigenbrötler. Er lebt seit vielen Jahren zurückgezogen in einem Leuchtturm auf Puffin Island und weist mit dem Nebelhorn und Leuchtfeuer seines Leuchtturms zahlreichen Schiffen den Weg. Ohne ihn wäre schon so manches Schiff auf den Felsen vor den Scilly-Inseln zerschellt und so mancher Passagier ertrunken. Doch auch das hellste Licht vermag nicht jedes Schiff zu retten und so wird der Viermaster Pelikan eines Nachts von der tosenden See auf die Felsen geworfen.

Benjamin sieht die Gefahr und rettet in fünf Zügen allen dreißig Männern, Frauen und Kindern das Leben bevor der Schoner vom Meer verschluckt wird. Auch Allen Williams und seine Mutter befinden sich unter den Geretteten. Allen, damals noch ein Kind, ist dem Leuchtturmwärter dafür nicht nur auf ewig dankbar, sondern bleibt ihm auch noch ein Leben lang verbunden. Trotz seines ernsten und unnahbaren Wesens ist Allen es, für den Benjamin am Abend der Rettung ein Lächeln übrig hat. Der Leuchtturmwärter schenkt ihm zum Abschied eines seiner Schiffsgemälde.

Als Teenager fasst Allen einen Entschluss: nach dem erfolgreichem Abschluss der Schule will er sich auf ein Abenteuer begeben und dabei auch Halt in Puffin Island machen. Denn auch wenn seine Briefe an Benjamin unbeantwortet bleiben, kann er ihn nie vergessen. 

Ein atmosphärisches Unterfangen

Wenn das Cover und die Kurzbeschreibung eines Kinderbuchs so verführerisch daherkommen wie bei „Der Leuchtturmwärter und ich“, dann kann ich kaum widerstehen, mich einer Geschichte selbst anzunehmen, selbst wenn sie in erster Linie für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde. Dass ich in das vorliegende Kinderbuch aber unbedingt selbst eintauchen musste, hatte noch einen ganz anderen Grund, nämlich, weil es von Benji Davies illustriert wurde.

Der britische Autor, Illustrator und Filmregisseur Benji Davies, der in diesem Fall „nur“ als Illustrator tätig wurde, ist seit den Walgeschichten (u.a. „Nick und der Wal“) ein fester Bestandteil unseres Kinderbuchregals. Wir haben die meisten seiner Bilderbücher im Regal stehen und können uns an seinen bunten und berauschenden Bildern (u.a. in „Opas Insel“) kaum sattsehen. Seine Illustrationen fallen in der Regel so detailreich und lebendig aus, dass gar kein Text von Nöten ist, um die darin abgebildete Geschichte zu erfassen.

Auf seine Illustrationen in Michael Morpurgos Geschichte war ich deshalb sehr neugierig. Denn während die Illustrationen in Bilderbüchern eine dominierende Rolle spielen, weil der Fokus der kleinen Leser*innen eben noch auf den Bildern liegt, nehmen sie in Kinderbüchern i.d.R. nur noch einen begleitenden Part ein. Dass das dem Wert der Illustrationen keinen Abbruch tun muss, zeigt „Der Leuchtturmwärter und ich“. Denn hier begegnen mir Davies‘ Bilder wie eh und je, sie sind bunt und lebendig, fügen sich sehr harmonisch ins Schriftbild ein und und füllen oft sogar eine ganze Doppelseite aus. Da kann es einem schon mal passieren, dass man sich mitten auf tosender See wiederfindet.

Eine lebenslange Verbundenheit

Ich muss gestehen, Michael Morpurgo, der wohl zu den bekanntesten britischen Kinder- und Jugendbuchautoren zählt, war mir lange kein Begriff. Doch mit „Mein Weihnachtswunsch für dich“ hatte der Autor mich für sich gewonnen und so war es nicht groß verwunderlich, dass er mich mit seiner ruhigen aber nicht minder lebendigen Sprache, die von Henning Ahrens ins Deutsche übertragen wurde, in dieser Geschichte erneut zu begeistern verstand.

