#3.2: How to explore „Belgium“ as a booklover: Bruges

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Willkommen zum zweiten Teil meiner literarischen Belgien-Reise!

Nachdem ich Gent bereits für mehrere Tage unsicher gemacht hatte, stand eine Stadt des belgischen Nachbarlandes ganz oben auf meiner Liste: Brügge.

Der Stadt, die wir Deutschen spätestens seit dem Film „Brügge sehen… und sterben?“ (original Titel „In Bruges“) auf dem Schirm haben, haftet nämlich nicht nur eine besonders märchenhafte Atmosphäre, sondern auch ganz viel Tradition und Moderne an. So präsentierte sich Belgien mir nicht nur überaus kulinarischer sondern auch sehr nostalgischer Natur. Heute möchte ich euch von meinen literarischen Entdeckungen aus Brügge berichten.

Bruges – history meets romance

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Brügge ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Westflandern. Die Stadt, die im niederländischen Teil Belgiens angesiedelt ist, beherbergte im Spätmittelalter jede Menge Herzöge, weshalb sie recht schnell zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wuchs.

Ein Spaziergang durch ihre kopfsteingepflasterten Gässchen und Straßen, die oft am Kanal oder an mittelalterlichen Häuserfassaden vorbeiführen, präsentiert sich daher fast wie eine Reise in die Vergangenheit. Über all die Jahre konnte sich die Altstadt ihren historischen Stadtkern wahren, der der Stadt im Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe und 2002 zum Titel Europäische Kulturhauptstadt verhalf.

Besonders schön anzusehen sind die Brügger Reien (die Kanäle), die sich liebevoll durch die Stadt schlängeln und für zahlreiche Bogenbrücken sorgen, weshalb Brügge vielerorts auch als „Venedig des Nordens“ bekannt ist. Man kann die Stadt daher sowohl per Boot als auch per Fuß erkunden. Die Grachtenfahrt auf den Reien scheint dich zu besonders schönen Ecken von Brügge zu führen, die den Blick auf versteckte Gärten, malerische Brücken und wunderschöne Stillleben freigibt.

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Ich selbst habe mich für eine Erkundungstour zu Fuß entschieden, bei dem mir die Stadt wie ein Gemälde begegnet ist, in das ich gesprungen bin um es Farbschicht für Farbschicht, Nuance für Nuance zu erobern. Eigentlich kann man sich in diese Stadt nur verlieben. Denn dem romantischen Charme, den sie versprüht, kann man sich nur schwer verwehren. Man sollte die Stadt allerdings nicht am Wochenende erobern, denn dann überschwemmt eine Flutwelle an Touristen nahezu die gesamte Innenstadt und macht es dir fast unmöglich, sie in ihrer ganzen Schönheit zu erfassen.

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Handgeklöppelter Stadtplan von Brügge

Brügge als literarischer Schauplatz

Das tote Brügge

IMG_5324-01Der Roman „Das tote Brügge“ des belgischen Schriftstellers Georges Rodenbach ist 1892 zuerst als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Le Figaro, wenig später als Buch erschienen. Ergänzt von Fotografien der Stadt Brügge erzählt die symbolisitsche Novelle die Geschichte eines trauernden Witwers, der sich in Brügge niedergelassen hat und exzessiv für eine Operdarstellerin schwärmt, die seiner verstorbenen Ehefrau gleicht.

Der Roman wurde 1903 von Friedrich von Oppeln-Bronikowski erstmalig ins Deutsche übersetzt. Das Buch ist die berühmteste Beschreibung des in volle Bedeutungslosigkeit erstarrten alten Brügge, das einst als eine der reichsten Handelsstädte Nordeuropas galt.

Rodenbachs Novelle gilt als wichtiges Dokument des französischsprachigen Symbolismus. Diese Kunstströmung des späten 19. Jahrhunderts hatte zum Ziel, darzustellen, ohne zu zeigen. Das Symbol, das der Künstler darstellen will, muss der Rezipient anhand der vielen und häufig eindeutigen Umschreibungen selbst erkennen.

