Intimes Kopfkino

lesenslust über “6 Uhr 41″ von Jean-Philippe Blondel

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Nach einem anstrengenden Wochenende bei ihren Eltern sitzt Cécile Duffaut am Montag Morgen um 6 Uhr 41 im Pendelzug nach Paris. Der Platz neben ihr ist frei und bleibt es sonderbarer Weise auch für eine Weile, obwohl der Zug längst bis zum Bersten voll ist. Doch ehe Cécile ihre Verwunderung darüber zu groß werden lassen kann, setzt sich ein Mann neben sie, den sie auf Anhieb erkennt:  Philippe Leduc – der Mann, mit dem sie vor 27 Jahren zusammen war.

Doch was sie aus dem Augenwinkel sieht, erinnert nicht mehr an den attraktiven Philippe von damals, sondern zeigt ihr vielmehr einen gealterten Mann mit Bauchansatz,  hängenden Schultern und matten Gesichtszügen. Sie ist entsetzt, schier beklemmt und hat keine Ahnung, wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll. Soll sie ihn ansprechen oder vielmehr darauf warten, dass er es tut? Was hat man sich nach 27 Jahren schon noch zu sagen?

“Glatte Oberfläche, keine Unebenheiten. Kaum Kratzer. Es gibt solche Menschen, die förmlich durch das Leben schweben, und erst nach den ersten persönlichen oder beruflichen Enttäuschungen, dem Tod eines Elternteils oder eines Freundes, bekommt der Lack die ersten Risse. Und er scheint eine ganze Menge abbekommen zu haben.”

Zitat, Seite 51

Auch Philippe erkennt Cécile auf Anhieb. Das unscheinbare Mädchen von früher ist gereift, hat sich zum Positiven verändert und ist einer erfolgreichen Geschäftsfrau mit Stil gewichen. Sie ist hübsch, die Wangen rosig. Er spürt, dass er ihr längst nicht mehr das Wasser reichen kann. Ihre Anwesenheit schüchtert ihn ein. Soll er sie nun anzusprechen? Will sie überhaupt angesprochen werden? Oder hat sie ihn längst erkannt?

Ein intimes Gedankenspiel beginnt.

“Wie um alles in der Welt verhält man sich in so einer Situation? Stellt man sich mit einem Standardsatz vor, in der Art: “Kennen wir uns nicht von irgendwoher?” Oder stellt man sich dumm und fällt aus allen Wolken, wenn der andere den ersten Schritt macht?

“Cécile Duffaut? Ich glaub’s nicht! Entschuldigung, ich war ganz in Gedanken, da habe ich gar nicht … na ja, Sie verstehen, ich meine … du verstehst …”, und fuchtelt mit den Händen und Armen, setzt auf die Auslassungspunkte, die der andere mit Floskeln wie “natürlich”, “tatsächlich?” oder “verstehe!” ausfüllen soll – Wörtern eben, die nichts besagen – ich habe sie so satt, diese Wörter, die nichts bedeuten.

Zitat, Seite 37

Im Klappentext heißt es “dieses Kammerspiel in einem Zugabteil”. Ja, das ist es tatsächlich: ein kleines intimes Theater während einer 95-minütigen Bahnfahrt. Intim im Hinblick auf die Gedanken der Protagonisten, die seit dem gegenseitigen Erblicken im Kopf Achterbahn fahren. Auch wenn tatsächlich darüber hinaus kaum etwas passiert, passiert so viel.

Es ist sind die Momentaufnahmen vor dem geistigen Auge, mit denen sich Cécile und Philipp während der Fahrt auseinander setzen. Das und die Frage “Was wäre gewesen, wenn?” Vier gemeinsame Monate, aus denen sich vor knapp 30 Jahren nichts Festes entwickelt hat, stehen nun im Raum, lassen sich nicht mehr abschütteln, beschäftigen sie.

