La pharmacie littéraire..

lesenslust über „Das Lavendelzimmer“ von Nina George

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„Ein Buch ist wie Mediziner & Medizin zugleich. Es stellt Diagnosen und ist Therapie.“ Zitat, Seite 37

Die Geschichte um das Lavendelzimmer ist wie ein Traum, aus dem man nicht mehr aufwachen will. Es ist die Geschichte von Freundschaft und Liebe, von Verlust und Neuanfang und vom Leben selbst. Es ist die Reise durch ein facettenreiches Frankreich und die Reise ins Innere eines Menschen.

Sie hat mich verzaubert. Ja, Nina George´s Geschichte hat mich unendlich berührt. Wie ein kleines Mäuschen bin ich durch sie gehuscht. Seite um Seite  habe ich Zimmer und Landschaften erkundet, konnte Gedanken lauschen und liebevolle Gesten der Liebe und Freundschaft erfahren. Ich wurde zum stillen Beobachter. Genoss die liebevollen Zeilen, die sich wie eine sanfte Hand an meine Wange geschmiegt und mich umschmeichelt haben.

„Das Lavendelzimmer“ erzählt die Geschichte von Jean Perdu, einem Buchhändler in Paris, der auf seinem Bücherschiff >pharmacie littéraire< Romane wie Medizin fürs Leben verkauft. Eine literarische Apotheke, die eine Gefühlsbibliothek beinhaltet und den Menschen helfen soll, ihre Leiden zu lindern. Und während Monsieur Perdu versucht, mit seinen Büchern anderen Menschen zu helfen, wieder Ordnung in ihr Leben zu bringen, wird dem Leser sehr schnell klar, dass es Perdus Leben selbst ist, dem Leidenschaft und Gefühl fehlt. Denn seitdem ihn die schöne lebenshungrige Manon eines Nachts verlassen hat, irrt er wie ein Blinder durch die Straßen des Lebens.

„Sie soff das Leben wie Champagner und begegnete ihm genauso: Sie wusste, dass das Leben etwas Besonderes ist.“ Zitat, Seite 284

Doch eines Sommers soll sich alles ändern: Manons Brief, den Monsieur Perdu erst einundzwanzig Jahre später zu öffnen wagt, veranlasst ihn, sein Leben in der Rue Montagnard hinter sich zu lassen und sich auf eine Reise in das Herz der Provence zu begeben. Der Heimat von Manon und dem Ort, von dem er hofft, ihn wieder zurück ins Leben holen zu können.

„Du und ich, Jean – wer weiß -, sind vielleicht aus dem Staub ein und desselben Sterns, und wir haben uns an seinem Licht erkannt. Wir haben uns gesucht. Wir sind Sternensucher.“ Zitat, Seite 140

„Wir bewahren alle die Zeit auf. Wir bewahren die alten Ausgaben jener Menschen auf, die uns verlassen haben. Und auch wir sind noch diese alten Ausgaben, unter unserer Haut, unter der Schicht aus Falten und Erfahrung und Lachen. Genau darunter sind noch die Ehemaligen. Das ehemalige Kind, der ehemalige Geliebte, die ehemalige Tochter.“ Zitat, Seite 141

Als eine besonders schöne Idee empfand ich zudem Monsier Perdu´s Gefühlsenzyklopädie. Ein Lexikon, das die Allerweltsgefühle der Menschen beschreibt und das ich furchtbar gerne eines Tages als alleiniges Werk von George im Buchhandel entdecken wollen würde.

„Saudade.

Die Sehnsucht nach der Zeit, als man ein Kind war, als die Tage ineinanderflossen und Vergänglichkeit keine Bedeutung hatte. Es ist das Geliebtwerden, das man nie wiederfindet. Es ist Hingabe, die man einmal erlebte. Es ist alles, was ein Mensch nicht in Worte fassen kann.“

Zitat, Seite 175

Als krönenden Abschluss findet man im Anschluss an die Geschichte ein paar Seiten voller Rezepte mit französischen Gerichten, denen man schon in der Geschichte begegnet ist; eine literarischen Notapotheke von Jean Perdu mit Dosierungsanweisung und eventuell auftretenden Nebenwirkungen und eine sehr ergreifende Danksagung der Autorin, durch die „Das Lavendelzimmer“ zu meinem persönlichen Lesehighlight 2013 geworden ist. Danke, Nina George – es war mir ein außerordentliches Vergnügen!

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