Kinderfreuden #53: Ein Freund für alle Lebenslagen

„Bertie Pom und das große Donnerwetter“ – Daniela Drescher

Verlag Urachhaus, 2. Auflage 1. Oktober 2021, Preis 16,00 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 3 Jahren, 26 Seiten, ISBN: 978-3-8251-5284-0, hier geht’s zum Buch

Seit vielen Sommern und Wintern lebt der Apfelwicht Bertie Pom in seinem gemütlichen Wichtelhaus.

Als eines Tages ein heftiger Sturm um seinen Apfelbaum braust, ist dem freundlichen Wicht nichts zu waghalsig, um seine Freunde aus den Klauen des Unwetters zu befreien. Wie gut, dass sein Zuhause am Fuße des Baums so gemütlich ist, dass alle bei ihm Zuflucht finden …

Beschreibung des Verlags

Blickwinkel aus großen Augen

Heute ist Nikolaustag und wenn es etwas gibt, das früher neben Mandarinen, Nüssen und dem obligatorischen Schokoladennikolaus immer den Weg in meine blitzblank geputzten Stiefel fand, dann waren es Äpfel. Wir lieben Äpfel. Und das geht nicht nur uns so, sondern scheinbar auch dem Rest von Deutschland. Schließlich gilt der Apfel als beliebtestes Obst hierzulande. Er begleitet uns durch das gesamte Jahr. Und deshalb findet er heute auch den Weg in Emmas Stiefel – vom Nikolaus höchstpersönlich befüllt versteht sich!

Während meine Tochter und ich zwischen August und Oktober immer besonders den Genuss von lokalen erntefrischen Äpfeln frönen, kommen wir auch nach der offiziellen Erntezeit noch in den Genuss von Äpfeln. Sie sind Emmas tägliche Begleiter. Schon früh am Morgen gönnt sie sich die extra Ladung Vitamin C zum Frühstück und ist empört, wenn sie ihre geliebten Apfelschnitzen im Kindergarten nicht in ihrer Brotzeitbox vorfindet. „Mama, du hast heute meine Äpfel vergessen!„, beschwert sie sich dann beim Abholen. Und wie heißt es schließlich so schön: „An apple a day keeps the doctor away!“

Wie passend, dass Ende August ein Bilderbuch von Daniela Drescher erschienen ist, das gleich zwei Vorlieben von uns vereint: unsere Begeisterung für Wichtel und unsere Vorliebe für Äpfel. Wobei, eigentlich sind es gleich drei Vorlieben, denn die Illustrationen von Daniela Drescher habe ich persönlich sehr ins Herz geschlossen. Sie sind in unserem Kinderbuchregal nicht mehr wegzudenken. Und so tummelt sich dort neben den  Wichtelgeschwistern Pippa und Pelle und dem Regenrinnenwicht Giesbert nun auch ein entzückender Apfelwicht. Sein Name ist Bertie Pom. Heute möchten wir euch seine Geschichte „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ ans Herz legen. Gelesen werden kann sie das ganze Jahr, aufgrund des großen Gewitters, dass Bertie und die tierischen Apfelbaum-Bewohner darin aber heimsucht, passt es meines Erachtens besonders gut in den Herbst bzw. hereinbrechenden Winter, die häufig mit stürmischem Wetter aufwarten.

Bertie lebt in einem gemütlichen Wichtelhaus am Fuße eines Apfelbaums. Er hat darin einen Ofen, eine prall gefüllte Speisekammer und ein weiches Bett. Also alles, was ein Apfelwicht braucht. Eines Tages überrascht ihn der Dachs beim Frühstück und warnt ihn vor dem Gewitter, das sich draußen zusammenbraut. „Potzblitz!“, staunt der Apfelwicht, als er vor die Tür geht.“ Tatsächlich bedecken eine ganze Menge dunkler Regenwolken den Himmel und von weitem hört er bereits ein erstes Donnergrollen heranrollen. Er entscheidet sich kurzerhand dazu, den Tag zum Gemütlichkeitstag zu erklären und sich mit seinen kleinen Mitbewohnern Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen im gemütlichen Apfelwicht-Haus zu verkriechen. Zur unserer Freude holen sie dafür jede Menge Spiele, Decken, Kissen, Bauklötze und Knabberkram heraus. All das, was auch wir für einen besonders gemütlichen Tag zusammentragen. Der Begriff Gemütlichkeitstag ist seit der ersten Lektüre fest in unserem Sprachgebrauch verankert. 

Doch ehe Bertie es sich in seinem behaglichen Zuhause gemütlich macht, möchte er seinen Freund Albert, die alte Krähe mit dem lahmen Flügel, die ganz oben im Apfelbaum haust, in Sicherheit wissen. Und so holt er seine lange Leiter hervor und beginnt Ast für Ast den Apfelbaum zu erklimmen. Nun ist die Krähe zwar das älteste Tier im Apfelbaum, aber nicht das einzige. Und so klettert Bertie auf seinem Weg zur Krähe an den Behausungen des Gartenschläfers Pip, des Kauzes Friedrich und des Eichhörnchens Tibbi vorbei. Und ehe Bertie dafür sorgen kann, das Krähennest fester an den Baum zu binden, erfasst schon eine kräftige Böe den Ast und lässt ihn stark hin und herschaukeln. „Es pfeift und schüttelt, bläst und rüttelt an Zweigen und Ästen.“ Und mit einem Mal wird auch der Kobel des Eichhörnchens – hui – vom Wind erfasst und davongetragen. Als dann noch dicke Regentropfen vom Himmel fallen, schlägt Bertie vor, dass alle vorerst im Apfelwicht-Haus Unterschlupf suchen, bis das Unwetter vorbei ist. Auch der Kauz und der Gartenschläfer erachten das als eine gute Idee und schließen sich an. Und als sie alle gemütlich in Berties Wohnung beisammensitzen, ist das schreckliche Wetter draußen schon fast vergessen.

Daniela Drescher hat mit ihrem entzückenden Apfelwicht eine wunderbare Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt geschaffen. Sie erzählt in „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ nicht nur eine spannende Geschichte, sie verdeutlicht mit ihr auch, wie gut es ist, Freunde an seiner Seite zu haben, die auch in schweren Zeiten zu dir halten. Darüber hinaus beschreibt sie auf sehr lebendige, mitunter sehr poetische Weise den Lauf der Natur, die vielen Schätze, die wir aus der Ernte für uns gewinnen können und die vielen Besonderheiten, die die tierischen (Baum)bewohner mit sich bringen. So lernen die jungen Leser*innen z.B. ganz spielerisch, dass das Zuhause des Eichhörnchens Kobel genannt wird, dass Käuze es sich in Baumhöhlen gemütlich machen oder der Gartenschläfer ein Tier ist, das bei uns in Deutschland angesiedelt ist, auch wenn man die entzückende Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“ kaum noch in der freien Wildbahn erleben kann. 

