Liebe auf Zeit..

lesenslust über „Noch ein Tag und eine Nacht“ von Fabio Volo

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„Das Leben ist die mächtigste Droge der Welt.“

Zitat, Seite 170

Italien – la dolce vita.

Lebemann Giacomo lebt und liebt hier: Ausdauernd, leidenschaftlich und am liebsten mit so vielen Frauen wie möglich. Sich auf eine festzulegen ist nicht sein Ding. So hangelt er sich von Frau zu Frau und von Bett zu Bett, fängt sich den Ärger wütender Ehemänner und die enttäuschten Blicke der Frauen ein. Ist halt so. Giacomo lässt es kalt.

Eines Tages entdeckt er die hübsche Michaela in der Straßenbahn. Er beobachtet und studiert sie, unterlässt es allerdings für Monate, sie anzusprechen. Ihre morgendliche Straßenbahn-Begegnung wird für ihn zum heimlichen Rendezvous. Irgendwann ist es sie, die auf ihn zugeht. Sie verabreden sich auf einen Kaffee, lachen miteinander und scheinen auf einer Wellenlänge zu sein. Beide lassen es nicht unerwähnt, an etwas Ernstem nicht interessiert zu sein. Bindungen seien viel zu kompliziert. Giacomo ist Feuer und Flamme.

Doch ehe sich Giacomo versieht, ist Michaela weg. Längst hat sie ihrem Leben in Italien den Rücken gekehrt um in New York ein neues zu beginnen. Glück und Pech liegen plötzlich nah beieinander. Giacomo fasst es nicht, etwas verloren zu haben, das er noch gar nicht wirklich hatte. Als es ihm selbst nach Wochen nicht gelingt, sie zu vergessen, beschließt er ihr hinterher zu reisen. Mit einem Rucksack voller Entschlossenheit macht er sich auf den Weg nach New York, seiner vermeintlichen Traumfrau auf der Spur.

Mit „Noch ein Tag und eine Nacht“ schenkt uns Fabio Volo eine authentische Liebesgeschichte. Anstatt seine Leser in seichtes oder vorhersehbares Fahrwasser zu schicken, verstrickt er sie in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht, das von anfänglicher Unsicherheit und Enttäuschung geprägt ist und sich mit den Seiten entwickelt. Mit überzeugender Leichtigkeit  präsentiert er uns ein verzwicktes Lebensszenario, das mit vertrauten Szenen aus dem wahren Leben gespickt ist.

„Alle Politiker schwafeln von einer besseren Zukunft. Warscheinlich meinen sie das Paradies.“

Zitat, Seite 15

Seine Figuren, Giacomo und Michaela, von der Liebe enttäuscht und mittlerweile emotional abgestumpft, treffen in der Straßenbahn aufeinander. Bei ihren täglichen Begegnungen beläuft es sich auf Blickkontakt. Sie beobachten die Gesten des anderen und fahren längst Achterbahn im mentalen Kopfkino, ehe etwas wirklich Erwähnenswertes passiert. Doch als sie im Café nebeneinander sitzen, scheint klar, dass das gegenseitige Interesse und eine starke körperliche Anziehung vorhanden sind.

Die Tatsache, Michaela durch einen bevorstehenden Umzug nach New York zu verlieren, trifft den Lebemann Giacomo unerwartet heftig. Herzrasen und Schweißausbrüche befallen ihn in Michaelas Anwesenheit. Eine so tolle Frau soll ihm durch die Lappen gehen? Als sie weg ist,  zieht eine unbekannte Leere in Giacomos Leben ein. Irgendwie scheint ihm diese fremde und doch so vertraute Frau nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Als sich das selbst nach Wochen nicht legt, beschließt er, ihr hinterher zu reisen.

Doch Giacomos anfänglicher Tatendrang und die Euphorie über den geplanten Überraschungsbesuch flachen ab und Giacomo verfällt schnell in vertraute Verhaltensmuster. Auch in New York wird er zum heimlichen Beobachter, mutiert nahezu zum Stalker. Von Selbstbewusstsein keine Spur.

Er wähnt sich in Sicherheit, als er sich ein Herz fasst und sich Michaela präsentiert, deren Wiedersehensfreude groß ist. Doch da hat er seine Rechnung ohne Michaela gemacht , die ihm das Angebot unterbreitet, sich innerhalb eines Tages und einer Nacht der Illusion einer Beziehung hinzugeben, um sich dann wieder voneinander zu trennen. Liebe auf Zeit quasi, bei der sie den Anfang und das Ende im Vorfeld festlegt.

Doch das Schicksal spielt Roulette und selbst die Unverbindlichkeit kann heranwachsenden Gefühlen keinen Einhalt gewähren. So wachsen wir mit Fabio Volo und seinen Figuren und lernen, welch unerschütterliche Kraft wahre Gefühle besitzen.

„Ich war noch einmal in der Minetta Street. Da lagen ein paar von unseren Küssen auf dem Boden, die habe ich aufgehoben und eingesteckt. Erinnere mich heute Abend daran, dass ich sie dir gebe.“

Zitat, Seite 231

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