Meeresenzyklopädie

„Das Buch vom Meer“ – Morten A. Strøksnes

Autor: Morten A. Strøksnes | Seiten: 368 | Gebundenes Buch, Leinen 19.99 € | ISBN: 978-3-421-04739-7 | Erscheinungstermin: 29.08.2016 | DVA Verlag

„Die größten Entdeckungen warten im Meer.“

Zitat, Seite 21

In den Tiefen des Nordatlantiks lauern sie: die sagenumwobenen Eishaie. Es ist der gemeinsame Traum von Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, einen von ihnen zu fangen. Ein schwieriges Unterfangen, das absolute Windstille erfordert und den Launen der Natur unterliegt. Denn das Gebiet zwischen dem norwegischen Festland und den Lofoten ist unberechenbar: das Warten auf Windstille erfordert Geduld.

Voller Tatendrang fahren die beiden Freunde raus aufs Nordmeer und beobachten beim Warten das Schauspiel der Natur: sie lauschen dem sanften Flüstern und der peitschenden Gischt des Meeres, atmen die salzige Seeluft ein und blicken in das unergründliche tiefe schwarze Meer, das so viele Geheimnisse in sich birgt.

„Die Moleküle setzen sich in schwindelerregendem Tempo zu ständig neuen Variationen zusammen, so wie sich Buchstaben zu neuen Wörtern fügen, um dann zu Sätzen und am Ende zu ganzen Büchern werden. Stellt man sich die Wassermoleküle als Buchstaben vor, könnte man sagen, dass das Meer alle Bücher enthält, die jemals in bekannten oder unbekannten Sprachen geschrieben wurden.“

Zitat, Seite 135

Die Insel Skrova, die zur beeindruckenden Inselgruppe der Lofoten zählt, wird dabei zum Ausgangspunkt des Haifangprojekts. Hier gewährt ihm sein Künstlerfreund Aasjord Unterschlupf in der ehemaligen Fischfabrik Aasjordbruket, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Mette zu einem Kulturzentrum umbaut.

Doch die anfängliche Euphorie, eins der ungeheuerlichsten Meereswesen ins Netz zu bekommen, ebbt über die Zeit ab. Das kleine Schlauchboot der beiden Freunde scheint den unberechenbaren Strömungen des Nordmeeres nur bedingt standzuhalten und lässt sie ihr Unterfangen langsam aber sicher in Frage stellen.

„Das tiefe, salzige, schwarze Meer brandet uns entgegen, kalt und gleichgültig, ohne jede Empathie. Es ist sich selbst genug, es braucht uns nicht, es schert sich nicht um unsere Hoffnungen, unsere Ängste – und schon gar nicht um unsere Beschreibungen. Die dunkle Masse des Meeres ist von überlegener Kraft.“

Zitat, Seite 216

Während die Wellen die Sagen und Mythen des Meeres an ihr Boot spülen, erzählt Strøksnes unterdes vom schier unermesslichen Facettenreichtum der Meeresbewohner, von mutigen Polarforschern, Walfängern, Kartografen und vom harten Alltag der norwegischen Inselbewohner. Auch vor der Brutalität des Walfangs, der Überfischung der Meere und der unerschütterlichen Jagd auf die Eishaie macht er keinen Halt und würzt sein Werk mit grausamen Wahrheiten.

Der Norweger erweist sich über sein gesamtes Werk als sensibler und aufmerksamer Beobachter. Durch seine detailgetreuen und farbenfrohen Beschreibungen erwacht nicht nur das Insel- und Meerestreiben zum Leben, sondern macht „Das Buch vom Meer“ auch zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. Es liest sich daher wie eine Mischung aus Sachbuch und Belletristik. Der unterhaltsame Ton des Autors hilft dem Leser dabei über so manche Flut an naturwissenschaftlichen Informationen hinweg.

