Phantastisches Puppentheater…

lesenslust über „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ von Walter Moers

~*°..Ein Lindwurm entdeckt das neue Buchhaim..°*~

Hildegunst von Mythenmetz is back!

Nach 200 Jahren lässt ein rätselhafter Brief den Lindwurm erneut in die Stadt der träumenden Bücher reisen. Die beeindruckende Bücherstadt, die er einst lichterloh hinter sich gelassen hat um zur vertrauten Lindwurmfeste zurückzukehren.

Durch seinen Bestseller „Die Stadt der träumenden Bücher“, der von seiner jungfräulichen Reise in die Bücherstadt handelt, erlangte er Ruhm und Reichtum. Ein Aspekt, der ihn nicht nur dick sondern auch faul und überheblich hat werden lassen. Vom Orm, welches ihn einst durchfloss, ist er meilenweit entfernt, weshalb er sich im Schreiben belangloser Lektüren verliert. Einzig und allein die Leserbriefe, die ihm seine alltägliche Ration „Belobhudeltwerden“ schenken, scheinen seinem Leben noch einen Sinn zu schenken.

Doch nun findet sich Mythenmetz erneut in Buchhaim wieder. Er begegnet dabei nicht nur alten Freunden, sondern entdeckt auch, dass die Stadt neu zum Leben erweckt wurde. Denn Buchhaim ist aus der Asche auferstandenund scheint nun noch mächtiger als je zuvor. Ein magischer Sog umgibt ihn, der unaufhörlich an ihm zehrt…

~*°..“Ich hatte mich in Buchhaim immer schon so gefühlt, als wandelte ich durch ein illustriertes Buch, in dem sich die Bilder bewegen.“(Zitat, Seite 148)..°*~

Ich wage zu behaupten, dass sowohl die Ankündigung als auch der Aufbau des neuen Moers etwas unglücklich verlaufen ist. Während die Kurzbeschreibung von „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ den Leser auf eine spannendes Abenteuer in der Unterwelt Buchhaims hoffen lässt, wird er unweigerlich am Ende des Romans vor den Kopf gestoßen. Denn Moers neuestes Werk ist lediglich der erste Teil eines Zweiteilers und das eigentliche Abenteuer beginnt erst am Ende.
Dass sich Autor und Verlag dazu entschlossen haben, die Geschichte in zwei Teile zu verpacken, finde ich nicht weiter schlimm. Schließlich ist Moers für sein Ideenreichtum bekannt und es ist für mich nicht groß verwunderlich, dass nicht alle seine Ideen auf den 432 Seiten des neuen Buches Platz gefunden haben. Doch was mich enttäuscht, ist die Handlungsweise des Autors bzw. des Verlags, dem Leser diese durchaus wichtige Information erst am Ende des Buches zu gestehen und nicht schon am Anfang der Geschichte oder noch besser, bereits bei der Ankündigung des Romans. Denn dort hätte sie sicherlich für eine völlig andere Erwartungshaltung des Lesers gesorgt und wäre Enttäuschungen geschickt vorausgeeilt. Enttäuschungen, die jetzt warscheinlich unvermeidbar sind.

„Das Labyrinth der träumenden Bücher“ begegnet dem Leser wie ein etwas umfangreicherer Neugierde weckender Prolog, eine Vorgeschichte vor der eigentlichen Geschichte. Eine Art humoristisches und lebhaftes Sachbuch, das unsere Erinnerung scheinbar nicht nur auffrischen soll, sondern unser Wissen zudem um eine Fülle an Informationen bereichert. Wir begleiten den Protagonisten Hildegunst von Mythenmetz erneut nach Buchhaim. In ein neues Buchhaim. Einer Stadt, die sich nach dem großen Brand neu erfunden hat und die aus der Asche auferstanden ist. Nachdem Buchhaim am Ende von „Die Stadt der träumenden Bücher“ mitsamt dem Schattenkönig in Flammen aufging, blieb von der gigantischen Bücherstadt kaum mehr als Schutt und Asche übrig. Sie war verwundet, fast vollständig zerstört und zwang seine Bewohner zu einem radikalen Neuanfang. So entstanden neue Kulturen & Lebensstile, neue kulturelle Einrichtungen und neue Bewegungen. Kurzum eine neue Epoche. Eine Epoche, die literarisch sehr viel zu Tage brachte und das Stadtbild sichtbar prägte. Neue Viertel entstanden, die Architektur der Häuser veränderte sich und neue Arbeitsfelder wurden geschaffen. Neuerdings trifft Mythenmetz in der gesamten Stadt auf Puppentheater. Puppentheater jeglicher Art, bei denen der Fantasie des Betriebers keine Grenzen gesetzt sind. Das Puppaecircus Maximus soll dabei als das größte und beeindruckenste Theater aus dem Stadtbild herausragen. Hier werden die Werke der bedeutendsten Schriftsteller visuell wie akustisch in Szene gesetzt um sie den Bewohnern jeglicher Alterstufen nahe zu bringen. Auch Mythenmetz Werk „Die Stadt der träumenden Bücher“ findet hier seine ehrenvolle und atemberaubende Inszenierung. Sie begegnet einem wie eine Ode an die Stadt und Mythenmetz zugleich.

