Sag den Wölfen, ich bin zuhause

„Sag den Wölfen, ich bin zuhause – Carol Rifka Brunt

„Finn und ich sahen uns quer durch den Raum an, wortlos. Und hörten einander doch. Diese Art von Liebe stellte ich mir mit Finn vor. (…) Diese Art von Liebe, an der nichts Ekliges ist, weil sie in einer anderen Zeit existiert und ich nicht wirklich ich bin.“

Zitat, Seite 83

June ist anders als die anderen Mädchen ihres Alters. Sie liebt den Wald, das Mittelalter und ihren Onkel Finn. Ihm muss sie ihre Welt nicht erklären. Sie verstehen sich blind, lauschen gemeinsam Mozarts Requiem, schauen Filme oder schlürfen Tee aus Finns alter Teekanne. Als ihr Onkel an Aids stirbt, weiß June nicht mehr weiter. Als verquere Einzelgängerin flüchtet sie in den Wald, versucht dort, der Zeit und Welt zu entkommen.

Doch schon kurz nach Finns Tod stellt sie fest, dass sie mit ihrer Trauer um ihren Onkel nicht alleine ist. An seiner Beerdigung entdeckt June einen scheuen jungen Mann, der sich im Hintergrund des Geschehens hält, und den alle für Finns Tod verantwortlich machen. Als June kurze Zeit später ein Päckchen mit Finns Teekanne und einer Nachricht von Toby, dem mysteriösen Fremden, erhält, muss sie sich entscheiden, wie weit sie gehen will.

Voller Neugier und Misstrauen lässt sie sich auf Toby ein und erkennt, dass hinter der verstörenden Wahrheit um Finns Tod eine einzigartige Persönlichkeit steckt, die ihrem geliebten Onkel viel ähnlicher ist, als es auf den ersten Blick den Anschein macht.

„Eine heiße Träne lief mir über die Wange. Und dann erhob sich auf einmal, in die Stille hinein und über alles andere hinweg, ein langes, trauriges Heulen. Einen Augenblick lang fühlte es sich an, als wäre dieses Geräusch aus meinem Inneren gekommen. Als hätte die Welt alles, was ich fühlte, zusammengefasst und in einen Ton verwandelt.“

Zitat, Seite 41

Es gibt sie, diese wahren Wohlfühlbücher, die dir beim Lesen einen wohligen Schauer über die Arme jagen und dich mit ihren einfühlsamen und poetischen Zeilen trotz aller Tragik und Emotionalität einhüllen wie eine wohlige Decke. Carol Rifka Brunts Debüt ist so eins. „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ ist sanftmütig, berührend und tröstlich. Eines jener Bücher, bei dem du dir wünscht, dass es nie zu Ende geht.

Wir reisen zurück in die späten Achtziger. Hier wachsen die 14-jährige June und ihre zwei Jahre ältere Schwester Greta nahezu eigenständig auf, während die Eltern sich in ihrer Arbeit als Buchhalter verlieren. Obwohl die Geschwister früher beste Freundinnen waren, entwickeln sich sich mit den Jahren in zwei völlig unterschiedliche Richtungen, hegen nahezu ein Hassliebe füreinander. Während Greta sich überall engagiert, zieht sich June immer mehr zurück. Nur bei Finn fühlt sie sich verstanden. Die Sonntage, an denen sie alleine ihren Onkel besuchen kann, sind ihr die Liebsten.

„Und bevor ich mich versah hatte sie den Mistelzweig hervorgeholt und hielt ihn mit einer Hand hoch. Sie zog damit einen Bogen über unsere Köpfe, als schneide sie die Luft, als halte sie mehr in der Hand als ein Stückchen Ast aus Weihnachtsgrün und Beeren. Finn und ich blickten beide nach oben, und mein Herz zog sich zusammen. Für einen kurzen Augenblick, der vielleicht so lang währt wie ein Sandkorn im Stundenglas oder ein Tropfen in einem undichten Wasserhahn, trafen sich unsere Blicke, und Finn, mein Onkel Finn, durchschaute mich – zack – einfach so. In diesem winzigen Sekundenbruchteil erkannte er, dass ich Angst hatte, er senkte meinen Kopf leicht nach unten und küsste mich mit einer so sanften Berührung auf den Scheitel, dass es sich eher anfühlte wie ein landender Schmetterling.“

Zitat, Seite 15

Als June erfährt, dass Finn an HIV erkrankt ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Schon bald werden die gemeinsamen Sonntage seltener und man findet sich nur noch einmal im Monat zusammen. Die Krankheit schreitet unaufhaltsam voran. Finn, der sich Zeit seines Lebens als Künstler einen Namen gemacht hat, möchte noch ein letztes Bild malen: ein Porträt der beiden Schwestern mit der Mutter. Es wird eines Tages den Titel „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ tragen.

