LitBlog Convention #lbc17 in Köln: Klappe – die Zweite!

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Hallo ihr Lieben,

am 10. Juni 2017 war es wieder soweit, die Kölner Verlagsräume von Bastei Lübbe luden bereits zum zweiten Mal zur LitBlog Convention  ein. Während die letztjährige Premiere noch ausschließlich mit regional ansässigen Verlagen gefeiert wurde, holten sich die Veranstalter in diesem Jahr Schweizer Verstärkung mit ins Boot.

So erwartete die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Programm der Kölner Buchverlage Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Egmont LYX/INK und darüber hinaus des Schweizer Diogenes Verlag. Auch ich habe mir wieder eins der begehrten Tickets gesichert und bin vorletzten Samstag von München in die Rheinmetropole aufgebrochen.

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Die Begrüßung durch die teilnehmenden Verlage

IMG_6664-01.jpgBloggerevents erfreuen sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit. Neben der noch recht jungen LitBlog Convention sind andere Events in der Literaturszene bereits fest verankert. Allen voran steht da die Konferenz und das Barcamp der Blogst, mit der ich bereits seit Jahren liebäugel oder auch das Literaturcamp Heidelberg, das kommendes Wochenende auf dem Programm steht.

Neben der Weiterbildung in den unterschiedlichsten Fachgebieten steht bei derartigen Veranstaltungen ganz klar das Vernetzen im Vordergrund. Wo sonst, wenn nicht hier trifft man auf eine so geballte Ladung aus  Bloggern, Verlagsmitarbeitern, Journalisten und Autoren. Man trifft alte und neue Gesichter der Blogosphäre, Alt wie Jung. Die bibliophile Gemeinde ist groß. Wie bei einem großen Familientreffen kommen alle zusammen und feiern ihre Liebe zum Buch.

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Obwohl das Vorjahresprogramm um fünf ganze Sessions ergänzt wurde und damit insgesamt 24 Workshops aufwies, füllten sich die Räumlichkeiten wieder derart schnell, dass ich in diesem Jahr mit meiner Vorauswahl kein Glück hatte und mich gleich drei Mal umentscheiden musste. Das war schon irgendwie ein bisschen enttäuschend, wurde letzten Endes aber durch die jeweiligen Alternativen wieder wettgemacht.

Nachfolgend möchte ich euch wieder einen kleinen Einblick in die Workshops geben, die ich besucht habe. Sie schenken euch tatsächlich nur einen klitzekleinen Eindruck, sollen aber Anreiz schaffen, selbst einmal an der LitBlog Convention teilzunehmen. Wirklich nützlich sind die Informationen sicherlich erst, wenn man persönlich anwesend war.

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Das Programm der #lbc17

Meine Workshops

1.Workshop: Basic Handlettering
1.Workshop: Der Buchumschlag – eine Frage des Geschmacks

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Herbstliche Neuerscheinungen @KiWi

Ich muss gestehen, ich lasse mich oft von schönen Covern zu Buchkäufen verführen. In der Regel fahre ich damit recht gut, manchmal falle ich damit aber auch auf die Nase. Denn nicht jedes Cover hält was es verspricht. Oder auch umgekehrt. Das Sprichwort „Don’t judge a book by it’s cover!“  behält nämlich Recht. Manchmal entdecke ich hinter bescheidenen oder nichtssagenden Covern die größten Schätze, weshalb ich euch nahelege nie auf den zweiten Blick hinter den Buchdeckel zu verzichten.

Generell ist das Design eines Buchumschlags aber natürlich Frage des persönlichen Geschmacks. Und der variiert je nach Person. Welchen langen Weg die Verlagsmitarbeiter daher bei der Gestaltung eines Buchumschlags teilweise hinter sich bringen müssen, ehe sich auf ein entgültiges Buchcover festgelegt werden kann, zeigte uns Julia Krumhauer aus der Werbungsabteilung von KiWi. Anspruchsvolle Literatur scheint covertechnisch wohl ungewöhnlichere Wege gehen zu können, als es z.B. ein Sachbuch oder ein Krimi kann, die in der Regel bestimmte Typografien aufweisen.

„Ein Cover ist wie ein kleines Miniplakat.“

Krumhauer nahm uns mithilfe von drei Herbstneuerscheinungen mit auf eine Reise durch den Entwicklungsprozess eines Covers. Gezeigt wurden die finalen Ausgaben von Norman Ohlers „Die Gleichung des Lebens“, Sonja Heiss‘ „Rimini“ und Franziska Seyboldts „Rattatatam, mein Herz“ und deren unveröffentlichte Coverentwürfe. Ein spannende Entdeckungsreise, bei der auch ich feststellte, dass mir manchmal ein anderer Coverentwurf besser gefallen hätte als das Endresultat. That’s life!

2.Workshop: John Irvings Ringen und Schreiben

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Anna von Planta gewährt einen Blick auf Irvings Schreibtisch in Toronto

Den Einblick in John Irvings Universum durfte ich mir nicht entgehen lassen. Ich war daher mehr als erfreut, dass ich einen der begehrten Plätze in diesem Workshop ergattert habe, in dem die Lektorin des Bestsellerautors Anna von Planta Einblick in ihren Arbeitsalltag mit John Irving gewährte. Bereits seit 30 Jahren begleitet sie den Diogenes-Autor durch seine Werke, um die 12.000 Seiten hat sie bereits von ihm gelesen.

