5 besondere Menschen…

lesenslust über „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ (Dvd)

Hinweis:

Bisher hat es hier nur Bücherbesprechungen gegeben. Da ich allerdings schon eine Menge gelungener Buchverfilmungen gesehen habe, die es meines Erachtens verdient haben, weiterempfohlen bzw. gesehen zu werden, möchte ich zukünftlich meine Rezensionen um Besprechungen über Verfilmungen erweitern. Ich hoffe, dass ihr euch den ein oder anderen Film notiert und genauso viel Vergnügen mit ihnen haben werdet wie ich. Ich werde bei allen Besprechungen primär auf den Inhalt bzw. auf die Umsetzung des Filmes eingehen. Technische Details können bei Interesse selbst recherchiert werden.

~*°..“Diese Geschichte beginnt mit ihrem Ende. Denn jedes Ende ist gleichzeitig auch ein Anfang.“

Es ist Eddies Leben das hier zu Ende geht. Eddie, ein alter Mann mit wettergegerbter und zerfurchter Haut, erschöpft vom Leben. Sein trauriger Blick schweift über einen Vergnügungspark namens Ruby Pier. Sein Zuhause, ein Leben lang.
Hier arbeitet er als Wartungsarbeiter und ist allen bekannt als Eddy Maintenance. Maintenance, die Pflege und Reparatur von Fahrgeschäften, ein trostloser und undankbarer Job. Eigentlich wünschte er sich immer mehr vom Leben, ein besseres Leben. Doch alles kommt anders und Ruby Pier wird zu seinem Lebensmittelpunkt. Dem Ort, wo er die meiste Zeit seines Leben verbringt. Und hier soll es enden.

Es ist sein 83. Geburtstag: Als er versucht ein kleines Mädchen vor einem herbstürzenden Wagen eines Fahrgeschäfts zu retten, stirbt er. Alles, an das er sich erinnern kann, sind zwei kleine Kinderhände, die er umfasst. Danach verschwimmt alles.

Er findet sich im Jenseits wieder. Das Jenseits, uns bekannt auch als Himmel. Hier soll er fünf Menschen begegnen. Fünf Menschen, die Teil seines Lebens waren, das seine gekreuzt haben, bewusst oder unbewusst. Jede Begegnung geschah aus einem bestimmten Grund. Und nun gilt es, diese Gründe zu verstehen.

Es ist Gottes größtes Geschenk an ihn: sein Leben zu begreifen, im Nachhinein. Deswegen ist er dort.


~*°..Die Vorlage für den Film

Es handelt sich hierbei um die Literaturverfilmung des Romans „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ von Mitch Albom.

Mitch Albom begeisterte mit seinen Büchern „Dienstags bei Morrie“, „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“, „Ein Tag mit dir“ und „Damit ihr mich nicht vergesst“ weltweit unzählige Leserinnen und Leser. Auch sein Roman „Dienstag bei Morrie“ wurde verfilmt und basiert auf wahren Begebenheiten des Autors.

Seine Bücher wurden in 36 Sprachen übersetzt und waren Nummer-1-Bestseller.
Er lebt mit seiner Frau Janine in Michigan.

http://www.mitchalbom.com

~*°..“Es geht im Leben nicht um Gerechtigkeit. Wäre es so, würden gute Menschen nie jung sterben.“(Zitat, blauer Mann)

Der Film beginnt.

Man hört Kinder lachen, sieht Fahrgeschäfte in rasender Geschwindigkeit an einem vorbeirauschen, Zuckerwatte und gebrannte Mandeln in gierige Münder verschwinden, Clowns und fantastische Kreaturen herumirren und Luftballons im Wind tanzen. Wir sind angekommen: in Ruby Pier. Der fantastischen und bunten Welt eines Vergnügungsparks. Leichte und beschwingte Musik dringt an unser Ohr. Schnell macht sich kindliche Freude breit. Man wünscht sich dorthin, will nirgendwo anders sein.

Inmitten dieses Getümmels sitzt ein alter Mann. Eddie. Sein Blick ist traurig, seine Gedanken abwesend. Haut und Körper sind vom Leben gezeichnet. Er ist schwach und müde vom Leben. Doch es scheint, als gehöre er nirgendwo anders hin. Die Musik wechselt zu nachdenklichen, fast schon melancholischen Tönen. Wir lassen uns mitreißen, schwelgen in seiner Erinnerung.