Obwohl June bewusst ist, dass Finns Tage gezählt sind, trifft sein Tod sie mit aller Wucht. Sie weiß nicht wohin mit ihrem Schmerz, verschanzt sich noch mehr im Wald. Am Tag der Beerdigung erfährt sie von Toby, der über all die Jahre an der Seite ihres Onkels gelebt hat. Ein Leidensgenosse. Einer, der Finn genauso vermisst wie sie. Von Misstrauen und Neugier begleitet, nähert sich June dem Fremden und bringt damit nicht nur Toby’s Erinnerungen an Finn sondern auch noch eine ganze Reihe anderer Geheimnisse zutage, die Junes Gefühlswelt in Aufruhr versetzen und sie ihre ganze Welt in Frage stellen lässt.

„In diesem Moment schien etwas Gefährliches in mir zu erwachen. Etwas Hartes, Dunkles, Schlafendes tief in meinem Bauch hatte ein Auge geöffnet. Und dann war es wieder weg. Einfach so. Es fühlte sich an wie ein in meiner Brust zerplatzter Ballon.
Zitat, Seite 311

Carol Rifka Brunt ist hier ein erstaunlich einfühlsames Debüt gelungen, das sich nahezu leichtfüßig den Themen Homosexualität, Aids, Verlust und Trauer nähert. Es erzählt vom Heranwachsen, vom Anderssein und der Hassliebe zwischen Geschwistern, von Eifersucht innerhalb der Familie, von Schuldzuweisung aber auch von familiärem Zusammenhalt, von Freundschaft und Liebe. Dieser Roman ist so komplex und dennoch leicht zugänglich, dass man innerhalb weniger Zeilen sein Herz an ihn verliert. Ich kann ohne Zweifel sagen, dass er mein bisheriges Jahreshighlight ist.

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause. Vielleicht hatte Finn das alles längst verstanden, so wie immer. Man kann ihnen ruhig sagen, wo man wohnt, denn sie finden einen sowieso. Das tun sie immer.“

Zitat, Seite 408/409

 

Meine Empfehlungen zum Welttag des Buches

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Hallo ihr Lieben,

am Welttag des Buches feiern wir alle zusammen die Liebe zum Buch. Bereits seit 1995 gilt der 23. April als weltweiter Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren.

Meine Leidenschaft für Bücher wurde bereits im Kindesalter entflammt. Bücher waren und sind mir stete Wegbegleiter, die mir vor allem während meiner Entwicklung von Klein zu Groß besonders lieb und teuer waren. Sie haben mir nicht nur wertvolles Wissen vermittelt, sondern auch fantasievolle Abenteuerreisen in fremde Welten geschenkt.

Es liegt mir daher besonders am Herzen, bereits bei den Kleinen unter uns die Lust auf das Lesen zu wecken und sie mit unserer Leidenschaft für Bücher anzustecken.

Liebe Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel (…), ich wünsche mir, dass ihr diesen und alle folgenden Tage nutzt, um euren Kleinen einen besonderen Herzenswunsch in Sachen Bücher zu erfüllen. Nehmt sie bei der Hand, fahrt in die Buchhandlung eures Vertrauens und kauft euch euren gemeinsamen persönlichen Schatz.

Nachstehend gibt es vier meiner bisherigen Kinderbuchhighlights aus 2016 für euch, die ich zusammen mit meinem Patenkind Joschua bereits ausführlich unter die Lupe genommen habe.

„Der Bär am Klavier“ von David Litchfield

Eines Tages entdeckt der Bär ein eigenartiges Ding im Wald. Als er lernt, ihm nicht nur schräge Töne, sondern wundervolle Melodien zu entlocken, beginnt er für die anderen Bären zu spielen. Er spielt sich bis auf die Bühnen der Welt. Doch im tosenden Meer seiner Töne erkennt er, dass ihm der Applaus seiner Freunde am Meisten bedeutet. Litchfield begeistert mit Töne voller Wertschätzung, Freundschaft und ein kleines bisschen Magie.

