Buchdruck vs. Digitalisierung..

lesenslust über „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan

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„Verloren im Schatten der Regale falle ich fast von der Leiter. Ich bin jetzt genau auf halber Höhe angelangt. Der Boden der Buchhandlung liegt tief unter mir, die Oberfläche eines Planeten, von dem ich mich weit entfernt habe. Die Regale türmen sich über mir auf, und dort wo sie enden, ist es dunkel – die Bücher stehen dicht an dicht und lassen kein Licht hindurch. Gut möglich, dass dort auch die Luft dünner ist. Ich glaube, ich habe eine Fledermaus gesehen.“

Zitat, Seite 11

Nach einer gescheiterten Karriere als Webdesigner ist Clay Jannon auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Ihm ist jede Arbeit recht, die Geld in die Kasse bringt. Und so entdeckt er beim Schlendern durch San Franciscos versteckte Gassen eine Stellenanzeige im Schaufenster von Mr. Penumbras Buchhandlung. Eine merkwürdige Buchhandlung, die rund um die Uhr geöffnet hat.

Voller Neugierde lässt er sich auf den Job in der sonderbaren Buchhandlung und die zu besetzende Nachtschicht ein. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkt er, dass in der staubigen alten Buchhandlung etwas nicht stimmt. Denn nicht nur die Anforderungen, die der Ladenbesitzer an die Tätigkeit im Laden knüpft, erscheinen Clay fragwürdig, sondern auch die Kundschaft des Ladens. Seltsame Kunden, die nicht nur äußerst selten, sondern auch auf höchst verstörte Weise in den Laden schneien. Nie scheinen sie Bücher zu kaufen, sondern sie ausschließlich zu leihen. Clay tippt bei ihnen auf Mitglieder eines dubiosen Buchclubs.

Bei den Leihbüchern handelt es sich um merkwürdige Exemplare aus dem hinteren Teil des Ladens, die Clay liebevoll als Ladenhüter bezeichnet, weil sie den normalen Besuchern verborgen scheinen. Beim verbotenen Blick in ihr Inneres bemerkt er, dass es sich um keine normalen Bücher sondern vielmehr um codierte Folianten handelt, deren Inhalt er nicht zu entschlüsseln weiß.

Gemeinsam mit seiner Freundin Kat und seinem Freund Mat entschließt sich Clay, dem Geheimnis der Bücher und den dubiosen Ladenbesuchern auf den Grund zu gehen. Ihre Reise führt sie bis in den düsteren Untergrund Londons…

„Bücher waren mal ziemlich Hightech, seinerzeit. Lang ist´s her.“

Zitat, Seite 117

Sloan wusste mich mit seinem Werk „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ zu irritieren und gleichermaßen zu unterhalten. Klingt merkwürdig, ist aber so. Meine Meinung zum Buch ist ungewohnt zwiespältig, was im Nachhinein betrachtet aber vielmehr auf die unglückliche Ankündigung des Buches durch die New York Times zurückzuführen ist, als auf die Geschichte selbst. Denn wer ein Buch als bezaubernde Liebeserklärung an die Welt der Bücher ankündigt und dann vielmehr mit einer Liebeserklärung an die Welt der Technik daherkommt, sollte sich nicht wundern, wenn die Leser hinterher enttäuscht sind. Kernpunkte dieses Romans waren für mich Google, Programmiersprachen & Typographie. Keine uninteressanten Themen, aber auch nicht die von mir erhoffte Thematik.

Zu Beginn der Geschichte erobern wir an Clays Seite die ungewöhnliche Buchhandlung von Mr. Penumbra. Eine Buchhandlung, die mit meterhohen Buchregalen und mysteriös codierten Ladenhütern aufwartet. An den Job im Laden sind nicht nur merkwürdige Anforderungen sondern auch die Begegnung mit dubiosen Gestalten gekoppelt, deren Lebensaufgabe sich ausschließlich um den für Clay unleserlichen Inhalt der Bücher aus dem düsteren Teil des Ladens zu drehen scheint. Eine Sekte?

Was als geheimnisvolle und spannende Entdeckungsreise beginnt, driftete mir leider irgendwann in ein viel zu virtuelles Rumgespinne ab. Auch wenn die Dinge vereinzelt sehr interessant zu verfolgen waren, beinhaltete das Buch mir insgesamt zu viel Fachgesimpel und zu googlelastige Passagen. Irgendwie ist die Geschichte ein freakiger Stilmix aus Alt und Neu. Das gebundene Buch auf der einen Seite, die digitalisierte Welt auf der anderen Seite. Auf einer Waagschale betrachtet, scheint Sloans Konzentration aber viel zu sehr auf der internetbasierten Welt zu ruhen, als auf die für mich viel spannendere Welt des gebundenen Buchs und sorgt daher für Disbalance.

Unabhängig von diesen Dingen birgt das Buch einen spannungsgeladenen, ereignisreichen und abenteuerlichen Trip in sich. Die Geschichte ist sicherlich nicht für jedermann etwas, könnte den ein oder anderen Google- bzw. Programmierfreund aber begeistern.

Über Google erzählt man sich heute, es sei wie Amerika selbst: immer noch die Nummer eins, aber unverkennbar dem Untergang geweiht. Beides sind Supermächte mit ungeheuren Ressourcen, aber beide werden von rasant wachsenden Rivalen verfolgt, die sie früher oder später überholen werden. Für Amerika ist dieser Rivale China. Für Google ist es Facebook.

Zitat, Seite 106

❤❤❤

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