Es ist ein Sehnsuchtsbuch. Ein Buch, das vor Leben sprudelt und die Faszination um das Meer in sich trägt. Strøksnes schenkt uns mit seinem Werk sowohl eine Meeresenzyklopädie als auch einen lebendigen Reiseführer. Es reserviert dir einen Platz auf dem Schlauchboot und katapultiert dich unvermittelt raus aufs Meer. Damit bin ich meinem Wunschreiseland Norwegen schon ein kleines bisschen näher gekommen.

„Das Meer ist der Ursprung aller Dinge. Wellen einer weit zurückliegenden Urzeit durchströmen uns wie das leise Echo eines sanften Plätscherns in einer unzulänglichen Höhle am Meer. Manchmal, wenn wir bei einem starken Sturm am Ufer stehen, hat es den Anschein, als verlangte uns das Meer zurück.“

Zitat, Seite 163

Leuchtturm von Skrova – ©Morten A. Strøksnes

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Hanseatische Perle..

lesenslust über „Verliebt in Hamburg – Ein Stadtverführer“ von Nina George

Mein Blick fällt auf den Kalender: es ist der 18. November 2013. Mit einem tiefen Seufzen zähle ich die vergangenen Tage und zähle mit Erschrecken 673 Tage. 673 Tage ohne durch hanseatische Prisen zerzauste Haare, den zimtigen Duft frisch aufgebackener Franzbrötchen, das gluckernde Vorbeischippern alter Kräne, das Klatschen der Wellen an den Landungsbrücken, die sehnsuchtsvollen Laute von Signalhörnern im Hafen, den Duft von Freiheit und ohne mein geliebtes Planten un Blomen. Ohne multikulturelle Zuwanderer und hanseatisch zurückhaltende Hamburger Urgesteine, ohne Sonnenbaden im Beach Club, die Stimmen der Marktschreier auf dem Fischmarkt und ohne das Barhopping in stets charmanter Begleitung eines Astras.

Ja, das ist Hamburg. Das Tor zur Welt.

Sehnsucht macht sich breit. Ganz unbewusst stimme ich mir wohlbekannte Klänge an: „Hamburg, meine Perle, du wunderschöne Stadt, bist mein Zuhaus, du bist mein Leben. Du bist die Stadt, auf die ich kann…“

Für alle, die mich nicht kennen, gestatten – ich bin die süddeutsche Dorfpflanze, die 2006 zu norddeutschem Gewächs wurde und nach 5 Jahren bei den eigenartigen aber lieben „Fischköppen“ wieder zurück ins heimische Gewässer schwamm. Nicht, weil ich Hamburg nicht mehr sehen konnte sondern vielmehr, weil mir die Nähe zu meiner Familie und den engen Freunden hier im Süden noch wichtiger geworden ist. Ein Umzug war somit unausweichlich und München wurde zu meiner neuen Heimat.

Doch wer glaubt, dass ich Hamburg JE den Rücken zuwenden kann, der irrt sich gewaltig. Hamburg wird immer ein Teil von mir bleiben – ein bisschen Heimat, ein bisschen Leben und nun auch ein bisschen Zufluchtsort für die Kurzurlaube im Jahr. Und für all die Tage dazwischen, in denen meine Sehnsucht nach ihr wächst, lese ich Bücher, die sich mit Hamburg beschäftigen und folgendes hat sich einen besonders großen Platz in meinem Herzen ergattert…

Ganz Hamburg ist ein Parfum. Würde man es auf Flaschen ziehen und in die Welt verkaufen, würden sich Menschen in diese Stadt verlieben, ohne sie je gesehen zu haben. (…) Fernweh und Zuhause, Wasser und Lebenssüße. Geborgenheit und Freiheit, Verlässlichkeit und Liberalität, ein bisschen Grandseigneur, ein bisschen sexy Deern. Balkonblume und Grillabend, Kirschblüten und Zeitungspapier, Kaffee, Kinderlachen, Franzbrötchen und vom Morgenregen geklärte Luft über den Alsterwiesen. Ja. So riecht Hamburg.