„Wir waren schon völlig verzweifelt, als wir in der Dunkelheit ein Boot auf uns zukommen sahen – ein winziges Ruderboot mit einem Mann darin, das auf den riesigen Wellen ritt.“

Zitat, Seite 13

Es ist jene stürmische, von heftigem Gewitter durchzogene Nacht, in der man sich als Leser*in gleich zu Beginn wiederfindet. Was Morpurgo hier zu spinnen beginnt, ist nicht nur ein weitreichendes Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Protagonisten Allen und Benjamin (kurz Ben), das weit über die tosende See hinausreicht, sondern auch eine ganz beeindruckende Lebensgeschichte eines jungen Mannes, die nicht immer von Leichtigkeit und Glück gezeichnet ist und dennoch zu einem guten Ende findet.

Allen muss schon in jungen Jahren sehr prägende Erfahrungen sammeln. Sein Vater stirbt kurz nach seiner Geburt, er wächst bei seiner Mutter auf, die aus Ermangelung finanzieller Mittel mit ihm zu den kalten Großeltern väterlicherseits zieht, wo er mit unzähligen Regeln seines Großvaters und der Härte seines Kindermädchens konfrontiert wird. Als sie kündigt, wird er aus Strafe vom Großvater auf ein Internat gesteckt. Die Mutter, gesundheitlich und emotional sehr geschwächt, schafft es nicht, sein Schicksal abzuwenden. Im Schulleiter des Internats stößt er erneut auf Ablehnung und muss nicht selten Geländeläufe bei Wind und Wetter absolvieren. Doch was in erster Linie der Bestrafung dient, bringt Allens Talent fürs Laufen zum Vorschein. Er entdeckt dabei seine Liebe zur Natur.  

„Ich genoss das Laufen. Ich genoss es, allein zu sein. Ich liebte den Wind und den Regen, den Matsch und die Vögel, die ich am Fluss sah: Reiher, Eisvögel und Kormorane. Ich wurde ein so guter Gelände-Läufer, dass man mich ins Schul-Team aufnahm. Ich gewann Wettläufe und bekam Medaillen, was allen zu gefallen schien, nicht zuletzt Herrn Mortimer. Wenn er nun mit den Augenbrauen wackelte, dann bewundernd und anerkennend.“

Zitat, Seite 36/37

Seine Kopien von Bens Gemälde, dass er sicher in einer Kiste verwahrt und dennoch detailgetreu im Kopf hat, finden Anklang beim Kunstlehrer. Sein Leben wird immer besser. Als Allens Mutter am Internat eine Anstellung als Französischlehrerin und in der Nähe der Schule eine Wohnung findet, darf Allen wieder zu seiner Mutter ziehen, wo er eines Tages auf einen Zeitungsartikel über den Leuchtturmwärter stößt. Er schreibt ihm erneut. Doch auch dieser Brief bleibt unbeantwortet. Allen lässt es nicht los, er will wissen, was aus dem alten Leuchtturmwärter geworden ist und so macht er sich auf den Weg nach Puffin Island. Zu seiner Überraschung wird nicht nur er, sondern auch ein verletzter Papageientaucher in Bens Leuchtturm gespült.

„Der kleine Vogel wurde zum Mittelpunkt unserer Welt, egal, wie sehr die Stürme tobten, egal, wie stark der Leuchtturm schwankte. Wenn wir ihn betrachteten, mussten wir lächeln. Nichts war uns wichtiger, als ihn fliegen zu sehen.“

Zitat, Seite 64

Hier sind wir ungefähr bei der Mitte des Buches angelangt, an der sich aus Allen und Ben ein wunderbar harmonisches Gespann aus Jung und Alt zusammenfügt, das sich fortan nicht nur rührend um den verletzten Papageientaucher kümmert, sondern auch die Liebe zum Malen, zu Büchern und zur Natur teilt. Das Leben entzweit die beiden Männer jedoch ein weiteres Mal, als Allen in den Krieg ziehen muss. Ungern möchte ich den weiteren Verlauf der Geschichte vorneweg nehmen, es jedoch nicht unerwähnt lassen, dass Allen erneut das Leben in all seiner Härte zu spüren bekommt.