Kriminelles Brügge

Auch die Kriminalromane des belgischen Kriminalschriftstellers Pieter Aspe (mit richtigem Namen Pierre Aspeslag) spielen in Brügge. Er schreibt sie in flämischer Sprache. Mit über 300 000 verkauften Romanen gilt er als meistgelesenster Krimi-Autor Belgiens.

Während Pieter Aspe für seine in Belgien bekannte Van In-/Martens-Reihe in Belgien überaus erfolgreich ist, hat es geschlagene zehn Jahre gebraucht, bis sie auch in der deutschssprachigen Krimi-Landschaft ankam.

Der Fischer Verlag bringt seit Frühjahr 2005 die Krimis des Belgiers auf den Markt.

Brügge und seine literarischen Kinder

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Brügge ist Geburtsort einiger bekannter Romanisten und Schriftsteller.

Zu den in Deutschland bekanntesten Schriftstellern unter ihnen zählt wohl aber Hugo Claus, der u.a. auch als Maler, Dramatiker, Journalist, Lyriker, Drehbuchautor sowie Film- und Fernsehregisseur bekannt war. Er verstarb 2008 in Antwerpen.

Er gilt als der bedeutenste belgische Nachkriegsschriftsteller in niederländischer Sprache. Sein bekanntestes Werk ist der Bildungs- und Familienroman „Het verdriet van België“ (auf deutsch „Der Kummer von Flandern“ bzw. später „Der Kummer von Belgien“), der in der Zeit des 2. Weltkriegs spielt und sich an Claus’ eigene Lebensgeschichte anlehnt.

Buchhandlungen

Brugse Boekhandel

Dijver 2, 8000 Brugge

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img_5371-01.jpegDas rote Backsteingebäude der Brugse Boekhandel an der Dijver erblickt man schon von weitem. Seine historische Häuserfassade mit seinen zwei treppenartigen Giebeln lässt bereits auf eine lange Geschichte schließen. Um genau zu sein, residiert der Brugse Boekhandel schon seit 1934 am Dijver Kanal und beherbergt nicht nur ein umfangreiches Angebot an Kinder- und Jugendbüchern, sondern auch eine riesige Sammlung an historischen Stadtlektüren rund um Brügge. Rodenbachs Roman „Das tote Brügge“ ist hier in nahezu jeder Sprache erhältlich.

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Im Untergeschoss bin ich auf jede Menge deutsche, französische und englische Bücher gestoßen, die sich in vollbepackten Kisten aneinanderkuscheln.

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 12:30 Uhr / 13:30 – 18:30 Uhr

Sonntags: geschlossen

De Raaklijn

Kuipersstraat 1, 8000 Brugge

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Hinter dem Grote Markt, versteckt in einer Seitenstraße, stoße ich auf die Buchhandlung Raaklijn, deren Hausfassade bereits vor dem Eintreten für Entzückung sorgt. Die Reihe davor parkender Fahrräder dominiert den Anblick auf diesen besonders schönen Buchladen.

Nach meinem Eintreten dringt klassische Musik an mein Ohr, die mit dem knarzenden Holzboden, der unter meinem Gewicht ächzt, in Einklang steht. Im hinteren Teil des Ladens entdecke ich eine Reihe an niederländischen Kinderbuchschätzen, durch die ich mit großen Entdeckeraugen blättere und einmal mehr bedaure, dass ich die Landessprache nicht beherrsche.

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Am Tresen begrüßt mich eine äußerst  sympathische Buchhändlerin, deren Lippen von einem einladenden Lächeln umspielt werden und die mir sogar eins der hauseigenen Raaklijn – Lesezeichen mit englischem Zitat aus den Untiefen ihrer Schublade herausfischt, als sie erfährt, dass ich aus Deutschland komme.

Es wundert mich nicht, dass die Buchhandlung, die bereits 1961 ihre Türen geöffnet hat, zu einem Zuhause für zahlreiche Literaturfans geworden ist, denn auch ich fühle mich hier auf Anhieb wohl. Ich stöbere fast eine Stunde im Laden, der ausschließlich Klassiker und zeitgenössische Literatur englischer, französischer und niederländischer Natur beherbergt.

