#MustReadBlogtour – Tag 5: Eine Freundschaft in Briefen

Herzlich Willkommen zu Tag 5 der Must-Read Blogtour!

Diese Blogtour wurde von Smarty alias Lady Smartypants ins Leben gerufen und entführt euch auf eine Reise durch die Welt der Bücher. Bis zum 12. März 2018 wartet täglich ein Blog und ein ganz bestimmtes Buch auf euch, der/das sich lohnt, von euch gelesen und und entdeckt zu werden.

Eine Blogtour ist eine wunderbare Gelegenheit, sich innerhalb der Blogosphäre besser kennenzulernen und auszutauschen, weshalb auch ich gerne mit an Bord bin. Während Trixi vom Nachtigallenfriedhof gestern ein Buch aus dem Bereich YA Romance für euch im Gepäck hatte, werden wir uns heute einer Reihe an Briefen widmen, ehe es dann morgen bei Regina Rewritten mit einem Buch aus dem Bereich YA Sci-Fi weitergeht.

Smarty selbst hat die Blogtour mit dem Roman Die Bücherdiebin ins Rollen gebracht und mich daran erinnert, dass ich den Klassiker noch immer ungelesen im Regal stehen habe. Nach einem gescheiterten ersten Versuch, die in meinen Augen grauenhafte englische Übersetzung des Romans zu lesen, steht das deutsche Original schon ewig auf dem SuB. Es wird Zeit, es von dort zu befreien und mich dem Buch endlich anzunehmen.

Eine Freundschaft in Briefen: „84, Charing Cross Road“

Es gibt Zeilen, die treffen mitten ins Herz. „84, Charing Cross Road“ beherbergt solche. Das bescheidene Büchlein, das mit gerade mal 158 Seiten daherkommt und den Briefwechsel zwischen der New Yorker Bühnenschriftstellerin und dem Londoner Antiquar Frank Doel beherbergt, ist von der ersten bis zur letzten Seite ein absolutes Must – Read.

„Es gibt Bücher, die ihre Leser von der ersten Seite an in ihren Bann ziehen und unwiderstehlichen Charme verbreiten. Sie treffen einen Tonfall, der Glaubwürdigkeit ausstrahlt und den Eindruck erweckt, als ließe sich ein wunderbarer Einklang zwischen den Menschen und der Welt herstellen, zumindest im imaginären Reich der Literatur. Helene Hanff hat ein solches Buch – „84, Charing Cross Road“ – geschrieben, und es ist auch die Zufälligkeit seines Entstehens, die ihm seinen Reiz gibt.“

Rainer Moritz im Nachwort

Worum geht’s

1949 beginnt zwischen Helene Hanff, einer Bühnenschriftstellerin aus New York, und dem Londoner Antiquar Frank Doel ein reger Briefwechsel, der über 20 Jahre andauern soll. Was als schlichte Korrespondenz von Geschäftsbriefen beginnt, entwickelt sich über die Jahre zu einer vertrauensvollen Brieffreundschaft zwischen zwei Menschen, die trotz der Entfernung zueinander eine gemeinsame Leidenschaft teilen: Die Leidenschaft für Bücher.

Hanff, die über die Jahre ihre Suche nach antiquarischen Büchern vertrauensvoll in Doels Hände gelegt und die Belegschaft der Marks & Co Buchhandlung in London und darüber hinaus deren Familien in ihr Herz geschlossen hat, setzte mit der Veröffentlichung dieser Briefe in „84, Charing Cross Road“ dieser außergewöhnlichen Beziehung ein Denkmal.

„Ich will IHNEN, Frank Doel, nur eines sagen: Wir leben in verkommenen, zerstörerischen und degenerierten Zeiten, wenn eine Buchhandlung – eine BUCHHANDLUNG – damit anfängt, schöne alte Bücher auseinander zu reißen, um sie als Einpackpapier zu verwenden. Ich sagte zu John Henry, als er ausgewickelt war: „Hätten Sie das für möglich gehalten, Eminenz?“, und er verneinte. Sie haben das Buch in einer großen Schlachtszene auseinander gerissen, und ich weiß nicht einmal, um welchen Krieg es sich handelt.“

Zitat, Seite 32

Darum musst du dieses Buch lesen

Die in „84, Charing Cross Road“ veröffentlichten Briefe zwischen Helene Hanff und Frank Doel sind ein wahrer Schatz und bereits nach wenigen Seiten war mir klar, warum so viele Millionen Menschen vor mir ihr Herz an dieses kleine bescheidene Büchlein verloren hatten. Es ist eine Hymne an die Literatur, an die Freundschaft und an den Austausch in Briefen. Es spiegelt die Beziehung zwischen zwei Menschen wieder, die allein durch die Liebe zur Literatur entfacht, und über die Jahre gefestigt wurde.