Beide sind geschockt über das Wiedersehen. Es bleibt still. Nur das Kopfkino läuft. So gewinnt der Leser abwechselnd Einblick in die intimen Gedankengänge der beiden Protagonisten. Es sind Reisen in die Vergangenheit, die von Gleichgültigkeit, plötzlichen Gewissensbissen, Scham und Wut begleitet werden. Und die zum Nachdenken anregen. Klarheit schaffen, was die beiden einst verband und weshalb ihre Wege sich wieder trennten. Und umso näher der Zug Paris Gare de l´Est kommt, umso mehr brennt der Leser auf die Antwort zu der Frage: Wie wird diese Fahrt wohl enden?

Blondels Geschichte kommt schlicht daher. Schnörkellos erzählt der Autor von einer 95-minütigen Zugfahrt zweier Menschen, die sich einst nahestanden und seit nunmehr 30 Jahren getrennte Wege gehen. Menschen, die mitten im Leben stehen, ihre eigenen Erfahrungen gesammelt haben und längst nicht mehr die sind, die sie einmal waren. Deren Gedanken sich um Ehe, Job und Kinder drehen und dennoch wieder für eine Weile zueinander finden. Unentdeckt.

Das Spannende an diesem Roman war für mich tatsächlich das Schweigen. Die gedankliche Achterbahnfahrt war aufschlussreich, teilweise sarkastisch und von vielen Emotionen getränkt. Cécile und Philippe erinnern sich an Momentaufnahmen und kleben Erinnerungsfetzen vergangener Zeiten aneinander, obwohl sie längst nicht mehr von Belang füreinander scheinen. Oder doch? Hat ihre Begegnung sie erst zu dem gemacht, was sie heute sind?

Blondel ist es gelungen, uns mit wenigen Worten pure Menschlichkeit zu vermitteln. Seine Figuren sind alltäglich und für jedermann greifbar. Menschlich eben. Genau deshalb erscheint mir der Roman so authentisch. Die Unsicherheit seiner beiden Protagonisten wird zum festen Begleiter ihrer Gedanken. So sei “6 Uhr 41″  jenen Lesern ans Herz gelegt, die eine ernüchternde Begegnung ehemals Liebender verkraften können. Wer hier auf eine nostalgische Zugfahrt hofft, sollte sich wohl besser anderweitig orientieren.

“Die meisten Menschen haben eine Löschtaste im Kopf, die sie manchmal drücken, wenn ihr Gehirn in Aufruhr ist, nach Missverständnissen, Treuebrüchen oder Verletzungen – und prompt verschwinden ganze Dateien ihrer Existenz; Gesichter, Namen, Adressen, Farben, alles verschwindet in einer Fallgrube und versickert  in den Kloaken des Unterbewusstseins.”

Zitat, Seite 38

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Vom Suchen und Finden..

lesenslust über “Das kleine große Glück” von Lucy Dillon

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“Die letzten Jahre hatten keinerlei Bedeutung mehr. Sie waren futsch. Kein Fotoalbum der Welt könnte sie mehr wirklich erscheinen lassen.”

Zitat, Seite 26

Gina Bellamy hat ein paar schwierige Jahre hinter sich. Mit 33 Jahren blickt sie auf ein von Schicksalsschlägen zerklüftetes Leben zurück: auf das dramatische Ende ihrer großen Liebe, das Scheitern ihrer Ehe und eine Krebserkrankung mit Chemotherapie, die immer noch an ihr zehrt. Als es ihr nur schwerlich gelingt, wieder neuen Lebensmut zu fassen, bemerkt sie, dass es die ganzen Erinnerungsstücke aus ihrem früheren Leben sind, die wie Ballast an ihr haften.

In ihrer Wohnung tümmeln sich Habseligkeiten aus einem alten Leben, das längst nicht mehr zu der Gina von heute passt. Schmerzhaft und voller Melancholie muss sie einsehen, dass sie sich von  einigen Dingen trennen muss. Sie entschließt sich daher zu einem radikalen Schritt: 100 Dinge dürfen bleiben. Der Rest wird verschenkt oder verkauft.

