#Blogfragen für Buchblogger von Stefan Mesch

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Literaturkritiker und Blogger Stefan Mesch hat kürzlich ein paar Fragen für Literaturblogger auf seinem Blog zusammengestellt, denen sich Blogger bei Interesse bedienen und annehmen dürfen, damit man etwas mehr von der Persönlichkeit hinter dem Blogger erfährt. Seine Fragen konzentrieren sich u.a. auf die literarische Prägung, dem Anspruch an die Verlage bzw. das Feuilleton und auf persönliche Leseempfehlungen. Auch ich hatte Lust, mich diesen Fragen zu stellen:

#Bloggerfragen

01 Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Meine Mutter hat besonders die Bücher von Astrid Lindgren und deren Lebensgeschichte ins Herz geschlossen. Es ist größtenteils ihrer Liebe zu den Büchern der verstorbenen Schwedin zu verdanken, dass sich meine Kindheit gedanklich in Bullerbü, der Villa Kunterbunt und der Krachmacherstraße abgespielt hat. Heute liest sie ähnliche Bücher wie ich. Sie bevorzugt Bücher mit Tiefe und Emotionen.

02 Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Mein Vater liebt fränkische Krimis. Ich glaube, ihm gefällt dabei besonders der regionale Bezug der Geschichten. Sie sind für ihn viel greifbarer und authentischer. Er hat eben gern handfeste Beweise!

03 Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

…ich Bücher liebe und nicht ohne sie sein kann. Ich glaube allein der Fakt, dass meine Wohnung mehr Bücher als Klamotten beherbergt, spricht für sich.

04 Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

…es meine persönlichen Gedanken sind, die ich dort festhalte und sie sich von anderen unterscheiden. Das bedeutet nicht immer, dass es primär der Inhalt ist, der von dem der anderen abweicht, sondern vielmehr die Art und Weise, wie ich ihn formuliere. Unsere Art zu Schreiben variiert genauso wie unsere Persönlichkeiten.

05 Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

…dass sich im Internet weitaus mehr sympathische Gleichgesinnte tummeln, als man es für möglich hält. Das World Wide Web, das lange Zeit den Ruf hatte, unpersönlich zu sein, hat sich zu einem großen Abenteuerspielplatz entwickelt, auf dem es so unfassbar viel zu entdecken gilt. Blogs sind Orte der Begegnungen. Hier finden sich Gleichgesinnte zusammen. Und das liebe ich.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Zugegeben, auch ich habe früher Bücher bei Amazon gekauft und meine Rezensionen dort anschließend veröffentlicht. Als Amazon immer mächtiger wurde und die privatgeführten Buchhandlungen teilweise um ihre Existenz kämpfen mussten, habe ich es eingestellt. Sicherlich ist es toll, mit einem Klick ein Wunschbuch zu ordern und es kurz darauf in den Händen zu halten. Aber das ermöglicht dir deine regionale Buchhandlung und deren Onlineshops auch.

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© Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Amazon-Rezensionen werden für mich immer weniger hilfreich. Ich kenne die Menschen hinter den Zeilen nicht, kann weder ihren Typ, noch ihre Vorlieben einschätzen. Es sind Zeilen von Unbekannten. Und das lässt mich nur schwer entscheiden, ob ihr Lesehighlight auch mein Lesehighlight werden könnte. Für mich sind die Zeilen von Bloggerkollegen, die ich teilweise persönlich kenne und die Empfehlungen von Buchliebhabern aus meinem persönlichen Umfeld viel wertvoller. Sie treffen oft mitten ins Schwarze.

07 Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen verhilft mir oftmals, meinen Blick auf die Dinge um das aktuelle Zeitgeschehen oder die Meinung von Experten zu ergänzen. Ich lasse mir ungern reinreden und bevorzuge es, mir mein eigenes Bild von den Dingen zu machen, beziehe aber gerne andere Blickwinkel mit ein. Es erweitert nicht nur meinen Horizont, sondern regt auch zum Nachdenken oder Diskutieren an.

08 Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Blogs verhelfen Menschen zu einem öffentlichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Nirgendwo anders kann man seinen Gedanken derart freien Lauf lassen und trotzdem anonym bleiben. Man entscheidet selbst, wieviel man von sich preisgibt. In den persönlichen Zeilen anderer Leser kann man hervorragend sich selbst wiederfinden oder auch markante Unterschiede feststellen, die einem zur Orientierung dienen.

