Ein fahrlässiger Mord…

lesenslust über „Der heilige Eddy“ von Jakob Arjouni

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 Eddy Stein hat zwei Gesichter: neben seiner sehr erfolgreichen Laufbahn als Trickbetrüger hat er sich im Stadtteil Berlin – Kreuzberg eine neue Identität verschafft. Unschuldig wahrt er den Schein als harmloser Bürger. In seiner Freizeit geht er seiner Leidenschaft als Freizeitmusiker nach und beglückt dabei die ganze Nachbarschaft. Alles läuft nach Plan. Bis dato.

Nach einem erfolgreichen Beutezug gerät er im Treppenhaus seines Wohnhauses in eine Rangelei mit einem Mann, die folgenschwer endet: Der Mann stürzt, fällt unglücklich und ist sofort tot. Schöne Scheiße! Denn nun muss Eddy sich einen guten Plan einfallen lassen um die Leiche unbemerkt aus dem Haus zu schaffen.

Eine Mission, die sich tatsächlich schwieriger gestaltet als anfangs gedacht.
Denn der Tote ist Horst König, ehemals König der Würstchenbuden, neuerdings Käufer der Tempelhöfer Deo-Werke und Veranlasser von 8000 Mitarbeiter-Entlassungen. Somit zählt König nicht nur zu den Großkapitalisten Berlins, sondern auch zu den meistgehassten Prominten der Stadt. Ohne Begleitschutz ist ein Spaziergang da nicht mehr drin: seine bulligen Aufpasser sind daher nicht weit weg vom Schuss und fragen sich schon, wo der Boss bleibt.

Blöd für Eddy – denn damit gestalet sich ein kompliziertes Unterfangen. An die Lösung des Problems scheint nämlich ein weiteres geknüpft, denn der vermeintliche Mord an König wird zum Großereignis. Die Öffentlichkeit feiert den Mörder und Eddy wird auf unbekannte Weise zum Volkshelden. Endlich hatte jemand Eier in der Hose, das zu machen, was sich keiner getraut hat: den rücksichtslosen arroganten Schmierlappen um die Ecke zu bringen.

Gesellschaftssatiren sind ja immer so eine Sache. Manchmal lehnt sich ein Autor zu sehr an das wirtschaftliche Geschehen und schafft es nicht rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Der Verlauf der Dinge während der Zeit, in der das Buch gedruckt wird bis hin zum tatsächlichen Erscheinungsdatum, ist nicht immer abzusehen. Da streut man schnell mal Salz in die Wunde oder provoziert unbewusst Menschen. Ohne darüber Nachzudenken schafft man Stoff für öffentliche Auseinandersetzungen und hitzigen Diskussionen.

Arjouni jedoch ist clever. Er nimmt dem ganzen Wahnsinn, der in einer Stadt ausbrechen kann, vorweg und scheint einfach ein paar Schritte voraus zu sein. Die Story ist clever, gut durchdacht und abwechslungsreich. Die Folgen scheinen Arjouni bewusst zu sein und er isoliert sich geschickt.

Sein Protagonist Eddy ist trotz seiner kriminellen Ader ein Sympathieträger. Durch die leicht verpeilte Art und seine sensible Ader erscheinen die kriminellen Machenschaften Eddys gegen Horst Königs skrupellose Geschäfte ein Nichts. Er wirkt dem Leser durchaus symphatisch und schafft es, dass wir uns auf seine Seite der Straße stellen. In Horst König hingegen vereint sich alles, was oftmals Großkapitalgebern nachgesagt wird. Geldgeil, arrogant, rücksichtslos.

Was Arjouni dazu bewegt hat, Horst Königs Tochter Romy ins Spiel zu bringen, war mir anfangs nicht ganz klar. Wie es scheint, soll sie allerdings der Auslöser für Eddys sensible Seite und die bald entstehenden Gewissensbisse sein. Typisch, dass das wieder eine Sache ist, die durch eine weibliche Person ins Rollen kommt. Ein Mann ist eben auch nur ein Mensch! Oder was will uns Arjouni damit sagen?

Der Schreibstil des Autors ist oftmals ausschmückend, herrlich derb und damit sehr unterhaltsam. Mit Witz und Charme erzählt der Arjouni eine Geschichte, die an Einfallsreichtum und Abwechslung nicht mangelt. An der Geschichte ist daher meiner Ansicht nach nichts auszusetzen. Da ich Bücher dieses Genres nicht allzu häufig lese, erscheint mir die Story weder seicht noch ausgelutscht und bescherte mir damit ein paar unterhaltsame Stunden!

❤ ❤ ❤ ❤

2 Kommentare zu „Ein fahrlässiger Mord…

  1. oh… 🙂 klingt spannend und spielt in Berlin… ich wüsste sofort jemanden, dem ich es schenken wollen würde, natürlich erst, nachdem ICH es gelesen habe 🙂
    Liebe Grüße
    Claudia

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