Pax (lat.): Frieden

Mein Freund Pax – Sara Pennypacker

Seit Peter den Fuchswelpen Pax vor dem Tod gerettet und aufgezogen hat, sind die beiden unzertrennlich. Doch eines Tages zwingt sein Vater ihn, den Fuchs wieder in die Freiheit zu entlassen und ihn den Gesetzen der Natur auszusetzen.

Der Krieg geht ins Land und fordert seine Opfer. Auch an Pax und Peter zieht er nicht spurlos vorüber. Doch während Mensch und Tier vor ihm fliehen, laufen die beiden Freunde ihm blindlings entgegen. Während Peter glaubt, dass sein Fuchs ohne ihn in der Wildnis nicht überleben kann, ist sich auch Pax sicher, dass Peter seinen Schutz braucht.

Und so machen sich die beiden Freunde, getrieben von ihrer Sehnsucht, auf die Suche nach dem jeweils anderen. Denn auch Hunderte Kilometer voneinander entfernt, reißt ihr enges Band der Verbundenheit nicht.

„Der Krieg, der kommt – bist du sicher, dass er allen schadet, die ihm auf seinem Weg begegnen? Selbst den ganz Jungen?, fragte er Gray. Allen. Krieg zerstört alles.“

Zitat, Seite 148

Sara Pennypacker bringt den zwölfjährigen Halbwaisen Peter und den Fuchswelpen Pax kurz nach dem Autounfall der Mutter zusammen. In einem Fuchsbau nahe der Straße finden sie zueinander. Seitdem sind sie unzertrennlich. Zum Vater findet Peter keinen wirklichen Zugang, genauso wenig wie zu seinem lieblosen Großvater, bei dem ihn der Vater kurz vor dem Einzug in den Krieg absetzt.

Pax da draußen alleine zu wissen, lässt dem Zwölfjährigen keine Ruhe. Und so lässt es nicht lange auf sich warten, bis Peter das Weite sucht, um nach seinem ausgesetzten Fuchs zu suchen, der sich nun alleine der Wildnis stellen muss. 300 Kilometer entfernen ihn zu der Stelle, an der er ihn verlassen musste. Ein Weg, der kein leichter ist. Erst Recht nicht, wenn man sich schon am ersten Tag den Fuß bricht und sich nur mühsam in eine nah gelegene Scheune schleppt. Es ist Vola, eine auf den ersten Blick verrückte alte Frau mit Holzbein, die den Jungen findet und sich bereiterklärt, ihm wieder zu Kräften zu verhelfen, damit er die Fährte nach seinem Fuchs schnellstmöglich wiederaufnehmen kann.

Pax unterdessen, weiß mit der neu gewonnenen Freiheit anfangs nicht umzugehen. Doch bereits wenig später begegnet er der kühnen Fuchsdame Bristle und ihrem schwächlichen kleinen Bruder Runt, die sich seit ihre Eltern den Menschen in die Falle gegangen sind, alleine herumschlagen müssen; und dem alten Fuchs Gray, der sich schon bald mit Pax zusammentut, um zum einen nach seinem Jungen und zum anderen nach einer sicheren Gegend für die anderen Füchse zu suchen.

„All diese Erinnerungen schwanden langsam, ebenso wie die Erinnerung daran, wie es sich anfühlte, eingesperrt zu sein. Schon wusste er nicht mehr, wie es war, den Himmel durch sechseckige Öffnungen im Drahtzaun um sein Gehege herum anzusehen.“

Zitat, Seite 146

In abwechselnden Erzählsträngen schildert Pennypacker die Erlebnisse des Jungen und des Fuchses, die ähnliche Entwicklungen durchleben. Denn nachdem beide von ihrer Umgebung anfangs argwöhnisch beäugt werden, finden sie später Anschluss bei ihresgleichen. Und so wird die Suche nach dem besten Freund für beide Protagonisten am Ende auch eine Suche zu sich selbst. Es ist eine charakterliche Entwicklung, die Pennypacker ihre Figuren durchleben lässt. Eine Entwicklung an der die Freunde reifen und letztendlich auch die Geschichte selbst.

„Während die beiden Füchse weiterzogen, beschäftigte Pax ein weiterer, rätselhafter Geruch seines Jungen, ein Geruch aus einer tieferen Schicht als die anderen. Der hatte etwas mit Kummer zu tun, aber auch mit Sehnsucht und entsprang einem tiefen Schmerz, den Pax nie ergründen konnte.“

Zitat, Seite 147

Was Sara Pennypacker mit „Mein Freund Pax“ gelingt, ist eine tief berührende Geschichte über Freundschaft, über Menschlichkeit und Nächstenliebe in Zeiten des Krieges. Mit den wunderbaren Illustrationen von Jan Klassen, die die Stimmungen der Protagonisten perfekt wiederspiegelt und damit im harmonischen Einklang mit der Geschichte stehen, wird dieses Jugendbuch zu einer Perle am Buchmarkt. Der poetische Erzählstil, der gleichwohl aussagekräftig und für Kinder leicht zugänglich ist, verleiht der Geschichte einen besonderen Glanz.

Doch auch vor der erschreckenden Realität schreckt Pennypacker nicht zurück, weshalb sich die Leser auch schonungslosen Schilderungen stellen müssen, die der Krieg und die Skrupellosigkeit der Menschen mit sich bringt. An vielen Ecken lauert der Tod, dem gleichwohl Mensch als auch Tier erliegt. So kommt man nicht umhin, dass einem mitunter ein beklemmendes Gefühl begleitet und die ein oder andere Träne in die Freiheit entweicht.

„Auf seiner Wanderung begleiteten ihn die Erinnerungen an all die verlassenen Tage mit den hungrigen Augen. Wie anklagende Geister waren sie auf seinem Weg aufgetaucht und wieder verschwunden. Wie gern hätte er ihnen gesagt, dass er das Gefühl kannte, plötzlich den Menschen zu verlieren, der einen liebte und umsorgte. Das Gefühl, dass die Welt auf einmal ein gefährlicher Ort war.“

Zitat, Seite 269

4 Kommentare zu „Pax (lat.): Frieden

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