Während ihrer Entrümpelung reist sie zurück in ihr altes Leben und muss sich einigen Gespenstern aus ihrer Vergangenheit stellen. Doch auch die Gegenwart birgt für sie eine Menge Überraschungen, die sie das Leben aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten lässt. Denn das Glück liegt plötzlich in ganz unscheinbaren Nebensächlichkeiten, denen sie bisher kaum Beachtung geschenkt hat.

“Dies ist der schönste Abend meines Lebens, denkt Gina und fühlt sich fast schwindelig, aber gleichzeitig auch eigentümlich glücklich, als würde sie mit einem Luftballon über die Menge hinwegschweben. Nichts wird je schöner sein als dieser Moment.”

Zitat, Seite 56

Lucy Dillon verzaubert ihre Leser mit einer sehr lebendigen Sprache, die den Roman zu einer kunterbunten Zeitreise macht. Ihre ausschmückenden Beschreibungen schenken dem geistigen Auge des Lesers satte Landschaften, verwinkelte Gebäude und Persönlichkeiten in den intensivsten Farben. Doch während uns Dillon mit ihrer Detailverliebtheit zu begeistern weiß, zieht sie damit das Buch auch stellenweise unnötig in die Länge.

Der Leser findet sich in wechselnden Episoden aus Ginas Leben wieder, lernt Vergangenes und Gegenwärtiges kennen und bekommt damit einen sehr aufschlussreichen Einblick in die Gedankenwelt einer vom Leben gezeichneten Frau. Auch wenn man mit der Zeit ein Gespür für die vielen Zeitenwechsel bekommt, macht Dillon es ihren Lesern nicht immer einfach, zu erkennen, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Sie verwendet größtenteils Überschriften mit hilfreichen Jahresangaben, springt irritierender Weise aber auch innerhalb der Kapitel feuchtfröhlich umher und entzieht dem Roman dabei an Struktur.

Ginas Entschluss, 100 Dinge aus ihrem alten Leben zu behalten, präsentiert sich zum einen durch eine Liste, die Tag für Tag wächst, und zum anderen durch besondere Gegenstände, die Dillon den jeweiligen Kapiteln zuordnet. So steht ein roter Kaschmirschal für den Tag der Krebsdiagnose und eine kobaldblaue Tropfenvase für Ginas blumige Begleiter während ihrem Studium. Doch Dillons liebevoller Grundgedanke verliert mit der Zeit an Charme. Denn viele der zugeordneten Gegenstände finde ich im Verlauf der Kapitel nicht wieder, während manch andere Gegenstände sich mir viel bedeutender präsentieren und dennoch unerwähnt bleiben.

Der Roman setzt sich mit einer Bandbreite an Themen auseinander. So gewährt er nicht nur ein Einblick in das Krankheitsbild einer an Krebs erkrankten Frau, sondern auch in dramatische Familienverhältnisse, eine aufrichtige Freundschaft, eine große Liebe, eine unglückliche Ehe und in das Leben selbst.  “Das große kleine Glück” ist ein charmanter Ausflug in das Leben einer jungen Frau. Der Sprung durch die Zeiten macht den Roman abwechslungsreich und verlangt gleichzeitig um ungeteilte Aufmerksamkeit. Er verbindet Momentaufnahmen aus der Vergangenheit und Gegenwart und verwebt die Figuren zu einem großen Beziehungsgeflecht.

“Barfuß tanzen sie auf dem verlassenen Rasen, an ihren roten Nägeln glitzert der Tau. In der Blase, die Kit um sie herum geschaffen hat, fühlt sie sich untastbar. Es ist eine Welt, in der sie beide noch jung und leichtsinnig sind und vollkommen ahnungslos, was alles schiefgehen kann.”

