LitBlog Convention #lbc17 in Köln: Klappe – die Zweite!

IMG_6663-01.jpg

Hallo ihr Lieben,

am 10. Juni 2017 war es wieder soweit, die Kölner Verlagsräume von Bastei Lübbe luden bereits zum zweiten Mal zur LitBlog Convention  ein. Während die letztjährige Premiere noch ausschließlich mit regional ansässigen Verlagen gefeiert wurde, holten sich die Veranstalter in diesem Jahr Schweizer Verstärkung mit ins Boot.

So erwartete die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Programm der Kölner Buchverlage Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Egmont LYX/INK und darüber hinaus des Schweizer Diogenes Verlag. Auch ich habe mir wieder eins der begehrten Tickets gesichert und bin vorletzten Samstag von München in die Rheinmetropole aufgebrochen.

IMG_6629-01
Die Begrüßung durch die teilnehmenden Verlage

IMG_6664-01.jpgBloggerevents erfreuen sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit. Neben der noch recht jungen LitBlog Convention sind andere Events in der Literaturszene bereits fest verankert. Allen voran steht da die Konferenz und das Barcamp der Blogst, mit der ich bereits seit Jahren liebäugel oder auch das Literaturcamp Heidelberg, das kommendes Wochenende auf dem Programm steht.

Neben der Weiterbildung in den unterschiedlichsten Fachgebieten steht bei derartigen Veranstaltungen ganz klar das Vernetzen im Vordergrund. Wo sonst, wenn nicht hier trifft man auf eine so geballte Ladung aus  Bloggern, Verlagsmitarbeitern, Journalisten und Autoren. Man trifft alte und neue Gesichter der Blogosphäre, Alt wie Jung. Die bibliophile Gemeinde ist groß. Wie bei einem großen Familientreffen kommen alle zusammen und feiern ihre Liebe zum Buch.

IMG_6685-01

IMG_6660-01.jpg

Obwohl das Vorjahresprogramm um fünf ganze Sessions ergänzt wurde und damit insgesamt 24 Workshops aufwies, füllten sich die Räumlichkeiten wieder derart schnell, dass ich in diesem Jahr mit meiner Vorauswahl kein Glück hatte und mich gleich drei Mal umentscheiden musste. Das war schon irgendwie ein bisschen enttäuschend, wurde letzten Endes aber durch die jeweiligen Alternativen wieder wettgemacht.

Nachfolgend möchte ich euch wieder einen kleinen Einblick in die Workshops geben, die ich besucht habe. Sie schenken euch tatsächlich nur einen klitzekleinen Eindruck, sollen aber Anreiz schaffen, selbst einmal an der LitBlog Convention teilzunehmen. Wirklich nützlich sind die Informationen sicherlich erst, wenn man persönlich anwesend war.

FB_IMG_1497021140340
Das Programm der #lbc17

Meine Workshops

1.Workshop: Basic Handlettering
1.Workshop: Der Buchumschlag – eine Frage des Geschmacks

IMG_6633-01
Herbstliche Neuerscheinungen @KiWi

Ich muss gestehen, ich lasse mich oft von schönen Covern zu Buchkäufen verführen. In der Regel fahre ich damit recht gut, manchmal falle ich damit aber auch auf die Nase. Denn nicht jedes Cover hält was es verspricht. Oder auch umgekehrt. Das Sprichwort „Don’t judge a book by it’s cover!“  behält nämlich Recht. Manchmal entdecke ich hinter bescheidenen oder nichtssagenden Covern die größten Schätze, weshalb ich euch nahelege nie auf den zweiten Blick hinter den Buchdeckel zu verzichten.

Generell ist das Design eines Buchumschlags aber natürlich Frage des persönlichen Geschmacks. Und der variiert je nach Person. Welchen langen Weg die Verlagsmitarbeiter daher bei der Gestaltung eines Buchumschlags teilweise hinter sich bringen müssen, ehe sich auf ein entgültiges Buchcover festgelegt werden kann, zeigte uns Julia Krumhauer aus der Werbungsabteilung von KiWi. Anspruchsvolle Literatur scheint covertechnisch wohl ungewöhnlichere Wege gehen zu können, als es z.B. ein Sachbuch oder ein Krimi kann, die in der Regel bestimmte Typografien aufweisen.

