Britain meets Spain

lesenslust über „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ von Mamen Sánchez

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Marlow Craftsman, englischer Verleger und Inhaber eines Traditionshauses, schickt seinen Sohn Atticus nach Spanien. In Madrid soll er die gesamte Belegschaft der Literaturzeitschrift „Librarte“, die schon seit Jahren miese Zahlen schreibt, kündigen und die Herausgabe der Zeitschrift unwiderruflich einstellen. Doch die fünf Damen des Redaktionsbüros, die für ihre Arbeit und die Literatur brennen, lassen sich nicht so einfach abspeisen.

Eine List soll den jungen Craftsman vorübergehend von seiner Mission ablenken und auf Abwege bringen. Soléa, die Feurigste unter den Damen, soll den unbedarften Atticus, der seine Sinne gelegentlich mit seiner kleiner erotischen Bibliothek betört und seine schwachen Nerven mit Earl Grey Tea besänftigt, mit ihren Reizen benebeln und ihn unter Ankündigung falscher Tatsachen nach Andalusien locken.

Gesagt, getan. Bereits wenig später sitzt der junge Atticus neben der schönen Soléa auf dem Weg gen Granada, der Heimatstadt von Soléa und Urquell der spanischen Gitarrenmusik. Für Atticus gilt es ein unveröffentlichtes Werk von Schriftsteller Federico García Lorca auf dem Speicher von Soléas Großmutter Remedios zu entdecken.

In England indes zerbricht sich Craftsman Senior vor Sorge um seinen abtrünnigen Sohn den Kopf und engagiert Inspektor Manchego als Privatdetektiv.

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Was Sanchéz Feder hier zutage gebracht hat, ist ein äußert interessantes Aufeinandertreffen von britischem Understatement und andalusischem Feuer. Unter dem entzückend blumigen Buchdeckel nebst begleitendem Lesezeichen verbirgt sich ein amüsanter, aber keineswegs zu plötzlichen Lachattacken führender Roman mit unverwechselbarem Charme.

„Die schönste Art sein Herz zu verlieren“ erzählt nicht nur eine feurige Liebesgeschichte, für die der Leser bereits nach wenigen Seiten entflammt, sondern auch vom Zusammentreffen fremder Kulturen, von kleinen Lügen und großen Fehltritten, von Werken Lorcas und Hemingways, dem Zauber der spanischen Gitarrenkunst und nicht erwiderten Sehnsüchten.

„Der emotionale Aufruhr in Soléas Seele konzentrierte sich unerklärlicherweise nur noch auf eines: ihr gebrochenes Herz. Wie ein Arzt, der seine Patienten an diversen Stellen des Körpers berührt, bis er den Herd der Infektion gefunden hat, spielte Soléa die Klaviatur ihrer Gefühle.“

Zitat, Seite 277

Mit Berta, Asunción, Maria, Gabriela und Soléa als Redaktionsbesetzung sorgt Sanchéz für ein amüsantes Wechselbad der Gefühle. Die fünf Damen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, beleben die Geschichte auf ihre ganz eigene Weise. Alle fünf Damen hat Sanchéz geschickt in ihre Geschichte verwoben, die mithilfe von Craftsman und Manchego zu einem skurrilem Liebes- und Lügennetz reift.

Die Eigenschaften der jeweiligen Landesbewohner Englands und Andalusiens stellt Sanchéz in ihrer Geschichte besonders überspitzt dar, weswegen man weder den konservativen Briten noch den vor Temperament überschäumenden Andalusier auf seinem Weg durch das Buch verpasst. Das daraus entstehende Liebesspiel von Atticus und Soléa ufert daher in so manchem Klischee aus, tut dem Charme der Geschichte aber keinen Abbruch.

Wenn es ein einziger Kuss war, dann war es der längste, den es je gegeben hatte; waren es mehrere, konnte Soléa nicht sagen, wann der eine endete und der nächste begann.“

Zitat, Seite 298

Sanchéz ist ein Feel-Good-Roman mit interessanter Gewürzmischung gelungen. Sie kombiniert feurige mit besänftigenden Kombonenten und schafft dadurch eine Geschichte mit kulturellen Gegensätzen und unverwechselbarer Note.

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