Kinderfreuden #48: Klein, aber oho!

„Der kleine Schneepflug“- Lora Koehler, Jake Parker

„Du bist so ein kleiner Schneepflug, überlass die schweren Arbeiten lieber uns!“, sagten die großen Laster und brausten davon.

Als der kleine Schneepflug neu nach Mighty Mountains kommt, um den alten pensionierten Schneepflug zu ersetzen, wird er von der bestehenden Crew aus großen Trucks kritisch beäugt. Keiner von ihnen glaubt daran, dass er den Schneemassen der Stadt gewachsen ist, geschweige denn einem so kleinen Schneepflug überhaupt etwas wirklich Bedeutendes gelingen kann. Schließlich ist er ja so klein und die Schneemassen der Stadt so groß. Doch bis zum Winter hat der kleine Schneepflug genügend Zeit, um zu trainieren und Kräfte zu sammeln. Und als der Schnee ins Land geht, kann er sich auch prompt unter Beweis stellen. Denn auch Kleine (Dinge) können ganz Großes bewirken!

Eckdaten

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
28,2 x 23,6 cm
ISBN: 978-3-280-08007-8

Illustration: Jake Parker
Text: Lora Koehler

Orell Füssli Verlag
14,95 € [D]

 

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Heute vor einer Woche hat es bei uns noch geschneit und meine Tochter hat bei frostigen -10 Grad ihren morgentlichen Fußmarsch in den Kindergarten angetreten. Und als ich auf unserem gemeinsamen Weg in ihre kleinen Kinderaugen geblickt habe, die beim Anblick der glitzernd weißen Schneedecke, in die die Landschaft plötzlich eingehüllt war, zu leuchten begannen, musste ich unwillkürlich an die Geschichte vom kleinen Schneeflug denken.

Eine Geschichte, in die die kleine Testerin Luisa in diesem Winter eingetaucht ist und die euch trotz des bereits tauenden Schnees und dem Frühling, der schon vor der Tür zu stehen scheint, heute noch ans Herz gelegt sei. Denn trotz seiner überschaubaren Größe gelingt dem kleinen Schneepflug in diesem Bilderbuch ganz Großes. Denn wahre Größe kommt von innen. Und diese Botschaft kann Kindern in der heutigen Zeit gar nicht oft genug vermittelt werden.

Lora Koehler erzählt in ihrem ersten Bilderbuch „Der kleine Schneepflug“ eine Geschichte, in der sich Kinder schnell wiederfinden. Mit dem kleinen Schneepflug können sich vor allem kleinere Kinder gut identifizieren. Der Vergleich mit anderen, oft größeren Kindern beginnt bereits im Kindergartenalter. Oft liegt es nahe, dass sich kleinere Kinder Herausforderungen nicht gewachsen fühlen, die von größeren, vermeintlich stärkeren Kindern problemlos gemeistert werden. Auch der kleine Schneepflug wird beim ersten Zusammentreffen mit der Crew aus Mighty Mountains‘ größeren Trucks mit dem alten pensionierten Schneepflug verglichen. Ohne ihn zu kennen, erlauben sie sich ein Urteil über ihn, schätzen ihn als nicht stark und nicht groß genug ein. Wie soll so ein kleiner Schneepflug schon mit gewaltigen Schneemassen zurechtkommen?

Doch es ist nicht immer nur die äußerliche Größe, die uns zum Erfolg bringt. Es ist die Aufgabe von uns Erwachsenen die Kinder in dem was sie tun, zu bestärken, sie Mut und Kraft sammeln und sich an Dinge heranwagen zu lassen, die auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt sind. Denn manchmal kann daraus ganz Großes entstehen. Und Große lässt sich nicht nur mit Zahlen ausdrücken, sondern auch mit Taten. Als der große Schnee nach Mighty Mountains kommt und der kleine Schneepflug tatsächlich auf die Hilfe der großen Trucks angewiesen ist, fühlen sie sich natürlich bestätigt. Doch dass eines Tages eine Lawine ins Tal donnert und den großen Muldenkipper erfasst, hat keiner kommen sehen. Und plötzlich ist es der kleine Schneepflug, der nahezu Unmögliches schafft und ihn mit Ausdauer und Wendigkeit aus den Schneemassen befreit. Sein hartes Training hat sich ausgezahlt. Er ist über sich selbst hinausgewachsen. Und der anschließende Applaus der großen Trucks schenkt ihm die Anerkennung und die Wertschätzung, die er verdient hat.