Michael Morpurgo erzählt nicht nur eine berührende Geschichte über eine lebensverändernde Freundschaft, sondern auch über einen jungen Mann, der allen Hindernissen zum Trotz, seinen Platz im Leben findet. Es ist eine jener Geschichten, die Kindern das Leben mit all seinen Facetten aufzeigt, die ihnen Mut macht und sie darin bekräftigt, ihre Stärken und Talente zu entdecken und ihrem Herz zu folgen. 

Und so sei dieses wunderbar atmosphärische und lehrreiche Kinderbuch allen kleinen und großen Leser*innen uneingeschränkt ans Herz gelegt. Dieses Buch, ein Leben.

Kinderfreuden #46: Eine Reise durch die Galaxie

„Ein kleiner blauer Punkt“ – Maren Hasenjäger

Irgendwo im riesengroßen Universum schwebt ein kleiner blauer Punkt. Ihr kennt ihn. Es ist der Planet, auf dem wir alle leben: die Erde. Und obwohl die Erde in so vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist, fühlt sie sich ziemlich alltäglich wenn sie auf die anderen sieben Planeten blickt, die mit ihr um die Sonne kreisen. Dann wünscht sie sich nichts sehnlicher, als so zu sein wie sie.

Sie wäre so gern wie Merkur, der der Sonne am Nächsten steht; wie Venus, die so hell ist, dass die Menschen sie mit bloßem Auge am Nachthimmel entdecken können; wie Mars, auf den ständig Sonden geschickt werden; wie Jupiter, der tausend Mal so groß ist wie sie; wie Saturn, der einen Hula-Hoop-Reifen um den Bauch trägt; wie Uranus, der wohl der lustigste Planet von allen ist und sich ständig um sich selbst dreht oder wie Neptun, der ziemlich cool und geheimnisvoll daherkommt.

Doch auch die Erde hat ein paar ganz besondere Merkmale. Kommt mit auf eine Reise durch unser Sonnensystem und entdeckt, wie einzigartig unser Planet ist.

Eckdaten

 

Gebunden, ab 4  Jahren

32 Seiten
25,0 x 27,5 cm
ISBN: 978-3-7348-6001-0

Text & Illustration: Maren Hasenjäger

Magellan Verlag
15,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

 

Blickwinkel aus großen Augen

Seit ihrem ersten Buch über die Sterne ist es wie um Emma geschehen. Plötzlich ist da eine ungeheure Faszination für den Weltall, für die Sterne, die Planeten und all die magischen Vorkommnisse in diesem riesengroßen Universum. Ich war als Kind genauso begeistert von dem, was sich da oben im Weltall abspielt, wie es Emma heute ist. In meiner Erinnerung aber war ich damals um einiges älter als sie, ich hatte ein Teleskop in meinem Dachbodenzimmer stehen, das mich meiner damaligen Lektüre für die Altersgruppe 10+ weitaus intensiver auf den Grund gehen ließ. Wie gut, dass der Büchermarkt sich stetig weiterentwickelt und uns heute eine ganze Reihe an fantastischen Büchern zur Verfügung steht, die auch kleine Leser*innen dem Weltall ganz nahebringen können. 

