Ein Hauch Altes Land

lesenslust über „Apfelblütenzauber“ von Gabriella Engelmann

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Nachdem sie sechs Jahre in einer Hamburger Stadtvilla zusammengewohnt haben, kann sich Leonie ein Leben ohne ihre Freundinnen Nina und Stella nicht mehr vorstellen. Umso größer ist der Schock, als die Wohngemeinschaft auseinanderzubrechen droht und sie auch noch ihren Job verliert.

Da kommt es ihr gerade recht, dass sie auf dem elterlichen Apfelhof samt Pension und Hofladen aushelfen soll. Schon nach ihrer Ankunft spürt sie, wie viel ihr die alte Heimat und die familiären Wurzeln bedeuten.

Doch bald steht Leonie vor neuen Herausforderungen und Entscheidungen. Die Hamburger Stadtvilla soll verkauft werden, und Leonies bisheriger Lebensmittelpunkt scheint entgültig verloren. Schließlich taucht auch noch ein Mann auf, der früher schon ihren Weg gekreuzt hat – und diesmal fängt Leonie Feuer.

Haben nicht alle Dinge ihre Zeit?, denkt sie und lässt sich auf das Abenteuer Liebe ein. Um sich aber endgültig über ihre Wünsche und Ziele klarzuwerden, braucht sie vor allem eins: ihre besten Freundinnen.

Kurzbeschreibung des Verlags

Ich hatte mir alles so schön zurechtgelegt. Es sollte ein idyllischer Ausflug ins Grüne werden. Ich wollte durch eine Geschichte reisen, die an einem Meer von rosa-weißen Apfelblüten, malerischen Fachwerkhäusern und romantischen Flusslandschaften vorbeiführt. Die mich verzaubert und für gute Stimmung sorgt. Doch was ich beim Lesen von „Apfelblütenzauber“ verspürt habe, war lediglich eine leichte Prise des Erhofften. Denn vom vielbesagten Zauber, der von Engelmanns Zeilen ausgehen soll, hat mich leider nur ein klitzekleiner Windhauch erreicht. Ich bedaure es zutiefst, aber Engelmanns Geschichte begegnete mir seicht und unfassbar kitschig.

Dabei sind Leonie, Nina und Stella, die Engelmann bereits in ihrem Vorgängerroman „Eine Villa zum Verlieben“ zueinanderfinden ließ, ein bunter und sympathischer Haufen. Durch sie spinnt Engelmann ein enges Freundschaftsgeflecht, von dem das ganze Buch eingehüllt wird. Vor allem Protagonistin Leonie, eine Anfang Vierzigjährige Singlefrau und Restaurantleitung eines angesehenen Hamburger Restaurants, ist mir auf Anhieb sympathisch. Ich finde mich sowohl in ihrer Berufung, ihrem nordischen Wohnort als auch ihrer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit wieder. Alle Komponenten spiegeln Facetten meines eigenen Lebens wieder, weshalb die Hoffnung auf die Geschichte groß war. Vielleicht zu groß.

Denn als Leonie, die sich schon lange nach einem Mann an ihrer Seite sehnt, sich dem schmierigen Thomas hingibt, kommt meine Sympathie für ihre Person abhanden. Aus ihrer Begegnung resultiert ein merkwürdiges Gebaren, das ich sicherlich Teenagern. Aber keineswegs erwachsenen Leuten zuordnen würde. Ihr vergnügtes Stelldichein auf dem Küchenfußboden und kitschiges Liebesgesäusel a la Rosamunde Pilcher waren mir einfach ein bisschen zu viel des Guten. Romantik ja, Kitsch nein. Erst als Leonie auf den natürlichen Markus trifft, lenkt Engelmann das Schiff wieder auf einen einigermaßen erträglichen Kurs. Sie hätte den Kontrast von Leonies Männerbegegnungen nicht deutlicher darstellen können, als mithilfe dieser beiden Figuren.

Neben der persönlichen Entwicklung von Leonie widmet sich die Autorin auch Leonies Eltern, deren Liebe zueinander durch die viele Arbeit auf dem ländlichen Apfelhof mit Pension und Hofladen im Alten Land über all die Jahre in den Hintergrund rückt. Engelmann verdeutlicht sehr gut, wie die Selbständigkeit das Leben der beiden in Beschlag nimmt. Allerdings gefiel mir auch hier das egoistische Vorgehen von Leonies Mutter nicht, die sich von den Strapazen des Alltags in Südfrankreich eine Auszeit nimmt und ihren Mann auf dem Apfelhof mehr oder weniger sich selbst überlässt.

Ehrlich gesagt kam ich mir in Engelmanns Roman vor wie ein Storch im Salat. Meine Faszination für das Alte Land nahm einen schalen Beigeschmack an. Ungelenk stakselte ich von Seite zu Seite und war dann doch irgendwie erleichtert, als ich am Ende angelangt war. So leid es mir um die mühsame Recherchearbeit und leidenschaftliche Hingabe Engelmanns tut, aber „Apfelblütenzauber“ und ich werden keine Freunde. Ich konnte mich dem Zauber dieses Romans wohl ebenso wenig hingeben, wie dem eines Rosamunde Pilcher Romans.

Mit der liebevollen Aufmachung des Buches und den Rezepten eines Altländer Drei-Gänge-Menüs und des Fillet of Soul Polentabrotes mit Peperoncino im hinteren Teil des Buches weiß mich der Verlag und die Autorin dennoch zu begeistern. Ich bin mir sicher, dass der Roman auch ohne mich zahlreiche begeisterte Anhänger findet.

„Man muss dem Glück Raum geben, sich zu entfalten, sich tief in der Seele einzunisten, damit man für unvorhergesehene Widrigkeiten gewappnet ist.“

Zitat aus dem Buch

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