Für von Planta, die in England studiert hat und bereits früh mit Irving in Berührung kam, wurde der Wunsch, Lektorin zu werden, von Irving entscheidend geprägt. Von Anfang an hat sie Irvings Talent zutiefst beeindruckt, das bereits zahlreiche Werke wie zum z.B. „Das Hotel New Hampshire“ oder „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ zum Vorschein brachte. Dass von Planta eines Tages zur Lektorin von Irving selbst wird, hätte sie nie zu träumen gewagt.

„Irving rüttelt an den Gitterstäben der Kontingenz.“

Ihre lebendigen und emotional behafteten Beschreibungen von Irvings Schreibstil und seinen Romanen haben mich wirklich mitgerissen. Sie lies den Facettenreichtum dabei nicht unerwähnt, den Irvings Romane aufweisen und die Leser mit einer Bandbreite an Themen konfrontiert, weshalb man sie sowohl als Verwicklungs- als auch als Entwicklungsromane bezeichnen kann.

Der engagierte Irving ist ein Verfechter der Toleranz. Er schreibt über Minderheiten bzw. die Gleichstellung von Minderheiten. Seine Figuren sind meist Suchende, die Irving am Rande der Wahrscheinlichkeit bewegen lässt. Er beginnt seine Romane immer mit dem letzten Satz, von dem aus er sich rückwärts durch die Handlung bewegt und dabei den ganz eigenen Sound der jeweiligen Geschichte findet. Dieser unverwechselbare Irving-Sound haftete auch den Beschreibungen der Lektorin an. Einfach großartig!

3.Workshop: Das Zusammenspiel von Büchern, Hashtags & Social Media
3.Workshop: Ohren auf – über das Vergnügen Hörbuch

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In diesem Workshop gab es allerhand auf die Ohren. Denn Martha Schoknecht aus der Hörbuchabteilung von Diogenes hatte nicht nur allerhand Offenbarungen über ihre liebsten Stimmen, sondern auch eine Reihe an Soundbeispielen für uns parat. Seit acht Jahren versetzt sie gemeinsam mit bekannten Sprechern und Sprecherinnen die Werke des Schweizer Fachverlags zum Leben

„Jedes Buch hat seinen eigenen Charakter, wie jede Stimme seinen eigenen Charakter hat.“

Ähnlich wie beim Soundcheck, bei dem der Diogenes Verlag den passenden Übersetzer für eine Geschichte findet, wird sich auch auf die Suche nach dem passenden Sprecher gemacht. Denn nicht jede Stimme passt zu jeder Geschichte. Der individuelle Sound ist hier entscheidend. Oftmals werden Schauspieler als Sprecher gewählt, weil sie eine abgeschlossene Sprecherausbildung haben und sich dementsprechend geschult ausdrücken können. Die Stimme von Schauspieler Christian Brückner ist hierfür ein gutes Beispiel. Denn die rauchige Whiskeystimme Brückners ist nicht nur unfehlbar der deutschen Synchronstimme Robert De Niros zuzuordnen, sondern auch dem Genre Krimi. Sie untermalt die düstere Atmosphäre eines Krimis perfekt.

„Das Buch selbst gibt die Stimmung wieder, nicht der Sprecher.“

DIMG_6657er Beruf des Sprechers ist eine wirkliche Herausforderung. Denn neben bestimmten Stimmlagen müssen manchmal auch bewusste Sprechpausen eingelegt werden, die spannungserzeugend oder betonend wirken. Fehlerhaft gelesene Passagen können nicht einfach geschnitten oder wahllos aneinandergesetzt werden. Der individuelle Sound einer Stimme ist oft tages- und gemütsabhängig, weshalb die Aufnahmen verschiedener Tage nicht zueinander passen würden. Maximal einzelne Wörter können angepasst werden, wenn sie sich an eine falsche Stelle geschlichen haben.

Der Diogenes Verlag veröffentlicht pro Halbjahr ca. 4-5 Hörbücher. Da die Vertonung eines Romans in der Regel mit sehr hohen Kosten verbunden ist, wird nicht jeder Roman automatisch zum Hörbuch gemacht. Hierüber entscheiden oft das Budget, die Länge eines Romans und auch der Bekanntheitsgrad des Autors. Wir hören u.a. in den von Ulrich Matthes gelesenen Klassiker „Tschechow“ und in den von Burkhart Klaußner gelesenen Fitzgerald-Roman „Diesseits vom Paradies“ rein.

4.Workshop: Books & Co. Auf Instagram
4.Workshop: Lesen, bewerten, empfehlen – wie funktioniert eigentlich ein Bücherblog?

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Mara Giese hat meinen ganzen Respekt verdient. In den letzten sechs Jahren hat sie eine unwahrscheinliche Entwicklung durchlaufen, der sowohl ihren Blog als auch ihre Person reifen hat lassen. Ihr Literaturblog Buzzaldrins Bücher hat 2011 nur wenige Monate später als Nur Lesen ist schöner das Licht der Welt erblickt und kann bereits eine Reichweite und einen Bekanntheitsgrad aufweisen, von der/dem ich nur träumen kann.

Seit ihren Anfängen verfolge ich Maras Beiträge rund um ihre gelesenen Bücher, besuchten Literaturevents und ihre vierbeinigen Lese- und Lebensbegleiter als begeisterte Leserin und Bloggerkollegin. Ihren kürzlich angetretenen Job als Buchhändlerin werde ich mit neugierigem Blick verfolgen.