Seite 16/17

Dieses Buch ist ein wahrer Schatz. Es ist Nina Georges Liebeserklärung an Hamburg. Die Liebeserklärung einer Autorin, die selbst weder in Hamburg geboren noch aufgewachsen ist. Sie ist ein Quiddje. Eine Hamburgerin aus Überzeugung. Ein Mensch, der die Stadt mit allen Sinnen aufnimmt und sie von ganzen Herzen liebt. Eine wie ich, nur mit dem Unterschied, dass sie noch heute dort wohnt.

Vor dem Lesen ihres Romans Das Lavendelzimmer war sie mir zugegebener Maßen kein wirklicher Begriff. Erst spät bemerkte ich, dass ihr Roman Die Mondspielerin schon lange in meinem Bücherregal darauf wartet, zum Zug  zu kommen und dann unausweichlich auf die Spitze meines SuB´s gewandert ist (Stapel ungelesener Bücher). Selten habe ich die Zeilen einer Schriftstellerin so genossen wie ihre. Eine gelungene Mischung aus Aufrichtigkeit, Ironie und Lebensfreude. Beginnt man einen ihrer Sätze zu lesen, findet man sich schon bald am Ende des Buches wieder. Kaum hat man das Buch zu Ende gelesen, brennt man auf das Nächste. Die Dame macht für meinen Geschmack alles richtig. Sie transportiert so ungeheuer viel Liebe und Leidenschaft in all die Dinge, die sie schreibt oder ausspricht, dass man wirklich neidisch wird. Kann man das lernen?

So nimmt sie den Leser auf lange Spaziergänge mit. Auf Fußmärsche und Cabriolet-Fahrten, auf Bus- und Bootstouren. Jene, die dir nicht nur die wohlbekannten Plätze wie Michel, Reeperbahn oder Fischmarkt zeigen, sondern sich auch in der Pampa, fernab von Touri-Grüppchen, abspielen. Sie konfrontiert dich mit Klischees und hanseatischen Wahrheiten, zeigt dir To-dos and -don´ts für Touristen oder Zugezogene. Sie belächelt das extrovertierte Verhalten mancher Großstädter, definiert die Ruhe der Pendler am Morgen oder versucht uns ein bisschen mehr Toleranz für die fragwürdigen Kandidaten nahezubringen.

Das Schweigen unter unserer Stadt am Morgen ist greifbar wie ein schlafwarmes Kissen. Es ist intim, es erzählt, wie Hamburg sich fühlt. (…) Es ist dieser schweigende Strom des Untergrunds, der den neuen Puls der Stadt freilegt wie ein offenes Herz. Schweigen lügt nie, man muss es nur hören wollen.

Seite 12/13

Plötzlich lernt man Hamburg von einer ganz anderen Seite kennen. George benutzt dabei nicht nur die lebendige Beschreibung von Impressionen sondern auch von Gerüchen und Empfindungen. Plötzlich fühlt man sich den schwappenden Wellen der Elbe so nah, spürt den zugigen Wind in den Haaren, riecht die zahlreichen Gewürze der Speicherstadt, den Duft frischverpackten Kaffees oder den zimtigen Duft von Franzbrötchen. Als wäre dieses Buch in der Lage, dich für eine Weile dort abzusetzen: im Treppenviertel von Blankenese; am Elbstrand; in der Strandperle, dem Alles-ist-gut-Platz in Övelgönne, in einem Boot auf der Binnenalster oder in einem Hummelstuhl im Stadtpark.

Jeder hat einen geheimen Platz, an dem er fast mehr zu Hause ist als daheim. Ihn zu teilen heißt, die Adresse der Seele zu offenbaren.

Seite 49

Man weiß fortan, welche Plätze man meiden muss, wenn man nicht mit Tim Mälzer oder Udo Lindenberg zusammenstoßen möchte und welcher Menschenschlag am Schulterblatt, der Roten Flora oder Hamburger Berg rumhängt. Wo welches Wahrzeichen steht, welche Skulpturen täglich auf Passanten herabblicken und wo ich sie finde – die Oasen der Ruhe – die es natürlich auch in einer Weltstadt wie Hamburg gibt. Einer Stadt, die nie schläft.