Ohne zu viel vorweg zu nehmen, sei erwähnt, dass Moers neuestes Werk definitv seine Längen hat. Mythenmetz nimmt von seinem bereits aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ bekannten Stilmittel, der Mythenmetzschen Abschweifung, erneut Gebrauch und nutzt sie bis ins schier Unermässliche. Sie raubt einem oft den Atem und stellt die Geduld des Lesers auf eine harte Probe. Doch ein Moers wäre kein Moers ohne dieses eigens kreierte Stilmittel. Keine Abschweifung ist amüsanter, kreativer oder unterhaltender als die von Moers. Ein Moers ist eben nicht bescheiden oder gar wortkarg. Seine Neigung auszuschweifen ist allgegenwärtig. Sie gehört zu ihm wie das täglich Bort und könnte fast schon als eine seiner prägnantesten schriftstellerischen Charaktereigenschaften bezeichnet werden.

Auch wenn Moers in „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ wieder mal mit neuen Begriffen, Wesen und Szenerien jongliert, als hätte er die Raffiniertesten eigens für sich gepachtet, gelingt es ihm nicht, mich auf derartig enthustiastische Art und Weise zu begeistern, wie es ihm mit dem Vorgänger gelungen ist. Was dafür fehlte, war ein Hauch Gefahr, eine Prise Abentuer und eine Pipette Spannung. Doch der zweite Teil lässt mich auf derartiges hoffen und daher ergattert „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ gnädige 4 von 5 stolzierenden Unterwasser-Marionetten für sich.

6 Kommentare zu „Phantastisches Puppentheater…

    1. Also ich muss schon sagen, dass ich den Preis des Buches für eine in erster Linie so enttäuschende Vorgangsweise (Zweiteiler) recht hoch und fast schon frech finde. Es wird nicht ausbleiben, dass du an manchen Stellen enttäuscht bist. Dennoch bin ich mir sicher, du wirst deinen Spaß haben. Und das Taschenbuch erscheint sicherlich erst ziemlich spät. 😦

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    1. Ich hab versucht, das Werk unabhängig von dieser Zweiteiler-Geschichte zu bewerten. Ich finde, auch wenn es seine Längen hat und der Geschichte an Spannung fehlt, glänzt es durch Ideenreichtum. Der Puppetismus, die Biblioarten, allein die Veränderung Buchhaims hat mich enorm begeistert. Ich hab mit mir gerrungen, wollte ihm erst nur 3 Sterne geben, aber letztendlich hab ich mich dann doch für 4 entschieden. Warum? Moers begeistert mich einfach immer wieder. „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ hat mich nicht ganz so begeistert wie sein Vorgänger, aben eben trotzdem. nur auf eine andere Art und Weise. ;-P

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      1. Mensch, jetzt bin ich ganz durcheinander gekommen mit den Kommentaren – hier hast Du das mit dem Puppetismus und den Biblioarten geschrieben 😉
        Also nochmal an der richtigen Stelle: Den Puppetismus finde ich auch toll, aber viel, viel, viel zu lange ausgewalzt, und die Biblios fand ich nicht sehr inspiriert. Mir hat der Meta-Kommentar gefehlt, der in der Stadt der träumenden Bücher irgendwie überall und ständig zu finden war.
        Aber vielleicht bin ich ja auch übermäßig streng, weil ich mich so sehr auf das Buch gefreut hatte…

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      2. Du wirst es nicht glauben, aber irgendwie bin ich jetzt am Grübeln, ob nicht doch 3 Sterne genug gewesen wären. Ich weiß was du meinst, auch ich hab mich riesig über das Buch gefreut und war nicht minder enttäuscht, als ich herausfand, dass die eigentliche Geschichte erst am Ende beginnt. Es fehlte einfach der Hauch Abenteuer und die Prise „Buchhaimer“ Gefahr. Nichtsdestotrotz fand ich das Buch gut. Die Biblio-Arten fand ich witzig und erfrischend. ;-P

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