Als ich das Cover von „Ein kleiner blauer Punkt“ das erste Mal sah, musste ich eigentlich gar nicht mehr vom Inneren sehen, um zu wissen, dass es das ideale Bilderbuch für Emma ist. Es erweitert ihre „Sternenbibliothek“ (wie wir ihr Regal neben dem Bett seit kurzem nennen) um einen weiteren Bilderbuchschatz. Um ein Sachbilderbuch, das so unterhaltsam, warmherzig und spannend daherkommt, dass man es ohne weiteres auch als erzählendes Bilderbuch wahrnehmen kann. Denn im Gegensatz zu den inhaltlich sehr gehaltvollen Sachbilderbüchern, die sich an weitaus ältere Kinder richten, reiht sich dieses hier in die Riege der erzählenden Sachbilderbücher für die Kleinen ein. Es ist ein Buch, das ebenso einfühlsam und außergewöhnlich daherkommt wie es z.B. auch die Sachbilderbücher von Jenni Desmond tun (hier bekommst du einen Einblick in „Der Elefant“ bzw. „Der Eisbär“).

Mit wunderbar kindgerechten Worten erzählt Maren Hasenjäger die Geschichte vom kleinen blauen Punkt, der Erde, die so unscheinbar durch das große dunkle Weltall schwebt, dass man sie fast übersieht. Es sind ihre Augen und ihre Worte durch die die kleinen Leser*innen die restlichen sieben Planeten des Sonnensystems kennenlernen und bald nicht nur um ihre Besonderheiten, sondern auch um ihre Gefahren wissen. Sie lernen, dass man nicht auf Merkur stehen könnte, ohne sich dabei mächtig die Füße zu verbrennen, dass die Luft auf der Venus giftig ist und dass die Oberfläche von Jupiter aus dichtem wirbelnden Gas besteht.

Hasenjäger verwebt sachkundige Informationen mit leicht zugänglichen Zeilen. Und so  schweben die Kinder mit der Erde nicht nur ganz spielerisch und leicht durch den Weltraum, sie entwickeln auch eine wunderbare Verbundenheit zu ihr, gewinnen sie als Freundin dazu. Eine, die sich trotz all ihrer Besonderheiten für zu gewöhnlich erachtet. Die sich mit den restlichen Planeten vergleicht, ihnen nacheifert und sich nichts sehnlicher wünscht, als so zu sein wie sie. Doch am Ende lernt nicht nur die Erde, dass sie wie jeder andere (Planet) etwas ganz Individuelles und Einzigartiges an sich hat, sondern auch die Kinder.  

Das Sachbilderbuch „Ein kleiner blauer Planet“ kommt nicht nur wunderbar unterhaltsam und informativ daher, es birgt auch ganz fantastische Bilder in sich, die wir ebenfalls Maren Hasenjäger zu verdanken haben. Mit ihren großformatigen und farbenfrohen Illustrationen lässt sie ihre kleinen Leser*innen den Planeten und dem Weltall ganz nahe kommen. Die Deckelinnenseiten ihres Bilderbuchs bestückt sie am Anfang mit einer wunderbaren Planetenkonstellation, die noch einmal mit kurzen Eckdaten zu den einzelnen Planeten aufwartet und am Ende mit einer ganz reizenden Botschaft, die von einem auf der Erde lebenden Kind ausgeht:

„Endlich hörst du mir zu!“, sagt es. „Also ich finde ja, du hast etwas ganz Wichtiges vergessen: Du bist der einzige Planet, auf dem ich leben kann! Hier ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt, es gibt Wasser und Essen und Luft zum Atmen. Nur auf dir gibt es Gras und Krokodile. Und Bienen und Sonnenblumen. Und Schneeleoparden und Badeseen und Gänseblümchen und Tintenfische und Schneeballschlachten und Kakteen und Blauwale und Spaghetti und riesige Mammutbäume und Kinder und Pizza und Flummis und Ameisen und Korallenriffe und Eis mit Sahne und Kirschkernweitspucken und noch vieles, vieles mehr!“ Das Kind hält in seiner Aufzählung inne. Dann lächelt es. „Für mich bist du genau richtig!“

 Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Worum geht’s im Buch?

