Machen Bücher einsam?

lesenslust über „Das geheime Leben der Bücher“ von Régis De Sá Moreira

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Auch Bücher brauchen Liebe!

Viele wünschen sich, sie könnten von Luft und Liebe leben. Er, der Buchhändler, lebt vom Lesen, denn nur dann hat er das Gefühl, geliebt zu werden. Seine Buchhandlung ist sein Universum, die Bücher sind seine Schützlinge. Und bei jedem Klingeln seiner Türglocke ist er immer wieder bereit, seine frohe Botschaft zu verkünden: Lesen hilft und macht glücklich

Kurzbeschreibung des Verlages

De Sá Moreira lässt uns in seinem Buch auf höchst ungewöhnliche Weise am Leben eines namenlosen Buchhändlers teilhaben. Man könnte „Das geheime Leben der Bücher“ als Ansammlung von Begegnungen in einer Buchhandlung bezeichnen oder auch als Einblick in die skurillen Gedankengänge eines schrulligen, einsamen und bücherhungrigen Mannes, aber nicht als eine Geschichte oder Erzählung mit Handlung und Tiefgang. Denn diese Inhalte scheinen tatsächlich nicht vorhanden zu sein. Es beginnt genauso unspektakulär wie es endet. Einfach so. So ist das eben.

Der namenlose Buchhändler hat es sich zur Gewohnheit gemacht, sich ausschließlich von Büchern zu ernähren. Nach jedem Kunden bedarf es lediglich einer Tasse Kräutertee, um den Erhalt der Lebensgeister aufrecht zu erhalten. Eine mutmaßlich eher schlechte als rechte Maßnahme, aber da er durch die 24-Stunden-Ladenöffnungszeit zudem nur wenig schläft, überrascht den Leser die teilweise sehr unwirsche und exzentrische Art des Buchhändlers nicht im Geringsten. Genauso wenig wie die Tatsache, dass dieser Mann weder Freunde zu haben, noch im engen Kontakt zu seiner Familie zu stehen scheint. Er begnügt sich mit täglichen Briefen seiner zehn Brüder und Schwestern, die wohl vielmehr aus Gewissensbissen als aus Liebe verschickt werden und quittiert sie mit kommentarlosen herausgerissenen Seiten aus Büchern, die er dann nicht mehr verkaufen kann.

Obwohl er den Gedanken nicht ertragen kann, dass ein Kunde vor verschlossener Tür steht, sind sie ihm zum größten Teil unangenehm. Paare scheint er dabei ganz besonders zu hassen. Wenn es ihm nicht gelingt, sich rechtzeitig unter dem Schreibtisch vor ihnen zu verstecken oder über die Treppe ins Obergeschoss zu flüchten, bombadiert er sie mit völlig verstörtem Gebrabbel, bis sie entsetzt zum Ausgang eilen. Mit jedem Dingeling Dingeling der Türglocke kündigt sich ein weiterer merkwürdiger Kunde im Laden an: vom Fatalisten über eine Dame in Schwarz mit Sense, Gott höchstpersönlich, einem Dalai Lama, einer Baronin, einer Frage oder den Zeugen Jehovas ist jede erdenklich schräge Persönlichkeit oder Erscheinung dabei. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass sie allesamt eine Schraube locker haben. Allen voran der Buchhändler.

So entstehen die merkwürdigsten Dialoge zwischen Menschen, denen man wohl weder persönlich begegnen, noch an ihren sinnlosem Geschwätz teilhaben möchte. Das Barometer des Fremdschämfaktors steigt ins Unermessliche. Ob diese Gefühlsregung jetzt dem Autor selbst oder seinen eigenartigen Protagonisten zuzuschreiben ist, kann ich auf Anhieb nicht beantworten. Allerdings führt dieses Buch bei mir unweigerlich zu dieser Emotion. Gefolgt von Irritation und mehreren großen Fragezeichen, die ununterbrochen über dem Buch zu schweben scheinen und sich auch zum Ende hin nicht verscheuchen lassen. Vielleicht fehlt mir für De Sá Moreiras Werk schlichtweg die Fantasie. Doch da auch viele andere Leser zu diesem Entschluss kamen, ist wohl die viel wichtigere Frage, wer über diese Gabe verfügt?!

Dass ich dieses Buch bis zum Ende durchgelesen habe, ist wohl den atmosphärischen und liebevollen Beschreibungen des Ladens und den seltenen aber durchaus schönen Zeilen über das Lesen und den Büchern im Allgemeinen zu verdanken. Noch nie habe ich etwas gelesen, dass so skurill und bizarr war, dass ich es am liebsten in die Tonne kloppen würde. Sorry De Sá Moreira, aber das übersteigt meinen Horizont um ein Vielfaches.

❤ ❤

 

2 Kommentare zu „Machen Bücher einsam?

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