Kinderfreuden #33: Wenn Gemüse zum Leben erwacht

„Opas geheimnisvoller Garten“ – Luc Foccroulle, Annick Masson

Lina ist gar nicht begeistert, dass sie die bevorstehenden Sommerferien bei ihrem Opa auf dem Land verbringen soll. Viel lieber hätte sie sie mit ihrer Freundin Louise am Strand verbracht. Gleich nach der Ankunft verzieht sie sich deshalb auf’s Zimmer. Was soll hier schon groß passieren? Außer Opas Garten gibt’s hier ja nix! Das ist so langweilig!

Als Opa ihr stolz sein grünes Paradies zeigt und sie zur Mithilfe animiert, reagiert sie noch recht widerwillig. Doch als sie eine Bohne von Opa in die Erde setzt und sie regelmäßig gießt, geschieht etwas Magisches. Denn plötzlich vernimmt Lina Stimmen um sich. Es sind die Karotten, Tomaten, Zwiebeln und auch Linas Bohne, die zum Leben erwachen.

Und plötzlich ist Opas Garten gar nicht mehr so langweilig. Denn das Gemüse entpuppt sich als sehr unterhaltsame Truppe. Mit viel Liebe und Zuwendung zieht Lina das Gemüse fortan heran. Und als sie Opa ihre erste Ernte präsentierten kann, platzt sie fast vor Stolz.

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
26,5 x 23,0 cm
ISBN: 978-3-280-03546-7

Text: Luc Foccroulle
Illustration: Annick Masson

Orell Füssli 

12,95 €

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Blickwinkel aus großen Augen

Eigentlich wollte ich euch schon viel früher von diesem wundervollen Bilderbuch berichten, das schon seit einem Jahr bei der kleinen Leserin Luisa wohnt. Die Zeit rann mir allerdings davon, und mit ihr der Frühling/Sommer 2019. Und so findet es erst heute seine gebührende Erwähnung. Dass es mittlerweile nicht mehr zu den Novitäten zählt, tut dem Charme des Bilderbuches aber keinen Abbruch. Denn es kommt wie eine Einladung ins Grüne daher und passt daher perfekt zum heutigen Beginn der Sommerzeit.

 

Da es im letzten Jahr für so viel Begeisterung bei Luisa gesorgt hat, werde ich es auch Emma besorgen. Denn was durch das harmonische Zusammenspiel von Annick Massons locker-leichten Illustrationen und Luc Foccroulles zugänglichen Texten entstanden ist, ist eine Geschichte, die schon die Kleinsten in ihren Bann zieht und damit raus in den heimischen Garten und mitten ins Gemüsebeet lockt. Es wird sicher nicht lange auf sich warten lassen, bis auch Emma dem Zauber von „Opas geheimnisvoller Garten“ erliegt.

„Opa! Die Gemüsepflanzen … sie sind lebendig!“

Cover und Titel lassen es bereits vermuten, hier geht es um eine Großvater-Enkeltochter-Geschichte. Lina muss die Ferien bei ihrem Opa auf dem Land verbringen. Und da es dort nicht viel mehr gibt, als Opas Garten, vermutet Lina sich total zu langweilen. Verständlich, dass sie das Meer und den Strand, den ihre Freundin Luise genießen darf, dem Grünen vorzieht. Doch sie hat nicht mit dem Zauber gerechnet, der auf Opas Garten liegt. Erst als sie eine Bohne in den Boden pflanzt und eine wachsende Begeisterung fürs Gärtnern entwickelt, bricht der Bann, und das Gemüse um sie herum beginnt feucht-fröhlich vor sich hin zu schnattern. Lina staunt nicht schlecht, als sie bemerkt, dass Opas Gemüsepflanzen leben.

Und so drehen sich Linas Gedanken fortan um das Gemüse im Garten. Mit viel Liebe und Zuwendung pflegt und hegt sie die kleinen Gemüsepflänzchen, die jeden Tag ein bisschen mehr aus der Erde hervorragen und am Ende der Sommerferien große Früchte tragen. Und als Lina ihrem Opa einen Teller mit selbst geernteten Bohnen auftischen kann, ist sie nicht nur stolz wie Bolle, sondern auch ein bisschen traurig, dass die Zeit mit ihrem Opa nun vorbei ist.

Die Geschichte zeigt ganz wunderbar, wie schnell man sich für etwas begeistern kann. Wie viel Spaß es machen kann, etwas mit seinen eigenen Händen zu schaffen und dass es sich lohnt, manchmal genauer hinzuschauen. Denn hätte sich Lina nicht so liebevoll um ihre Bohne gekümmert, hätte sich das Gemüse sicher nie zu Wort gemeldet!