So sei dieses Buch jenen nahegelegt, die die Stadt noch nicht kennen und kennenlernen wollen. Den Zugezogenen, Ortsfremden und Ur-Hamburgern gleicher Maßen. Denn was gibt es Schöneres, als einen Ort durch neue Blickwinkel kennen und lieben zu lernen?!

Slow Wine..

lesenslust über „Die Avantgarde der deutschen Winzer“ von Ulrich Steger & Kai Wagner

„Am Anfang war der Wein und erst dann kam Slow Food.“ Zitat, Seite 9

Slow Food ist mittlerweile jedem ein Begriff. Doch was ist mit Slow Wine? Eine neue Modeerscheinung oder eine Sache mit Nachhaltigkeit?

Im Gespräch mit 46 ausgewählten Winzern kommen Lebensgeschichten zu Tage, die dem Leser eine völlig neue Betrachtungsweise für Wein geben werden und ihm die Besonderheit des ‚langsamen‘ Weins verrät.

Den Weinen der Zukunft?

„Gut – sauber – fair“

Als ein Kind aus dem Frankenland – einem der Weinanbaugebiete schlechthin – bin ich schon früh in den Genuss von Wein gekommen. Später in meiner Ausbildung zur Restaurantfachfrau hat sich meine Begeisterung für den Wein durch das tägliche Handling schnell zur Leidenschaft entwickelt. Was mich am Wein so fasziniert ist seine Bandbreite. Die breitgefächerten Faktoren, die letztendlich zu so vielen Geschmacksnuancen verhelfen.

Es geht mir nicht nur darum, was in der Flasche steckt, sondern auch was sich hinter dem Ergebnis verbirgt. Welche Rebsorte dominiert im Wein, auf welche Weise wurden seine Trauben geernet und von welcher Hand wurden sie gepflügt? Mit welchen Dingen beschäftigt sich der Winzer? Warum tut er das, was er tut?

Derartige Dinge. Dinge, die nicht auf einer Flasche stehen und meistens auch nirgendwo zu lesen sind.

Aus diesem Grund war ich vom Leitgedanken des Buches schnell angetan. Neben einer anfänglichen Einführung in die Welt des ‚Slow Wines‘ erzählen 46 ausgewählte Winzerpersönlichkeiten aus unterschiedlichen deutschen Weinanbaugebieten ihre persönliche Geschichte im Hinblick auf Wein. Auch ein Glossar und ein Ausblick auf die Zukunft von ‚Slow Wine‘ sind hier zu finden. Jeder Winzer spricht zudem seine persönliche Weinempfehlung aus, die die Herzen von Weinliebhabern sicherlich höher schlagen lässt.

Was dem Leser ganz schnell vermittelt wird, ist die Tatsache, dass es den Autoren nicht um Zahlen, Fakten oder Statistiken geht, sondern vielmehr um die Menschen die hinter dem Wein stecken. Hier werden Geschichten erzählt – Lebensgeschichten von Winzern, von den Ursprünge eines Weingutes und den Generationswechseln, die es durchlebt hat. Durch diesen Aufbau gelingt es ihnen meines Erachtens hervorragend, den Lesern ein Gespür für die Leidenschaft und Hingabe zu vermitteln durch die so hervorragende Tröpfchen entstehen können.

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom oekom Verlag und Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt.

Und hier könnt ihr das Buch bestellen…

Eating animals..

lesenslust über „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer

Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ hat international für Furore gesorgt. Die Konfrontation mit den grausamsten Fakten aus der heutigen Tierhaltung hinterließ Spuren bei den Menschen. Fakten, die wir im ersten Moment nicht glauben können oder vielmehr wollen, weil wir die Lügen, die uns die Lebensmittelindustrie täglich vorgaugelt, um einiges angenehmer empfinden als die erschreckende Realität.