Zitat, Seite 211

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Liebe auf Zeit..

lesenslust über “Noch ein Tag und eine Nacht” von Fabio Volo

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“Das Leben ist die mächtigste Droge der Welt.”

Zitat, Seite 170

Italien – la dolce vita.

Lebemann Giacomo lebt und liebt hier: Ausdauernd, leidenschaftlich und am liebsten mit so vielen Frauen wie möglich. Sich auf eine festzulegen ist nicht sein Ding. So hangelt er sich von Frau zu Frau und von Bett zu Bett, fängt sich den Ärger wütender Ehemänner und die enttäuschten Blicke der Frauen ein. Ist halt so. Giacomo lässt es kalt.

Eines Tages entdeckt er die hübsche Michaela in der Straßenbahn. Er beobachtet und studiert sie, unterlässt es allerdings für Monate, sie anzusprechen. Ihre morgendliche Straßenbahn-Begegnung wird für ihn zum heimlichen Rendezvous. Irgendwann ist es sie, die auf ihn zugeht. Sie verabreden sich auf einen Kaffee, lachen miteinander und scheinen auf einer Wellenlänge zu sein. Beide lassen es nicht unerwähnt, an etwas Ernstem nicht interessiert zu sein. Bindungen seien viel zu kompliziert. Giacomo ist Feuer und Flamme.

Doch ehe sich Giacomo versieht, ist Michaela weg. Längst hat sie ihrem Leben in Italien den Rücken gekehrt um in New York ein neues zu beginnen. Glück und Pech liegen plötzlich nah beieinander. Giacomo fasst es nicht, etwas verloren zu haben, das er noch gar nicht wirklich hatte. Als es ihm selbst nach Wochen nicht gelingt, sie zu vergessen, beschließt er ihr hinterher zu reisen. Mit einem Rucksack voller Entschlossenheit macht er sich auf den Weg nach New York, seiner vermeintlichen Traumfrau auf der Spur.

Mit “Noch ein Tag und eine Nacht” schenkt uns Fabio Volo eine authentische Liebesgeschichte. Anstatt seine Leser in seichtes oder vorhersehbares Fahrwasser zu schicken, verstrickt er sie in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht, das von anfänglicher Unsicherheit und Enttäuschung geprägt ist und sich mit den Seiten entwickelt. Mit überzeugender Leichtigkeit  präsentiert er uns ein verzwicktes Lebensszenario, das mit vertrauten Szenen aus dem wahren Leben gespickt ist.

“Alle Politiker schwafeln von einer besseren Zukunft. Warscheinlich meinen sie das Paradies.”

Zitat, Seite 15

Seine Figuren, Giacomo und Michaela, von der Liebe enttäuscht und mittlerweile emotional abgestumpft, treffen in der Straßenbahn aufeinander. Bei ihren täglichen Begegnungen beläuft es sich auf Blickkontakt. Sie beobachten die Gesten des anderen und fahren längst Achterbahn im mentalen Kopfkino, ehe etwas wirklich Erwähnenswertes passiert. Doch als sie im Café nebeneinander sitzen, scheint klar, dass das gegenseitige Interesse und eine starke körperliche Anziehung vorhanden sind.

Die Tatsache, Michaela durch einen bevorstehenden Umzug nach New York zu verlieren, trifft den Lebemann Giacomo unerwartet heftig. Herzrasen und Schweißausbrüche befallen ihn in Michaelas Anwesenheit. Eine so tolle Frau soll ihm durch die Lappen gehen? Als sie weg ist,  zieht eine unbekannte Leere in Giacomos Leben ein. Irgendwie scheint ihm diese fremde und doch so vertraute Frau nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Als sich das selbst nach Wochen nicht legt, beschließt er, ihr hinterher zu reisen.

Doch Giacomos anfänglicher Tatendrang und die Euphorie über den geplanten Überraschungsbesuch flachen ab und Giacomo verfällt schnell in vertraute Verhaltensmuster. Auch in New York wird er zum heimlichen Beobachter, mutiert nahezu zum Stalker. Von Selbstbewusstsein keine Spur.

