Sehnsüchte…

lesenslust über „Sterneneis“ von Krístin Marja Baldursdóttir

~*°..Die Story..°*~

Alt trifft Jung – das Aufeinandertreffen zweier Generationen.

Als bei Gunnur eingebrochen wird, beschließt sie übers Wochenende aufs Land zu fahren. Doch was als Flucht aus dem Alltag angedacht war, entwickelt sich zu einer echten Herausforderung. Denn die Innenarchitektin Sunna Lind drückt ihr die pupertäre Tochter Hugrún aufs Auge. Ein Mädchen, das Gunnur aufgrund ihrer zarten Erschienung auch das Reh nennt und sie aufs Land begleiten wird.

Doch das Reh ist kein Reh und Gunnurs Versuch, sich an das junge Mädchen heranzutasten wird mit Ablehnung und Desinteresse quittiert. Erst als Gunnur beginnt, Hugrún aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, schenkt die Heranwachsende ihr langsam aber sicher Gehör.

Aus Gunnurs Erzählungen entwickelt sich eine Reise in die Vergangenheit. Eine Reise, die bei Gunnur alte Wunden aufreisst und von Leid aber auch Glück gefüllt ist.

 

~*°..Meine Meinung..°*~

Dieses Buch hat mich wirklich enttäuscht. Es ist das erste Buch seit langem, dass meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnte. Während ich nach dem ersten Betrachten noch von dem bezaubernden Cover und dem niedlichen Titel angetan war, verflog meine anfängliche Euphorie schon nach wenigen Seiten. Denn anstatt Begeisterung machte sich Verwirrung breit. Die Geschichte, die an sich eine Menge Potential besitzt, wurde von Baldursdóttir derart merkwürdig und verworren erzählt, dass ich mich zwingen musste, sie bis zum Ende zu lesen. Meine Begeisterung hielt sich daher in Grenzen. Ja, es war wirklich ein Kampf.

Was man Baldursdóttir zugutehalten muss, ist ihr teilweise sehr gefühl- und fantasievoller Schreibstil. Doch während es ihr gelingt, die Vergangenheit der Protagonistin Gunnur auf sehr gefühlvolle und lebendige Weise darzustellen, erschien es mir, als verliere sie manchmal die Orientierung. Es wirkte, als drifte sie in ihrer eigenen Gedankenwelt ab, ohne zu bemerken, dass der Leser ihr einfach nicht folgen kann. Sie gibt ihm unendlich viele Denkanstöße, die unweigerlich zu noch mehr Fragen führen. Fragen, die es dem Leser relativ schwer machen, der Geschichte zu folgen.

Zudem wirkte Gunnurs Reise in ihre Vergangenheit, die in erster Linie Hugrúns Unterhaltung dienen soll, letzten Endes wie eine Art Selbsttherapie. Denn obwohl es Gunnur ist, die den Beruf der Psychiaterin ausübt, erschien es mir vielmehr, als therapiere Hugrún Gunnur und nicht umgekehrt. Eine Tatsache, die dem Roman nicht unbedingt Authentizität schenkt und ihn fiktiv erscheinen lässt. Mal ganz im Ernst: seit wann therapieren Jugendliche Erwachsene?Die Geschichte beginnt mit einem Einbruch. Einem scheinbar nächtlichen Einbruch, den Gunnur erst beim Aufwachen bemerkt. Denn sämtliche teure Gegenstände sind aus der Wohnung verschwunden. Kurz nachdem die Polizei die Lage erfasst, findet sich plötzlich ihre Innenarchitektin Sunna Lind bei ihr ein. Im Schlepptau hat sie ihre 14-jährige Tochter Hugrún, die Gunnur nur vom Sehen kennt. Und obwohl Gunnur mit dem Einbruch schon überfordert genug ist, drängt Sunna ihr die Tochter auf. Sagt, sie müsse einen wichtigen geschäftlichen Termin wahrnehmen, sie hätte ja eh noch was gut bei ihr. Also reisen Gunnur und Hugrún ins Sommer- bzw. Winterhaus der Familie. Ein Ort, der Gunnur stets Zuflucht geschenkt hat und an dem sie klare Gedanken fassen will.

Ich habe mich während der Geschichte immer wieder gefragt, was Baldursdóttir dazu bewegt hat, einem 14-jährigen verzogenen und rotznäsigem Gör den Spitznamen „Reh“ zu schenken? Hugrún ist kein Reh! Sie ist taktlos und ungezogen und wirft die meiste Zeit derart mit Kraftausdrücken um sich, dass man meinen könnte, sie hätte nie gelernt, sich anständig zu artikulieren. Sie war mir bereits nach wenigen Zeilen unsympathisch. Auch Gunnur, die, wie sich schnell herausstellte, eine sehr schwierige Kindheit durchlebte, wurde und wurde mir nicht sympathisch. Vielmehr verspürte ich Mitleid. Mitleid für eine Frau, die sich während der meisten Zeit ihres Lebens einreden lies, dass sie nichts tauge. Vorallem durch ihre Mutter. Wirklich erschreckend!

Doch was ist ein Roman mit Protagonisten, mit denen man sich weder identifizieren noch anfreunden kann? Was hilft einem die Botschaft der Autorin, wenn man sie nicht versteht? Es liegt klar auf der Hand, dass Hugrún von ihrer Mutter vernachlässigt wird und Gunnur eine schwierige Kindheit hatte. Aber schafft eine fantasievolle Reise durch die Vergangenheit den beiden Klarheit? Ändert das etwas an den Tatsachen? Was will Baldursdóttir uns damit sagen? Erzieht eure Kinder ordentlich, seid uneingeschränkt für sie da?Der Einbruch am Beginn der Geschichte, von dem man erwartet, dass er zumindest teilweise Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hat, ist völlig unerheblich. Er ist ebenso bedeutungslos wie die Tatsache, dass in China eben ein Sack Reis geplatzt sein könnte. Denn die Fahrt aufs Land scheint Gunnur ohnehin geplant zu haben. Man hätte ihn ebenso weglassen können. Auch hier erschloss sich mir Baldursdóttirs Gedankenwelt nicht. Warum etwas erwähnen, das ohnehin keinen Einfluss auf die Geschichte hat? Muss das sein? Fiel der Autorin sonst nichts ein?Ich bin mir sicher, dass keines der Bücher, die ich in diesem Jahr noch lesen werde, „Sterneneis“ toppen kann. Und damit meine ich nicht, eine Steigerung ins Postive sondern vielmehr den bedauernswert langweiligen und verwirrenden Zustand, in dem mir Baldursdóttirs Roman begegnet ist. So leid es mir tut, aber ich kann mich nicht entsinnen, jemals ein so nerviges Buch gelesen zu haben, das mir derart meine Kraft geraubt hat. Man kann seine Zeit sicherlich auch sinnvoller nutzen, als diesen Roman zu lesen. Auch Baldursdóttirs liebevolle Landschaftsbeschreibungen von Island können das Ruder nicht herumreißen. „Sterneneis“ bekommt daher nur zwei von fünf möglichen verirrten Sternchen, die auf dem See Pirouetten drehen.


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