Die meisten Menschen reagieren nach dem Lesen des Buches empört und nahezu erschüttert. Ganze Nationen werden wachgerüttelt. Doch ändert sich dadurch wirklich etwas? Kaufen wir sie nicht weiter ein, die Eier aus Käfighaltung, die Brathähnchen oder Bratwürste vom Stand unseres Vertrauens und das günstige Fleisch aus dem Discounter? Und warum? Ganz einfach. Es ist verhältnismäßig günstig und es schmeckt uns. Wer will schon darauf verzichten oder sich Gedanken darüber machen, wie die Lebensmittel entstanden ist? Und selbst wenn: nicht jeder kann sich die oftmals überteuerten Bio-Lebensmittel oder regionalen Produkte leisten. Selbst hier lassen wir uns für blöd verkaufen. Auch Bio-Eier müssen nicht zwangsweise von freilaufenden Hühnern stammen. Genau genommen muss zwar ein Zugang zum Freien bestehen, es heißt aber nicht zwangsweise, dass die Tiere diesen auch tatsächlich nutzen können. Ist alles nur ein großer Schwindel?

„Etwa 98 Prozent aller Hühner und Schweine, die für den Verzehr bestimmt sind, stammen in Deutschland aus Massentierhaltung – das sind über 500 Millionen Tier im Jahr. Würde man auch die Rinder und Fische hinzurechnen – die aus verschiedenen Gründen schwieriger zu quantifizieren sind – wäre die Zahl noch bedeutend höher.“

Zitat, Seite 9

Massentierhaltung zählt mittlerweile zur gängigen Praxis. Es ist günstiger, es werden schneller Ergebnisse erzielt und es wird mehr Umsatz gemacht. Macht und Profit stehen für die meisten Konzerne im Vordergrund. Wie es den Tieren dabei geht, interessiert die wenigsten. Oder doch?

Laut Umfragen im Jahr 2011 des Meinungsforschungsinstituts FORSA leben bereits über 42 Millionen „Teilzeitvegetarier“ bzw. „Flexitarier“ in Deutschland. Ihre Zahl nimmt augenscheinlich deutlich zu und macht heute schon die Mehrheit aus (Auszug von http://www.vebu.de). Der Trend geht weiter. Immer mehr Menschen verändern ihre Ernährungsweise und wollen von nun an auf Fleisch und Fisch verzichten. Auch Foer ist sich sicher, dass die Massentierhaltung nur gestoppt werden kann, wenn man gänzlich auf Fleisch verzichtet. Es gibt sie zwar, die letzten Ausnahmen, tierfreundliche Geflügelfarmer und Viehzüchter, die den Tieren zumindest bis zu ihrer Schlachtung ein schönes Leben schenken. Doch mit der konstanten Nachfrage nach Fleisch, kann man der Massentierhaltung nicht entgegenwirken.

„Die Natur ist flexibler, als wir glauben. Doch auf jeden Fall ist es normal und natürlich, dass Tiere andere Tiere essen, und da wir Menschen Teil der Natur sind, ist es auch ganz normal, dass Menschen Tiere essen. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir Tiere essen müssen.“

Zitat von Nicolette Niman (Niman Ranch), Seite 238

„Versetzen Sie sich in einen überfüllten Aufzug, einen so überfüllten Aufzug, dass Sie sich nicht umdrehen können, ohne Ihren Nachbarn anzurempeln (oder ihn zu verärgern). Der Aufzug ist so überfüllt, dass Sie oft in der Luft hängen. Das ist fast ein Segen, denn der abgeschrägte Boden ist aus Draht, der Ihnen in die Füße schneidet. Nach einiger Zeit werden die Wesen im Aufzug die Fähigkeit verlieren im Interesse der Gruppe zu funktionieren. Einige werden gewalttätig, andere drehen durch. Und ein paar werden, da ihnen Futter und Hoffnung versagt, zu Kannibalen. Es gibt keine Auszeit, keine Hilfe. Kein Aufzugmechaniker kommt. Die Tür wird sich nur einmal öffnen, nämlich am Ende Ihres Lebens zu Ihrer Reise an den einzigen Ort, der noch schlimmer ist.“

Zitat aus der Definition zu Käfigbatterie, Seite 75

„Tiere essen“ ist eine wahre Bereicherung für jeden von uns. Mit ihm ist Foer ein vielschichtiges Sachbuch gelungen, dass eine ungeheure Bandbreite an Themen auf harmonische Weise vereint. Man trifft auf perfekt in Szene gesetzte Informationen; Interviews von Experten, die nahezu mit aller Macht gegeneinander duellieren; Definitionen von Fachbegriffen und Foers persönliche Ansichten. Auch das Thema Hundefleisch ergattert Foers Aufmerksamkeit.