09 Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Falsch. Ich blogge, weil ich mich mit so vielen Menschen wie möglich über Bücher austauschen möchte. Ich möchte Leidenschaft entflammen und Bücherempfehlungen in die Welt streuen. Ich möchte Büchern, Autoren und Verlage zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen und mit ihnen die Liebe zur Literatur feiern. Da sind genügend Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich mich über Bücher austauschen kann. Ich lebe die Devise: Je mehr, umso besser.

10 Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Ich lese viel und querbeet. Eine besondere Leidenschaft hege ich aber für Gesellschaftsromane, die sich mit alltäglichen Dingen beschäftigen, die jeder in seinem eigenen Leben wiederfindet. Familienzusammenhalt, Freundschaft oder Liebe. Das sind alles Dinge, die uns am Herzen liegen. Ich liebe Romane, die sich authentisch und kitschfrei präsentieren. Die mich mitreißen und nicht langweilen. Ich bin ein großer Herzensmensch und hege daher auch beim Lesen eine Leidenschaft für Emotionales.

Meine Prinzipien beim Lesen: Lese, was du willst und nicht das, was andere wollen. Wage es, ein Buch abzubrechen und nicht zu Ende zu lesen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn dich eine Geschichte anödet oder du dich überhaupt nicht mit ihr identifizieren kannst, leg sie weg. Die stiehlt dir nur die Freude am Lesen.

11 Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Mich lesen Menschen unterschiedlichen Alters. Teilweise sind es Blogger, bei denen ich auch lese; teilweise sind es Freunde, Familienangehörige oder auch Blog-Gestrandete. Die Bloggemeinschaft ist ein großes Netzwerk, deren Vorgehensweise auf Geben und Nehmen basiert. Solange du dich dabei wohlfühlst, die Zeilen derer zu lesen, die dich lesen, zeigt es dem anderen deine Wertschätzung. Es ist quasi eine Win-Win-Situation.

12 Habe ich Vorbilder?

Vorbilder sind für mich Menschen, die sich persönliche Ziele stecken und sie mit Ehrlichkeit, Ehrgeiz und Fleiß auch zu erreichen wissen. Die sich nicht scheuen, klar ihre Meinung zu vertreten und über ihren Schattenspringen können. Mir sind Menschen sympathisch, die Stärke und Selbstvertrauen beweisen und es wagen, manchmal auch Risiken einzugehen. Starke Persönlichkeiten sind meine Vorbilder.

13 Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Meinem früheren Lese-Ich würde ich keine Ratschläge geben. Denn jeder Leser geht seinen ganz persönlichen Weg, der sicherlich von den Eltern geprägt wird. Auch ich bin meinen gegangen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jedes Buch macht dich um eine Erfahrung reicher. Selbst wenn du hinterher feststellst, dass du dir das Buch hättest sparen können!

14 “Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

Ich würde sagen, sowohl als auch. Es ist eine Win-Win-Situation. Verlage profitieren sicherlich von der Zusammenarbeit mit Bloggern genauso sehr, wie wir von ihnen. Für mich ist es ein unglaubliches Privileg, mit Rezensionsexemplare unterstützt zu werden. Als ich meine ersten Anfragen an die Verlage rausgeschickt habe, hätte ich niemals mit so viel positivem Feedback gerechnet. Es freut mich jedes Mal, wenn mich Wunschbücher erreichen. Die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Verlagen basiert auf dem Prinzip „Geben und Nehmen“. Da bin ich gern ein PR-Instrument.

15 Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich wünsche mir, dass mein persönlicher Schreibstil weiterhin reift und ich dennoch ich bleibe. Dass ich mich nie dazu gezwungen fühle, Rezensionen abliefern zu müssen, sondern es weiterhin mache, weil ich es will. Dass mir der Spaß und die Ungezwungenheit nicht abhandenkommt und mir vielleicht noch hilfreiche Tools an die Hand gegeben werden, die mir zu etwas mehr Professionalität verhelfen. Alles andere ist ein Selbstläufer.

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Es kommt wirklich selten vor, dass ich denke, „Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen“, aber am Ende des Jahres sind es schätzungsweise 30 % der Bücher, deren Geschichten zwar nett waren, mich aber nicht vom Hocker gehauen haben.