Es zeigt aber auch, dass eine gemeinsame Leidenschaft die unterschiedlichsten Generationen zueinander finden lässt. Durch das gemeinsame Gärtnern wachsen Opa und Enkeltochter jeden Tag ein bisschen näher zusammen. Ihre Begeisterung für das Gärtnern wird zu einem wundervollen Bindeglied ihrer Freundschaft.

„Opas geheimnisvoller Garten“ bringt Kindern auf ganz wunderbare Weise die Faszination des Gärtnerns nahe. Es weckt ihn ihnen nicht nur die Neugierde auf die Natur, sondern auch auf das eigene Mitwirken im Garten. Und welches Kind träumt nicht von sprechendem Gemüse! Dem Traum können sich selbst Erwachsene nicht verwehren!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

 

Gefällt dir das Buch?

Ja, sehr!

Was hat dir besonders gefallen?

Das sprechende Gemüse in Opas Garten

Lieblingsgemüse im Buch:

Ganz klar – die Bohnen!

 


 

Lieblingsstelle im Buch:

Als sich das Gemüse zu Wort meldet

Bester Leseplatz:

Am Liebsten in der warmen Frühlingssonne auf dem Balkon, und natürlich müssen direkt danach die Blumen gegossen werden


 

Worauf macht das Buch Lust?

Auf’s Gärtnern im eigenen Garten und natürlich auf sprechendes Gemüse

Schlüpft in die Rolle von:

Einer kleinen Nachwuchs-Gärtnerin


[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell-Füssli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Geflüstertes Sein..

lesenslust über „Namiko und das Flüstern“ von Andreas Séché

„Warten ist geflüstertes Sein.“(Zitat, Seite 174)

 

Mit dem Vorhaben, ein Buch über Gartenkunst zu schreiben, reist ein deutscher Reporter nach Japan. Doch als er in einem der Gärten Kyotos einer jungen Frau begegnet, bekommt seine Reise einen völlig neuen Sinn. Es sind nicht die Gärten Kyotos, die ihn fortan faszinieren sollen, sondern die geheimnisvolle Aura dieser Frau. Namiko.

Eine Frau, die es liebt, verborgene Geschichten aufzuspüren, die Gesten der Natur zu deuten und die Bedeutung der Worte durchs Flüstern zu Tage zu bringen. Schon bald umgibt den Reporter eine ungeahnte Lust nach dem Leben und der Liebe. Eine Liebe, für die er unbekannte Wege gehen muss und schon bald vor der wohl größten Entscheidung seines Lebens steht.

 

„Das Überdauern des Leisen ist eine wundervolle Erfahrung. Das Geflüsterte, das Sanfte, das Allmähliche, das Ungefähre, das Sinnliche, das Schleichende, das Unaufdringliche, das ist eine sehr beständige Angelegenheit. Etwas von Dauer. Vielleicht für die Ewigkeit.“ (Zitat, Seite 159)

Begonnen habe ich mit Séchés Roman „Zwitschernde Fische“, der mir trotz ungewöhnlichem Titel in einer vom Autor begleiteten Leserunde eine der wohl schönsten Geschichten geschenkt hat, die ich bisher gelesen habe. Von der Begeisterung für den von mir gelesenen Erstling war es klar, dass ich auch Séchés Vorgänger „Namiko und das Flüstern“ lesen muss.

Auch wenn mich viele der Zeilen in diesem Buch begeistern konnten und ich es mir nicht nehmen lassen wollte, sie zu notieren, konnte „Namiko und das Flüstern“  mich nicht ganz so mitreißen, wie es „Zwitschernde Fische“ getan hat. Dennoch habe ich die leisen und behutsamen Zeilen dieses Buches sehr genossen.

Séché bringt in dieser Geschichte ganz stark die Bedeutung kleiner Gesten, Momente und Worte zum Ausdruck. Er verleiht den scheinbar alltäglichen Dingen einen besonderen Zauber und lässt uns nachdenklich auf den Verlauf unseres Lebens blicken. Behutsam führt er uns hinter das Licht und lässt uns an kleinen Geheimnissen teilhaben, die still und scheinbar bedeutungslos im Hindergrund lauern. Er schenkt uns den Blick auf die kleinen Dinge des Lebens.

Séchés liebevolle Umschreibungen und seine oft so poetische Art und Weise, die Dinge beim Namen zu nennen, ließ mich wie auf einer Wolke durch die Geschichte gleiten. Er hat es schon jetzt geschafft, sich einen kleinen Platz in meinem Leserherz zu ergattern. Erst kürzlich (Ende März 2013) ist sein dritter Roman „Zeit der Zikaden“ erschienen, der schon bald einen Platz in meinem Bücherregal einnehmen wird. Ich flüstere daher 4 von 5 möglichen Worten in Namikos Ohr und lausche der Kraft der Stille.