„Ein Cover ist wie ein kleines Miniplakat.“

Krumhauer nahm uns mithilfe von drei Herbstneuerscheinungen mit auf eine Reise durch den Entwicklungsprozess eines Covers. Gezeigt wurden die finalen Ausgaben von Norman Ohlers „Die Gleichung des Lebens“, Sonja Heiss‘ „Rimini“ und Franziska Seyboldts „Rattatatam, mein Herz“ und deren unveröffentlichte Coverentwürfe. Ein spannende Entdeckungsreise, bei der auch ich feststellte, dass mir manchmal ein anderer Coverentwurf besser gefallen hätte als das Endresultat. That’s life!

2.Workshop: John Irvings Ringen und Schreiben

IMG_6648-01
Anna von Planta gewährt einen Blick auf Irvings Schreibtisch in Toronto

Den Einblick in John Irvings Universum durfte ich mir nicht entgehen lassen. Ich war daher mehr als erfreut, dass ich einen der begehrten Plätze in diesem Workshop ergattert habe, in dem die Lektorin des Bestsellerautors Anna von Planta Einblick in ihren Arbeitsalltag mit John Irving gewährte. Bereits seit 30 Jahren begleitet sie den Diogenes-Autor durch seine Werke, um die 12.000 Seiten hat sie bereits von ihm gelesen.

Für von Planta, die in England studiert hat und bereits früh mit Irving in Berührung kam, wurde der Wunsch, Lektorin zu werden, von Irving entscheidend geprägt. Von Anfang an hat sie Irvings Talent zutiefst beeindruckt, das bereits zahlreiche Werke wie zum z.B. „Das Hotel New Hampshire“ oder „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ zum Vorschein brachte. Dass von Planta eines Tages zur Lektorin von Irving selbst wird, hätte sie nie zu träumen gewagt.

„Irving rüttelt an den Gitterstäben der Kontingenz.“

Ihre lebendigen und emotional behafteten Beschreibungen von Irvings Schreibstil und seinen Romanen haben mich wirklich mitgerissen. Sie lies den Facettenreichtum dabei nicht unerwähnt, den Irvings Romane aufweisen und die Leser mit einer Bandbreite an Themen konfrontiert, weshalb man sie sowohl als Verwicklungs- als auch als Entwicklungsromane bezeichnen kann.

Der engagierte Irving ist ein Verfechter der Toleranz. Er schreibt über Minderheiten bzw. die Gleichstellung von Minderheiten. Seine Figuren sind meist Suchende, die Irving am Rande der Wahrscheinlichkeit bewegen lässt. Er beginnt seine Romane immer mit dem letzten Satz, von dem aus er sich rückwärts durch die Handlung bewegt und dabei den ganz eigenen Sound der jeweiligen Geschichte findet. Dieser unverwechselbare Irving-Sound haftete auch den Beschreibungen der Lektorin an. Einfach großartig!

3.Workshop: Das Zusammenspiel von Büchern, Hashtags & Social Media
3.Workshop: Ohren auf – über das Vergnügen Hörbuch

IMG_6655-01

In diesem Workshop gab es allerhand auf die Ohren. Denn Martha Schoknecht aus der Hörbuchabteilung von Diogenes hatte nicht nur allerhand Offenbarungen über ihre liebsten Stimmen, sondern auch eine Reihe an Soundbeispielen für uns parat. Seit acht Jahren versetzt sie gemeinsam mit bekannten Sprechern und Sprecherinnen die Werke des Schweizer Fachverlags zum Leben

„Jedes Buch hat seinen eigenen Charakter, wie jede Stimme seinen eigenen Charakter hat.“

Ähnlich wie beim Soundcheck, bei dem der Diogenes Verlag den passenden Übersetzer für eine Geschichte findet, wird sich auch auf die Suche nach dem passenden Sprecher gemacht. Denn nicht jede Stimme passt zu jeder Geschichte. Der individuelle Sound ist hier entscheidend. Oftmals werden Schauspieler als Sprecher gewählt, weil sie eine abgeschlossene Sprecherausbildung haben und sich dementsprechend geschult ausdrücken können. Die Stimme von Schauspieler Christian Brückner ist hierfür ein gutes Beispiel. Denn die rauchige Whiskeystimme Brückners ist nicht nur unfehlbar der deutschen Synchronstimme Robert De Niros zuzuordnen, sondern auch dem Genre Krimi. Sie untermalt die düstere Atmosphäre eines Krimis perfekt.