Maras Tipp um sich sichtbar zu machen: „Macht einfach mal einen auf dicke Hose.“

Ursprünglich geplant war zwar ein ganz anderer Vortrag, der nach einer erneuten Raumüberfüllung in die Lobby verlegt wurde, bereut habe ich den Besuch bei Mara dennoch nicht. Die zehn Tipps, die Mara den Teilnehmern an die Hand gab, gehören nämlich zum täglich Brot einer Literaturbloggerin. Sie sind in meinem Bloggeralltag zwar bereits fest verankert, haben mir aber gewisse Dinge wieder in Erinnerung gerufen und mich zur Selbstreflektion eingeladen.

Ihre Empfehlungen sind außerdem in Form eines Buches, dem „Literaturbloggerbuch“ bei Edel Elements schriftlich festgehalten. Allen Bloggerneulingen sei die Lektüre  daher persönlich ans Herz gelegt.

5.Workshop: 100 Bookshops around the world

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Eine Headline, die bereits im Vorfeld für großes Herzklopfen sorgte! Wer den Torsten noch nicht kennt, sollte sich seine Facebook Fanpage Around the world in 100 Bookshops noch einmal genauer ansehen. Denn der gelernte Buchhändler Torsten Woywood hat das gemacht, wovon viele Buchliebhaber sicherlich träumen. Er hat Wohnung und Job gekündigt, um sich auf eine ganz besondere Reise zu begeben. Und zwar zu den schönsten Buchhandlungen dieser Welt. Na, bist du nun neugierig? Solltest du auch.

IMG_6680Torsten reiste im Workshop erneut mit uns um die Welt. Wir entdeckten den Buchladen Boekhandel Dominicanen in Maastricht, der sich in einer alten Kirche niedergelassen hat; die Livraria Lello in Porto, wo J.K. Rowling wohl ihre Inspiration für Harry Potter fand und in der man nur selten alleine ist; die größte Outdoor-Buchhandlung in den USA, die wunderschöne Historia Literatura Universal in Buenos Aures, die angeblich „schönste Buchhandlung der Welt“ in Venedig oder eine Bücherstadt in Tokyo mit sage und schreibe 180 Buchhandlungen auf kleinstem Raum.

Wer jetzt noch nicht genug Buchhandelstipps gesammelt hat oder einfach noch Lust auf mehr hat, kann sich Torstens literarische Hotspots als Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa: Meine Reise zu den schönsten Bücherorten unseres Kontinents“ (*klick*) oder auch als bibliophiler Wandkalender „Around the world in 100 Bookshops“ (*klick*) nach Hause holen.

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Zu meiner Begeisterung gab es den wunderschönen Wandkalender aus dem Hause DuMont Kalenderverlag als Goodie für alle Teilnehmer des Workshops mit nach Hause! ❤

Begegnungen im Fotobulli

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Mein Resümee

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IMG_6666-01.jpgDie LitBlog Convention hat sich gelohnt. Ich bin um viele Anregungen und Eindrücke reicher wieder nach Hause gefahren. Meine Lieblingsworkshops waren definitiv die über John Irving und Torsten Buchhandelsweltreise. Etwas neidisch bin ich nach wie vor auf die Teilnehmer des Basic Handlettering – Workshops, an dem ich gerne teilgenommen hätte,  um zu sehen, inwieweit das Handlettering auch zu meinem Hobby werden könnte.

Das Einbauen von 20-minütigen Zeitfenstern zwischen den Workshops hat für etwas Luft zum Raumwechsel gesorgt, auch wenn sich mir Raum Greg im dritten Stock auch beim dritten Anlauf noch zu klein präsentierte. Das DSC_0918-01spontane Ausweichen in die Lobby sollte man sich für nächstes Jahr vielleicht als feste Alternative zu Raum Greg im Hinterkopf behalten, um enttäuschte Teilnehmer zu vermeiden. Die feste Mittagspause mit kuchen- und obsttechnischer Verstärkung und der überpünktliche Aufbau des Abendbüffets  hat das Event perfekt abgerundet und selbst die hungrigsten Bloggermäuler gestopft.

Besonders gefreut hat mich sowohl das Wiedersehen mit bekannten und das Kennenlernen von bisher unbekannten Bloggerkollegen als auch mit einer Reihe an Verlagsmitarbeitern, weshalb der Fotobulli für das Festhalten dieser Begegnungen rege zum Einsatz kam. Ich bin ein großer Fan des Fotobullis geworden, der mir bereits zur #fbm16 begegnet ist!

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In love @FotoBulli

Du möchtest noch mehr Eindrücke zur #lbc17 einfangen? Dann schau mal hier:

Bloggertreffen mit Diogenes und Community Editions – Börsenblatt.net

Mein Vortrag auf der LitBlog Convention 2017 – Buzzaldrins Bücher

Aus dem Leben eines Bloggers: Die LitBlog Convention 2017 – whoiskafka

Warum ich 16 Stunden Zug für die LitBlog Convention 2017 gefahren bin – kapriziös

Die 2. LitBlog Convention in Köln – Bücher, Buchmenschen, Tränen und ganz viel Liebe! – literameer

Das war die LitBlog Convention 2017 – dunkelbunt

Unsere Litblogconvention 2017 – Leckere Kekse

#warumichlese: Wie ein Blogaufruf zum Buch wurde

Wie Alles ins Rollen kam

Im Mai 2016 berichtete Sandro Abbate auf novelero.de unter dem Titel Warum ich lese zu den Hintergründen seines Lesens. Während seine Liebe zur Literatur stark von seiner kurz zuvor verstorbenen Großmutter geprägt wurde, wurde er neugierig, wie sich das bei anderen Lesern verhielt und rief Literaturblogger spontan dazu auf, sich dieser Frage zu stellen.