So sorgt die international gefeierte Illustratorin und Autorin mit ihrem neuen Werk nicht nur für jede Menge Unterhaltung, sondern auch für einen gewissen Informationsgehalt. Ihre Illustrationen, die sehr detailliert, naturnah und fantasievoll daherkommen, schaffen Atmosphäre und Gemütlichkeit und bringen kleine und große Augen zum Strahlen.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Was hat dir an der Geschichte am Meisten gefallen, Emma? 

Dass Bertie einen Gemütlichkeitstag mit all seinen Freunden machen will und dafür genau die gleichen Sachen zusammenträgt, die ich immer mit dir hole. Decken, Kissen, Spiele und vor allem was zum Knabbern. Dann wird es ganz gemütlich! 

Gibt es Figuren in der Geschichte, die du besonders magst? 

Ich mag Bertie. Und Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen. Die sind ganz winzig und trotzdem habe ich sie entdeckt. Krabbelfuß ist eine Raupe und Pünktchen ein Marienkäfer, was Rüsselchen ist, weiß ich nicht so genau. Das Tier schaut aber total lustig aus. Es hat so eine Rüsselnase wie ein Elefant. (Psst … Daniela Drescher hat es uns verraten: Rüsselchen ist ein Rüsselkäfer).

Was ist in der Geschichte passiert?

Es gab ein ganz großes Unwetter und dann hat es ganz wild gestürmt und geregnet, dass sich alle in Berties Wohnung verkriechen mussten.

Emmas Tipp:

Die Geschichte mit einem Apfel oder getrockneten Apfelringen genießen.

[Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Verlag Urachhaus als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #52: Wenn ein Einhorn ohne Glitzer erstrahlt

„Emmas Einhorn“ – Briony May Smith

Thienemann-Esslinger, erschienen am 27. Juli 2021, Preis 15,00 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 3 Jahren, 48 Seiten, ISBN: 978-3-480-23717-3, hier geht’s zum Buch

Emma zieht mit ihren Eltern in ein kleines Haus am Meer. Hier riecht alles anders, die Räume begegnen ihr leer und befremdlich. Noch nie hat sie sich so einsam gefühlt wie hier. Sie flüchtet in die Natur, durchstreift die von wilden Blumen übersäten Wiesen und entdeckt dabei ein kleines Einhorn-Baby, das sich im Gras verfangen hat. Sie befreit es und nimmt es in ihre Obhut. Als ihre Oma ihr erzählt, dass Einhörner sich ausschließlich von Blumen ernähren und deshalb immer an die blumenreichsten Orte fliegen, schafft sie für das Einhorn ein kleines Paradies, in der Hoffnung, es niemals wieder zu verlieren.

Und so verweilt das Einhorn bis zum nächsten Frühling bei Emma, wird ihr zu einer guten Freundin. Die beiden genießen eine unbeschwerte Zeit. Doch irgendwann kehrt die Familie des Einhorns zurück und für Emma heißt es, Abschiednehmen.

Ob sich Emma danach wieder einsam fühlt?

Blickwinkel aus großen Augen

An von Kälte und Regen beherrschten Tagen (wie sie der November zuhauf mit sich bringt) ziehen sich meine Tochter und ich uns gerne in Bilderbücher zurück, die mit warmen und atmosphärischen Szenerien aufwarten.

„Emmas Einhorn“ empfängt uns mit einem Meer aus Blumen in einer wilden unberührten Bergszenerie unweit vom Meer, die mich stark an Irland oder Schottland erinnert, mich selbst aus der Ferne dem satten Grün und der wilden unberührten Natur ganz nahe bringt, mir die salzig-erdige Luft um die Nase weht, mich die brausende Gischt des Meeres hören und mich von einem Gefühl des Behagens umgeben fühlen lässt.

„Dichter Nebel zog über den Himmel und legte sich auf das Wasser. Nein, das war kein Nebel. Das waren Wolken. Nein, das waren keine Wolken, es waren weiße Pferde. Nein, keine Pferde – Einhörner. Sie sprangen in die Luft und der Wind trug sie davon. Nur ein Wimpernschlag und sie waren verschwunden.“

Briony May Smith hätte keine magischere Szenerie schaffen können, um einen Blick auf eine Herde von Einhörnern am Himmel zu erhaschen, die mit dem letzten Sommerwind zu einer sagenumwobenen Insel fliegen und einem Mädchen namens Emma ein kleines Wunder an die Hand geben, das ihm über die Einsamkeit hinweghilft, die es in der Fremde seines neuen Zuhauses plötzlich verspürt. Sie gibt damit nicht nur der Protagonistin, sondern allen kleinen (und großen) Leser*innen einen tierischen Wegbegleiter in Gestalt eines Einhorns an die Hand, dass sie den Wert wahrer Freundschaft kennenlernen und das Gefühl von Zusammengehörigkeit spüren lässt.

Schon lange vor der deutschen Ausgabe hatte ich dieses Bilderbuch im Visier, das im Original den Titel „Margaret’s Unicorn“ trägt. Dass die Geschichte nun auch den deutschen Buchmarkt erobern darf, stimmt mich sehr glücklich. Denn Smith schenkt uns mit ihrer zauberhaften Geschichte nicht nur ein kleines silberfarben-weiß getupftes Einhorn, das auch ganz ohne Glitzer zu verzaubern vermag, der Thienemann Verlag hat mit dem deutschen Titel „Emmas Einhorn“ für uns sogar ein ganz persönliches Herzensbuch geschaffen. Denn auch meine Räubertochter trägt den Namen Emma.

Es ist die magische Aura dieses kleinen Fantasiewesens, die sofort für wohlige Wärme im Kinderzimmer sorgt. Die Faszination, die seit jeher für Einhörner herrscht, wurde in den letzten Jahren stark von Klischees überlagert. Einhörner wurden immer glitzernder, leuchtender und funkelnder. Die Faszination um ihr gewundenes Horn auf der Stirn, um ihre Gabe des Fliegens, schien nicht mehr auszureichen, es musste mit künstlichem Glitzer und Regenbogenfarben versehen und um künstliche Strahlkraft ergänzt werden. Ein regelrechter Einhorn-Hype kam auf. Und der natürliche Zauber um dieses Fabelwesen ging für mich dabei verloren.

