Frühlingsgefühle…

lesenslust über „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ von Astrid Ruppert

~*Die Story*~

Annemie, Liz und Nina. 3 unterschiedliche Frauen, 3 unterschiedliche Leben.

Annemie Hummel ist fast sechzig und meint, ihr Leben sei eigentlich fast vorbei. Doch dass diese Denkweise nicht im Geringsten auf ihr Leben zutrifft, bemerkt sie erst durch eine Situation, in der ihre Nachbarin auf ihre Hilfe angewiesen ist. Dabei hält sie hält so gerne an ihrer täglichen Routine fest, weicht nahezu nie von ihr ab. Irgendwann wird ihr bewusst, dass sie das Leben, was sie hinter sich gelassen hat, nie wirklich gelebt hat. Es ist vielmehr an ihr vorbeigerauscht. Ihre Träume, ihre Sehnsüchte, ihre Ziele. Sie hat es stets versucht allen recht zu machen und ihre Wünsche immer zurückgesteckt. Allen voran ihrem Mann gegenüber – viel zu lange hat diese Ehe gedauert: führten sie vielmehr zwei Leben aneinander vorbei als miteinander. Als hoffnungslose Romantikerin hat sie immer von einerTraumhochzeit geträumt und sie nie bekommen. Das einzig halbwegs romantische sind die Stunden, in denen sie die mitunter kitschigsten Hochzeitstorten backt und mit dem Einsatz all ihrer Liebe verziert.

Liz Baumgarten ist Anfang zwanzig und ein gebranntes Kind. Als sie ihre beste Freundin mit ihrem Verlobten im Bett erwischt, kann sie nicht glauben, dass eine derartig lächerliche Situation gerade ihr passiert. Zwei Menschen, von denen sie dachte, sie zu kennen und denen sie vertraut hat, betrügen sie so schamlos! Ihr Glaube in die Menschen beginnt daher zu bröckeln. Sie verliert in nur einem Moment ihre beste Freundin und ihre große Liebe. Sie beschließt, sich nie wieder auf etwas derartiges wie Liebe einzulassen und das Heiraten lieber anderen zu überlassen. Sie ist sich sicher, sie wird nie wieder die Lust verspüren zu heiraten! Als sie auf die Idee kommt ihre eigene geplante Hochzeit zu verkaufen und diese Mission von Erfolg gekrönt wird, beschließt sie eine Agentur zu gründen: eine Hochzeitsagentur. Wenn schon die eigene Hochzeit nichts wird, warum sie nicht für andere zum schönsten Tag des Lebens machen?

Nina Winter ist Anfang zwanzig und aus reichem Haus. Sie war es stets gewohnt, der Öffentichkeit ausgesetzt zu sein und den guten Schein zu wahren. Schließlich ist sie eine Winter! Und das Juweliergeschäft Winter genießt einen ausgezeichneten Ruf! Doch um dem Druck gerecht zu werden, hat sie sich stets an andere orientiert und versucht vernünftig und selbstsicher zu handeln. Ihre Schutzhülle, die sie sich während der Jahre so hart aufgebaut hat, fällt auch ihr nicht immer leicht. Doch niemand sollte je ihren Schmerz und die Trauer um die viel zu früh verstorbene Mutter bemerken. Zielstrebig, erfolgreich, geradlinig, alles – bloß nicht kitschig oder sentimental. Gefühl zeigen ist einfach nicht ihr Ding. Und jetzt wird sie heiraten – schon bald!

Und plötzlich kreuzen sich die Wege dieser drei Frauen. Und alles verläuft ganz anders als geplant…

~*Meine Meinung*~

Eine wunderschöne Geschichte, die meine Lust auf den Frühling und die ersten Sonnenstrahlen, die ich ohnehin schon verspüre noch stärker macht. Der herrlich beschwingte und fröhliche Schreibstil von Astrid Ruppert bereitet mir gute Laune und sorgt für eine große Portion Glücksgefühle. Manche der Zeilen flattern vorbei wie ein Schmetterling, lassen sie sich nur kurz nieder um Luft zu holen um dann weiter in die Welt hinauszufliegen. Sie bewirken jedoch ganz unauffällig einen nachhaltigen Effekt beim Leser, lassen ihn nachdenklich werden und über seine eigenen Träume philisophieren.

Die junge Liz, die nach dem erschreckenden Ereignis, bei dem sie ihren eigentlich Zukünftigen und ihre bis dato beste Freundin in flagranti erwischt, den Entschluss gefasst hat, ihr Hobby zum Beruf zu machen, ist mir auf Anhieb sympathisch. Sie wird von der Autorin als sehr lebendig, farbenfroh und herrlich chaotisch beschrieben. Sie gleicht einer Beschreibung von Mary Poppins, die einen gewissen Zauber & Charme in die Geschichte einhaucht. Der Enthusiasmus, den Liz am Anfang der Geschichte besitzt, steckt einen nahezu an und scheint sich auf den Leser zu übertragen. Doch auch die zweifelnde und nachdenkliche Seite von Liz geht mir ans Herz, packt sie den Realismus des Lebens direkt an den Haaren. Das lässt den Charakter der Figur bodenständig und real erscheinen und verleiht der Geschichte eine sympathische Note.