Unter dem Hashtag #warumichlese sind zahlreiche persönliche Texte entstanden, die die Liebe zur Literatur auf unterschiedlichste Weise zum Ausdruck bringen. Auch ich habe mich damals Sandros Frage angenommen und mich zu den Hintergründen meiner Leidenschaft zur Literatur geäußert. Was damals keiner wusste, ist, dass ein Teil dieser persönlichen Liebeserklärungen ein Jahr später zu einem Buch heranwachsen würden.

Denn 40 dieser persönlichen Texte sind im Februar diesen Jahres als Anthologie unter dem Titel Warum ich lese. 40 Liebeserklärungen an die Literatur im homunculus verlag veröffentlicht worden. Auch meiner durfte neben 39 anderen Texten mit ins Buch und schenkte mir dieses Jahr einen ganz besonderen Bücherschatz im Regal.

Die Anthologie

„Wie kam es dazu, dass wir zu Lesern wurden? Wer führte uns zum ersten Mal ans Bücherregal und zeigte uns seine Schätze, welcher Roman bescherte uns durchwachte Nächte, welche Lektüre änderte unsere Sicht auf die Dinge so grundlegend, dass wir nach ihr nicht mehr dieselben waren? Warum ich lese ist das Gemeinschaftswerk 40 deutschsprachiger Buchblogger, die in persönlichen Geschichten erzählen, warum die Literatur zu ihnen und zum Menschsein überhaupt gehört wie die Luft zum Atmen.“

Warum ich lese. 40 Liebeserklärungen an die Literatur

Seiten 208
Erscheinungsdatum März 2017
Ausgabe Broschur
ISBN 978-3-946120-88-9

Preis: 12,90 €

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Wer meine persönlichen Zeilen zu Sandros Aufruf damals gelesen hat, weiß, dass ich zum größten Teil dank meiner überaus bescheidenen Patentante und Buchhändlerin Sigrid zu einer so begeisterten Leserin geworden bin. Denn es war sie, die neben meiner Mutter, Zeit ihres Lebens ihr Geld in Buchgeschenke an ihr Patenkind gesteckt hat und mein Bücherregal stetig mit Lesestoff fütterte. Aus diesem Grund freue ich mich besonders, dass auch sie dieses kleine Büchlein im heimischen Kitzingen erreicht hat.

Die Bookreleaseparty in Berlin

Am 18. März war es dann endlich soweit und Fräulein Schneefeld & Herr Hund luden zur offiziellen Buch-Freilassungs-Feier in ihre gleichnamige Chocolaterie & Buchhandlung in der Prenzlauer Allee in Berlin ein.

Bei Schokoküssen, Musik und Schokoladenbier lasen einige Blogger im gelben Sessel des Lesezimmers ihre Texte vor, genossen das persönliche Kennenlernen mit den anderen Bloggern und interessante Gespräche bei Musik und in entspannter Atmosphäre des entzückenden Ladens, der dir wie eine Wohlfühloase aus Büchern und Schokolade begegnet.

Der auf den gleichen Tag fallende Indiebookday lud außerdem zum persönlichen Stöbern und anschließenden Bücherkauf eines ausgewählten Indiebooks ein. Ich für meinen Teil habe mich in diesem Jahr für Das Buch der Wunder von Stefan Beuse aus dem mairisch Verlag entschieden, das im Anschluss mit nach München zurückreisen durfte.

Alle Impressionen des Abends:

Eine Kampagne mit Stiftung Lesen

Doch das ist noch nicht alles. Denn #warumichlese sorgte in der Literaturbranche für so viel Begeisterung, dass Ende März eine Kampagne zur Bedeutung des Lesens vom homunculus verlag in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen ins Leben gerufen wurde.

Neben einer Plakation, die zu meiner Begeisterung ein Zitat aus meinem Text trägt, werden zahlreiche Beiträge und Veranstaltungen on- und offline entstehen. Alle Informationen dazu findet ihr hier. Auf der Verlagsseite könnt ihr euch auch über alle Informationen rund um #warumichlese auf dem Laufenden halten. Denn für dieses Jahr ist noch einiges geplant.

Genau wie alle anderen Beteiligten bin ich wahnsinnig stolz auf dieses wunderschöne Gemeinschaftsprojekt, das wir allen voran Sandro und natürlich dem homunculus verlag zu verdanken haben. Deshalb möchte ich an dieser Stelle mich nochmal herzlich dafür bedanken, Teil dieser besonderen Aktion sein zu dürfen.

Und jetzt ab in den Lesesessel!

Herzlichst, eure Steffi.