Briony May Smith hat diesen Zauber für mich ein Stück weit zurückgeholt. Mit stimmungsvollen und natürlichen Bildern, die das Einhorn nahezu ohne diese Klischees erstrahlen lässt, verzaubert sie ihre Leser*innen auf ganz ursprüngliche Weise, selbst wenn sie das kleine Einhorn von Mondscheinwasser trinken und mit einem leuchtenden Horn die Nacht erhellen lässt. Sie versetzt ihre kleinen Leser*innen ins Träumen, lässt sie in die Luft springen, vom Wind davontragen und wie Schneeflocken vom Himmel rieseln. 

Den von Steffi Kress ins Deutsche übertragenen Zeilen haftet etwas wunderbar Poetisches und zeitgleich Magisches an, dass sich harmonisch an die Illustrationen von Smith schmiegt und das Bilderbuch zu einem stimmungsvollem Gesamtkunstwerk macht. 

Und nicht nur das, Smiths Geschichte spendet auch Trost. Sie zeigt, dass egal wo und wann, immer Weggefährt*innen auf uns warten, die uns treu und ergeben an der Seite stehen, über das Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit hinweghelfen und zu guten Freund*innen werden können, selbst wenn das Leben sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder weiterträgt, weit fort, von dem Mittelpunkt unseres eigenen Lebens. Denn wahre Freundschaft kennt keine Entfernung. Und so lernen wir, ein Stück weit über uns selbst hinauszuwachsen und neuen Menschen gegenüber aufgeschlossen zu begegnen. Auch Emma fasst nach dem Abschied ihres Einhorns Mut und findet in Annabel eine neue Freundin.

Mit „Emmas Einhorn“ ist Briony May Smith eine jener Geschichten gelungen, die auch nach zahlreichen Lektüren nicht an Zauber verliert, die sich besänftigend auf unsere Seele legt, uns mit magischem Zauber und Wohlgefühl umgibt und von einem kleinen silber-weiß getupften Einhorn träumen lässt, an dessen Seite wir die Welt erobern.

„Wenn du ein Einhorn als Freund hast, wünscht du dir, dass der Frühling weit weg bleibt.“

Dieses Bilderbuch wurde von mir auch im Rahmen der Kinderbuch-Kolumne auf buchszene.de ans Herz gelegt:

https://buchszene.de/kinderbuch-empfehlungen-november-2021/

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Welches Seite hat dir am Besten gefallen, Emma? 

Als Emma und das Einhorn auf der Picknickdecke im Sommer liegen und von Blumen umgeben sind.

Als das Einhorn Mondscheinwasser trinkt und das Horn des Einhorns zum Leuchten bringt. Es leuchtet dann so wie mein Wal-Nachtlicht.

Möchtest du auch mal Mondscheinwasser trinken?

Oh ja. Denn dann fange ich vielleicht auch an zu leuchten und habe Zauberkräfte.

Wann wurdest du ganz traurig?

Als der Frühling da war und die Familie vom Einhorn wieder zurückkam. 

Was gefällt dir am Buch am besten?

Dass das Einhorn Emma nicht vergisst und es später noch einmal besucht. 

 

Wird zur:

Einhornliebhaberin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Thienemann-Esslinger als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #49: Ein Buch mit tausend Geschichten

„Als die Schweine ins Weltall flogen …“ – Susanne Straßer

Wenn Wildschweine von Ufos aufgesogen werden, sich mächtige Braunbären hinter Bäumen verstecken, bebrillte Hühnereier einen heißen Reifen auf der Autobahn fahren, ein Drache im Lebkuchenhäuschen der Hexe chillt, ein Baum bei strömendem Regen gegossen wird, ein radelnder Elefant von einem Strauß aus Luftballons davongetragen wird oder ein grün-gelb gepunkteter Löwe mit blauer Mähne von einer Greifzange erfasst wird, ist man wohl in die Erzählbilder von Susanne Straßer abgetaucht.

Wollen wir wetten? Mit Einzug dieses verrückten Erzählbilderbuchs geht’s im Kinderzimmer garantiert heiß her! Denn die verrückten Szenerien, die sich ganz spielerisch mit zwölf Alltagsbegriffen auseinandersetzen, bergen so viele Kuriositäten in sich, dass großen und kleinen Leser:innen garantiert nicht der Gesprächsstoff ausgehen wird.

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
ISBN: 978-3-95854-148-1

Illustration: Susanne Straßer

echter Vor- & Nachsatz, durchgängig farbig illustriert

Mixtvision Verlag
15,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Ich muss gestehen, als ich das ausgefallene Cover von „Als die Schweine ins Weltall flogen …“ von Susanne Straßer das erste Mal sah, sprang nicht sofort der Funke über. Der Titel brachte mich zwar zum Schmunzeln, das Cover sprach mich aber so gar nicht an. Ich verstand nicht ganz, wofür das Ganze gut sein sollte. Dass die Ausgefallenheit aber einem ganz bestimmten Zweck dient, verstand ich erst viel später.

Was dieses Bilderbuch von anderen unterscheidet, ist, dass es nicht nur eine, sondern zahlreiche Geschichten beherbergt. Es sind insgesamt zwölf Szenen, die Susanne Straßer zu gängigen Alltagsbegriffen – wie Auto, Licht, Luft oder Regen – zu Papier gebracht hat. Und so blicken wir auf jeder Doppelseite einer wilden Szenerie entgegen, die zwar einem dieser Begriffe zuzuordnen ist, nicht aber einer einzelnen Geschichte. Denn die verrückten Bilder voller Farbintensität, Detailverliebtheit und Überspitztheit entfalten sich bei jedem Betrachter und bei jeder Lektüre anders. Sie beflügeln die Fantasie, erwecken Geschichten zum Leben, die schräger nicht sein könnten und die keine Grenzen oder Tabus kennen.

So kommt es, dass es bald nicht nur vor verrückten Motiven, sondern auch vor absurden Ideen wimmelt. Denn was beim Anblick der Szenerien so alles freigesetzt wird, sorgt nicht nur für ordentlich Gelächter beim Betrachter, sondern auch für viele Fragen, Gespräche und wilde Spekulationen. Kinder fühlen sich darin bestärkt, sich von ihrer Fantasie leiten zu lassen. Sie verlieren sich im Flow, fragen und fabulieren was das Zeug hält. Denn plötzlich gibt es kein richtig oder falsch mehr, keine eindeutigen Antworten oder Erklärungen. Und dennoch geben die Bilder, die sich tatsächlich jeglicher Logik entziehen bzw. sich fernab der Realität abspielen, den Eltern Anlass, sich mit ihren Kindern über die Begrifflichkeiten auszutauschen und in tiefergehende Unterhaltungen überzugehen.