Er wähnt sich in Sicherheit, als er sich ein Herz fasst und sich Michaela präsentiert, deren Wiedersehensfreude groß ist. Doch da hat er seine Rechnung ohne Michaela gemacht , die ihm das Angebot unterbreitet, sich innerhalb eines Tages und einer Nacht der Illusion einer Beziehung hinzugeben, um sich dann wieder voneinander zu trennen. Liebe auf Zeit quasi, bei der sie den Anfang und das Ende im Vorfeld festlegt.

Doch das Schicksal spielt Roulette und selbst die Unverbindlichkeit kann heranwachsenden Gefühlen keinen Einhalt gewähren. So wachsen wir mit Fabio Volo und seinen Figuren und lernen, welch unerschütterliche Kraft wahre Gefühle besitzen.

“Ich war noch einmal in der Minetta Street. Da lagen ein paar von unseren Küssen auf dem Boden, die habe ich aufgehoben und eingesteckt. Erinnere mich heute Abend daran, dass ich sie dir gebe.”

Zitat, Seite 231

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Literarische Medizin..

lesenslust über “Die literarische Notapotheke” von Karl Heinz Bittel & Margit Schönberger

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“Ich wurde gleichsam infiziert und geheilt in einem; ich steckte mich an, mit unheilbarer Bücherverschlingsucht, und wurde gleichzeitig mit der einzigen Arznei versorgt, die möglich ist, um  nicht am Leben zu verzweifeln: das innige Lesen.”

Zitat von Nina George, Vorwort

Das erste Buch, das in diesem Jahr ganz unscheinbar und bescheiden daherkommt und einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlässt, ist “Die literarische Notapotheke” aus dem Knaur Verlag. Ein hilfreiches Nachschlagewerk, dass von Ärzten empfohlen werden sollte: Bücher als Medizin fürs Leben. Denn dieses kleine Büchlein widmet sich nichts Geringerem als den Leiden, Sorgen, Wünschen und Ärgernissen der Menschen und damit gelingt ihm möglicherweise mehr, als so mancher Wunderpille vom Onkel Doktor.

So richten sich die beiden Autoren Bittel und Schönberger an hilfesuchende Menschen und empfehlen den erschütterten Seelen 100 zuträgliche Lektüren, die ihnen im Umgang mit weltlichen Problemen von Vorteil sein könnten. Das Werk greift dabei wohlbekannte Sorgen wie Liebeskummer, Existenzängste, Jobprobleme, Suchtverhalten, holprige Neuanfänge oder fehlende Charakterzüge auf. Die als zuträgliche eingeschätzte Buchempfehlung findet der Leser passend unter dem jeweiligen Problem, das den Kapiteln ‘Liebe und Sex’, ‘Familie und Freunde’, ‘Sie und der Rest der Welt’, ‘Beruf, Karriere, Geld’ und ‘Körper, Geist und Seele’ zugeordnet ist und die verirrten Seelen leitend bei der Hand nimmt.

Das Buch offenbart ein facettenreiches Portfolio, bestehend aus Literatur verschiedenster Epochen. So entdecken wir u.a. den Klassiker ‘Die Leiden des jungen Werthers’ als lesbare Arznei gegen die Liebe, ‘Der Schatten des Windes’ im Umgang mit einer verflossenen Liebe, ‘Die Frau des Zeitreisenden” für von der Liebe enttäuschte Menschen, ‘Tintenherz” als Ablenkmanöver für konsolensüchtige Teenies, ‘Der Herr der Fliegen’ als mögliche Hilfestellung im Konflikt mit Autorität, ‘Der Medicus’ für Krankheitsphobiker, ‘Robinson Crusoe” für im Alltagsgrau herumirrende Menschen oder ‘Huckleberry Finns Abenteuer” für Menschen mit Fluchtgedanken. Die letzte Empfehlung des Buches, ‘Die souveräne Leserin’, trifft dabei nicht nur den Nerv der Zeit, sondern zaubert lesesüchtigen Menschen ein Lächeln auf die Lippen.