Eines der Fahrgeschäfte fällt aus. Ein Wagen voller Fahrgäste steckt in schwindelerregender Höhe fest und bewegt sich nicht mehr. Ein Kabel beginnt zu reißen. Der Wagen baumelt. Die Fahrgäste schreien, panisch und angsterfüllt fürchten sie um ihr Leben. Doch die Retter nahen und jeder einzelne kann befreit werden. Glück im Unglück?
Die Kabel reißen weiter. Der Wagen droht abzustürzen. Am Fuß des Fahrgeschäfts sitzt ein kleines Mädchen. Unwissend und fröhlich spielt es mit einer Puppe. Eddie erkennt die Gefahr und eilt zu ihr. Doch es ist zu spät. Das Kabel reißt und der Wagen stürzt ab. Hände werden zum Mund gerissen und kaltes Entsetzten mach sich breit. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Ein tragischer Unfall.

Lloyd Kramers Verfilmung zu Alboms Bestseller „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ hat mich vom ersten Moment an mitgerissen. Farben, Musik und Bilder haben derart miteinander harmoniert, dass man meinen könnte sie wären eigens füreinander geschaffen worden. Da waren liebevolle und fast schon unscheinbare Szenen, die dem Film sehr viel Stärke verliehen; fantastische Aufnahmen, die ihm eine besondere Magie schenkten und dramatische und brutale Szenen, die der Geschichte Autentizität verliehen.

Durch ein raffiniertes Wechselspiel der Farben gelang es Kramer, die unterschiedlichsten Gefühlszustände von Eddie und seiner Umgebung farblich widerzuspiegeln. Er wählte traumhafte Landschaften als Kulisse und ließ mich durch unterschiedliche Kameraführungen verschiedene Blickwinkel einnehmen, auch wenn die Geschichte hauptsächlich aus Eddies Perspektive erzählt wird. Er orientierte sich streng an die Reihenfolge der Erlebnisse aus dem Buch und verzichtete dabei nicht auf die mir so vertrauten und ins Herz geschlossenen Dialoge. Es sind genau die Dialoge, die Alboms Geschichte so besonders werden lassen, die uns eine Botschaft überbringen und uns zum Nachdenken anregen.

„Wenn die Menschen aufhören Opfer zu bringen, verlieren sie ihre Menschlichkeit. Es ist ihre nobelste Geste.“
„Sie verloren alles.“
„Darum geht es, wenn man sich opfert. Es scheint, als würde man etwas verlieren. Aber in Wirklichkeit gibt man es nur einem anderen weiter.“

(Zitat, Captain/Eddie)

David Hirschfelders Musik sorgt für eine unaufdringliche und perfekte Untermalung, die sich durch den gesamten Film zieht. Mal leicht und beschwingt, mal melancholisch, mal angsterfüllt. Wie ein Soundtrack für Eddies Leben passt er sich all seinen Gemütslagen an. 150 Minuten später schwirren noch immer Hirschfelders Klänge in meinem Kopf umher, tanzen weiter, lassen mich nicht los. Wie der Soundtrack meines Leben wohl klingen würde?

Die Besetzung der Rollen schien mir perfekt. Egal ob es dabei um einen Haupt- oder Nebendarsteller ging. Sie besaßen alle ihren individuellen Charme. Es blieb mir sogar der ein oder andere Statist in liebevoller Erinnerung (z.B. die dicke Dame). Ich hab mich daher beschlossen, nur auf ein paar wenige Rollen einzugehen, weil es zum einen sonst den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde und ich euch zum anderen den Überraschungseffekt rauben würde. Viele der Figuren sollten von euch selbst entdeckt werden. Sie entfalten sich während des Films zu bezaubernden Individuen.

Eddie wird von einem großartigen und mittlerweile ergrauten Jon Voight (Ali, Transformers) gespielt. Er lebt die Rolle, schenkt ihr ein derart autentisches und lebensechtes Bild, dass ich keine Sekunde lang an ihm zweifle. Eddie ist bewundernswert selbstlos. Obwohl ihm das Leben übel mitspielt bleibt er sein ganzes Leben lang liebevoll und aufopfernd. Der Krieg hinterlässt unweigerlich seine Spuren an ihm, die ihm so manchen Alptraum bescheren. Er verliert die Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Demütigungen des Vaters gehen nicht spurlos an ihm vorüber. All das setzt sich in seinen Gliedern fest und lässt ihn stark und gebrechlich zugleich wirken.