Doch was ich bei diesem Erzählbilderbuch ganz bemerkenswert finde (und jetzt komme ich wieder zu dem Punkt, dass ich anfangs nicht wusste, wozu das alles gut ist), ist, dass die Bilder das selbstständige Denken der Kinder fördern, dass es sie dazu anregt, eigene Standpunkte zu entwickeln, zu hinterfragen und sich zu erklären. Hier müssen die Erklärungen der Kinder nicht einer vorgegebenen Richtung entsprechen, sondern dürfen ganz ihrer eigenen Logik folgen. Oft bergen die Bilder auch sehr viel Rätselhaftes in sich, das man gar nicht so recht erklären kann. Kinder bekommen so ganz spielerisch vermittelt, dass man nicht alles in dieser Welt erklären kann und es erst recht nicht muss. Das trägt zu einem komplexen Weltbild und einer Vielfalt von Sichtweisen und Deutungsmöglichkeiten bei. Und das Philosophieren macht sowohl Kindern als auch Erwachsenen Spaß.

Es hat deshalb auch nicht lange auf sich warten lassen, bis ich meiner 3-jährigen Tochter Rede und Antwort stehen musste. Ganz besonders beschäftigt hat sie die dritte Szenerie zum Begriff „Licht“. Was sich da so alles in der Nacht im Wald abspielt, führte bei Emma nicht nur für Begeisterung, sondern auch zu unglaublich vielen Fragen. Da ist ein Wildschwein, das von einem Ufo aufgesogen wird. Ein Ufo, ja – was ist das gleich? Was sind Außerirdische? Sind die lieb oder sind die böse? „Was macht der Hase da mit diesem roten Stab?“ Das ist ein Laserschwert. „Mama, was ist ein Laserschwert?“ Öhm, ja… Bären verstecken sich hinter Bäumen, „Sind die nicht eigentlich ganz stark und mutig?“, eine Eule glotzt ganz oben im Baumwipfel in einen Fernseher, dessen Stecker im benachbarten Baum steckt, „Mama, kommt aus den Bäumen Strom?“, Fische fliegen durch den Nachthimmel und haben idealerweise sogar ihre eigene Laterne dabei, „Aber warum haben die denn so große Zähne, Mama?“, Das sind Piranhas. , „Piranhas?“, Nun ja, das sind die etwas grimmigeren Genossen unter den Fischen., „Haben alle Fische Zähne?“, „Wie cool, die Maus wohnt in einem Baum!“ und „Da in dem Zelt liege ich, Mama, mit meinem Freund Nikos, denn wir wollen ein Abenteuer erleben!“ Wow, das klingt toll!

Natürlich habe ich einige der Fragen meiner Tochter beantwortet, viele habe ich aber einfach mit Gegenfragen beantwortet und Emma so dazu animiert, mir zu erzählen, was sie auf den Bildern sieht, was sie denkt, was dort passiert, und warum wieso weshalb das so ist. Und ihr werdet es nicht glauben, welch‘ fantasievollen Geschichten im Kopf einer Dreijährigen so alles entstehen können! Oder doch!? Die aktuelle Lieblingsseite meiner Tochter ist die Szenerie zum Begriff „Quatsch“. Denn so eine Quatschtante wie Emma hat sich in der ausgefallenen Szenerie sofort Wohl gefühlt. Wer Lust hat, zu erfahren, wie die Geschichte dazu ausgefallen ist, Emma verrät sie euch ganz unten.

Und so möchte ich euch dieses wirklich ausgefallene Erzählbilderbuch ans Herz legen. Es sorgt für jede Menge Spaß und gute Laune im Kinderzimmer. Langweilig wird’s daomit garantiert nicht! Man sollte allerdings für schräge Fragen, absurde Geschichten und tiefergehende Gespräche gewappnet sein. Möge die Macht mit euch sein!

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Welches ist deine Lieblingsseite im Buch, Emma? Magst du uns erzählen, was dort passiert?

„Meine Lieblingsseite im Buch ist die Quatschseite. Weil die alle irgendwie Blödsinn machen und genau solche Quatschtanten sind, wie wir, Mama! Da ist ein Mädchen, das einfach furzt. Ihhhh, das stinkt aber! Das mach ich ja auch manchmal (lacht sich kaputt).

Da hat sich jemand als Osterhase verkleidet und pieselt einfach auf den Boden. Der musste so dringend, dass er es nicht mehr halten konnte. Sonst wäre seine Unterhose nass geworden. Sicher gibt ihm der Batman ein bisschen was vom Klopapier ab, dass er sich da einfach gemopst hat.

Das Gespenst wird gleich hinfallen, weil sein Schnürsenkel auf ist, hoffentlich fällt das grüne Monster dabei nicht aus dem Wagen. Die waren nämlich grade beim Einkaufen, weißt du. Die Einkäufe liegen unter dem Monster. Die sieht man nur nicht, weil das Monster so dick ist. Den Einkaufswagen müssen sie aber wieder zurückgeben. Ich steck‘ dann gerne den Einkaufschip ein! So wie ich das immer mache, wenn wir einkaufen, Mama.

Da ist ein Junge mit so ’ner coolen Mütze, warte mal Mama, so eine habe ich auch (zieht sich eine ihrer Unterhosen über den Kopf und grinst bis über beide Ohren). Der hampelt aber ganz schön rum. Eine richtiger Schlawutzi (emmaisch für Gauner).

Pippi Langstrumpf ist auch da, mit Augenklappe, die fährt sicher zu ihrem Papa, dem Seeräuber, und will ganz gefährlich aussehen! An Fasching mag ich auch so eine Augenklappe tragen, Mama! Darf ich mich nächstes Mal auch als Pippi Langstrumpf verkleiden? Müssen dafür noch meine Haare wachsen?

Und dann ist da noch ein Junge der wie ein Hund an der Leine läuft und von seinem Hund Gassi geführt wird, der in einer Wurst steckt. Das ist ja komisch! So ein Blödsinn!

Der Ruckeli (emmaisch für Brokkoli) ruft ganz laut „Soooße“, weil er uns daran erinnern möchte, dass es Soße zu den Nudeln gibt und wir sie nicht blank essen sollen, wie ich das immer mache! Ich weiß, Mama, in der Soße sind Vitamine drin.

Ich glaube, hier stinkt’s immer noch Mama, mach mal das Fenster auf (hält sich  bestürzt die Nase zu)!“

Woran erinnert dich der Ruckeli (emmaisch für Brokkoli)?