Der Muldenkipper schüttelte den Schnee von seiner Ladefläche. „Ich habe nicht gewusst, dass ein kleiner Pflug so stark sein kann.“, sagte er. 

Was Lora Koehler hier in wunderbar kindergerechte Worte verpackt, weiß Jake Parker mit feinen Illustrationen umzusetzen. Und so blicken die Kinder in ganz wunderbare Schneeszenerien, in der der kleine Schneepflug sich zu behaupten weiß und durch seinen Mut und seine Beharrlichkeit am Ende ganz groß herauskommt. Wer sich noch nicht vom Schnee verabschieden will, ist mit diesem Bilderbuch bestens versorgt. Ganz besonders sympathisch finde ich, dass das Bilderbuch frei von Genderklischees ist und sich von kleinen Lesern und kleinen Leser*innen gleichermaßen erobern lässt. Die kleine Luisa stellt das anschließend ganz wunderbar unter Beweis.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

 

Was ist deine Lieblingsstelle im Buch?

Ich habe zwei Lieblingsstellen: Die Seite, auf der der kleine Schneepflug wieder in die Gerätehalle zurückkommt und die anderen stolz auf ihn sind und die letzte Seite, auf der man den kleinen Schneepflug sieht, wie er zufrieden lächelnd schläft.

Warum kann der kleine Schneepflug so stark sein?

Weil er es den anderen zeigen möchte und er besonders viel trainiert!

Worauf bekommt man nach dem Lesen richtig Lust?

Nach draußen in den schönen Schnee zu gehen (wenn man nicht ohnehin schon draußen ist).

Was gefällt dir am Buch am besten?

Die glänzende Titelseite, die schönen Farben und der kleine fleißige Schneepflug, dem man gar nicht ansieht, wie stark er wirklich ist

Beste Lesezeit:

Im Winter, ist doch klar!

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Orell Füssli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Grandpa Christmas – ein Beitrag im Rahmen der Aktion #vorleseadvent + Giveaway

„Mein Weihnachtswunsch für dich – Michael Morpurgo, Jim Field

Jedes Jahr an Weihnachten holt Mia gemeinsam mit dem Christbaumschmuck ihr altes Tagebuch unter der Treppe hervor. Es ist Tradition, dass es unter dem Weihnachtsbaum versteckt wird, auch wenn längst jeder in der Familie weiß, dass es dort liegt. Auch dass es einen ganz besonderen Schatz bewahrt, wissen alle. Denn in ihm liegt ein Brief von Mias Opa, den er seiner Enkeltochter geschrieben hat, als sie noch ganz klein war. Es sind seine Wünsche nach einer besseren Welt, die Mia jedes Jahr nach der Bescherung vorliest und damit auch an ihre Kinder weitergibt.

Und so wird die Botschaft ihres Opas zu einem bedeutenden Moment ihres Weihnachtsfestes. Durch seine Zeilen wirkt es fast so, als wenn er noch immer mitten unter ihnen weilt. Und so ist Mias Opa zum Weihnachtsopa avanciert.

Liebste kleine Mia, zu Weihnachten bekommst du von mir in diesem Jahr keine Weihnachtskarte […] und auch kein Geschenk […], sondern einen Brief. Einen Brief von deinem Opa.“

Ein Weihnachtswunsch für alle

Michael Morpurgo und Jim Field bringen dieses Jahr den Weihnachtsopa nach Deutschland. Das Bilderbuch, das im Original bereits 2018 unter dem Titel „Grandpa Christmas“ erschienen ist, darf nun endlich auch deutsche Leser*innen verzaubern. Ich habe die Erscheinung der deutschen Übersetzung lange herbeigesehnt und freue mich nun gleich doppelt, dass das Bilderbuch mit dem Naturkind-Label bei Loewe erscheint, einer Reihe, die ihren Fokus auf eine nachhaltige Produktion legt und Werte an Familien vermittelt, die bewusst leben und lesen. Mit jedem Naturkind-Buch werden regionale Projekte im Bereich Klima- und Umweltschutz unterstützt. Die Botschaft wird daher nicht nur mit der Geschichte, sondern auch durch das Buch selbst an die Leser*innen herangetragen. Es war mir daher eine Herzensangelegenheit, es euch heute vorzustellen. 