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 18:00 Uhr

De Reyghere Boekhandel, Reisboekhandel & Boekenoutlet

Markt 12, 8000 Brugge

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Die Buchhandlung De Reyghere entdecke ich in Brügge gleich in dreifacher Ausführung. Während am Marktplatz die Stammbuchhandlung De Reyghere und direkt anschließend das Pendat der Reiseliteratur Reisboekhandel De Reyghere zu finden ist, versteckt sich ein paar Seitenstraßen weiter in der Sint-Amandstraat 5 das Boekenoutlet Reyghere mit aussortierten Büchern zum kleinen Preis.

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Besonders gefallen hat mir die Boekhandel Reyghere, die ein kunterbuntes Sammelsurium aus Kinder- und Jugendbüchern, Klassikern und Novitäten der Erwachsenenliteratur, Postkarten und kleinen Geschenkartikeln beherbergt. Im hinteren Teil des Ladens trifft man auf ein reizendes Hinterzimmer mit einem kleinen Kamin (der nur noch als Dekoration benutzt wird) nebst einem entzückenden Lesesessel, der zum Stöbern in den zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern einlädt, die sich dort angesiedelt haben.

 

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Doch auch der Hauptraum begeistert mit nostalgischem Flair, das durch die historischen Büsten an der Wand und den alten Holzregalen hervorgerufen wird. Ein besonderer Blickfang war während meiner Anwesendheit eine Deckenlampe, die mit zahlreichen von Zitaten geschmückten Notizzetteln verziert war und geschickt den Blick der Besucher auf sich lenkte.

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Falls man durch das liebevoll dekorierte Schaufenster und die zahlreichen darin eingebetteten Buchempfehlungen noch nicht zum Kauf angeregt worden sein sollte, wird man es spätestens beim Streifzug durch die Regale. Hier habe ich ein niederländisches Exemplar von Helene Hanffs „84, Charing Cross Road“ erstanden (in der Hoffnung, der Landessprache durch das Lesen einer bekannten Geschichte mächtig zu werden).

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Die Buchhandlung De Reyghere scheint es bereits seit 1888 zu geben. Sie kann auf eine jahrelange Unternehmensgeschichte zurückblicken, die seit Generationen in Familienhand ist. Dem Reiher im Namen und Logo haftet etwas Nostalgisches an.

Öffnungszeiten

De Reyghere boekhandel

Montag bis Samstag: 9:00 – 18:00 Uhr

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Reisboekhandel

Montag: 13:30 – 18:00 Uhr

Dienstag bis Samstag: 9:30 – 12:30 Uhr / 13:30 – 18:00 Uhr

Boekenoutlet

Montag bis Samstag: 10:00 – 18:00 Uhr

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In den Eenhoorn (Antiquariat)

Ezelstraat 131, 8000 Brugge

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dsc_0087.jpgDieses Antiquariat ist ein absolutes Wohlfühlparadies. Nach meinem Eintreten weht mir ein papierender Geruch um die Nase, der die Lust zum Stöbern in mir weckt. In den kleinen Lichtkegeln, die nur spärlich in den Laden dringen, sehe ich den Staub mit der Sonne tanzen. Hier stapeln sich meterhoch die Bücher: In bis an die Decke reichenden Regalen, in Kisten und auf gefährlich wackelnden Büchertürmen. Inmitten des buchigen Chaos stoße ich auf einen roten Samtsessel aus Omas Zeiten, der ein Ächzen von sich gibt, als ich mich voller Elan reinplumsen lasse.

Und während ich so in meinen antiquarischen Entdeckungen zu schmökern beginne, gesellen sich westflämische Sprachfetzen aus der Unterhaltung der Ladenbesitzer an mein Ohr, die sich mit Freunden zu Kaffee & Kuchen im hinteren Teil des Ladens zusammenfinden. Herrlich authentisch!