„Das Buch selbst gibt die Stimmung wieder, nicht der Sprecher.“

DIMG_6657er Beruf des Sprechers ist eine wirkliche Herausforderung. Denn neben bestimmten Stimmlagen müssen manchmal auch bewusste Sprechpausen eingelegt werden, die spannungserzeugend oder betonend wirken. Fehlerhaft gelesene Passagen können nicht einfach geschnitten oder wahllos aneinandergesetzt werden. Der individuelle Sound einer Stimme ist oft tages- und gemütsabhängig, weshalb die Aufnahmen verschiedener Tage nicht zueinander passen würden. Maximal einzelne Wörter können angepasst werden, wenn sie sich an eine falsche Stelle geschlichen haben.

Der Diogenes Verlag veröffentlicht pro Halbjahr ca. 4-5 Hörbücher. Da die Vertonung eines Romans in der Regel mit sehr hohen Kosten verbunden ist, wird nicht jeder Roman automatisch zum Hörbuch gemacht. Hierüber entscheiden oft das Budget, die Länge eines Romans und auch der Bekanntheitsgrad des Autors. Wir hören u.a. in den von Ulrich Matthes gelesenen Klassiker „Tschechow“ und in den von Burkhart Klaußner gelesenen Fitzgerald-Roman „Diesseits vom Paradies“ rein.

4.Workshop: Books & Co. Auf Instagram
4.Workshop: Lesen, bewerten, empfehlen – wie funktioniert eigentlich ein Bücherblog?

IMG_6673-01

Mara Giese hat meinen ganzen Respekt verdient. In den letzten sechs Jahren hat sie eine unwahrscheinliche Entwicklung durchlaufen, der sowohl ihren Blog als auch ihre Person reifen hat lassen. Ihr Literaturblog Buzzaldrins Bücher hat 2011 nur wenige Monate später als Nur Lesen ist schöner das Licht der Welt erblickt und kann bereits eine Reichweite und einen Bekanntheitsgrad aufweisen, von der/dem ich nur träumen kann.

Seit ihren Anfängen verfolge ich Maras Beiträge rund um ihre gelesenen Bücher, besuchten Literaturevents und ihre vierbeinigen Lese- und Lebensbegleiter als begeisterte Leserin und Bloggerkollegin. Ihren kürzlich angetretenen Job als Buchhändlerin werde ich mit neugierigem Blick verfolgen.

Maras Tipp um sich sichtbar zu machen: „Macht einfach mal einen auf dicke Hose.“

Ursprünglich geplant war zwar ein ganz anderer Vortrag, der nach einer erneuten Raumüberfüllung in die Lobby verlegt wurde, bereut habe ich den Besuch bei Mara dennoch nicht. Die zehn Tipps, die Mara den Teilnehmern an die Hand gab, gehören nämlich zum täglich Brot einer Literaturbloggerin. Sie sind in meinem Bloggeralltag zwar bereits fest verankert, haben mir aber gewisse Dinge wieder in Erinnerung gerufen und mich zur Selbstreflektion eingeladen.

Ihre Empfehlungen sind außerdem in Form eines Buches, dem „Literaturbloggerbuch“ bei Edel Elements schriftlich festgehalten. Allen Bloggerneulingen sei die Lektüre  daher persönlich ans Herz gelegt.

5.Workshop: 100 Bookshops around the world

IMG_6682-01.jpg

Eine Headline, die bereits im Vorfeld für großes Herzklopfen sorgte! Wer den Torsten noch nicht kennt, sollte sich seine Facebook Fanpage Around the world in 100 Bookshops noch einmal genauer ansehen. Denn der gelernte Buchhändler Torsten Woywood hat das gemacht, wovon viele Buchliebhaber sicherlich träumen. Er hat Wohnung und Job gekündigt, um sich auf eine ganz besondere Reise zu begeben. Und zwar zu den schönsten Buchhandlungen dieser Welt. Na, bist du nun neugierig? Solltest du auch.