Jim Fields Illustrationen sind mir schon seit vielen Jahren vertraut. Er hat bereits zahlreiche Bilderbücher illustriert, u.a. zwei meiner Lieblingsbücher „Der Löwe in dir“ und „Kleiner Wolf in weiter Welt“. Wer seine Illustrationen kennt, weiß, dass ihnen immer eine ganz besonderer Zauber innewohnt und sie in der Regel gar keinen begleitenden Text benötigen. Die detailreichen großflächigen Bilder hat er auch diesem Bilderbuch geschenkt, weshalb sich für größeren Leser*innen schon anhand seiner ausdrucksstarken Illustrationen erahnen lässt, welche Botschaft hier den Kindern vermittelt werden soll.

Es ist der Brief von Mias Opa, seine Wünsche nach einer besseren Welt für Mia, die durch Fields Illustrationen Farbe und Form annehmen. Mit lebendigen und farbenfrohen Bildern vermittelt er, wie zerbrechlich unser Planet und seine Lebewesen ist. Dass wir Menschen es sind, die unsere Meere mit Müll und unsere Luft mit Abgasen verschmutzen. Dass es unsere Gier nach Wohlstand und unsere Bequemlichkeit ist, die die Erde zerstört, das Polareis zum Schmelzen und den Meeresspiegel ansteigen lässt. Dass wir nicht nur unsere Erde, sondern auch einander lieben lernen müssen. Wir acht- und sparsam agieren müssen. Und wir und unsere Kinder nur ohne Krieg, ohne Müll und ohne Verschwendung in Frieden miteinander leben, saubere Luft atmen und klares Wasser trinken können.

„Ich wünsche dir, dass nie wieder jemand einen Baum fällt, ohne drei neue an seiner Stelle zu pflanzen.“

Michael Morpurgo hat die Wünsche von Mias Opa in behutsame kindgerechte Zeilen verpackt, die Susan Niessen ins Deutsche übersetzt hat. Kinder mit der empfohlenen Altersempfehlung von 3 Jahren werden sie inhaltlich sicher nicht immer vollends erfassen, mit ein bisschen Anleitung ihrer Eltern aber sicher gut verstehen können. Durch das Vorlesen bleiben die Wünsche des Großvaters nicht einzig und allein an seine Enkeltochter Mia gerichtet, sondern auch an jede/n kleine/n Leser*in dieses Buchs.

Und obwohl der Fokus des Bilderbuchs auf den Wünschen nach einer besseren Welt liegt, haben Field und Morpurgo eine wunderbaren Weg gefunden, die gemeinsamen Momente des Glücks, der Ausgelassenheit und Ruhe aus dem Leben von Enkeltochter und Opa mit einfließen zu lassen. Viele ihrer gemeinsamen Momente im (Gemüse)Garten, im Dickicht einer Wiese und am Meer kommen nicht nur in den Zeilen von Mias Opa zur Sprache, sondern werden auch durch die Bilder von Field wieder lebendig. Es ist eine Reise durch  die Marmeladenglasmomente von Mia und ihrem Opa.

Wenn es ein Weihnachtsbuch gibt, das ich euch dieses Jahr ans Herz legen möchte, dann ist es dieses. Ich wünsche mir, dass diese wundervolle, unglaublich wertvolle Bilderbuchperle unter zahlreichen Christbäumen liegen und die Herzen so viele Kinder wie möglich erobern wird! Grandpa Christmas for everyone!

„Das Meer, liebe kleine Mia, an dessen Stränden wir so oft in den Sommerferien gespielt haben, erinnerst du dich?“

Eckdaten

Hardcover mit Spotlack, ab 3  Jahren

48 Seiten
27 x 27 cm
ISBN: 978-3-7432-0878-0

Illustration: Jim Field
Autor: Michael Morpurgo

Aus dem Englischen übersetzt von Susan Niessen 

Naturkind, Loewe Verlag
15,00 € [D]

Finde hier zur Verlagsseite…

Eine Verlosung im Rahmen des Vorleseadvents

Heute öffnet sich bei mir das zweite Türchen im Rahmen der Aktion #vorleseadvent von Steffie alias @kleinerleser, weshalb ich ein Exemplar von „Mein Weihnachtswunsch für dich“ an euch verlosen möchte.