Helene Hanff hat als schlagfertige New Yorkerin bei der Korrespondenz stets die Oberhand und schreckt nicht davor zurück dem liebenswerten Frank Doel zu gegebenem Anlass zurecht zu weisen. Sie feuert derartige Wagenladungen voller Empörung und Missmut auf den zurückhaltenden Doel, dass man befürchtet, er würde vor Scham im Boden versinken. Und dennoch hält er Hanffs Schimpftiraden, die der Korrespondenz so viel Witz und Esprit verleihen, stand. Er konzentriert sich stets aufs Wesentliche: dem Besorgen und Zusenden von Hanffs Wunschliteratur.

„Das nennen Sie Pepys‘ Tagebuch!? Das ist nicht Pepys‘ Tagebuch, das ist die elende Zusammenstellung von Exzerpten aus Pepys‘ Tagebuch, herausgegeben von irgendeinem übereifrigen Kerl, der in der Hölle verfaulen möge! Ich könnte ausspucken davor!“

Zitat, Seite 55

Mit der Zeit werden die Briefe persönlicher und Hanffs Ton mitfühlender und umgänglicher. Der anfänglich zweckdienlichen Anweisung von Bestellungen weicht ein liebevoller Umgang mit dem loyalen Buchhändler und seiner Familie. Eine Vertrautheit wächst zwischen den beiden Buchliebhabern, wie man sie sonst nur zwischen wirklich guten Freunden finden kann. So kommt nicht nur die benötigte Literatur sondern auch das Zeitgeschehen aus Politik, Sport und dem alltäglichen Leben zur Sprache. Gefühle und Denkansätze werden ausgetauscht, mit der sich zwei völlig Fremde einander Stück für Stück zu öffnen scheinen.

„Ich liebe Widmungen auf dem Vorsatz und Randnotizen; ich mag das Gefühl von Verbundenheit, das entsteht, wenn ich Seiten umschlage, die jemand vor mir bereits umblätterte, und Abschnitte lese, auf die jemand, der schon lange nicht mehr lebt, meine Aufmerksamkeit gelenkt hat.“

Zitat, Seite 48

Das ergreifende Werk „84, Charing Cross Road“ bewirkt mit seinen wenigen Seiten so viel mehr, als man es anfangs vermutet und berührt deshalb vermutlich auch so viele Leserherzen. Es hat mich verzaubert und wird als 2002 erschiene deutsche Erstausgabe für immer einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal ergattern. Wie schade, dass Helene Hanff bereits 1997 verstorben ist. Die Theater- und Buchautorin, die über viele Jahre hinweg vergeblich auf den Durchbruch wartete, stand der erfolgreichen und einschneidenden Publikation von Briefen, die nie im Hinblick auf eine Veröffentlichung geschrieben wurden, bis zum Ende mit aufrichtigem Staunen gegenüber. Ein Charakterzug, der Helene Hanff nicht nur sympathisch sondern sicherlich auch zu einem Vorbild für Viele macht.

Welches Buch ist für euch ein absolutes Must Read? Verratet es mir doch in einem Kommentar. Das volle Programm der #MustReadBlogtour findet ihr hier.