Um Planeten

Hast du direkt erkannt, wer der kleine blaue Punkt ist?

Na klar! Das ist die Erde.

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Bei Saturn mit seinen Gesteinsbrocken

Wo entfaltet sich das Buch am Besten?

Auf dem Kuschelteppich, neben der Sternenbibliothek, umgeben von Planeten

Was möchtest du auch eines Tages machen?

Zum Mars fliegen

Wird zu:

einer Astronautin

[Werbung, da Verlinkung. Dieses Buch wurde mir vom Magellan Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #29: Da hat sich doch wer ins Bild gemogelt!

„Löwe, Hase, Schwein – ein Tier passt nicht rein!“ – Nadine Jessler

Löwe, Hase und Schwein, was sollen diese drei Tiere schon gemeinsam haben? Einer tanzt hier gewaltig aus der Reihe! Der Löwe hat sicherlich nichts auf dem Bauernhof zu suchen, wo er doch zu den gefährlichen Tieren zählt und zwischen Elefant, Leopard und Nilpferd zu finden ist. Das merkt man ja schon an seinem Gebrüll. Wobei, so ein Hahn, eine Pute und ein Esel machen auch ganz schön viel Lärm!

In diesem Such-Wimmelbuch gibt es nicht nur jede Menge zu entdecken, sondern es gilt auch ebenjene Tiere zu finden, die sich auf die jeweilige Doppelseite geschummelt haben.

Eckdaten

Pappbilderbuch, ab 2 Jahren

16 Seiten
20 x 27 cm
ISBN: 978-3-7348-1573-7

Illustrationen: Nadine Jessler

Magellan Verlag

9 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Das Riesen-Such-Wimmelbuch „Löwe, Hase, Schwein – ein Tier passt nicht rein!“ begleitet uns tatsächlich schon seit 15 Monaten. Der Zufall wollte es, dass es hier schon einzog, als Emma gerade mal drei Monate war. Eigentlich war es als Geschenk für den Neffen gedacht. Dass der das Buch schon längst hatte, war erstmal unglücklich, kam uns dann aber doch sehr gelegen. Denn so zog es direkt in Emmas Bücherregal ein und avancierte schnell zu ihrem Lieblingsbuch. Es zählt bis heute dazu!

Dass die Altersempfehlung oft nur zur groben Orientierung dient, haben wir für uns recht schnell festgestellt. Das riesige wimmelartige Suchbuch, das für Kinder ab zwei Jahren empfohlen wird, wurde von der Räubertochter nämlich bereits mit drei Monaten angenommen. Kein Witz! Die riesigen kartonierten Seiten sind sehr baby- und sabbertauglich (natürlich nur wenn man die Sabberfäden gleich wegwischt) und die großflächigen Bilder, die durchaus detailreich aber nicht überladen sind, eignen sich auch schon zum Betrachten für die ganz Kleinen. Natürlich ist der Einsatz eines Buches abhängig vom jeweiligen Kind. Ich kenne durchaus auch Kinder, die von den lebendigen und detailreichen Bildern dieses Buches ziemlich schnell überfordert gewesen wären. Nicht aber Emma. Und so betrachtete sie die großflächigen Seiten bereits, als sie selbständig auf dem Bauch liegen und ihren Kopf heben konnte. Heute ist sie 1,5 Jahre alt und zieht es immer noch am häufigsten aus dem Regal.