#fbm16 oder „Ein verspäteter Messebericht“

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Zwei Wochen ist sie her – die Frankfurter Buchmesse. Während zahlreiche Bloggerkollegen bereits ihrer Begeisterung Ausdruck verliehen haben und unmittelbar in den Messeblues verfallen sind, fiel ich aus dem Raster. Denn meine Stimmung war getrübt. Doch die Eindrücke sind so langsam gesackt, mein Ärger so langsam versiegt und die Orientierung zurückgekehrt (zumindest teilweise).

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Meine Tage in Frankfurt waren eine einzige Geduldsprobe. Zig Menschen mit Rollkoffern tummelten sich um mich, schubsten und drängelten bis zum Abwinken und fegten die Tische mit Leseproben und kostenlosen Beigaben leer, ohne auch nur einen einzigen Blick darauf zu werfen. Der Magen wurde vollgestopft, die Blase bis zum Bersten gefüllt und die Schokolade, ja die, die landete gleich vorratsweise in der Handtasche. Schließlich braucht man ja was für unterwegs! Das Entscheidende wurde dabei irgendwie vergessen: es geht hier um Bücher!

Selbst schuld, höre ich euch rufen. Warum fährst du auch zu den Besuchertagen zur Frankfurter Buchmesse, wenn du als Blogger auch an den Fachbesuchertagen gehen kannst!? Öhm, ja. Ich nahm wohl was ich kriegen konnte. Schließlich sind die Urlaubstage spärlich gesät und im Normalfall zur Erholung da. Erholung – nun ja, davon kann man in diesem Fall wohl nicht reden!

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Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind, als sich ich kurzfristig ein Sparpreisdeal bei der Bahn und ein Zimmer im zentralen Hostel in Frankfurt ergattert habe. Glücksgriffe, die ich zu schätzen wusste. Endlich durfte ich auch mal anreisen, zum Literaturevent des Jahres. Doch spätestens nach einer halben Stunde auf dem Frankfurter Messegelände, war mir eines klar: Frankfurt und ich werden irgendwie nicht richtig warm. Zu groß, zu unübersichtlich, zu voll. Beim krampfhaften Versuch mich logisch durch die Messehallen zu bewegen, scheiterte ich kläglich. Keine Ahnung, wie alle anderen das machen, aber das System des Messegeländes hat sich mir einfach nicht erschlossen.

img_3246-01.jpegUnd dennoch. Ich habe reizende Bloggerkollegen getroffen, mich mit Vertragsmitarbeitern über Neuheiten ausgetauscht und Lieblingsautoren erlebt. Ich habe mir Wünsche beim magischen Illumat illustrieren lassen, mich in der Fotobox des reizenden Fotobullis ausgetobt, Zitate to go ergattert (und habe die erste Schneeflocke bereits gefangen), habe mir  Schokolade auf der Zunge zergehen lassen und an der Küste des Gastlandes Niederlande und Flandern eine Runde gechillt. Ich habe Vorlesungen gelauscht und zahlreiche Momentaufnahmen eingefangen. Ob ich ein zweites Mal nach Frankfurt fahre, steht allerdings noch in den Sternen.

Doch was wäre eine Buchmesse ohne Highlights. Natürlich gab’s die und wird es immer geben. Meine präsentieren sich in Form von Momentaufnahmen, die ich wie immer mit meiner Kamera einfangen konnte. Für alle Messeblues-Erkrankten, für die Daheimgebliebenen und die Neugierigen im Bunde gibt’s daher noch ein paar meiner Schnappschüsse. Have fun & enjoy!

In diesem Sinne: See you in Leipzig #lbm17!

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#lbm16 oder „How you inspire a book lover..“

Impressionen eines Messebesuchs

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Jedes Jahr im März verwandelt sich Leipzig in ein Mekka für Buchliebhaber. Bücherfans aus allen Himmelsrichtungen strömen in die einwohnerstärkste Stadt Sachsens mit einem gemeinsamen Ziel: um ein berauschendes Bücherfest zu feiern – die Leipziger Buchmesse.

Auch in diesem Jahr finde ich mich donnerstagmorgens zwischen Cosplayern und rucksackbepackten Bibliophilen wieder. Eine zum Bersten gefüllte Bahn entleert sich an der Haltestation Leipziger Messe und speit mich mitsamt einem bunten Haufen Bücherfreaks am Gleis aus. Die frühmorgendliche Müdigkeit weicht prickelnder Vorfreude. Endlich kann ich sie sehen: die legendären Messehallen.

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Die Leipziger Messehallen

Bereits das dritte Jahr in Folge komme ich nach Leipzig, um mich an vier Tagen ausschließlich einem zu widmen: Büchern. Mithilfe eines Presseausweises, den ich nach einer Akkreditierung meines Blogs erhalte, genieße ich auch in diesem Jahr den Luxusstatus eines Journalisten: freien Eintritt an allen Messetagen, die kostenlose Gepäck- & Garderobenabgabe, die freie Hin- & Rückfahrt zur Messe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und den Zugang zur Bloggerlounge. Ich befreie mich also im Pressezentrum von Gepäck und Garderobe und treffe bereits hier auf die reizende Mareike von Herzpotential und den charmanten Gérard von Sounds & Books um gemeinsam an Halle 1, der Manga-Hochburg, in die Glashalle des Messegeländes vorzudringen, dem gläsernen Mittelpunkt des Geschehens.