IMG_6680Torsten reiste im Workshop erneut mit uns um die Welt. Wir entdeckten den Buchladen Boekhandel Dominicanen in Maastricht, der sich in einer alten Kirche niedergelassen hat; die Livraria Lello in Porto, wo J.K. Rowling wohl ihre Inspiration für Harry Potter fand und in der man nur selten alleine ist; die größte Outdoor-Buchhandlung in den USA, die wunderschöne Historia Literatura Universal in Buenos Aures, die angeblich „schönste Buchhandlung der Welt“ in Venedig oder eine Bücherstadt in Tokyo mit sage und schreibe 180 Buchhandlungen auf kleinstem Raum.

Wer jetzt noch nicht genug Buchhandelstipps gesammelt hat oder einfach noch Lust auf mehr hat, kann sich Torstens literarische Hotspots als Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa: Meine Reise zu den schönsten Bücherorten unseres Kontinents“ (*klick*) oder auch als bibliophiler Wandkalender „Around the world in 100 Bookshops“ (*klick*) nach Hause holen.

IMG_6684-01.jpg

Zu meiner Begeisterung gab es den wunderschönen Wandkalender aus dem Hause DuMont Kalenderverlag als Goodie für alle Teilnehmer des Workshops mit nach Hause! <3

Begegnungen im Fotobulli

Screenshot_2017-06-10-20-06-15-01

FB_IMG_1497118026190

Mein Resümee

IMG_6667-01

IMG_6666-01.jpgDie LitBlog Convention hat sich gelohnt. Ich bin um viele Anregungen und Eindrücke reicher wieder nach Hause gefahren. Meine Lieblingsworkshops waren definitiv die über John Irving und Torsten Buchhandelsweltreise. Etwas neidisch bin ich nach wie vor auf die Teilnehmer des Basic Handlettering – Workshops, an dem ich gerne teilgenommen hätte,  um zu sehen, inwieweit das Handlettering auch zu meinem Hobby werden könnte.

Das Einbauen von 20-minütigen Zeitfenstern zwischen den Workshops hat für etwas Luft zum Raumwechsel gesorgt, auch wenn sich mir Raum Greg im dritten Stock auch beim dritten Anlauf noch zu klein präsentierte. Das DSC_0918-01spontane Ausweichen in die Lobby sollte man sich für nächstes Jahr vielleicht als feste Alternative zu Raum Greg im Hinterkopf behalten, um enttäuschte Teilnehmer zu vermeiden. Die feste Mittagspause mit kuchen- und obsttechnischer Verstärkung und der überpünktliche Aufbau des Abendbüffets  hat das Event perfekt abgerundet und selbst die hungrigsten Bloggermäuler gestopft.

Besonders gefreut hat mich sowohl das Wiedersehen mit bekannten und das Kennenlernen von bisher unbekannten Bloggerkollegen als auch mit einer Reihe an Verlagsmitarbeitern, weshalb der Fotobulli für das Festhalten dieser Begegnungen rege zum Einsatz kam. Ich bin ein großer Fan des Fotobullis geworden, der mir bereits zur #fbm16 begegnet ist!

IMG_6671
In love @FotoBulli

Du möchtest noch mehr Eindrücke zur #lbc17 einfangen? Dann schau mal hier:

Bloggertreffen mit Diogenes und Community Editions – Börsenblatt.net

Mein Vortrag auf der LitBlog Convention 2017 – Buzzaldrins Bücher

Aus dem Leben eines Bloggers: Die LitBlog Convention 2017 – whoiskafka

Warum ich 16 Stunden Zug für die LitBlog Convention 2017 gefahren bin – kapriziös

Die 2. LitBlog Convention in Köln – Bücher, Buchmenschen, Tränen und ganz viel Liebe! – literameer

Das war die LitBlog Convention 2017 – dunkelbunt

Unsere Litblogconvention 2017 – Leckere Kekse

LitBlog Convention #lbc16 in Köln: Klappe – die Erste!

Litblog Convention

Hallo ihr Lieben,

am vergangenen Samstag war es endlich soweit, die  LitBlog Convention #lbc16 hat ihre Premiere gefeiert. Schon bei der Leipziger Buchmesse im März wurde fleißig für die erste Bloggerkonferenz in den Verlagsräumen von Bastei Lübbe in Köln geworben. Die auf 150 Teilnehmer begrenzte Veranstaltung am 04. Juni 2016 war bereits nach drei Stunden ausverkauft und die Warteliste für die Nachrücker wuchs stetig. Auch ich konnte mir eines der begehrten Tickets sichern und habe mich unter das (im wahrsten Sinne des Wortes!) feuchtfröhliche Volk gemischt.

