Unperfekte Perfektion…

lesenslust über „Für immer und eh nicht“ von Heike Wanner

„Wir nehmen einfach einen arbeitslosen Schutzengel, formen ihn zum Traummann um und schicken ihn auf die Erde zu einer alleinstehenden Frau.“

Zitat, Seite 9

Als es beim wöchentlichen Team-Meeting im Himmel zwischen Adam und Eva zu einer hitzigen Diskussion kommt, beschließt Jesus Evas Denkanstöße eine Chance zu geben und ruft das Projekt EfüSi – Engel für Single ins Leben. Eva ist sich sicher, eine Frau kann mit jedem Mann glücklich werden, wenn er nur die richtigen Eigenschaften besitzt. Adam glaubt, der perfekte Mann für eine Frau existiert nicht. Was entspricht nun der Wahrheit? Zeit es herauszufinden.
Als Versuchsengel wird der arbeitslose Schutzengel Raphael auf die Erde gesandt. Zielperson ist Theresa Neumann aus Wiesbaden, 38 Jahre alt, Apothekerin und seit elf Monaten Single. Der Mann ihrer Träume ist adlig, Schloßbesitzer und himmlisch gutaussehend.

Ein Leichtes für das Projekt-Team. Raphael wird zu Raphael von Hohenberg, ledig, Schloßbesitzer und überaus charmant. Und wie es der „himmlische Zufall“ so will, begegnen sich die beiden während ihrem Urlaub in Kapstadt.

„Ungläubig starrte ich auf das Spiegelbild, das in diesem Moment eingefangen wurde: Es zeigt das fein geschnittene Gesicht eines Mannes mit dunklen Haaren und hellblauen Augen, die mich neugierig beobachteten. Seine sanft geschwungenen Lippen verzogen sich zu einem hinreißenden Lächeln. Langsam ließ ich den Spiegel sinken und drehte mich um.“

Zitat, Seite 27

Eine Begegnung fürs Leben? Oder entspricht der perfekte Raphael doch nur Theresas imaginären Traumbild von einem Mann? Ist eine Beziehung mit zu viel Perfektion zum Scheitern verurteilt?

„Zögernd entfernte ich Ken aus Barbies Armen und drückte ihr stattdessen Ernie an die Brust. Die weiche Puppe passte sich dem Plastikkörper mühelos an. Mehr noch, es sah sogar so aus, als ob sich Barbie glücklich an ihn schmiegen würde. „Ist es das, was du willst?“, fragte ich sie.“ Natürlich antwortete sie nicht. Aber ihre Arme gaben Ernie selbst dann nicht frei, als ich die beiden zusammen in den Karton legte.“

Zitat, Seite 258

Heike Wanner hat mit ihrem Roman „Für immer und eh nicht“ nicht nur für gute Unterhaltung gesorgt sondern sich während ihrer Geschichte auch mit einem allgegenwärtigen Thema auseinandergesetzt. Nämlich der Fragestellung: Gibt es den perfekten Traummann? Und wenn ja, kann eine Frau mit ihm glücklich werden?

Das Buch beginnt mit einem himmlischen Prolog, der, obwohl er unterhaltsam war, mir den Einstieg in die Geschichte zugegeben etwas schwierig machte. Das himmlische Zusammentreffen von Jesus & Co hat mich anfangs doch etwas irritiert und ich war mir nicht ganz so sicher, ob Wanners Roman das Richtige für mich ist. Als sich die Geschichte danach sehr amüsant entwickelte, drängte sich diese Frage jedoch immer mehr in den Hintergrund. Auch wenn der Verlauf der Geschichte sicherlich vorhersehbar ist, glänzt Wannners Roman durch einige sehr humorvolle Stellen, die durch abwechslungsreiche Geschehnisse sehr zur Unterhaltung des Lesers beitragen.

Die Charaktere, allen voran die Protagonistin Theresa sind liebevoll beschrieben. Ihr Wesen war mir auf Anhieb sympathisch, auch wenn ihre Traumvorstellungen von einem Mann sehr märchenprinzmäßig und dadurch klischeehaft erschienen. Tagträumereien, die warscheinlich bei vielen Frauen auch nicht weniger realistisch ausfallen?! Raphael, der vom Himmel gesandte Schutzengel, der fortan als ihr männlicher Begleiter glänzt, hat mich zwischenzeitlich etwas genervt. Er war mir an vielen Stellen einfach zu lieb und aufopfernd und dadurch ganz schön langweilig. Als existiere er nur, um Theresa glücklich zu machen. Mal ehrlich, wo gibts denn sowas? Harald hingegen, der beste Freund ihres Bruders Sebastian, hatte durch sein freches und natürliches Erscheinen von Anfang an meine Sympathien auf seiner Seite. Perfekt ist eben nicht gleich perfekt. Das scheint auch Theresa irgendwann zu bemerken. Theresas Familie nahm zudem einen großen Teil des Romans ein und die verrückte Sippschaft schenkte der Geschichte oft sehr viel mehr Leben als der perfekte Raphael.

Wanners Umgang und Umsetzung mit dem Thema „Traummann“ mithilfe von Barbie, Ken und Ernie aus der Sesamstraße war wirklich sehr kreativ und innovativ. Ich kann es mir allerdings nicht verkneifen, mich an dieser Stelle zu fragen, ob es tatsächlich nötig ist, dass zwei erwachsene Menschen Ende 30 die Hilfe von Kinderspielzeug benötigen um ihre Gefühle auszudrücken?! Hätte man die Figuren als Anfang, Mitte Zwanzig dargestellt, hätte ich mich darauf vielleicht noch etwas mehr eingelassen, aber so erschien mir das Ganze doch etwas zu kindisch und unreif.

Dass man den Traumbildern oder scheinbaren Idealen von Männern, die oft zig Werbeplakate zieren als Frau nicht allzu viel Beachtung schenken sollte, zeigt Wanners Roman recht gut. Perfektion drückt sich nicht nur durch Äußerlichkeiten oder materielle Dinge aus, sondern meist durch den Charakter des Menschen oder die Sympathie bzw. Harmonie zwischen zwei Menschen. Dinge, die man in jungen Jahren sicherlich nicht hören möchte, früher oder später aber jeder Frau klar werden.

❤❤❤❤

Ein Gedanke zu “Unperfekte Perfektion…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s