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Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag: 9:00 – 12:00 Uhr / 14:00 – 18:30 Uhr

 

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Festivals

Bru – Taal: Internationales Literaturfestival

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dsc_0100-01.jpeg„We are always looking for those who want more than chocolate and beer, who value the atmosphere of the city.“

 Renaat Landuyt

Von 5. – 13. Mai 2017 wurde Brügge erstmalig zur literarischen Hauptstadt der Niederlande. Über 60 Autoren und Autorinnen waren in das westflämische Städtchen eingeladen, um die Menschen eine Woche lang mit Wörtern zu berieseln. Der Titel des Festivals stammt von Bürgermeister Renaat Landuyt. Er verbindet die Anfangsbuchstaben der Stadt (Bruges) mit dem Wort taal, das im Niederländischen ‚Sprache‘ bedeutet. Obwohl es im ersten Moment an das Wort ‚brutal‘ erinnert, steht es vielmehr für Chuzpe und Kühnheit als Gewalt und Härte.

“It says that we are not just going along with the postcard image of Bruges, but we also want to challenge the city by bringing contemporary writers into public spaces.”

Sigrid Bousset

Das Programm des Festivals wurde von dem Brügger Kunstzentrum Kaap und der unabhängigen Kuratorin Sigrid Bousset zusammengestellt. Neben klassischen Lesungen standen wohl auch Lesungen an außergewöhnlichen Plätzen, wie z.B. auf Brücken und Grachten auf dem Programm, weshalb ich untröstlich bin, dass es mir entgangen ist, da es genau nach meiner Abreise begann. Eine Reihe an Flyern haben mich allerdings so neugierig gemacht, dass ich intensive Recherche betreiben musste und es euch daher nur ans Herz legen kann. 2019 soll das Festival in die zweite Runde gehen.

Na, sehen wir uns? Nähere Informationen dazu findet ihr hier.

Kulinarische Hot Spots – wo es sich am besten liest

Books & Brunch

Garenmarkt 30, 8000 Brugge

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img_5110.jpgStellt euch vor, es gibt einen Ort, an dem ihr kulinarische und literarische Köstlichkeiten gleichzeitig verspeisen könnt. Ein Ort, der sich wie eine Komposition aus Café, Bibliothek und Wohnzimmer präsentiert und in dem ihr jede Minute, ach was Sekunde, aufsaugt, weil sie sich so herrlich wohltuend auf eurer Seele ausbreitet.

Willkommen im Books & Brunch!

Der Besuch in diesem literarisch kulinarischen Idyll war eine Empfehlung von meinem Herzensmann, mit dem ich gemeinsam im Books & Brunch gestrandet bin. Es empfiehlt sich vorab Plätze zu reservieren, denn zahlreiche Spontanbesucher mussten während unseres Aufenthaltes aufgrund der starken Nachfrage auf ein nächstes Mal vertröstet werden.

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Wir landeten hier Anfang des Jahres, weswegen uns das Lokal noch mit glitzernder Weihnachtsdekoration empfing. Der Besitzer des Ladens ist ein offener, sympathischer und aufmerksamer Zeitgenosse, der nicht nur zügig für Stärkung kulinarischer Natur sorgte, sondern auch auf uns abgestimmte Buchempfehlungen aus dem Ärmel zauberte. Als hätte er in unser Innerstes geblickt, legte er kurz darauf eine Reihe an antiquarischen Büchern auf unseren Holztisch, die genau unserem Geschmack entsprachen und kurz darauf für wenig Geld von uns erobert wurden. Unsere Erwartungen wurden damit erfüllt: et voilà – books & brunch!

Das Konzept des Ladens hat mich auf Anhieb überzeugt. Bei den Lebensmitteln setzt man auf biologischen Anbau aus der Region und präsentiert diese dann in überaus ansprechender Optik auf schlichtem natürlichem Material. Der Kaffee ist exzellent, der Orangensaft frisch gepresst, die Früchte frisch und das Frühstücksomelett saftig und lecker. So genießt du in herrlich entspannter Atmosphäre, umringt von Büchern, dein Essen und schwebst auf Wolke 7!

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In nahezu jedem Winkel begegnet dir hier das gedruckte Wort. Im vorderen Teil des Ladens reihen sich aufgehängte Magazine an Kleiderbügeln, im Treppengeländer sind Bücher verstrickt, selbst auf der Toilette triffst du auf Tapeten im buchigen Design. Du kruscht in vollgestopften Bücherkisten, wanderst an zahlreichen Bücherregalen entlang und staunst über das beeindruckende Deckendesign. Ausdrückliche Empfehlung!