An die ruckeligen Nudeln, die ich mal als Baby gegessen habe. Bäh! Die mag ich gar nicht mehr. Die sind so grün! (zur Erklärung: ruckelige Nudeln sind Nudeln mit „Beas Brokkolipesto“ aus dem Kochbuch der Frechen Freunde.

In welches Bild würdest du gerne am allerliebsten sein, wenn es zum Leben erwachen würde?

In das Bild zum „Kaugummi“. Denn da könnte ich ne Runde durchs Bällebad schwimmen. Das hab ich früher auch immer beim Kinderturnen gemacht.

Was gefällt dir am Buch am besten?

Dass ich dir die Geschichten erzählen darf und nicht du mir!

Wird zur:

weltbesten Geschichtenerzählerin

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von mixtvision als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Kinderfreuden #48: Klein, aber oho!

„Der kleine Schneepflug“- Lora Koehler, Jake Parker

„Du bist so ein kleiner Schneepflug, überlass die schweren Arbeiten lieber uns!“, sagten die großen Laster und brausten davon.

Als der kleine Schneepflug neu nach Mighty Mountains kommt, um den alten pensionierten Schneepflug zu ersetzen, wird er von der bestehenden Crew aus großen Trucks kritisch beäugt. Keiner von ihnen glaubt daran, dass er den Schneemassen der Stadt gewachsen ist, geschweige denn einem so kleinen Schneepflug überhaupt etwas wirklich Bedeutendes gelingen kann. Schließlich ist er ja so klein und die Schneemassen der Stadt so groß. Doch bis zum Winter hat der kleine Schneepflug genügend Zeit, um zu trainieren und Kräfte zu sammeln. Und als der Schnee ins Land geht, kann er sich auch prompt unter Beweis stellen. Denn auch Kleine (Dinge) können ganz Großes bewirken!

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
28,2 x 23,6 cm
ISBN: 978-3-280-08007-8

Illustration: Jake Parker
Text: Lora Koehler

Orell Füssli Verlag
14,95 € [D]

 

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Heute vor einer Woche hat es bei uns noch geschneit und meine Tochter hat bei frostigen -10 Grad ihren morgentlichen Fußmarsch in den Kindergarten angetreten. Und als ich auf unserem gemeinsamen Weg in ihre kleinen Kinderaugen geblickt habe, die beim Anblick der glitzernd weißen Schneedecke, in die die Landschaft plötzlich eingehüllt war, zu leuchten begannen, musste ich unwillkürlich an die Geschichte vom kleinen Schneeflug denken.

Eine Geschichte, in die die kleine Testerin Luisa in diesem Winter eingetaucht ist und die euch trotz des bereits tauenden Schnees und dem Frühling, der schon vor der Tür zu stehen scheint, heute noch ans Herz gelegt sei. Denn trotz seiner überschaubaren Größe gelingt dem kleinen Schneepflug in diesem Bilderbuch ganz Großes. Denn wahre Größe kommt von innen. Und diese Botschaft kann Kindern in der heutigen Zeit gar nicht oft genug vermittelt werden.

Lora Koehler erzählt in ihrem ersten Bilderbuch „Der kleine Schneepflug“ eine Geschichte, in der sich Kinder schnell wiederfinden. Mit dem kleinen Schneepflug können sich vor allem kleinere Kinder gut identifizieren. Der Vergleich mit anderen, oft größeren Kindern beginnt bereits im Kindergartenalter. Oft liegt es nahe, dass sich kleinere Kinder Herausforderungen nicht gewachsen fühlen, die von größeren, vermeintlich stärkeren Kindern problemlos gemeistert werden. Auch der kleine Schneepflug wird beim ersten Zusammentreffen mit der Crew aus Mighty Mountains‘ größeren Trucks mit dem alten pensionierten Schneepflug verglichen. Ohne ihn zu kennen, erlauben sie sich ein Urteil über ihn, schätzen ihn als nicht stark und nicht groß genug ein. Wie soll so ein kleiner Schneepflug schon mit gewaltigen Schneemassen zurechtkommen?

Doch es ist nicht immer nur die äußerliche Größe, die uns zum Erfolg bringt. Es ist die Aufgabe von uns Erwachsenen die Kinder in dem was sie tun, zu bestärken, sie Mut und Kraft sammeln und sich an Dinge heranwagen zu lassen, die auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt sind. Denn manchmal kann daraus ganz Großes entstehen. Und Große lässt sich nicht nur mit Zahlen ausdrücken, sondern auch mit Taten. Als der große Schnee nach Mighty Mountains kommt und der kleine Schneepflug tatsächlich auf die Hilfe der großen Trucks angewiesen ist, fühlen sie sich natürlich bestätigt. Doch dass eines Tages eine Lawine ins Tal donnert und den großen Muldenkipper erfasst, hat keiner kommen sehen. Und plötzlich ist es der kleine Schneepflug, der nahezu Unmögliches schafft und ihn mit Ausdauer und Wendigkeit aus den Schneemassen befreit. Sein hartes Training hat sich ausgezahlt. Er ist über sich selbst hinausgewachsen. Und der anschließende Applaus der großen Trucks schenkt ihm die Anerkennung und die Wertschätzung, die er verdient hat.

Der Muldenkipper schüttelte den Schnee von seiner Ladefläche. „Ich habe nicht gewusst, dass ein kleiner Pflug so stark sein kann.“, sagte er. 

Was Lora Koehler hier in wunderbar kindergerechte Worte verpackt, weiß Jake Parker mit feinen Illustrationen umzusetzen. Und so blicken die Kinder in ganz wunderbare Schneeszenerien, in der der kleine Schneepflug sich zu behaupten weiß und durch seinen Mut und seine Beharrlichkeit am Ende ganz groß herauskommt. Wer sich noch nicht vom Schnee verabschieden will, ist mit diesem Bilderbuch bestens versorgt. Ganz besonders sympathisch finde ich, dass das Bilderbuch frei von Genderklischees ist und sich von kleinen Lesern und kleinen Leser*innen gleichermaßen erobern lässt. Die kleine Luisa stellt das anschließend ganz wunderbar unter Beweis.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

 

Was ist deine Lieblingsstelle im Buch?

Ich habe zwei Lieblingsstellen: Die Seite, auf der der kleine Schneepflug wieder in die Gerätehalle zurückkommt und die anderen stolz auf ihn sind und die letzte Seite, auf der man den kleinen Schneepflug sieht, wie er zufrieden lächelnd schläft.

Warum kann der kleine Schneepflug so stark sein?