Ich wünsche euch einen bezaubernden Sonntag! <3

23 Kommentare zu „#MustReadBlogtour – Tag 5: Eine Freundschaft in Briefen

  1. Hallo, das ist eines meiner Lieblingsbücher. Ganz bestimmt. Und es fesselt und nimmt den Leser mit, auch beim wiederholten Lesen. Und die liebe Steffi weiß sicher genau, dass ICH das Buch liebe! 🙂 (Insidersache!) Herzlich, Sunni

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  2. Hallo, Steffi!
    Oh, ja! Ich liebe dieses Buch! ❤ Ich habe am Ende des Buches sogar ein paar Tränen vergossen. Man nimmt doch auf eine wunderbare Weise am Leben dieser Menschen teil. 🙂 Es ist so kurz und doch so unglaublich.
    Ich nehme an, dass du dann "Die Herzogin der Bloomsbury Street" auch gelesen hast. Hat es dir gefallen?
    LG, m

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    1. Huhu,

      wie wunderbar. Ich finde, man kann das Buch auch einfach nur lieben. Ja, auch Tränen müssen bei der rührenden Geschichte fließen. Mich ergreift sowas erst Recht, wenn ich weiß, dass es tatsächlich so passiert ist. Tatsächlich kann man hier auf wunderbare Weise am Leben dieser Menschen teilhaben. Das Büchlein hat es trotz seiner Kürze in sich. Ich habe ein Exemplar von „Die Herzogin der Bloomsbury Street“ hier. Eine Leserin hat es mir damals nach dem Lesen meiner Besprechung freundlicherweise zugeschickt und ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe es noch gar nicht gelesen. Spätestens als ich diesen Bericht vorbereitet habe, hatte ich es aber aus dem Regal gezogen und beschlossen, dass es zeitnah drankommen muss. Wie fandest du es denn?

      Hab noch einen schönen Dienstag.

      Liebe Grüße
      Steffi

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      1. Ich mochte es sehr. Es ist ein wenig anders als „84, charing cross road“, weil es kein Dialog ist, sondern ein Tagebuch. Aber Helene Hanff hat diese besondere Art Personen zu beschreiben, dass einem ganz warm ums Herz wird. Ich hab mich echt für sie gefreut, dass sie es dann doch nach London geschafft hat. 🙂
        LG, m

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  3. Hach, jaaa! Das ist ein tolles Buch, das muss jede(r) lesen! *heftigstmitdemkopfnickt* In die gleiche Reihe – also „Bücher über Bücher“ passt noch „Deine Juliet“, „Die Souveräne Leserin“ und „Wonderland Creek“ (das gibts auch auf Deutsch, aber da ist mir der Titel gerade entfallen.. Schön, dass Du mich daran erinnert hast – da könnte ich mal wieder hereinschauen!

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    1. Liebe Dorothea,

      es freut mich sehr, dass auch dich dieses Buch begeistern konnte. Bücher über Bücher sind immer herrlich. „Deine Juliet“ steht schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste, sollte ich daher wohl mal von dort befreien. „Die souveräne Leserin“ und „Wonderland Creek“ waren mir bisher unbekannt. Von daher herzlichen Dank für deine Tipps. Da muss ich direkt mal stöbern gehen. =)

      Liebs Grüße
      Steffi

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  4. Hallo Steffi! 🙂
    Da hast du dir ja wirklich ein ganz bezauberndes Buch herausgesucht. Ich weiß noch,wie begeistert meine Mama davon war und jetzt, wo ich deine Begeisterung dafür so sehr spüre, möchte ich es auch unbedingt lesen. Lieben Dank fürs Vorstellen!
    Ganz liebe Grüße,
    Gabriela

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    1. Liebe Gabriela,

      dank dir für deine Zeilen. Ja, ich finde auch, dass ich da ein ganz bezauberndes Buch herausgesucht habe. Es freut mich, dass du meine Begeisterung spüren konntest. Lese es unbedingt. Ich finde es ganz und gar gelungen. =)

      Liebe Grüße
      Steffi

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  5. Tolle Rezension und schöne Fotos! Diese Briefkette passt echt super dazu. 🙂

    Ich kann auch Deine Begeisterung gut nachvollziehen. Und da ich authentische Quellen liebe, also Briefe oder auch Tagebücher, behalte ich das Buch auf jeden Fall im Hinterkopf. Ich denke, es könnte sogar einer Freundin von mir auch sehr gut gefallen. ^^

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    1. Liebe Andrea,

      danke dir. Ja, ich dachte, die Briefkette passt ganz gut dazu. 😉

      Ich mag authentische Quellen auch sehr. Es ist dann noch spannender durch die Geschichte zu reisen. Oft animiert es mich dazu, die Original Schauplätze aufzusuchen. Leider existiert das Londoner Antiquariat schon seit vielen Jahren nicht mehr, auch wenn dort jetzt jede Menge andere Buchhandlungen angesiedelt sind.

