Schicksalsschläge…

lesenslust über „Tochter des Nordens“ von Julia Kröhn

~*°..911, Die Hafenstadt Rouen im Norden Frankreichs..°*~

Zwei Frauen, ein Schicksal.

Runa ist eine junge Frau aus Norvegur. Sie lebt ein einfaches Leben und ist dennoch glücklich. In der Natur fühlt sie sich geborgen, der Wechsel der Zeiten hat sie hart und widerstandsfähig gemacht. Doch als ihr Vater sie dazu zwingt, mit ihm ins südliche Nordmännerland auszuwandern, begegnet sie ihm mit Widerwillen. Sie hasst es, ihre Heimat verlassen zu müssen und muss sich dennoch fügen. Auf hoher See bleibt ihr kaum Zeit, sich mit dem Gedanken an eine Umgebung anzufreunden, denn ihr Vater wird ermordert und Runa bleibt plötzlich alleine zurück. Sie sieht nur einen Ausweg: der Sprung ins Meer und das Land in nicht allzu weiter Ferne…

Gisla ist die uneheliche Tochter des fränkischen Königs Karl und lebt das Leben einer Adeligen. Doch als ihr Vater sie an den Wüstling Rollo, dem Anführer der Nordmänner, verspricht, beginnt ihre heile Welt zu bröckeln. Ein gemeinsamer Plan mit ihrer verzweifelten Mutter Fredegard verhilft ihr, der Hochzeit mit Rollo zu entkommen. Vorerst. Denn was anfänglich erfolgreich scheint, bringt sie bald schon in ein riskantes Unterfangen und der eigentliche Kampf beginnt erst jetzt…

Der Kampf ums Überleben.

~*°..Meine Meinung..°*~

Julia Kröhns Roman kostete mich anfangs sehr viel Überwindung und Durchhaltevermögen. Als unerfahrener Leser von historischen Romanen gestaltete „Die Tochter des Nordens“ mir meinen Einstieg in das Genre nicht unbedingt einfach. Die Sprache erschien mir anfangs übertrieben hochgestochen und unnötig ausschmückend, später relativ ruppig und ordinär. Nicht immer gelang es mir, dem Verlauf der Geschichte auf Anhieb zu folgen. Ich musste zurückblättern, Kapitel erneut lesen und Notizen machen. Aspekte, die mich den Roman weitaus später beenden ließen, als ich die ohnehin sehr umfangreiche Geschichte von 528 Seiten im Normalfall beendet hätte. Doch kommt Zeit, kommt Rat. Denn mit jeder Seite des Buches gelang es mir, den Ereignissen besser folgen zu können. Die Geschichte gewann an Fahrt und ließ mich bald schon eintauchen, in eine längst vergangene Epoche. Mit der Zeit begriff ich, dass die Grundverschiedenheit der angewandten Sprache durchaus gewollt war. So schenkte die Autorin den unterschiedlichen Naturen der Protagonisten Autentizität und Lebendigkeit zugleich. So schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe.

Kröhn entschied sich zu einem stetigen Wechsel der Zeiten. So findet der Leser sich in verschiedenen Zeiten der Geschichte wieder. Historische Zeitpunkte, die 25 Jahre auseinander liegen und durchweg für eine Menge unbeantworteter Fragen sorgen. Doch damit gelang es ihr, den Leser Teil der Geschichte werden zu lassen. Ihn mitfiebern, miträtseln und Weggefährte der beiden Frauen werden zu lassen. Auch der Wechsel der Standorte und der Erzählperspektiven sorgte für ordentlich Verwirrung und zwang den Leser unweigerlich, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. So erzählen uns nicht nur Runa und Gisla ihre Geschichte, sondern auch ein Dritter von den Ereignissen in einem Kloster Saint Ambrose in der Normandie im Jahr 936. Das Zuhause einer Äbtissin, die mehr in die Geschichte verwoben ist, als es anfänglich scheint.

Kröhn gelingt es in ihrer Geschichte sehr gut, mit dem Leser zu spielen. Sie steigert seine Neugierde ins schier Unermässliche. Durch den Sprung durch die Zeiten verleiht sie der Geschichte zudem nicht nur Abwechslung und Spannung sondern schenkt ihr auch den Hauch des Ungewissen. So wurden Geheimnisse sehr spät gelüftet und zogen sich allgegenwärtig durch die Geschichte. Der Kontrast der Hauptprotagonisten prägte die Geschichte. Ihre persönliche Lebensgeschichte und Vergangenheit ließ mich eine Menge historischer Begebenheiten und Details erfahren und zumindest ein bisschen Blut für historische Romane lecken, wennauch ich Romane aus anderen Genres bevorzuge.

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