Aphrodisierende Zutaten…

lesenslust über „Der Koch“ von Martin Suter

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Maravan Vilasim ist vielmehr als ein Tellerwäscher: seine Leidenschaft gilt dem Kochen.

In seiner Heimat Sri Lanka lernte er mit allen Sinnen zu kochen und damit ein aphrodisierendes Mahl zuzubereiten. Mit dem Essen gelingt ihm Grandioses.

Und dennoch wird er in Deutschland als tamilischer Asylant nur geduldet. Er arbeitet in der Küche des Nobelrestaurants „Chez Huwyler“. Sein Chef ist ein Arschloch, ein verwöhnter schmieriger Geschäftsmann, der sich in seinem Erfolg aalt, der eigentlich seinen Mitarbeitern gilt. Längst haben die Köche des „Chez Huwyler“ bemerkt, was in ihm steckt und nutzen ihn aus. Sie profitieren von seinem Geschick und geben es als das ihre aus.

Andrea ist seit kurzem Serviceangestellte im „Chez Huwyler“. Ihr gutes Aussehen verhilft ihr zu einem ordentlichem Trinkgeld und unangenehme gierige Blicke. Deshalb hält sie sich bedeckt, versucht nicht viel von sich preiszugeben, meidet den Kontakt mit den anderen Angestellten. Immer ist es dasselbe: das Abstempeln auf Äußerlichkeiten. Sie hat das Ganze so satt aber sie hat gelernt damit umzugehen.

Als sich Maravan heimlich für einen Tag ein teures Destillationsgerät leiht und dabei auffliegt, wird er gekündigt. Andrea nimmt ihn in Schutz und sieht es als Ihre Pflicht nachzuziehen und kündigt. Längst ist ihr sein Geschick aufgefallen, warum sollte der Junge sein Talent verschwenden? Sie wittert eine Chance und schlägt Maravan vor, sich zusammen zu tun. Warum nicht Maravans kulinarisches Geschick mit ihrem Talent als herzliche Gastgeberin kombinieren und etwas Gemeinsames aufziehen?
Gesagt, getan. „Love Food“ wird geboren – auf illegale Weise! Es kann nicht an die Öffentlichkeit geraten, es muss verdeckt gearbeitet werden. Maravans Aufenthalt in Deutschland wird sonst gefährdet.

Die Philosophie von „Love Food“ schlägt ein wie eine Bombe! Was anfangs zaghaft beginnt, spricht sich schon bald herum wie ein Lauffeuer. Maravans aphrodisierende Menüs werden legendär und die Anfragen häufen sich schon bald. Ein Menü, das Geschlechter auf sinnliche und kulinarische Weise füreinander empfänglich macht, das hat es noch nie gegeben…

Martin Suter wagte sich in seinem Roman „Der Koch“ an mir bisher unerschlossene Territorien.

Er kombiniert eine bei weitem nicht alltägliche und raffinierte Geschichte mit dem aktuellen Zeitgeschehen. Begegnet man während der Geschichte namhaften Menschen aus Politik und Wirtschaft, macht einen Exkurs ins Bankwesen, erfährt Details der Finanzkrise, die Auswirkungen und geheimen Machenschaften im Zuge des Bürgerkriegs in Sri Lanka und lernt nebenbei die aphrodisierende Wirkung der tamilischen Küche kennen.

Martin Suter hinterfragt die Dinge und verleugnet seine kritische Haltung zu keiner Zeit. Er umschreibt die Dinge auf seine, der Geschichte angemessene, appetitliche Weise. Mit einer guten Portion Sarkasmus und Charme verfeinert er die Geschichte mit all seinen Zutaten, die er aus seinem Handgelenk zu schütteln scheint. Jedoch, und das möchte ich nicht verallgemeinern, sind mir persönlich seine Zutaten zu zahlreich. Es ist die eine oder andere Zutat zu viel, die er in den großen Topf wirft und die das Mahl zum Überkochen bringt. Stellt es sich für mich doch manchmal als schwierig dar, die ganzen Geschehnisse richtig zu verstehen und zu verarbeiten, den Gedanken auf höchstem Niveau zu folgen und sich sicher zu sein, der Thematik das richtige Verständnis und uneingeschränkte Aufmerksamkeit geschenkt zu haben.

„Der Koch“ hat mich dennoch erfreulicher Weise auf eine Art und Weise unterhalten, die ich bisher noch nicht kannte. Suter ebnete mir den Weg zu etwas Neuem, er verschaffte mir Zutritt zu einer neuen Thematik. Dafür bin ich ihm dankbar!

Und für alle Hobbyköche unter uns hat Suter noch ein kleines Ass im Ärmel: Denn alle aphrodisierenden „Love Menüs“ von Maravan sind mit Benennung der Zutaten und Zubereitung im Anschluss an die Geschichte im Buch zu finden.

So gelingt es einem vielleicht die uns so alltägliche Alltagsküche um ein paar Nuancen der „suter´schen“ Zutaten zu bereichern. Bon Appetit!

❤❤❤❤

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