“Sie sind nicht ‘man’. Sie sind so einzigartig wie ihr Leben und ihre Gedanken, und deswegen müssen sie einzig und allein auf den Kompass ihres inneren kindlichen Lesers hören.”

Zitat, Seite 20

Möglicherweise sind es die Bücher, die nicht nur eng aneinander geschmiegt die heimischen Bücherregale füllen und würdevoll den Staub der Zeit auf ihrem Rücken tragen, sondern deren Zeilen den Menschen beim Genesen helfen können. Die Balsam für die Seele, Trostspender und Rettungsanker in einem sind und denen viel mehr gelingt, als man es für möglich hält. Ja, ihr Bücher. Welch bescheidene Wegweiser ihr doch seid!

“Wenn ich auf der flaschengrünen, anheimelnd abgesessenen Samt-Récamiere lag und meinen Bussi Bär las, schielte ich möglichst unauffällig zu den über mir angebrachten drei Regalen, um die Titel zu lesen, die hier und da auf den Bücherrücken zu erkennen waren. Diese Rücken erschienen mir wie die Scharniere von Schatullen, in denen furchtbare Geheimnisse, große Wahrheiten und wahnsinnig spannende Gefahren aufbewahrt sind.”

Zitat von Nina George, Vorwort

Doch der Leser entdeckt in diesem Buch nicht nur eine Fülle an Literaturempfehlungen, sondern auch ein entzückendes Vorwort von Autorin Nina George: eine Magierin der Worte. Mit ihren Zeilen sorgt sie immer wieder für meine Faszination: Tiefsinnige Gedanken, die gespickt sind von Sarkasmus, Magie und Poesie zugleich. Worte, die sich zu einer Melodie formen und mich in Gedanken davontragen. Zeilen, in denen ich mich immer wiederfinde und das Gefühl habe, eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Georges Zeilen präsentieren sich im perfekten Einklang zum Buch und machen Lust auf mehr.

Auch die Einleitung der Autoren ist ein interessanter Exkurs in die geschichtlichen Anfänge des Lesens. In die Zeiten, in denen Romanlesen noch als Laster galt, weil es angeblich zu zielloser Schwärmerei, Sittenverfall und Unzucht führen würde. Zeiten, in denen die Bücher noch als verführerisches und unmoralisches Machtmittel angesehen wurden und man ihnen vor allem im Hinblick auf weibliche Leser nachsagte, dass sie die Sinne verwirren und die Frauen vom rechten Weg abkommen lassen würden.

“Lesen, ohne nachzudenken, ist wie essen, ohne zu verdauen.”

Zitat von Edmund Burke

(britischer Politiker und Philosoph)

So stellen sich die Autoren, ungeachtet der Niveauunterschiede der Werke, die Frage, ob Romane tatsächlich nichts weiter als relativ preiswerte Transportmittel zu kleinen Fluchten aus dem reglementierenden Alltag darstellen, auch wenn andere Medien den Romanen diesen Rang längst abgelaufen zu haben scheinen, da sie weitaus komplexer sind und dem Leser Konzentration und volle Aufmerksamkeit abverlangen.

Unbestritten schenken Bücher Rat und Trost in vielen Lebenslagen. Auch wenn sie kein Wundermittel sind, stimmen sie viele Menschen glücklich und können ein Instrument bzw. Hilfsmittel sein, um Distanz zu bestimmten Dingen zu bekommen, uns Luft zum Atmen schenken, neue Aspekte eröffnen und unser Leben bereichern. So fordern Bittel und Schönberger uns auf, in den Kosmos der Bücher einzutauchen und die Literatur als Selbst- und Welterkenntnis wahrzunehmen. Eine Einladung, die ich gerne annehme.

