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„Liebe findet uns“ – J.P. Monninger

Den letzten Sommer nach der Uni wollen Heather, Amy und Constance für eine gemeinsame Europa-Reise nutzen. Während sich Amy in die Arme zahlreicher Männer wirft und Constance sich ihrer Leidenschaft für Madonna-Statuen hingibt, ist Heather ganz vertieft in ihren Hemingway und will sich durch die Gassen der Altstädte treiben lassen. Dass sie im Zug nach Amsterdam auf ihre große Liebe trifft, hätte sie nie für möglich gehalten.

Was als flapsiger Schlagabtausch zwischen zwei Reisenden beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer schicksalhaften Begegnung mit Folgen. Denn Heather und Jack können die Augen nicht mehr voneinander lassen, fühlen sich auf magische Weise zueinander hingezogen.

Und so ergänzt Jack fortan das Dreiergespann und entführt Heather zu den Stationen eines alten Reisetagebuchs seines Großvaters, das seine Reise bestimmt. Sie entdecken dabei die Schönheit ungewöhnlichster Orte und teilen die außergewöhnlichsten Momente zusammen. Doch als Heather klar wird, was sie für Jack empfindet, verschwindet er genauso plötzlich wie er kam.

War ihre Liebe nur für einen Sommer bestimmt?

„Wir standen da und verloren uns in den Augen des anderen. Im Vergleich dazu war jeder Blick, den ich je mit einem anderen getauscht hatte, nur eine Vorübung gewesen. Dieser Moment war überwältigend, wunderschön und beängstigend, und wenn mein Leben jetzt zu Ende gewesen wäre, hätte ich immerhin gewusst, wie es sich anfühlt, den Blick eines anderen festzuhalten und ohne jeden Zweifel zu wissen, dass das, was wir Seele nennen, auf die des anderen reagiert hat. Dass wir diesen Blick, diesen Moment, bis in alle Ewigkeit besitzen würden wie einen seltenen Schatz, zusammen mit dem Wissen, dass keiner von uns jemals wieder allein sein musste, niemals so ganz, nie wieder.“

Zitat, Seite 172

Es gibt Bücher, die triefen förmlich nach Liebesroman. Auch dieses hier schien mir so eines zu sein. Ich hatte so lange keine Liebesgeschichte mehr gelesen, dass ich ganz zielsicher nach „Liebe findet uns“ griff und überrascht war, als sich die Geschichte doch ganz anders präsentierte. Nun ja, nicht völlig, aber dennoch anders.

Denn Monningers Roman ist ein Mix aus vielem: Roadtrip, Lebens- und Liebesgeschichte. Während Cover und Titel sich ganz eindeutig in die Richtung Liebesroman bewegen, folgen die Zeilen vorerst einer anderem Ziel: einer Reise durch Europa. Was anfangs als reiner Mädelstrip geplant war, wird schon bald zum Abenteuertrip für alle Beteiligten. Allen voran für Heather, die von Jack in ein altes Reisetagebuch eingeweiht wird und fortan mit ihm die Stationen seines verstorbenen Großvaters bereist. Nach Amsterdam folgt u.a. Polen, Italien und Frankreich.

„Egal was du mit nach Paris bringst, die Stadt nimmt es dir und gibt es erst wieder her, wenn sie es nicht mehr braucht. Dann ist es verändert, manchmal nur geringfügig, manchmal stärker, aber immer behält die Stadt einen kleinen Teil für sich. Paris ist ein Dieb. Ein lächelnder Dieb, der sich mit dir über einen Witz amüsiert und dich gleichzeitig beklaut.“

Zitat, Seite 227

Es sind die Stationen der Reise, in die Monninger auch seinen Roman unterteilt. Während sich die erste Hälfte seiner Geschichte mit dem Trip und der gemeinsamen Zeit von Heather und Jack befasst, erzählt die zweite von der Zeit danach. Von einer verlassenen Heather, die nach dem Verschwinden von Jack mit aller Macht versucht, ins Leben zurückzufinden und die geheimnisvolle Reisebekanntschaft zu vergessen.

Monningers Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Während er seine Leser stellenweise mit der nötigen Prise Romantik versorgt, findet er immer wieder zu einem gereiften und realistischen Ton zurück. Dieser Stilmix nimmt der Geschichte den unnötigen Kitsch, den ich von so vielen Liebesromanen kenne und lässt auch Heather, aus deren Perspektive erzählt wird, authentischer wirken.

Die Verflechtung der Geschichte mit Momentaufnahmen aus dem Reisetagebuch von Jacks Großvater habe ich sehr genossen. Sie hat den Orten, die Jack und Heather besucht haben, eine authentischere Note verliehen und ihnen einen ganz besonderen Wegbegleiter geschenkt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass Monninger auf die Beziehung, die Jack mit seinem Großvater verband, noch etwas näher eingeht. Teilweise erschien mir der Verlauf der Passagen zu abrupt, lies mich verstimmt zurück.

Auch der zweite Teil des Romans präsentiert sich in meinen Augen deutlich schwächer als der erste. Es wirkt fast so, als wären Monninger die Ideen ausgegangen, die er im ersten Teil noch so fein ausgearbeitet hat. Er lässt Heather durch eine Reihe an Belanglosigkeiten wandern, die sicherlich der Realität und ihrer Trauerphase um Jack zuzuschreiben ist, seinen Zeilen aber auch ein bisschen an Besonderheit nimmt.

Das Ende hingegen hat mich wieder ein bisschen friedlich gestimmt. Es ist schlicht und ein angenehmer Kontrast zu den üblichen Happy Ends. Eins, das dem Leben ins Auge blickt und den Lesern Spielraum für ihre eigene Interpretation schenkt. So begegnet mir „Liebe findet uns“ als angenehm überraschende Liason aus Roadtrip, Lebens- und Liebesgeschichte, die mich trotz einiger Schwächen, gut zu unterhalten wusste und einmal mehr unter Beweis stellt, dass die Liebe ihre ganz eigenen Wege geht.

„Die Liebe, die wir suchen, kommt von selbst und geht, wann sie will. Wer behauptet, wir würden Liebe finden, versteht ihr Wesen nicht. Liebe findet uns, durchfließt uns, zieht weiter. Wir können sie ebenso wenig zwingen, wie man Luft oder Wasser zwingen kann; ohne Luft und Wasser können wir genauso wenig leben wie ohne Liebe. Sie ist lebenswichtig und alltäglich wie Brot. Wenn man offen für sie ist, wird man sie überall sehen und nie ohne sie sein.“

Zitat, Seite 378

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