Gefühle im Essen schmecken…

lesenslust über „Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen“ von Aimee Bender

~*Die Story*~

Rose ist zarte 12 Jahre alt, als das Ganze beginnt.

Sie taucht ein, in eine ihr völlig unbekannte Welt. Sie entdeckt eine sonderbare Begabung: sie schmeckt die Gefühle von anderen aus dem Essen.

Anfangs verzweifelt und völlig überfordert mit der Situation, vermutet sie, krank zu sein, sucht nach den Ursachen dieser ungewöhnlichen Empfindungen und wird von ihrem Umfeld kritisch beäugt. Man vermutet eine Esstörung. Glaubt, sie leide an Wahnvorstellungen. Keiner glaubt ihr. Keiner, bis auf eine Person: George. Der beste und einzige Freund ihres Bruders Joe. Joe, ihrem sonderbaren Bruder.

Langsam, ganz langsam lernt sie ihre Empfindungen richtig einzuordnen. Schmeckt Verzweiflung, Enttäuschung, Wut. Definiert den Bauern, das Feld, den Zuchort. Alles scheint sich zu vereinen und wieBallast auf ihre Schultern zu laden. Sie ist gezwungen, ihr Essverhalten zu verändern. Ihr Alltag wird zur Herausforderung.

Eines Tages schmeckt sie aus dem Essen der Mutter eine zarte Verliebtheit heraus und weiß genau, dass diese Gefühle nicht ihrem Vater gelten.

Ein Geheimnis, das ihr allein zuteil wird und nicht das letzte Geheimnis bleiben soll…

~*Meine Meinung*~

Das Cover des Buches gefiel mir auf Anhieb. Durch seine Leichtigkeit und farbenfrohe Frische erschien es mir wie eine Einladung, die ich gerne annahm. Den Titel finde ich zudem sehr originell und als genau das richtige Lockmittel um Leser für sich zu gewinnen. Wie man sieht, hat es bei mir geklappt.

Die Geschichte bezaubert den Leser mit ihrer Außergewöhnlichkeit. Die Begabung, die Gefühle anderer aus dem Essen zu schmecken erschien mir anfänglich noch als Glücksgriff und wahnsinnig spannend. Die Autorin hat mir jedoch sehr schnell die Konsequenzen gezeigt, die durch diese Begabung resultieren. Nicht immer kocht man mit guter Laune, Verliebtheit oder Tatendrang. Auch Wut, Unzufriedenheit und Enttäuschung mischen sich unter und geben dem Essen einen unangenehmen Beigeschmack. Sie stellen für Rose, der Hauptprotagonistin der Geschichte, schier unüberwindbare Hürden dar und führen unweigerlich zu extremen Situationen. Wie zum Beispiel dem Tag, an dem Rose sich vor Verzweiflung den Mund aus dem Gesicht reißen und sich mit dem Messer den Geschmack von der Zunge schaben möchte. Eine Situation, die für mich pure Verzweiflung und so viel Gefühl verkörperte, dass ich ensetzt war.
Nicht die einzigste Stelle im Buch, in der es der Aimee Bender gelingt, mir mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Empathie eine Welt aufzuzeigen, über die ich mir sonst sicherlich nie Gedanken gemacht hätte. Zu behaupten, dass es Menschen gibt, die eine derartige Begabung besitzen, ist vielleicht zu weit hergeholt. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass der ein oder andere unter uns sicherlich über ein besonderes Gespür oder einen besonders intensiven Geschmackssinn verfügt, welcher ihm ähnliche Nuancen aus dem Essen herausschmecken lässt.

Innerhalb der Geschichte offenbaren sich der kleinen Rose eine Menge Geheimnisse. Sie betritt die Welt der besonderen Empfindungen und Geschmäcker und nimmt uns auf ihre Reise mit. Wir sind ihre Wegbegleiter und dürfen sowohl an ihren Geschmacksexplosionen als auch Geschmacksfehltritten teilhaben.
Doch nicht nur Rose allein lässt die Geschichte zum Leben erwecken. Neben ihr spielt auch Joe, ihr verquerer Bruder eine wichtige Rolle. Er begegnet mir als ein Eigenbrötler. Lebt in seiner eigenen Welt, verlässt oft tagelang sein Zimmer nicht. Es scheint fast, als wäre er autistisch. Die Entwicklung seiner Person ist für mich jedoch ein negativer Aspekt des Buches. Ohne zu viel zu verraten, sei so viel gesagt: sie erschien mir derart fantastisch, unrealistisch und einfach zu strange, dass es mich gestört hat. Etwas, das ich einfach unnötig fand. Keine Ahnung, was Frau Bender mir durch seine Person zeigen wollte.

Alles im Ganzen hat mich Bender mit ihrem Roman sehr gut unterhalten und mir ein paar neue Denkansätze gegeben, auf die ich ohne ihren Roman sicherlich nicht gestoßen wäre.

Eine Geschichte, die berührt, fasziniert und sich von der einfachen Unterhaltungsstruktur abhebt! Weiter so, Frau Bender!

3 Kommentare zu „Gefühle im Essen schmecken…

    1. Wobei ich da wirklich zugeben muss, meine Probleme gehabt zu haben. Irgendwie wars ne strange Story, aber ein toller Ansatz. Nur die Umsetzung hätte noch etwas harmonischer laufen können. Bin gespannt, was du sagst. Lass es mich doch gerne wissen, vlg Steffi

      Gefällt mir

      1. jepp, ich weiß, was du meinst, ich hab es angelesen und dann erst einmal meiner Kollegin gegeben. Sie gab es mir wieder: „also, so richtig hab ich es nicht verstanden“, seitdem SuBt es bei mir… ich lasse es dich wissen *zwinker*

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s