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Die Glashalle

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Die Eindrücke der kommenden vier Tage erfassen mich wie eine tosende Welle und spülen mich durch die Hallen des Messegeländes. Sie bescheren mir Begegnungen mit Herzensmenschen, Autoren und Verlagsmitarbeitern; Melodien, die sich aus ausgelassenem Lachen, großen Erzählerstimmen und Vorträgen zusammensetzen und Lieblingsmomente, die mein Herz vor Freude hüpfen lassen und sich in meiner geistigen Bibliothek als Erinnerungen niederlassen

Ich genoss dieses Jahr nicht nur eine Reihe an Terminen mit Verlagsmitarbeitern und öffentliche Vorträge auf sämtlichen Fachpodien, sondern durfte auch einer Menge Veranstaltungen beiwohnen, die exklusiv für Blogger organisiert wurden.

So treffe ich beim Bloggertreffen von Diogenes nicht nur auf das neue Programm des Schweizer Bellestrik-Verlages, sondern auch auf den sympathischen Benedict Wells, der nicht nur aus seinem Roman „Vom Ende der Einsamkeit“erzählt, sondern sich auch einer Reihe an Fragen zum Schreiben stellt. Seine erfrischend ehrlich und natürliche Art sorgt dafür, dass ich langsam aber sicher zu einem Wells-Groupie mutiere und mich mit Begeisterung durch seine Roman hangle.

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Carlsen, Chicken House & der Königskinder Verlag präsentieren bei ihrem Bloggertreffen die Herzensbücher des Frühjahrsprogramms und Autorin Helen Maslin schenkt Einblicke in ihren Roman „Darkmere Summer“ und verrät die Hintergründe ihres Autorendaseins. Dass ich bei diesem Treffen das Wunschbuch “Jane und Miss Tennyson“ von Emma Mills aus dem Königskinder Verlag mit nach Hause nehmen darf, begeistert mich dabei sehr. Das Buch lockt nicht nur mit einem entzückenden Cover, sondern auch mit einer Geschichte um eine Jane Austen – liebende Protagonistin. #carlsenlive

Beim BlognTalk von Random House interviewe ich Herzensbuchautorin Claudia Winter zu ihrem Roman „Aprikosenküsse“, plaudere mit Autor Stephan Reich über sein Debüt „Wenn’s brennt“ und treffe niemand geringeren als das Autoren Dream-Team Anne Freytag & Adriana Popescu. Die beiden Herzensdamen, die nicht nur großartige Romane schreiben, unterhalten ihre Fans dabei nicht nur mit ihrem überaus quirligen und sympathischen Naturell, sondern sind auch für jede Menge Selfies und Spaß zu haben. #blogntalk

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 Beim Leser- & Bloggertreffen von Lovelybooks treffe ich nicht nur die lieben Mitarbeiter von Deutschlands größtem Literaturportal, das in diesem Jahr sogar mit einem eigenen Messestand aufwartete, sondern genieße auch einen perfekt organisierten Nachmittag mit Kate Morton („Das Seehaus“) und Kirsty Logan („The Gracekeepers“), jeder Menge Rätselspaß und einer süßen Glücks-Gugelhupf-Versuchung. Am Ende verewige ich mich auf dem Gästebuch-Banner und trage die entzückende Goodie-Bag stolz durch die Messehallen. #LBlesertreff

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Simone von Papiergeflüster organisierte auch in diesem Jahr wieder ein inoffizielles Buchblogger-Treffen in der Bloggerlounge in Halle 5, an dem sie bedauerlicherweise selbst nicht teilnehmen konnte. Dieses reizende Bloggertreffen hat sich seit letztem Jahr zu einem großen Familientreffen entwickelt, bei dem ich bekannte Bloggerkollegen herzen, neue kennenlernen und mich von einer Menge Informationen berieseln lassen konnte. Die Tische in der Bloggerlounge waren auch dieses Jahr von einem bunten Potpourri aus bunten Visitenkarten, Süßigkeiten und entzückenden Lesezeichen bedeckt. Hier genießt man weiterhin Kaffee for free, Snacks zum kleinen Preis und freies W-Lan (wenn es funktioniert hätte). #iobt16

Das Highlight meines Messebesuches hatte ich allerdings am letzten Messetag, an dem ich eigentlich gar nicht mehr zur Messe und vielmehr durch die Leipziger Innenstadt schlendern wollte, und mich durch glückliche Umstände am Droemer Knaur Stand mit einem Glas Sekt neben Lieblingsautorin Nina George und Bestseller-Autor Sebastian Fitzek wiederfand. Was für ein Tag!

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Außerdem habe ich dieses Jahr an dem von Leander Wattig organisiertem PubnPub, bei dem sich die unterschiedlichsten Literatur-Persönlichkeiten kennenlernen und austauschen können, teilgenommen. Das unkomplizierte Treffen, das in der Vodkaria in der Leipziger Innenstadt stattfand, hat mir Lust auf mehr gemacht. Sicherlich werde ich in Zukunft auch zu den Münchner #pubnpub – Veranstaltungen schauen.

Neben vielen anderen waren mir die Begegnungen mit Katha alias textverliebt, Saskia alias Frau Pixel, Sonja von Lust zu Lesen, Mara von buzzaldrins bücher, Sophie von literaturen, Marina alias Nordbreze, Arndt von Astrolibrium und Bianca von Literatwo eine besondere Freude.