Weil er es den anderen zeigen möchte und er besonders viel trainiert!

Worauf bekommt man nach dem Lesen richtig Lust?

Nach draußen in den schönen Schnee zu gehen (wenn man nicht ohnehin schon draußen ist).

Was gefällt dir am Buch am besten?

Die glänzende Titelseite, die schönen Farben und der kleine fleißige Schneepflug, dem man gar nicht ansieht, wie stark er wirklich ist

Beste Lesezeit:

Im Winter, ist doch klar!

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell Füssli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Grandpa Christmas – ein Beitrag im Rahmen der Aktion #vorleseadvent + Giveaway

„Mein Weihnachtswunsch für dich – Michael Morpurgo, Jim Field

Jedes Jahr an Weihnachten holt Mia gemeinsam mit dem Christbaumschmuck ihr altes Tagebuch unter der Treppe hervor. Es ist Tradition, dass es unter dem Weihnachtsbaum versteckt wird, auch wenn längst jeder in der Familie weiß, dass es dort liegt. Auch dass es einen ganz besonderen Schatz bewahrt, wissen alle. Denn in ihm liegt ein Brief von Mias Opa, den er seiner Enkeltochter geschrieben hat, als sie noch ganz klein war. Es sind seine Wünsche nach einer besseren Welt, die Mia jedes Jahr nach der Bescherung vorliest und damit auch an ihre Kinder weitergibt.

Und so wird die Botschaft ihres Opas zu einem bedeutenden Moment ihres Weihnachtsfestes. Durch seine Zeilen wirkt es fast so, als wenn er noch immer mitten unter ihnen weilt. Und so ist Mias Opa zum Weihnachtsopa avanciert.

Liebste kleine Mia, zu Weihnachten bekommst du von mir in diesem Jahr keine Weihnachtskarte […] und auch kein Geschenk […], sondern einen Brief. Einen Brief von deinem Opa.“

Ein Weihnachtswunsch für alle

Michael Morpurgo und Jim Field bringen dieses Jahr den Weihnachtsopa nach Deutschland. Das Bilderbuch, das im Original bereits 2018 unter dem Titel „Grandpa Christmas“ erschienen ist, darf nun endlich auch deutsche Leser*innen verzaubern. Ich habe die Erscheinung der deutschen Übersetzung lange herbeigesehnt und freue mich nun gleich doppelt, dass das Bilderbuch mit dem Naturkind-Label bei Loewe erscheint, einer Reihe, die ihren Fokus auf eine nachhaltige Produktion legt und Werte an Familien vermittelt, die bewusst leben und lesen. Mit jedem Naturkind-Buch werden regionale Projekte im Bereich Klima- und Umweltschutz unterstützt. Die Botschaft wird daher nicht nur mit der Geschichte, sondern auch durch das Buch selbst an die Leser*innen herangetragen. Es war mir daher eine Herzensangelegenheit, es euch heute vorzustellen. 

Jim Fields Illustrationen sind mir schon seit vielen Jahren vertraut. Er hat bereits zahlreiche Bilderbücher illustriert, u.a. zwei meiner Lieblingsbücher „Der Löwe in dir“ und „Kleiner Wolf in weiter Welt“. Wer seine Illustrationen kennt, weiß, dass ihnen immer eine ganz besonderer Zauber innewohnt und sie in der Regel gar keinen begleitenden Text benötigen. Die detailreichen großflächigen Bilder hat er auch diesem Bilderbuch geschenkt, weshalb sich für größeren Leser*innen schon anhand seiner ausdrucksstarken Illustrationen erahnen lässt, welche Botschaft hier den Kindern vermittelt werden soll.

Es ist der Brief von Mias Opa, seine Wünsche nach einer besseren Welt für Mia, die durch Fields Illustrationen Farbe und Form annehmen. Mit lebendigen und farbenfrohen Bildern vermittelt er, wie zerbrechlich unser Planet und seine Lebewesen ist. Dass wir Menschen es sind, die unsere Meere mit Müll und unsere Luft mit Abgasen verschmutzen. Dass es unsere Gier nach Wohlstand und unsere Bequemlichkeit ist, die die Erde zerstört, das Polareis zum Schmelzen und den Meeresspiegel ansteigen lässt. Dass wir nicht nur unsere Erde, sondern auch einander lieben lernen müssen. Wir acht- und sparsam agieren müssen. Und wir und unsere Kinder nur ohne Krieg, ohne Müll und ohne Verschwendung in Frieden miteinander leben, saubere Luft atmen und klares Wasser trinken können.

„Ich wünsche dir, dass nie wieder jemand einen Baum fällt, ohne drei neue an seiner Stelle zu pflanzen.“

Michael Morpurgo hat die Wünsche von Mias Opa in behutsame kindgerechte Zeilen verpackt, die Susan Niessen ins Deutsche übersetzt hat. Kinder mit der empfohlenen Altersempfehlung von 3 Jahren werden sie inhaltlich sicher nicht immer vollends erfassen, mit ein bisschen Anleitung ihrer Eltern aber sicher gut verstehen können. Durch das Vorlesen bleiben die Wünsche des Großvaters nicht einzig und allein an seine Enkeltochter Mia gerichtet, sondern auch an jede/n kleine/n Leser*in dieses Buchs.

Und obwohl der Fokus des Bilderbuchs auf den Wünschen nach einer besseren Welt liegt, haben Field und Morpurgo eine wunderbaren Weg gefunden, die gemeinsamen Momente des Glücks, der Ausgelassenheit und Ruhe aus dem Leben von Enkeltochter und Opa mit einfließen zu lassen. Viele ihrer gemeinsamen Momente im (Gemüse)Garten, im Dickicht einer Wiese und am Meer kommen nicht nur in den Zeilen von Mias Opa zur Sprache, sondern werden auch durch die Bilder von Field wieder lebendig. Es ist eine Reise durch  die Marmeladenglasmomente von Mia und ihrem Opa.

Wenn es ein Weihnachtsbuch gibt, das ich euch dieses Jahr ans Herz legen möchte, dann ist es dieses. Ich wünsche mir, dass diese wundervolle, unglaublich wertvolle Bilderbuchperle unter zahlreichen Christbäumen liegen und die Herzen so viele Kinder wie möglich erobern wird! Grandpa Christmas for everyone!