Na, googelst du bereits nach der Telefonnummer, um dir einen Tisch zu sichern? Die Ladenbesitzer genießen derzeit eine Sommerpause und sind im September wieder da.

 

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Öffnungszeiten:

Montag – Freitag: 9 – 15 Uhr

Samstag und Sonntag: geschlossen

The Gulliver Tree

Cordoeaniersstraat 4, 8000 Brugge

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(c) The Gulliver Tree

dsc_0212.jpgIns The Gulliver Tree habe ich mich auf Anhieb verliebt. Es ist ein familiengeführtes Tee- und Kaffeehaus, das sich wie ein kleines Wohnzimmer mit offenem Kamin präsentiert. Das flackernde Feuer des Kamins hüllt dich während der kalten Jahreszeit mit wohliger Wärme ein, während du dir deine aktuelle Lektüre im kuscheligen Sofa nebst einem ausgezeichneten Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen einverleibst. Wie es dir im Sommer begegnet, kann ich dir nicht sagen, aber vielleicht findest du das einfach selbst heraus!?

Neben dem ansprechenden Interieur überzeugt die Speisekarte mit schlichtem aber originellem Design. Die Auswahl an Tee- und Kaffeespezialitäten und selbstgemachten Kuchen ist bemerkenswert groß. Besonders empfehlen kann ich die saftige Chocolate Tarte, die nahezu direkt nach dem Verzehr an deinen Hüften klebt, aber jede einzelne Kalorie wert ist.

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img_20170104_155257.jpgNeben dem Kamin ist ein hauseigenes Bücherregal mit einer kleinen aber feinen Auswahl an Klassikern zu finden, denen man sich während seines Aufenthaltes widmen kann, falls man kein eigenes Buch dabei hat. Gegenüber vom Tresen entdeckt man ein Regal mit netten Mitbringseln für die Liebsten zuhause oder einfach nur für einen selbst.

Mein Besuch wurde vom mahlenden Sound der Kaffeemühle, dem Stimmengemurmel seiner Besucher und dem Rhythmus von rührenden Kaffeelöffeln in feinem Porzellan begleitet. Ein Traum von einem Laden! Eine wahre Wohlfühloase!

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 9 – 18 Uhr (von April bis September: 9 – 17:00 Uhr)

Sonntag und Montag: geschlossen

Sommerpause: 1. – 31. Juli

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See you in Bruges! Eure Steffi.

#3.1: How to explore „Belgium“ as a booklover: Ghent

Seid gegrüßt meine literarischen Weltenbummler,

lange Zeit hatte ich unseren belgischen Nachbarn nicht auf dem Schirm. Das Königreich, das rund 11,3 Millionen Einwohner aufweist, wurde erst dann für mich interessant, als mich mein Freund in sein Heimatland entführte, das neben exquisiten Pralinés, 1500 eigenen Biersorten und den weltbesten Pommes Frites auch jede Menge literarische Hot Spots für Bibliophile bereithält.

Zugegeben, den engen Bezug zur Literatur, wie wir ihn in Deutschland haben, haben die Belgier nicht. Daher liest man dort in der Regel Bücher englischer, amerikanischer oder französischer Autoren. Die Werke heimischer Autoren und Autorinnen sind spärlich gesät. Viele Kinderbücher, die mir in meiner Kindheit lieb und teuer waren, waren meinem Freund lange Zeit nicht mal ein Begriff. Und ich dachte, dass man an den Büchern von Astrid Lindgren, Michael Ende oder Ottfried Preußler gar nicht vorbeikommen kann. Den Facettenreichtum an Geschichten und die liebevoll illustrierten Bücher, die wir in Deutschland genießen, bleiben den Belgiern daher oftmals verwehrt.

Meine Besuche im belgischen Nachbarland haben mich bisher sowohl nach Gent als auch nach Brügge geführt. Die Hauptstadt Brüssel und Antwerpen blieben vorerst unentdeckt, haben sich aber direkt auf meine Bucket List geschlichen. Heute möchte ich euch von meinen literarischen Entdeckungen aus Gent berichten, während Brügge für den zweiten Teil von „How to explore „Belgium“ as a booklover“ vorgesehen ist.

