Die Botschaft einer Katze..

lesenslust über „Cabo de Gata“ von Eugen Ruge

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„Ich erinnere mich an die Verzweiflung und an die Wut, die ich dabei empfand, denn in Wirklichkeit (…) ging es darum, dass ich meine Gewohnheiten über den Haufen warf, dass ich ein unausweichliches Ritual durchkreuzte, dass ich im Begriff war, die mir selbst auferlegte Arbeitsverpflichtung zu schwänzen.“

Zitat, Seite 11

Er lässt alles hinter sich. Seine Stadt, sein Land und sein bisheriges Leben. Er hat es satt, sich in den täglichen Wiederholungen seiner Gewohnheiten wiederzufinden und steigt in den Zug nach Süden. Im kalten Barcelona lässt er sich von seinem Bauchgefühl leiten und beschließt zum orangefarbensten Fleck auf der Wetterkarte weiterzuziehen: Cabo de Gata, einer Ortschaft im Südosten Andalusiens.

„Ungefähr auf halber Strecke am Wegrand, ein riesiges Schild, für dessen Übersetzung man eigentlich kein Wörterbuch braucht. Trotzdem schlage ich nach, weil ich nicht glaube, was ich da lese:

PARQUE NACIONAL CABO DE GATA – EL ULTIMO PARAISO DE EUROPA

Von jetzt an beginne ich die Minuten zu zählen, die bleiben, bis zum Paradies.“

Zitat, Seite 67

An der Mittelmeerküste angekommen findet er nichts vor, dass auf das scheinbare Paradies hindeutet: karge Landschaften, kalte Temperaturen und eigenbrötlerische Einwohner. Doch irgendwas hält ihn dennoch im tristen Fischerdörfchen; lässt ihn verharren, in der einsamen Pension einer alten Witwe.

Eines Tages begegnet ihm eine Katze. Eine Katze, in der er ein Zeichen sieht und die, so hofft er es, ihm eine Botschaft überbringt. Eine essentielle Botschaft, durch die sein Leben endlich eine Wendung nimmt.

„So gehe ich, mit gesenktem Blick, such den Boden ab. Muschelkalk knirscht unter meinen Füßen. Hin und wieder tauchen kleine Kieselfelder auf. Ich darf nicht stehen bleiben, seltsame Regel. Langsam gehen ist erlaubt. Ich schreite weiter, die Kiesel kratschen. Über mir schlagen die Möwen Alarm. Ich höre sie, sehe sie aber nicht. Mein Blick ist zu Boden gerichtet. Ich suche, suche … Wenn nicht, dann … Was dann? … Das Meer kichert. Es schwatzt. Das Meer atmet. Das Meer ist plötzlich still, einen Moment lang und noch einen … nur der Wind, der auf meinen Ohren herumorgelt – und dann ist es wieder da, das Meer. Meldet sich zurück, als hätte es mich hereingelegt: mit einem prustenden Lachen. “

Zitat, Seite 142

Ich streiche sanft über den Buchdeckel und betrachte erneut das Cover. Ein schönes Cover, ein interessanter Titel, ja selbst ein interessanter Klappentext. Dinge, die mich zum Kauf des Buches bewegten und mich dennoch in die Irre geführt haben. Denn entweder wollte der Funke nicht überspringen oder ich habe den Moment des Entzündens verpasst. Herr Ruge lässt mich nach dem Lesen seines Romans „Cabo de Gata“ irritiert und nachdenklich zurück, ja fast schon genervt, weil ich den Sinn dieser Geschichte nicht verstanden zu haben scheine.

Der Protagonist, dessen Name unbekannt bleibt, gelangt nach einer gescheiterten Beziehung und den eher kläglichen Versuchen als Schriftsteller Fuß zu fassen an einen Punkt in seinem Leben, der ihn zu einer radikalen Entscheidung treibt: alles hinter sich zu lassen. Er kündigt seine Wohnung in Berlin, verscherbelt seine Möbel und setzt sich mit kaum mehr Gepäck als einer Hängematte und ein paar Schreibheften in einen Zug Richtung Süden.

Von einem Bauchgefühl leitend lässt er sich im kalten und ungemütlichen Barcelona, seinem ersten Halt, ausgerechnet von einer Wetterkarte einer lokalen Zeitung ins scheinbar warme Cabo de Gata locken, dem Kap der Katzen – wie sich später herausstellt.

Obwohl der Ort an der Mittelmeerküste nicht annähernd das Paradies zu sein scheint, das er sich ausgemalt hat, beschließt er zu bleiben und findet sich schon nach kurzer Zeit in der Anhäufung kaum erwähnenswerter und täglich gleicher Verhaltensweisen wieder. Ein Aspekt, der seinem Leben nicht wirklich zu einem besseren verhilft.

Als er bei seinen täglichen Spaziergängen durch den Ort eines Tages einer rotgetigerten Katze mit grünen Augen begegnet, scheint ihm plötzlich alles daran zu liegen, sie zu seiner Wegbegleiterin zu machen. Denn er sieht in ihr ein Zeichen; vielmehr seine verstorbene Mutter, die ebenfalls rotgefärbte Haare und grüne Augen besaß und die ihm etwas mitteilen zu wollen scheint.

Die Katzenbotschaft, auch in Cabo de Gata nicht das zu finden, was er suche und vor allem es nicht während des bewussten Suchens zu finden, erscheint mir banal und kindlich. Soll das die große Botschaft des Autors sein? Benötigt Ruge tatsächlich eine über 203 Seiten lange Geschichte um zu dieser phänomenalen Einsicht zu gelangen? Ratlosigkeit macht sich breit.

Was ich dem Autor lassen muss, sind die liebevollen und lebendigen Zeilen von Naturschauspielen und die schrägen und durchaus amüsanten Schilderungen der Gedanken eines scheinbar rastlosen und in Cabo de Gata gestrandeten Mannes, die mich zumindest an der ein oder anderen Stelle gut unterhalten konnten. Was den Rest anbelangt muss ich passen. Ich vermute, dass ich es auch mithilfe mehrerer Anläufe nicht verstehen werde, was mir Eugen Ruge da eigentlich sagen wollte.

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