2019 vs. 2018

Es hat sich sogar als sehr geschickt herausgestellt, dass das Suchbuch uns schon so lange begleitet. Während es Emma anfangs zum Betrachten und Kennenlernen der Tierwelt verhalf, betrachtet sie es heute in Begleitung von Tiergeräuschen ganz alleine. Die Tiere sind ihr mittlerweile vertraut. Sie hat sie über die Zeit kennen und lieben gelernt. Emma brüllt mit Vorliebe wie der Löwe, imitiert die Katze und den Hund, lacht sich über die pupsenden Stinktiere kaputt und hat ihre ganz eigene Interpretation von Walgesang gefunden (der Sound ihres langgezogenen Namen kommt dem nämlich schon ganz nahe). Das Buch ist eine richtige Entdeckungsreise durch die Tierwelt. Jede Doppelseite hat eine thematische Klammer: Tiere auf dem Bauernhof, gestreifte, schnelle und wilde Tiere, Tiere mit lustigen Namen, Meerestiere und Waldbewohner. Doch schon der Titel deutet darauf hin, dass irgendetwas an der Sache faul ist. Denn was sollen Löwe, Hase und Schwein schon gemeinsam haben!? Und so springt durchaus auch mal ein Affe aus dem Stall des Bauern, gleitet ein Koala mit Taucherausrüstung in die Tiefen des Meeres und mischt sich ein Leopard unter die gestreifte Tierschar. Die Aufgabe jeder Doppelseite ist es, diese Tiere zu finden. Und dieser Herausforderung sind sicher erst Kinder ab ca. zwei Jahren gewachsen, weshalb die Altersempfehlung in diesem Fall durchaus gerechtfertigt ist (sollte man das Buch mit dem Grundgedanken eines Suchbuches kaufen).

Nadine Jesslers riesiges Such-Wimmelbuch ist einfach ganz wunderbar anzusehen. Die Illustrationen sind bunt und detailreich, die eindrücklichen Texte bleiben den großen Erzählern schnell im Kopf und die vielen kleinen Details, die man beim genaueren Betrachten entdeckt, sorgen oft für ein Schmunzeln. Das Suchbuch hat damit ganz großes Lieblingsbuch-Potential und sei all den Eltern ans Herz gelegt, die beim Vorlesen mindestens genauso viel Spaß haben wollen wie ihre Kinder!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Gefällt dir das Buch?

Ja, sehr. Es ist mein Lieblingsbuch.

Wo steht das Buch bei dir?

Überall, es wechselt ständig den Platz

 

Lieblingsfiguren:

die Maus, die dem Löwen ein Stück Käse reicht

die pupsenden Stinktiere

der singende Wal

der Elefant

 

 

Bester Leseplatz:

mit 3 Monaten: liegend auf der Krabbeldecke bzw. dem Bett

mit 1,5 Jahren: bequem auf dem Sofa oder in meiner Kuschelecke, das Buch auf dem Schoß

 

 

Beste Lesezeit:

kurz vor dem Schlafengehen

tagsüber

Schlüpft in die Rolle von:

einer Entdeckerin

 

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Magellan Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Ice Ice Baby – Drei Kinderbücher für den Winter

Hallo ihr Lieben,

seit die kleine Räubertochter das Licht der Welt erblickt hat, muss ich mir meine spärlich gesäte Freizeit gut einteilen. Mit dem Lesen klappt es besser denn je, schließlich hat man beim Stillen immer eine Hand frei und kann die Zeit, wo der Nachwuchs wohlig vor sich hin schmatzt, besonders gut nutzen, um sich ein Buch zu schnappen und in die Geschichte einzutauchen.

Was allerdings gerade etwas zu kurz kommt, sind die Rezensionen. Es tümmeln sich nämlich bereits zahlreiche Entwürfe im Ordner, die auf den letzten Feinschliff warten. Doch kaum sitze ich am PC um die Mission endlich zu erfüllen, dringen bereits Geräusche vom Nebenzimmer zu mir. Klagenslaute, die nach mehr Aufmerksamkeit rufen. Denn das kleine Wesen kann es nun so gar nicht verstehen, wie man ihm Bücher vorziehen kann!