Und da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir heute bis 23:59 Uhr euren allergrößten Herzenswunsch für euer/eure Kind/er in einem Kommentar zu verraten, den ihr ihm/ihnen an Weihnachten mit auf den Weg geben möchtet.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück und eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

Eure Steffi

[Werbung: Rezensions- und Verlosungsexemplar sind selbst gekauft, die Empfehlung und Verlosung dieses Bilderbuches ist eine Herzensangelegenheit.]

Kinderfreuden #44: Hitzköpfe

Paulchen und Pieks sind allerbeste Freunde. Sie ergänzen sich perfekt, helfen einander beim Klettern, spüren die besten Verstecke auf und tauchen gemeinsam in fantasievolle Geschichten ab. Sie sind ein unschlagbares Team und teilen sich alles. Eigentlich. Denn als Paulchen den kürzlich entdeckten Riesenpilz im Waldkindergarten heimlich ganz alleine verdrückt, ist der erste Streit vorprogrammiert. Pieks ist ganz schön sauer auf seinen Freund, wo er doch schon so viele Ideen im Kopf hatte, was sie damit so alles anstellen könnten. 

Und so hält Pieks fortan Abstand zu Paulchen und spielt nur noch mit den anderen Tierkindern. Und auch Paulchen hat gar keine Lust mehr, mit Pieks zu spielen. Wo er sich doch entschuldigen und sein Freund einfach nicht zuhören wollte. Doch es dauert nicht lange, bis die beiden Hitzköpfe einander schrecklich vermissen und sich nach den gemeinsamen Abenteuern sehnen. Denn zusammen spielt es sich einfach viel schöner!

Als Mama Igel ihren Sohn Pieks ermutigt, sich etwas einfallen zu lassen, um sich mit Paulchen wieder zu versöhnen, hat auch Paulchen eine Idee, wie er Pieks überraschen könnte. Denn auch versöhnen will gelernt sein!

Eckdaten

 

Gebunden, ab 3 Jahren

32 Seiten
232 x 300 mm
ISBN: 978-3-480-23609-1

Text & Illustration: Laura Bednarski

Esslinger 
14,00 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar

Blickwinkel aus großen Augen

Als Emma das neue Abenteuer von Paulchen und Pieks in der Vorschau von esslinger entdeckt hat, war die Freude groß. Denn die beiden Tierfreunde von Laura Bednarski sind ihr seit dem ersten Bilderbuch „Paulchen & Pieks – Heute übernachte ich bei dir!“ ans Herz gewachsen und auch ich hatte direkt Lust, mit ihr das neue Bilderbuch zu erobern.

Und so zog „Paulchen & Pieks – Heute vertragen wir uns wieder!“ wenig später bei uns ein. Was mir zum Zeitpunkt des Regaleinzugs noch nicht ganz klar war, ist, dass uns die Thematik des vorliegenden Bilderbuchs (Streiten und Versöhnen) bereits mit unmittelbarer Wucht treffen wird. Ich ahnte bereits, dass die Räubertochter mit ihren drei Jahren nun ihre ersten „richtigen“ Streitereien im Kindergarten ausfechten wird. Schließlich müssen Kinder im dem Alter auch erst lernen, dass gewisse Dinge in begrenztem Umfang da sind und man sie sich demzufolge teilen bzw. man sich mit dem Spielen abwechseln muss. Dass sich da selbst Freunde mal in die Wolle kriegen, ist völlig normal. Als Emma mir aber das erste Mal den Satz „Dann bist du nicht mehr mein Freund!“ entgegenschleuderte, war ich ehrlich gestanden, etwas entsetzt. Bei uns zuhause konnte sie sich diesen Satz nicht aufgeschnappt haben und so lag die Vermutung nahe, dass er im Kindergarten gefallen sein muss. Wenig später hörte ich ihn selbst bei einem anderen Kindergartenkind als ich Emma abholte und da hatte ich meine Pappenheimerin!