      Du solltest das Buch unbedingt im Kopf behalten. Es geht in „Die Herzogin der Bloomsbury Street“ noch weiter.

      Liebe Stöbergrüßs
      Steffi

      Gefällt 1 Person

  6. Hallo Steffi,

    ich finde deinen Beitrag wirklich gelungen. Wow. Das Buch sieht optisch wirklich unfassbar schön aus! Und so, wie du es beschreibst, ist der Inhalt noch schöner!
    Bisher hatte ich noch nicht davon gehört, aber jetzt… ich muss es einfach lesen. Bücher, in denen es um die Leidenschaft zu Büchern geht sind einfach ein Muss für uns Bücherliebhaber, finde ich!
    Danke für diesen wunderschönen Beitrag! Deine Liebe zu dem Buch (wenn ich das so nennen kann) kommt deutlich bei dem Leser an!

    Liebe Grüße,
    Nina von „Nina’s verrückte Ekstase“

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    1. Hallo Nina,

      wow – danke. Das ist ein tolles Kompliment. Es freut mich sehr, dass meine Zeilen die Begeisterung widerspiegeln, die ich für dieses Buch hege. Lies es unbedingt und berichte dann von deinen Erfahrungen.

      Liebe Sonntagsgrüße
      Steffi

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  7. Guten Morgen 🙂
    Ich muss sagen, auf deinen Beitrag war ich wirklich gespannt, da dieses Buch bereits auf meiner Merkliste wartet, seit ich eine Rezension dazu gelesen habe. Ich möchte zwar die englische Version lesen (wie du, finde ich die deutschen Übersetzungen oftmals nicht so toll), aber jetzt sabbere ich gerade wegen deiner wunderschönen Ausgabe und zweifle an meiner Wahl 😉 Es geht doch nichts, über ein schönes Buch und deine Fotos machen es einem wirklich schmackhaft.
    Davon abgesehen, finde ich deine Beitrag wirklich toll gemacht und schön geschrieben, vielen Dank dafür 🙂 Ich kann voll und ganz verstehen, warum dieses Buch ein Must-Read für dich ist und hoffe, dass ich bald selbst das Vergnügen haben werde.
    Vielen Dank nochmal fürs Mitmachen und alles Liebe,
    Smarty

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    1. Liebe Smarty,

      herzlichen Dank für diese wunderbare Blogtour und deine lieben Zeilen. In diesem Fall ist das Buch im Original sicher noch besser, weil es den Ton der Schreiberlinge noch besser wiedergibt. Ich suche seit jeher nach einer englischen Erstausgabe und habe schon zahlreiche Antiquariate dafür auf den Kopf gestellt. Es freut mich sehr, dass meine Fotos dir das Buch schmackhaft machen. Ich hab mich da auch echt ins Zeug gelegt, es ansprechend in Szene zu setzen. 🤣

      Herzliche Stöbergrüße an die Organisatorin.

      Steffi

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  8. Hallöchen!

    84, Charing Cross Road habe ich schon ein paar Mal in der Hand gehabt, aber ich konnte mich noch nicht zum Kauf überreden. Nach deinem Beitrag werde ich aber diese wunderschöne Ausgabe auf meine Wunschliste packen! 🙂
    Bücher über die Passion für Bücher sind immer etwas besonderes. 🙂

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!
    Trixi

    PS: Ich habe dich nun auch richtig in meinem Beitrag verlinkt. Dass das schief gelaufen ist, tut mir wirklich, wirklich leid!

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    1. Liebe Trixi,

      herzlichen Dank für deine Zeilen. Es freut mich, dass es das Buch nun auf deine Wunschliste geschafft hat. Ich hatte es selbst ganz lange ungelesen im Regal stehen, bis ich eines Tages entdeckt habe, dass mir da scheinbar ein ganz besonderes Juwel entgangen ist. Bücher, in denen Bücher eine prägende Rolle spielen, sind einfach wunderbar.

      Danke fürs Verlinken.

      Liebe Stöbergrüße
      Steffi

      Gefällt 1 Person

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