Seine Frau Marguerite, die von der bildhübschen Dagmara Dominczyk (Syriana, Monte Cristo) verkörpert wird, verleiht Eddies besserer Hälfte derart viel Charme, dass man sie um ihre Ausstrahlung beneidet. Ihre Ausstrahlung bewirkt, dass selbst ein großartiger Voight an ihrer Seite ein wenig verblasst. Sie besitzt ein wirklich einzigartiges Wesen, bezaubernd und stark zugleich. Man verliert sich schnell in ihrem Lächeln. Als Paar sind sie unschlagbar, wie füreinander geschaffen. Für Eddie bedeutet sie alles. Selbst nach ihrem Tod.

„Wahre Liebe bleibt bestehen, Eddie. Nur in anderer Form, sonst nichts. Man kann die Hand nicht halten oder das Haar streicheln. Und wenn diese Gefühle schwach werden, Eddie, dann hilft dir nur die Erinnerung. Die Erinnerungen werden dein Partner. Du hälst ihn. Du tanzt mit ihm. Das Leben muss enden, Eddie. Liebe nicht.“

(Zitat, Marguerite)

Ruby, deren Mann den gemeinsamen Vergnügungspark nach ihr benennt, ist eine von Eddies 5 Begegnungen. Oskar- und Golden-Globe-Gewinnerin Ellen Burstyn (Requiem for a dream) könnte nicht besser gewählt sein. Sie spielt die liebevoll gealterte Ruby mit Stolz und Würde. In ihrem prachtvollen Gewand schwebt sie elegant über die Bühne. Ihre Geschichte rührt uns zu Tränen und doch gelingt es ihr, dass sich unsere Lippen am Ende zu einem Schmunzeln formen. Ein starker Auftritt, der mir sicherlich nicht alleine in Erinnerung bleiben wird.

„Zorn ist giftig. Er frisst uns innerlich auf. Wir glauben, wen wir jemanden hassen, tut es ihm weh. Hass ist ein zweischneidiges Schwert und das Leid, dass wir anderen zufügen, schmerzt auch uns selbst.“

(Zitat, Ruby)

Alboms Geschichte mag einigen von euch vielleicht zu fantastisch wirken. Doch die Vorstellung von einem paradiesähnlichem Himmel, in dem es weder Kummer noch Sorgen gibt, erscheint mir um einiges unrealistischer.
Mir gefällt die Idee, dass jeder einzelne von uns sich sein Dasein im Himmel erarbeiten muss. Dass wir die Gelegenheit bekommen, den fünf wichtigsten Menschen unseres Lebens erneut zu begegnen. Neugierig darauf, ob wir uns an sie erinnern können, oder nicht. Dass wir uns unseren Ängsten stellen müssen, um mit ihnen abzuschließen. Und wir damit auch anderen Menschen die Möglichkeit geben, mit ihrem Leben ins Reine zu kommen. Das Kapitel des Lebens abzuschließen.

Es zeigt, wie die unterschiedlichsten Leben der Menschen miteinander verwoben sind. Wie das Leben ein einzigartiges Beziehungsgeflecht ist. Wie jede Begegnung von Bedeutung ist und nichts ohne Grund geschieht. Der Sinn des Lebens, ja – was ist er nun? Der Sinn des Lebens.

Deswegen ist Eddie dort. Um das Leben zu begreifen, im Nachhinein.

3 Kommentare zu „5 besondere Menschen…

    1. Liebe Ulrike,

      diese Geschichte ist eine Offenbarung. Ehrlich wahr! Sie räumt mit sämtlichen Klischees hinsichtlich dem Leben nach dem Tod auf und vermittelt dir eine völlig neue Sicht auf das Leben und die Begegnungen mit Menschen. Ich habe das Buch während meinem Studium auf englisch gelesen und daher wurde es von allen Seiten betrachtetn und analysiert. Vor allem die Originalausgabe ist mega ergreifend und der Film greift viele Aspekte auf und setzt sie authentisch um. Lesenswert, sehenswert, ob auf englisch oder deutsch. Einfach toll. Lies dieses Buch!!

      Gefällt 1 Person

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