„Tatsache ist, dass es in 44 Staaten völlig legal ist, den „besten Freund des Menschen“ zu essen, und trotzdem ist es in den Köpfen ebenso tabu wie die Vorstellung, dass ein Mensch seinen besten Freund ist.“

Zitat, Seite 35

Aus der gezielten Recherche nach der idealen und gesündesten Ernährungsweise für seinen Sohn, entstand die Idee, ein Buch zu schreiben. „Tiere essen“ ist dadurch zu einem sehr authentischen und abwechslungsreichen Werk  geworden, was sich auf wunderbar flüssige Weise lesen lässt. Sicherlich ist dies nicht mit der ein oder anderen Lesepause möglich, da die Fakten teilweise sehr brutal und lebendig beschrieben sind. Doch nur wer die Dinge beim Namen nennt, kann etwas ändern! Es wird wohl kaum jemanden geben, der das Buch liest, ohne beeindruckt zu sein. Aus diesem Grund ergattert Foer verdiente 5 von 5 grunzenden Schweinen, die sich glücklich im Schlamm wälzen.

Lebt es noch oder isst du es schon?

lesenslust über „Anständig essen“ von Karen Duve

~*°..Die Thematik..°*~

Karen Duve will es wissen! Was ist dran an den ganzen Ernährungsmythen der heutigen Zeit? Was verbirgt sich hinter Bio und sind die überteuerten Preise der angeblich so gesunden Lebensmittel gerechtfertigt? Ist es moralisch vertretbar, Tiere und Pflanzen zu essen? Wer hat eigentlich entschieden, dass sie zu unseren Gunsten getötet werden dürfen? Tut es einer Pflanze weh, wenn wir sie ihrer Früchte berauben? Wie fühlen sich Hühner, die ausschließlich zum Eierlegen gehalten werden; wie Kühe, die niemals den Stall verlassen und ausschließlich Milch produzieren sollen, die doch eigentlich für ihre Kälber ist? Wie weit können wir gehen und vor allem, wie weit wollen wir gehen?

Fragen über Fragen. Karen Duve entscheidet sich deshalb für jeweils zwei Monate zu einer biologisch-organischen, vegetarischen, veganen und frutarischen Ernährungsweise.

Auf ihrem Weg durch den Ernährungsdschungel stößt sie auf sehr interessante als auch erschreckende Ergebnisse, die sie ihre Einstellung zum Thema Essen von Grund auf verändern lässt.

~*°..Mein Fazit..°*~

Das Cover von Anständig essen war mir bereits seit geraumer Zeit bekannt. Die Tatsache, dass es sich um ein Sachbuch handelt, schreckte mich jedoch lange davon ab, es auch zu lesen. Nun habe ich es doch gewagt und wurde glücklicherweise nicht enttäuscht. Der Inhalt las sich unerwartet flüssig und leicht. Karen Duve gelang eine sehr lebendige und unterhaltsame Schilderung ihrer Erlebnisse.

Mit dem Ziel, ein Buch zum Thema Anständige Ernährung zu schreiben, ließ sie sich für jeweils zwei Monate auf eine biologisch-organische, vegetarische, vegane und sogar frutarische Ernährung ein.
Neben der teils drastischen Ernährungsumstellung recherchierte sie intensiv in Fachbüchern, befragte Experten und fühlte den vermeindlichen Vor- und Nachteilen kritisch auf den Zahn. Bei ihren Recherchen stieß sie u.a. auf sehr erschreckende Fakten von gängigen Tierhaltungsmethoden, besser bekannt als Massentierhaltung. Die gleichgültige Haltung der meisten Menschen in unserer Gesellschaft zum Thema Tierquälerei schockierte sie so massiv, dass ihr klar wurde, bis hierhin und nicht weiter. Auch eine Konfrontation mit ihrer bis dato eigenen ignoranten Haltung blieb nicht aus.