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Day 16 : Book 16 – Liebe auf Zeit

Hallo ihr Lieben,

final countdown:

 Es ist der letzte Tag von 16 Tage : 16 Bücher – Eine Blogparty angebrochen.

Zum Schluss gibt´s nochmal was für´s Herz in:

“Noch ein Tag und noch eine Nacht” von Fabio Volo

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Worum geht´s?

Giacomo ist ein Lebemann. Die Frauen liebt er leidenschaftlich, zahlreich und vor allem oft.

Festlegen ist nicht sein Ding. Doch als er eines Tages die reizende Michaela in der Straßenbahn sieht, scheint sich das Blatt zu wenden.

Blöd nur, dass Michaela schon mit einem Fuß aus der Stadt ist und nicht mehr wieder kommen wird.

Lust auf mehr? Meine Besprechung liegt noch im Entwurf-Ordner und wird erst die Tage online gehen…

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Euer Glückslos zum Buch

Seid ihr eurer großen Liebe schon begegnet?

PS: Alle Beiträge, die heute bis 23:59 Uhr eingehen, werden bei der Ermittlung des Tagesgewinners berücksichtigt. Der Gewinner erfährt sein Glück als Antwort auf seinen Beitrag & per Email.

Day 15 : Book 15 – Pilgernde Frauen

Hallo ihr Lieben,

der vorletzte Tag von 16 Tage : 16 Bücher – Eine Blogparty ist da.

Heute begleiten wir 5 Frauen auf dem Weg zu sich selbst in:

“Die Dienstagsfrauen” von Monika Peetz

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Worum geht´s?

Die Dienstagsfrauen, das sind Caroline, Eva, Kiki, Estelle und Judith.

Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sie sich bei ihrem Lieblingsfranzosen und plaudern über vergangene Zeiten und den neuen neuesten Klatsch und Tratsch.

Als Judiths Mann Arne stirbt, bricht für sie eine Welt zusammen. In einem Tagebuch von Arne  stößt sie auf seine Gedanken zu seiner Pilgerreise über den Jakobsweg. Einen Weg, den er nicht beenden konnte.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen will Judith diesen Weg nun zu Ende gehen.

Lust auf mehr? Meine Besprechung liegt nur einen Klick entfernt…

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Euer Glückslos zum Buch

Seid ihr selbst vielleicht schon mal den Jakobsweg gegangen?

PS: Alle Beiträge, die heute bis 23:59 Uhr eingehen, werden bei der Ermittlung des Tagesgewinners berücksichtigt. Der Gewinner erfährt sein Glück als Antwort auf seinen Beitrag & per Email.

Day 14 : Book 14 – Geschmacksorgasmen

Ihr Lieben,

Wochenmitte

 Es ist Tag #14 von 16 Tage : 16 Bücher – Eine Blogparty.

Heute beflügeln wir die Sinne in:

“Der Koch” von Martin Suter

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Worum geht´s?

Maravan brennt für das Kochen. In Sri Lanka hat er gelernt, mit allen Sinnen zu kochen und damit ein aphrodisierendes Mahl zuzubereiten. Mit Andrea, seiner ehemaligen Kollegin aus einem spiesigen Nobelrestaurant gründet er “Love Food” – einen illegalen Foodservice, der aphrodisierende Menüs zaubert und die Sinne der Kunden beflügelt.

Das Konzept schlägt ein wie eine Bombe. Doch was ist, wenn das Unternehmen auffliegt?

Lust auf mehr? Meine Besprechung liegt nur einen Klick entfernt…

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Euer Glückslos zum Buch

Welchen Lebensmitteln sagt ihr berauschende Sinne nach?

PS: Alle Beiträge, die heute bis 23:59 Uhr eingehen, werden bei der Ermittlung des Tagesgewinners berücksichtigt. Der Gewinner erfährt sein Glück als Antwort auf seinen Beitrag & per Email.