Glückstrunken und völlig erschöpft strandete ich sonntagnachts mit einem vollbepacktem Rucksack in meiner Wohnung in München. Auch nach über einer Woche wandere ich im Geiste noch immer durch die Leipziger Messehallen und knipse was das Zeug hält, um all die am Messeblues erkrankten Menschen und Daheimgebliebenen mit meinen Messe-Schnappschüssen zu erfreuen.

Have fun & enjoy!

 

 

Britain meets Spain

lesenslust über „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ von Mamen Sánchez

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Marlow Craftsman, englischer Verleger und Inhaber eines Traditionshauses, schickt seinen Sohn Atticus nach Spanien. In Madrid soll er die gesamte Belegschaft der Literaturzeitschrift „Librarte“, die schon seit Jahren miese Zahlen schreibt, kündigen und die Herausgabe der Zeitschrift unwiderruflich einstellen. Doch die fünf Damen des Redaktionsbüros, die für ihre Arbeit und die Literatur brennen, lassen sich nicht so einfach abspeisen.

Eine List soll den jungen Craftsman vorübergehend von seiner Mission ablenken und auf Abwege bringen. Soléa, die Feurigste unter den Damen, soll den unbedarften Atticus, der seine Sinne gelegentlich mit seiner kleiner erotischen Bibliothek betört und seine schwachen Nerven mit Earl Grey Tea besänftigt, mit ihren Reizen benebeln und ihn unter Ankündigung falscher Tatsachen nach Andalusien locken.

Gesagt, getan. Bereits wenig später sitzt der junge Atticus neben der schönen Soléa auf dem Weg gen Granada, der Heimatstadt von Soléa und Urquell der spanischen Gitarrenmusik. Für Atticus gilt es ein unveröffentlichtes Werk von Schriftsteller Federico García Lorca auf dem Speicher von Soléas Großmutter Remedios zu entdecken.

In England indes zerbricht sich Craftsman Senior vor Sorge um seinen abtrünnigen Sohn den Kopf und engagiert Inspektor Manchego als Privatdetektiv.

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Was Sanchéz Feder hier zutage gebracht hat, ist ein äußert interessantes Aufeinandertreffen von britischem Understatement und andalusischem Feuer. Unter dem entzückend blumigen Buchdeckel nebst begleitendem Lesezeichen verbirgt sich ein amüsanter, aber keineswegs zu plötzlichen Lachattacken führender Roman mit unverwechselbarem Charme.

„Die schönste Art sein Herz zu verlieren“ erzählt nicht nur eine feurige Liebesgeschichte, für die der Leser bereits nach wenigen Seiten entflammt, sondern auch vom Zusammentreffen fremder Kulturen, von kleinen Lügen und großen Fehltritten, von Werken Lorcas und Hemingways, dem Zauber der spanischen Gitarrenkunst und nicht erwiderten Sehnsüchten.

„Der emotionale Aufruhr in Soléas Seele konzentrierte sich unerklärlicherweise nur noch auf eines: ihr gebrochenes Herz. Wie ein Arzt, der seine Patienten an diversen Stellen des Körpers berührt, bis er den Herd der Infektion gefunden hat, spielte Soléa die Klaviatur ihrer Gefühle.“

Zitat, Seite 277

Mit Berta, Asunción, Maria, Gabriela und Soléa als Redaktionsbesetzung sorgt Sanchéz für ein amüsantes Wechselbad der Gefühle. Die fünf Damen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, beleben die Geschichte auf ihre ganz eigene Weise. Alle fünf Damen hat Sanchéz geschickt in ihre Geschichte verwoben, die mithilfe von Craftsman und Manchego zu einem skurrilem Liebes- und Lügennetz reift.

Die Eigenschaften der jeweiligen Landesbewohner Englands und Andalusiens stellt Sanchéz in ihrer Geschichte besonders überspitzt dar, weswegen man weder den konservativen Briten noch den vor Temperament überschäumenden Andalusier auf seinem Weg durch das Buch verpasst. Das daraus entstehende Liebesspiel von Atticus und Soléa ufert daher in so manchem Klischee aus, tut dem Charme der Geschichte aber keinen Abbruch.

Wenn es ein einziger Kuss war, dann war es der längste, den es je gegeben hatte; waren es mehrere, konnte Soléa nicht sagen, wann der eine endete und der nächste begann.“

Zitat, Seite 298

Sanchéz ist ein Feel-Good-Roman mit interessanter Gewürzmischung gelungen. Sie kombiniert feurige mit besänftigenden Kombonenten und schafft dadurch eine Geschichte mit kulturellen Gegensätzen und unverwechselbarer Note.

❤ ❤ ❤ ❤

Ein papierenes Haus

lesenslust über „Das Papierhaus“ von Carlos María Domínguez

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„Bücher verändern das Schicksal der Menschen.“

Zitat, Seite 9

Die Literaturdozentin Bluma Lennon wird auf offener Straße überfahren. Es ist ihre Leidenschaft zum Buch, die Nase tief in ein Gedichtband von Emily Dickinson gesteckt, die ihr zum Verhängnis wird.
Als ihr junger Kollege ihren Lehrstuhl an der Universität Cambridge übernimmt, erreicht ihn eines Tages ein altes ramponiertes Werk von Joseph Conrads „Die Schattenlinie“. Ein abgewohntes und von Feuchtigkeit aufgequollenes Exemplar, an dessen Buchdeckel merkwürdige feine Zementpartikel haften und dessen Buchdeckel eine Widmung der Verstorbenen trägt.