„Das Meer, liebe kleine Mia, an dessen Stränden wir so oft in den Sommerferien gespielt haben, erinnerst du dich?“

Eckdaten

Hardcover mit Spotlack, ab 3  Jahren

48 Seiten
27 x 27 cm
ISBN: 978-3-7432-0878-0

Illustration: Jim Field
Autor: Michael Morpurgo

Aus dem Englischen übersetzt von Susan Niessen 

Naturkind, Loewe Verlag
15,00 € [D]

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Eine Verlosung im Rahmen des Vorleseadvents

Heute öffnet sich bei mir das zweite Türchen im Rahmen der Aktion #vorleseadvent von Steffie alias @kleinerleser, weshalb ich ein Exemplar von „Mein Weihnachtswunsch für dich“ an euch verlosen möchte.

Und da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir heute bis 23:59 Uhr euren allergrößten Herzenswunsch für euer/eure Kind/er in einem Kommentar zu verraten, den ihr ihm/ihnen an Weihnachten mit auf den Weg geben möchtet.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück und eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

Eure Steffi

[Werbung: Rezensions- und Verlosungsexemplar sind selbst gekauft, die Empfehlung und Verlosung dieses Bilderbuches ist eine Herzensangelegenheit.]

Kinderfreuden #44: Hitzköpfe

Paulchen und Pieks sind allerbeste Freunde. Sie ergänzen sich perfekt, helfen einander beim Klettern, spüren die besten Verstecke auf und tauchen gemeinsam in fantasievolle Geschichten ab. Sie sind ein unschlagbares Team und teilen sich alles. Eigentlich. Denn als Paulchen den kürzlich entdeckten Riesenpilz im Waldkindergarten heimlich ganz alleine verdrückt, ist der erste Streit vorprogrammiert. Pieks ist ganz schön sauer auf seinen Freund, wo er doch schon so viele Ideen im Kopf hatte, was sie damit so alles anstellen könnten. 

Und so hält Pieks fortan Abstand zu Paulchen und spielt nur noch mit den anderen Tierkindern. Und auch Paulchen hat gar keine Lust mehr, mit Pieks zu spielen. Wo er sich doch entschuldigen und sein Freund einfach nicht zuhören wollte. Doch es dauert nicht lange, bis die beiden Hitzköpfe einander schrecklich vermissen und sich nach den gemeinsamen Abenteuern sehnen. Denn zusammen spielt es sich einfach viel schöner!

Als Mama Igel ihren Sohn Pieks ermutigt, sich etwas einfallen zu lassen, um sich mit Paulchen wieder zu versöhnen, hat auch Paulchen eine Idee, wie er Pieks überraschen könnte. Denn auch versöhnen will gelernt sein!

Eckdaten

 

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
232 x 300 mm
ISBN: 978-3-480-23609-1

Text & Illustration: Laura Bednarski

Esslinger 
14,00 € [D]

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Blickwinkel aus großen Augen

Als Emma das neue Abenteuer von Paulchen und Pieks in der Vorschau von esslinger entdeckt hat, war die Freude groß. Denn die beiden Tierfreunde von Laura Bednarski sind ihr seit dem ersten Bilderbuch „Paulchen & Pieks – Heute übernachte ich bei dir!“ ans Herz gewachsen und auch ich hatte direkt Lust, mit ihr das neue Bilderbuch zu erobern.

Und so zog „Paulchen & Pieks – Heute vertragen wir uns wieder!“ wenig später bei uns ein. Was mir zum Zeitpunkt des Regaleinzugs noch nicht ganz klar war, ist, dass uns die Thematik des vorliegenden Bilderbuchs (Streiten und Versöhnen) bereits mit unmittelbarer Wucht treffen wird. Ich ahnte bereits, dass die Räubertochter mit ihren drei Jahren nun ihre ersten „richtigen“ Streitereien im Kindergarten ausfechten wird. Schließlich müssen Kinder im dem Alter auch erst lernen, dass gewisse Dinge in begrenztem Umfang da sind und man sie sich demzufolge teilen bzw. man sich mit dem Spielen abwechseln muss. Dass sich da selbst Freunde mal in die Wolle kriegen, ist völlig normal. Als Emma mir aber das erste Mal den Satz „Dann bist du nicht mehr mein Freund!“ entgegenschleuderte, war ich ehrlich gestanden, etwas entsetzt. Bei uns zuhause konnte sie sich diesen Satz nicht aufgeschnappt haben und so lag die Vermutung nahe, dass er im Kindergarten gefallen sein muss. Wenig später hörte ich ihn selbst bei einem anderen Kindergartenkind als ich Emma abholte und da hatte ich meine Pappenheimerin!

„Du bist nicht mehr mein Freund“, ruft Pieks. Er ist enttäuscht und richtig wütend. „Und du bist auch nicht mehr mein Freund!“, gibt Paulchen zurück – weil Pieks seine Entschuldigung gar nicht hören mag.“

Ich musste daher sehr schmunzeln, als ich feststelle, dass sich Laura Bednarski in ihrem neuen Bilderbuchabenteuer für den Dialog von Paulchen und Pieks eben jenem Wortlaut bedient, der auch bei uns gerade sehr präsent ist. Leider verwendet die Räubertochter den Satz oft in Situationen, in denen es nicht nach ihren Vorstellungen läuft und sie meint, sie könne mich mit der Drohung, fortan nicht mehr ihr Freund zu sein, zu einer anderen Antwort bewegen. Dass Kinder in der Autonomiephase oft von ihren Emotionen überwältigt werden und sich dadurch schnell zu Hitzköpfen entwickeln, ist mir bekannt, ich hoffe dennoch, dass wir für Emma alternative Worte finden werden, mit denen sie ihrer Enttäuschung und Wut Ausdruck verleihen kann.

Auch Paulchen und Pieks entwickeln sich in der Auseinandersetzung um den verschwundenen Riesenpilz zu Hitzköpfen. Bei Pieks macht sich schnell Enttäuschung und Wut breit, bei Paulchen in erster Linie Scham. Doch als Pieks ihn damit konfrontiert, durch das alleinige Verdrücken des Pilzes fortan nicht mehr sein Freund sein zu dürfen, verwandelt sich seine Scham schnell in Wut. Der Dialog der beiden Freunde und das darauffolgende „Einander aus dem Weg gehen“ verdeutlicht Kindern gut, wie schnell wir in Momenten des Streits unbedachte Worte zueinander sagen und wie sehr wir diese oft schon wenig später bereuen. Auch Paulchen und Pieks merken, dass sie eigentlich gar nicht ohne einander spielen wollen und sich einander vermissen. Es sind die Worte von Mutter Igel, durch die Bednarski den Kindern einen wunderbaren Lösungsansatz zum Versöhnen an die Hand gibt.

