Meine Leseperlen des Jahres 2019

Zwischen den Jahren

Und da ist er wieder. Der letzte Tag des Jahres. Dieses Jahr sogar der letzte eines Jahrzehnts. Das Jahr ist gerannt. Unaufhaltsam. Nun neigt sich 2019 schon wieder seinem Ende entgegen. Der Jahreswechsel steht unmittelbar bevor. Der Start in ein neues Jahrzehnt.

Es ist dieser besondere Moment zwischen den Jahren, in der man förmlich in der Zeit hängt, sich zwischen gestern und morgen, alt und neu, Vergangenheit und Zukunft befindet. Ein Moment, der sich wunderbar dazu eignet, einen Augenblick in sich zu gehen, zu resümieren und gedanklich zurückzureisen, zu den schönsten (Lese)abenteuern des Jahres, während zwischen zahlreichen Buchdeckeln schon neue Abenteuer auf uns lauern.

Es gibt Bücher, die unser Herz im Sturm erobern. Zehn eben solcher Bücher sind mir in diesem Jahr begegnet. Es sind neun belletristische Titel und eine Biografie, die nicht ausschließlich in diesem Jahr erschienen sind, aber 2019 den Weg zu mir gefunden haben.

Nachfolgend möchte ich euch diese zehn Titel ans Herz legen. Die Reihenfolge der Bücher ist völlig willkürlich und unterliegt keiner Wertung!

Auf dass sie auch eure Herzen im Sturm erobern!

Rutscht gut ins neue Jahr! Wir lesen uns in 2020.

Wenn man Leseperlen verleiht, schaffen es nur 9 von 10 auf’s Bild

„Fuchs 8“ von George Saunders

Luchterhand Verlag, erschienen am 28. Oktober 2019, Preis 12,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Mit „Fuchs 8“ beweist George Saunders, dass auch Kleines manchmal ganz Großes bewirken kann. Seine Zeilen, die von einem Fuchs verfasst sind und dementsprechend in fuksisch daherkommen, schockieren, berühren und treffen uns mitten ins Herz. Vielleicht können sie sogar das Unmögliche schaffen und die Welt ein kleines bisschen besser machen. Zumindest schaffen sie ein Bewusstsein für ein respektvolleres und friedlicheres Miteinander. Unserer Welt wäre es zu wünschen.

Hier geht’s zur Rezension.

„Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ von Tabea Hertzog

Berlin Verlag, erschienen am 01. März 2019, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Trotz trauriger Thematik gelingt Hertzog ein Roman voller Leichtigkeit. Nahezu leichtfüßig bewegt sie sich mit uns durch ihre Geschichte, zeigt, wie man über eine schwere Zeit seinen Humor und Lebenswillen beibehalten kann. Hertzogs Art und Weise auf die Welt zu blicken, uns zu verdeutlichen, wie selbstverständlich wir Dinge oft nehmen, die alles andere als selbstverständlich sind, dass es die kleinen und nicht die großen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen – all das hat mich wirklich unglaublich berührt.

Hier geht’s zur Rezension.

„Gehen, ohne den Gipfel zu besteigen“ von Paolo Cognetti

Penguin Verlag, erschienen am 11. November 2019, Preis 15,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Es war der Roman Acht Berge, durch den ich auf Cognetti aufmerksam geworden bin. Einem Autor, der sich im Sommer am liebsten in seine Hütte im Aostatal zurückzieht um die Natur mit allen Sinnen zu erfassen. Mit seinen wunderbar atmosphärischen Beschreibungen erweckt er Szenerien zum Leben, die atemberaubend schön und heimtückisch zugleich sind. Seine Zeilen sind ehrlich und ungeschönt. In Gehen, ohne den Gipfel zu besteigen begibt er sich auf in die entlegendste Region des Himalaja und lernt, dass es nicht das Ziel, sondern der Weg selbst ist, der so wertvoll für uns ist.

„Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl

Frankfurter Verlagsanstalt, erschienen am 5. März 2018, Preis 24,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Ich habe dieses Buchs ewig vor mir hergeschoben und weiß eigentlich gar nicht warum. Wahrscheinlich lag es am Hype, dem es 2018 unterlag. Doch nachdem ich es innerhalb weniger Stunden inhaliert hatte, verstand ich, wovon alle sprachen. Denn hinter dem Buchdeckel wartet ein unglaubliches intensives Unterfangen aus Farben und Emotionen auf uns. Selten hat mich eine Geschichte so mitgenommen, mich menschlichen Abgründen so nahe gebracht. Es ist ein Feuerwerk aus gelb, himmelblau und dunkelgrün!

„Miroloi“ von Karen Köhler

Hanser Verlag, erschienen am 19. August 2019, Preis 24,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Karen Köhler lässt uns an der Seite einer Außenseiterin; einer jungen Frau, die von Spott und Argwohn verfolgt wird; durch ein Dorf reisen, das sich selbst als schön bezeichnet. Dabei ist es alles andere als das. Es ist eine Geschichte von einer jungen Frau, die es wagt, sich strengen Regeln zu widersetzen, ihre Rechte einzufordern und ein eigenständiges Leben zu leben. Schon mit ihren Kurzgeschichten in Wir haben Raketen geangelt hat mich Köhler geflasht. In ihrem ersten Roman gelang es ihr erneut mich in ihren Bann zu ziehen.