„Du bist nicht mehr mein Freund“, ruft Pieks. Er ist enttäuscht und richtig wütend. „Und du bist auch nicht mehr mein Freund!“, gibt Paulchen zurück – weil Pieks seine Entschuldigung gar nicht hören mag.“

Ich musste daher sehr schmunzeln, als ich feststelle, dass sich Laura Bednarski in ihrem neuen Bilderbuchabenteuer für den Dialog von Paulchen und Pieks eben jenem Wortlaut bedient, der auch bei uns gerade sehr präsent ist. Leider verwendet die Räubertochter den Satz oft in Situationen, in denen es nicht nach ihren Vorstellungen läuft und sie meint, sie könne mich mit der Drohung, fortan nicht mehr ihr Freund zu sein, zu einer anderen Antwort bewegen. Dass Kinder in der Autonomiephase oft von ihren Emotionen überwältigt werden und sich dadurch schnell zu Hitzköpfen entwickeln, ist mir bekannt, ich hoffe dennoch, dass wir für Emma alternative Worte finden werden, mit denen sie ihrer Enttäuschung und Wut Ausdruck verleihen kann.

Auch Paulchen und Pieks entwickeln sich in der Auseinandersetzung um den verschwundenen Riesenpilz zu Hitzköpfen. Bei Pieks macht sich schnell Enttäuschung und Wut breit, bei Paulchen in erster Linie Scham. Doch als Pieks ihn damit konfrontiert, durch das alleinige Verdrücken des Pilzes fortan nicht mehr sein Freund sein zu dürfen, verwandelt sich seine Scham schnell in Wut. Der Dialog der beiden Freunde und das darauffolgende „Einander aus dem Weg gehen“ verdeutlicht Kindern gut, wie schnell wir in Momenten des Streits unbedachte Worte zueinander sagen und wie sehr wir diese oft schon wenig später bereuen. Auch Paulchen und Pieks merken, dass sie eigentlich gar nicht ohne einander spielen wollen und sich einander vermissen. Es sind die Worte von Mutter Igel, durch die Bednarski den Kindern einen wunderbaren Lösungsansatz zum Versöhnen an die Hand gibt.

„Zu Hause fragt Pieks Mama Igel um Rat. „Auch die allerbesten Freunde streiten mal“, beruhigt sie ihn. „Das gehört einfach dazu. Mach Paulchen doch eine kleine Freude und fragt ihn, ob er wieder dein Freund sein möchte!“

Mit ihren farbenfrohen und detailreichen Illustrationen in Großformat, aber auch treffenden und wohlformulierten Zeilen ist es Laura Bednarski gelungen, kleinen Kindern die Thematik des sich Streitens und Vertragens spielerisch nahezubringen. Mit ihrer Geschichte greift sie nicht nur ein wichtiges Thema der Entwicklung von Kleinkindern auf, sondern verdeutlicht ihren kleinen Lesern auch, dass kleine Streitereien zum Leben dazugehören und dass sie sich in der Regel mit kleinen Gesten der Zuneigung und entschuldigenden Worten schnell wieder aus der Welt schaffen lassen sollten.

„Streiten ist zwar nicht schön, aber es gehört dazu! Das wissen die beiden Freunde jetzt. „Und beim nächsten Mal vertragen wir uns schneller wieder“, lachen Paulchen und Pieks.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Hat dir das Buch gefallen?

Oh ja!

Worum geht’s im Buch:

Um zwei Freunde, die sich streiten

 

Lieblingsstelle im Buch:

Als Paulchen bei Pieks ins Fenster spitzt

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

Was hat dir am besten gefallen?

Dass Pieks Paulchen mit Zimtschnecken überrascht

Wird zu:

einem guten Freund

[Werbung, da Verlinkung im Text. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Thienemann Esslinger als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

Kinderfreuden #38: Die Welt aus Kinderaugen

„Als ich noch ein Kind war“ – Andy Stanton & David Litchfield

„“Als ich noch ein Kind war“, erzählte die Großmutter, „war die Welt ein einziges Blütenmeer.“ Eiscreme-Schmetterlinge schwebten rings umher.“

Emilys Großmutter sehnt sich in ihre Kindheit zurück. Denn die Welt, die ihr heute so grau und trostlos erscheint, begegnete ihr damals noch bunt und magisch. Doch Emily weiß, dass die Magie nicht wirklich verschwunden ist, sondern man nur genau hinsehen muss, um sie zu entdecken. Und so nimmt sie ihre Oma mit auf eine faszinierende Entdeckungsreise durch eine Welt, die an Zauber nicht verloren hat.