Ghent – History meets culinary

„Ghent is a city which enjoys itself. It is full of these cafés (which serve beer, wine, spirits, food, and warm drinks), and tea- and coffeeshops, full of museums and theaters (…) bookshops and independent boutiques. Its literary scene happens in and around these hubs, contributing to a sense of gezelligheid, or communal coziness.“

Literary Boroughs, Andrea Marucci, Ploughshares

Gent ist nach Antwerpen die zweitgrößte Stadt in Flandern und zugleich die Hauptstadt der belgischen Provinz Ostflandern. Was mich beim Spaziergang durch die zahlreichen Gässchen auf Anhieb entzückte, ist der historische mittelalterliche Charme, der an den zahlreichen, liebevoll aneinandergekuschelten Häuserfassaden der Altstadt haftet.

Der zweite Blick fällt dann auf die schier grenzenlosen Chocolaterien, Restaurants und Bars, weshalb einem irgendwie das Gefühl überkommt, die Belgier geben sich der meisten Zeit ihres Daseins dem Frönen hin. Ob es sich dabei um das Stillen des Hungers oder des Durstes handelt, scheint egal. Ihre Delikatessen (zu dem irgendwie alles gezählt wird, was kalorienbehaftet ist) sind den Belgiern heilig!

 

 

 

Besonders reizvoll ist ein Spaziergang an der Leie entlang, die den Innenstadtkern liebevoll umspült und zahlreiche Boote voller Touristen und Kanufahrern durch die Stadt trägt.

Dabei dringen Sprachfetzen flämischer als auch internationaler Konversationen an dein Ohr und umhüllen dich von lauschigem Wohlbefinden.

 

Gent und seine literarischen Kinder

In der niederländischsprachigen Kultur nimmt Gent einen wichtigen Platz ein. Es gibt eine Reihe an Autoren, Dichtern und Chronisten aus der Stadt, wie z.B. Lucas d’Heere, Carel van Mander und Dathenus. Nach der Reformation verfiel nicht nur die Stadt, sondern geriet auch das literarische Leben Gents jahrhundertelang in Vergessenheit. Erst nach 1830 machte sich Gent auf literarischem Gebiet mithilfe von Autoren wie z.B. Karel Van de Woestijne, Hippoliet Van Peene und Cyriel Bysse wieder einen Namen.

Sehenswürdigkeiten

Leider scheint die Stadt kein wirklicher Drehort für Geschichten, Gedichte oder Filme englischsprachiger Literatur zu sein. Dennoch entdeckt man an einigen Stellen lyrische Bezugspunkte zu Architekten, Dichtern und Autoren der Genter Stadtgeschichte.

So offenbaren sich dem aufmerksamen Beobachter an vielen Häuserfassaden, Giebeln oder Oberflächen Zitate, Gedichte oder Motive unterschiedlichster Art.

Watch out!

 

Buchhandlungen

Mein Freund hat mir schon im Vorfeld angekündigt, dass es für mich nur wenige Buchhandlungen zu entdecken gibt. Nach intensiver Recherche musste ich ihm zustimmen, konnte dafür aber ein paar außergewöhnlich schöne literarische Oasen aufspüren, die durch ihre Besonderheit die geringe Anzahl mehr als wett machen. Qualität statt Quantität scheint hier die Devise!

Boekhandel Paard Van Troje
Kouter 113, 9000 Gent

Diese entzückende Buchhandlung existiert seit 2003 und wurde zu den schönsten Buchhandlungen Europas nominiert. Hier findet man nicht nur liebevoll in Szene gesetzte Bücher (englischer, niederländischer oder französischer Abstammung) und schwer zu ergatternde Sonderausgaben, sondern auch ein süßes Café, in dem man sich dem neu erstandenen Bücherjuwel bei Kaffee & Kuchen vollends widmen kann.