Die Tatsache, dass Karen Duve so ganz und gar kein Gesundheitsapostel ist, macht das Buch und das ganze Projekt sehr autentisch. Bis vor ihrem Projekt verdrückte sie mit Vorliebe Fertig-Grillhähnchen und künstlich zubereiteten Curry-Ketchup aus der Tube. Schokolade wanderte genauso unüberlegt in ihrem Einkaufswagen wie Gummibärchen. Und überhaupt, Bio-Lebensmittel und Eier aus Freilandhaltung, wen interessiert das denn überhaupt? Die Hauptsache ist, es schmeckt!! Oder nicht?

„Bio-Orangen“, das klang wie eine Sonderform, eine aufbereitete Spezialnahrung für hysterische Umweltaktivisten. Ich wollte aber einfach bloß Orangen kaufen.“

Zitat, Seite 22/23

Duve gelang mit Anständig essen ein Sachbuch der besonderen Art. Durch amüsante Anekdoten lockerte sie das Thema an vielen Stellen gekonnt auf und machte es mir daher nicht besonders schwer, ihren Erlebnissen vergnügt zu lauschen. Ab und an ging mir ihre Tierliebe jedoch eine Spur zu weit. Ihr sehr fokussierter Blick auf das Thema Massentierhaltung und vor allem auf die Hühner hat mich manchmal, zugegeben, etwas genervt.

„Ich hoffe, du wirst jetzt nicht so ein anstrengender Hippie, der nur noch Bäume umarmen will“ (..) „Aber sicher doch“, sage ich. „Die wollen alle mal umarmt werden – Menschen, Maultiere, Bäume … Grillen. Und einer muss die armen Koniferen und Essigbäume ja schließlich trösten, wenn du aus meinem Garten eine Besserungsanstalt für Pflanzen machst.“

Zitat, Seite 328

Die Zeilen verflogen dennoch im Nu und mein Horizont erweiterte sich ganz unbemerkt um sämtliche wichtige Fakten. Die Lektüre stimmt mich in vielerlei Hinsicht nachdenklich. Trotz allem denke ich, werde ich auch in Zukunft nicht auf Fleisch und von Tieren erwirtschafteten Produkte verzichten wollen. Ein kritischerer und erlesenerer Blick auf Nahrungsmittel hat das Buch sicherlich zur Folge. Aus diesem Buch ergattert Anständig essen 4 von 5 frischgelegten Eiern. Die Frage ist, essen oder nicht essen?

Kraft und Koordination…

lesenslust über „Die Seele der Muskeln“ von Werner Kieser

~*Der Inhalt*~

Werner Kieser blickt in seinem Buch „Die Seele der Muskeln“ kritisch auf gängige Klischees der Fitnessindustrie und die Branche selbst.

Mithilfe seines Fachwissens räumt er nicht nur viele Fitnessirrtümer beiseide sondern verhilft dem Leser zu einer gesunden Haltung zu seinem Körper und zeigt, wie Muskeln mit einem gezielten Krafttraining erfolreich aufgebaut werden können.

~*Der Autor: Werner Kieser*~

Werner Kieser, 1940 geboren, ist Diplomtrainer und beschäftigt sich seit 40 Jahren mit dem Thema Krafttraining.

Er trainierte zahlreiche Spitzensportler bis er sich auf Prävention und Rehabilitation spezialisierte. Er gründete die ADOK in Zürich, ein Aus- und Weiterbildungszentrum für Instruktoren/Trainer.
Er ist bekannt als Gründer von KIESER TRAINING, der internationalen Kette von Trainings- und Rehabilitationszentren mit über 310.000 Mitgliedern.

Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

*~Meine Meinung*~

Die KIESER TRAINING Einrichtungen sind mir schon seit einiger Zeit bekannt. Überall in Hamburg stößt man auf die riesigen Werbeplakate, auf denen Herr Kieser selbst für die Studios wirbt. Eine Geste, die ihm durchaus meine Sympathie schenkt. Selten sieht man, wer hinter einer Einrichtung oder Idee steckt. Vielmehr nutzen Fitnessstudios oder gesundheitliche Einrichtungen oft die typischen und bereits vielfach verwendeten Pressebilder, die oft gar nicht die Individualität eines Studios hervorheben. Durch sein Gesicht auf den Plakaten wirkt nicht nur das Studio sondern auch die ganze Firmenphilosophie autentischer.
Nachdem ich mich auf der Homepage des Unternehmens umgeschaut hatte, konnte Werner Kiesers Vorgehensweise durchaus mein Interesse wecken.

In seinem Buch „Die Seele der Muskeln“ deckt er nicht nur einige Irrtümer auf sondern geht auf einige bekannte Klischees aus dem Bereich Sport und Bewegung sehr intensiv ein. Seinen persönlichen Wertegang und die Entstehung von KIESER TRAINING am Anfang des Buches fand ich besonders interessant. Es liest sich anfangs wie eine Art Biographie, die er mit unterhaltenden Anekdoten auflockert. Er stellt die kritische und oft lächerliche Haltung einiger „angeblicher“ Sportwissenschaftlicher dar und wieviele Menschen sich anfangs negativ über seine Vorgehensweise geäußert haben. Amüsant, wenn man bedenkt, wieviele Menschen nach nicht allzu langer Zeit versuchten, seine Idee ziemlich erfolglos nachzuahmen.

Schnell wird klar, dass ein Mensch durchaus bestimmte Faktoren weitervererbt bekommt und die oft genannte Entschuldigung: „Das ist Veranlagung“ für viele Dinge nicht ganz abwegig zu sein scheint.
Was mir jedoch nicht ganz gefällt, ist seine kritische und fast schon niedermachende Haltung gegenüber anderen Sportarten. Es ist durchaus interessant, dass die Anwendung von Krafttraining alleine genügt um Beschwerden zu lindern und Kraft auszubauen, jedoch lobt er mir das Krafttraining an manchen Stellen des Buches ein bisschen zu sehr in den Klee. Er schafft allerdings die Kurve, indem er sich dazu entschloss, den Leser darauf hinzuweisen, dass alle anderen Sportarten nicht schlecht seien, die Ergebnisse jedoch auch mit der alleinigen Anwendung von Krafttraining erzielt werden können.
„Nutzen muss nicht kompliziert aussehen, es ist vielmehr ein innerer Aufbau und eine Sache der inneren Einstellung“ – eine wahre Aussage, die von vielen Sportlern oft vergessen wird. Eine Anwendung muss nicht spektatkulär aussehen, damit sie einen Erfolg erzielt.
Auch die Differenzierung von „Kraft“ und „Koordination“ hat mir sehr gut gefallen. Dass ein kranker bzw. geschwächter Mensch beispielsweise nicht gänzlich neu laufen lernen muss, sondern nur erlernen muss, mit schwacheln Muskeln zu gehen, ist ein Aspekt, den ich zugegeben aus diesem Blickwinkel noch nie betrachtet hatte.

Wer hier auf ein Buch mit vielen Abbildungen und Anwendungsbeispielen hofft, wird nicht ganz zufrieden gestellt. Man findet durchaus die ein oder andere Übung mit Fotos am Ende des Buches, jedoch beinhaltet das Buch eher Text als Bilder.

Es erscheint mir jedoch, dass es Herrn Kieser vielmehr darum ging, dem Leser die Kenntnisse zu vermitteln, die für eine eigenständige und gesunde Haltung zum Thema Krafttraining erforderlich sind. Ein Vorhaben, welches ihm durchaus gelungen ist!