A Single Breath..

lesenslust über „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ von Lucy Clarke

wpid-wp-1434962081568.jpeg

„Jackson zieht sich die Mütze über die Ohren und wirft noch einen Blick auf Eva, die sich im Bett zusammengerollt hat, die Bettdecke unter das Kinn gestopft. Mit geschlossenen Augen murmelt sie schläfrig etwas vor sich hin. Geh nicht, soll das heißen. Aber er muss gehen. Er kann nicht neben ihr liegen, wenn er sich so fühlt wie in diesem Moment.“

Zitat, Seite 5

Seit Monaten plant Eva gemeinsam mit ihrem Mann dessen australische Heimat, die Insel Tasmanien, zu bereisen. Doch nur wenige Monate nach der Hochzeit wird Jackson beim Angeln von einer Welle erfasst. Man nimmt an, dass er beim Kampf mit dem tosenden Meer ertrunken ist. Eva ist verzweifelt und beschließt, sich alleine auf die Reise in Jacksons Heimat zu begeben. Sie hofft auf Trost im Kreis seiner Familie, doch was sie empfängt, ist Ablehnung und Schmerz. Auch Vater und Bruder scheinen mit dem Verlust von Jackson, der vor zwei Jahren fluchtartig das Land verlassen hat, nicht umgehen zu können.

Doch die Verzweiflung in Evas Augen und ihre unermüdliche Suche nach der Wahrheit erweicht langsam aber sicher die beiden Männer. Was sie zu erzählen haben, ist nicht das, was Eva sich erhofft hat: Sie sieht sich schon bald mit einer schockierenden Wahrheit konfrontiert, die sie zu einem schicksalhaften Sommer in der Vergangenheit führt – dem Sommer, in dem es zu schneien begann.

Quelle: Piper Verlag
Quelle: Piper Verlag

„Ihre Gedanken verlieren sich in alle möglichen Richtungen. Sie balancieren über weit voneinander entfernte Erinnerungen hinweg, graben Fetzen der Geschichte aus und kreisen unentwegt um das Wörtchen warum.“

Zitat, Seite 205

Lucy Clarke entführt uns in ihrem zweiten Roman „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ ins raue Tasmanien: Die australische Inselwelt mit ihren bizarren Felsküsten, atemberaubenden Landschaften und ihrer bunten Unterwasserwelt scheint dabei der perfekte Hintergrund für ihre vielschichtige Geschichte, in der Clarke uns auf eine emotionale und  atmosphärische Reise mitnimmt.

Selten packt mich die Vorfreude auf ein Buch so sehr, wie sie es bei diesem Werk getan hat. Der Roman, der schon von außen eine wahre Entdeckungsreise ist, hat mich von Anfang an für sich gewonnen. Sowohl Farbgebung und Gestaltung des Covers, als auch Titel stehen im perfekten Einklang zur Geschichte. Die blauen Wellen verkörpern das Meer, das im Roman eine zentrale Rolle spielt und der Titel trägt den Namen des schicksalhaften Ereignis, auf dem Jacksons Persönlichkeit beruht. Eine stimmungsvollere Aufmachung scheint mir nahezu unmöglich!

wpid-wp-1434962090118.jpeg

Clarke erzählt ihre Geschichte aus wechselnden Perspektiven. Neben dem Blick auf die verzweifelte Eva wird der Leser mit persönlichen Zeilen von Jackson konfrontiert, die uns das Gefühl vermitteln, Jackson begleite uns. Im Gegensatz zu anderen Romanen, in denen der Verlust eines Menschen im zentralen Mittelpunkt steht, präsentiert uns Clarke ein breitgefächertes Werk, das sich neben dem Leitthema auch noch mit den Themen Geschwisterliebe, familiären Zusammenhalt und der Suche nach Anerkennung auseinandersetzt.

Es geht um Enttäuschung, Wut und Verzweiflung. Um Leidenschaft, Liebe und Vergebung.

Mit Eva zeichnet Clarke eine starke Persönlichkeit, die sich auch durch den Verlust ihres Ehemannes nicht ausschließlich ihrer Trauer hingibt, sondern sich auf die Suche nach der Wahrheit macht und dabei das Land Tasmaniens in seiner ganzer Pracht entdeckt. Sie leidet still, vermeidet leidensvolle Gefühlsausbrüche und macht die Story daher nicht weinerlich, sondern emotional und ausdrucksstark.

Mit „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ ist Clarke ein beeindruckendes Werk gelungen, das uns nach „Die Landkarte der Liebe“ erneut mit der schicksalhaften Macht des Lebens konfrontiert. Seite um Seite beginnt das Fundament von Jacksons und Evas Liebe zu bröckeln. Der Schein von einer heilen Welt wird von einer erschreckenden Wahrheit abgetragen und zeigt uns wie unverzichtbar Ehrlichkeit und Vertrauen ist. Ein emotionales Werk, dessen Seegang mich durch alle Gefühlslagen geschaukelt und mich durch seine Bandbreite begeistert hat. Es scheint diesen Sommer unausweichlich, mit Schnee in Berührung zu kommen!

❤ ❤ ❤ ❤ ❤

„Das Leben hat die Neigung, dich auf unerwartete Pfade zu führen – und dann schaust du dich plötzlich um und fragst dich, wie, zum Teufel, du dort gelandet bist.“

Zitat, Seite 309

„Irgendwie ist es, als gäbe es diese Momente in meinem Leben – eine Art Scharniere -, an denen alles hängt, was ich als Nächstes tue. Nur dass ich mich dann immer für das Falsche entscheide“

Zitat, Seite 363

wpid-wp-1434962685872.jpeg

Mein ❤ – licher Dank gilt dem Piper Verlag, der mir diesen Roman bei seiner Book Up Veranstaltung in eine randvolle Tüte voller Buchentdeckungen gesteckt und mein Leben damit um ein paar atmosphärische Lesemomente bereichert hat.

5 Kommentare zu „A Single Breath..

  1. Hallo nochmal,
    ich wollte das Buch kaufen … habe es nicht getan. Wollte es mir dann ausleihen … habe aber auch das gelassen.
    Anscheinend war dies ein Fehler und nachdem in deine Rezension gelesen habe, werde ich es das nächste Mal wahrscheinlich einfach mitnehmen!
    Danke und Liebe Grüße, Coulor ❤

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s