Bei schönem Wetter laden die Tische direkt vor dem Laden dazu ein, sich von der Sonne die Nase kitzeln zu lassen, während man bei kühleren Temperaturen sich in den vorderen Teil des Ladens an einen der rund zehn Tische zurückzieht.

Paard van Troje ist wirklich ein ganz besonderes Buchhandelsjuwel.

Die Liebe zur Literatur ist hier in allen Ecken spürbar. Ein wunderbares Zitat am Fenster lockt selbst die hartnäckigsten Zweifler in dieses herrliche Kleinod, das sie wenig später mit einem neuen Buch ausspuckt.

„Book collecting is an obsession, an occuption, a disease, an addiction, a fascination, a fat. It is not a hobby.“

Im hinteren Teil des Ladens gibt es eine riesige Kinderbuchabteilung, in der ich so manches liebgewonnene Kinderbuch auf niederländisch bestaunte, während direkt gegenüber der Kasse zahlreiche Kochbücher ihren Platz einnehmen und um deine Aufmerksamkeit winseln.

The English Bookshop
Ajuinlei 15, 9000 Gent

Es ist ein kleines, über und über mit alten Büchern versehendes Antiquariat, das direkt neben dem Kanal zu finden ist und dich mit seinem papierenden staubigen Duft empfängt. Der Besitzer ist ein älteres britisches Modell, der sich in seinem bunten Sammelsurium perfekt auszukennen scheint, auch wenn es sich für dich keiner wirklich einleuchtenden Logik unterzieht. Er weiß, wenn er ein ganz bestimmtes Buch da hat und wo es zu finden ist. Seine handschriftlichen Hinweisschilder geben oft nur eine wage Richtung der dahinter angesiedelten Bücher an. Oft sagen sie gar nicht aus, wie lang sich das jeweilige Genre erstreckt. Es lohnt sich daher von seinem Spürsinn Gebrauch zu machen, als stundenlang selbst zu suchen.

 

Boekhandel Limerick
Koningin Elisabethlaan 142, 9000 Gent

Diese Buchhandlung ist direkt neben dem Bahnhof Sint-Pieters zu finden. Sie beherbergt eine Vielzahl an niederländischen, französischen, deutschen und englischen Büchern unterschiedlicher Genres. Sie ist perfekt für Bibliophile auf dem Sprung. Hier kannst du dir auf den letzten Drücker eine Reiselektüre besorgen, bevor du zur Bahn hechtest. Schließlich muss der Lesestoff für unterwegs gesichert sein!

Flohmärkte

GENTSE BOEKENMARKT
Ajuinlei, Gent

Jeden Sonntag findet direkt am Kanal ein Bücherflohmarkt statt, an dem sich zahlreiche Bücher in Kisten und Regalen übereinanderstapeln und bücherhungrige Besucher zu sich locken. Leider sind hier hauptsächlich niederländische Bücher zu finden. Manchmal mischen sich jedoch auch englische Werke unters Volk.

Alternative Ghent – festivals & street art

Gentse Feesten

Dieser Festivaltipp fällt aus der literarischen Klammer, sollte aber im Rahmen eines Sommer-Besuches unbedingt miteingeplant werden. Denn das kostenlose zehntägige Straßen-, Musik- und Kulturfestival, das im Juli die ganze Innenstadt bis in die späte Nacht mit Leben erfüllt, ist absolut sehenswert! Es zählt zu einem der größten Volksfeste Europas und lässt dich von Musik und landestypischem Bier berauscht, durch die Gässchen von Gent torkeln und das Leben feiern! Ich hab mich auf Anhieb verliebt!

Graffiti Street
Werregarenstraat, 9000 Gent

 

Halte deine Kamera bereit!

Denn die Werrengarenstraat ist bunt, frech und abwechslungsreich. Ihr Look ist einem ständigen Veränderungsprozess unterlegen. Denn hier sind Straßenkünstler nicht nur willkommen, sondern werden ausdrücklich dazu aufgefordert, die Hauswände mit ihrem künstlerischen Stempel zu versehen. Ein Spaziergang durch das schmale lange Gässchen ist daher sehr empfehlenswert!

 

 

Liest du noch oder planst du schon? Ab nach Gent mit dir!