Eckdaten

 

Hardcover, ab 3 Jahren

32 Seiten
24 x 30 cm
ISBN: 978-3-7616-3325-0

Illustration: David Litchfield
Text: Andy Stanton

J.P.Bachem Verlag
14,95 € [D]

Sicher dir hier dein persönliches Exemplar…

Blickwinkel aus großen Augen

Ich kann mich noch gut an die Gespräche mit meiner Oma erinnern, die den Spruch „Früher war alles besser.“ förmlich gelebt hat. Die Trostlosigkeit, mit der sie die heutige Welt oft verband, ist auch Emilys Oma vertraut, weshalb ich mich auf Anhieb in der Konstellation aus Großmutter und Enkeltochter in diesem Bilderbuch wiedergefunden habe.

„Ach, ich wünschte, du hättest die Welt gekannt, so wie ich, hell und glitzernd, wie ein Diamant.“

Dass der Blickwinkel entscheidend ist, das zeigen Andy Stanton und David Litchfield in ihrem gemeinsamen Bilderbuch „Als ich noch ein Kind war“ auf wunderbarste Weise. Denn sie lassen uns die Welt aus Kinderaugen sehen, uns mit Elefanten und Eiscreme-Schmetterlingen durch die Luft fliegen, die Hochzeit von Erde und Sonne betanzen und die Treppe bis hinauf zu den Sternen nehmen. Es ist die Fantasie der Kinder, die keine Grenzen kennt; ihr unvoreingenommener Blick auf die Welt und ihre bewundernswerte Fähigkeit, in den kleinsten und unscheinbarsten Dingen etwas Wunderbares zu sehen. 

„Komm, lass uns gemeinsam die Wunder entdecken, die in allem und jedem Ding der Welt stecken.“

Und so reisen wir in diesem farbenfrohen Bilderbuch mit den Kindern nicht nur durch die magische Welt der Großmutter, die im Schwelgen ihrer Erinnerungen selbst wieder zum Kind wird, sondern auch mit Emily zu ganz wunderbar magischen Orten der heutigen Zeit. Sie sind der Oma nicht fremd. Es ist nur ihr Blick auf die Dinge, der mit der Zeit rationaler geworden ist; die Augen für das Wunderbare, die sie zwischenzeitlich verschlossen hat.

Doch Emily lässt sich nicht beirren. Sie weiß, dass die Welt nicht ihre Magie verloren hat. Die Orte, die sie ihrer Oma zeigt, haben an Faszination und Zauber nichts eingebüßt. Es ist nur der Blick, mit denen man sie betrachten muss. Und so gibt Emily ihrer Großmutter langsam aber sicher wieder die Augen für das Wunderbare zurück und plötzlich erkennt auch sie die Lebendigkeit und Magie, von der sie die ganze Zeit umgeben war: die bunten Regentropfen, die vom Himmel fallen, die tickenden Blumenuhren, die mit der Sonne um die Wette strahlen und die flinken Fischpferdchen, die an ihren Füßen vorbei schwimmen.

Dass den Illustrationen von David Litchfield ein besonderer Zauber innewohnt, weiß ich seit dem Bilderbuch „Der Bär am Klavier“. Schon damals waren mein Neffe und ich von den liebevollen und magischen Bildern fasziniert, die uns die Geschichte eines Bären, der sein Talent fürs Klavierspielen entdeckt, erzählten. Und auch in „Als ich noch ein Kind war“ begeistert Litchfield mit zauberhaften Illustrationen, die sich mit besonderer Intensität und Strahlkraft präsentieren. Mit Stantons begleitenden Zeilen in Reimform entsteht hier eine wunderbare Bilderbuch-Hommage an die Kindheit. Es scheint, als wollen sie uns gemeinsam in Erinnerung rufen, dass der Zauber der Kindheit nicht fort ist, sondern wir nur lernen müssen, die Welt wieder aus Kinderaugen zu sehen. Und so ist das Bilderbuch nicht nur eine wahre Bereicherung für kleine, sondern auch für große Augen. 

„Die Magie unserer Welt macht vor niemandem halt, ganz gleich ob du jung bist, oder alt.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

 

Gefällt dir das Buch?

Ja, sehr!

Was hat dir besonders gefallen?

Dass Menschen und Elefanten fliegen können

 

 

Lieblingsstelle im Buch:

Die Hochzeit von Sonne und Erde, die Luftballons, die den Himmel erobern

Bester Leseplatz:

Auf dem Kuschelteppich

 

 

 

Worauf macht das Buch Lust?

die Welt zu entdecken

Springt in:

die Parade tanzender Menschen

 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom J.P. Bachem Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]