„Zu Hause fragt Pieks Mama Igel um Rat. „Auch die allerbesten Freunde streiten mal“, beruhigt sie ihn. „Das gehört einfach dazu. Mach Paulchen doch eine kleine Freude und fragt ihn, ob er wieder dein Freund sein möchte!“

Mit ihren farbenfrohen und detailreichen Illustrationen in Großformat, aber auch treffenden und wohlformulierten Zeilen ist es Laura Bednarski gelungen, kleinen Kindern die Thematik des sich Streitens und Vertragens spielerisch nahezubringen. Mit ihrer Geschichte greift sie nicht nur ein wichtiges Thema der Entwicklung von Kleinkindern auf, sondern verdeutlicht ihren kleinen Lesern auch, dass kleine Streitereien zum Leben dazugehören und dass sie sich in der Regel mit kleinen Gesten der Zuneigung und entschuldigenden Worten schnell wieder aus der Welt schaffen lassen sollten.

„Streiten ist zwar nicht schön, aber es gehört dazu! Das wissen die beiden Freunde jetzt. „Und beim nächsten Mal vertragen wir uns schneller wieder“, lachen Paulchen und Pieks.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Oh ja!

Worum geht’s im Buch:

Um zwei Freunde, die sich streiten

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als Paulchen bei Pieks ins Fenster spitzt

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

Was hat dir am besten gefallen?

Dass Pieks Paulchen mit Zimtschnecken überrascht

Wird zu:

einem guten Freund

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Thienemann Esslinger als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #38: Die Welt aus Kinderaugen

„Als ich noch ein Kind war“ – Andy Stanton & David Litchfield

„“Als ich noch ein Kind war“, erzählte die Großmutter, „war die Welt ein einziges Blütenmeer.“ Eiscreme-Schmetterlinge schwebten rings umher.“

Emilys Großmutter sehnt sich in ihre Kindheit zurück. Denn die Welt, die ihr heute so grau und trostlos erscheint, begegnete ihr damals noch bunt und magisch. Doch Emily weiß, dass die Magie nicht wirklich verschwunden ist, sondern man nur genau hinsehen muss, um sie zu entdecken. Und so nimmt sie ihre Oma mit auf eine faszinierende Entdeckungsreise durch eine Welt, die an Zauber nicht verloren hat.

Eckdaten

 

Hardcover, ab 3 Jahren

32 Seiten
24 x 30 cm
ISBN: 978-3-7616-3325-0

Illustration: David Litchfield
Text: Andy Stanton

J.P.Bachem Verlag
14,95 € [D]

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Blickwinkel aus großen Augen

Ich kann mich noch gut an die Gespräche mit meiner Oma erinnern, die den Spruch „Früher war alles besser.“ förmlich gelebt hat. Die Trostlosigkeit, mit der sie die heutige Welt oft verband, ist auch Emilys Oma vertraut, weshalb ich mich auf Anhieb in der Konstellation aus Großmutter und Enkeltochter in diesem Bilderbuch wiedergefunden habe.

„Ach, ich wünschte, du hättest die Welt gekannt, so wie ich, hell und glitzernd, wie ein Diamant.“

Dass der Blickwinkel entscheidend ist, das zeigen Andy Stanton und David Litchfield in ihrem gemeinsamen Bilderbuch „Als ich noch ein Kind war“ auf wunderbarste Weise. Denn sie lassen uns die Welt aus Kinderaugen sehen, uns mit Elefanten und Eiscreme-Schmetterlingen durch die Luft fliegen, die Hochzeit von Erde und Sonne betanzen und die Treppe bis hinauf zu den Sternen nehmen. Es ist die Fantasie der Kinder, die keine Grenzen kennt; ihr unvoreingenommener Blick auf die Welt und ihre bewundernswerte Fähigkeit, in den kleinsten und unscheinbarsten Dingen etwas Wunderbares zu sehen. 

„Komm, lass uns gemeinsam die Wunder entdecken, die in allem und jedem Ding der Welt stecken.“

Und so reisen wir in diesem farbenfrohen Bilderbuch mit den Kindern nicht nur durch die magische Welt der Großmutter, die im Schwelgen ihrer Erinnerungen selbst wieder zum Kind wird, sondern auch mit Emily zu ganz wunderbar magischen Orten der heutigen Zeit. Sie sind der Oma nicht fremd. Es ist nur ihr Blick auf die Dinge, der mit der Zeit rationaler geworden ist; die Augen für das Wunderbare, die sie zwischenzeitlich verschlossen hat.

Doch Emily lässt sich nicht beirren. Sie weiß, dass die Welt nicht ihre Magie verloren hat. Die Orte, die sie ihrer Oma zeigt, haben an Faszination und Zauber nichts eingebüßt. Es ist nur der Blick, mit denen man sie betrachten muss. Und so gibt Emily ihrer Großmutter langsam aber sicher wieder die Augen für das Wunderbare zurück und plötzlich erkennt auch sie die Lebendigkeit und Magie, von der sie die ganze Zeit umgeben war: die bunten Regentropfen, die vom Himmel fallen, die tickenden Blumenuhren, die mit der Sonne um die Wette strahlen und die flinken Fischpferdchen, die an ihren Füßen vorbei schwimmen.

Dass den Illustrationen von David Litchfield ein besonderer Zauber innewohnt, weiß ich seit dem Bilderbuch „Der Bär am Klavier“. Schon damals waren mein Neffe und ich von den liebevollen und magischen Bildern fasziniert, die uns die Geschichte eines Bären, der sein Talent fürs Klavierspielen entdeckt, erzählten. Und auch in „Als ich noch ein Kind war“ begeistert Litchfield mit zauberhaften Illustrationen, die sich mit besonderer Intensität und Strahlkraft präsentieren. Mit Stantons begleitenden Zeilen in Reimform entsteht hier eine wunderbare Bilderbuch-Hommage an die Kindheit. Es scheint, als wollen sie uns gemeinsam in Erinnerung rufen, dass der Zauber der Kindheit nicht fort ist, sondern wir nur lernen müssen, die Welt wieder aus Kinderaugen zu sehen. Und so ist das Bilderbuch nicht nur eine wahre Bereicherung für kleine, sondern auch für große Augen. 

„Die Magie unserer Welt macht vor niemandem halt, ganz gleich ob du jung bist, oder alt.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Gefällt dir das Buch?

Ja, sehr!

Was hat dir besonders gefallen?

Dass Menschen und Elefanten fliegen können

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Die Hochzeit von Sonne und Erde, die Luftballons, die den Himmel erobern

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

 

Worauf macht das Buch Lust?

die Welt zu entdecken

Springt in:

die Parade tanzender Menschen

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom J.P. Bachem Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]