 

image
Credits: LBC – Litblog Convention

Bloggerevents erfreuen sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit. Neben den #bookupDE – Veranstaltungen, bei denen Verlage, Buchhandlungen oder Bibliotheken Literaturbegeisterten einen Blick hinter die Kulissen gewähren und der Blogst, die sich in den letzten Jahren einen festen Namen in der Bloggergemeinde gemacht hat, hat nun auch Bastei Lübbe den Sprung ins Bloggerevent-Gefilde gewagt. Für die LitBlog Convention hat sich der Kölner Verlag mit den regional ansässigen Verlagen Kiepenheuer & Witsch, DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag und Egmont LYX/INK zusammengetan.

Neben der Weiterbildung in den unterschiedlichsten Fachgebieten steht bei Bloggerevents ganz klar das Vernetzen im Vordergrund. Genau wie auf den Buchmessen bekommt man hier die Gelegenheit, sich mit anderen Bloggern, Verlagsmitarbeitern, Journalisten oder AutorINNen auszutauschen. Man trifft auf bekannte Gesichter, lernt neue Persönlichkeiten kennen und bekommt zu vielen Cyber-Avataren endlich auch das dazugehörige Gesicht. Es fühlt sich daher meist an, als sei man auf einem großen Familientreffen.

dsc_1676.jpg

Für die 1. LitBlog Convention in Köln haben sich die veranstaltenden Kölner Verlage für ein umfangreiches Programm von Workshops aus den verschiedensten Themengebieten entschieden. Insgesamt standen 19 Workshops und ein Autoren-Speed-Dating am Ende des Tages zur Auswahl. Diese drehten sich u.a. um Themen wie Selfpublishing, Illustration, Lizenzrechte, Covergestaltung und natürlich dem Schreiben selbst. Zu jeder vollen Stunde konnte man sich zu den Räumlichkeiten der jeweils fünf Workshops, die auf sechs Stockwerke verteilt waren, aufmachen. Es galt first come, first serve!

Timetable LitBlog Con
Das Programm der #lbc16

Zugegeben, ich stand der Herangehensweise an die Workshops anfangs sehr skeptisch gegenüber. Ich hätte mich gerne schon im Vorfeld für meine bevorzugten Workshops registriert und bei 150 Teilnehmern nicht wirklich damit gerechnet, dass sich die spontane Aufteilung der Teilnehmer so harmonisch gestalten wird. Schließlich waren manche Workshops auf max. 20 Personen begrenzt. Doch ich wurde eines besseren belehrt und konnte mir sogar in jedem meiner präferierten Workshops einen Platz ergattern. Yeah!! #lbc16, you rock!

Nachfolgend gebe ich euch einen kleinen Einblick in die vier Workshops, die ich besucht habe. Ich möchte euch damit nur einen klitzekleinen Eindruck vermitteln, warum es sich lohnt, einmal selbst an einer derartigen Veranstaltung teilzunehmen. Wirklich nützlich werden die Informationen sicherlich erst, wenn man persönlich anwesend war.

Meine Workshops

  1. Workshop: Wonach riecht Murakami?

Was sich hinter der ungewöhnlichen Fragestellung um den berühmten japanischen Kultautor Haruki Murakami verbirgt, hat uns Murakami-Übersetzerin Ursula Gräfe und Dumont Bellestrik-Programmleiterin Annette Weber verraten. Murakami ist mit seinen in 40 Sprachen übersetzten Werken bei Lesern auf der ganzen Welt bekannt. Seine Romane machen sich nicht nur optisch gut in den heimischen Regalenreihen, sondern sorgen auch für zahlreichen Gesprächstoff im Feuilleton, im Literarischen Quartett und auf den Buchblogs dieser Welt.

imageSein Roman „Gefährliche Geliebte“, der 1999 erstmalig als deutsche Übersetzung aus dem Amerikanischen (South of the border, West of the Sun) erschien, hat bei der Sendung „Das Literarische Quartett“ für einen heftigen Schlagabtausch zwischen Marcel Reich-Ranicki und Kollegin Sigrid Löffler gesorgt, die das Buch als literarisches Fastfood bezeichnete und darüber hinaus Reich-Ranicki das Gefühl vermittelte, sie empfände erotische Literatur bzw. Liebesromane im Allgemeinen als anstößig.