Da in den letzten Monaten allerdings ein paar wunderbare Kinderbücher erschienen sind, die perfekt in die Winterzeit passen, möchte ich euch heute bereits einen kleinen Einblick in drei Kinderbücher geben, ehe die detaillierten Rezensionen erscheinen. Holt sie euch und euren Liebsten, entdeckt sie gemeinsam und taucht dabei ein, in die glitzernd bunte Winterwelt. Denn der Schnee lässt nun ja nicht mehr lange auf sich warten.

Der Eisbär – Jenni Desmond

Text & Illustration: Jenni Desmond | Aladin Verlag | Ab 4 Jahren | Seiten: 48 | Hardcover 16.95 € | ISBN: 978-3-8489-0109-8
Zum Buch beim Aladin Verlag

Jenni Desmond ist bereits mit „Der Blauwal“ ein beeindruckendes Sachbilderbuch gelungen. Nun begeistert sie uns erneut mit Text und Bildern zu einem der größten und gefährlichsten Raubtieren der Welt: dem Eisbären.

Kinder können es kaum glauben, wenn sie den kleinen Eisbären lieben, aber Eisbären sind nun mal nicht immer nur süß, sondern auch gefährlich. Denn nicht nur ihre Größe, sondern auch ihr blutverschmiertes Maul kann schon mal beängstigend sein. Nicht aber, wenn Desmond sie zeichnet. Denn ihr einzigartiger Stil, mit dem sie das Raubtier zum Leben erweckt, sorgt eher für Begeisterung als Entsetzen. Schnell wird den Kleinen klar, dass auch der Eisbär selbst gejagt wird.

Desmond nimmt auf ihren Bildern ganz besondere Blickwinkel ein, die ihre kleinen Entdecker ins Staunen versetzt. Denn die eisigen Lebensbedingungen werden ebenso spürbar wie die immensen Größenunterschiede zwischen Tier und Mensch.  Ein Sachbilderbuch, das auf den Winter und Entdeckungsreisen im wohligen Kinderzimmer einstimmt.

Erpel liebt Ente – René Gouichoux & Marc Boutavant

Text & Illustration: René Gouichoux, Marc Boutavant | Magellan Verlag | Ab 4 Jahren | Seiten: 32 | Hardcover 9.95 € | ISBN: 978-3-7348-2041-0
Zum Buch beim Magellan Verlag

Eigentlich ist Erpels Schwärmerei für die Ente ein Geheimnis, aber irgendwie kann er es nicht für sich behalten und steckt es Gans. Und genau wie Erpel, tratscht es auch Gans weiter und Pute … und Hahn. Bis das Geheimnis kein Geheimnis mehr ist und auch die Ente von Erpels Zuneigung erfährt. Wie sie wohl die Botschaft aufnimmt?

In dem kleinen Bilderbuch steckt eine entzückende kleine Geschichte über eine geheime Schwärmerei, die einen selbst in der kalten Winterlandschaft ganz wohlig ums Herz werden lässt.

Das große Buch vom kleinen Eisbären – Hans de Beer

Text & Illustration: Hans De Beer | NordSüd Verlag | Ab 4 Jahren | Seiten: 192 | Hardcover 25.00 € | ISBN: 978-3-314-10414-5
Zum Buch beim NordSüd Verlag

Der kleine Eisbär ist legendär. Auch ich kenne ihn noch aus meiner Kindheit und bin  noch heute in ihn verliebt. Lars, der als kleiner tollpatschiger Steppke angefangen hat, hat sich über die Jahre von lieb und nett, zu mutig und abenteuerlustig gemausert. Seine Abenteuer wurden immer wagemutiger und daher haben auch die  Illustrationen von Hans de Beer eine bestimmte Entwicklung durchlaufen, die man in diesem Sammelband verfolgen kann.  Es beherbergt alle zehn Bände  mit ungekürzten Geschichten und einer Auswahl an begleitenden Illustrationen. Für Eisbärliebhaber und alle die es noch werden wollen. <3

Glitzernde Lesestunden wünscht euch Steffi