Empfehlungen

Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe: „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Viele Menschen finden es eklig, die vielen erschreckenden Details aus der Lebensmittelindustrie zu erfahren, mich haben sie fasziniert und ungemein bereichert. Auch wenn ich immer noch gern Fleisch esse, lege ich heute viel mehr Wert auf die Herkunft des Tieres und eine artgerechte Haltung.

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: „Pfaueninsel“ von Thomas Hettche. Ich fasse es nicht, dass es dieses Buch letztes Jahr auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hat und so viele Menschen Lobeshymnen auf ein so geschmackloses Buch singen. Ich konnte dieser Zwergen-Inzest-Geschichte ehrlich gesagt nicht wirklich viel abgewinnen und hab sie bereits nach 100 Seiten abgebrochen.

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe: „Lieblingsmomente“ von Adriana Popescu, weil es wie eine berauschende Fahrt mit der Gefühlsachterbahn ist und es mich so unfassbar glücklich gemacht hat. Meine Ausgabe ging allein durch sechs Hände, und hat sogar einen anderen Kontinent bereist. Jeder einzelne Leser hat es mir mit einem Lächeln zurückgegeben.

Bücher, vor denen ich oft und gern warne: „Aleph“ von Paulo Coelho. „Das geheime Leben der Bücher“ von Régis de Sá Moreira. Beide Bücher sind großer Murks.

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde:Wir sind die Könige von Colorado“ von David E. Hilton. „Schloss aus Glas“ von Jeannette Walls. „Zwiterschende Fische“ von Andreas Séché. „Im Schatten des Vogels“ von Kristin Steinsdóttir.

Ein Buch, das „viel zu oft“ überall besprochen wurde:Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler. Wobei es bei Köhlers großartigen Geschichten nicht verwundert, dass sie jeder in die Welt tragen möchte.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst: Das hat alles nichts mit mir zu tun“ von Monica Sabolo.

Bücher, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten: Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ von Lucy Clarke, „Das Schiff des Theseus“ von J.J. Abrams (I’m lovin it!)

Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag: Die Teams von Dumont, Magellan, arsEdition und Piper sind mir wirklich unfassbar sympathisch. arsEdition und Piper haben mir zwei wunderbare Bookup-Abende geschenkt, die mir sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Ich freu mich grundsätzlich aber über jede Begegnung mit Herzensmenschen.

“Auf der Buchmessein Frankfurt war ich leider noch nie. Wie gut, dass mich mein Besuch in Leipzig immer wieder darüber hinwegtröstet.“

“Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwarLiebten wir” von Nina Blazon. Denn es war eine reine Bauchentscheidung, das Buch zu kaufen, weil mich das Cover so ansprach. Hinter dem Buchdeckel habe ich eine weitaus facettenreichere Geschichte entdeckt, als ich anfangs vermutet habe.

Fragen, Wünsche oder Anregungen sind ausdrücklich erwünscht. Mein Kommentarfeld und das Gästebuch stehen euch jederzeit zur Verfügung, mir ein paar Zeilen zu hinterlassen.

Danke, dass es euch gibt! Wir lesen uns.

6 Gedanken zu “#Blogfragen für Buchblogger von Stefan Mesch

  1. Clara schreibt:

    Ich bin gerade durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und ganz entzückt, weil er so schön ist. Dein letzter Eintrag mit den Bloggerfragen gefällt mir super gut, weil er einen Einblick gibt, was du gern liest und woe du als Person bist.🙂 Finde ich super! AllesLiebe aus Braunschweig. Clara

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    • lesenslust schreibt:

      Hi Clara,

      vielen Dank für deine netten Worte. Es freut mich sehr, dass es dich zu mir verschlagen hat. Du bist jederzeit herzlich willkommen. Das sind genau die Begegnungen, von denen ich gesprochen habe. Wer weiß, ob wir uns im realen Leben jemals über den Weg gelaufen wären. Dafür sind Blogs einfach unschlagbar!

      Liebe Grüße
      Steffi

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  2. thursdaynext schreibt:

    Die coloradoischen 😵 Könige waren bei etlichen Bloggern von unserem Blog gemeinsames Projekt und ausgesprochen viral. Sind aber fürchte ich nicht auf dem Blog. Das wird aber schleunigst nachgeholt werden😊

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