Wir haben Gräfes neuübersetzte Fassung aus dem Japanischen, die 2013 unter dem Titel Südlich der Grenze, westlich der Sonne erschien, mit der bereits 1999 erschienenen Übersetzung verglichen und am direkten Vergleich dieser beiden Fassungen schnell feststellen können, dass eine Geschichte sehr stark von der jeweiligen Übersetzerin bzw. dem jeweiligen Übersetzer geprägt wird. Da das Japanische laut Gräfe sehr zweideutig ist, ist es nicht immer einfach, mit der Übersetzung atmosphärisch nah am Original zu bleiben.

In Japan hat man Murakami gegenüber eine sehr kritische Haltung eingenommen. Seine Werke werden teils sehr abfällig betrachtet. Man spricht dem Autor einen sehr intensiven Geruch nach westlichem Ausland zu, wodurch die Fragestellung des Workshops entstand.

image

2. Workshop: Bücher auf Weltreisen: Wie verkauft man einen Roman nach Island?

Wie verkauft man ein Buch ins Ausland? Aleksandra Erakovic von Kiepenheuer & Witsch vermittelt uns das Handwerk einer Lizenzabteilung. Das A und O dieser Abteilung sei es, stetig Kontakte aufzubauen und zu pflegen, um durchgängig von einem guten Netzwerk zu profitieren. Den jeweiligen Kontakte im Ausland kann man dann das jeweilige Buch an die Hand geben, dafür sorgen, dass es gelesen und im besten Falle dann auch herausgebracht wird. Hier ist die Zusammenarbeit mit sogenannten Subagenten, die im Land selbst sitzen und der Lizenzabteilung in Deutschland zuarbeiten, wohl Gang und Gebe. Außerdem kann man für das Lesen und Einschätzen von Romanen von Scouts Gebrauch machen, die für den Verlag arbeiten.

Es scheint nicht einfach zu sein, einen ausländischen Hausverlag zu finden, der dem Stil des deutschen Verlags entspricht. Dass es bei der ausländischen Covergestaltung und dem Titel gute wie schlechte Beispiele gibt, merken wir, als Erakovic uns ein paar der im Kiepenheuer & Witsch – Programm herausgebrachten Bücher und ihre jeweiligen ausländischen Pendats im direkten Vergleich zeigt. Manchmal muss auch ein deutscher Verlag feststellen, dass ein ausländischer Verlag den Inhalt des Buches um einiges ansprechender verpackt hat, als er selbst. In diesen Fällen hat man sich durchaus auch schon mal mit der Covergestaltung der deutschen Taschenbuchausgabe an das ausländische Pendant angepasst.

image
Covergestaltung am Bsp. „Tigermilch“, in gelb die gebundene deutsche, in weiß die englische Ausgabe – r.u. die angepasste deutsche TB Ausgabe

3. Workshop: Mit anderen Worten: Literaturübersetzungen – was steckt alles dahinter?

Über den Dächern Kölns, im Raum DAN auf der Dachterrasse von Bastei Lübbe, treffen wir nicht nur auf einen fantastischen Ausblick über die Stadt am Rhein, sondern auch auf Bloggerin, Übersetzerin und Autorin Isabel Bogdan, die für Kiepenheuer & Witsch bereits zahlreiche Bücher übersetzt und kürzlich ihren ersten Roman „Der Pfau“ herausgebracht hat.

image
Über den Dächern Kölns

Von ihr erfahren wir auch, dass man für den Beruf der Übersetzerin gar keine bestimmte Ausbildung benötigt, sondern sich das Wissen vielmehr durch ein Aufbaustudium bzw. bestimmte Schulungen aneignet. Dass sich das beim Beruf der Lektorin ähnlich verhält, erklärt uns KiWi – Lektorin Helga Frese-Resch, die Bogdan beipflichtet, dass eine routinierte Vorgehensweise durch „learning by doing“ kommt, man das im Job benötige Werkzeug jedoch bereits im Volondariat an die Hand gegeben bekommt.

Bogdan, deren Ausführungen durch das Grummeln eines heranrollenden Unwetters noch atmosphärischer werden, berichtet, dass es beim Übersetzen die unterschiedlichsten Herangehensweisen gibt. Während sie selbst am Anfang eines Buches beginnt, arbeiten sich andere Übersetzer durch bestimmte Bausätze des Buches und beginnen an den unterschiedlichsten Stellen einer Geschichte.