Verstört nimmt er die mysteriöse Spur des Buches auf, das scheinbar eine viel größere Geschichte zu erzählen scheint, als die offensichtliche von Conrad. Er reist nach Buenos Aires, in seine ferne Heimat, in der das Buch in Besitz eines gewissen Carlos Brauer gewesen zu sein scheint. Eine Reise, die ihn nicht nur durch die facettenreiche Welt der Literatur, sondern auch durch die Schattenseiten einer passionierten Leidenschaft führt.

„Manchmal ist es schwerer, ein Buch loszuwerden, als es zu bekommen. Durch einen Pakt an Bedürftigkeit und Vergessen sind sie an uns gebunden wie die Zeugen niemals wiederkehrender Augenblicke in unserem Leben.“

Zitat, Seite 18

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„Eine Lektüre ist nie stumm, denn die Stimme ist immer ganz leise beteiligt. Sie führt die Teile aus wie ein Instrument die Partitur.“

Zitat, Seite 52

Wie in einem Rausch taumelte ich durchs Buch. Es ist unglaublich, was Domínguez mit so wenigen Seiten geschaffen hat. Sein facettenreicher Mini-Wälzer liest sich wie ein großes Buch. Es ist atmosphärisch rund und reich an Metaphern, verbirgt neben entzückenden Textstellen voller Leidenschaft für die Literatur auch kontroverse, skurrile und mit einer gewissen Provokation versehene Zeilen.

 Mit der Figur Carlos Brauer präsentiert uns Domínguez ein greifbares Sinnbild für einen im Literaturmeer Ertrunkenen. Einen Bibliophilen, dessen Liebe zum Buch irgendwann so überwuchernd wird, dass er die Kontrolle über sie verliert. Während er den Inhalt seiner Bücher jahrelang zu inhalieren scheint und ihn mit zahlreichen Markierungen versieht, sollen die Bücher ihm eines Tages als Fundament eines Hauses dienen.

Ich vögele mit jedem Buch, keine Markierung bedeutet für mich kein Orgasmus.“

Zitat, Seite 41

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Doch das Haus, von dem sich Brauer Schutz und Geborgenheit erhofft, lastet auf ihm wie ein schwerer Brocken. Es nimmt ihm die Luft zum Atmen und bricht eines Tages über ihm zusammen. Mit diesem Sinnbild hat der argentinische Autor einen ungewöhnlichen, aber interessanten Weg gewählt, um uns eindringlich die Tragkraft einer krankhaften Bücherliebe zu verdeutlichen. Ganz umbemerkt führt er uns an menschliche Abgründe heran und lässt uns auf dem schmalen Grat zwischen Leidenschaft und Sucht gefährlich schwanken.

„Ich verschenke Jahr für Jahr Bücher und schaffe es trotzdem nicht, ein neues Bücherregal oder die nächste Doppelreihe zu vermeiden; schweigsam und unschuldig breiten sich die Bücher im ganzen Haus aus, und es gelingt mir nicht, sie aufzuhalten.“

Zitat, Seite 17

❤ ❤ ❤ ❤

Dieses Buch genoss ich im Zug einer Wanderbuch-Aktion von der lieben Dorota alias bibliophilin. Dank der Reise ihres Exemplares konnte ich als letzte Leserin das mittlerweile kunterbunt gereifte, von persönlichen Notizen und Beigaben verzierte Exemplar, entdecken.

Herzlichen Dank dafür, liebe Dorota. ❤

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Just a #note: Behind the scene

Es gibt Momente, die stehen im Zeichen des Buches. Die beherbergen Begegnungen mit Büchermenschen, interessante Gespräche und fremde Blickwinkel; die strahlen Herzlichkeit und Freude aus und bieten dir Raum für direkte Fragen und ehrliche Antworten, für Diskussionen und Meinungsaustausche. Sie transportieren eine klare Botschaft: Wir lieben Literatur.

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Das Ticket zum Glück

Gestern durfte ich einen solchen Moment erleben. Ein Abend, der bescheiden daherkam und trotzdem ganz groß war. Er stand unter dem Motto „Buch meets Film“ und widmete sich unter der charmanten Moderation der Azubis Charlotte, Nina und Kristina dem Unterschied von Romanen und Drehbüchern, den Freiheiten und Grenzen von Autoren und selbstverständlich auch um persönliche Herzensbücher. Er fand bei Droemer Knaur statt und hat mich wieder einmal daran erinnert, wie friedlich so ein Aufeinandertreffen von Büchermenschen tatsächlich sein kann.

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Meine ehrliche Ausbeute

Es gab keine Rangelei, keine spitzen Ellenbogen und kein gieriges Erspähen eines Goodie-Bags. Kein Wettrennen um die besten Plätze, kein maßloses Durchgefuttere und schon gar kein vollbepacktes „Ich bin wieder weg“ kurz nach dem Eintreffen. Es war einfach ein bezaubernder Abend. Abende wie diese sollte es mehrere geben. Und Begegnungen wie diese auch. ❤

Das größte Geschenk, das uns die Literatur macht, ist Teil eines Ganzen zu sein und persönliche Botschaften weiterzutragen. Trete diese Chance nicht mit Füßen, sondern nutze sie mit Bedacht.

Danke an das Droemer Knaur Team, an die AutorINNen des Abends & an Arndt, Cleo und Vero.

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Büchermenschen © Arndt Stroscher