Bücher, die die Welt bedeuten..

lesenslust über „Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer

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„Während sie die Stufen zur Bibliothek hinablief, konnte Furia die Geschichten schon riechen: den besten Geruch der Welt.“

Zitat, Seite 9

Furia Salamandra Faerfax lebt gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Bruder ein abgeschiedenes Leben in der Welt der Bücher. Im englischen Landsitz der Familie, der „Residenz“, suchen sie Schutz vor der Adamitischen Akademie, die sich es zur Aufgabe gemacht hat, alle Mitglieder der Familie Faerfax, die sich seit Generationen aus mächtigen Bibliomanten zusammensetzt, zu töten.

In den Katakomben des Anwesens stößt man auf ein riesige unterirdische Bibliothek, die neben unzähligen Büchern auch eine Reihe an magischen Kreaturen beherbergt: Lebendige Origamis, die Büchern den Staub vom Deckel fressen, ein wuselnder Buchstabenhaufen, der Furia gerne auf ihren Streifgängen durch die dunklen Regalreihen begleitet und ein bedrohlicher Schimmelrochen.

Voller Sehnsucht wartet Furia auf die Offenbarung ihres Seelenbuches, um endlich in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und eine echte Bibliomantin zu werden. Denn nur mithilfe ihres eigenen Seelenbuches kann sie die volle Magie der Bibliomanie und die Macht der Worte entfesseln.

Lyrik versteht man nicht, man fühlt sie.

Zitat, Seite 195

Als ihr Bruder entführt wird, muss sich Furia auf den Weg nach Libropolis machen, der Stadt an der Grenze der Nachtrefugien und der Heimat der verschwundenen Buchläden. In der Bücherstadt trifft sie auf Cat, der Königin der Straße und den rebellischen Finnian. Gemeinsam stellen sie sich gegen die mächtigsten Bibliomanten von Libropolis um die vorhergesagte Entschreibung aller Bücher zu verhindern.

Eine rasante Verfolgungsjagd durch Libropolis beginnt..

“Zwischen all den Papieren und Büchern fand sie schließlich, was sie suchte. Ein schmales Leszeichen aus Pappe, nur mit einem einzigen Wort bedruckt: Libropolis. Als sie mit der Fingerspitze darüberfuhr, war es, als wimmelten Flöhe unter ihrer Haut. Das Ding mochte unscheinbar aussehen, aber es war bis in die letzte Faser von bibliomantischer Energie erfüllt.”

Zitat, Seite 120

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Vom Autor hatte ich vor diesem Roman bereits gehört, allerdings noch keines seiner Bücher gelesen. Meyers Roman „Die Seiten der Welt“ konnte mich (trotz  Jugenbuch-Genre) mit seiner bezaubernden Aufmachung und der liebevollen Vermarktung sofort für sich gewinnen. Die Neugier, hinter den schwarzen Buchdeckel mit den goldenen Lettern zu blicken und die Welt von Libropolis zu erforschen, hat mich unvermittelt gepackt. Meine Begeisterung für fantastische Geschichten fand ihren Ursprung bereits in Walter Moers Zamonienreihe oder auch J.K.Rowlings Harry Potter, weswegen es absehbar war, dass auch Kai Meyers „Die Seiten der Welt“ seinen Weg in mein Bücherregal finden wird.

Die Idee des Romans finde ich sehr gelungen. Die Geschichte, die von der Magie der Worte getränkt ist und dich in eine Welt voller magischer Kreaturen, Bücher und Buchliebhaber eintauchen lässt, begegnete mir wie eine magische Entdeckungsreise. Die Geschichte nahm ziemlich schnell an Fahrt auf. Einige Dinge entwickelten sich für meinen Geschmack etwas zu schnell um sie richtig erfassen zu können und überfielen mich mit ihrem rasanten Tempo regelrecht während sich andere Zeilen um das eigentlich Geschehen herumschlichen und für ein paar unnötige Längen im Roman sorgten.

Eine schöne Konstante in diesem Fantasyabenteuer ist allerdings der Ideenreichtum des Autors, dem keine Grenzen gesetzt scheinen. Meyer begeistert mich mit sprechenden Möbelstücken, lebendigen Origamitieren und wuselnden Buchstabenhaufen (namens Ypsilonzett), heftet mir müffelnde Schimmelrochen an die Fersen oder lässt mich Bekanntschaft mit Exlibris (aus dem Text gefallenen Romanhelden) und Bibliomanten unterschiedlichster Art machen.

Bei aller Liebe zum Buch war Libropolis ein gescheitertes Experiment: mehr Bücher, als irgendjemand besitzen wollte; mehr Geschäfte als Käufer, die über Brücken kamen; und mehr Absicherung durch die Akademie, als wirtschaftlich sinnvoll war. Libropolis war ein Denkmal, kein Geschäftsmodell, und es war kein Wunder, dass so viele Bibliomanten das guthießen.

Zitat, Seite 480

Libropolis, die Bücherstadt, die Meyer als Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte dient, baute sich mit ihren zahlreichen Gässchen, tummelnden Buchhändlern und ihren dicht aneinander kuschelnden Geschäften schnell vor meinem geistigen Auge auf. Ich kann mich dem Gefühl, einige Parallelen zwischen Meyers Libropolis und Moers Buchhaim, in die sich Hildegunst von Mythenmetz in Die Stadt der träumenden Bücher aufmacht, zu entdecken, aber nicht entziehen. Meiner Begeisterung für die Bücherstadt Libropolis tut das aber keinen wirklichen Abbruch.

Die Figuren in Meyers Roman sind mir recht schnell ans Herz gewachsen. Allen voran begegnete mir Protagonistin Furia als leidenschaftliche Kämpferin, die durch ihre Belesenheit und den prägenden Erfahrungen ihrer Kindheit schon sehr erwachsen und überlegt auftritt. Bei Suche nach ihrem kleinen Bruder wächst sie Seite für Seite an den sich ihr stellenden Herausforderungen.

Auch Cat und Severin, die in Libropolis zu Furias Freunden und zukünftigen Weggefährten werden, konnten mich mit ihren liebevoll gezeichneten Persönlichkeiten begeistern. Die Liebe, die zwischen den beiden Protagonisten wächst, verleiht der Geschichte Flügel, die mir in Zeiten des Kampfes wie kleine Seelenschmeichler agieren.

 Insgesamt finde ich das Werk von Meyer sehr gelungen, weshalb ich mich sehr auf den fantastischen Nachfolgeband freue, der laut Aussage des Autor bereits im Herbst 2015 erscheinen wird.

Gedanken und Ideen lösen sich in jeder Sekunde überall auf der Welt einfach in Wohlgefallen auf, keiner trauert ihnen nach, sie werden vergessen und sind fort. Selbst solche, die niedergeschrieben werden, verschwinden wieder. Tafeln werden leer gewischt, Bücher werden verbrannt. Nichts ist so vergänglich wie ein Gedanke.

Zitat, Seite 402

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