14,95 EUR, Bohem Press, ab 3 Jahren, ISBN 978-3-95939-025-5

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„Opas Insel“ von Benji Davies

Sam und sein Opa nehmen Kurs auf ihr größtes Abenteuer auf und stoßen dabei auf eine geheimnisvolle Südseeinsel voller Wunder und berauschender Entdeckungen. Die Insel wird zu Opas letzter Ruhestätte und Sam muss lernen, dass man selbst die Menschen, die einem am Meisten bedeuten, irgendwann loslassen muss. Trostschenkend, lebendig und berauschend schön.

12,95 EUR, Aladin Verlag, ab 4 Jahren, ISBN 978-3-8489-0102-9

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„Allerbeste Freunde: Das Flugalong“ von Antje Bohnstedt

Mit ihrem selbstgebautem Flugschiff segeln Bär, Hase und Pinguin durch die Lüfte. Doch mitten im Meer müssen sie notlanden und schaffen es nur mit Erfindergeist, Mut und Zusammenhalt sich aus den Fängen einer schrecklichen Gefahr zu befreien. Eine Geschichte, die von der Freundschaft und den berauschenden Farben seiner Bilder lebt.

12,95 EUR, Orell Füssli Verlag, ab 4 Jahren, ISBN 978-3-280-03511-5

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„Pino Pfote, ab die Post“ von Tor Freeman

Nach der ersten Geschichte um Pino („Pino Pfote Päckchenbote“) düst Pino erneut mit seinem Roller durch die Stadt um die Päckchen des Tages zu verteilen. Im Gewusel der Stadt gilt es einiges zu entdecken. Und nur den wachsten Augen entgeht keines der Details, die sich im bunten Durcheinander der Seiten verstecken. Ein magellanisches Wimmelsuchbuch, das aus kleinen Entdeckern große Spürnasen werden lässt.

13,95 EUR, Magellan Verlag, ab 3 Jahren, ISBN 978-3-7348-2023-6

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Habt einen wunderbaren Welttag des Buches

Meine Empfehlungen zum Welttag des Buches

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Hallo ihr Lieben,

am Welttag des Buches feiern wir alle zusammen die Liebe zum Buch.

Dieses Jahr schreibt der 1995 von der UNESCO erklärte weltweite Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren bereits sein 20. Jubiläum und lädt uns alle ein, mitzufeiern.

Meine Leidenschaft für Bücher wurde bereits im Kindesalter entflammt. Bücher waren und sind mir stete Wegbegleiter, die mir vor allem während meiner Entwicklung von Klein zu Groß besonders lieb und teuer waren. Sie haben mir nicht nur wertvolles Wissen vermittelt, sondern auch fantasievolle Abenteuerreisen in fremde Welten geschenkt.

Bücher sind wie wertvolle Schatzkisten! <3

Es liegt mir daher heute (und an all den anderen Tagen im Jahr ebenso) am Herzen, bereits bei den Kleinen unter uns die Lust auf das Lesen zu wecken und unsere Leidenschaft für Bücher an sie weiterzugeben.

Liebe Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel (…), ich wünsche mir daher, dass ihr diesen Tag nutzt, um euren Kleinen einen besonderen Herzenswunsch in Sachen Bücher zu erfüllen. Nehmt sie bei der Hand, fahrt in die Buchhandlung eures Vertrauens und kauft euch euren gemeinsamen persönlichen Schatz.

Und für die unter euch, die ein paar Anregungen brauchen, habe ich anlässlich des heutigen Feiertages ein paar meiner Kinder- und Jugenbuchhighlights zusammengefasst:

Aktion zum Welttag des Buches 2015: Mein Herzbuch

Zum 20-jährigen Welttags-Jubiläum haben der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit der Kampagne Vorsicht Buch! und die Stiftung Lesen unter www.meinherzbuch.de eine virtuelle Fotowand eingerichtet. Lesebegeisterte jeden Alters sind dazu aufgerufen, auf dieser Seite ein Bild von sich mit einem ihrer Lieblingsbücher aus den letzten 20 Jahren sowie ein kurzes Statement zu posten und so Teil der Welttags-Bewegung zu werden.

Viel Spaß beim Lesen!

Man liest sich,

eure Steffi.