„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan

Dumont Verlag, erschienen am 13. September 2018, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Delphine de Vigan besitzt ein sehr feines Gespür für Zwischenmenschliches. Sie bringt die Einsamkeit, Verletzlichkeit und innere Zerrissenheit ihrer Figuren wunderbar zum Vorschein und gewährt uns damit einen tiefen Einblick in das Seelenleben ihrer Figuren. Mit Loyalitäten gelingt ihr ein kompromissloses Porträt einer kranken Gesellschaft. Ihre Zeilen gehen unter die Haut, sie erschüttern, ergreifen und stimmen nachdenklich.
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„Mittagsstunde“ von Dörte Hansen

Penguin Verlag, erschienen am 15. Oktober 2018, Preis 22,00 € [D], hier geht’s zum Buch

In der Mittagsstunde oder auch „Siesta des Nordens“ spielt sich einiges ab, im kargen aber scheinbar grenzenlosen Nordfriesland. Das beweist Dörte Hansen mit ihrem Roman „Mittagsstunde“. Die Geschichte von Ingwer Feddersen, der in sein Heimatdorf Brinkebüll zurückkehrt und nichts mehr so vorfindet, wie es mal war, ist mit allerhand plattdeutschen Elementen, skurillen Figuren und Schlagern gespickt. Hansens ehrliche und unaufgeregte Zeilen tun einfach der Seele gut und sorgen für eine „verdreihtes“ Lesevergnügen. Ich war schon von Altes Land begeistert.

„Astrid Lindgren – Ihr Leben“ von Jens Andersen

DVA Verlag, erschienen am 28. September 2015, Preis 26,99 € [D], hier geht’s zum Buch

Jens Andersens sagenhafte Biografie gehört sicher zu den zugänglichsten und am besten recherchiertesten Biografien über Astrid Lindgren. Da sie erst nach ihrem Tod verfasst wurde, liefert sie ein umfassendes Bild von meiner liebsten Kinderbuchautorin. Die Biografie ist nicht nur ein unglaublich tolles Nachschlagewerk im Bezug auf Lindgrens persönlichen Lebensweg, sondern auch im Bezug auf ihre Werke.  Nach der Lektüre wurde das Projekt „Dieser Tag, ein Leben“ geboren. Meine Reise durch Lindgren’s Werke!

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„Der Bücherdrache“ von Walter Moers

Penguin Verlag, erschienen am 25. März 2019, Preis 20,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Ich bin dem Meister der zamonischen Worte seit „Die Stadt der träumenden Bücher“ verfallen und schon durch ganz Zamonien gereist. Mit der Geschichte um den Bücherdrachen hat Moers allerdings bewiesen, dass es da immer noch allerhand fantastisches Getier gibt, das ich bis dato noch nicht kannte. Zusammen mit Buchling Hildegunst Zwei habe ich mich auf den Weg durch den Ormsumpf begeben, um Nathaviel, den Bücherdrachen kennenzulernen. Und was soll ich sagen!? Diesem bändigenden Blick, der einem schon auf dem Cover begegnet, kann man sich einfach nicht entziehen!

„Der vergessliche Riese“ von David Wagner

Rowohlt Verlag, erschienen am 22. August 2019, Preis 22,00 € [D], hier geht’s zum Buch

Mit „Der vergessliche Riese“ hat David Wagner zu Recht den Bayerischen Buchpreis 2019 ergattert. Denn dieser Roman ist voller Intensität, Zärtlichkeit und einem großen Weitblick. Wagners stille aber sehr ausdrucksstarke Zeilen, die von vielen Dialogen geprägt sind und von der fortschreitenden Demenz seines Vaters berichten, gehen direkt unter die Haut und mitten ins Herz. Pures Gefühlskino! Ein Buch, das so viel mehr ist als die simple Schilderung des Verlaufs einer Dememenzerkrankung!

9 Kommentare zu „Meine Leseperlen des Jahres 2019

    1. Liebe Lara,

      an „Loyalitäten“ habe ich mich als Mama gar nicht rangetraut (wegen der Alkohol-Sucht des Kindes), da meine Tochter aber noch weitaus jünger ist, habe ich es irgendwann doch gewagt und wurde nicht enttäuscht. Ein wirklich berauschendes Leseerlebnis! „Der Bücherdrache“ ist lange nicht so gut wie „Die Stadt der träumenden Bücher“ oder andere Werke von Moers, aber er scheint nach langer Zeit wieder in die richtige Richtung unterwegs zu sein und zeigt sich darin von seiner bewundernswert einfallsreichen und zauberhaften Seite. Ich mochte Nathaviel, den Bücherdrachen wirklich gern und habe das Abenteuer durch den Ormsumpf wirklich genossen. Sicher werde ich es an späterer Stelle noch umfangreich besprechen, momentan hinke ich mit meinen Rezensionen etwas hinterher.

      Ein wunderbar lesereiches 2020 wünsche ich dir,
      Steffi

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    1. Hi,

      irgendwie hast du Recht. Aber wenn ich das Jahr 2010 selbst auch dazuzähle, liegen Ende 2019 zehn Jahre, sprich ein Jahrhundert, hinter uns. Ich denke, es kommt hier darauf an, mit welchem Jahr man hier zu zählen beginnt.

      Liebe Grüße und einen guten Rutsch in 2020,
      Steffi

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      1. Ich frage mich ernsthaft gerade, was es dir bringt, mich in dieser Form zu belehren. Mag sein, dass ich falsch liege. Der Fokus meines Beitrags liegt allerdings auf meinen Bücherperlen des Jahres 2019 und nicht auf mathematische oder historische Herangehensweisen an die Zählung eines Jahrzehnts. Einen weiteren Kommentar braucht es zu diesem Thema nicht. Außerdem bitte ich dich, von derartigen Kommentaren in Zukunft abzusehen. Konstruktive Kritik ist hier jederzeit willkommen. Abwertende Belehrungen aber nicht!

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