Annemie Hummel ist eine ältere Dame, wie wir uns alle eine Oma wünschen. Fürsorglich, ummutternd, herzlich. Die kleinen Marotten, die sie sich im Verlaufe ihres Lebens angeignet hat, machen sie nur noch liebenswürdiger. Man leidet mit ihr, versteht warum sie sich in die Routine ihres Alltags stürzt und davon nicht abweichen möchte. Ist es die Angst vor Veränderung und ihre Art, mit der Enttäuschung, die sie verspürt wenn sie über ihr bisheriges Leben nachdenkt, umzugehen. Hatte sie doch ganz andere Vorstellungen vom Leben. Alles sollte anders laufen, schöner, romantischer, gefühlvoller. Die Herausforderung, Liz in ihrer Agentur zu vertreten gilt anfangs als zu groß. Sie fühlt sich ihr nicht gewachsen und unterschätzt sich. Ihre Mutter hat es ihr gelehrt, realistisch zu sein und ihre Zeit nicht damit zu verschwenden, sich Träumen hinzugeben. Doch offenbart sich diese Situation als ein Geschenk des Himmels, das ihr den Zugang zu ihrem wahren Ich verschafft und sie an der Herausforderung wachsen lässt. Viel mehr als sie vermutet…

Nina Winter erinnert mich fast ein bisschen an mich selbst. Sie scheint genau zu wissen wo sie hin und was sie erreichen will. Durch schmerzhafte Erfahrungen in ihrer Vergangenheit hat sie gelernt, sich eine Art Schutzhülle aufzubauen, die sie von äußeren Einflüssen schützen soll und sie deshalb den Anschein macht, sehr stark zu sein. Ihre auf den ersten Anschein so harte Schale verbirgt gefühlvolle und unsichere Seiten, die sich nur schwer zum Vorschein locken lassen. Dem Druck, den sie als Juwelierstochter unterliegt muss sie schließlich irgendwie Stand halten. Während der Geschichte fällt immer mehr das Harte an ihr ab und der weiche Kern kommt zum Vorschein. Eine Entwicklung, die der Leser schmunzelnd und unterhaltend verfolgen kann.

Der Weg, für den sich die Autorin entschieden hat, diese Menschen einander kennenlernen zu lassen, gefällt mir auf Anhieb. Er ist scheinbar unauffälig und wirkt dadurch so besonders. Man bemerkt mit der Zeit, wie immer mehr Menschen Teil der Geschichte werden und sich wie Puzzleteile aneinandersetzen. Die Geschichte wird durch ihre vielen Wendungen und Ereignisse sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Ist die Entwicklung der einzelnen Situation nicht immer vorhersehbar und doch irgendwie naheliegend. Die Autorin spielt förmlich mit uns: wie wirbelt unsere Gedanken durcheinander und lässt unserer Fantasie freien Lauf. Einfach wunderbar und keineswegs kitschig oder abgedroschen!

Ein Kommentar zu „Frühlingsgefühle…

  1. Liebe Steffi,
    also, als Autorin muss man ja einfach jubeln, wenn man Ihre Rezension liest! Erstmal vielen Dank für die Mühe und die Ausführlichkeit, mit der Sie sich der Geschichte gewidmet haben – ich fühle mich sehr geehrt!
    Es freut mich sehr, dass Ihnen mein Stil gefällt, und dass Sie die Figuren mögen – ich gestehe, sie sind mir auch sehr ans Herz gewachsen während der Zeit des Schreibens und ich denke jetzt oft an sie wie an alte, vertraute Bekannte, so im Sinne von: „Ach ja, die Annemie, was die wohl grade macht…?“
    Sie haben das schön beschrieben, dass die Notsituation für Annemie eigentlich „ein Geschenk des Himmels“ ist. Es war meine Absicht zu zeigen, dass der Zufall manchmal der beste Wegweiser im Leben ist, man erkennt es nur nicht immer. Und hier erkennen die drei Frauen Annemie, Liz und Nina alle, dass es eigentlich immer möglich ist, sein Leben zu verändern. Das Leben lässt uns Menschen begegnen, die einem neue Perspektiven eröffnen, die man für sich selbst gar nicht einplant. Es braucht einen mutigen Schritt, der fällt nicht immer leicht. Besonders wenn man schon sehr lange auf eine bestimmte Art gelebt hat, ist es schwer, etwas anderes zu machen. Aber es kann so befreiend sein!
    Dass Sie sich gerade Nina mit identifizieren können, freut mich besonders. Denn Nina ist eine Figur, zu der nicht jeder Leser, oder jede Leserin einen Zugang findet. Aber Nina ist für mich ein interessanter Mensch. Sie hat von früh an gelernt, sich ohne ihre Mutter zurechtfinden zu müssen in der Welt, sie hat sich Eigenschaften und Wesensarten zugelegt, die ihr dabei helfen zurechtzukommen. Die schützende Schale, so haben Sie das glaube ich genannt. Das war das Beste, was sie machen konnte. Doch nun steht sie vor der Entscheidung: Behält sie diese Wesensarten bei? Oder ist es vielleicht gar nicht mehr nötig, sich so zu schützen? Kann auch sie mal loslassen und probieren, wie es sich anfühlt, etwas mal ganz anders zu machen als bisher?
    Ich freue mich, dass Ihnen „Wenn nicht jetzt, wann dann? so gut gefallen hat und sage nochmal ein herzliches Dankeschön für diese wunderbare Rezension!
    Einen schönen sonnigen Tag wünscht
    Astrid Ruppert

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