Sie erwähnt, dass Rezensenten oftmals die Sprache eines Buches einzig und allein dem Autor / der Autorin zusprechen anstelle der übersetzenden Zwischeninstanz. Ein übersetztes Buch ist das Gemeinschaftswerk von AutorIN und ÜbersetzerIN und das sollte man beim Rezensieren eines Buches berücksichtigen. Sie spricht damit einen sehr wichtigen und zugegeben von mir bisher völlig unbeachteten Aspekt an.

  1. Workshop: Blog oder Tagebuch: Schreiben am Beispiel von Nigel Slaters Küchentagebüchern

image

Schreiben ist vielfältig. Die Zeilen eines Buches können die unterschiedlichsten Gefühle und Bilder bei Lesern hervorrufen. Auch der englische Food-Journalist Nigel Slater, der zu den besten Food-Journalisten der Welt zählt, besitzt einen sehr lässigen Schreibstil. In seinen Küchentagebüchern entführt er die Leser durch die Jahreszeiten seiner Küche. Er erzählt vom Reifeprozess der Lebensmittel, die er teilweise auf seinem kleinen Balkon selbst heranzieht und in seiner Küche zubereitet.

Es ist der unverwechselbare Slater Sound, so Sofia Blind, Sachbuchübersetzerin bei DuMont, der seinen Zeilen einen so appetitlichen und würzigen Ton verleiht. So kreiert er lebendige Küchentagebücher, die sich perfekt als Bettlektüre oder Inspirationsquelle eignen und nur im Ansatz an ein normales Kochbuch erinnern. Neben den Rezepten, die Slater darin seinen Lesern an die Hand gibt, schafft er es, literarisch übers Essen zu schreiben.

Ähnlich wie Blogger begegnet auch Slater damit seinen Lesern auf einer sehr persönlichen Ebene. Sein Gespür für die Sprache ist in seinen unterhaltsamen und teilweise sehr amüsanten Zeilen durchweg spürbar. Davon können sich die Teilnehmer des Workshops überzeugen, als Blind Passagen aus Slaters Küchentagebüchern vorliest. Ein Workshop, der Lust aufs Kochen und vor allem aufs Essen macht.

image

Begegnungen

image
Selfie-Time mit Daniela
image
Gruppenbild mit Ilja, Gérard, Sonja, Uwe und Tobias

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Resümee

Für mich steht fest: die 1. LitBlog Convention in Köln war ein voller Erfolg. Sicherlich kann man ihr an der ein oder anderen Stelle noch ein bisschen Feinschliff verpassen, wie z.B. dass man die Konzentration der einzelnen Workshops noch etwas mehr auf die Blogger richtet und sie damit in einen lebendigeren Austausch bringt, oder das Timing der Vorbereitung des Buffets am Ende der Veranstaltung, das für lange Wartezeiten und knurrende Mägen gesorgt hat (wobei hier sicherlich meine Gastroseele ans Tageslicht kommt). Alles im Ganzen präsentierte sich die Veranstaltung aber sehr rund und harmonisch.

In den Goodie-Bags, die den Teilnehmern der LitBlog Convention am Anfang der Veranstaltung überreicht wurden (effektiver fände ich hier im Übrigen die Übergabe am Ende des Events), habe ich zu meinem Entzücken ein Buch gefunden, das mich persönlich sehr anspricht. Denn Delphine de Vigans „Nach einer wahren Geschichte“ trifft auf den ersten Blick zu 100% meinem Lesegeschmack. Die zahlreichen Goodies neben den Büchern präsentieren sich wie das Tüpfelchen auf dem I. Well done!

image

Du möchtest noch mehr Eindrücke zur #lbc16 einfangen? Dann schau mal hier:

Börsenblatt.net: Vom Schreiben und Büchermachen

Book Walk: Die 1. LitBlog Convention #LBC16 in Köln – Mein Rückblick

Buchverrueck.de: [Unterwegs]: LitBlog Convention am 04.06.2016 in Köln

Who is Kafka?: Impressionen: Die erste LitBlog Convention in Köln

Maaraavillosa: LBC 2016 – Litblog Convention in Köln 

Muromez: Das war die LitBlog Convention

Little Words: Gedankenschnappschuss #12: Litblog Convention 2016

Herzliche Grüße, eure Steffi.